“Erfolgsgeschichte”: Eine halbe Milliarde Euro für Männerdiskriminierung und Betrug

Wer regiert eigentlich derzeit in Berlin? Reagiert überhaupt jemand. Wie dem auch sei, die kleinen Fürsten auf den Positionen in den Ministerien, auf die sie von ihrer Partei gehievt wurden, machen schon einmal Nägel mit Köpfen und nutzen das Interregnum weidlich aus.

So hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern gerade beschlossen, weitere 200 Millionen Euro in das Professorinnenprogramm zu stecken um auch nunmehr bis zunächst 2022 die Diskriminierung männlicher Bewerber auf Professuren fortzusetzen. In den zurückliegenden Jahren wurden jeweils 150 Millionen Euro in zwei Phasen von 2008 bis 2012 und von 2013 bis 2017 verschwendet, um minder geeigneten weiblichen Bewerbern einen Vorteil vor männlicher Konkurrenz zu verschaffen. Nun sollen für die dritte Phase von 2018 bis 2022 gleich 200 Millionen Euro verschwendet werden. Das haben die Kultusminister der Länder und das BMBF beschlossen. Auf Grundlage welcher demokratischen Legitimation dies erfolgt ist, kann man nur mutmaßen, wobei die Mutmaßung als sogenannter „educated guess“ gelten kann, denn so wie niemand je die Bürger gefragt hat, ob sie die dauerhafte Diskriminierung männlicher Bewerber an Hochschulen befürworten, so hat sie auch nie jemand gefragt, ob sie mit der Durchsetzung des Gender-Trashs im Rahmen von Gender Mainstreaming einverstanden sind.

Zurück zum Professorinnenprogramm, das seit 2008 deutsche Hochschulen mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche zur Gefügigkeit zwingt. Die Peitsche wird von den Kultusministerien der Länder in Form finanzieller Kürzungen benutzt, um Hochschulen so verzweifelt nach Finanzmitteln Ausschau halten zu lassen, dass sie bereit sind, selbst Gender-Trash an ihren Hochschulen zu dulden. Sind sie erst bereit, dann dürfen sie als Belohnung bis zu drei und in der neuen Phase, wenn sie sich als besonders erfolgreiche Andiener ausgewiesen haben, bis zu vier neue Professuren einrichten.

Nur für weibliche Bewerber, versteht sich.

Eigentlich ist es ja verboten, Ausschreibungen nur für weibliche Bewerber zu erstellen. § 1 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz und § 2 schließen dies aus:

§ 1: Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

§ 2, Abs. 1, Satz 1
(1) Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf:
1. die Bedingungen, einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg,

Eigentlich ist es also gar nicht möglich, die halbe Milliarde Euro vornehmlich darauf zu verwenden, weibliche Bewerber auf Professuren zu berufen, die es nur dann gibt, wenn ein weiblicher Bewerber berufen wird. Deshalb wurde im Rahmen des Professorinnenprogramms die arglistige Täuschung perfektioniert, und zwar dadurch, dass

  • sich Ausschreibungen für Professuren generell an beide Geschlechter richten,
  • der Ausschreibungstext aber in der Regel einen Zusatz enthält, der die Einrichtung der Professur und damit die Besetzung der Stelle vorbehaltlich einer Förderung durch das Professorinnenprogramm macht.

D.h. männliche Bewerber werden arglistig darüber getäuscht, dass sie in keinem Fall eine Chance haben, auf eine Stelle, deren Ausschreibung sich an beide Geschlechter richtet (um mit dem AGG konform zu sein), berufen zu werden, denn wenn sie sich als bester Bewerber herausstellen sollten, dann gibt es die Stelle, auf die sie berufen werden müssten, nicht. Die Stelle gibt es nur, wenn ein weiblicher Bewerber berufen wird. Was wird wohl bei Berufungsverfahren herauskommen, bei denen im Vorhinein klar ist, dass es die Professur, die besetzt werden soll, nur dann geben wird, wenn ein weiblicher Bewerber gefunden wird, unabhängig davon, ob dies der beste Bewerber ist oder nicht?

Man muss wirklich nicht viel Gehirnschmalz einsetzen, um zu wissen, dass derartige Berufungsverfahren nicht fair sind, dass männliche Bewerber arglistig getäuscht und missbraucht werden und man muss sich wundern, dass die Mitglieder von Berufungskommissionen, die sich an einem derartigen Betrug beteiligen, noch der Ansicht sein können, sie hätten irgend eine Form moralischer Integrität. Man muss sich wundern, dass sie morgens noch ihrem Konterfei im Spiegel begegnen können.

Der Betrug an männlichen Bewerbern im Rahmen des Professorinnenprogramms wird also seit 2008 betrieben. Zwischenzeitlich wurden mehr als 500 Professuren mit weiblichen Bewerbern besetzt, von denen man sicher sein kann, dass bei ihnen moralische Integrität ebenso wenig vorhanden ist wie wissenschaftliche Kompetenz. Hätten sie Letztere, sie hätten sich auch im Rahmen eines fairen Berufungsverfahren durchsetzen können, dass sie keinen Anstoß daran genommen haben, im Rahmen des Professorinnenprogramms und somit mit dem Menetekel eben nicht der Beste unter den Bewerbern gewesen zu sein, berufen zu werden, zeigt deutlich, dass keine moralische Integrität vorhanden ist.

