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Zukunft menschlich gestalten: Universität Siegen zensiert Dozenten

Bei der Universität Siegen, ist man sehr um sein öffentliches Erscheinungsbild besorgt. Als wir vor kurzem über den Affenzirkus, der in Siegen vom AStA veranstaltet wird, weil Dieter Schönecker, Professor für Praktische Philosophie, den Begriff „Redefreiheit“ gar zu wörtlich genommen und Thilo Sarrazin und Marc Jongen zu entsprechenden Reden eingeladen hat, mit „Versuch über die Freiheit an der Universität Siegen“ überschrieben und mit dem Logo der Universität Siegen versehen haben, da meldete sich bereits am zweiten Arbeitstag nach Veröffentlichung ein "Daniel Schäfer, Marketing", mit dem Hinweis, dass das Logo der Universität, einer Universität, die in Gänze von Steuerzahlern finanziert wird, ein geschütztes Markenlogo sei und deshalb nur mit schriftlicher Zustimmung der Stabsstelle für Presse, Kommunikation und Marketing verwendet werden dürfe.

[caption id="attachment_69805" align="alignright" width="300"] An der Universität Siegen sieht man Kritik nicht so gerne...[/caption]

Bei der Universität Siegen ist man eben sehr besorgt um das eigene Image, und die Verwendung des Markenlogos der Universität, das an Schlichtheit kaum zu überbieten ist, in einem kritischen Text, in dem die Universität Siegen nicht so gut davonkommt, das ist nicht gern gesehen.

Noch weniger gern gesehen sind Thilo Sarrazin und Marc Jongen an der Universität Siegen. Der Rektor der Universität Siegen, Holger Burckhart, und der Dekan der Philosophischen Fakultät, Niels Werber, haben, wie Thomas Thiel in der FAZ berichtet, in einem Schritt, der leider nicht mehr seines gleichen sucht, dazu entschlossen, auf die Freiheit von Wissenschaft und Lehre zu pfeifen und einen Dozenten der Universität Siegen, nämlichen Prof. Dieter Schönecker, zu sanktionieren und sein Lehrangebot zu zensieren. Beide haben in der Grandeur der jeweiligen ihnen von Steuerzahlern ermöglichten Position, die sie in Allmacht füllen, die Mittel für das Seminar von Schönecker gestrichen.

Warum? Wir zitieren aus der FAZ:

„Die Einbindung von Jongen und Sarrazin, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme, enthalte unweigerlich eine politische Botschaft, die gegen die Grundwerte der Universität Siegen verstoße. Eine wissenschaftliche Befassung mit dem Thema Redefreiheit sei nicht mehr möglich“.

Diese Aneinanderreihung von Behauptungen, der nicht einmal das Bemühen, ein Argument zu machen, anzumerken ist, besteht aus einem zweifachen Fehlschluss, einer (bewusst) falschen Behauptung und einer wilden Spekulation, die abermals und im besten Fall einen Fehlschluss ergibt.

Dass die Einladung von Sarrazin und Jongen bei Personen, die nicht mehr denken, sondern affektiv auf Reize reagieren, zu dem Fehlschluss führen kann, dass Sarrazin und Jongen essentiell verderbt und deshalb nicht in der Lage sind, zu Redefreiheit zu reden, ist natürlich ein Fehlschluss ad hominem und ein genetischer Fehlschluss obendrein. Man hätte beide nicht unbedingt von einem Rektor, der Philosophie zu seinem Fach erklärt hat, erwartet.

Ebenso wenig hätte man von einem Rektor und einem Dekan der Universität Siegen erwartet, dass sie ihre eigenen Grundwerte nicht kennen. So steht im Leitbild der Universität Siegen explizit die Unabhängigkeit und Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre, die nun für Schönecker außer Kraft gesetzt wurde, das Bekenntnis zu Diversität und Chancengleichheit, das Rektor und Dekan offenkundig nur für Redner einhalten wollen, die sie für politisch unbedenklich halten. Damit wird die Diversität in ihr Gegenteil verkehrt und die Chancengleichheit nur für Personen gewährleistet, die sich bei der Variante politischer Korrektheit anbiedern, die auch Burckhart und Werber für die richtige halten. Was darunter zu verstehen ist, kann man zuweilen in Beiträgen von Werber in Frankfurter Rundschau und taz lesen. Schließlich bekennt sich die Universität Siegen zu Partizipation und Mitverantwortung. Abermals ist dieses Bekenntnis wohl nur dann gültig, wenn die Partizipation und die Mitverantwortung sich auf von Rektor und Dekan genehmigte Inhalte bezieht.

Schließlich ist die Behauptung, wenn man Sarrazin und Jongen einlade, dann sei eine „wissenschaftliche Befassung mit dem Thema Redefreiheit nicht mehr möglich“, an Unsinn kaum zu überbieten. Zum einen ist der behauptete Determinismus abermals ein Fehlschluss ad hominem, zum anderen ist der behauptete Determinismus ein Fehlschluss der falschen Generalisierung. Es ist so, als wollte man feststellen, dass von einem Rektor und einem Dekan, die in mindestens einem Fall Ideologie vor Wissenschaft gestellt haben oder, je nach Betrachtungsweise, gezeigt haben, dass ihr Rückgrat in Situationen, in denen mit Gegenwind zu rechnen ist, eher an einen Grashalm erinnert, denn den Felsen, der dem Sturm trotzt, nicht erwartet werden könne, dass sie ihre jeweilige Position zum Nutzen der Wissenschaft ausfüllen. Und im Gegensatz zu Burckhart und Werbers Behauptung über Sarrazin und Werber hätten wir für unseren Schluss zumindest einen Beleg.

Das Leitbild der Universität Siegen lautet „Zukunft menschlich gestalten“. Das schließt die Gegenwart wohl aus. Dieses Gutmenschen-Phänomen dass man die, die derzeit leben, leiden lassen will, um denen, die vielleicht in Zukunft leben, eine möglicherweise schöne Zukunft zu bereiten, bringt die Bigotterie und die Heuchelei, die an der Universität Siegen betrieben wird, gut auf den Punkt.

Eine Reihe deutscher Universitäten entwickelt sich immer mehr zu ideologischen Gefängnissen, in denen Wärter darüber wachen, dass die Insassen nicht an der Nuss der Erkenntnis nagen, dass sie vielmehr mit der Hausmannskost gleichgeschalteter Biederkeit und Langeweile zufrieden sind.

Wozu man derartige Anstalten einschlägiger Indoktrination finanzieren soll, die bestenfalls überdimensionierte Beschulungsanstalten, aber sicher keine Universitäten sind, wir wissen es nicht, aber vielleicht hat ja Rektor Holger Burckhart, der ein Philosoph sein will, eine Antwort auf diese Frage.

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