„Politische Schönheit?“ Die Menschenwürde von Björn Höcke ist grundsätzlich antastbar

Sie nennen sich „Zentrum für politische Schönheit“. Politische Schönheit wird wie folgt real definiert:

  • Man überwacht politische Gegner rund um die Uhr; Spioniert ihr privates Leben aus;
  • Man stellt Betonpoller im Nachbargrundstück (bisher eine Grünfläche) auf und bezeichnet diese Form der Umweltverschmutzung als Kunst;
  • Man fordert dazu auf, den politischen Gegner zu stalken, ihm beim Joggen, in seinem Hotel aufzulauern, dort Urlaub zu machen, wo auch der politische Gegner Urlaub macht;
  • Man versucht, Kasse zu machen mit der angeblichen Kunstaktion gegen den politischen Gegner;
  • Man umgibt sich mit dem Heiligenschein eines angeblichen Kampfes gegen Rechte oder Nazis;
  • Man spekuliert auf die Niedrigkeit der Mitmenschen, die vor ideologischer Verblendung der Ansicht sind, man könne sich selbst dadurch erhöhen, dass man andere zu Feinden erklärt und ihnen zu schaden versucht.

Damit ist die „Kunst“aktion des Zentrums für Politische Schönheit, einer Bereicherungsstube von angeblichen Künstlern, die sich an der ideologischen Einfalt ihrer Umgebung laben, hinlänglich beschrieben. Und ja, es geht um die Aktion gegen Björn Höcke, der, trotz aller Äußerungen, die er macht, ein Mensch ist und als solcher Menschenrechte hat, u.a. das Recht auf Privatheit und das Recht, nicht zum Gegenstand der feuchten Phantasien von künstlerischen Onanierern zu werden.

Betrachten wir das Geschehen doch einmal als eine Frage an die Menschenwürde. Eine solche, so hat das Bundesverfassungsgericht mehrfach geurteilt, sei der Anspruch auf Achtung, der jedem Mensch kraft seines Menschseins zukommr. Nun stellt sich die Frage, was ein Mensch ist.

Manche denken, zum Mensch werde man geboren. Andere sind, aufgrund der besonderen Fähigkeiten, die Menschen ab Geburt mitgegeben werden, aufgrund des Potentials, das sie angeblich auszeichnet, der Ansicht, man sei nicht Mensch qua Geburt, man müsse erst zum Mensch werden, erzogen werden, sich selbst dazu erziehen. Man müsse sich die Würde eines Menschen erst verdienen.

Immanuel Kant ist einer derjenigen, die das denken. Er schreibt in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten:

„Im Reiche der Zwecke hat alles entweder einen Preis, oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes, als Äquivalent, gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde. Was sich auf die allgemeinen menschlichen Neigungen und Bedürfnisse bezieht, hat einen Marktpreis; das, was, auch ohne ein Bedürfnis vorauszusetzen, einem gewissen Geschmacke, d.i. einem Wohlgefallen am bloßen zwecklosen Spiel unserer Gemütskräfte, gemäß ist, einen Affektionspreis; das aber, was die Bedingung ausmacht, unter der allein etwas Zweck an sich selbst sein kann, hat nicht bloß einen relativen Wert, d.i. einen Preis, sondern einen innern Wert, d.i. Würde. Nun ist Moralität die Bedingung, unter der allein ein vernünftiges Wesen Zweck an sich selbst sein kann; weil nur durch sie es möglich ist, ein gesetzgebend Glied im Reiche der Zwecke zu sein. Also ist Sittlichkeit und die Menschheit, so fern sie derselben fähig ist, dasjenige, was allein Würde hat.“

Menschenwürde erwirbt sich der sittliche Mensch, derjenige, der durch Moralität ausgezeichnet ist. So kann man den zitierten Absatz kurz zusammenfassen, und nunmehr die Frage stellen: Was ist Moralität bzw. Sittlichkeit?

