Macht korrumpiert, so heißt es bekanntermaßen, und in diesem Zusammenhang dürften die meisten von uns an Korruption bzw. persönliche Bereicherung durch Vorteilsnahme im Amt, kleine (oder große) Geschenke, die Gegengeschenke erfordern, u.v.a.m. denken. Aber wie viele Menschen denken in diesem Zusammenhang daran, dass Macht, verstanden als Möglichkeit, Entscheidungen über eine größere Anzahl von Menschen treffen zu können, die sich auf diese Menschen bzw. ihre Handlungen oder ihre private Lebensführung auswirken, demjenigen, der diese Macht ausübt, eine Persönlichkeitsstörung verschaffen kann (die er vorher nicht oder nicht in dieser Weise hatte)?!
David Owen oder genau: Rt. Hon. the Lord Owen CH, dessen vollständiger Name David Anthony Llewellyn Owen lautet – er wurde im Jahr 1938 als Kind walisischer Eltern in England geboren – und der einen Sitz im House of Lords des britischen Parlamentes innehat und auf eine lange politische Karriere zurückschaut, (während derer er auch für den Brexit eintrat), aber auch eine medizinische Fachausbildung in Neurologie hat und in den 60er-Jahren als Arzt tätig war, beschäftigt sich bereits seit dem Beginn der 2000er-Jahre mit dem psychischen Gesundheitszustand von Politikern. In einem Artikel mit dem Titel „Hubris and Nemesis in Heads of Government“, der im Jahr 2003 im Journal of the Royal Society of Medicine erschienen ist, schrieb er:
„There have been incompetent Heads of Government in the past who have shown no signs of hubris and have often lacked for self-confidence. But there is an acknowledged association between hubris and incompetence in Iraq mentioned by a number of serious commentators. The restless energy of hubris that constantly intervenes does so, often without all the factual information; the excessive selfconfidence that does not seek advice or fails to listen to the wisdom of others, makes serious mistakes; and the inattention to detail and focus on the broad brush all combine to associate hubris with incompetence and poor judgement“ (Owen 2003: 549).
D.h.
„Es hat in der Vergangenheit inkompetente Regierungschefs gegeben, die keine Anzeichen von Hybris zeigten und denen es oft an Selbstvertrauen mangelte. Aber es gibt einen anerkannten Zusammenhang zwischen Hybris und Inkompetenz im Irak [d.h. mit Bezug auf die Invasion des Iraks im Jahr 2003 unter dem damaligen Premieminister Tony Blair], der von einer Reihe seriöser Kommentatoren erwähnt wird. Die rastlose Energie der Hybris, die ständig eingreift, tut dies oft ohne alle sachlichen Informationen; das übermäßige Selbstvertrauen, das keinen Rat einholt oder nicht auf die Weisheit anderer hört, macht schwerwiegende Fehler; und die Unaufmerksamkeit gegenüber Details und die Konzentration auf das große Ganze – all dies bringt Hybris mit Inkompetenz und schlechtem Urteilsvermögen in Verbindung“ (Owen 2003: 549).
Damit ist bereits grob zusammengefasst, was Owen später in einer Reihe von Veröffentlichungen als das „Hybris-Syndrom“ beschrieben hat – und nicht nur anhand von Tony Blair, sondern am Beispiel einer ganze Reihe von Regierungschefs bzw. Personen in politischen Machtpositionen. So hat er in seinem im Jahr 2008 erschienenen Buch mit dem bezeichnenden Titel „In Sickness and in Power“ in ihrem poilitischen Gebaren erkennbare Hybris u.a. von Woodrow Wilson, David Lloyd George, Adolf Hitler, John F. Kennedy und Anthony Eden beschrieben, die zu unvernünftigen politischen Entscheidungen geführt hat, die ihrerseits negative bis fatale Folgen für Millionen von Menschen hatten.