Wir fragen uns nun schon seit mehreren Jahren, was für eine Art domestizierte Dackel diejenigen männlichen Bewerber sein müssen, die sich damit abfinden, dass man sie eben einmal um Zeit und Geld geprellt hat, um den Anschein eines fairen Berufungsverfahrens zu wahren. Dass bislang 500 Professuren im Rahmen des Professorinnenprogramms besetzt wurden, auf die sich grob geschätzt 2.500 männliche Bewerber beworben haben, die ohne jede Chance auf die Stelle waren, noch bevor sie ihre Unterlagen eingereicht haben, zeigt, dass die Art des domestizierten Dackels, der Männchen macht, sich missbrauchen lässt und sich dann, nachdem er missbraucht wurde, trollt, unter männlichen Akademikern nicht selten ist.

Insofern können wir den Zynismus, den diejenigen, die das Professorinnenprogramm nun in seine dritte Phase hieven und weitere 200 Millionen Euro ausgeben, um Dackel zu domestizieren und Männchen machen zu lassen, während sie diskriminiert und betrogen werden, fast verstehen. So heißt es in der Pressemeldung der „Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz“:

„Eine Erfolgsschichte geht weiter: Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat die Fortführung des Professorinnenprogramm bis 2022 beschlossen. Bereits im Juni 2017 hat die GWK sich grundsätzlich für die Fortführung des seit 2008 von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Programms ausgesprochen, heute wurde die bis 2022 laufende dritte Runde endgültig beschlossen.“

In der selben Weise wird auch die Mafia ihr Programm zum Schutz von Restaurantbesitzern vor den Übergriffen durch die Mafia feiern, und beschließen, das Programm nun auch auf Teile Norditaliens auszuweiten.

Solange es niemanden stört, dass Betrug zur Normalität erhoben wird, solange kann man Programme der Diskriminierung zu Erfolgsgeschichten umdeuten und damit fortfahren, Hochschulen zu erpressen. Wie oben beschrieben, sind Letztere in der Regel an finanziellen Mitteln knapp. Deshalb haben sich viele Hochschulen an das Professorinnenprogramm verkauft, das ihnen die Finanzierung von Professuren schenkt, wenn sie bereit sind, ein paar Bedingungen zu erfüllen.

Die Hochschulen müssen nur ein Gleichstellungskonzept erlassen, müssen die GWK davon überzeugen, dass sie Musterschüler des Genderismus geworden sind, so wie Hochschulen, die im Dritten Reich bestehen wollten, ein paar Zugeständnisse an die Ideologie der Nazis machen mussten, um Mittel zu erhalten oder in der DDR den Marxismus-Leninismus zur Doktrin erheben mussten oder in der Sowjetunion in allen Bereichen des Hochschullebens implementieren mussten, so muss man eben in Deutschland heute ein Gleichstellungskonzept vorlegen – auch wenn Gleichstellung niemals als Konzept diskutiert, geschweige denn in demokratischer Abstimmung als unterstützenswert ausgewiesen wurde (Man kann es nicht oft genug sagen).

Gefällt das Gleichstellungskonzept, dann bekommt die willfährige Hochschule als Belohnung die finanziellen Mittel, um ein paar Professuren auszuschreiben und ausschließlich mit weiblichen Bewerbern zu besetzen. Besondere Musterschüler unter den Hochschulen, also Hochschulen, die im Dritten Reich vom Führer persönlich besucht worden wären oder die eine Büste von Joseph Stalin in ihrem Auditorium Maximum hätten aufstellen dürfen, bekommen in der nun eingeläuteten dritten Phase des Professorinnenprogramms eine vierte Professur, mit der sie sich als besonders erfolgreich im Anbiedern an politische Vorgaben und besonders erfolgreich im Täuschen männlicher Bewerber auszeichnen können. So ist das im Totalitarismus.

Die “Erfolgsgeschichte” geht weiter. Das Schweigen der domestizierten Dackel auch.

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Forscher belegen Betrug durch gesetzliche Krankenkassen

Die Analyse, deren Ergebnis wir nun berichten, muss man auf sich wirken lassen.

Die Analyse stammt von deutschen Wissenschaftlern, die am Center for Global Development in Washington, in der Staatskanzlei von Nordrhein-Westfalen, im Bundesversicherungsamt und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München beschäftigt sind (noch).

Sie wurde unter dem Titel „Plan Responses to Diagnosis-Based Payment: Evidence from Germany’s Morbidity-Based Risk Adjustment“ veröffentlicht.

Zunächst die Einzelheiten.

Seit 2009 erhalten gesetzliche Krankenkassen im Rahmen des Risikostrukturausgleichs mehr Geld für die Behandlung von Krankheiten, mit denen eine höhere finanzielle Belastung für die Krankenkassen einhergeht, z.B. weil sie langwierig sind, die Behandlungen sehr teuer sind. Beispiele sind Diabetes und Hämophilie. Insgesamt sind 80 Krankheiten im Risikostrukturausgleich enthalten.

Damit die Krankenkassen in den Genuss von mehr Geld im Rahmen dieses Risikostrukturausgleiches kommen, ist es notwendig, dass ein niedergelassener Arzt bestätigt, dass die Diagnose von z.B. Diabetes gesichert ist. Derzeit gibt es vier Stufen für die Bewertung von Diagnosen. Neben der gesicherten Diagnose gibt es noch den Verdacht oder den Ausschluss von Krankheit X als Diagnose und es gibt die Rekonvaleszenz, also den Zustand nach Behandlung von Krankheit X.