„Endlich gibt es einen Imperativ, der, ohne irgend eine andere durch ein gewisses Verhalten zu erreichende Absicht als Bedingung zum Grunde zu legen, dieses Verhalten unmittelbar gebietet. Dieser Imperativ ist kategorisch. Er betrifft nicht die Materie der Handlung und das, was aus ihr erfolgen soll, sondern die Form und das Prinzip, woraus sie selbst folgt, und das Wesentlich-Gute derselben besteht in der Gesinnung, der Erfolg mag sein, welcher er wolle. Dieser Imperativ mag der der Sittlichkeit heißen”

In seiner allgemeinsten Formulierung:

„… handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte“

Der Witz an Naturgesetzen ist natürlich der, das jeder Naturgesetzen unterworfen ist, auch der Handelnde, was die Konsequenz mit sich bringt, dass man für Kant nur dann zur Sittlichkeit fähig ist, wenn man in der Lage ist, sich selbst zum Gegenstand der eigenen Handlungen zu machen.

Der Volksmund hat dies verkürzt in: Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.

Es scheint angebracht, den Kantschen Imperativ als Formel, die man früher Kindern vorsagt, zu schreiben. Vielleicht merken manche derjenigen, die sich selbstherrlich zum „zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz“ erklärt haben und daraus das Recht ableiten, andere zu stalken und ihnen nachzustellen, ja etwas.

Wenn nicht, dann haben wir folgendes Beispiel: Wie wäre es, wir bauen um die Häuser von Abgeordneten der LINKEN, die zu Zeiten der DDR ihre Karriere innerhalb der SED begonnen haben, einen bewachten Zaun und schießen auf sie, wenn sie versuchen, den Zaun zu durchbrechen, metaphorisch natürlich nur, mit Wasserpistolen, schließlich ist das eine Kunstaktion.

Oder wie wäre es, wenn wir aus Nachbarhäusern und –wohnungen abhören, was ehemalige Mitarbeiter der Stasi in ihren vier Wänden erzählen und das Abgehörte im Radio senden. Damit auch alle etwas davon haben. Wenn sich die Abgehörten beschweren, dann erklären wir ihnen, dass wir ein zivilgesellschaftlicher Verfassungsschutz sind, der nicht zusehen will, wie die Schandtaten der DDR vergessen werden.

Wäre das nicht auch „politische Schönheit“?

Oder wie wäre es, wenn wir in der Danziger Straße 6 in Berlin auf Philipp Ruch, den Gründer des politisch schönen Zentrums abpassen, täglich und zu mehreren, um ihn über seinen Tag zu begleiten, egal, wohin er geht. Auf Schritt und Tritt sind wir dabei. Folgen ihm, warten auf ihn, werden immer mehr, ein ganzer Tross von 100 und mehr Leuten folgt Ruch, wo immer er sich aufhält. Und während wir ihm folgen, drehen wir einen Film, keinen normalen Film, nein, ein Kunstwerk, das wir allabendlich per public viewing in der Straße, in der Ruch wohnt, seinen Nachbarn vorführen. Ob er das mögen würde?

Eigentlich müsste er das mögen, denn es ist genau die Behandlung, die er derzeit für Björn Höcke in Ordnung findet, die er (mit) inszeniert und initiiert hat. Aber natürlich würden wir, im Gegensatz zu Ruch so etwas nicht tun. Wegen der Menschenwürde. Letztere verlangt, dass man andere so behandelt, wie man selbst behandelt werden wollte, dass man anderen Achtung entgegenbringt, wenn man selbst Achtung erwartet, dass man keine Übergriffe auf andere unternimmt, wenn man nicht bereit ist, äquivalente Übergriffe im eigenen Leben zu dulden, dass man andere nicht als Mittel der eigenen Zwecke missbraucht.