Owen ist nicht der Auffassung, dass jeder Mensch in einer Machtposition unweigerlich ein „Hybris-Syndrom“ entwickelt, aber aufgrund seiner Beobachtungen und Aufarbeitungen der politischen Karrieren und Entscheidungen einer großen Anzahl von Regierungschefs ist Owen zu der Überzeugung gekommen, dass die Gefahr der Entwicklung eines solchen Syndroms offenbar eine Funktion der Besetzung einer Machtposition ist und sich umso eher entwickelt, je länger eine Person diese Machtposition einnimmt – weshalb Owen auch die Höchstdauer von Amtszeiten beschränkt sehen möchte –, und sich eher entwickelt, wenn eine Person in einer Machtposition bereits andere Persönlichkeitsstörungen aufweist, insbesondere Narzissmus, eine antisoziale Persönlichkeitsstörung oder eine histrionische Persönlichkeitsstörung. Anders als diese Persönlichkeitsstörungen, die sich gewöhnlich im Kindes- oder Jugendalter entwickeln, ist das „Hybris-Syndrom“ für Owen eine sich im Erwachsenenalter entwickelnde und im Zusammenhang mit der Besetzung einer Machtposition erworbene Persönlichkeitsstörung.
Es erfordert nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass Owens Idee vom Hybris-Syndrom auf nicht viel Gegenliebe im politischen und wissenschaftlichen „establishment“ gestoßen ist; wer weiß, wieviele ihm Angehörige sich selbst in einer (relativen) Machtposition wähnen und mit der Zeit ein Hybris-Syndrom entwickelt haben, das als solches die Möglichkeit ausschließt zu erkennen, dass eine Persönlichkeitsstörung vorliegt?!:
Es ist vor diesem Hintergrund, dass Owen Versicherungen dagegen, dass das Hybris-Syndrom bei Politikern fatale Folgen für Millionen von Menschen hat, bis auf Weiteres außerhalb dessen, der das Syndrom aufweist, sucht, und statt dessen in Verfahrensweisen, die innerhalb des demokratischen Systems ihren Platz haben sollten wie die oben bereits erwähnten Untersuchungen von Personen, die Machtpositionen besetzen, auf ihre – insbesondere psychische – Gesundheit, aber auch andere:
Die Feststellung eines Hybris-Syndroms setzt voraus, dass es in der medizinischen bzw. speziell psychiatrischen/psychologischen Nomenklatur einen anerkannten Status erhält, das seine Existenz als solches anerkennt. Bislang gibt es in den entsprechenden Verzeichnissen mentaler Störungen bzw. von Persönlichkeitsstörungen keinen Eintrag für ein Hybris-Syndrom. Das bedeutet nicht, dass es niemanden in der Profession gäbe, der die Idee vom Hybris-Syndrom als Persönlichkeitsstörung unterstützen würde. So hat der inzwischen verstorbene Gerald Russell, der (u.a.) Professor Emeritus des psychiatrischen Instituts der Universität London und Pionier im Gebiet der Ess-Störungen gewesen ist, bereits im Jahr 2011 die Leistung Owens hinsichtlich des Hybris-Syndroms gewürdigt und festgehalten:
„Owen has made important contributions to the psychiatry of politicians and others in positions of power, which should be warmly welcomed“ (Russell 2011: 144),
d.h.
„Owen hat wichtige Beiträge zur Psychiatrie von Politikern und anderen in Machtpositionen geleistet, die herzlich begrüßt werden sollten“ (Russell 2011: 144).
Sozusagen natürliche Verbündete hat Owens mit seiner Idee auch in der Betriebswirtschaftlehre und hier speziell unter denjenigen, die mit Führungsstilen beschäftigt sind, gefunden. Der sich selbst überschätzende Manager ist in diesem Forschungsbereich eine bekannte und in vielen Fachbeiträgen thematisierte Figur, hat durch die Arbeit von Owen aber neue Impulse erhalten (s. z.B. Claxton et al. 2015; Garrard 2018; Sadler-Smith 2018; Sadler-Smith et al. 2017).
