Der große Fake: NDR-Journalisten plagiieren bekannte Masche

So einfach wurden wir Wissenschaftler“, mit dieser Schlagzeile brüsten sich Svea Eckert und Peter Hornung für ihre angeblichen journalistischen und investigativen Fähigkeiten. Ihr Täuschungsversuch basiert auf einer bekannten Masche, die mittlerweile etwas angestaubt ist und auf computergenerierten Texten basiert. Solche kann man sich mit SCIgen am Massachusetts Institute for Technology (MIT) generieren lassen.

Eckert und Hornung haben das getan und das Ergebnis bei Verlagen eingereicht, die sie als „pseudowissenschaftliche Verlage“ ansehen oder diskreditieren wollen. Die Ausbeute: Sechs Verlage nahmen ihren Gibberish zur Veröffentlichung an.

Erfolg, so melden die neuen Sterne am Himmel des Plagiarismus.

Daran sieht man, dass die entsprechenden Verlage „pseudowissenschaftliche Verlage“ sind, die Peer Reviews versprechen, aber nicht durchführen, so behaupten Eckert und Hornung.

Ist das so?

Wenn Eckert und Hornung Recht haben, dann ist der Heidelberger/Berliner Springer-Verlag, der ein wissenschaftlicher Verlag sein will, kein wissenschaftlicher, sondern ein pseudowissenschaftlicher Verlag, denn:

“Over the past two years, computer scientist Cyril Labbé of Joseph Fourier University in Grenoble, France, has catalogued computer-generated papers that made it into more than 30 published conference proceedings between 2008 and 2013. Sixteen appeared in publications by Springer, which is headquartered in Heidelberg, Germany, and more than 100 were published by the Institute of Electrical and Electronic Engineers (IEEE), based in New York. Both publishers, which were privately informed by Labbé, say that they are now removing the papers.”

Aus dem, was Eckert und Hornung behaupten, muss man dann auch folgern, dass Springer nicht nur ein pseudowissenschaftlicher Verlag ist, sondern auch lügt, wenn es um die Peer Reviews geht.

Die Methode, die Eckert und Hornung plagiiert haben, um die Verlage, die sie als pseudowissenschaftlich diskreditieren wollten, zu narren, ist eine Methode, die Studenten am MIT im Jahre 2005 entwickelt haben, um „den Unterhaltungswert zu erhöhen“:

“Labbé developed a way to automatically detect manuscripts composed by a piece of software called SCIgen, which randomly combines strings of words to produce fake computer-science papers. SCIgen was invented in 2005 by researchers at the Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge to prove that conferences would accept meaningless papers — and, as they put it, “to maximize amusement.”

Der angeblich investigative Journalismus von NDR, WDR und SZ ist nichts anderes als ein billiges Plagiat, als die Übernahme einer Idee, auf die andere gekommen sind, unter Nutzung der Mittel, die diese anderen dazu entwickelt haben.

Das als eigene Idee zu verkaufen, ist so schäbig, wie es schäbig ist, nun die Verlage, die darauf hereingefallen sind, pseudowissenschaftlich zu nennen, denn, wie Eckert und Hornung wüssten, wenn es ihnen um die Wissenschaft und nicht um Diskreditierung ging, um eine gehaltvolle Aussage darüber machen zu können, wie anfällig Verlage für bestimmte Formen von Betrug sind, muss man die Grundgesamtheit adäquat abbilden. Abgesehen davon ist es ein Fehlschluss der unzulässigen Verallgemeinerung, wenn man aus dem erfolgreichen Versuch, einen Artikel in einem Bereich, nämlich der Computerwissenschaft, der zudem ein Bereich ist, der dafür bekannt ist, des öfteren einmal von per Computer erstellten Texten heimgesucht zu werden, auf “DIE WISSENSCHAFT” schließen will. Es ist nicht nur ein Fehlschluss, es ist ein Ausdruck krimineller Energie, deren Ziel darin besteht, nicht nur Verlage, sondern Wissenschaft als solche in Verruf zu bringen.

Warum haben Eckert und Hornung nicht versucht, ihren angeblichen Artikel bei Springer oder IEEE unterzubringen?

Weil sie befürchtet haben, dass die entsprechenden Verlage ihren angeblichen Artikel ebenso akzeptiert hätten, wie die, die sie zu pseudowissenschaftlichen Verlagen erklären wollten?

Der Verdacht drängt sich auf.

Und die Antwort auf die Frage, wer die Recherche finanziert wird, wird immer spannender.

Während es gelungen ist Springer und IEEE die meisten „computergenerierten Quatschartikel unter zu schieben, trotz Peer Review, haben andere Verlage Probleme mit Fake Peer Reviews oder mit Auftrags- und Gefallensreviews.

Aber beim NDR hat man kein Problem mit den Plagiateuren der Ideen anderer. Das ist eben Journalismus im Zeichen der malfiziosen Isomorphie.

