Niemand denkt an die Kinder, die gehandelt werden.
Das gleich vorab.
Der gesamte Prozess dessen, was euphemistisch als Leihmutterschaft bezeichnet wird, kommt weitgehend ohne Berücksichtigung der Ware, die gehandelt wird, aus: dem Säugling und dessen Aussicht auf das kommende Leben.
Wenn sich Schwule Kinder kaufen, dann handelt es sich um eine reine wirtschaftliche Transaktion, was schon die Begriffe, die in diesem Kontext anfallen, deutlich machen.
Gestational Carrier: in Deutsch: Schwangerschaftsausträger;
Intended Parents: in Deutsch: die Zieleltern;
Es ist vor diesem Hintergrund, dass mich das, was derzeit über Jens Spahn und seinen „Partner“ berichtet wird, anekelt, denn der Hochglanzjubel wird der Tatsache, dass hier ein menschliches Leben zur Handelsware reduziert wird, über die man einen Vertrag abeschließen kann, einen, zwischen Schwangerschaftsauträger und Zieleltern, nicht gerecht.
Ekel ist zuweilen eine Triebkraft.
Diesen Beitrag hätte es ohne meinen Ekel über diese beiden Strahlemänner, die eine der Folgen ihrer selbstgewählten Homosexualität: Kinderlosigkeit, nicht tragen wollen, sich stattdessen ein Kind kaufen, eine Humanware aus den USA einführen, vermutlich ohne Zoll zu entrichten, aber so genau weiß ich das nicht, nicht gegeben. Zwei Typen, die sich feiern lassen, dafür, dass sie in eine moralische Niederung abgestiegen sind, über die man besser den Mantel des Schweigens hüllen würde.
Moralische Grenzen sind, ob man das nun glauben will oder nicht, das, was eine Gesellschaft zur Gesellschaft macht. Fallen moralische Grenzen, werden Perversionen und Abartigkeiten zur Normalität erklärt, dann ist es um diese Gesellschaft geschehen. Die wichtigste moralische Grenze ist das Instrumentalisierungsverbot, ein Verbot der Benutzung anderer als Objekt für eigene Zwecke. Warum dieses Verbot so wichtig ist, wird schnell deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Fähigkeit zur Instrumentalisierung anderer, eine ungesunde Asymmetrie zwischen einem, der zur Instrumentalisierung fähig ist und einem, der sich instrumentalisieren lässt oder lassen muss, zum Ausgangspunkt hat, ein Form der illegitimen Herrschaft, die in Institutionen wie Sklavenhandel mündet.
Leihmutterschaft ist eine Variante von Sklavenhandel, egal, wie hoch die Kompensation ist, die das „Surrogat“, der Schwangerschaftsausträger erhält. Bereits die Tatsache, dass hier ein lebender Organismus gehandelt wird, ein Säugling zur Ware reduziert und verschachert wird, induziert den Sklavenhandel. Und natürlich ist es moralisch besonders verwerflich, in diesem Fall finanzielle „Macht“ einzusetzen, um Herrschaft über Personen, hier Säuglinge auszuüben, die sich nicht wehren können, eine extreme Asymmetrie zu seinen Gunsten auszunutzen und sich anschließend noch als „lachender, guter Mensch“ zu präsentieren.
Lüften wir den Schleier der Verklärung der Grube, in die man steigen muss, um ein Kind zu kaufen.
Zunächst ist der Kauf eines Kindes nichts, was jedem offen steht. Man muss schon das notwendige Kleingeld mitbringen. In der Regel zwischen 150.000 und 200.000 US-Dollar, wenn man auf dem US-Amerikanischen Kinderbasar zugreifen will. Rund 75.000 USD bleiben beim Schwangerschaftsausträger, der Rest geht an die Vermittlungsagentur (bis zu 40.000 USD), ist notwendig, um medizinische Kosten zu decken, die bei in-vitro Fertilisation anfallen (bis zu 40.000 USD), wird notwendig, um die Rechtskosten (bis 20.000 USD) zu decken und die Versicherungen (bis zu 35.000 USD), die abgeschlossen werden müssen, darunter eine Lebensversicherung für den „Schwangerschaftsausträger“, die sich in der Größenordnung von mindestens 350.000 USD Versicherungssumme bewegen muss.