Bis heute gilt aber dennoch, was Russell in seiner Stellungnahme zu Owens Hybris-Syndrom ebenfalls festgehalten hat, dass nämlich [d]ie Beschreibung des Hybris-Syndroms weiter verfeinert und ausgearbeitet werden sollte, bevor es Eintritt in die in der Profession anerkannten psychiatrischen Klassifikationen finden kann (Russell 2011: 144). Eine das Syndrom zuverlässig messende Skala gibt es bis heute nicht, aber Owen und Davidson haben in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2009 vierzehn Verhaltensweisen vorgeschlagen, anhand derer das Hybris-Syndrom erkennbar sein soll. Es soll daran erkennbar sein, dass eine Person
- eine narzisstische Neigung dazu hat, die Welt vorrangig als eine Arena anzusehen, in der Macht ausgeübt und Ruhm erworben wird,
- eine Tendenz dazu hat, ihrem Handeln vorrangig das Streben danach zugrundelegt, die eigene Person in ein günstiges Licht zu rücken bzw. das eigene Image zu verbessern,
-
Quelle: Focus.de unverhältnismäßig viel Wert auf das eigene Image und Selbstdarstellung legt,
- in einer messianischen Art über ihre aktuellen Aktivitäten spricht und in ihrer Rede eine Tendenz zur eigenen Überhöhung aufweist,
- das eigene Ich in einem Maße mit der Nation oder einer Organisation identifiziert, dass sie ihre eigenen Ansichten und Interessen und diejenigen der Nation oder Organiation als identisch ansieht,
- dazu neigt, über sich selbst in der dritten Person zu sprechen oder den Majestätsplural für sich (d.h. „wir“ statt „ich“) zu benutzen,
- übermäßiges Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit bei gleichzeitiger Verachtung von Ratschlägen oder Kritik Anderer aufweist,
- einen an Allmacht grenzenden Glauben daran zeigt, was sie persönlich erreichen kann,
- davon überzeugt ist, dass sie nicht vor dem weltlichen Gericht der Kollegen oder der öffentlichen Meinung Rechenschaft ablegen muss, sondern vor dem Gericht der Geschichte oder Gottes,
- einen unerschütterlichen Glauben daran hat, dass sie vor diesem Gericht bestehen wird,
- den Kontakt zur Realität verliert,
- zur Unruhe, Rücksichtslosigkeit und zu impulsivem Verhalten neigt,
- dazu tendiert, die moralische Richtigkeit eines Handelns im Sinn eines ‚größeren Ganzen‘ zu bestimmen, das die Notwendigkeit, praktische Aspekte wie die Kosten und die ggf. negativen Folgen des Handelns zu berücksichtigen, in ihren Augen überflüssig macht, und
- sich als inkompetent erweist, weil sie die Grundlagen und praktischen Erfordernisse („the nuts and bolts of“) der Politikgestaltung missachtet (vgl. Owen & Davidson 2009: 1398).
SciFi-Support
Owen und Davidson (2009: 1398) halten fest, dass die Mehrheit dieser vierzehn Merkmale (nämlich die Merkmale 1, 2, 3, 4, 7, 8 und 9) anerkannte Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind, und zwei weitere anerkannte Merkmale einer anti-sozialen bzw. einer histrionischen Persönlichkeitsstörung. Die fünf verbleibenden Merkmale werden von Owen und Davidson als „unique“, d.h. in diesem Zusammenhang: allein das Hybris-Syndrom kennzeichnend, bezeichnet. Dabei handelt es sich um die Merkmale 5, 6, 10, 12 und 13, die in der obenstehenden Liste durch Kursivsetzung hervorgehoben sind. Owen und Davidson betrachten das Hybris-Syndrom also nicht vorrangig als einen Untertyp der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (obwohl sie es für möglich halten, dass sich das Hybris-Syndrom in Zukunft als Untertyp der narzisstischen Persönlichkeitsstörung erweisen wird; s. Owen & Davidson 2009: 1403) oder als eine Mischung bereits etablierter Persönlichkeitsstörungen, sondern als eine eigenständige Persönlichkeitsstörung, die lediglich (wenn auch einschlägige) Ähnlichkeiten mit in der klinischen Praxis bereits etablierten Persönlichkeitsstörungen hat.
Als diagnostisches Kriterium für das Vorliegen des Hybris-Syndroms schlagen Owen und Davidson vor, dass mindestens drei der vierzehn oben genannten Merkmale vorliegen müssen, wobei mindestens eines ein Merkmal sein muss, das von Owen und Davidson als „unique“ bezeichnet wurde, d.h. mindestens eines der Merkmale 5, 6, 10, 12 oder 13 beobachtet werden muss.