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Sie feiern, was sie nicht kennen: Der Mythos des 20. Juli

Das Attentat auf Hitler, das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944, das Claus Schenck Graf von Stauffenberg als Mitglied einer Gruppe von Verschwörern, die im Wesentlichen aus dem Kreisauer Kreis, dem Freiburger Kreis und der Wehrmacht hervorgegangen war, in Hitlers Wolfsschanze ausgeführt hat (und das von einer Tischplatte vereitelt wurde), es jährt sich heute zum 74. Mal.

Und wie immer, wenn es die Möglichkeit gibt, sich öffentlich zu inszenieren und als auf der richtigen Seite stehend, zu feiern, geben sich Politiker aller Couleur ein Stelldichein, um die Männer des 20. Juli (denn Frauen waren am Widerstand gegen Hitler nicht direkt beteiligt) zu ehren und ihrem Denkmal einen Kranz zu spendieren.

Und wie sie so inszenieren, schwingen sie huldvolle Reden und heute, da die Digitalisierung selbst Politiker eingeholt hat, folgen sie dem Beispiel von Donald Trump und tweeten.

Heiko Maas zum Beispiel, der nach seinem Versuch, das deutsche Justizsystem zu beerdigen nun außenpolitischen Schaden anrichten darf. Er schreibt:

Nun ist es immer einfach, anderen, die tot sind und sich nicht mehr wehren können, zu unterstellen, dass sie gutheißen würden, was sie heute vorfänden, wenn sie nicht von Hitlers Getreuen ermordet worden wären.

Aber ist das wirklich so?

Wir haben einmal zusammengestellt, welches politische System den Verschwörern des 20. Juli für die Zeit nach Hitler vorgeschwebt ist, um die auszuwählen, die in Regierungsämter oder Ämter mit Entscheidungsgewalt gelangen.

Heiko Maas wird sich wundern. Denn wären die Verschwörer erfolgreich gewesen, er wäre mit Sicherheit kein Darsteller im Ministeramt.

Die Frage, wie es nach dem Tod von Hitler politisch weitergehen sollte, hat z.B. Ludwig Beck sehr pragmatisch beantwortet: Er wollte „erhebliche Teile des vom nationalsozialistischen Staat Geschaffenen in den Staatsumbau herübernehmen und auf Dauer“ sichern (Mommsen 2000: 174). Die Verschwörer des 20. Juli, sie waren kein repräsentativer Sample aus der Bevölkerung. Sie waren Angehörige der oberen Mittel- und Oberschicht und als solche überwiegen konservativ und nationalkonservativ eingestellt. Sie haben in Hitler denjenigen gesehen, der die „nationale Revolution“ der 1930er Jahre verspielt hat und den Rückfall in „Parteiherrschaft, Materialismus und Bonzenherrschaft“ (Mommsen 2000: 173) zu verantworten hat.

Die politische Neuordnung des Deutschen Reiches nach der Beseitigung Hitlers war deshalb vom Bemühen geprägt, ein parlamentarisches System zu vermeiden. In ihren und – wie sie meinten – in den Augen der Mehrheit der Deutschen hatte das parlamentarische System versagt, war zum Tummelplatz von Parteisoldaten, Günstlingen und zum Ort des Parteiengezänks geworden.

Konsequenter Weise wollten die Verschwörer des 20. Juli auch keine Parteien mehr in ihrem neuen Staat sehen: „Die Verfassungspläne … waren von der Intention geprägt, auf politische Parteien im bisherigen Sinne ganz oder größtenteils verzichten zu können. Sie stellten darauf ab, das Wahlvolk in überschaubare lokale Einheiten zu zerlegen und die Bildung von Massenparteien und Abhaltung von zentral und damit notwendig emotional geführten Wahlkämpfen zu unterbinden“ (Mommsen 2000: 176).

An die Stelle von Parteien sollten „kleine Gemeinschaften“ treten, die spontan gebildet werden sollten und denen die Bestimmung oder Nominierung der Kandidaten oblag. Vor allem Helmuth James Graf von Molke (als der entsprechende Vordenker im Kreisauer Kreis) hat diese Idee ausgearbeitet und mit ihr versucht, die vorstaatliche Kommunikation zur Keimzelle politischer Willensbildung in Nachbarschaften, Vereinen, kulturellen Einrichtungen, Unternehmen, bei der Feuerwehr usw. zu machen. Sie alle galten ihm als „kleine Gemeinschaften“ und sollten ein Nominierungsrecht erhalten. Nominiert werden konnte, wer in einer kleinen Gemeinschaft ein politisches Amt wahrgenommen hat.

Keine Massenparteien, dezentrale politische Institutionen, die sich aus kleinen Gemeinschaften rekrutieren, kein zentrales Parlament, kein Parlamentarismus, keine zentralen Wahlen (von Parteienfinanzierung und Selbstbedienung an Steuergeldern ganz zu schweigen), das ist der Kern von Vorschlägen, die von Moltke, aber auch Fritz Gördeler gemacht und die im Kreisauer Kreis und unter den Verschwörern des 20. Juli nicht nur diskutiert, sondern auch gebilligt wurden.

