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"Jetzt sind sie halt' mal da": die Altlastenlawine der Windkraft

Die Magdeburger Volksstimme macht in einem gerade erschienenen Artikel "Viel Wind um alte Windradflügel", nein, nicht wirklich. Gudrun Billowie, die den Text wohl verbrochen hat, will - im Gegenteil - suggerieren, dass Anwohner viel zu viel Lärm um ein paar alte Windradflügel gemacht haben. Die Anwohner leben in Wolmirstedt und blicken seit Jahren auf einen vor sich hin verfallenden Rewe-Markt und eine stattliche Anzahl von Rotorblättern. Die wurden kurzerhand auf dem Parkplatz des ehemaligen Rewe-Markts gelagert.

Wohin auch sonst damit?

[caption id="attachment_65258" align="alignright" width="361"] Quelle[/caption]

Die Frage der Entsorgung von ausgedienten Windrädern, vor allem die Frage, was mit den Rotorblättern geschehen soll, ist weitgehend unbeantwortet. Der Rush, der es der Windenergiebranche ermöglicht hat, von willfährigen Politikern getragen, schnell das große Geld zu verdienen, hat verhindert, dass die Frage, was mit den Verbundstoffen, die Rotorblatt geworden sind, am Ende ihrer Lebenszeit geschehen soll, beantwortet wird.

Die schöne Welt der Windkraft, sie liest sich im Blog der Energieagentur NRW wie folgt:

Rotorflügel "werden aus glasfaserverstärkten Verbundwerkstoffen hergestellt, meistens Epoxidharz mit eingebetteten Glasfasern (GFK). Teils wird auch kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK) verwendet. Weil sich die Hybridwerkstoffe durch den Materialmix als Verbund besonders gut an die jeweiligen Anforderungen anpassen lassen, werden sie in den letzten Jahren immer häufiger genutzt. Aufgrund ihrer Eigenschaften wie hohe Festigkeit, Flexibilität und leichte Verarbeitung in der Produktion sind solche faserverstärkten Verbundwerkstoffe vielseitig einsetzbar. Vor allem im Schiffsbau, aber auch in der Automobilindustrie und auch bei der Rotorblattherstellung kommen sie zum Einsatz. Bei älteren Baureihen ist ein einzelner Rotorflügel bis zu 45 Meter lang und wiegt 9 bis 12 Tonnen. Bei jüngeren Anlagen sind die Flügel noch länger und schwerer. Um sie leichter und widerstandsfähiger zu machen, werden im Rotorblattbau auch Füllstoffe wie Holz oder Kunststoffschaum in Sandwichbauweise verbaut.

Was sie stabil macht, begrenzt jedoch ihre Wiederverwertungsmöglichkeiten. Denn die einzelnen Stoffe lassen sich, durch das Harz fest verklebt, nur mit viel Energieeinsatz wieder trennen.

[...]

Weil seit 2005 die Deponierung von GFK-Abfällen gesetzlich verboten ist, kommt eine Lagerung des Materials nicht in Frage. Rotorblätter werden deshalb geschreddert und darin enthaltene Metallreste abgeschieden. Die übrigen Abfälle werden bislang als Brennstoff und Sandsubstitut in der Zementindustrie thermisch eingesetzt oder in konventionellen Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Allerdings geht das wegen der Struktur der Glasfaser und der komplexen chemischen Reaktionen im Verbrennungsprozess, die die Filter und Verbrennungslinien belasten, nur in kleinen Mengen."

Mit anderen Worten, die Entsorgung von Rotorblättern ist vollkommen ungeklärt, wenngleich Hoffnung besteht, das Fraunhofer Institut ist dabei, eine Entsorgungsmethode zu entwickeln. Die Realität, die es in Deutschland zu bewundern gibt, sieht dann wohl eher so aus, wie in Wolmirstedt.


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Dort lagern seit Jahren Rotorflügel ausgedienter Windräder, obwohl oder weil die Deponierung der GFK-Abfälle, die die Rotorblätter darstellen, verboten ist. Niemand weiß, wem die Rotorflügel gehören. Eine Firma in Spanien, so wird gemunkelt, sei Eigentümer. Indes: Die Firma ist nicht zu erreichen (vermutlich gibt es sie längst nicht mehr). Der Eigentümer des Geländes, auf dem die Rotorflügel seit Jahren abgelegt sind, weiß nichts von Rotorflügeln. Er hat die Fläche vermietet, wusste nicht, was darauf gelagert werden soll.

Und nun sind sie eben da, die Rotorblätter/-flügel.

Deshalb hat eine Firma aus der Nähe von Dresden die Gelegenheit genutzt, um ein wenig zu experimentieren, damit, die Rotorblätter, die auf dem Gelände in Wolmirstedt, das vermietet wurde, ohne dass sich der Vermieter um die Nutzung Gedanken gemacht hätte, von denen niemand weiß, wem sie gehören, zu zerlegen. Viel Lärm, viel Staub, sei dabei entstanden, so berichten die Anwohner, die "den Vorfall an das Rathaus" gemeldet haben. Mitarbeiter des Umweltamtes des Landkreises, an die die Angelegenheit weitergegeben wurde, seien dann vor Ort aufgetaucht und hätten dem Zersägen-Experiment, das die Dresdner Firma an den Rotorblättern unbekannter Eigentümer vorgenommen hat, ohne Genehmigung und vollkommen ohne Beachtung irgendwelcher Auflagen, von Emissionsschutz gar nicht erst zu reden, ein Ende bereitet.

