Gemeinsame Erkärung 2018: Wenn Professoren zum Boykott aufrufen

Als die Sozialisten die Universitäten in Beschlag genommen haben. Da hat er geschwiegen und dem Treiben zugesehen, das Lehre und Forschung immer schwieriger gemacht hat.

Als die Studentenvertretungen, die zum Hort kommunistischer Kader geworden sind, angefangen haben, Lehrende, die gegen, das, was sie für richtig und wahr halten, die gegen den Glauben der kommunistischen Kader verstoßen haben, anzugreifen, zu diskreditieren und ihre Lehrveranstaltungen erst zu stören und dann zu verunmöglichen, da hat er geschwiegen (so sehr, das nicht einmal wir etwas finden können).

Als die Einschüchterung anderer bis in deren Privatleben getrieben wurde, als Blogwarte das, was andere auf Facebook schreiben, genutzt haben, um diese anderen anzuschwärzen, als die Denunziation gerade an Universitäten ungeahnte Höhen erreicht hat, da hat er geschwiegen.

Als Ministerien damit begonnen haben, Universitäten nach ihren Vorstellungen zu gestalten und die Wissenschaft zum Legitimationsbeschaffer für ihre nicht selten politischen Wahnvorstellungen zu machen, da hat er geschwiegen.

Als immer mehr seiner Kollegen zu Fahnenträgern von Ideologie wurden, da hat er geschwiegen.

Als mit dem Genderismus eine wissenschaftsfeindliche Ideologie an Universitäten implementiert wurde, da hat er geschwiegen und dabei zugesehen, wie noch der letzte Ansatz von Wissenschaftlichkeit vor die Hunde gegangen ist.

Und jetzt, jetzt sitzt er im Trümmerhaufen dessen, was einst höhere Bildung war, und jetzt stört ihn etwas. Nein, zwei Dinge stören ihn. Eine Gemeinsame Erklärung, die magere 33 Worte umfasst, sie stört ihn und ein Verleger, der Verleger Wilhelm Hopf vom LIT-Verlag, der stört ihn auch.

Die Gemeinsame Erklärung 2018, die stört ihn eben und bei Hopf stört ihn, dass er die gemeinsame Erklärung unterschrieben und dann seine Unterschrift zurückgezogen hat, des Geldes wegen, wie Feltes meint. Nicht dass unser Professor, der Kriminologie Thomas Feltes, seinen Beruf wegen des Geldes ausüben würde. NEIN. Das Geld, das er als Beamter monatlich von Steuerzahlern einstreicht, das nimmt er in Kauf, um seiner Berufung nachzugehen. So ist er, der Professor Feltes – immer am Wohl seiner Studenten interessiert, nie am Wohl seines Bankkontos. Er ist eben ein reiner Geist. Selbst wenn er, weil ihn sein Uni-Job nicht ausfüllt, nebenher noch bei Prozessen, wie dem Loveparade-Prozess aktiv ist, hat er nie sein Bankkonto und immer das Wohl seiner Klienten im Blick. So ein Guter ist er, der Thomas Feltes.

Backup falls Feltes seinen Tweet löscht.

Weil er so ein Guter ist, mit anstehender Beamtenpension und obgleich er nie in die Situation gekommen ist, auf einem freien Markt etwas anbieten und von der Nachfrage danach leben zu müssen, verurteilt er den Verleger Wilhelm Hopf. Denn Hopf hat die Gemeinsame Erklärung unterschrieben. Fehler gibt es in der Welt von Feltes offensichtlich nicht. Dort gibt es nur Verurteilung und die Moral von Feltes, die er für die überlegene Moral halten muss, sonst würde er sich nicht über Handlungsentscheidungen anderer ereifern. Sonst würde er nicht einen Mann verurteilen und öffentlich diskreditieren, der sein Recht auf eine private freie Meinung nutzt, was das Recht umfasst, in seiner privaten Meinung von der privaten Meinung abzuweichen, die Thomas Feltes hat, was Feltes wundern mag, aber nichts daran ändert. Sonst würde er sich überhaupt nicht bemüßigt sehen, sich in anderer Menschen Angelegenheiten einzumischen und sich nicht zum Richter über deren private Meinung aufspielen, sonst hätte er Demut ob der eigenen Unzulänglichkeiten.

Aber plötzlich, nach all den Verheerungen, die Bologna Prozess, Bildung für Alle Unsinn, Genderismus, Sozialismus, kommunistische Studentenkader, Astaner, die noch nach ihrer Intelligenz suchen, und Ministerien, die in Universitäten die Erfüllungsgehilfen ihren wirren ideologischen Ideen sehen, angerichtet haben, plötzlich regt sich Widerstand bei Thomas Feltes. Plötzlich agiert und interveniert er, wird er zum Rächer, der nicht vergessen will, dass ein anderer eine aus Feltes Sicht verwerfliche Unterschrift geleistet hat.