Aber davon weiß Heiko Maas vermutlich nichts. Muss er auch nichts wissen, geht es doch nur darum, sich an einem Mythos zu laben und auf Kosten von Toten zu inszenieren.

Mommsen, Hans (2000). Alternative zu Hitler. Studien zur Geschichte des deutschen Widerstands. München: C.H. Beck.

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Orgie in Geistlosigkeit unter Journalisten: Malefiziose Isomorphie

Warum werden sich Institutionen immer ähnlicher?

Warum kann man nach kurzer Zeit NGOs nicht mehr voneinander unterscheiden, unabhängig davon, mit welchem Ziel sie gestartet und wo sie gegründet wurden?

Looking for Science Faker

Warum schreiben Vertreter von Presseabteilungen großer Unternehmen alle denselben Unsinn, nutzen dieselben Modeworte, verbreiten die selben Leerformeln nachhaltig wirkenden gendergerechten Blödsinn, der die soziale Verantwortung der Unternehmen zeigen soll?

Warum muss man nur eine deutsche Tageszeitung in die Hand nehmen, um zu wissen, was in den anderen deutschen Tageszeitungen, manchmal in Nuancen verschieden, oft genug aber wortgleich steht?

DiMaggio und Powell haben in ihrem 1983 veröffentlichten Beitrag unter anderem versucht, diese Fragen zu beantworten, und sie haben dazu das Konzept der „Isomorphie“ entwickelt. In kurz: Risikoscheue, phantasielose und sehr biedere Akteure sammeln sich in Medien, NGOs und neuerdings in eingetragenen Vereinen, die dem Guten gewidmet sind (also dem Abgreifen von Steuergeldern) und stehen vor dem Problem, sich interessant und als Organisation darstellen zu müssen, die wichtig ist, dem Zeitgeist entspricht, ein würdiger Empfänger von Spende- und Steuergeldern.

Was macht man, wenn man risikoscheu, phantasielos und bieder ist?

Man schreibt ab, übernimmt, was andere geschrieben haben, in der Hoffnung, damit Erfolg zu haben. Das ist übrigens eine Erklärung dafür, dass bestimmte Themen zu Hypes werden, obwohl sie, wie das Gender Pay Gap oder die „FakeScience“ auf einem Sack voller Lügen basieren.

Nach unserer Ansicht haben DiMaggio und Powell in ihrer Analyse, die im theoretischen Rahmen des Neoinstitutionalismus geschrieben ist, allerdings den Faktor Mensch insofern vergessen, als Menschen von Motiven getrieben und manche von ihnen käuflich sind (und andere renitent, aber die finden sich nicht in NGOs, Instiutionen, Parteien oder Medien).

Ersteres führt dazu, dass Isomorphie eine Triebkraft in Boshaftigkeit oder Missgunst haben kann. Zweiteres führt dazu, dass man mit ein wenig Geld eine Kampagne anschieben kann, die geeignet ist, ganze gesellschaftliche Bereiche zu zerstören.

Wir denken, dass die Genderideologie, die das menschliche Zusammenleben in Deutschland weitgehend unmöglich gemacht hat und Misstrauen an die Stelle des guten Willens gesetzt hat, der für die Aufnahme einer Kooperation mit Fremden nun einmal notwendig ist, auf einer solchen Kampagne beruht. Das ist keine Verschwörungstheorie wie man anhand der staatlichen Mittel (also der Steuergelder), die in Genderismus geflossen sind, zeigen kann.

Doch zurück zur FakeScience.

Die FakeScience ist zu einem Virus unter Journalisten geworden. Keine Tageszeitung, die sich nicht genüsslich über die bösen Wissenschaftler hermacht, die „nachweislich in scheinwissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht“ haben, die „systematisch fundamentale Mechanismen der Qualitätssicherung missachten“.

Die Zitate stammen aus dem Text, den Fabian Kretschmer in der taz veröffentlicht hat. Wir hätten beliebige andere Texte nehmen können, aus welcher Tageszeitung, die einem zentralen Redaktionsnetzwerk gleichgeschaltet wurde, auch immer.

Alle haben denselben Tenor.

Alle machen dieselbe Anklage.

Keiner hinterfragt, was er berichtet.

Keiner überlegt, ob der Vorwurf eigentlich gerechtfertigt ist.

So dass man festhalten muss, dass in den gleichgeschalteten Redaktionen nicht einmal Mindeststandards der Qualitätssicherung eingehalten werden.

Es ist wie ein Rausch, ein Taumel, eine kollektive Onanie, die den deutschen Blätterwald durchbläst. Jetzt, so scheint die gesammelte Redaktionsmeute zu denken, ist die Gelegenheit, sich über diejenigen an Hochschulen herzumachen, denen sie, so scheint es, ihren Status die ganze Zeit schon geneidet haben, die ganze Zeit, die sie auf knapp 2000 Euro gehalten, in Redaktionssitzungen buckeln, ständig in der Angst leben, mit der nächsten Kürzungswelle von dem Miniaturschreibtisch gespült zu werden, den sie stolz ihr eigen nennen dürfen, obwohl er mit Sicherheit schon bessere Tage gesehen hat, vor 15 Jahren oder so. Jetzt gilt’s. Und ungefährlich scheint es auch zu sein. Alle berichten darüber.

