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Allianz der Irrationalität: Erdogan und Genderisten im Geiste vereint

Rationalität, Vernunft, Freiheit und Aufklärung sind Begriffe, die nicht voneinander getrennt werden können. Gemeinhin wird die Befreiung von Menschen in westlichen Kulturen als Ereignis angesehen, das von der Aufklärung ausgelöst wurde. Gegenstand der Aufklärung war es u.a. die Quelle menschlicher Erkenntnis aus dem, was aus heiligen Schriften herausgelesen werden kann, in die Empirie zu verlagern und mit Methoden zu kombinieren, die Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit und Falsifizierbarkeit gewährleisten.

Parallel zu dieser Befreiung der Wissenschaft vom Joch der Religion, verlief die Befreiung des Individuums, dem sich nunmehr die Möglichkeit bot, auf Grundlage der Anwendung seiner Vernunft, seiner Rationalität, unabhängig von Vorgaben und ausschließlich auf Grundlage von empirischen Informationen und Belegen, begründete Überzeugungen zu entwickeln.

Diese Befreiung von Individuen und Wissenschaft aus dem Joch der Religion und von der damit verbundenen Kontrolle, ist einer Reihe von Ideologen immer zu weit gegangen, Ideologen, deren Ziel eine De-Säkularisierung ist, eine abermalige Unterordnung von Individuen nicht unter die Ergebnisse von Rationalität, rationalem Denken und rationalem Diskurs, sondern unter die Vorgaben einer höheren Autorität, die auf irrationale oder intuitive Art und Weise zu ihrer Erkenntnis gelangt ist, die sie verkündet und die man glauben muss, da sie weder prüfbar noch falsifizierbar ist.

Seit einigen Jahrzehnten sieht sich die westliche Zivilisation einer wachsenden Welle der Irrationalität gegenüber, die u.a. von Kreationisten und Genderisten gespeist wird, denen beide der Hass auf Vernunft und die Unabhängigkeit menschlichen Denkens gemeinsam ist.

So liest man z.B. in einer "Einführung in die feministische Philosophie", die Ursula J. Meyer fabriziert hat:

„Weiterhin kritisiert die feministische Philosophie die ausschließliche Bindung der Vernunft und des vernünftigen und legitimierten Handelns an die Rationalität. Das neuzeitliche Selbst- und Weltverständnis enthält eine Spaltung in Vernunft im Sinne von Rationalität und in Sinnlichkeit im Sinne von Irrationalität. Mit dieser Spaltung hat die patriarchale Philosophie zum einen ein universalistisches Ideal entwickelt und zum anderen alles, was nicht der rationalen Vernunft entspricht, als unvernünftig ausgegrenzt“ (Meyer 2004: 36).

Solche Angriffe auf die Fundamente der Wissenschaft, die Feministen und Genderisten tagtäglich ausführen, haben die Mitglieder der „American Association for the Advancement of Science“ dazu veranlasst, den um sich greifenden Irrationalismus zu verurteilen. Dieser Irrationalismus, der methodisch darin zu finden ist, dass Kriterien wie Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit und Falsifizierbarkeit für die eigenen Aussagen abgelehnt und statt dessen eine tiefere, intuitive und natürlich irrationale Einsicht in höhere Zusammenhänge behauptet wird, wird von Genderisten mit Kreationisten geteilt. Letztere bestreiten vor allem die Darwinsche Evolutionstheorie und sind der Meinung, die Geschichte der Erde beginne vor ein paar 10.000 Jahren mit dem bekannten „es-werde-Licht-Spruch“ eines Gottes.

Kreationisten und Genderisten sind aber nicht nur Eins im Glauben, sie teilen auch dieselben Wurzeln. Ulrich Kutschera berichtet von oben genanntem Treffen:

„In der nur informell geführten Diskussion zum “Genderismus in Europa” wurde klar, dass diese fundamentalistische Anti-Darwin-Ideologie dieselben Wurzeln hat wie der wörtlich verstandene biblische Schöpfungsglaube (Kreationismus). Genderisten glauben, dass das “soziale Geschlecht” des Menschen, d. h. die Maskulinität und Femininität (Mann- bzw. Frau-Sein) unabhängig vom biologischen Geschlecht (XY- bzw. XX-Chromosomensatz, Testosteron- bzw. Östrogen-Pegel usw.) zum Ausdruck kommt, und als “gesellschaftliches Konstrukt” interpretiert werden kann. […] Die Diskussion in San Jose, CA, führte zum folgenden Konsens: Evolutionsbiologen sollten den Genderismus, eine universitäre Pseudowissenschaft, die den deutschen Steuerzahler jährlich viele Millionen Euro kostet, mit demselben Ernst analysieren und sachlich widerlegen, wie den damit geistesverwandten Kreationismus.”

Was die Genderisten mit Kreationisten verbindet, verschafft ihnen neuerdings auch eine Gemeinsamkeit im Geiste mit Recep Tayyip Erdoğan, denn wie X index berichtet, ist auch in der Türkei die De-Säkularisierung in vollem Gange. Seit 2018 findet sich in Schulbüchern für 15jährige kein Verweis mehr auf die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Der Bruch mit der rationalistischen Tradition die Mustafa Kemal Atatürk begründet hat, könnte größer nicht sein und wird durch die Aufnahme von jihad als Thema in den Religionsunterricht noch verstärkt. Kreationisten und Genderisten teilen mit Islamisten wie Adnan Oktar einem Fernsehprediger, der seit Jahren im türkischen Fernsehen gegen Darwin und seine Theorie mobilisiert, die Verachtung für Rationalität und wissenschaftliche Theorien, die man sich offensichtlich außer Stande sieht, zu kritisieren. Also muss man sie verdammen und ausmerzen.

Die De-Säkularisierung ist im vollen Gange und sie bringt die interessantesten Koalitionen hervor, die christliche Extremisten, Genderisten und türkische Islamisten gemeinsam gegen die Grundlagen von Humanismus und menschlicher Freiheit kämpfen sieht: Die Rationalität und die Vernunft.

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