Der hässliche Deutsche kehrt zurück: Ralf Sina beim „moralischen Framing“ in der ARD

Täuschung, Manipulation, Betrug, wenn es um das geht, was man im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Berichterstattung über den Brexit versteht, dann sind wir einiges gewohnt, besonders von Ralf Sina. Aber sein neuester Beitrag, in dem er sich wieder darin gefällt, den harten Ralf zu spielen, der keinen Zentimeter europäischer Starrköpfigkeit an „die Briten“ abgeben will, schlägt alles bisher Dagewesene.

Im Framing-Manual, das – so muss man vermuten – auch Grundlage dessen ist, was Sina bei der ARD absondert, steht:

„Fakten sind also zentral. Aber sie werden in einer öffentlichen Auseinandersetzung erst zu guter Munition, wo ihre moralische Dringlichkeit kommuniziert wird“.

Wohlgemerkt, im Manual wird an keiner Stelle darauf eingegangen, dass sichergestellt werden muss, dass die Munition, mit der die Zuschauer und Leser der ARD beschossen werden, die Munition der Fakten, auch korrekt sein muss. Man muss daher annehmen, dass auch Falsches, das als Faktum präsentiert wird, als Munition im Sinne des Manuals durchgeht, die nunmehr moralisch überhöht und mit einer entsprechenden Dringlichkeit an die Beschossenen transportiert werden muss.

Bei Sina nimmt das die folgende Gestalt an:

Quelle

„Brexit-Experte Brok stellte bereits vergangenen Monat in Straßburg klar, dass die EU – im Fall eines harten Brexit – lieber die Gefahr eines wiederaufflammenden Nordirland-Konfliktes in Kauf nimmt, als die Gefährdung des EU-Binnenmarktes durch eine offene und unkontrollierte EU-Außengrenze auf der irischen Insel.

Broks Begründung: “Diese harte Grenze schadet Großbritannien viel mehr als uns.” Vor allem würde die harte Grenze Nordirland schaden. Will die EU tatsächlich lieber das Risiko eines neuen Nordirland-Konfliktes eingehen als das Risiko, dass Chlorhühnchen oder Hormonrinder unkontrolliert via Nordirland in die EU kommen?

Brok vermag da keine Zwickmühle für die EU erkennen. Für ihn hat die Verteidigung des Wohlstandsgaranten namens EU-Binnenmarkt und seiner Außengrenzen oberste Priorität. Und so sieht es auch Juncker, Mays heutiger Gastgeber in Brüssel.“

Bevor wir uns dem „moralischen Framing“ widmen: Ist Ihnen aufgefallen, dass der „Brexit-Experte Brok“ entgegen aller sonstigen Gepflogenheiten des Anstands nicht mit Vornamen genannt wird? Nun, das liegt daran, dass der Vorname, Elmar, es Lesern und Zuhörern ermöglicht, den angeblichen „Brexit-Experten Brok“ als den deutschen Abgeordneten des Europaparlaments „Elmar Brock“ zu identifizieren. Damit ist Brok lediglich eine interessierte Partei. In keinem Fall ist Brok der „Brexit-Experte“ als den ihn Sina verkaufen will. Ziel von Sina ist es, seiner eigenen Sichtweise, mehr Nachdruck zu verleihen. Er ist offenkundig der Meinung, der Begriff „Experte“ sei geeignet, um Leser und Zuhörer zu beeinflussen. Also täuscht Sina seinen Lesern und Zuhörern einen Experten vor, wo keiner ist. Dass Sina dies vermutlich arglistig tut, muss man aus der Tatsache schließen, dass der Vorname von Brok systematisch ausgelassen wurde, selbst für die ARD ist dies außergewöhnlich.

Elmar Brok ist übrigens der EU-Parlamentarier, der vor nicht allzu langer Zeit durch den Verdacht in die Schlagzeilen geraten ist, Reisegruppen, die auf seinem Abgeordneten-Kontingent unentgeltlich ins Europaparlament reisen können, um ein paar Euros (150 Euro pro Kopf um genau zu sein) Aufenthaltskosten erleichtert zu haben. Ein recht einträgliches Geschäft, wie die Neue Züricher Zeitung und Politplatschquatsch schreiben.

Elmar Brok ist auch einer der Europaparlamentarier der ersten Generation. Seit 1980 sitzt er im Parlament seine Zeit ab. Wer zu jung ist, um sich zu erinnern: Die erste Generation des Europaparlaments ist die Generation der Abgeschobenen, denn die meisten Parteigliederungen in Deutschland haben im Europaparlament die einmalige Chance gesehen, abgehalfterte, unfähige oder auch nur nervige Parteisoldaten abzuschieben.