Relevant für den Risikostrukturausgleich sind nur gesicherte Diagnosen. Nur für gesicherte Diagnosen erhalten die Krankenkassen zusätzliches Geld aus den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung, damit sie im Wettbewerb, wie es so schön heißt, nicht schlechtergestellt sind.

Einem Ökonomen, der ein solches Arrangement sieht, stehen die Haare zu Berge, denn die zusätzlichen Mittel, die an Krankenkassen für gesicherte Diagnosen in rund 80 Fällen langwieriger oder teurer Erkrankung fließen, sind geradezu eine Einladung zum Betrug oder zum opportunistischen Verhalten, wenn einem diese Formulierung besser gefällt.

Entsprechend würde man erwarten, dass Krankenkassen die Wege nutzen, die ihnen zugänglich sind, um Diagnosen niedergelassener Ärzte in den Fällen, in denen deren Einstufung als „gesicherte“ Diagnose bares Geld für die Krankenkassen wert ist, zu beeinflussen.

Das haben sich auch die vier Wissenschaftler Sebastian Bauhoff, Lisa Fischer, Dirk Göpffarth und Amelie Wuppermann gedacht und auf Basis von 1,19 Milliarden Diagnosen für 43,7 Millionen Patienten untersucht, ob sich nach der Einführung der finanziellen Anreize zum Betrug, wie sie oben beschrieben wurden, also des Risikostrukturausgleichs, wie es in der Amtssprache heißt, Veränderungen ergeben haben, die es nicht geben dürfte, wenn alles mit rechten Dingen zugehen würde.

Und in der Tat: es gelingt den Autoren Unregelmäßigkeiten, also Betrug nachzuweisen, denn die Häufigkeit der 80 Krankheiten, für die Krankenkassen dann mehr Geld bekommen, wenn ihre Diagnose als gesichert gilt, sie ist im Vergleich zu Krankheiten, für die nicht mehr Geld an die Krankenkassen überwiesen wird, überproportional gestiegen.

Der Anstieg der gesicherten Diagnosen für die 80 Krankheiten, die bei gesicherter Diagnose mit einer erhöhten Vergütung der Krankenkassen einhergehen, liegt zwischen 2.6% und 3.6% höher als der Anstieg bei anderen Krankheiten. Das klingt zunächst nach wenig, tatsächlich ist es beträchtlich, wie die folgende Abbildung zeigt.

Betrug durch gesetzliche KK.jpg

Der Anstieg kann sowohl mit einer veränderten Einstufung der Diagnose erklärt werden, d.h. Ärzte haben nicht gesicherte Diagnosen zu gesicherten umgewidmet, als auch mit einem überproportionalen Anstieg der gesicherten Diagnosen. Der Anstieg, darüber sind sich die Autoren sicher, ist ein nomineller, kein realer, d.h. der Zuwachs bei gesicherten Diagnosen auf Diabetes, wie ihn die Daten der Krankenkassen für den Zeitraum von 2008 bis 2013 ausweisen, geht in Teilen auf Betrug, nicht darauf zurück, dass mehr Personen mit Diabetes diagnostiziert worden wären.

Nun stellt sich die Frage, wer für diesen Betrug verantwortlich ist.

Niedergelassene Ärzte sind die erste Adresse, an die man denkt. Immerhin sind Ärzte für die Einstufung z.B. einer Diagnose auf Diabetes als gesichert verantwortlich. Allerdings bringt eine derartige Veränderung im Einstufungsverhalten Ärzten keinerlei Vorteil. Sie werden für Behandlungen nicht für Einstufungen oder Diagnosen bezahlt. Es bleiben die gesetzliche Krankenkassen. Für gesetzliche Krankenkassen ist jede Einstufung von Diabetes als gesicherte Diagnose bares Geld wert, denn mit jeder gesicherten Diagnose erhalten die gesetzlichen Krankenkassen Geld aus dem Risikostrukurausgleich.

Um den Verdacht, dass Krankenkassen hinter dem nominellen, also nicht realen Anstieg von z.B. Diabetes stecken, zu erhärten, haben sich die vier Autoren gefragt, welche Möglichkeiten den gesetzlichen Krankenkassen offenstehen, um Ärzte und vor allem die Einstufung von Krankheiten durch Ärzte zu beeinflussen. Nun, es sind deren einige, die von der „Schulung“ der Ärzte im Hinblick auf die Kunst der richtigen Einstufung von Krankheiten, über die Anregung, die Einstufung der Diagnosen des letzten Jahres noch einmal zu überprüfen, und zwar dahingehend, ob nicht eine Einstufung als gesicherte Diagnose sinnvoll sei, bis zu finanziellen Anreizen für Ärzte geht, wenn sie bestimmte Diagnosen liefern. Tatsächlich hat das Bundesversicherungsamt, wie die Autoren schreiben, mehrfach interveniert, um entsprechende Anreize zur Beihilfe zum Betrug zu unterbinden. Wie es scheint, mit wenig Erfolg.

Wie hoch der finanzielle Schaden ist, der Beitragszahlern durch die Betrügereien entstanden ist, ist unklar, dass es sich dabei nicht um Peanuts handelt, dürfte klar sein, wir sprechend wohl von Summen, die im mehrstelligen Millionenbereich liegen.


