Das Ende der (öffentlich-rechtlichen) Mainstream-Medien

Kurz vor Weihnachten 1952 gab es den Probelauf für die Aktuelle Kamera. Die Nachrichtensendung im Deutschen Fernsehfunk, dem Staatsfernsehen der DDR. Ab 1957 gab es dann jeweils um 20.00 und für mehr als 40 Jahre die DDR-Nachrichtensendung, die dem DDR-Volk mitgeteilt hat, was die SED mitteilen wollte (der Schwarze Kanal von Karl-Eduard von Schnitzler startete erst im März 1960).

Der Deutsche Fernsehfunk hat eine Tradition fortgesetzt, die in der Weimarer Republik, aber vor allem im Dritten Reich mit der Verteilung der „Volksempfänger“ begonnen hat, die indes mit dem Problem nicht kontrollierter Frequenzen verbunden war, so dass es Deutschen möglich war, über die gesamte Zeit des Dritten Reiches z.B. BBC zu hören, ein Umstand, der zur Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen geführt hat, mit der ab dem 1. September 1939 das Hören von ausländischen Sendern generell verboten wurde. Die ersten beiden Paragraphen der Anordnung, die Stammleser von ScienceFiles vielleicht wiedererkennen, lauten:

§1 Das absichtliche Abhören ausländischer Sender ist verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Zuchthaus bestraft. In leichteren Fällen kann auf Gefängnis erkannt werden. Die benutzten Empfangsanlagen werden eingezogen.

§2 Wer Nachrichten ausländischer Sender, die geeignet sind, die Widerstandskraft des deutschen Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet, wird mit Zuchthaus, in besonders schweren Fällen mit dem Tode bestraft.

Die Kontrolle der Verbreitung von Information war Regierungen schon immer sehr wichtig, wobei die westdeutsche Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg nicht viel offener gewesen ist als die ostdeutsche. Immerhin hat es bis Ende der 1980er Jahre gedauert, ehe in Deutschland private Anbieter von Fernsehprogrammen zugelassen wurden und bis heute sichern sich Regierungen mit öffentlich-rechtlichen Medien eine – wie sie meinen – Möglichkeit, zur Massenbeeinflussung in der Weise, die Harold D. Lasswell schon früh als „Stimulus-Response-Modell“ beschrieben hat.

Die Idee die dahinter steht, ist eine Idee aus dem Kontext der Propaganda:

„The strategy of propaganda … can readily be described in the language of stimulus-response. … the propagandist may be said to be concerned with the multiplication of those stimuli which are best calculated to evoke the desired responses, and with the nullification of those stimuli which are likely to instigate the undesired responses” (Lasswell 1927: 630).

Zwischenzeitlich hat sich jedoch herausgestellt, was Gene Roddenberry in die Formulierung gegossen hat: „There is an intelligent life form at the other side of the screen“. Die Idee, man könne Menschen mit einer penetrant einseitigen Darstellung von Fakten, mit Lügen, wie dies Claus Kleber tut oder mit diversen Tricks der Manipulation von Nachrichten, beeinflussen, hat sich weitgehend als falsch herausgestellt, was dazu geführt hat, dass Massenmedien in Deutschland, ihre brachialen Versuche der Beeinflussung der Massen durch – wie sie meinen – subtile Varianten des Agenda Settings, des Berichtens und des Unterdrückens von Information ergänzt haben.





Auch dieser Versuch der alten Massenmedien, die Leute bei der ideologischen Stange zu halten, muss als gescheitert angesehen werden, wie nicht nur die Tatsache, dass das Vertrauen der Bürger in öffentlich-rechtliche Sender sehr gering ist, seinen Niederschlag findet, sondern vor allem in der Existenz einer Vielzahl alternativer Informationsportale, Foren, Blogs, Informationsanbieter.

Deren Existenz und der Verlust der Deutungshoheit der alten Medien hat eine gemeinsame Ursache: Das Internet. Das Internet hat nicht nur die Möglichkeit für quasi jedermann geschaffen, seinen eigenen Informationskanal zu eröffnen, es hat auch die Möglichkeit für Konsumenten alter Medien geschaffen, deren Informationsangebot auf Korrektheit zu prüfen und die Auswahl, die ARD, ZDF und die anderen Mainstream-Medien aus dem Informationsangebot treffen zu hinterfragen. Ein Deutungsmonopol in einem Land durchzusetzen, in dem es nur die Aktuelle Kamera oder die Tagesschau als Informationsquelle gibt, ist recht einfach. Sobald aber Wettbewerb auf dem Informationsmarkt entsteht, erodiert das Deutungsmonopol, werden Manipulationen, wird Propaganda offensichtlich:

Als Ergebnis gibt es Kritik an der Art der Berichterstattung der alten Medien.