Da es sich um eine Transaktion, den Tausch von Schwangerschaft ermöglichendem Material gegen einen Brutkasten handelt, muss alles vertraglich gesichert werden. Wer einen solchen Vertrag lesen will, der kann ein entsprechendes Werk z.B. hier herunterladen und seinen Ekel füttern, wenn er nachließt, wie alles z.B. die Kosten für Arbeitsausfall, Kinderbetreuungskosten, Schwangerschaftskleidung, medizinische Betreuung in einer Pauschalsumme abgedeckt wird. In diesem Vertrag finden sich auch die Regelungen dafür, was passiert, wenn etwas nicht wie gewünscht verläuft, denn natürlich ist ein gekaufter Säugling ein Designerkind oder was würde wohl die Umwelt zu Papa Spahn sagen, wenn er mit einer schwarzen Tochter aufwartet?
Das Geschäft mit dem gekaufen Säugling, es basiert auf in-vitro Fertilisation, eine Technik, die oft nicht auf Anhieb erfolgreich ist, die zuweilen über-erfolgreich ist und ab und an in Mängeln am Kaufobjekt resultiert. Alles Dinge, die man regeln muss: Etwa Geburtsdefekte wie eine Hasenscharte (cleft lip), die beim Auftragskind zweier Schwuler in der 22 Woche der Schwangerschaft entdeckt wurde. Ein Grund für die Kinderfreunde, die Abtreibung des Mangelexemplars zu verlangen, Eine Forderung, mit der sie aufgelaufen sind, was – nachdem die beiden Schwulen ihren Schwangerschaftsausträger vergeblich auf Kompensation in Höhe von 600.000 Kanadischen Dollar verklagt hatten, damit endete, dass sie das Auftragskind trotz Mangel „übernommen“ haben (Quelle).
Zuweilen ist in-vitro Fertilisation auch zu erfolgreich, z.B. in einem Fall, in dem Drillinge aus der IVF resultierten (in den USA unter Melissa Cook Case bekannt und auch zu finden), ein Fall für SELECTIVE REDUCTION, wie die Abtreibung von einem der Fötusse euphemistisch in den entsprechenden Verträgen genannt wird:
V. SELECTIVE REDUCTION
Although the Parties intend to transfer only one embryo in any given cycle, they understand there is still the possibility that a multiple pregnancy will result. The Parties agree they will consent to selective reduction of fetuses if Gestational Carrier becomes pregnant with more than two fetuses or if it is recommended by IVF Clinic or Gestational Carrier’s obstetrician for the health or life of Gestational Carrier or the fetuses. Intended Parents agree that they will not request Gestational Carrier to undergo a selective reduction because of an otherwise healthy twin pregnancy.
Es werden eben Waren gehandelt, Geld gegen Säugling.
Angesichts solcher eher unappetitlichen Dinge und angesichts der Tatsache, dass Schwangerschaften in der Regel eher unerfreuliche Lebensphasen darstellen, stellt sich die Frage, wer bereit ist, genetisches Material für andere auszutragen. Und hier wird es noch unappetitlicher, denn seit einiger Zeit ist die folgende Studie im Umlauf:
Martínez-López, José Ángel, and Pilar Munuera-Gómez (2024). Surrogacy in the United States: analysis of sociodemographic profiles and motivations of surrogates. Reproductive BioMedicine Online 49(4): 104302.
Zwei spanische Akademiker, die von Spanien aus, Leihmütter in den USA untersucht haben, mit einem Fragebogen, den sie an Agenturen, die diese Schwangerschaftsausträger vermitteln, mit der Bitte um Weitergabe verschickt haben.
Was kann schiefgehen?
Das Ergebnis von Martínez-López und Munuera-Gómez ist insofern bemerkenswert, als es auf Basis einer relativ großen Zahl von beantworteten Fragebögen (rund 230 Schwangerschaftsausträger sollen Angaben gemacht haben) zu dem Ergebnis kommt, das vor allem verheiratete Mittelschichtsfrauen mit eigenen Kindern aus „altruistischen Motiven“ (sie wollen Kinderlosen ihren Kinderwunsch erfüllen), die rund 75.000 USD einstreichen und neun Monate ihres Lebens als Leasingobjekt zumeist schwuler Nachfrager verbringen:
Besser hätte das Ergebnis schon aus Werbezwecken für die Anbieter von Kindern gar nicht ausfallen können: Mehrheitlich verheiratete Frauen, die in finanziell gesicherten Verhältnissen leben sollen, eigene Kinder haben und sich nun für andere aufopfern, um deren Kinderwunsch zu erfüllen.