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Mainzer Studie: Vertrauen, von Medien belogen zu werden, steigt

Ein Beitrag zum Thema „Fake-Wissenschaft“

„Vertrauen in Medien steigt“ – das meldet die ZEIT„Studie: Vertrauen in die Medien steigt massiv an – das Misstrauen aber ebenso“ – so titelt MeediaUnd im Tagesspiegel dilettiert Joachim Huber unter der Schlagzeile „Vertrauen in die Medien deutlich gestiegen – und gefallen“.

contradictionAlle drei Schlagzeilen beziehen sich auf eine „Studie der Uni Mainz“, die „Kommunikationsforscher der Universität Mainz“ (ZEIT), der Kommunikationsforscher Tanjev Schultz und sein Kollege Oliver Quiring (Tagesspiel und Meedia) durchgeführt haben. Nein, nicht die beiden Kommunikationsforscher, von denen einer (Tanjev Schultz) unlängst von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung auf einen Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Mainz gewechselt ist und einer (Oliver Quiring) Leiter des Forschungsbereichs Kommunikationswissenschaft an der Gutenberg Universität Mainz ist, haben die „Studie“ durchgeführt, sondern Ifak.

Ifak, eines der vielen Meinungsforschungsinstitute, die den Glauben an die Repräsentativität hochhalten, weil sie damit ihr Geld verdienen, hat „bundesweit 1.200 Personen“ (Meedia) befragt, von Oktober bis November 2016. Herausgekommen ist dabei laut ZEIT, dass die „Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen … in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist“. Denn: Heute sind 40 Prozent der Deutschen der Ansicht, man könne den Medien „in wichtigen Fragen eher oder voll und ganz vertrauen. 2008 hatte der Aussage nur knapp jeder Dritte zugestimmt“.

Hurra, das Vertrauen in die Medien ist gestiegen.

Allerdings ist auch das Misstrauen in die Medien gestiegen, denn laut derselben Studie des Mainzer Professoren und des ehemaligen Angestellten der Süddeutschen Zeitung, die Ifak durchgeführt hat, sagt etwa „jeder vierte Deutsche, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher nicht oder überhaupt nicht vertrauen könne. 2008 waren das noch neun Prozent gewesen“ (ZEIT).

Prinzip 1 des Rationalen Widerstands besagt: Etwas ist nicht sein Gegenteil. Das Vertrauen in die Medien kann nicht gleichzeitig steigen und sinken. Dass dennoch behauptet wird, es steige und falle gleichzeitig, ist einem Trick geschuldet, den die Mainzer Universitätsangestellten anwenden: Normalerweise gibt man dann, wenn man Aussagen über die Antworttendenz machen will, ein zentrales Maß wie den Mittelwert an. Nur dann, wenn man ein Ergebnis schönreden will, zerlegt man eine zentrale Tendenz in zwei sich widersprechende Tendenzen, von denen aber nur eine wahr sein kann.

Gehen wir der Sache auf den Grund.

Zunächst das Argument dafür, die Studie des Kommunikationsforschers und des ehemaligen Journalisten von der Süddeutschen Zeitung in den Mülleimer zu werfen, denn da gehört die Junk-Studie hin.

Methoden eSEs ist nicht möglich, auf der Basis zweier Befragungen, zweier Querschnittsbefragungen, die im Abstand von 7 Jahren, einmal 2008 und einmal 2016 durchgeführt wurden, Aussagen über die Entwicklung zu machen. 2008 wurden völlig andere Personen befragt als 2016, Aussagen darüber, dass sich z.B. die Einstellung gegenüber den Medien verändert hat, kann man aber nur machen, wenn man dieselben Befragten zu unterschiedlichen Zeitpunkten befragt, wenn man die Daten einer Längsschnittsstudie zur Verfügung hat. Diese Daten haben die beiden in empirischer Sozialforschung Unbedarften aus Mainz nicht zur Verfügung. Ergo sind aussagen wie: „Vertrauen in Medien steigt“ oder „Vertrauen in die Medien steigt massiv an“ auf Basis der Daten von Schultz und Quiring nicht möglich.

Aber in der Zwischenzeit hat man sich daran gewöhnt, dass Verlaufsaussagen auf Grundlage diskreter Zeitpunkte, die wiederum von nicht vergleichbaren Populationen gewonnen wurden, gemacht werden. Warum sollen nicht auch Schultz und Quiring als Vertreter dieses Fehlers in empirischer Sozialforschung bekannt werden?

In jedem Fall werden sie bekannt werden als zwei Lehrstuhlbesetzer, die ihre Position an der Universität wohl dazu ausnutzen wollen, die Leser von ZEIT, Meedia, Tagesspiegel und all den anderen Mainstream-Medien, die die Meldung gerne und wortgetreu übernehmen werden, zu manipulieren und zu betrügen.

Die Manipulation steckt im Detail und ist denen, die in empirischer Sozialforschung nicht bewandert sind, schnell untergeschoben.

Wer hat bei den Formulierungen „eher oder voll und ganz“ bzw. „eher nicht und überhaupt nicht“ gestutzt?

Was meinen Sie, wie sehr kann man deutschen Medien in wichtigen Fragen vertrauen?“ Eher oder voll und ganz bzw. eher nicht und überhaupt nicht?