Als Ergebnis ist die Auswahl der Informationen, die alte Medien darbieten, in die Kritik geraten.

Als Ergebnis ist das Vertrauen, von alten Medien korrekt und wahrheitsgemäß informiert zu werden, gesunken.

Als Ergebnis gibt es immer mehr Bürger, die ihre Informationen aus mehr als einer Quelle beziehen, um zu vergleichen und zu prüfen.

Als Ergebnis sind die alten Medien im Niedergang.



Dabei wird den alten Mainstreammedien ihre Allianz mit der politische Kaste, die sich seit Jahrzehnten eingenistet hat, um ihre Klientel mit Zugängen zu Ressourcen und Steuergeschenken zu bedienen, zum Verhängnis, denn – wie es nun einmal so ist: Gesellschaften ändern sich.

Viele westliche Gesellschaften haben eine politische Wende vollzogen, weg von politischer Korrektheit und den Problemen, die sich die Identitätspolitiker, für die sexuelle Orientierung wichtiger ist als die Schaffung von Arbeitsplätzen, einbilden, hin zu den wirklichen, den realen Problemen, weg von der Heuchelei hin zu Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, weg von politischer Korruption hin zu einem verantwortlichem Umgang mit dem Geld der Steuerzahler.

Die Speerspitze dieser Entwicklung ist einmal mehr Donald Trump.

Donald Trump twittert.
Sehr zum Ärger seiner Gegner und sehr zum Ärger der alten Mainstream-Medien, die gedacht haben, sie könnten als Gatekeeper den Zugang zu den Bürgern kontrollieren (und Trump quasi abschneiden) und aus ihrer Rolle (nicht nur) finanzielles Kapital schlagen.

Donald Trump hat sie einfach umgangen und damit ihr Ende eingeleitet.

Journalisten werden von ihm nicht mehr bevorzugt mit Informationen behandelt. Trump tweeted direkt, was ihm relevant erscheint, an seine 62.5 Millionen Follower auf Twitter. Welches Medium kann von sich behaupten, dass es 62.5 Millionen Abonnenten hat?

Wichtiger als die Zahl der Abonnenten ist jedoch der Bedeutungsverlust klassischer Medien. Sie sind nicht mehr die ersten, wenn es um die Verbreitung von Informationen geht. Im Gegenteil, sie sind oftmals diejenigen, die bereits verbreiteten Informationen hinterherlaufen müssen.

Der Niedergang der alten Medien wird auch aus dem Vereinigten Königreich beschleunigt. Hier nutzt Boris Johnson Facebook, um sich direkt an die Bürger des Vereinigten Königreichs zu richten, um die linke Blase, die BBC, ITV und Sky News geworden ist, zum Platzen zu bringen.

Was wir sehen, ist ein umfassender Wandel, der sich in einen grundlegende Demokratisierungsprozess transformieren kann, in dessen Verlauf der Zwischenwirt der Mainstream-Medien ausgeschaltet wird und Politiker direkt mit Bürgern interagieren. Eine klassische Form von Basisdemokratie, die die Linken früher gefordert haben.

Heute werden sie sich beeilen, davor zu warnen, denn die Bevölkerung ist für sie noch nicht reif, kann zu leicht, wie sie meinen, Populisten in die Hände fallen, besteht, wie sie denken, aus Deppen, die nicht in der Lage sind, sich unabhängig von einer Lenkung durch Mainstreammedien ein Urteil zu bilden. Die alte politische Klasse und ihre Wasserträger in den Redaktionen der alten Medien haben einen Wandel verschlafen. Sie sind, wie es im Englischen heißt, „sidelined“. Sie stehen am Rand und staunen darüber, dass man sie nicht mehr benötigt, dass ihre Dienste nicht mehr gewünscht sind, dass sie mit ihren offenen und weniger offenen Lügen, ihrer Dauerindoktrination, die von seichter, politisch-korrekter Unterhaltung unterbrochen wird, zu weit gegangen sind.

Die Zeichen stehen auf Wandel.

Ob die Deutschen die Zeichen dieses Mal erkennen oder den Wandel verschlafen?


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