Wie gesagt:

  • Risikoscheu;
  • Phantasielos;
  • Boshaft

FakeScience ist wie geschaffen für die Redaktionswichte:

Das Risiko, mit einem Text auf Kritik oder gar Widerstand zu stoßen, ist nicht vorhanden. Alle Mainstream-Medien berichten darüber. Alle Mainstream-Medien berichten im selben Tenor darüber. Alle Mainstream-Medien berichten in derselben aufgeregten Weise darüber, machen einen Skandal aus Pipifax, einen Elefanten aus einer Mücke.

Die Phantasielosigkeit, die die meisten Redaktionswichte plagt, versuchen sie damit zu verkleistern, dass sie einen anderen Titel wählen „Abzocke mit Fake-Zeitschriften“, gefolgt von einem variierenden Untertitel, dem dann der weitgehend identische Text angefügt ist, den man in allen Mainstream-Printmedien lesen kann.

Die eigene Boshaftigkeit, die Missgunst gegenüber denen, die man (irrigerweise übrigens) für erfolgreicher ansieht, statushöher, was in Deutschland sehr wichtig ist, denn Status, eingebildeter Status ist für viele das Surrogat einer Persönlichkeit, sie kann ebenfalls risiko- und phantasielos befriedigt werden. Selbstbefriedigung, ohne Gefahr zu laufen, dabei erwischt zu werden.

Wir nennen diese Form der Isomorphie die malefiziose Isomorphie in Anlehnug and maleficium, den lateinischen Begriff für ein übles Werk. Malefiziose Isomorphie tritt neben die mimetische, koersive und normative Isomorphie und zeichnet sich dadurch aus, dass die Lust, anderen übel mitzuspielen, die Freude am Schaden anderer, Triebkraft der Imitation und Übernahmen von Inhalten oder Objekten, die andere bereitstellen, ist, von denen wiederum erwartet wird, DASS sie anderen schaden. Man muss also die Triebkraft „Boshaftigkeit“ von der Hoffnung, anderen durch Worte Schaden zufügen zu können, trennen.

Die Epidemie, die derzeit unter deutschen Journalisten, also denen, die es sein wollen bzw. sich einreden, es zu sein, grassiert, ist eine Epidemie getrieben von malefizioser Isomorphie.

Um dies zu zeigen, muss man einfach nur die beiden Hauptvorwürfe, wenn man sie denn so nennen kann, die vor die Tür der vermeintlichen Science Faker gelegt werden, betrachten:

[I] Sie würden in „scheinwissenschaftlichen Journalen“ veröffentlichen.

[II] Sie würden Texte veröffentlichen, die nicht Peer reviewed sind.

[I]

Kein normaler Mensch macht wegen diesen beiden Trivialitäten ein solches Trara, wie es derzeit durch die deutsche Mainstream-Presse geht. Denn [I] ist irrelevant und wenn es gedacht ist, um die Qualität dessen, was veröffentlicht wurde, zu diskreditieren, besteht es aus zwei Fehlschlüssen.

Wenn Einstein seine Relativitätstheorie in der Bäckerblume veröffentlicht hätte, hätte es vielleicht etwas länger gedauert, bis sie von Physikern anerkannt worden wäre, aber das hätte nichts an der GÜLTIGKEIT der Relativitätstheorie geändert.

Der Gehalt, die Validität und die Reliabilität wissenschaftlicher Aussagen ist unabhängig vom Ort, an dem sie veröffentlicht werden. Wer anderes behauptet oder suggerieren will, begeht einen genetischen Fehlschluss und einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens und erweist sich außerdem als “obrigkeitshöriger, behördengegängelter, arschkriechender Idiot” (O-Ton aus der Redaktion, Quelle nicht mehr verifizierbar.)

Deutsche Journalisten begehen lieber diese beiden Fehlschlüsse, als dass sie entweder die Mühsal auf sich nehmen, selbst zu denken, oder die Gelegenheit, anderen zu schaden, an sich vorbeiziehen lassen: Malefiziöse Isomorphie.

[II]

Wir haben gestern in einem Beitrag all die Probleme zusammengetragen, die sich mit Peer Reviews und den Zeitschriften verbinden, die sie anwenden oder angeblich anwenden. Er kann hier nachgelesen werden. Zu denken, ein wissenschaftlicher Beitrag sei deshalb eher glaubwürdig, eher reliabel und eher gültig, weil er in einer Zeitschrift veröffentlich wurde, die Peer reviewed ist, ist an Naivität kaum zu überbieten. Das falsche Neuronengespinnst wird zur Boshaftigkeit, wenn man versucht, andere, von seiner Richtigkeit zu überzeugen.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob diese Epidemie des Unsinns, die von der Boshaftigkeit deutscher Mainstream-Journalisten getragen wird, orchestriert ist oder eine Form der kollektiven Psychose darstellt, wie sie in Echozimmern regelmäßig vorkommen.