Außer Lärm und Staub, sei nichts entstanden, zumindest sei kein "größerer Schaden für die Umwelt" bekannt. Das ist ein sehr glücklicher Umstand, denn beim Zersägen von Rotorblättern entstehen in der Regel giftige Dämpfe. Gut, dass die Rotorblätter, die in Wolmirstedt Unbekannten gehören und von Dresdener Unternehmen ohne Genehmigung und eben einmal so in einem Experiment zersägt werden, offenbar keine giftigen Dämpfe freigesetzt haben, beim Zersägen.

Wenn sie den Eindruck haben, dass wir die Geschichte aus Wolmirstedt als Realsatire ansehen, dann haben Sie den richtigen Eindruck. Es gibt einen alten Film über einen Journalisten, der eigentlich kein Journalist ist und seinen Chef vom Dienst dadurch zum Verzweifeln bringt, dass er eine gute Geschichte nicht einmal dann erkennt, wenn ihm ein Ermordeter quasi vor die Füße fällt. Billowie von der Magdeburger Volksstimme scheint in die Fußstapfen des im Film persiflierten Journalisten treten zu wollen. Sie berichtet die Geschichte aus Wolmirstedt, als sei nichts geschehen, so, als sei es nicht weiter erwähnenswert, dass Rotorflügel von Windrädern ohne Genehmigung gelagert werden, über Jahre, dass eine Firma aus der Nähe von Dresden, die Gunst der Stunde nutzt, um ein wenig an dem fremden Eigentum herum zu sägen, weil man eine Methode entwickeln wolle, um Rotorblätter von Windrädern zu zerlegen, auch die Dresdener Firma hat keine Genehmigung, aber sei's drum, das bißchen Lärm, der Staub und die toxischen Dämpfe, die beim Zersägen der Rotorblätter normalerweise entstehen, sie sind kein Problem, für den Journalismus-Darsteller von der Volksstimme.



Man muss nicht wirklich lange nach der Erklärung für eine solche Berichterstattung suchen: Billowie hat Sympathie für Windkraft, befürwortet alternative Energien, glaubt vermutlich, an die menschengemachte Klimakrise, die gerade zum Klimazid entwickelt wird. Über diesen Glaubensakten geht verloren, dass Journalismus aus der Recherche und Verbreitung von Informationen besteht.

Mehr als 28.000 Windräder gibt es in Deutschland.

[caption id="attachment_75915" align="alignright" width="339"] Quelle: Frondel et al. 2019[/caption]

Allein 2018 wurden in Deutschland Windräder mit einer Kapazität von 249 MW vollständig abgebaut oder durch neue ersetzt. Die Entsorgung der Rotorflügel, sofern sie nicht nach Bremen transportiert werden, dort findet sich die einzige Firma in Deutschland, die auf die Verwertung von Rotorflügel spezialisiert ist, ist weitgehend ungeklärt. Ihr Transport als Ganzes in der Regel zu teuer und oft schlicht nicht möglich. Also enden sie, wie die Rotorblätter in Wolmirstedt, auf einem ehemaligen Parkplatz eines ehemaligen Supermarkts, der zur wilden Deponie, ohne Genehmigung versteht sich, umfunktioniert wird.

Die Kosten, die mit der Entsorgung eines Windparks einhergehen, sind immens. In Minnesota haben Windparkbetreiber die Kosten der Entsorgung in einem der Öffentlichkeit zugänglichen Dokument zusammengestellt, ein Vorgang, auf den man in Deutschland noch wartet:

"According to utility documents filed by Xcel Energy for it’s Nobles Wind facility, it will cost approximately $445,000 (in 2009 dollars) per turbine to decommission the wind facility. This means it would cost $532,000 per turbine (in 2019 dollars) for each of the 134 turbines in operation at this facility, bringing the total cost of decommissioning the Nobles project to $71 million. However, Xcel also stated these estimates were conservative ...

Other wind turbines have six-figure decommissioning costs, as well. According to utility documents for the Palmer’s Creek Wind facility in Chippewa County, Minnesota, it would cost $7,385,822 to decommission the 18 wind turbines operating at that site, a cost of $410,000 per turbine."

In den Entsorgungskosten ist nicht vorgesehen, das Fundament aus Beton und Stahl einer Windturbine zu entsorgen. Es soll im Boden belassen werden, denselben auf ewig versiegeln. Es sei denn, eine Firma aus der Nähe von Dresden kommt demnächst auf die Idee, Probesprengungen vorzunehmen, um eine Möglichkeit zu finden, die die bislang vollkommen ungeklärte Frage der Entsorgung der Fundamente von Windrädern, die das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben, zu beantworten. Wenn sie dann in der Volksstimme lesen, dass die Firma zwar fremde Fundamente ohne Genehmigung gesprengt habe, dann wissen, sie, alles ist in Ordnung, denn außer Lärm und Staub ist nichts dabei entstanden.

Die Episode aus Wolmirstedt legt die deutsche Misere in einer Weise offen, die man kaum steigern kann. Ein Journalist, der kein Interesse an Journalismus hat, ein Unternehmen, das sich herren-, aber nicht eigentümerlose Rotorblätter aneignet, um eine Technologie zu entwickeln, die es ermöglichen soll, die Probleme zu lösen, an die damals, als Politdarsteller und Hersteller und Nutznießer und Profiteure alternativer Energien von der Euphorie und dem vor allem Gewinn des Augenblicks davongetragen wurden, niemand denken wollte. Warum soll man sich die Freude über den eigenen Gewinn mit Entsorgungskosten trüben, wenn es sonst niemand tut?

Deutschland 2019.



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