Vorgriffsprofessuren: Steuerzahler mit einer Milliarde Euro gleich doppelt schröpfen

2.186.700 Euro gelten heute weitgehend als Peanuts, ein Bonmot, das Franz Müntefering, einer der angeblichen Arbeitervertreter, die vergessen haben, was Arbeiter sind und was Arbeit ist, geprägt hat.

2.186.700 Euro hat das Land Sachsen-Anhalt, von dem wir schon mehrfach berichtet haben, nämlich hier und hier, in seinem Haushalt 2019 eingestellt, um drei Vorgriffsprofessuren im Rahmen des Professorinnenprogramms III zu finanzieren. Die Finanzierung erfolgt je zur Hälfte aus Steuermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Landesministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung von Sachsen-Anhalt.

Wir reden also nicht von 2.186.700 Euro, sondern von 4.373.400 Euro.

Immer noch Peanuts für diejenigen, die kein Problem haben, das Geld auszugeben, für das andere lange gearbeitet haben.

Mit den 4.373.400 Euro werden drei Vorgriffsprofessuren im Rahmen des Professorinnenprogramms IIII an Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt finanziert. Das Professorinnenprogramm ist ein Männer diskriminierendes Programm, in dem Steuermittel, die mehrheitlich von Männern erwirtschaftet werden, ausschließlich zur Finanzierung von Frauen auf Positionen an Universitäten eingesetzt werden, Positionen, die in Reminiszenz an frühere Zeiten, als Professuren noch mit Kompetenz und nicht mit Geschlecht verbunden waren, weiterhin Professuren heißen.

Der Begriff Vorgriffsprofessur ist nun wiederholt gefallen. Zeit, zu erklären, was es damit auf sich hat.

Beim wissenschaftlichen Dienst des Bundestages findet sich die folgende Beschreibung für eine Vorgriffsprofessur:

„Bei einer Vorgriffsprofessur handelt es sich um eine künftig (spätestens in 5 Jahren) frei werdende oder zu schaffende Stelle. Für die Professorin muss nach Ablauf der Förderung (spätestens nach 5 Jahren) eine unbefristete Stelle innerhalb der Hochschule zur Verfügung stehen.“

Eine Suche nach dem Begriff der Vorgriffsprofessur auf der Seite des BMBF ergibt genau einen Treffer, ein Jubeltext über die 500. Professur, die im Rahmen des Professorinnenprogramms besetzt wurde. In der Pressemeldung aus dem Jahr 2016 steht zu lesen:

„Bei den geförderten Professuren kann es sich um regulär frei werdende Professuren, sogenannte Regelprofessuren, oder um Vorgriffsprofessuren handeln. Letztere sind Stellen, die im Vorgriff auf eine in Zukunft frei werdende oder noch zu schaffende Professur besetzt werden. Mit der Einrichtung von Vorgriffsprofessuren verbinden Hochschulen häufig die Erhöhung des Frauenanteils an Professuren mit anderen innovativen Zielsetzungen. Hierzu zählt beispielsweise auch der Aufbau neuer zukunftsweisender Arbeitsgebiete. Das sind im Fall der Vorgriffsprofessur an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg für Miriam Tariba Richter die Schwerpunkte Gender und Migration im Fach Pflegewissenschaft. Rund ein Drittel der 500 bisher geförderten Professuren sind Vorgriffsprofessuren.

Ein Drittel von 500 Professuren macht rund 170 Professuren. Pro Professur fallen, legt man den Haushalt von Sachsen-Anhalt zugrunde, Kosten in Höhe von 4.737.400 Euro über drei Jahre an. Werden die fünf Jahre voll ausgeschöpft, dann fallen Kosten in Höhe von 7.329.000 Euro an. Hochgerechnet auf die 170 Professuren ergibt dies zwischen 805.358.000 Euro und 1.245.930.000 Euro Kosten für Vorgriffsprofessuren (bis 2016).

Für Vorgriffsprofessuren, die NIEMAND braucht.

Die Beschreibung des BMBF ist eine euphemistische Umschreibung der Tatsache, dass durch eine Vorgriffsprofessur eine Stelle an einer Hochschule geschaffen wird, die eine Doppelbesetzung darstellt. Die richtige Professur, die einmal durch die Vorgriffsprofessorin ersetzt werden soll, ist nach wie vor vorhanden, ihr Inhaber kostet die Steuerzahler nach wie vor Geld, er wird nach wie vor bezahlt, um die Leistungen zu erbringen, die notwendig sind, um den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten. Im Gegensatz dazu wird die Inhaberin der Vorgriffsprofessur schlicht nicht gebraucht.