DoktorandInnen so schreibt er in angepasstestem Genderdeutsch, DoktorandInnen sollten nicht mehr beim LIT-Verlag veröffentlichen. Man dürfe dem Mann, der nicht aus Überzeugung und innerer Einkehr, sondern wegen schnöden Mammons seinem falschen Glauben abgeschworen hat, nicht vergeben, müsse ihn vielmehr strafen, ihn boykottieren. In der Welt von Thomas Feltes zählt nur die unbedingte Hingabe zur herrschenden Ideologie, unter Zurücklassung aller Moral, allen Anstands, aller beamtenrechtlichen Verpflichtungen, aller Menschlichkeit.

Thomas Feltes ist ein Guter. Das hat er mit seinem Tweet gezeigt, der natürlich kein virtue signalling, sondern die wahre Überzeugung eines modernen Inquisitoren zum Ausdruck bringt, oder?

Wir leben im Jahr 2018 und weil Personen wie Thomas Feltes nur Reinheit in Glauben und Geiste kenntlich gemacht durch ein tugendhaftes und zweifelsfreies Leben dulden wollen, deshalb sollten wir einfachen Sünder, ihm, den man als neuen Inquisitor einer alten Idee ansehen könnte, seinen Willen lassen und seine reine Welt nicht mit unserer Anwesenheit belasten. Also: all ihr Unreinen im Geiste, die ihr Geld als Austausch für Leistung akzeptiert schon um damit Feltes unterhalten zu können, die ihr Meinungen vertretet, die nicht Feltes‘ sind, die ihr nicht pur seid und von Luft und Liebe zum Nächsten lebt (Rechte, Rechtsextreme, Rechtspopulisten, die 130.000 Unterzeichner und vor allem Wilhelm Hopf ausgenommen, unter anderem), lasst uns seine Bücher, die wir besitzen, in die Mülltonne werfen. Wir sind seiner nicht wert. Lasst und vom Kauf von Büchern, Zeitschriften und Magazinen, die der Name Thomas Feltes in ihrer Bedeutung ins unermessliche verklärt, Abstand nehmen. Lasst uns einen Bogen um Wirkungsstätten machen, an denen der Reine seine Lehre offenbart. Und vor allem, lasst uns einen Brief, fies und unrein wie wir sind, an seinen Dienstherren schreiben, denn, wie Dr. Dr. Marcus Ermler gerade ausgeführt hat: Für Beamte gilt ein Beamtenrecht. Beamte haben sich politischer Agitation dann zu enthalten, wenn sie sich als Inhaber ihrer Beamtenposition gerieren. Und Thomas Feltes legt sehr viel Wert darauf, kund zu tun, dass er als Hochschullehrer eine Anstellung beim Staat gefunden hat und sich deshalb Professor nennen darf.

Geschichte wiederholt sich nicht, so wird oft behauptet. Letztlich ist es aber eine Frage, der Logik, der Kenntnisse der Logik, ob man in der Aufforderung nicht bei Juden zu kaufen, weil diese zum damaligen Zeitpunkt als Volksschädlinge diffamiert wurden, dieselbe formale Struktur sieht, die auch in der Aufforderung, nicht bei LIT zu publizieren, gegeben ist, weil dessen Verleger ein Meinungsabweicher ist.

Aber mit Logik haben es Juristen bekanntlich nicht so, wie Egon Schneider und Friedrich Schnapp Auflage um Auflage aufs Neue feststellen.

Feltes hat seinen Tweet nunmehr gelöscht. Der Tweet ist hier archiviert.


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Zensur aus dem Hinterhalt: Wie Deutsche bevormundet und manipuliert werden

Die beste Zensur ist die Zensur, die niemand bemerkt. Warum wundert es uns nicht, dass diese Form, die man wohl als hinterhältige oder als feige Form der Zensur bezeichnen muss, in Deutschland die Zensur der Wahl ist.

Diese Zensur funktioniert so, dass bestimmte missliebige Internetseiten von sogenannten Providern, die keine Provider sind, weil sie Service nicht bereitstellen (to provide), sondern verhindern, gesperrt werden, weil sie sich zu Handlangern derer machen, deren Lebenssinn darin besteht, anderen vorzuschreiben, was sie zu lesen haben und was nicht, wo sie sich zu informieren haben und wo nicht, welche Informationen sie dazu benutzen dürfen und welche nicht.

Wenn man die Fähigkeit von Einzelnen, (a) die Informationen nachzufragen, die sie nachfragen wollen, (b) die Quellen zu benutzen, die sie benutzen wollen und c) ungehinderten und freien Zugang zu allen möglichen Quellen für Informationen zu haben, als Kriterien für eine freie Gesellschaft, für eine offene Gesellschaft definiert, dann folgt daraus, dass Deutschland keine freie Gesellschaft und schon gar keine offene Gesellschaft ist. Deutschland ist eine Gesellschaft der kleinen oder großen Zensierenden, derer, die sich gemein machen mit dem großen Ziel, die Bevölkerung zu manipulieren, zu indoktrinieren und nur mit den Informationen zu versorgen, die der politischen Klasse genehm sind.