Der Entscheidung für dieses diagnostische Kriterium liegt die Vorstellung zugrunde, dass Owen und Davidson Komorbiditäten im Zusammenhang mit dem Hybris-Syndrom erwarten. D.h., dass sie erwarten, dass mit dem Hybris-Syndrom eine weitere, diagnostisch abgrenzbare Persönlichkeitsstörung, insbesondere eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, einhergeht (oder mehere weitere Persönlichkeitsstörungen einhergehen). Die Autoren weisen darauf hin, dass es z.B. (auch) für die narzisstische Persönlichkeitsstörung sehr schwierig ist, Personen zu finden, die nur diese, aber keine weitere Persönlichkeitsstörung, aufweisen (Owen & Davidson 2009: 1403).
An den von Owen und Davidson vorgeschlagenen Kriterien gibt es das ein oder andere auszusetzen. So ist z.B. das Kriterium 6 vom „Majestätsplural – ausgerechnet eines, das die Autoren speziell dem Hybris-Syndrom zugehörig ansehen –m.E. ein weitgehend untaugliches Kriterium, denn wenn jemand von „unseren Leistungen“ redet, dann ist damit keineswegs impliziert, dass er eigentlich meint „meine Leistungen“, aber den Majestätsplural für sich benutzt; tatsächlich ist die Rede von „unseren Leistungen“ gewöhnlich etwas, was darauf verweist, dass diese Leistungen nicht von einer Person allein erbracht wurde, sondern von einer Reihe von Personen, die aufeinander bezogen gehandelt haben.
Dagegen könnte man einwenden, dass gerade jemand, der sich selbst überschätzt, genau dies nicht einräumen würde, aber damit setzt man voraus, was zu zeigen ist: dass die Rede vom „wir“ oder von „uns“ bei einer Person als „Majestätsplural“ zu verstehen ist, setzt voraus, dass man von dieser Person schon weiß, dass sie in Hybris befangen ist, statt sie als in Hybris befangen erweisen zu können. In jedem Fall ist die Verwendung von „wir“ und „uns“ in verschiedenen Kontexten unterschiedlich zu interpretieren, und Kontexte sind in Mess-Skalen, in die Indikatoren letztlich überführt werden müssen, sehr schwierig zu modellieren. Die Frage ist dann nicht nur, inwieweit bestimmte Merkmale als solche dazu geeignet sind, Persönlichkeitsstörungen abzubilden, sondern auch, wie genau sie zuverlässig gemessen werden können. Bislang liegt jedenfalls keine Skala zur Messung des Hybris-Syndroms vor.
Darüber hinaus bleibt – wie oben schon angedeutet – bis auf Weiteres offen, wie der Stellenwert des Hybris-Syndroms als Persönlichkeitsstörung einzuschätzen ist: wird es am besten als eine von anderen Persönlichkeitsstörungen zumindest im Prinzip unabhängige Persönlichkeitsstörung angesehen? Oder als ein Untertyp der narzisstischen Persönlichkeitsstörung? Oder als eine eigenständige Persönlichkeitsstörung, die sich jedoch durch eine ggf. bestimmte Kombination von Merkmalen anderer Persönlichkeitsstörungen auszeichnet? Die Klärung dieser Fragen ist notwendig, wenn das Hybris-Syndrom als eine Persönlichkeitsstörung validiert werden soll (Robins & Guze 1970) und Aufnahme in die entsprechenden Klassifikationssyteme finden soll.
Das alles bedeutet nicht, dass die Idee vom Hybris-Syndrom verworfen werden sollte; seien wir ehrlich: die schlichte Tatsache, dass die meisten von uns mit der Idee vom Hybris-Syndrom einschließlich der meisten der vierzehn von Owen und Davidson genannten Merkmale bestimmte eigene Beobachtungen und Erfahrungen verbinden können, mag dafür sprechen, dass die Idee ein mehr oder weniger verbreitetes und wichtiges Phänomen anspricht. Es bedeutet aber, dass noch einiges an Arbeit zu tun ist, bis das Hybris-Syndrom sozusagen „reif“ ist, um in Klassifkationen von (mentalen/) Krankheiten aufgenommen zu werden.
