Senior-Files: Forum

You need to log in to create posts and topics.

Grüne überholen AfD? Meinungsforschung ist in erster Linie versuchte Meinungsmanipulation

Erinnern Sie sich noch, als die SPD unter St. Martin plötzlich in Umfragen einen Höhenflug hingelegt hat, der nur vom anschließenden Absturz übertroffen wurde? So wie damals die SPD nach oben geschrieben und von Umfrage-Instituten „hoch“gerechnet wurde, so wird es heute mit den Grünen versucht.

Die Masche ist die Gleiche.

Vera Lengsfeld hat darauf in einem Artikel bei „Epoch Times“ hingewiesen. Sie liegt zwar mit ihrer Vermutung, dass die Tatsache, dass sich die dargestellten Anteile auf 101 % addieren, ein Indiz für Betrug wäre, falsch (schon weil es Rundungsfehler gibt), aber sie hat Recht, wenn sie nahelegt, dass es mit Meinungsumfragen sehr leicht möglich ist, zu manipulieren und einen Schein zu erwecken, den es gar nicht gibt.

Das ergibt sich aus einer Reihe von Besonderheiten, die sich mit Meinungsumfragen verbinden.

So gibt es letztlich keine Möglichkeit zu testen, ob eine Meinungsumfrage irgendeinen Informationswert hat. Die Zahlen, die uns monatlich um die Ohren gehauen werden, wenn es darum geht, die nächste Bundestagswahl hochzurechnen, kann niemand prüfen, denn die nächste Bundestagswahl ist 2021 und bis dahin haben die meisten die Ergebnisse aus Meinungsumfragen vergessen, die 2017 inszeniert wurden.

Meinungsumfrageinstitute behaupten, Sie wären in der Lage, auf Grundlage von 1000, vielleicht auch 2000 Befragten das Ergebnis hochzurechnen, das man erhalten würde, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, 61,5 Millionen Deutsche sind derzeit wahlberechtigt.

Wir haben an anderer Stelle all die Probleme zusammengestellt, die dazu führen, dass es nicht möglich ist, Repräsentativität für ein paar Tausend Befragte herzustellen und auf 61,5 Millionen Wahlberechtigte hochzurechnen. Es ist auch deshalb nicht möglich, weil von den 61,5 Millionen Deutschen, die 2017 wahlberechtigt waren, nur 76,2% zur Wahl gegangen sind. Niemand weiß, durch welche Merkmale sich Nichtwähler beschreiben lassen, ob sie sich überhaupt durch Merkmale beschreiben lassen, die sie systematisch von Wählern unterscheiden. Und schon deshalb ist jede Hochrechnung, die behauptet, auf Grundlage von 1000 oder 2000 Befragten das Ergebnis der nächsten Bundestagswahl vorhersagen zu können, Humbug.

Tatsächlich können Meinungsumfragen sehr gut zur Manipulation genutzt werden, wie sich am Beispiel von St. Martin und der SPD gezeigt hat. Wie sich daran auch gezeigt hat: Die Manipulation ist nicht immer erfolgreich. Warum man es vor diesem Hintergrund nun mit den Grünen erneut versucht?

Ideologen lernen nicht.

Die Möglichkeit zur Manipulation bietet ein kleiner Hinweis, der bei der Erstveröffentlichung der Ergebnisse in der Regel in einem kleineren Schriftgrad irgendwo am Ende des Textes steht, so dass er leicht überlesen werden kann.

Im Fall der Forsa-Umfrage, die Lengsfeld für eine Umfrage mit DDR-Niveau hält, findet sich der Hinweis bei n.tv/RTL am Ende des Textes, gut versteckt hinter der Grafik, so dass man ihn nicht unbedingt als Bestandteil des vorausgehenden Textes ansehen muss:

"Die Daten wurden vom 6. bis zum 10. August 2018 vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL erhoben. Datenbasis: 2505 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte."

(Zur Ehrrettung der DDR, das Zentralinstitut für Jugendforschung in Leipzig, das übrigens einzige Institut der DDR, das überhaupt versucht hat, quantitativ zu forschen, im real-existierenden Sozialismus weiß man nämlich immer schon, was richtig ist und muss es nicht erforschen lassen, hat eine Reihe sehr guter Befragungen unter Jugendlichen durchgeführt, die in der Regel Ergebnisse produziert haben, die den Mitgliedern des Zentralkomitee der SED die Haare haben zu Berge stehen lassen).

Dass Journalisten nicht an einer akkuraten Berichterstattung interessiert sind, ist der angesprochene Hinweis das erste, was verschwindet, wenn z.B. die WELT einen Text auf Grundlage des Textes von n.tv/RTL erstellt.

Dabei versteckt sich in diesem Satz ein ganzes Universum der Manipulation, das bei St. Martin und der SPD bereits in der Vergangenheit genutzt wurde, denn die +/-2.5% Fehlertoleranz, die Forsa hier einräumt, macht jedes der in der folgenden Abbildung dargestellten Ergebnisse genauso wahrscheinlich, wie das, das letztlich an die große Glocke gehängt wurde.

Man kann sich also entscheiden, ob man lieber betonen will, dass die Grünen angeblich die AfD überholt haben (Forsa Creatio I), man kann sich dafür entscheiden, die AfD vor den Grünen zu belassen (Forsa Creatio II), man kann die CDU abstürzen lassen und die AfD zum Shooting Star machen (Forsa Creatio III) und man kann der CDU sogar einen Zugewinn zusprechen, die SPD Richtung 10% schrumpfen und ansonsten weitgehend alles beim Alten belassen (Forsa Creatio IV mit Ausnahme der FDP, aber für die interessiert sich sowieso niemand).

Alle in der Abbildung dargestellten Varianten haben die gleiche Wahrscheinlichkeit, korrekt zu sein. Jede davon kann man als das Ergebnis ausgeben, das man gerade ermittelt hat. Die Möglichkeiten für den Versuch, politisch einzuwirken, sind somit erheblich, die Versuchung, sie zu nutzen, ist vermutlich eine Frage des Geldes, das Risiko, dass die Manipulation aufgedeckt wird, ist gleich null. Bis zur nächsten Bundestagswahl sind es noch etliche Jahre, aber die Stimmung wird heute gemacht.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Dann unterstützen Sie bitte das private Blog ScienceFiles!
[wpedon id=66988]
ScienceFiles-Spendenkonto

Weitere Möglichkeiten, ScienceFiles zu unterstützen

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles
©ScienceFiles

Print Friendly, PDF & Email
Translate »