Dass diese Zensur nicht offen, sondern im Geheimen, dass sie hinterhältig und ohne Wissen der Betroffenen erfolgt, dass diejenigen, die sie durchführen, keinerlei öffentlicher Kontrolle unterliegen und es deshalb möglich ist, Deutsche von Informationen abzuschneiden, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, dass der Jugendschutz als Vorwand benutzt wird, um diese hinterhältige Form der Zensur zu betreiben, das sind alles offene Geheimnisse. Dass die meisten Deutschen sich nicht dagegen wehren, es sich nicht verbieten, von Unbekannten am freien Zugang zu Informationen gehindert zu werden, ist ebenso bekannt.

Ausgerechnet Hadmut Danisch, dessen Seite man nun wirklich nicht vorwerfen kann, etwas anderes als Informationen, die zwar nicht politisch korrekt sind, aber in der Regel prüfbar, bereitzustellen ist zunehmend von der beschriebenen hinterhältigen Art der Zensur betroffen. Wie Herr K. im Prozess von Franz Kafka, gibt es das gesichtslose Böse, das in Verwaltungsstuben wirkt. Ohne Angabe von Gründen, ohne Angabe von Belegen, niemandem verantwortlich, wird zensiert, wird sich gemein gemacht, angedient, wird die offene Gesellschaft jeden Tag aufs Neue beschädigt und der totale Staat, der vollständige Kontrolle über seine Bürger und ihre Informationsquellen ausübt, durchzusetzen versucht.

Das Erschreckende daran ist, dass die Menge derer, die sich am Zensurwerk beteiligen, längst nicht nur den Staat und seine Diener umfasst. Auch Unternehmen wie Vodafone beteiligen sich daran, die Bevölkerung von Informationen abzuschneiden: Sie betreiben Zensur, eine Zensur, der man nur dadurch entgehen kann, dass man die entsprechenden Nicht-Anbieter, die entsprechenden Zugangsverhinderer boykottiert.

Hadmut Danisch hat die folgende eMail von einem seiner Leser erhalten:

„Vielleicht ist es Ihnen ja bereits bekannt, aber Ihre Webseite wird von Vodafone als jugendgefährdent eingestuft. Aus welchem Grund ist mir auch nicht klar, aber es ist so, dass beispielsweise an allen Universitäten in Bayern, an denen ein öffentlich zugängliches WLAN-Netz existiert (BayernWLAN), Ihre Seite gesperrt ist.“

Das ist die hinterhältige, verschlagene Zensur, die an Franz Kafka erinnert. Irgendwer entscheidet irgendwo darüber, dass Hadmut Danischs Seite gesperrt wird. Wegen Jugendschutz. Warum auch nicht? Niemand fragt. Niemand fragt nach den Belegen dafür, dass Danisch gegen den Jugendschutz verstößt. Niemand zieht die geheimen Zensierer zur Rechenschaft, niemand macht ihnen den Prozess. Die meisten Leser von Hadmut Danisch sind nicht empört. Andere, denen an einem unzensierten Zugang zu Informationen gelegen ist, sind auch nicht empört. Nein, eine eMail an Hadmut Danisch ist die Reaktion der Wahl, verbunden mit der unausgesprochenen Aufforderung, sich doch darum zu kümmern, dass der anonyme Zensierer von Vodafone, ja was eigentlich?

Hadmut schreibt zu der Information, die ihn erreicht hat:

„Ich sehe das zwar schon irgendwo, aber nicht primär als mein Problem an. Man sollte sich bei seinem Provider beschweren. Das ist nämlich eigentlich ein strafbarer Eingriff in das Post- und Fernmeldegeheimnis, wenn der Provider kontrolliert, welche Webseiten man anschaut. Die haben oberhalb von Schicht 3 (IP) eigentlich darin überhaupt nichts herumzusuchen, schon gar keine Deep Packet Inspection oder sowas zu treiben.“

Recht hat er. Wenn es für diejenigen, die auf eine derartige Zensur stoßen, nicht selbstverständlich ist, sich bei demjenigen, der ihre Freiheit durch Zensur einschränkt, beim Täter, zu beschweren, was soll man dann als Betreiber eines kostenlosen Angebots im Internet tun? Sich selbst darum kümmern? Letzteres müsste ein Betreiber dann tun, wenn das Angebot, das ihm wegzensiert wird, seinen Lebensunterhalt begründen würde. Das ist aber nicht der Fall, denn das Angebot ist nicht nur umsonst, es wird auch als Hobby bereit gestellt. Folglich sind diejenigen, die ein Interesse daran haben, auch Informationen zu lesen, die nicht dem Mainstream entspechen und die Parteien und Politiker und Zensierer aller Couleur gerne verstecken oder beseitigen würden, aufgerufen, für ihre Freiheit, ihre Informations- und Redefreiheit zu kämpfen. Solange Vodafone nicht mit Beschwerden dazu bombardiert wird, dass sich der „Provider“ anmaßt, darüber zu entscheiden, was seine Nutzer sehen können und was nicht, wird sich nichts ändern. Erst wenn Vodafone und all die anderen Zugangsverhinderer mit erheblichem Verlust an Reputation, weil sie sich zum willfährigen Zensurdiener machen, rechnen müssen und mit erheblichen Einbußen im Umsatz, weil Kunden lieber zu Providern gehen, die auch unzensierten Zugang bereitstellen, so lange wird sich nichts ändern und so lange haben die Zensierer im Hintergrund leichtes Spiel.

