Massive Hirnschäden bei COVID-19-Toten – Münchner Autopsie-Ergebnisse

Quelle

Die Ergebnisse von Pathologen, die an COVID-19 Verstorbene obduzieren, haben wir schon mehrfach berichtet. Schweizer Pathologen haben zum Beispiel in zwei Obduktionen herausgefunden, dass die ACE2-Rezeptoren, die sich im Endothel finden, Einfallstor für SARS-CoV-2 sind: Das Endothel findet sich als innerste Wand in allen Blutgefäßen, sein Vorkommen ist quasi körper-universell in Fettgewebe, Haut, Herz, Lunge, Leber, Skelettmuskulatur, im Nervensystem, der Darmschleimhaut, der Niere, der Nasenschleimhaut, im Knochenmark usw. Funktioniert das Endothel nicht, resultieren daraus Durchblutungsstörungen in Organen oder im Gewebe, die bis zum Absterben der Organe oder von Gewebe führen können.

Die Schweizer Pathologen haben ihre Ergebnisse wie folgt zusammengefasst:

“Our findings show that the presence of viral elements within endothelial cells and an accumulation of inflammatory cells, with evidence of endithelial and inflammatory cell death. These findings suggest that SARS-CoV-2 infection facilitates the induction of endotheliitis in several organs as a direct consequence of viral involvement (…) and the host inflammatory response”.

Unser Text dazu finden sich hier.



Pathologen vom Universitätsklinikum Augsburg haben Obduktionen bei 10 an COVID-19-Verstorbenen durchgeführt und in allen Fällen als Todesursache eine erhebliche Schädigung der Lungenbläschen feststellen. Über die Lungenbläschen findet der Austausch von CO2 und O2 statt, Ersteres wird aus dem Blut entnommen und über die Atemluft entsorgt, Letzteres dem Blut in den Lungenkapilaren zugeführt. Funktioniert der Austausch nicht, ist ein Erstickungstod die Folge. Das Beunruhigende an den Ergebnissen der Augsburger Pathologen war ihre Zusammenfassung der Ergebnisse:

““The pulmonary histologic characteristics of COVID-19 resembled those observed in diseases caused by other Betacoronavirus infections such as severe acute respiratory syndrome and Middle Eastern Respiratory Syndrome [MERS].”

MERS, mit dessen Folgen die Augsburger die Folgen von COVID-19 vergleichen, ist ein erfolgreicher Killer. 35% derjenigen, die an MERS erkranken, sterben auch daran. Wenn die Augsburger Recht mit ihrer Analogie haben und SARS-CoV-2 das Potential von MERS innewohnt, dann kommt noch einiges auf uns zu.

Der Text zu den Ergebnissen der Augsburger Pathologen findet sich hier


Die neuesten Ergebnisse von Autopsien aus Deutschland wurden gestern im Lancet veröffentlicht. Münchner Pathologen, Claus Hann von Weyhern, Ines Kaufmann, Frauke Neff und Marcus Kremer, haben 6 Patienten, die an COVID-19 verstorben sind, obduziert, dabei abermals andere Ergebnisse gefunden. Die Verstorbenen waren im Alter von 58 bis 82 Jahren. Sie wurden alle auf einer Intensivstation im Großraum München behandelt, alle mechanisch beatmet, alle hatten eine massive Pneumonie. Die Behandlungsdauer betrug zwischen knapp drei bis knapp 15 Tagen. Am Ende stand für alle der Tod, klar, sonst könnte man sie nicht obduzieren. Interessant ist nun, dass alle Patienten, die 65 Jahre und älter waren, an einem Herzkreislaufversagen verstorben sind, während alle Patienten, die jünger als 65 Jahre waren, an Gehirnblutung oder an einer Lungenembolie verstorben sind. Trotz unterschiedlicher Todesursachen teilen alle Verstorbenen ein weiteres Merkmal: Sie alle weisen erhebliche Schädigungen des Gehirns auf. Sie alle haben großflächige Entzündungen in Gehirn (Enzephalitis) und Hirnhaut (Meningitis) und Blutungen im Gehirn (Petechie). Interessanterweise konnten die Münchner Pathologen keine Endotheliitis bei ihren Patienten feststellen.

Einmal mehr erweist sich SARS-CoV-2 als Virus voller unangenehmer Überraschungen.
Die Ergebnisse aus München schließen an Forschungsergebnissen an, über die wir vor einiger Zeit berichtet haben:

Eine Autorengruppe um Ling Mao hat die neurologischen Befunde von 214 hospitalisierten COVID-19-Patienten, von denen 88 ernsthaft erkrankt waren, untersucht und dabei zwischen

  • Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems – CNS: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Bewustsseinsstörungen, Hirngefässerkrankungen, Verwirrung, und epileptische Anfällen,
  • Beeinträchtigungen des peripheren Nervensystems – PNS: Verlust / Einschränkung des Geschmacks- oder Geruchssinns, Sehstörungen, Nervenschmerzen und
  • Muskel-Skelett-Verletzungen

unterschieden.



Eine Beeinträchtigung des Zentralen Nervensystems wurde bei 78 Patienten festgestellt: Schwindel, Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen waren am häufigsten vertreten. Hirngefässerkrankungen kamen in 6 Fällen vor. Relativ verbreitet scheinen auch Beeinträchtigungen des peripheren Nervensystems zu sein, ein Verlust des Geschmacks- und des Geruchssinns wird relativ häufig berichtet (n = 23). Auch Muskel-Skelett-Verletzungen sind unter den Patienten häufig zu finden (n = 23).

Quelle: van Weyhern et al. (2020)

Die Erklärung für diese Ergebnisse findet sich nach Ansicht der Autoren darin, dass ACE2-Rezeptoren, über das SARS-CoV-2 mit seinem Spike-Protein Zugang zu menschlichen Zellen gewinnt, in Muskeln und im Nervensystem vorhanden sind, so dass ein direkter Angriff durch SARS-CoV-2 erfolgen kann.

Die kompletten Ergebnisse von Mao et al. können hier nachgelesen werden.

Die Art des Zugangs den SARS-CoV-2 sich über das zentrale Nervensystem verschafft und von dem die Schweizer Pathologen annehmen, dass er über das Endothel erfolgt, ist bei den 6 Münchner Verstorbenen ein Rätsel, denn: “we observed no conspicious endotheliitis”. Es muss entsprechend noch andere Wege geben, auf denen SARS-CoV-2 in das Gehirn gelangt.

Zusammenfassend schreiben die Münchner Pathologen:

“In summary, in addition to viral pneumonia, a pronounced CNS involvement with pan-encephalitis, meningitis, and brainstem neuronal cell damage were key events in all our cases. In patients younger than 65 years, CNS haemorrhage was a fatal complication of COVID-19.”

Je mehr Forschung zu SARS-CoV-2 bekannt wird, umso größer wird das Rätsel, das dieses Multitalent unter den Viren umgibt.


Hann von Weyhern Claus, Kaufmann, Ines, Neff, Frauke & Kremer, Marcus (2020). Early Evidence of Pronounced Brain Involvement in Fatal COVID-19 Outcomes. The Lancet.


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