Ganz nebenbei werden den Lesern hier zusammengefasst Antwortkategorien untergeschoben, ohne dass ihnen das mitgeteilt wird, denn die Antwortmöglichkeiten auf die Fragen waren:
Voll und ganz vertrauen
Eher vertrauen
Eher nicht vertrauen
Überhaupt nicht vertrauen.

Wenn aus vier ursprünglichen Kategorien plötzlich zwei werden, dann ist Vorsicht geboten, denn dann wollen Forscher oft etwas verbergen. Es ist umso mehr Vorsicht geboten, wenn plötzlich der Usus, Kennzahlen der zentralen Tendenz zur Zusammenfassung der Antwortverteilung zu nutzen, fallengelassen wird, wie dies im vorliegenden Beispiel der Fall ist, in dem dieselbe Frage einmal mehr Vertrauen und einmal weniger Vertrauen für die Befragung in 2016 ergibt, als dies 2008 der Fall war. Warum ist Vorsicht geboten? Weil durch die Zusammenfassung die Daten manipuliert werden können, und zwar so, dass das Ergebnis geschönt wird.

Ausgangspunkt z.B. diese Verteilung für das Jahr 2008:

  • Voll und ganz vertrauen: 15%
  • Eher vertrauen: 14%
  • Eher nicht vertrauen: 6%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 3%

So könnte die Verteilung, die zu dem zusammengefassten Ergebnis für 2008 (29% Vertrauen, 9% kein Vertrauen) geführt hat, ausgesehen haben. Die Verteilung für 2016 kann folgendes Aussehen haben:

  • Voll und ganz vertrauen: 15%
  • Eher vertrauen: 25%
  • Eher nicht vertrauen: 6%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 19%

Oder

  • Voll und ganz vertrauen: 5%
  • Eher vertrauen: 35%
  • Eher nicht vertrauen: 10%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 15%

Die Prozente, die zu 100% fehlen, lassen vermuten, dass es neben einer Kategorie „weiß nicht“ noch eine Mittelkategorie des „weder noch“, also derjenigen gibt, die nicht wissen, ob sie Mainstream Medien vertrauen oder nicht. Offensichtlich halten die Mainzer Universitätsangestellten diese Information für entbehrlich.

sciencefiles-rationaler-widerstand-3Beide oben dargestellte Verteilungen für das Jahr 2016 führen zu 40% zusammengefasstem Vertrauen und zu 25% zusammengefasstem Misstrauen an deutschen Medien. Dahinter verbergen sich jedoch gänzlich andere Verteilungen und gänzlich andere Zuschreibungen von Vertrauen. Das wissen Wissenschaftler natürlich und deshalb nutzen sie Maße der zentralen Tendenz. Dass dies der Komminkationslehrer und der Journalist aus Mainz nicht tun, kann daran liegen, dass sie keine Ahnung von wissenschaftlichen Gepflogenheiten haben oder daran, dass sie mit ihren Ergebnissen manipulieren und betrügen wollen.

Wie dem auch sei, selbst mit zusammengefassten Daten lässt sich noch ein Teil Wahrheit rekonstruieren und ein Maß der zentralen Tendenz berechnen. Wir berechnen den Mittelwert für die Verteilung von 29% Vertrauen und 9% Misstrauen in 2008 und den Mittelwert für die Verteilung von 40% Vertrauen und 24% Misstrauen in 2016 (unsere Werteskale reicht von 1 bis 2. Je höher der Mittelwert, desto weniger Vertrauen in Medien besteht).

Der Mittelwert für 2008 beträgt: 1,23, der Mittelwert für 2016 beträgt: 1,375. Mit anderen Worten, wenn man die Befragung von 2008 mit der Befragung von 2016 vergleicht, dann muss man feststellen, dass das Misstrauen in öffentliche Medien 2016 größer ist als 2008. Das sieht man auch daran, dass die Anzahl derjenigen, die kein Vertrauen zu Medien haben, 2016 um 15% höher liegt, als 2008. Dagegen liegt die Zahl derer, die vertrauen, im Jahr 2016 um 11% höher als 2008.

Aus den vorhandenen Daten herauslesen zu wollen, dass das Vertrauen in Medien steigen würde bzw. massiv gestiegen sei, grenzt an Datenfälschung. Es ist in jedem Fall ein Fall für die Ethikkommission der Universität Mainz, sofern es die dortige Ethikkommission als ihre Aufgabe betrachtet zu verhindern, dass Universitätsangestellte, von denen einer zugegebenermaßen mehr Erfahrung mit der Süddeutschen Zeitung als mit dem, was an Universitäten gefordert wird und Standard sein sollte, hat, versuchen, die Öffentlichkeit mit manipulierten Daten zum Narren zu halten.

Wissenschaftlichen Ansprüchen und Ansprüchen an Moral und Ehrlichkeit genügt die Darstellung der Daten durch Schultz und Quiring nicht. Aber vielleicht reicht es ja für einen Gastauftritt beim diesjährigen Mainzer Karneval, bei Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht…

Naive gesucht: Umweltministerium missbraucht Bürger

Wenn es darum geht, das, was sie durchsetzen wollen, mit Legitimität zu versorgen, greifen Politiker immer häufiger auf Repräsentativität zurück. Eine repräsentative Stichprobe soll dabei helfen, Kritikern den Mund zu stopfen, denn die Maßnahmen, die man gerade in ein Gesetz verpacken will, sie werden von einer repräsentativen Stichprobe der Bundesbürger unterstützt.