Bleibt abschließend noch der Treppenwitz: In Deutschland gibt es Personen, die niemand kennt, die aufgrund von Kriterien, die sie geheimhalten und aufgrund von vermeintlichen Belegen, die sie nicht vorweisen wollen, Internetseiten sperren bzw. als jugendgefährdend einordnen. Das ist noch nicht der Witz. Das ist der Witz: Es gibt Deutsche, die denken, Deutschland sei eine Demokratie.

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Neue deutsche Inquisition

Drei einfache Wahrheiten:

I

Meinungsfreiheit gibt es nur für alle oder gar nicht. Wer anfängt, Meinungsfreiheit an Bedingungen zu knüpfen, die den Inhalt betreffen und in das zerlegen, was gesagt werden darf und das, was nicht gesagt werden darf, hat Meinungsfreiheit effektiv abgeschafft. Denn nunmehr gibt es einen Herrscher über die Meinungsfreiheit, der festlegt und bestimmt, was Meinungsfreiheit ist und was Meinungsfreiheit nicht ist.

Für alle, denen das jetzt immer noch nicht klar ist: Die Nazis haben auch Meinungsfreiheit garantiert, wobei das, was sie als undeutsch oder der eigenen Ideologie zuwider laufend angesehen haben, nicht von der ansonsten angeblich herrschenden Meinungsfreiheit umfasst war.

Dass sich heute Gutmenschen dazu aufschwingen festzulegen, was Meinungsfreiheit ist und was nicht, indem sie die latente Kategorie des z.B. “Hasskommentars” eingeführt haben, die natürlich von Fall zu Fall zu füllen ist, ist nur inhaltlich etwas anderes als das, was die Nazis gemacht haben. Formal ist es dasselbe.

II

Ein demokratisches System lebt davon, dass es niemanden gibt, der die Zugänge zu Informationsmärkten beeinflussen bzw. beschränken kann. Wer andere von Informationen gleich welcher Art abschneiden kann, der ist Herrscher über das, was man als gesellschaftliches Wissen bezeichnen könnte.

Wenn ausgerechnet die Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Institutionen sich dazu berufen fühlen, den Zugang zu Informationen zu überwachen und an Kriterien, die sie als politisch-korrekt ansehen, zu binden, indem einerseits nicht berichtet oder ideologisch eingefärbt berichtet wird, andererseits versucht wird, konkurrierende Informationsanbieter wie z.B. den Kopp-Verlag vom Markt zu drängen, dann ist dies weder mit dem Auftrag, den öffentlich-rechtliche Rundfunksender zu erfüllen haben, vereinbar, noch mit dem Ethos, den ein Journalist eigentlich haben sollte (zur Erinnerung: Journalisten informieren, was voraussetzt, dass sie Fakten und nicht ihre Ideologie oder Meinung weitergeben).

In keinem Fall ist es die Aufgabe von Personen, die sich als Journalisten ausgeben, Meinungsfreiheit zu beschränken oder in Frage zu stellen, wie dies im Beitrag von Report Mainz von einer Claudia Butter getan wird. Sie hat sich damit als Journalist diskreditiert und als Ideologe geoutet.

III

Inquisition2Meinungsfreiheit und freie Zugänge zu Informationen haben die Akzeptanz anderer Meinungen zur Voraussetzung. Wer andere Meinungen nicht akzeptiert und versucht, deren Inhaber gegen deren Willen zu missionieren und zur richtigen Meinung zu bekehren, der hat in einer Demokratie nichts verloren. Er wandelt vielmehr in den Fußstapfen der Inquisition und geriert sich als Inquisator.

Entsprechend machen Berichte, wie der von Report Mainz, in dem deutsche Unternehmen angeprangert werden, die Werbung auf Internetseiten schalten, deren ideologische Ausrichtung den Programmverantwortlichen in Mainz nicht passt, da weiter, wo die heilige römische Inquisition aufgehört hat. Sie versuchen, Anhänger anderer Religionen auszuschalten und zeigen damit deutlich, dass sie zum einen keine Idee von den Voraussetzungen haben, auf denen eine Demokratie fußt, zum anderen, dass sie Gläubige sind, die den von ihnen für richtig gehaltenen Glaubensinhalt mit allen Mitteln und gegen alle Andersgläubigen durchsetzen wollen.

Deshalb ist Deutschland derzeit keine säkulare, sondern wieder eine Gesellschaft, in der Sektierer versuchen, das durchzusetzen und anderen vorzuschreiben, was ihnen als Offenbarung mitgeteilt wurde, die sie mit dem Feuerschwert durchsetzen sollen. Die Wiederkehr der Inquisition ist also nicht weiter verwunderlich.
Aber natürlich hat man aus der Geschichte gelernt.

Neue deutsche Inquisition

 

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Die Inquisitoren vom Jugendamt

Es ist eine eher unscheinbare Pressemeldung die das Statistische Bundesamt vor einigen Tagen verbreitet hat: “2014: Jugendämter führten rund 124 000 Gefährdungseinschätzungen für Kinder durch“.