Wir tendieren zur ersten Erklärung, denn das Muster des Vorgehens entspricht dem, das bei der Etablierung der Gender Pay Gap Lüge oder den Versuchen, Bürger gegen Bürger aufzubringen, wie sie im Rahmen der Panama-Papers erfolgt sind, angewendet wurde. Den Beleg dafür, dass wir richtig liegen, haben wir spätestens dann in der Hand, wenn eine gesetzliche Regelung für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Beiträge gefordert und auf den Weg gebracht wird.

DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

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Insiderhandel bei Bundesministerien

Der wissenschaftliche Dienst befasst sich mit einer besonderen Form politischer Korruption, die wir Insiderhandel nennen: Ein Minister oder ein Staatssekretär nutzt seine Funktion für parteipolitische Zwecke aus. Drei Formen des Insiderhandels haben die Wackeren beim wissenschaftlichen Dienst gefunden:

  • die Finanzierung von Parteien aus Mitteln des Ministeriums;
  • die Verletzung des Neutralitätsgebots, d.h. das Ausnutzen eines politischen Amts für parteipolitische Zwecke und
  • die Zweckentfremdung öffentlicher Mittel, z.B. die Billigflüge in Bundeswehrmaschinen;

Weil es für den gegenwärtigen Diskurs ziemlich wichtig ist, veröffentlichen wir hier ungekürzt die Ausführungen zum Neutralitätsgebot, das es Ministern und Staatssekretären untersagt, ihr Amt für parteipolitische Meinungsmache zu missbrauchen (übrigens haben wir in der Vergangenheit die damalige Bundesminister-Darstellerin für Bildung und Wissenschaft, die Ressourcen des Ministeriums genutzt hat, um einen Privatkrieg gegen die AfD zu führen, zur Strecke gebracht).

“Staatliches Neutralitätsgebot

Das Grundgesetz gewährt den Parteien das Recht, „gleichberechtigt am politischen Wettbewerb teilzunehmen. Damit unvereinbar ist jede parteiergreifende Einwirkung von Staatsorganen als solchen zugunsten oder zulasten einzelner oder aller am politischen Wettbewerb beteiligten Parteien“. Geht es bei der Äußerung oder dem Handlungsvorschlag eines Ministers um „politischen Meinungskampf […], muss sichergestellt sein, dass ein Rückgriff auf die mit dem Regierungsamt verbundenen Mittel und Möglichkeiten unterbleibt.“ Nimmt ein Regierungsmitglied mit seiner Äußerung oder seinem Handlungsvorschlag hingegen amtliche Aufgaben wahr, kann es auf die mit dem Regierungsamt verbundenen Mittel zurückgreifen.“

Die Grenzen der Parteienfinanzierung, so schreiben die Dienstleister der Bundestagswissenschaft, sie verböten es Ministern, Zahlungen an Parteien und für parteipolitische Zwecke vorzunehmen.

Das hindert Politiker natürlich nicht, die in Ministerien eingehenden Steuergelder dazu zu missbrauchen, ein parteipolitisches Versorgungsnetzwerk aufrecht zu erhalten. Man muss dazu einfach einen Verein gründen und schon fließen die Steuergelder in die Taschen der Parteisoldaten, die aus der Parteizentrale in die jeweiligen Vereine überwechseln. Auf diese Weise schaffen Parteien ein Outsourcing von Mitarbeitern und Kosten und erreichen Zugriff auf staatliche Mittel.

The Snout in the Trough

Wir haben die Mittel, die den politischen Vereinen der Parteien direkt von Ministerien zufließen, hier zusammengestellt (es sind die jeweils aktuellsten Daten; Das Jahr, auf das sie sich beziehen, steht jeweils in Klammer hinter der Summe):

  • Hanns-Seidel-Stiftung (CSU): 57.441.000 Euro (2017)
  • Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU): 147.439.581,07 Euro (2015)
  • Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP): 56.198.989,55 Euro (2016)
  • Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD): 163.258.030,30 Euro (2017)
  • Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne): 31.839.774 Euro (2017)
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung (LINKE): 53.452.060,87 Euro (2015)

Die genannten Summen fließen den politischen Vereinen der Parteien in einem einzigen Jahr zu.

Man sieht, dass LINKE und Konrad-Adenauer-Stiftung eine Abneigung zur Veröffentlichung aktueller Jahresberichte teilen. Und man sieht, wie einfach das Verbot der Finanzierung politischer Parteien durch Ministerien zu umgehen ist. Man macht eine Partei einfach zum Verein und nennt den Verein, der ein Klon der Partei ist, mit der Aufgabe, die Parteiideologie zu verbreiten, parteinahe Stiftung.

Lassen Sie sich durch den Zusatz „Stiftung“ nicht täuschen. Mit Ausnahme der Friedrich-Naumann-Stiftung, die über ein Stiftungsvermögen verfügt, handelt es sich um eingetragene Vereine, die den Begriff „Stiftung“ zu Zwecken der Täuschung im Namen führen, zur Täuschung der Bürger über die Herkunft ihrer Mittel.