Ein Stammleser hat uns heute auf den Bürgerreport zum “Bürgerdialog zum Klimaschutzplan 2050” hingewiesen, über den auf Eike-Klima-Energie berichtet wird. Der Bürgerreport ist nicht nur ein Beispiel dafür, wie Bürger für staatliche Zwecke eingespannt und missbraucht werden, er ist auch ein Beispiel dafür, dass sich manche Naiven gerne als Vorzeigebürger missbrauchen lassen, er ist ein Beispiel für den in Deutschland galoppierenden Nepotismus, die Versorgungsnetzwerke, in denen sich Basen und Vettern gegenseitig Steuergelder zuschieben, und er ist ein Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Konzepte, hier das Konzept einer repräsentativen Stichprobe, von Statistik-Legasthenikern missbraucht werden, um anderen vorzugaukeln, das, was man nun verkünde, sei die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung.

Repräsentativität als Legitimationsbeschaffer: Der armselige Versuch des Bundesumweltministeriums

Das Umweltministerium hat einen Bürgerreport erarbeitet, dessen Ziel darin besteht, den Klimaschutzplan, den die Bundesregierung Ende 2016 verabschieden will, mit Legitimation zu versorgen, denn: In den Klimaschutzplan sind Vorschläge eingeflossen, die Bürger gemacht haben. Bürger waren daran beteiligt, den Klimaschutzplan aufzustellen. Es sind die Ideen der Bürger, die die Bundesregierung hier aufnimmt und umsetzt.

Die letzten Sätze sind Vorhersagen, Vorhersagen über Sätze, die man im Zusammenhang mit dem Klimaschutzplan hören wird.

Wer sind die Bürger, deren Meinungen in den Klimaschutzplan eingeflossen sind?

Die Bürger stammen aus Hamburg, Leipzig, Essen, Frankfurt und Nürnberg. Schon diese Auswahl von fünf deutschen Städten gewährleistet, dass es keinerlei für deutsche Bürger repräsentative Auswahl geben kann. Dessen ungeachtet entblödet sich der Verfasser des Bürgerreports nicht zu schreiben: “Um einen Querschnitt der Bevölkerung abzubilden, wurden die Bürgerinnen und Bürger durch eine telefonische Zufallsauswahl in Stadt und Umland gewonnen” (5). Drei Seiten weiter, wird der Betrug am Leser, der mit der vermeintlichen “Zufallsauswahl” erreicht werden sollte, noch deutlicher formuliert:

“Auf diese Weise kam ein Meinungsbild zu den Bürgervorschlägen zustande, das auf einem zufällig ausgewählten Querschnitt der Bevölkerung beruht und damit Verzerrungen und Mobilisierungseffekte vermeidet.” (8)

Das ist nun keine schludrige Formulierung mehr. Das ist eine glatte Lüge und ein krasser Manipulationsversuch. Denn Bürger aus fünf Städten Deutschlands sind schon deshalb kein “zufällig ausgewählter Querschnitt der Bevölkerung”, weil es in Deutschland mehr als fünf Städte und darüber hinaus noch kleinere Gemeinden gibt, sie sind auch deshalb nicht repräsentativ, weil das Auswahlverfahren es geradezu darauf angelegt hat, selbst in den fünf Städten eine verzerrte Stichprobe zu erhalten und die Mobilisierungseffekte, die angeblich vermieden wurden, systematisch zu produzieren.

  • In den fünf Städten wurden 76.451 Bürger, die im Telefonbuch verzeichnet sind, angerufen (Das Telefonbuch ist nicht repräsentativ).
  • Von diesen 76.451 Bürgern haben sich 2.454 bereit erklärt, an einer Veranstaltung zum Klimaschutzplan teilzunehmen. Die 2.454 Bürger sind somit eine positive Selektion der Bevölkerung. Sie sind diejenigen, die sich für Klimaschutz interessieren und Zeit haben, an Veranstaltungen des Bundesministeriums teilzunehmen. Und Zeit, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen haben regelmäßig Aktivisten, die nichts anderes machen als sich um Kimaschutz zu kümmern. Sie wurden durch die Art und Weise, in der die Teilnehmer gewonnen wurden, mobilisiert und niemand sonst.
  • Damit die 2.454 Bürger auch nicht mit falschen Ideen zu den Veranstaltungen, die dann als Bürgerbeteiligung verkauft werden sollen, kommen, wurde ihnen umfangreiches Material zugeschickt, in dem sich die letztendlichen 77 Maßnahmen, die im Bürgerdialog benannt wurden, mit Sicherheit schon rudimentär, wenn nicht explizit finden.
  • Das Zusenden von Material hat ausgereicht, um 1.899 der ursprünglich interessierten Bürger abzuschrecken und nur noch einen harten Kern von 555 Bürgern übrig zu lassen, von denen schließlich 472 oder 0,62% der ursprünglichen Stichprobe von 76.451 Bürgern an der Veranstaltung teilgenommen haben.

Wer behauptet, diese Auswahl sei repräsentativ, eine Zufallsauswahl und lasse irgend einen Schluss auf die Meinung der Bürger in Deutschland zu, der hat entweder nicht mehr alle Tassen im Schrank oder er ist der Ansicht, alle außer ihm und seinen Mitwissern seien so dumm, dass sie diese krude Art der Lüge und Manipulation nicht durchschauen.