Zurück zu Sina und seinem stürmeresken Text zum Brexit:

Man muss sich das, was hier von einem öffentlich-rechtlichen Medium verbreitet wird, in aller Ruhe und wiederholt zu Gemüte führen:

„Brexit-Experte Brok stellte bereits vergangenen Monat in Straßburg klar, dass die EU – im Fall eines harten Brexit – lieber die Gefahr eines wiederaufflammenden Nordirland-Konfliktes in Kauf nimmt, als die Gefährdung des EU-Binnenmarktes durch eine offene und unkontrollierte EU-Außengrenze auf der irischen Insel.“

Wo soll man bei so viel Boshaftigkeit und Menschenverachtung anfangen? Moralisches Framing bei der ARD bedeutet ganz offenkundig, Chlorhühnchen gegen Menschenleben aufzurechnen und sich dabei moralisch überlegen vorzukommen. Es besteht offensichtlich darin, Erpressung, die darin besteht, bewusst das Aufflammen eines Konfliktes in Kauf zu nehmen, wenn es nicht nach dem eigenen Kopf geht, als moralische Überlegenheit zu inszenieren. Wo der Unterschied zwischen Propaganda im Dritten Reich und der ARD besteht, ist uns im Moment nicht ganz klar.

Das moralische Framing der vermeintlichen Fakten, das Sina hier seinen Lesern und Zuhörern aufschwätzen will, sähe etwas anders aus, wenn in Deutschland bekannt wäre, dass WEDER die irische noch die britische Regierung die Absicht haben, zwischen Nordirland und der Republik Irland wieder eine Grenze zu errichten. Es gilt das Good-Friday-Agreement zwischen beiden Ländern.

Die irische Regierung übt sich derzeit in creative inertia, d.h. es wird viel über den sogenannten Backstop gesprochen, was das ist, haben wir hier erklärt, es werden aber keinerlei Vorkehrungen getroffen, wie sie notwendig wären, um eine harte Grenze zwischen beiden Irlands einzuführen. Im Falle eines hard Brexit wird Dublin wohl einfach mit den Achseln zucken und an Brüssel die eigene Unfähigkeit melden, eine harte Grenze durchzusetzen. Die Briten haben schon im von Boris Johnson übernommenen Plan A+ des Institutes of Economic Affairs und in etlichen Erklärungen der Regierung die Absicht bekundet, KEINE harte Grenze zur Republik Irland zu errichten.

Was will der Brexit Experte und Reiseveranstalter Brok tun, um seine Chlorhühnchen-Phantasie ausleben zu können? In Irland einmarschieren und dort eine harte Grenze durch die Bundeswehr sichern lassen?

Im Übrigen vergisst man bei den Großmäulern, sorry, natürlich bei den Brexit-Experten der EU generell, dass auch nach einem hard Brexit die Republik Irland Teil der EU ist, der an das Good-Friday-Agreement mit dem UK gebunden ist, das offene Grenzen gewährleistet. Insofern stehen die Iren vor der Frage, ob sie sich an Verträge, die sie geschlossen haben, halten wollen oder an Vorgaben von Brexit-Experten aus dem Europäischen Parlament und der feuchtfröhlichen Kommission.

Es gab in Deutschland einmal einen Philosophen, der ein Instrumentalisierungsverbot aufgestellt hat: „denn der Mensch kann von keinem Menschen […] bloß als Mittel, sondern muss jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden, und darin besteht seine Würde”. Immanuel Kant schreibt das in seiner Metaphysik der Sitten.

Die Sitten sind seither verroht. „Brexit-Experten“ wie Brok, die nichts dabei finden, wirtschaftliche Interessen über Menschenleben zu stellen und letztere zur Geisel zu nehmen, um die eigenen Interessen durchzusetzen, sind der Grund dafür.

Und wenn Sie sich jetzt fragen wollen, worüber sie kotzen wollen, darüber, dass Personen wie Ralf Sina jedes Mittel Recht zu sein scheint, um seine Leser in die von ihm gewünschte Richtung zu framen, moralisch zu framen versteht sich, oder dass Personen wie Elmar Brok offenkundig nicht nur jeden Boden von Anstand und Würde verlassen haben, sondern darüber hinaus keinerlei menschliche Regung mehr erkennen lassen, dann tun sie das.

Der letzte Absatz war übrigens ein Beispiel für moralisches Framing das auf menschliche Gemeinsamkeit wie sie Anstand und ehrlicher Umgang herstellen, abzielt. Beides, Anstand und ehrlicher Umgang scheint mit der EU nicht kompatibel.

Und wenn man bedenkt, dass der ganze Hass, die ganze Anglophobie darauf zurückzuführen ist, dass ein paar Inselbewohner für sich das Recht reklamieren, selbst nicht nur über die Verwendung ihrer Steuern, sondern auch über ihr Leben bestimmen zu wollen, dann muss man angesichts der Reaktionen aus Brüssel und Deutschland feststellen, dass das mit dem europäischen Freiheits- und Friedensprojekt EU wohl ein PR-Stunt war, um den totalen Brüsseler Moloch etablieren zu können.

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