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Fake Journalismus zu “Fake Science”: Fake News-Märchenstunde bei der ARD

Nicht auf dem Kinderkanal – bei der Tagesschau findet sich das folgende Märchen:

Es war einmal eine wissenschaftliche Wahrheit. Die war schüchtern, aber stolz. Sie war so schüchtern, dass sie sich nur in Teilen zu erkennen geben wollte. Und nur ausgewählten Priestern der Wahrheit wollte sie sich zu erkennen geben. Nun begab es sich aber, dass sehr viel über die wissenschaftliche Wahrheit spekuliert und vor allem: geschrieben wurde. Zu viel für die eitle Wissenschaft, die nur autorisierte und wahre Aspekte ihrer Wahrheit preisgeben wollte. Also wandte sich die wissenschaftliche Wahrheit an rechtschaffene Männer, die in rechtschaffenen Verlagen nur rechtschaffene Schriften herausgaben und gab ihnen auf, mit einem Peer Review Prozess dafür zu sorgen, dass nur die korrekten Teile der wissenschaftlichen Wahrheit ans Tageslicht der Öffentlichkeit gelangen.

Soweit das Vormärchen.

Weiter bei der Tagesschau:

Gretel und Seppl, nein, Svea Eckert und Peter Hornung vom NDR haben den Räuber Hotzenplotz gefunden. Der Räuber Hotzenplotz betreibt mindestens fünf Verlage und veröffentlicht dort wissenschaftliche Artikel, die gar nicht Peer reviewed sind. Das behaupten zumindest, Gretel und Seppl, sorry: Eckert und Hornung. Auf ihren Recherchen sind sie auf „400.000 Forscherinnen und Forscher“ getroffen, darunter „mehr als 5.000 Forscherinnen und Forscher deutscher Hochschulen“ (also z.B. 399.999), die in den „wertlosen Online-Fachzeitschriften scheinwissenschaftlicher Verlage“, wo „jeder veröffentlichen“ kann, „was er will“, genau das getan haben, veröffentlicht, was sie wollen, Un-Peer-Reviewed.

So jedenfalls die Behauptung von Eckert und Hornung vom NDR, die viel heiße Luft verbreiten, aber wenig Konkretes. Verlage in Südasien, der Golfregion, in Afrika oder der Türkei würden harmlose, gutgläubige und wahrheitsfürchtige deutsche Wissenschaftler dazu bringen, bei ihnen zu veröffentlichen, mit dem Versprechen, die Veröffentlichung sei Peer reviewed, was sie jedoch nicht ist, wie Eckert und Hornung behaupten, ohne Beleg und lediglich mit dem Verweis auf OMICS ein Unternehmen, dem die Federal Trade Commission der USA vorwirft, Wissenschaftler mit der Behauptung, ihre Beiträge würden vor der Veröffentlichung Peer reviewed, in die Irre zu führen, da die Review nie erfolge. OMICS bestreitet diese Vorwürfe.

Das hindert Eckert und Hornung nicht daran, ihre Geschichte weiter zu spinnen und darauf hinzuweisen, dass vor allem Klimaskeptiker und deutsche Pharmafirmen sich der „scheinwissenschaftlichen Verlage“ bedienten. Die Erzählung aus 1001 Phantasie, 2002 Boshaftigkeit und 3003 Naivität, endet mit dem üblichen zu-Wort-Kommen deutscher Wissenschaftler, die einmal mehr versuchen, einer Qualle Konkurrenz in Rückgrat zu machen. Man habe nicht gewusst, wo man veröffentliche, sagt einer von ihnen.

Genug der Märchen.

Fassen wir die wesentlichen Punkte zusammen, die Eckert und Hornung ihren Lesern weismachen wollen:

  • Es gibt Forscher, die in Zeitschriften veröffentlichen, die nicht Peer reviewed sind.
  • Nur Peer reviewed Zeitschriften beinhalten wissenschaftliche Texte von Qualität alle anderen Zeitschriften sind “scheinwissenschaftlich”.
  • Die Peer Review ist ein Prozess, in dessen Verlauf, wie Eckert und Hornung schreiben, ein Beitrag, der zur Veröffentlichung eingereicht wurde, auf Wissenschaftlichkeit geprüft wird. „Sind die Erkenntnisse neu? Ist die Forschungsfrage und die Methodik passend? Sind die Ergebnisse reproduzierbar?”

[“Haben Eckert und Hornung den Arsch offen?”]

Sorry, das war ein O-Ton aus der Redaktion, der hier eigentlich nicht hätte veröffentlicht werden sollen, schließlich sind unsere Texte Peer reviewed.
Ist der Beitrag von Eckert und Hornung eigentlich Peer reviewed oder kann bei der Tagesschau jeder schreiben, was er will, ohne dass die Qualität dessen, was geschrieben wurde, geprüft wird oder gar die Folgen?