Nepotismus im Dilettantismus

Wenn man derartige Manipulationsversuche durchführen will und Bürger missbrauchen will, benötigt man Helfer und Helfershelfer, die entweder in einer Abhängigkeit zu den Auftraggebern stehen, die es ihnen nicht erlaubt, vom Manipulationsversuch Abstand zu nehmen oder die nicht die Integrität oder Kompetenz und Qualifikation haben, um Sozialforschung korrekt durchzuführen.

Was auch immer zutreffen mag, nach Recherchen von Eike-Klima-Energie, die von einem Beitrag in der Welt ausgehen, war das Unternehmen IFOK mit der Durchführung dieser Travestie auf Sozialforschung beauftragt. Der Gründer von IFOK, Hans-Peter Meister war u.a. Pressesprecher des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Anscheinend hat man den ehemaligen Mitarbeiter in seinem Ministerium nicht vergessen und ihm einen Auftrag zugeschustert, mit welchen Auflagen auch immer und wohl unter Umgehung der normalerweise stattfindenden Ausschreibung.

Deutschland als Bananrepublik zu bezeichnen, wäre wirklich nicht richtig, denn die Art von systematischem Nepotismus, des systematischen Austauschs von Steuergeldern gegen Legitimation, sie stellt jede Bananenrepublik in den Schatten.

Missbrauch von Bürgern und Naive, die sich gerne missbrauchen lassen

Der gesamte Bürgerdialog dient offensichtlich nur dazu, eine Reihe willfähriger oder nichtsahnender Bürger vor den Karren des Umweltministeriums zu spannen und für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Und es gibt tatsächlich Bürger in Deutschland, die sich noch freuen, wenn sie missbraucht werden.

Hier ein paar Beispiele, die zu Legitimationszwecken im Bürgerreport abgedruckt wurden:

Klimaschutz enthusiasten.jpg

Ob das Anlass zum Lachen oder zum Weinen ist, das ist eine Frage, die zu beantworten wir jedem Leser selbst überlassen.

Kein Grund zum Lachen, sondern ein Grund zum Entlassen sind Ministerdarsteller wie Barbara Hendricks, die Aussagen wie die folgende abgeben:

“Wir haben jetzt die Chance und die Pflicht, die Welt so zu verändern, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder gut leben können.”

Personen, die keinen Zweifel kennen, die der Überzeugung sind, sie könnten in die Zukunft sehen und die Zukunft gestalten, hätten die Wahrheit gepachtet und wären bar jeglichen Irrtums, haben in öffentlichen Ämtern nichts zu suchen. Sie gehören in den Kindergarten, um dort nachzuholen, was sie offensichtlich nicht gelernt haben: Man kann nicht in die Zukunft sehen und deshalb kann man auch nicht wissen, ob das, was man heute tut, morgen von der nächsten Generation als gut angesehen wird – oder sich als die größte Idiotie aller Zeiten erweist.

Wenn man der Argumentation auf Eike-Klima-Energie folgt, dann ist der Klimaschutzplan 2050, so wie er sich derzeit abzeichnet, die größte Idiotie aller Zeiten, die den Morgenthau-Plan mit einigen Jahrzehnten Verzögerung nachholt. Wir empfehlen unseren Lesern, den entsprechenden Post auf .

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Betrug ist Teilhabe: Rheinland-Pfälzisches Ministerium betreibt eigene Newspeak

Peter Trier, den wir langsam zu unserem Sonderbotschafter ernennen müssen, denn er macht sich weit überdurchschnittlich um die Wissenschaft verdient, Peter Trier hat das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung, Kultur und – haben wir etwas vergessen? Nein: für Weiterbildung und Kultur, so lange gedrängt, bis er eine Antwort auf seine Fragen erhalten hat.

Die Fragen von Peter Trier, sie haben das Professorinnenprogramm und die folgende Ausschreibung der Universität Koblenz-Landau zum Gegenstand:

PP_Koblenz-landau

Die entscheidende Stelle dieser Ausschreibung, sie lautet:

“Die Stipendien werden im Rahmen des Professorinnenprogramms ausgeschrieben, das von Bund und Ländern gemeinsam finanziert wird und darauf abzielt, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen…” und so weiter.

Aus dem Professorinnenprogramm werden keine männlichen Bewerber gefördert, sondern ausschließlich weibliche. Damit ist ausgeschlossen, dass ein männlicher Bewerber auf eine der ausgeschriebenen Stellen berufen werden kann. Dennoch wird in der Ausschreibung so getan, als sei die Stelle sowohl für männliche als auch weibliche Bewerber verfügbar. Das nennen Menschen, die der deutschen Sprache und des semantischen Gehalts der Wörter der deutschen Sprache mächtig sind, Betrug.

Beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, bei dem schon in der Namensgebung deutlich wird, dass Bildung nichts mit Wissenschaft zu tun hat, ist das anders. Dort nennt man Betrug die Gewährleistung einer männlichen Teilhabe am Bewerbungsverfahren.

Ja, liebe Leser, Sie haben sich nicht verlesen. In deutschen Ministerien wird Absurdität und Unsinn auf ganz neuen Höhen betrieben und man kann vom Genderismus halten, was man will, man kann den Genderisten nicht ihr Verdienst dahingehend streitig machen, dass sie Betrug, Täuschung und alle sonstigen Varianten, Menschen hinters Licht zu führen, in bisher nicht dagewesenem Ausmaß pflegen.