Man macht also genau das nicht, wofür die angebliche Kunstaktion derzeit durch alle Mainstream-Zeitungen geprügelt wird. Das Zentrum für politische Schönheit hat es weniger mit der Schönheit als mit dem schnöden Mammon. Ein Blick auf die Money-Grabbing-Site des Zentrums macht dies schnell deutlich und vermittelt den Eindruck, dass hier ein politischer Gegner als Mittel eigener Bereicherung missbraucht wird. Die eigene Bereicherung findet als Appell an die niedrigsten der Instinkte all derer statt, die so wenig wie die Zentristen nicht politischer Schönheit, sondern politischen Hasses, das haben, was man nach Kant erwerben muss: Menschenwürde.

Da zivilrechtliches Engagement in deutschen Schulen gelehrt werden soll, wäre es, angesichts solcher Aktionen dringend geboten, Kant zur Pflichtlektüre zu machen.

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Ibn Rushd (Averroes): Einer der ersten Schubser/Nudger

Die Welt ist voller guter Menschen. Die guten Menschen, von denen wir sprechen, Gutmenschen, wissen immer ganz genau, was für andere gut ist. Sie haben keinen Zweifel daran, dass sie das wissen. Sie wissen, dass alle Menschen ganz alt werden wollen, gesund bleiben wollen, koste es, was es wolle, dass alle Menschen fit sein wollen, sich im Fancy-Fahrraddress lächerlich machen wollen, dass alle Menschen gleichwertig sind, der Schmarotzer so sehr wie derjenige, der ihn durchfüttert, ein Mörder so sehr wie ein Notarztwagenfahrer. Gutmenschen wissen, dass es gut ist, Organe zu spenden, gut für die, die die Spenderorgane entnehmen, sie verdienen daran. Gut für die, die die Spenderorgane transportieren. Sie verdienen daran. Gut für die, die die Spenderorgane einsetzen. Sie verdienen daran. Und gut für die, die sie erhalten, sofern ihr Körper das Spenderorgan auch annimmt.

Gutmenschen kennen keine Zweifel, und sie dulden keinen Widerspruch. Aus reiner Toleranz werden angeblich Rechte mundtot gemacht, Rauchern werden ihre Sargnägel madig gemacht, Kinderfreie müssen zusätzlich in die Pflegeversicherung berappen, weil Kinder natürlich gut sind, alle und überall, aber nicht gut genug, um selbst ihren Zuckerkonsum verantworten zu können, deshalb muss auch der Zuckerkonsum geregelt werden, wie der Arzt- und Zahnarztbesuch, der Besuch beim Einwohnermeldeamt, die Freude an Flüchtlingen und die Lust, öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu finanzieren, denn: falls Sie es nicht wissen, der öffentliche Rundfunk ist gut, hat eine Bildungsauftrag. Deshalb zahlen sie dafür, nicht wegen der Soaps…

Aber Gutmenschen haben es auch schwer. Der herkömmliche Mensch will nicht einsehen, was gut für ihn ist. Er will sein Trinken nicht auf den vorgesehenen Alkoholkonsum beschränken, nicht täglich durch die Gegend hüpfen, um fit zu bleiben, keine Organe spenden, mag keine Flüchtlinge, hat ein Herz für Tradition und Konservative, zuweilen Verständnis für Rechte, isst Marsriegel in unverantwortlicher Menge und will seit neuestem nicht einmal mehr die von „Experten“ vorgeschriebene Menge Schlaf zu sich nehmen.

Man muss Menschen zu ihrem Glück zwingen.

Deshalb haben findige Ökonomen das Nudgen erfunden, Schubsen zu Deutsch. Eine Methode, Menschen so zu manipulieren, ohne dass sie es nicht merken sollen. Zu ihrem Besten manipulieren natürlich, denn, Gutmenschen wissen, was für die anderen, also für Sie und uns gut, ja das Beste ist. Sie würden, könnten sie unser Leben leben, unser Leben natürlich besser und effizienter Leben als wir das tun. Der Kern des Nudgens besteht darin, der dummen Masse aus Trinkern, Rauchern, Nicht-Organspendern, Rechten, Schlafverweigerern und Nicht-Radfahrern die Vorteile der entsprechenden Tätigkeiten so aufzuzwingen, dass sie denken, es sei ihre Wahl gewesen.