Die haben nicht alle Tassen im Schrank ist übrigens eine der Meinungen aus der Redaktion, die man eher hätte veröffentlichen können. Auch „Die haben von Wissenschaft keine Ahnung“ wäre eine sozial verträglichere Formulierung gewesen als „Die haben den Arsch offen“. Zum Glück sind wir Peer reviewed und können diesen Lapsus hiermit beseitigen, vergessen Sie also, dass Sie es gelesen haben.

Aber fest steht: Eckert und Hornung haben keine Annung von der Welt wissenschaftlicher Peer Review, über die sie hier schreiben und den Stab brechen wollen. Sie wissen nicht, dass es in der Wissenschaft seit Jahren eine Diskussion darüber gibt, ob es noch sinnvoll ist, Peer Reviews durchzuführen, geschweige denn, ob es jemals sinnvoll war.

Warum?

Der Prozess ist lange, eingereichte Beiträge warten oft Jahre auf eine Veröffentlichung und sind, wenn sie dann veröffentlicht werden, regelmäßig veraltet oder von der Entwicklung überholt.

Diejenigen, die Peer Reviews durchführen, sind oftmals nicht qualifiziert, um das, was andere geforscht haben, tatsächlich beurteilen zu können, oder sie sind nicht motiviert genug, um das, was andere geschrieben haben, komplett zu lesen und nachzuvollziehen. Als Konsequenz erhalten die Autoren von Beiträgen oft hanebüchene oder an Allgemeinheit und Nutzlosigkeit kaum zu überbietende Hinweise zu ihren Beiträgen oder – wenn eine Feministin als Peer reviewed – häufig den Hinweis, dass ihr die Ergebnisse nicht gefallen haben. Das Problem der Eignung derer, die Peer Reviews erstellen sollen, ist deshalb ein heiß diskutiertes Problem. Aber das wissen Eckert und Hornung natürlich nicht. Einer der großen alten Männer der Sozialpsychologie, Thomas F. Pettigrew, dessen Kompetenz niemand in Frage stellen wird, hat schon vor Jahren aufgehört, in Peer reviewed Zeitschriften zu veröffentlichen. Die Gründe haben wir gerade dargelegt.

Peer Reviews haben mitnichten zur Folge, dass die veröffentlichten Texte wissenschaftlichen Qualitätskriterien der Validität und der Reliabilität genügen. (Übrigens prüft kein Peer die „Reproduzierbarkeit der Ergebnisse“ im Peer Review Prozess, wie die ahnungslosen Eckert und Hornung behaupten. Dazu benötigte man die Rohdaten und müsste die Vorgehensweise replizieren, was den sowieso schon langsamen Review-Prozess auf Jahre zum Stillstand brächte). Die beiden Beispiele dafür sind die Arbeit von Alain Sokal und von Peter Boghossian und James A. Lindsay. Sokal hat 1996 einen Beitrag mit dem Titel „Transgressing the Boundaries: Toward a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity” in der Zeitschrift “Social Text” veröffentlicht. Der Text besteht aus einer Ansammlung von Zitaten bekannter französischer und amerikanischer angeblicher Philosophen der Postmoderne. Sokal hat den “Glue” geliefert, der die Zitate in all ihrer Absurdität und Falschheit aneinanderreiht. Der Text ist ein Scherz, der keinerlei Sinn transportiert, im Gegenteil, widerspricht das, was Sokal schreibt, einer Vielzahl etablierten Erkenntnisse. Der Text wurde dennoch veröffentlicht. Nach einer Peer Review.

Ein anderes Beispiel ist der konzeptionelle Penis, den Peter Boghossian und James A. Lindsay erfunden haben. Sie zeigen in einer Studie, dass Penisse nicht existieren, dass sie ein inkohärentes Konstrukt sind. Der Text wurde in „Cogent Social Science“ veröffentlicht, einer Zeitschrift, die damit wirbt, „fully peer reviewed“ zu sein.

Nur Ahnungslose, Obrigkeitsgläubige oder Bürokraten können der Ansicht sein, in Peer reviewed Zeitschriften fänden sich wissenschaftliche Texte mit Gütesiegel und Haltbarkeitsgarantie.


Aber weiter im Text:


Wir haben auf ScienceFiles unzählige wissenschaftliche Beiträge aus Peer reviewed Zeitschriften besprochen und als Junk Science entlarvt.


Das Blog „Retraction Watch“ sammelt seit Jahren die Beiträge, die aus „Peer reviewed Zeitschriften“ zurückgezogen werden, weil sich die Daten als falsch erwiesen haben, der Text Fehler enthält, die Autoren sich einen Besseren besonnen haben oder der Verlag kein Peer Review Verfahren durchgeführt hat, sondern ein „Fake Peer Review Verfahren“. Springer hat gerade 107 Beiträge aus der Zeitschrift „Tumor Biology“ zurückgezogen, weil die Peer Review, die angeblich durchgeführt worden sein soll, nie durchgeführt wurde.

Der Jahresrücklick für 2017 aus Peer reviewed Zeitschriften zurückgezogener Texte, den Retraction Watch regelmäßig erstellt, kann übrigens hier gefunden werden.