Zitieren wir aus der Antwort, die eine Dr. Daniela Heinemann vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur an Peter Trier und mit Bezug auf die Rechtmäßigkeit von Ausschreibungen, die männlichen Bewerbern vorgaukeln, sie hätten eine Chance auf die ausgeschriebene Position, gegeben hat:

Ministry of truth 2“Es wird ein geschlechtsneutrales Bewerbungsverfahren ausgeführt, das bedeutet, dass am Ende tatsächlich ein Mann als am besten geeigneter Bewerber aus dem Verfahren hervorgehen kann. Sollte dieser Mann am Ende des Bewerbungsverfahrens als am besten geeigneter Kandidat den Vorzug vor Kandidatinnen erhalten, besteht für die Hochschule grundsätzlich die Möglichkeit, dass sie die Stelle aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellt. Auf diese Möglichkeit hat die Universität Koblenz-Landau in dem von Ihnen geschilderten Fall verzichtet. Dies ist eine Entscheidung im Rahmen ihrer Hochschulautonomie. Aus dem Professorinnenprogramm kann der auf Nr. 1 platzierte männliche Bewerber nicht gefördert werden, weil dieses tatsächlich nur Frauen fördert. Der Mann kommt daher nicht mit der Inanspruchnahme des Stipendiums zum Zuge, aber er verhindert eine Vergabe des Stipendiums. Das ist insgesamt keine glückliche Situation, zeigt aber, dass die männliche Teilhabe an Bewerbungsverfahren, die unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm steht, durchaus greift und die Männer damit nicht „für dumm verkauft werden”.

Für alle, die es nicht glauben können, hier noch einmal die Kurzversion:
Relevant ist, dass geschlechterneutral ausgeschrieben wird. Männliche Bewerber werden nicht darüber getäuscht, dass sie die ausgeschriebene Stelle wegen ihres Geschlechts nicht bekommen können, denn sie können ja am Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Sie können sogar zum besten Bewerber gewählt werden, nur berufen werden können sie dann nicht, denn das Professorinnenprogramm finanziert nur zweit-, dritt-, viert- oder ferner liefen beste weibliche Bewerber. Männliche Bewerber werden also nicht für dumm verkauft, wenn man ihnen eine Stelle in Aussicht stellt, die nur weibliche Bewerber besetzen können.

Die Unmoral, die hinter derartigen Ausführungen steht, sie ist bodenlos. Abermals muss man feststellen, dass es der Genderismus geschafft hat, Moral und Anstand weitgehend zu beseitigen und offensichtliche Täuschung, Betrug und fiese Übervorteilung an ihre Stelle zu setzen.

Deceibe infeigle obfuscateDiese Interpretation setzt voraus, dass Genderisten und Ministerialbeamte wie Frau Heinemann wissen, was sie tun und schreiben. Streicht man diese Interpretation und nimmt nunmehr nur an, dass sie affektiv reagieren und der Gutheit der Frauenförderung, die gut ist, weil sie eben gut ist und keinen sonstigen Wert hat, anhängen, dann muss man hoffen, dass die entsprechenden Genderisten niemals Notzeiten erleben, in denen sie beim Bäcker nicht bedient werden: Nicht dass sie nicht anstehen dürften. Das dürfen sie in jedem Fall. Nur bedient werden sie nicht, denn das Brot wird aus dem Hilfefonds der Menschen mit Verstand bezahlt und entsprechend können nur Menschen mit Verstand Brot kaufen. Aber wir hindern natürlich niemand daran, sich umsonst für Brot anzustellen.

Wirft man auch die Hypothese von der affektiven Anhänglichkeit über Bord, dann bleibt, was Dr. habil. Heike Diefenbach gerade in einem anderen Zusammenhang recherchiert hat: Tiefendyslexie, die Unfähigkeit, den semantischen Gehalt von Worten zu verstehen. Und damit wäre erklärt, warum in rheinland-pfälzischen Ministerien Betrug neuerdings “Teilhabe an Bewerbungsverfahren” heißt.

P.S.

Es ist  interessant zu sehen, wie ein rechtsfreier Raum geschaffen wird. Eine Seite, das Ministerium, sagt: Die Ausschreibung muss geschlechtsneutral sein, aber wir bezahlen aus dem Professorinnenprogramm nur weibliche Bewerber. Wenn ihr einen männlichen Bewerber auf Platz 1 setzt, dann müsst ihr ihn selbst finanzieren. Die andere Seite sagt: wir schreiben geschlechtsneutral eine Stelle, die aus dem Professorinnenprogramm finanziert wird, aus und berufen, wenn wir nur gute männliche Bewerber finden, niemanden. Beim Ministerium können sie sich in der Gewissheit sonnen, dass dann, wenn die Stelle nicht besetzt wird, die Universität schuld ist, dass es deren “Entscheidung im Rahmen von Hochschulautonomie” ist. Bei der Universität können sie sich in der Gewissheit sonnen, dass sie keinen männlichen Bewerber berufen können, obwohl sie das wollen, weil sie keine entsprechenden Mittel haben. Keiner meint er sei schuld und dennoch pflastern Leichen ihren Weg. So ähnlich muss es im Dritten Reich gewesen sein. Irgendwie sind die Juden in den Duschen aufgetaucht und irgendwie kam Gas in die Wasserleitung.

Die Frage, wie ein Ministerium dazu kommt, nach Geschlecht unterschiedlich zu behandeln, ist eine weitere Frage, die der Beantwortung harrt.

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