Neuerdings, d.h. im Jahr 2023, hat sich Jean-Paul Selten von der School for Mental Health and Neuroscience an der Universität Maastricht für eine Aufnahme des Hybris-Syndroms in die Klassifikationssysteme für (mentale/) Erkrankungen eingesetzt und im Zuge seiner Argumentation zwei Dimensionen des das Hybris-Syndroms herausgearbeitet:
Selten hat mit der Benennung der beiden Dimensionen des Hybris-Syndroms und der Zuordnung bestimmter Merkmale zu einer der beiden Dimensionen schon zur Klärung des Konezptes vom Hybris-Syndrom beigetragen insofern man, wenn die Messung der Merkmale gelingt, Erwartungen darüber aufstellen kann, wie sich die einzelnen Merkmale mit Bezug auf die beiden Dimensionen und zueinander verhalten sollten. Anders gesagt: man hätte ein Modell vom Hybris-Syndrom, das ggf. statistisch validiert werden könnte.
Aber auch Selten weist auf die grundlegende Schwierigkeit hin, die mit der Messung der Indikatoren für das Hybris-Syndrom verbunden sind, allen voran
„… that individuals with the hubris syndrome are highly unlikely to collaborate in any investigation“ (Selten 2023: 5891),
d.h.
„… dass Personen mit dem Hybris-Syndrom sehr wahrscheinlich nicht bereit sein werden, bei einer Untersuchung mitzuwirken“ (Selten 2023: 5891).
Unter diesen Umständen gewinnen die Vorschläge von Owen, Verfahren zu etablieren, die die Gefahr, dass Personen, die in Hybris befangen sind, Unheil mit ihren Entscheidungen oder ihrem Handeln anrichten können, möglichst gering halten. Anders ausgedrückt: statt bei einzelnen Personen feststellen zu wollen, ob sie ein Hybris-Syndrom aufweisen bzw. entwickelt haben oder nicht, sollte unahängig von dieser Feststellung dafür gesorgt werden, dass Personen, die ein Hybris-Syndrom aufweisen bzw. entwickelt haben, nicht die Bedingungen vorfinden, unter denen es zur Geltung kommen kann. Welche Bedingungen dies im einzelnen sein können oder sollen, ist noch unklar; über die Ideen von Owen hinaus ist hierüber bislang so gut wie nicht nachgedacht worden. M.E. würden wir aber gut daran tun, darüber nachzudenken.
Ich vermute, dass entsprechende Bedingungen letztlich auf ein Mehr an Demokratie hinauslaufen werden bzw. auf eine stärkere Beschränkung der Möglichkeiten von Regierungschefs und wahrscheinlich auch von Kabinetten und Parlamenten, ihren Willen ggf. gegen den der Mehrheit der Bevölkerung durchzusetzen. Eine starke Einschränkung des Aufkommens von Steuergeldern, über das Regierungen verfügen können, sowie die Einführung einer weitgehenden Sachgebundenheit von Steuergeldern samt einer Verpflichtung zur detaillierten und transparenten Darstellung aller finanzieller Transaktionen von Regierungen, um die sachgemäße Ausgabe der Steuergelder zu belegen, wären eine Maßnahme, die Fehlentscheidungen von in Hybris befangenen Personen in politischen Ämtern die finanzielle Grundlage dafür entziehen würde, ihre negativen Folgen in der Realität entfalten zu können.
Literatur
Claxton, Guy, Owen, David, & Sadler-Smith, Eugene, 2015: Hubris in Leadership: A Peril of Unbridled Intuition? Leadership 11(1): 57-78
Garrard, Peter, (Hrsg.), 2018: The Leadership Hubris Epidemic: Biological Roots and Strategies for Prevention. London: Palgrave Macmillan
Owen, David, 2008: In Sickness and Power: Illness in Heads of Government During the Last 100 Years. London: Methuen
Owen, David, 2008a: Let Us See the Medical Records of Future World Leaders. BMJ 2008; 337: a2486
Owen, David, & Davidson, Jonathan, 2009: Hubris Syndrome: An Acquired Personality Disorder? A Study of US Presidents and UK Prime Ministers over the Last 100 Years. Brain: A Journal of Neurology 132(5): 1396-406
Robins, Eli, & Guze, Samuel B., 1970: Establishment of Diagnostic Validity in Psychiatric Illness: Its Application to Schizophrenia. The American Journal of Psychiatry 126(7): 983-987
Russell, Gerald, 2011: Psychiatry and Politicians: The ‚Hubris Syndrome‘. The Psychiatrist 35(4): 140-145
