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Schein-Journalisten bei der ARD: Von Ihren Gebühren finanziert

Imke Köhler, so behauptet die ARD, arbeitet im ARD-Studio in London. Das macht aus der Verschwendung von Rundfunkgebühren, die Beitrag geworden ist, eine große Verschwendung von Rundfunkgebühren, denn das Leben und die Mieten in London sind teuer.

Wenn Köhler tatsächlich für den Bayerischen Rundfunk in London herumsitzt, dann muss man feststellen, dass sie bemerkenswert wenig von dem mitbekommt, was im Vereinigten Königreich vor sich geht. Was in den 1970er Jahren noch Satire war, die ihn Sir Arnolds Satz „But, we wouldn’t know about that“, gegossen wurde, „that“ als alles, was außerhalb des Londoner Echozimmers vor sich geht, das scheint heute zur Realität geworden zu sein. Journalisten, die gar nicht mehr wissen wollen, was in der Welt um sie herum vorgeht, die regelrecht Angst davor haben, die Realität wahrnehmen zu müssen und die – und das vor allem – von einer epischen Ahnungslosigkeit ausgezeichnet sind, was die Grundlagen, Methoden und Ziele des Jobs betrifft, den sie ausfüllen wollen.

Dr. habil. Heike Diefenbach spricht in diesen Fällen von einer „Schein-Erwerbstätigkeit“, von einer Mittelschicht der (häufig prekär) Beschäftigten, die sich vornehmlich dadurch auszeichnen, dass sie keinerlei produktiven Beitrag zur Gesellschaft leisten und überhaupt keine Ahnung davon haben, was der Job, den sie angeblich machen wollen, eigentlich an Anspruch stellt.
Journalismus z.B. hat das Ziel, Menschen zu informieren. Um Menschen zu informieren, muss man sie mit Fakten bedienen. Fakten wiederum muss man als Journalist recherchieren. Um zur Recherche fähig zu sein, muss man über Fähigkeiten, Methodenkenntnisse und Zugänge verfügen, man muss wissen wie man welche Informationen wo und von wem erhalten kann. Um Menschen zu informieren muss man eine deskriptive und faktische Berichterstattung wählen, eine ausgewogene Berichterstattung, die verschiedene Aspekte, dessen, über das berichtet wird, berücksichtigt und deren Bewertung vermeidet, eine Berichterstattung, die fair, nicht belehrend und vor allem nicht parteiisch und prätentiös ist.

Keines dieser Kriterien ist im Text von Imke Köhler mit dem Titel: „Warum Farage so erfolgreich ist“, eingehalten.
In ihrer Gesellschaftsanalyse beschreibt Dr. habil. Heike Diefenbach die Schein-Erwerbstätigen aus der Mittelschicht u.a. dadurch, dass ihre einzige Schein-Kompetenz darin besteht, über andere zu richten, sie zu bewerten, sie zu „durchschauen“. Sie haben keinerlei Fähigkeiten, um einen effizienten oder produktiven Beitrag zu leisten, aber Unmengen von Pseudo-Moral, die sie über alle ausgießen, die sie unter sich wähnen.

Imke Köhler scheint ein Prototyp für diese Schein-Erwerbstätigen, in diesem Fall Schein-Journalisten zu sein.
Warum Farage so erfolgreich ist?“, fragt Köhler. Warum Sie das fragt, wir wissen es nicht, denn es gibt keinerlei Antwort auf diese Frage, keinerlei empirische Antwort. Alles, was Köhler anbietet, sind Bewertungen. Gleich im ersten Satz wird Farage zum „begnadeten Populisten“ erklärt. Damit auch klar ist, Farage ist ein böser, wird nachgeschoben, dass er „das, was er macht, beängstigend gut“ macht. „Er weiß“, so schwätzt Köhler weiter, „welche Techniken funktionieren. Manchmal reicht es schon, dem Publikum Namen hinzuwerfen“, behauptet Köhler und will diese falsche Behauptung mit einem im besten Fall aus dem Zusammenhang gerissenen Satzfetzen, im schlechtesten Fall mit einer Erfindung belegen.

Der gesamte erste Absatz des Beitrags von Köhler enthält KEINE Information. Er enthält ausschließlich leere Sätze wie: „Er weiß, welche Techniken funktionieren“. Was meint Köhler? WiFi, Mikrophon-Technologie, Kaffeemaschinen, Bierzapfanlagen, Schiffstechnik?