Eine Suche in der Datenbank von Retraction Watch, die Artikel zum Gegenstand hat, die Springer allein 2017 zurückgezogen hat, erbringt 237 Artikel.

Im selben Zeitraum hat Sage 33 Artikel zurückgezogen.

Wie man auf die Idee kommen kann, eine Peer Review würde sicherstellen, dass veröffentlichte Texte seltener Junk sind als Text, die den Prozess der Peer Review nicht durchlaufen haben, ist uns nur dann nachvollziehbar, wenn wir den beiden Ahnungslosen vom NDR zugute halten, dass sie a) nicht von einem Verlag, der ein Interesse daran hat, andere Verlage in einem schlechteren Licht erscheinen zu lassen, als man selbst sich gerade in einem findet, für ihre Recherche bezahlt wurden und dass sie b) eine autoritäre Sehnsucht nach einem Stempel auf einem wissenschaftlichen Text haben, der ein für alle Mal garantiert, dass die Erkenntnisse, von denen im Text berichtet wird, korrekt und allzeit gültig sind, so dass sie auch ein Journalist, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, in die Welt posaunen kann.

Aber so funktioniert die Wissenschaft nicht.

Die Grundlage von Wissenschaft ist die Urteilsfähigkeit, die Fähigkeit eines Wissenschaftlers, sich zu einem Thema ein Urteil zu bilden.

Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess, der davon lebt, dass über Ergebnisse und angebliche Erkenntnisse gestritten wird, dass diskutiert, hinterfragt, geprüft und im Ende: Verbessert wird. Deshalb ist es schlicht egal, wo ein Text veröffentlicht wurde, ob er und wenn ja, in welcher Zeitschrift ein Text veröffentlicht wurde, ob er Peer reviewed wurde oder nicht. Man bildet sich als Wissenschaftler ein Urteil über den Inhalt eines Beitrags, nicht über den Erscheinungsort. Wären Eckert und Hornung nicht so endlos weit von der Wissenschaft entfernt, sie wüssten das.

Sie wüssten dann auch, dass Herausgeber einen Peer Review Prozess nutzen können, um sicherzustellen, dass keine Texte veröffentlicht werden, die dem, was sie für richtig halten, widersprechen. Soll ein Text veröffentlicht werden, dann schickt man ihn an Reviewer, von denen man weiß, dass sie das Thema mögen und jeden Junk, der sich damit beschäftigt, veröffentlicht sehen wollen. Will man verhindern, dass ein Text veröffentlicht wird, dann schickt man z.B. einen Text, in dem quantitative Daten verarbeitet werden, an einen eingeschworenen qualitativen Fetischisten, der sowieso der Ansicht ist, man könne die Komplexität der Wirklichkeit nur 1:1 und im tiefenpsychologischen Gespräch erfassen.

Und nach all dem, was wir hier zusammengetragen haben und dabei haben wir das Problem der vielen Texte, die in Peer Review Zeitschriften veröffentlicht, aber von Computer-Software zusammengeschnippelt wurden, gar noch nicht angeschnitten, kann man Eckert und Hornungs Beitrag nur als Fake News und Fake Journalismus einordnen und sich fragen, was dahinter steht.

  • Naivität?
  • Ahnungslosigkeit?
  • Unkenntnis?
  • Boshaftigkeit?
  • Oder ist die fehlende Peer Review bei der Tagesschau im Allgemeinen und beim NDR im Besonderen die Ursache dafür, dass derartige Fake News verbreitet wird?

Fake News mit Konsequenzen übrigens:
Nehmen wir die Forderung, wissenschaftliche Texte müssten einen Prozess der Peer Review durchlaufen, damit sie als solche anerkannt werden können, einmal ernst.

Das bedeutet, dass die Bundesministerien alle Gutachten und sonstigen Beiträge, die sie als wissenschaftlich verkaufen wollen, einstampfen müssen, weil sie nicht Peer reviewed sind.

Das bedeutet, dass die Tagesschau nicht mehr voller Euphorie das aufnehmen kann, was ihr oftmals ideologisch so gut in den Kram passt, die angeblichen Studien zum Rassismus, Antisemitismus, zu Bildung und Armut, wie sie von Bertelsmann-Stiftung, Amadeu-Antonio-Stiftung, universitären Anhängseln, institutionalisierten Wissenschaftlern, die sich als Legitimationsbeschaffer für Ministerien verdingen, von dubiosen Institutionen wie dem Institute for Strategic Dialogue en masse verbreitet werden. Nichts davon ist Peer reviewed. Nichts davon par ordre du mufti Wissenschaft.

Aber vielleicht ist es genau das, was Eckert und Hornung vorschwebt, ein staatliches Siegel, eine ISO 9877126, das für die Texte vergeben wird, die staatsdienlich sind und deshalb als wissenschaftlich verkauft werden sollen. Dann hätten sie das Problem, sich ein Urteil bilden zu müssen, wo ihnen die Kompetenz, sich ein Urteil zu bilden, fehlt, ein für alle Mal und auf eine Weise gelöst, die ihnen scheinbar nahe ist. durch Gehorsam und Obrigkeitshörigkeit.

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