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Elektroautos sind bei Emissionen umweltschädlicher als Benziner

Wer in Deutschland ein Elektroauto anschafft, erhält einen staatliche Zuschuss von 4.000 Euro. Wer lieber auf ein Hybrid-Fahrzeug setzt, kann immer noch mit einem Zuschuss von 3.000 Euro rechnen. Weil Elektroautos ja vermeintlich so umweltfreundlich sind, deshalb verzichtet Vater Staat, der Pater Enviromentalis, für 10 Jahre auf die Kfz-Steuer, das macht abermals im Durchschnitt 3.000 Euro aus. Hinzukommen je nach Bundesland noch einmal zwischen 1.000 Euro bis 6.000 Euro für die Installation einer privaten Ladestation. Insgesamt werden Elektroautos somit mit bis zu 13.000 Euro bezuschusst. Der Umwelt zuliebe.

Nur: Elektroautos sind gar nicht umweltfreundlicher als Benzin- oder Dieselfahrzeuge, sie sind es nur an bestimmten Orten und dann nur in Städten.

Zu diesem Ergebnis sind Stephen P. Holland, Erin T. Mansur, Nicholas Z. Mueller und Andrew J. Yates gekommen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Peer reviewed (für die, die Wert darauf legen, weil sie sich kein eigenes Urteil zutrauen) American Economic Review, Heft 12 aus dem Jahre 2016.

Das bemerkenswerte an den Ergebnissen von Holland et al.: Sie basieren ausschließlich auf der Berechnung von Kosten und Nutzen mit Blick auf die jeweiligen Emissionen von Benzin- oder Elektroautos. Die Emissionen, die entstehen, um beide Autos herzustellen, werden dagegen nicht berücksichtigt. Angesichts der Umweltkosten, die bei der Herstellung von Batterien anfallen, wäre das Ergebnis in diesem Fall noch schlechter für Elektroautos ausgefallen.


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Im Einzelnen.

Kohlendioxid (CO2), Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx), Feinstaub (PM2.5) und flüchtige organische Verbindungen (Volatile Organic Compounts, VOC), also Nettigkeiten wie Toluol oder Ethylbenzol, Verbindungen, die sich in Sitzen, Fußmatten, allgemein im Innern eines Autos finden, bilden die Emissionen die von Holland et al. berücksichtigt werden, also genau die Emissionen, die immer angeführt werden, um die vermeintlich grüne Technologie des Elektroautos positiv gegenüber den Benzinern hervorzuheben und mit viel Steuergeldern zu begünstigen.

Nicht einmal bei dieser Kernbetrachtung der angeblichen Nutzen von Elektroautos schneiden Elektroautos besser ab als Benziner, wie Holland et al. zeigen.

Der Grund dafür: Der Strom kommt nicht aus der Steckdose. Er muss produziert werden. In einem Kraftwerk.

In städtischen Ballungsräumen, so Holland et al., geht noch am ehesten ein positiver Nutzen von Elektroautos aus. Dort, wo die Luft sowieso schon dick ist, bringen sie eine Verbesserung mit Bezug auf die oben genannten Emissionen. Nicht so auf dem Land. Dort geht von Elektroautos nicht nur kein Umweltnutzen aus, dort schaden sie der Umwelt:

„California has relatively large damages from gasoline vehicles and a relatively clean electric grid, which implies large positive environmental benefits of an electric vehicle. These conditions are reversed in North Dakota. The variation in the sign of the environmental benefits stems almost entirely from local air pollution. (3703)”

Mit anderen Worten: Da wo die Umweltverschmutzung hoch ist, können Elektroautos eine Verbesserung bringen. Da wo die Umweltverschmutzung gering ist, bringen sie keine Verbesserung, nein sie tragen zur Umweltverschmutzung bei.

Dieses Ergebnis hat etwas mit der Bevölkerungsdichte zu tun: Eine geringe Bevölkerungsdichte geht mit Umweltschäden durch Elektroautos einher. Eine hohe Bevölkerungsdichte mit einem Nutzen für die Umwelt.

Die Erklärung für diesen Befund ist eine, die zwei Variablen beinhaltet und deshalb für Umweltenthusiasten und Klimahysteriker schwierig nachzuvollziehen sein kann:

„Just about every electric vehicle, in just about every place, creates global environmental benefits relative to gasoline vehicles. In contrast, the local environmental benefits from electric vehicles can be positive or negative depending on the place. But on average, for all electric vehicles, the negative environmental benefits outweigh the positive global environmental benefits” (3715).

Warum ist das so?

Elektroautos haben weniger Emissionen als Benziner. Sie tragen somit zu einer „globalen Verringerung“ der Emissionen bei.