Der Satz bleibt ohne Inhalt, wie so vieles in diesem Beitrag, der mit Journalismus so gar nichts zu tun hat. Schein-Journalisten wie Köhler haben dagegen viel mit Hausfrauen gemein, die vom Hausfrauenprogramm in eine „Anti-Haltung hinein“ gesteigert werden, vom Hausfrauenprogramm „zum Johlen“ gebracht werden, genau so, wie Köhler das in ihrem Text für die Zuhörer von Farage beschreibt. Sie muss es aus eigener Erfahrung kennen, denn die Auftritte von Nigel Farage, die landauf landab in überfüllten Sälen stattfinden (die Zuhörer bezahlen Eintritt, um nicht nur Farage zu hören!) geben keinerlei Anschauungsmaterial für das, was Köhler hier behauptet. Kein Johlen. Keine angefangenen, aber nicht beendeten Sätze von Farage, keine Deppen, die man in eine „anti-Haltung“ hineinsteigern muss.

Vielmehr finden sich bei den Rallys der Brexit Party, bei den Auftritten von Richard Tice (so, für alle die den Namen noch nie gehört haben, heißt der VORSITZENDE der Brexit Party), Nigel Farage, Annunziata Rees-Moog, James Heartfield, Martin Daubney oder James Clancy keine johlenden Deppen ein, sondern Menschen, die vor bald drei Jahren dafür gestimmt haben, die EU zu verlassen, und es finden sich zunehmend Menschen ein, die zwar für Remain gestimmt haben, die inzwischen aber von den Versuchen, ein demokratisches Votum zu beseitigen, so angewidert sind, dass sie zur Brexit Party kommen. Es finden sich vor allem keine Deppen, wie es die Schein-Erwerbstätigen, deren einzige Fähigkeit darin besteht, über andere zu urteilen, denken.
Imke Köhler schreibt:

„Es ist ein Markenzeichen der Populisten, die sogenannte Elite anzugreifen, zu der nicht nur die etablierten Parteien, sondern auch die Medien gehören … Farage geriert sich dagegen als Anwalt des Volkes. Er spricht viel von Betrug und Verrat, den die ‚politische Klasse‘ begangen habe. Eine Klasse, zu der sich Farage selbst offenkundig nicht zählt, obwohl er als langjähriger Berufspolitiker zweifellos dazugehört“.

Vor allem wenden sich diejenigen, die in Scharen bei den Auftritten der Kandidaten der Brexit-Party erscheinen, gegen Leute wie Imke Köhler, die nichts können, über keinerlei ausgewiesene Kompetenzen verfügen, die irgendwie in eine Position gelangt sind und nun denken, kraft dieser Position dürften sie andere zu leichter Beute für Populisten erklären, also zu Deppen, die „beängstigend gut[en]“ Rednern wie Nigel Farage auf den Leim gehen.

Es mag für Schein-Erwerbstätige wie Köhler neu sein, aber außerhalb des Echozimmers, das Köhler bewohnt, leben Menschen mit Kompetenzen, mit Fähigkeiten, mit Rationalität, mit in der Regel mehr IQ als Köhler, die angewidert sind, von diesen selbsternannten Beurteilern, die sich als Schein-Journalisten breit gemacht haben. In den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach kann man davon sprechen, dass der Klassenkampf 2.0 begonnen hat oder schon in vollem Gange ist.
Schein-Journalist

Es ist bezeichnend, dass Köhler nicht einmal auf die Idee kommt, man könne Vertreter der Brexit Party selbst zu Wort kommen lassen. Sie lässt Rachel Johnson zu Wort kommen, die mit Change UK einer Splittergruppe angehört, die in der britischen Politik keinerlei Rolle spielt. Aber sie hat, im Gegensatz zu Farage, die richtige Meinung.

Es ist entlarvend wie selbstverständlich sich Köhler auf der Seite der „politischen Klasse“ einordnet, sich zur „sogenannten Elite“ gesellt, zu der auch „die Medien gehören“. Es kommt ihr nicht einmal entfernt in den Sinn, die Korruptionsvorwürfe, die nicht nur Nigel Farage gegen die politische Klasse erhebt, deskriptiv und nicht mit der moralischen Überheblichkeit des Besserwissers zu betrachten. Dazu benötigt man natürlich Kompetenz. Dazu muss man Methoden und Techniken eines Journalisten beherrschen, z.B. die Methode des Recherchierens. Beherrscht man diese Methoden, was Köhler offenkundig nicht tut, dann findet man z.B. so etwas:

[embed]https://www.facebook.com/brexitpartyuk/videos/430971621060851/[/embed]

Alle, die hier und vor der letzten Parlamentswahl versprechen, das Ergebnis des Referendums aus dem Juni 2016 zu respektieren, haben dieses Versprechen in der Zwischenzeit gebrochen. Deshalb sind im Vereinigten Königreich viele Wähler mit ihrer „politischen Klasse“ fertig. Das hat mit Populismus nichts zu tun, aber viel damit, dass man nicht gerne offen belogen wird.
Wenn wir schon bei Populismus sind: Dass Populismus gegeben sein soll, wenn Wähler von ihrer politischen Klasse angewidert sind und auch die anbiedernden Schein-Journalisten zum Kotzen finden, hat mit Populismus nichts zu tun.