Rund 124 000 Mal ist ein Mitarbeiter des Jugendamtes also ausgezogen, um das Kindesheil zu bringen. Rund 124 000 Mal hat sich der nämliche Mitarbeiter darum gekümmert, ob es Hinweise auf “Kindeswohlgefährdung” gibt, und in 105 400 Fällen (85%) sind die Mitarbeiter des Jugendamtes ohne Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung zu finden, zurückgekehrt.

Das heißt jedoch nicht, dass die Familien, die in den Fokus der Kindeswohlwächter geraten sind, nun ihre Ruhe hätten. Weit gefehlt: Für 22.400 Familien hat die Prüfung eine “latente Kindeswohlgefährdung” ergeben. Eine latente Kindeswohlgefährdung ist keine Kindeswohlgefährdung, aber irgendwie denkt ein Mitarbeiter des Jugendamtes wohl, dass eine zukünftige Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Warum er dies denkt? Welche Kriterien er zu seiner Beurteilung heranzieht? Niemand weiß es, aber für die betroffene Familie heißt dies, dass sie nunmehr dauerhaft im Radar des Jugendamtes ist.

Für weitere 41.500 Familien bedeutet der Besuch der Kindeswohlgefahrensucher des Jugendamtes, dass sie zwar nicht als Kindeswohlgefährder eingestuft werden können, allerdings im Hinblick auf andere Standards hinter den Erwartungen, die der Jugendamtsmitarbeiter (bei dem es sich in der Regel um eine halbtags tätige Mitarbeiterin aus der Mittelschicht handelt) an eine ordentlich geführte Familie heranträgt, zurückbleibt. Auch diese Familien dürfen sich fortan, steter Überwachung durch die Schergen des Jugendamts erfreuen.

Leipziger Leifaden KinderschutzMan wird den Eindruck nicht los, dass Jugendämter in Teilen aus Personen bestehen, deren Daseinszweck darin besteht, anderen in ihr Leben hereinzureden und andere für minderwertiger als sich selbst zu erklären, ein Eindruck, der durch die Kritieren, die manche Kommunen in ihrem jeweiligen “Leitfaden zum Kinderschutz” veröffentlichen, bestätigt wird.

So macht der entsprechende Leitfaden der Stadt Leipzig eigentlich nur deutlich, wie vage die Bestimmung von Kindeswohlgefährdung ist und wie breit der Interpretationsspielraum ist, den Kindeswohlgefahrensucher aus der Mittelschicht an ihre Opfer herantragen.

So liegt z.B. körperliche Misshandlung dann vor, wenn “gewalttätiges Verhalten … Grundelement der Erziehung” ist. Wann die Häscher des Jugendamtes ein Erziehungsverhalten als “gewalttätig” einordnen, ab der Ohrfeige oder ab erhobener Stimme, ist unklar und obliegt offensichtlich der Interpretation durch den jeweiligen Kindeswohlgefahrensucher. Und dass er einen erheblichen Spielraum für seine Interpretation hat, macht die Definition einer “emotionalen Misshandlung” deutlich. Eine solche liegt vor, wenn:

“feindliche oder abweisende, ablehnende oder ignorierende Verhaltensweisen der Eltern gegenüber dem Kind (d.h. Ablehnung, Verängstigung, Terrorisierung, Isolierung, Beschimpfen, Verspotten, Ernidriegen, Bedrohen)” vorliegen.

Also besser kein Stubenarrest für Kinder, keine Drohung, dass dann, wenn das Kind noch einmal versucht, über die Straße zu laufen, obwohl die Ampel rot ist, mit Konsequenzen zu rechnen ist, kein Hinweis, dass das Kind, wenn es weiterhin die Öffentlichkeit mit seinem Geschrei terrorisiert nicht mehr mitgenommen wird … die Tante oder der Onkel vom Jugendamt könnten darin eine “emotionale Kindesmisshandlung” sehen.

Die Liste der Vagheiten, die es den Kindeswohlgefahrensuchern des Jugendamtes ermöglichen, Versuche, Kinder zu erziehen, im Keim zu ersticken, intakte Familien zu zerstören oder Gefahren an die Wand zu malen, die es verunmöglichen, dass eine normale Familie eine intakte Familie ist, sie könnte weiter geführt werden. Wer sich einen Eindruck von der Willkür, die im Bereich der Kindeswohlgefährdung herrscht, machen will, dem sei der oben zitierte Leitfaden der Stadt Leipzig empfohlen. Entsprechende Leitfäden finden sich mit Sicherheit in jeder Stadt oder Verbandsgemeinde.

Wir wollen an dieser Stelle zwei weitere Punkte hervorheben:

Wie gewöhnlich, wenn öffentliche Institutionen etwas tun, tun sie dies, mit dem erklärten Ziel “Gutes zu tun”, und das war es. Niemand prüft, ob die Interventionen durch das Jugendamt, das inquisitive Einbrechen in Familien durch Kindeswohlgefahrensucher nicht mehr Unheil anrichtet als es Nutzen bringt, niemand analysiert, ob dann, wenn die Gefahrensucher des Jugendamtes fündig geworden sind, das Herauslösen des Kindes aus seiner familiären Umgebung dem entsprechenden Kind einen Nutzen bringt, wie es sich entwickelt, wie seine Zukunft durch den Eingriff des Jugendamtes beeinflusst wird. Die entsprechenden Fragen sind offensichtlich ein Tabu, oder sie fallen der Herrschaft der Intention zum Opfer.