Sie wird von Steuerzahlern über drei bis fünf Jahre dafür bezahlt, dass sie vielleicht über die Welt und Gender sinniert, sich überlegt, ob es eine gute Zeit wäre, um ein Freisemester zu nehmen (aufgrund des stressigen Jobs) oder sich einen sonstigen Zeitvertreib sucht. Sie wird nicht gebraucht, weil der reguläre Stelleninhaber seine Professur nach wie vor voll ausfüllt.

Und die Steuerzahler finanzieren diesen Unsinn mit irgendwo zwischen 805 Millionen und 1,2 Milliarden Euro.

Ist das immer noch Peanuts?

Es ist nachgerade erstaunlich, wie einfach es in Deutschland ist, unter den Augen des Bundesrechnungshofes oder des Bundes der Steuerzahler Steuergelder zu verpulvern. Man muss nur eine Agenda durchsetzen die einen Opferstatus etabliert und an das Mitgefühl der größten unter den Einfältigen appellieren und schon kann man Formen von Selbstbereicherung durchsetzen, die selbst den größten Despoten in einem frei zu wählenden Entwicklungsland blass werden lassen.

Jedoch wir wissen: Wer etwas gegen Genderismus sagt, der ist ein Rechtsextremist. Auch das haben die Genderista mit dem Despoten in einem fei wählbaren Land in der Mitte Afrikas oder im Süden Amerikas gemeinsam: Wer die Korruption kritisiert, wird zum (Staats-)Feind erklärt.

Damit die Selbstbereicherung und die Korruption ungehindert weitergeführt werden kann.

Aber, so haben wir an uns (kurz) gezweifelt, vielleicht tun wir allen Unrecht und Vorgriffsprofessorinnen sind keine Professorinnen, die vielleicht erst üben müssen, Professor zu sein, quasi im Vorgriff auf ihre Eignung, sondern ganz tolle Professuren.

Also haben wir uns angesehen, womit die 500. Vorgriffsprofessorin Miriam Tariba Richter in ihrem akademischen Leben so glänzt.

Nun, es gibt europäische Glühbirnen, die die Dunkelheit mit einem Glimmer erhellen und es gibt Vorgriffsprofessorinnen, die ihre Vorgriffszeit nicht wirklich mit wissenschaftlicher Arbeit, wie sie sich in Zeitschriftenbeiträgen, Forschungsanträgen und Forschungsprojekten niederschlägt, anfüllen, die eher vor sich hindämmern, wie die Publikationsliste von Richter – Vorgriffsprofessorin seit 2016 zeigt:

Kurz-Biographie von Vorgriffsprofessorin Miriam Tariba Richter

Immerhin gibt es von Richter durchgeführte Lehrveranstaltungen, die sich indes lesen, wie ein doppeltes Lottchen:


Man hat nicht wirklich den Eindruck, dass in den beiden Seminaren Unterschiedliches vermittelt wurde. Die Doppelung ist hier quasi System. Die Vorgriffsprofessur doppelt die Ausgaben der Steuerzahler, die eine Professur finanzieren, die niemand braucht. Als Dank erhalten Studenten doppelte Veranstaltungen, bei denen sich der Titel „etwas“, der Inhalt wohl kaum unterscheidet.

Die Idee, dass im Rahmen des Professorinnenprogramms Kompetenz in irgend einer Weise eine Rolle spielt, kann man somit wohl ad acta legen.

Das Professorinnenprogramm ist ein Programm, das Steuerzahlern hohe Kosten auferlegt, um einen staatlich-finanzierten sekundären Arbeitsmarkt an Universitäten zu schaffen (Dr. habil. Heike Diefenbach würde von einem geschützten Raum sprechen), der ähnlich wie die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Hartz IV Empfänger dazu gedacht zu sein scheint, die Statistik von Arbeitslosen, von schwer vermittelbaren Arbeitslosen zu entlasten.

Warum ABM-Maßnahmen der Öffentlichkeit nicht als Vorgriffsberufe verkauft werden, ist offensichtlich – oder?


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