Elektroautos fahren jedoch mit Strom. Der Strom muss produziert werden. Das wird er zum großen Teil in Kohlekraftwerken oder in Kraftwerken, die mit Gas, einem anderen fossilen Brennstoff, betrieben werden, bei dessen Verbrennung u.a. Treibhausgase entstehen. Entgegen aller Phantasien der Klimahysteriker wird sich daran, dass Kohle und Gaskraftwerke die Hauptlast der Stromerzeugung tragen müssen, nichts ändern. Das wäre anders, würde in Kernkraftwerke investiert. Aber es wird nicht in Kernkraftwerke investiert.

Der Strom, den auf den ersten Blick sauberer Elektroautos benötigen, um je nach Temperatur viel bzw. weniger viel davon zu verbrauchen, wird von Kraftwerken erzeugt, die fossile Brennstoffe einsetzen. Je mehr Elektroautos es gibt, desto mehr Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken wird benötigt, es sei denn, man will ganz Deutschland mit Solarzellen überbauen und dazwischen im Abstand von 300 Metern jeweils ein Windrad errichten und selbst dann wird der erzeugte Strom nicht ausreichen. Also gilt die Gleichung, dass mehr Elektroautos mit der notwendigen Erzeugung von mehr Strom in Kohle- und Gaskraftwerken einhergeht.

Deshalb exportieren, so ein Ergebnis von Holland et al., die Saubermänner, die Elektroautos fahren, die Umweltverschmutzung. Sie entsteht nicht mehr an dem Ort, an dem Elektroautos betrieben werden, sondern an dem Ort, an dem der Strom für den Betrieb der Elektroautos produziert wird.



„Thus on average 91 percent of electric vehicle damages from local pollutants are exported from the state…” (3720)

Im Gegensatz dazu sind Benziner zwar Autos, die global mehr Emissionen verbreiten, aber nur 19% der damit verbundenen Schäden werden überregional exportiert.

Kurz: Holland et al. zeigen, dass der Betrieb von Elektroautos nur an bestimmten Stelle mit einem Nutzen für die Umwelt verbunden ist. In der Regel schafft deren Betrieb einen globalen Nutzen auf Kosten eines Exports der Umweltschäden von einer Region in die nächste. So bezahlt die Bevölkerung, die in unmittelbarer Umgebung zu einem Kohlekraftwerk lebt, mit höherer Umweltbelastung dafür, dass ein Politiker in einer Stadt, sagen wir in Berlin, Elektroautos als einziges Fortbewegungsmittel durchgesetzt hat. Die dadurch geschaffene Verbesserung, geht somit auf Kosten von Bürgern, die nicht in Berlin wohnen.

Und im Gesamt sind die Kosten, die durch den Export der Schäden entstehen, für Elektroautos viel höher als für Benziner:

„The comparison of environmental externalities from driving gasoline and electric vehicles depends critically on damages from local pollution. Ignoring local pollution leads to an overestimate of the benefits of electric vehicles and an underestimate of the geographic heterogeneity. Accounting for both global and local pollution, we find electric vehicles generate negative environmental benefits of 0,73 cents per mile on average relative to comparable gasoline vehicles.” (3727)

Die Gießkannenmethode, mit der deutsche Politiker einmal mehr, das Kind mit dem Bade auskippen, hat somit zur Folge, dass Umweltschäden durch Elektroautos nicht reduziert, sondern im Gegenteil noch erhöht werden. Durch die Subventionen für Elektroautos werden diese Schäden noch maximiert, was bedeutet, durch den Kauf von Elektroautos verursacht der durchschnittliche Käufer einen gesellschaftlichen Schaden. Nicht die Subventionierung von Elektroautos ist demnach das Gebot der Stunde, sondern deren höhere Besteuerung, denn selbst dann, wenn man in Rechnung stellt, dass es Städte in Deutschland gibt, die durch den Umstieg auf Elektro-Mobilität eine lokale Verbesserung erleben, sind die Gesamtkosten für die Gesellschaft dennoch negativ:

„At first blush, our finding of significant geographic heterogeneity in benefits suggests a need for local discretion. However, the pollution export phenomena we identify calls into question whether or not local regulation would be effective. In most states, when a consumer opts for an electric vehicle rather than a gasoline vehicle, they reduce air pollution in their state. However, in all but 11 states, this purchase makes society as a whole worse off because electric vehicles tend to export air pollution to other states, more than gasoline vehicles”. (3727)


Holland, Stephen P., Mansur, Erin T., Mueller, Nicholas Z. & Yates, Andrew J. (2016). Are There Environmental Benefits from Driving Electric Vehicles? The Importance of Local Factors. American Economic Review 106(12): 3700-3729.

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf diese Studie.



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