Die Herrschaft der Intention bedeutet für diejenigen, die reklamieren, sie wollten nur Gutes tun, dass sie keinerlei Gefahr laufen, überprüft zu werden. Ganz im Gegensatz zu denen, denen Gutes getan werden soll. Sie werden auf Herz und Nieren überprüft und nicht selten unter Dauerbeobachtung gestellt. Die Herrschaft der Intention führt vor allem im Bereich des in Deutschland mit emotionaler Hysterie umrankten Begriff des Kindes dazu, dass nahezu jede Form der Freiheitsberaubung, der Überwachung und Kontrolle durch die Guten genutzt werden kann, um die als böse Identifizierten zu traktieren.

Abermals drängt sich der Eindruck auf, dass Strukturen, wie sie im Falle des Jugendamtes und mit Blick auf die Kindeswohlgefährdung vorhanden sind, ungute Strukturen sind, die Übergriffe befördern und einen bestimmten Typus von Mensch anziehen, der gerne Gewalt über andere ausüben will, um sich seine vermeintliche Überlegenheit zu beweisen.

Aber nicht nur diejenigen, die aus ihrer Sicht als gute Kindeswohlgefahrensucher die Kinderwelt von Ohrfeigen reinigen wollen, werden mit dem strukturellen Angebot der Gewaltausübung über soziale Gruppen gelockt, ein Lockstoff, der nicht nur an die Instinkte appelliert, die Gewalt über andere zur Quelle von Selbstbewusstsein machen, sondern auch an das Bedürfnis, sich selbst als sozial denjenigen, bei denen nach Gefahren für das Kindeswohl gefahndet werden kann, überlegen zu inszenieren.

DenunziantDer Lockstoff wirkt auch auf diejenigen, die gerne aus dem Dunkeln auf Personen schießen, die sie nicht mögen, die kleinen Denunzianten, die noch jedes Regime gestützt haben, ohne die die meisten Gewaltherrschaften nicht möglich gewesen wären. 11,5% der Hinweise, denen die Kindeswohlgefahrensucher der Jugendämter willig gefolgt sind, kamen anonym, von Besorgten, die vor allem um die eigene Anonymität besorgt sind, weil sie nicht offen anschwärzen wollen. 14.260 Denunzianten haben die Jugendämter 2014 beschäftigt. 14.260 inoffizielle Informanten, die den Häschern des Jugendamtes Tipps gegeben haben, damit sie ausziehen und der Behauptung nach das Kindeswohl bringen können.

Sie teilen viele Merkmale mit den Inquisitoren des Mittelalters, die Häscher des Jugendamts. Auch die Inquisitoren haben das Gute verteidigt und gegen das Böse in der Welt gekämpft. Auch die Inquisitoren des Mittelalters haben die Kriterien ihrer Wahrheitsfindung vage und unbestimmt gelassen, konkret waren nur die Mittel. Auch die Inquisitoren des Mittelalters haben von Denunzianten gelebt, die ihre Mitbürger bei den Inquisitoren angeschwärzt haben, und auch bei den Inquisitoren des Mittelalters hat es denjenigen, die bei ihnen angeschwärzt wurden oder sonstwie in ihr Radar geraten sind, nichts genutzt, wenn sie nach eingehender Prüfung als unschuldig befunden wurden. Sie waren sozial stigmatisiert und ihre Fähigkeit zu einem normalen Leben war dahin.

Insofern ist die Behauptung, Jugendämter seien Nachfolger der Inquisition des Mittelalters gut begründet.

Menschenopfer – Kollateralschäden im Kampf für das “Gute”

Kardinalinquisitor Don Fernando Niño de Guevara

Matthias Holland-Letz, ist ein Kämpfer für das Reine und Gute. Deshalb war er schon Gegenstand auf diesem Blog, denn Holland-Letz ist der Großinquisitor, der sich im Dienste (oder Auftrag?) der GEW um die Reinheit der Wissenschaft sorgt. Die Reinheit der Wissenschaft sieht Großinquisitor Holland-Letz vor allem durch Privatisierung in Frage gestellt, und entsprechend richtet sich seine ganze Wut gegen Privatisierungstendenzen im Bildungssystem, denn, so muss man die Logik dahinter wohl rekonstruieren, private Unternehmen, die sich über Stiftungen oder die Vergabe von Drittmitteln in (Hoch-)Schulen und Universitäten engagieren, beschmutzen die Reinheit der Wissenschaft. Private Investitionen tragen den Virus des Bösen in die heiligen Hallen der objektiven Erkenntnis. Und wie immer wenn heilige Kriege geführt werden, heiligt der Zweck die Mittel oder anders formuliert: Das Gute, die reine Wissenschaft wird auf einem Weg erkämpft, auf dem man auf Kollateralschäden keine Rücksicht nehmen kann.