Wir haben uns schon vor langer Zeit bemüht, eine Definition von Populismus zu finden, die sinnvoll ist, und die folgende Definition gefunden:

John Lukacs liefert eine Beschreibung für Populismus, die einer liberalen Tradition entspringt und Populismus dann vorliegen sieht, wenn individuelle Rechte wie z.B. Meinungsfreiheit, eingeschränkt werden oder werden sollen: “Is democracy the rule of the people, or, more precisely: rule by the people? No: Because it is, really and actually, rule in the name of people. … Yes: in its predominant sense democracy is the rule of the majority. … Here Liberalism enters. … Majority rule is tempered by the legal assurance of the rights of minorities, and of individual men and women. And when this temperance is weak, or unenforced, or unpopular, then democracy is nothing more (or else) than populism” (Lukacs, 2005, S.5)

[Übersetzung: Ist Demokratie die Herrschaft des Volkes oder präziser, die Herrschaft durch das Volk? Nein: denn es ist tatsächlich Herrschaft im Namen des Volkes. Hier kommt Liberalismus ins Spiel. Die Herrschaft der Mehrheit wird durch Minderheitenrechte und Individualrechte eingeschränkt. Wenn diese Minderheiten- oder Individualrechte nicht oder nur unzureichend gewährleistet sind, dann ist Demokratie nichts anderes als Populismus.]

Was die derzeitige „politische Klasse“ auszeichnet, ist eine eklatante und militant-fundamentale Abwehr aller Ideen, die nicht zur eigenen Ideologie passen, gepaart mit dem Versuch, immer mehr Individualrechte zugunsten eines versprochenen kollektiven Heils zu streichen und dieses Versprechen durch Massenaufmärsche von Kindern und Habe- und Weißnichtsen legitimieren zu lassen. Die Demokratie ist somit in Populismus entartet und diejenigen, die darauf hinweisen, sind Demokraten, nicht Populisten.
Das, was Schein-Erwerbstätige, die nur im Urteil-Modus unterwegs sein können, so unmöglich zu ertragen macht, ist ihre selbstgerecht verbreitete Dummheit, die zu Niederungen des Denkvermögens führt, wie der folgenden von Köhler:
„Farage geriert sich dagegen als Anwalt des Volkes. Er spricht viel von Betrug und Verrat, den die ‚politische Klasse‘ begangen habe. Eine Klasse, zu der sich Farage selbst offenkundig nicht zählt, obwohl er als langjähriger Berufspolitiker zweifellos dazugehört.“

Elisabeth Nölle-Neumann und Thomas Petersen haben in den 1990er Jahren ein Buch mit dem Titel: „Alle, nicht jeder“ überschrieben. Wer den Titel versteht, hat die Grundlagen von empirischen Aussagen über Gruppen verstanden. Wenn eine Aussage über „alle Berufspolitiker“, die als „politische Klasse“ bezeichnet werden, gemacht wird, z.B. dass die „Politische Klasse die Wähler verraten hat“, dann wird damit nicht gesagt, dass jeder, der zur politischen Klasse gehört, sich an diesem Verrat beteiligt hat. Wenn wie Focus heute titelt, „Die Niederlande“ den Eurovisions Songcontest gewonnen haben, dann hat nicht jeder Niederländer an diesem Songcontest teilgenommen und gewonnen. Die Unterscheidung ist eigentlich einfach und leicht verständlich.

Umso unverständlicher, dass Köhler sie nicht zu machen in der Lage ist. Wäre sie dazu in der Lage, dann käme sie zu dem Ergebnis, dass die Berechtigung der Aussage, dass die politische Klasse die Wähler, die mehrheitlich für einen Brexit gestimmt haben, verraten hat, weil die politische Klasse den Brexit am 29. März, zu dem er erfolgen sollte, verhindert hat. Dass damit nicht gesagt ist, dass jeder Abgeordnete in Westminster oder – wie Nigel Farage im Europaparlament – an diesem Verrat beteiligt ist, macht den Unterschied zwischen alle und jeder aus.

Schein-Journalisten kennen diesen Unterschied, so wie viele andere Unterschiede natürlich nicht.


Lukacs, John (2005). Democracy and Populism: Fear and Hatred. Yale: Yale University Press.


Dieser Beitrag wurde in unserem Auslandsstudio in Carmarthenshire von unseren Vor-Ort-Korrespondenten produziert.
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