Konsalik und Courts-Mahler hätten es sich nicht ausdenken können …
Die Autoren dieses „überaschenden Ergebnisses“ für all diejenigen, die dachten, dass man eine solche Tortur, wie sie Schwangerschaftsausträger auf sich nehmen, nur dann auf sich nimmt, wenn der finanzielle Nutzen hoch und die entsprechende Notwendigkeit, diesen finanziellen Nutzen zu realisieren, groß ist, gehen noch einen Schritt weiter und erklären:
„For example, in some countries, commercial surrogacy agreements are seen as a major factor in opposing surrogacy. These attitudes do not contemplate the fact that women can decide to become surrogates of their own free will. Irrespective of whether or not surrogacy agreements exist, or that they compensate surrogates financially, surrogacy should not be seen negatively but positively or surrogates could become invisible, stigmatized and relegated to second place in society.“
Es sei nicht so, dass der Kauf von Säuglingen und deren Austräger ein Geschäft sei, das auf ökonomischer Asymmetrie und darauf beruhe, dass finanzielle Notlagen von Käufern ausgenutzt würden, vielmehr seien die Anbieter solcher Leistungen, die Schwangerschaftsausträger altruistisch motiviert und deshalb müsse man diesen Leuten die Möglichkeit geben, ihrem Gewerbe auch in anderen Ländern und ohne Angst vor Stigmatisierung nachgehen zu können.
Das ist in etwa die Art und Weise, in der diejenigen, die Dritte ausnutzen, um sich selbst ein Auskommen zu verschaffen, zu allen Zeiten argumentiert haben. Dass diese „Empfehlung“ auf Basis eines Ergebnisses ergeht, bei denen man mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von maximal 5% davon ausgehen kann, dass es sich um ein statistisches Artefakt handelt, interessiert die Autoren offenkundig nicht. Vielleicht war das Artefakt von Anfang an beabsichtigt, die Kontrolle, die sie ausgerechnet den Agenturen, die am Geschäft mit Säuglingen verdienen, über die Auswahl der Befragten, sofern die Fragebögen nicht im Haus von Personalchef ausgefüllt wurden, überlassen haben, sie spricht dafür. Die Tatsache, dass selbst dann, wenn tatsächlich ehemalige oder aktuelle Schwangerschaftsausträger die Fragebögen beantworten haben, die Gefahr, dass diejenigen, die das ganze Geschäft aufgrund erheblicher Schwierigkeiten einfach nur vergessen wollen, nicht unter den Beantwortern sind, sehr gering ist, tut ein weiteres. Hinzu kommt: Beide Autoren haben einen Hintergrund in der Sozialhilfe. Das mag erklären, warum sie die offenkundigen Biases in ihrer eigenen Befragung übersehen, selbst den exponiertesten nicht ansprechen, denn natürlich ist es für jemanden, der sich gerade als Träger fremder Leute Erbguts prostituiert hat, sozial wünschenswerter das anrüchige Geschäft als Altruismus auszugeben als zuzugeben, dass er aus finanziellen Gründen daran teilgenommen hat.
Kurz: Die „Forschung“ ist Junk.
Und sie steht im Gegensatz zu einer Reihe von qualitativen Studien, deren Autoren sich in die Niederungen persönlicher Interviews mit Schwangerschaftsausträgern z.B. aus Indien gemacht haben. Das Bild, das sie zeichnen, ist alles andere als rosig, ist ein Bild von Leuten aus Slums, die von Agenturen meist mit dem Versprechen von schnell und viel Geld ausgenutzt und als Brutkasten an reiche Chinesen, Europäer oder US-Amerikaner verschachert werden, um deren angeblichen Kinderwunsch zu befriedigen, für viel Geld zu befriedigen, von dem viel in Zwischenhänden verbleibt und wenig bei den Schwangerschaftsausträgern ankommt.
Wer es nachlesen will:
Pande, Amrita (2014). Wombs in Labor: Transnational Commercial Surrogacy in India. New York: Columbia University Press.
Rozée, Virginie, Sayeed Unisa, and Elise de La Rochebrochard (2019). „Sociodemographic characteristics of 96 Indian surrogates: Are they disadvantaged compared with the general population?.“ PLoS One 14(3): e0214097.
Das ist der moralische Sumpf, indem Jens Spahn und sein „Partner“ waten.
Und wenn man dann ihre lachenden Gesichter sieht, will man eigentlich nur noch kotzen…