Matthias Holland-Letz ist nicht allein in seinem wackeren Kampf gegen den Teufel “Privatisierung”, Professorin Dr. Andrea Liesner leistet ihm dabei tatkräftig Unterstützung. Dr. Andrea Liesner ist seit 2007 UniversitätsprofessorIN für Erziehungswissenschaft mit dem Arbeitsschwerpunkt ‘Bildungsprozesse im Kontext ökonomischer Transformation’, einem Arbeitsschwerpunkt, der sie auch gelegentlich und gemeinsam mit der GEW gegen die Privatisierung  und Kommerzialisierung von Bildung kämpfen lässt. Denn, nicht vergessen, Privatisierung ist schlecht, aus Sicht der GEW. Warum ist Privatisierung schlecht aus Sicht der GEW? Nun, die Gewerkschaft lebt davon, eine große Zahl von Mitgliedern ins Feld führen zu können, Mitglieder sind ihr Verhandlungspotential, ohne Mitglieder vor Ort, kein Einfluss der GEW. Alle Versuche, z.B. die schulischen Nachteile von Jungen in Abrede zu stellen, wären nur die Versuche, einer irrelevanten Sekte von Eiferern, verfügte die GEW nicht über eine Mitgliederbasis, die man immer dann, wenn es gerade opportun ist, auf die Straße schicken kann. Privatisierung ist gleichbedeutend mit einem Einflussverlust der GEW, und entsprechend bekämpft die GEW die Privatisierung. Großinquisitor Matthias Holland-Letz ist in diesem Kampf ein nützliches Mittel.

Selbstverständlich hat der Kampf von GEW und Holland-Letz eine göttliche Weihe, denn während der Einfluss privater Organisationen schlecht ist, ist der Einfluss der GEW gut. Das ist nun einmal so, der Gott der Gewerkschaft hat das gesagt. Mehr lässt sich dazu auch nicht sagen, denn obwohl ich mich wirklich bemüht habe, ist es mir nicht gelungen auch nur eine konkrete Aussage darüber zu finden, worin denn nun der negative Einfluss privaten Engagements im Bildungsbereich besteht. Also: Werden Kinder durch die Investitionen von z.B. Müller Milch in der Schule gezwungen, morgens, mittags und abends Reisbrei zu essen, natürlich von Müller? Werden Studenten durch die Unterstützung von Apple dazu gezwungen, morgens, mittags und abends Hip Hop im Applet zu hören, natürlich aus dem Apple Store? Derart konkrete Fragen bleiben unbeantwortet; das beste Zeichen dafür, dass hier von GEW und Holland-Letz ein heiliger Krieg geführt wird, in dem es ausschließlich darum geht, die eigenen Interessen zu schützen.

Und, wie gesagt, wenn heilige Kriege geführt werden, gibt es Kollateralschäden. Das letzte Menschenopfer, das dem Gott der Reinheit der Universität dargebracht wurde, ist eine Studentin von Frank Thissen, die eine Arbeit mit dem Titel “Das IPad im Schuleinsatz – Möglichkeiten und Grenzen für die didaktische Nutzung im Grundschulunterricht” verfasst hat. Und so wie der nächtliche Alptraum eines Schaafhirten im Mittelalter den Inquisitor auf den Plan gerufen hat und ihn nicht hat ruhen lassen, bis die Seele des Schaafhirten endlich durch die reinigenden Flammen des Scheiterhaufens vom Teufel befreit wurde (Behringer, 1994), so hat diese Arbeit, nach der man im Internet wirklich intensiv suchen muss, bis man sie findet, Matthias Holland-Letz auf den Plan gerufen. Und nicht nur ihn, Lehrstuhlbesetzerin Andrea Liesner kommt die Arbeit auch gelegen, um zu sagen, was sie schon immer einmal sagen wollte: das besagte Werk bestätige “den aktuellen Trend zur Gefährdung durch eine zu große Wirtschaftsnähe”. Man soll nicht voraussetzen, dass eine Erziehungswissenschaftlerin Deutsch kann. Gemeint ist natürlich eine Gefährdung durch den aktuellen Trend zu großer Wirtschaftsnähe”. Worin dieser Trend besteht, welches Ausmaß er hat, ob es ihn überhaupt gibt, warum Wirtschaftsnähe gefährlich ist, gefährlicher z.B. als GEW-Nähe, derartige Fragen werden natürlich nicht beantwortet. Es handelt sich hier um einen heiligen Krieg, den muss man nur führen, nicht begründen.

