Einpunkt-Experten: Faktenfinden bei der Amadeu-Antonio-Stiftung

Er ist wieder da.
Patrick Gensing beglückt uns wieder fast täglich mit einem seiner … Beiträge.

Heute hat er sich Verstärkung aus der Amadeu-Antonio-Stiftung geholt. Gleich und gleich gesellt sich gern, so könnte man formulieren, um diesen neuerlichen Bruch mit jedem Versuch, auch nur ansatzweise Bericht zu erstatten, zu beschreiben. Gensings Mission, nachdem er sich bereits ausgiebig der wichtigen Frage, wie viele Menschen gestern in Berlin demonstriert haben, gewidmet hat: Die Teilnehmer der Demonstration kollektiv und alle über einen Kamm zu diskreditieren, als Spinner, gefährliche Zeitgenossen, Personen ohne berechtigtes Anliegen …



Die Verstärkung heißt Jan Rathje.

Rathje ist abwechselnd Experte:

“Experten sind allerdings weniger überrascht über die sehr verschiedenen Milieus, die sich hier zusammengefunden haben. Jan Rathje von der Amadeu-Antonio-Stiftung sagt, diese Milieus werden zusammengehalten durch Verschwörungsideologien und gemeinsame Feindbilder.”

und Politikwissenschaftler (eine Anmaßung…):

“Der Politikwissenschaftler verweist auf die sogenannten Mahnwachen im Jahr 2014, die ähnlich funktioniert hätten.

Solche Demonstrationen sind seiner Meinung nach wichtig für solche Bewegungen: Sie schafften ein Gemeinschaftsgefühl, das über die sozialen Netzwerke hinausgehe: “Sie vermitteln den Menschen das Gefühl der Macht. Dies konnte man am Wochenende sehen, als sie kollektive Ordnungswidrigkeiten bewusst begingen”, sagt Rathje.”

Der Versuch, die Demonstranten, die gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung demonstriert haben, zu diskreditieren, ist hausbacken und dumpf wie man es aus den Räumen der AAS-Stiftung, in denen ein Mief herrschen muss, der dem guten Erich, der einst staatlich verordneten Mief zu seiner Profession gemacht hat, bekannt vorkommen müsste, wäre er noch am Leben.

Bislang haben wir denselben Käse, den man schon in Büchern über die Republikaner aus den 1990er Jahren finden kann: “gemeinsame Feindbilder”, die “durch Verschwörungsideologien” zusammengehalten werden. Wie man sich das vorzustellen hat? Nun, wenn Patrick Gensing und Jan Rathje darüber sinnieren, dass Leute mit “Dreadlocks, Trommelgruppen und gescheitelte Rechtsextreme” nach einem Gemeinschaftsgefühl suchen, um sich dann doch mit einem Gefühl der Macht zufrieden zu geben, dann ist das eine 1a-Verschwörungstheorie, die durch gemeinsame Feindbilder zusammengehalten wird.



Gensing und Rathje sind das Fallbeispiel für ihre eigene Pseudo-Theorie.

  • Verschwörungstheorien sind Satz-Systeme, die Aussagen über die Wirklichkeit umfassen.
  • Verschwörungsideologien muss man, da eine Neuschöpfung, als Satz-Systeme auffassen, die Glaubensinhalte über die Wirklichkeit umfassen.

Ob Rathje dieser Unterschied geläufig ist, wissen wir nicht.

In jedem Fall ist er selbst das beste Beispiel für einen Verschwörungsideologen, und zwar nicht nur aus den bereits genannten Gründen, sondern vor allem wegen der Art und Weise seiner Diagnose. Er stellt Behauptungen über die Teilnehmer der Demonstration in Berlin auf, die er auf keinerlei empirische Basis, die in den Wissenschaften anerkannt ist, bauen kann. Er redet über Teilnehmer, nicht mit ihnen. Seine Aussagen resultieren nicht aus empirischen Informationen, sie sind Zuschreibungen, die er aufgrund seiner ideologischen Überzeugung darüber vornimmt, wie der Teil der Welt, den er nicht mag, zu sein hat. Er ist in der Tat Verschwörungsideologe. Er muss nicht prüfen, was er behauptet, er behauptet einfach drauflos, weil er glaubt zu wissen. Damit ist er jedem Verschwörungstheoretiker, der eine prüfbare Aussage über die Wirklichkeit aufstellt und prüft, unterlegen, aber immer noch gut genug, um von Gensing als Experte und gar als Politikwissenschaftler präsentiert zu werden.

Nun ist der Experte und Politikwissenschaftler das, was man als einen Einpunkt-Experten bezeichnen kann. Seine Expertise umfasst genau einen Aspekt der Wirklichkeit wie ein Blick in sein bisheriges wissenschaftliches Wirken zeigt. Wir haben diesen Blick zunächst über die einschlägigen Quellen auf seinen wissenschaftlichen Output gerichtet. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass seine Darstellung bei der AAS-Stiftung, von der wir angenommen haben, dass das nicht alles sein könne, doch alles ist:

Reichsbürger hinten, vorne, Reichsbürger links und rechts und oben und unten. Das Thema einer studentischen Hausarbeit ist alles, was den Experten der AAS-Stiftung zu beschäftigen scheint, mit Ausnahme eines Beitrags für die Bundeszentrale für Politische Bildung, in dem sich Rathje mit anderen fragt, wie man Menschen zu mündigen Bürgern erziehen kann. Eine Frage, von der wir denken, dass Rathje eine denkbar ungeeignete Person ist, sie zu beantworten. Es ist eben einfach nicht mehr Expertise vorhanden.

 

 

Genau der Mann für Gensing, der bei Auswahl seiner Experten natürlich darauf achtet, dass er im Gemeinschaftsgefühl, das er sucht, auch ein Gefühl der Macht erleben kann, was er natürlich nicht kann, wenn ihm ein “Experte” haushoch überlegen ist.

Und dann präsentieren Gensing und Rathje vermeintliche Einsichten, die man erst einmal verdauen muss.

“Rathje sieht große Überschneidungen insbesondere zwischen Esoterik und Verschwörungsideologien, wie beispielsweise die Angebote von bestimmten Buchverlagen zeigen. Die Überschneidungen seien auch nicht neu, erklärt er: “Letztlich geht es darum, dass beide Modelle eine widerspruchsfreie Gesellschaft erzeugen wollen. Man behauptet, man sei nicht rechts, ignoriert aber Rechtsextreme auf den Demos. Das ist die Widerspruchsfreiheit nach innen. Aber man will auch eine Gemeinschaft ohne Widersprüche: keine störenden Parteien oder keine individuellen Interessen.”

Rathje verweist auf den US-Politikwissenschaftler Michael Barkun, der Ähnlichkeiten zwischen “kultischen” und verschwörungsideologischen Milieus herausgearbeitet hat. Beide richten sich demnach erst einmal generell gegen die “offizielle” Darstellung. Außerdem zielen Esoterik und Verschwörungsideologien auf ein “Weltsystem” ab – das heißt, sie wollen alles widerspruchsfrei erklären und integrieren.

Nehmen Sie aus diesem Kauderwelsch, dass Widersprüchlichkeit nach Ansicht von Rathje etwas ist, das von denen, die er für Esoteriker und Verschwörungsideologen hält, die nach Gemeinschaft und Macht streben, unbedingt vermieden werden muss. Parteien und individuelle Interessen störten da nur.



Das muss man sich so vorstellen, dass ein bunter Haufen von Menschen, also “Dreadlocks, Trommelgruppen und gescheitelte Rechtsextreme”, der jedem normalen Menschen als Zusammenkunft ganz unterschiedlicher Menschen vorkommen würde, unbedingt vermengt und zu einem braunen Einheitsbrei verrührt werden muss, und zwar von Verschwörungsideologen und Esoterikern, die Parteien und individuelle Interessen nicht ertragen können, denen es, wie dies bei Gensing und Rathje der Fall ist, nicht nachvollziehbar ist, dass sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Motiven zusammenfinden, um etwas für Außenstehende gemeinsam Erscheinendes zu tun, dass dieses Gemeinsame aber dennoch durch eine Multitude unterschiedlichster Interessen und Motivationen verursacht ist.

Verschwörungsideologen wie Rathje und Gensing müssen diese Vielfalt auf einen rechten Kern reduzieren, um sich die Welt fassbar zu machen, denn sie haben in erster Linie Angst vor Entwicklungen, wie sie die Demonstration am Sonntag zum Ausdruck gebracht hat, Entwicklungen, die sie weder verstehen noch ertragen können, von denen sie sich aber zutiefst gefährdet sehen. Menschen, deren Kompetenzen an einem Finger der linken Hand abzählbar sind, sind die ersten, die bei einer gesellschaftlichen Modernisierung verlieren, die entlassen werden, deren Dienste nicht mehr benötigt werden, deren Stiftung nicht mehr finanziert wird. Die Angst von Rathje und Gensing ist real. Dass sie sie nach außen projizieren und anderen unterstellen, ein Phänomen, das von Sozialpsychologen und Psychiater seit Jahrzehnten beschrieben wird.

Somit sind Gensing und Rathje das beste Beispiel für den Anspruch auf totale Welterklärung, den Hannah Arendt als eines von drei Merkmalen des Totalitarismus beschrieben hat.

„Der Anspruch auf totale Welterklärung verspricht die totale Erklärung alles geschichtlich sich Ereignenden, und zwar totale Erklärung des Vergangenen, totales Sich-auskennen im Gegenwärtigen und verläßliches Vorhersagen des Zukünftigen“ (Arendt 2011: 964).

Dr. habil. Heike Diefenbach hat den Ansatz von Arendt hier beschrieben.



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