Eine Bacherlorarbeit, geschrieben an einer eher peripheren Hochschule hat demnach den Effekt des Urknalls. Und so wehren Holland-Letz und Liesner den Anfängen dieses gefährlichen Trends, wenn sie auch offensichtlich keine Vorstellung haben, worin die Effekte bzw. die Folgen dieses “gefährlichen Trends” bestehen. Wie gesagt, derartige Fragen sind hinderlich, im heiligen Krieg für die Reinheit der Universitäten, für die unbefleckte Empfängnis von wissenschaftlicher Erkenntnis. Unbefleckte wissenschaftliche Erkenntnis hat z.B. Andrea Liesner, die Kämpferin gegen “den aktuellen  Trend zur Gefährdung …”, wenn sie feststellt: “Die fachwissenschaftliche Literatur ist extrem dünn” und die “forschungs-methodischen Überlegungen seien “schwach”. Gegenstand dieses Verdikts ist wieder die oben bereits erwähnte Bachelorarbeit, die – wegen der Reinheit der Wissenschaft – nicht zu tolerieren ist. Ich frage mich allerdings, was darunter zu verstehen ist, wenn die fachwissenschaftliche Literatur als zu “dünn” angesehen wird. Ist fachwissenschaftliche Literatur erst “gut” wenn sie, sagen wir, mehr als 500 Seiten umfasst, und entsprechend “dick” ist? Und was um aller Götter Willen sind forschungs-methodische Überlegungen? Allein die Nutzung dieses Begriffspaars “forschungs-methodisch” zeigt die Fremdheit mit der  Professorin Dr. Liesner  methodischen und methodologischen Standards gegenübersteht. Scheinbar ist die unbefleckte Empfängnis wissenschaftlicher Erkenntnis auch eine Empfängnis, die bar wichtiger Kenntnisse ist. Aber das schlimmste Verdikt der Erziehungswissenschaftlerin aus Hamburg lautet: “Die Arbeit liest sich in weiten Teilen als Werbetext für die Firma Apple”. Abermals ist unsere Erziehungs-Professorin des Deutschen nicht ganz mächtig, meint sie doch, “wie ein Werbetext” und nicht “als”. Scheinbar ist der Eifer, an besagter Studentin ein Exempel zu statuieren, mit ihr durchgegangen. Und wenn man heilige Kriege führt, kann man auf so nebensächliche Dinge wie die Grammatik keine Rücksicht nehmen.

Ziel des heiligen Krieges, der auf dem Rücken der Studentin von Frank Thissen ausgtragen wird, ist überigens, Drittmittelförderung in Bausch und Bogen zu bekämpfen. Drittmittel machen in den Augen von Holland-Letz Universitäten unabhängig von staatlicher Förderung, und wo kämen wir denn hin, wenn Universitäten selbständig und ohne staatliche Vorgaben, am Ende ohne Intervention des Kultusministeriums über ihre Mittel und Ziele bestimmen könnten? Nicht auszudenken, am Ende hätten wir eine freie Wissenschaft, eine Wissenschaft, die sich einfach staatlicher und GEW-Kontrolle entziehen kann – erschreckend! Aber, wie meist, so ist Holland-Letz auch mit Blick auf die Drittmittel ein Ahnungsloser unter den Unwissenden (als Inquisitor muss man keine Fakten kennen, die sind nur hinderlich, wenn man die eigene “Wahrheit” mit dem Schwert verbreiten will). Deshalb will ich an dieser Stelle ein wenig zur Illumination von Matthias Holland-Letz beitragen. Die Abbildung zeigt für die Jahre 2009 und 2010 die Höhe und den Ursprung der Drittmittel. Wie sich zeigt, ist alle Angst unbegründet, die staatliche Einflussnahme auf die “freie” Wissenschaft über die Drittmittel ist bestens gesichert, zeigen doch die Daten, das die Drittmittel aus öffentlichen Quellen gestiegen sind, während Drittmittel aus privaten Quellen gesunken sind. An der Beforschung und Verbreitung gendergemainstreamter und politisch korrekter Irrelevanzen und der Verhinderung relevanter Forschung durch staatlich begünstigte Engstirnigkeit, wie sie regelmäßig in den Auftragsarbeiten des BMFSFJ zu Tage tritt, wird also auch in Zukunft kein Mangel bestehen. Wenn also überhaupt von einem Trend gesprochen werden kann, dann von einem Trend der die staatliche Drittmittel-Finanzierung von Universitäten in ihrer Bedeutung zunehmen sieht – ein gefährlicher Trend, der der Suche nach intersubjektiv prüfbarem Wissen einen Bärendienst erweist.

Epilog

Es ist schon interessant, dass eine Lehrstuhlbesetzerin in Hamburg Zeit hat, eine Bachelorarbeit aus Stuttgart zu lesen. Es ist noch interessanter, dass besagte Lehrstuhlbesetzerin sich für kompetent hält, die entsprechende Bachelorarbeit zu beurteilen. Aber am interessantesten dürfte es sein, die von der Hamburger Lehrstuhlbesetzerin bewerteten Bacherlor- und sonstigen Arbeiten zu analysieren und die Bewertung derselben zu bewerten.

Es zeugt von einem eher ungesunden Eifer, wenn Holland-Letz offensichtlich durch das Internet surft, immer auf der Suche nach dem verderblichen Einfluss, den private Finanzierung auf universitäre Forschung hat. Es zeugt von Verzweiflung, wenn er als Ergebnis einer Netzüberwachung nichts anderes als eine Bachelorarbeit vorzuweisen und zu exemplifizieren hat. Und es zeugt von geistiger Verwirrung, wenn er eine Verbindung zwischen dem Titel einer Bacherlorarbeit, dem verderblichen Einfluss von Drittmitteln aus der Wirtschaft und – ja was eigentlich, Armaggedon (?) herstellt.

Behringer, Wolfgang (1993). Chonrad Stoeckhlin und die Nachtschar. Eine Geschichte aus der frühen Neuzeit. München: Piper.

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