Die formale Struktur des Nudging benötigt demnach einen Experten, der die Wahrheit weltlichen Tuns erblickt hat und nun genau weiß, was andere zu tun haben und sie benötigt eine dumme Masse, die von Experten geleitet werden will oder muss, je nach Perspektive.

Derartiges Nudging ist jedoch nicht neu.

Tatsächlich ist es uralt.

Schon Ibn Rushd, Averroes für seine europäischen Zeitgenossen bzw. Anhänger, war ein Nudger, ein Schubser. Die Welt des Ibn Rushd bestand aus drei Arten von Menschen, Mitgliedern der Masse, Theologen und Philosophen. Mitglieder der Masse, so Ibn Rushd, sind bestenfalls zu deskriptiver Einsicht fähig, wissen, wenn sie ein Pferd sehen, dass sie ein Pferd sehen, kennen, besser: erkennen jedoch nicht, was die Welt im Innersten zusammenhält und das Pferd zum Pferd macht. Derart dialektische Einsicht ist den Philosophen vorbehalten. Sie sind in der Lage, die Wahrheit des Universums anzuzapfen und sich per Konsens auf die korrekte Wahrheit festzulegen, wobei die Wahrheit für Ibn Rushd im Koran zu finden war, die Auslegung des Koran somit zur Quelle der Wahrheit wurde. Diese Wahrheit, von den Philosophen in dialektischer Einsicht erblickt, sollte von den Theologen aufgenommen und der Masse vermittelt werden. Theologen verfügen bei Ibn Rushd über rhetorische Einsicht, sie sind die Marketingabteilung der Philosophen, die der Masse die Welt erklären und sagen, was gut für sie ist.

So wie das heute Gutmenschen tun, die heute natürlich nicht mehr die Marketingabteilung der Philosophen sind. Sie sind die Marketingabteilung von Ideologen, die gerade ein Interesse daran finden, anderen den Zuckerkonsum zu vergällen oder das Rauchen abzugewöhnen, deren Freude es ist, die eigene Wahrheit dazu zu benutzen, die Mitglieder der dummen Masse zu erziehen, zu gängeln und zu malträtieren. Ideologen haben Philosophen ersetzt, Gutmenschen sind zur Marketingabteilung der Ideologen geworden, die ebenso wie letztere über keinerlei Skrupel und keinen Zweifel verfügen und genau wissen, was für die Mitglieder der dummen Masse richtig und vor allem gut ist. Also verkünden sie ihre Wahrheit, dulden keine Abweichung von der Wahrheit (wenn es doch Abweichung gibt, drohen finanzielle Sanktionen) und erwarten absoluten Gehorsam.

So war dies auch zu Ibn Ruschds Zeiten. Abweichung von der damaligen Heilslehre, die es u.a. in der muslimischen und christlichen Variante gab, wurden als Häresie angesehen und bestraft, so wie heute Kritik und Abweichung bestraft wird. Damals, das war im 12. Jahrhundert. Man sieht, 800 Jahre haben nicht wirklich etwas verändert…

Und warum sollte es? Menschliche Gesellschaften haben immer Trittbrettfahrer hervorgebracht, solche, die auf Kosten von anderen leben wollen. Es entspricht einfach der menschlichen Natur, genauer: der Trägheit von Menschen, die lieber andere machen lassen als selbst zu tun, die lieber anderen sagen, was gut für sie ist als selbst die eigene bittere Pille zu schlucken.

Telekom für Schlafstörungen verantwortlich: Droht Klagewelle?

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass …

Unsere Lieblingsschlagzeile für heute:

Wer noch zu später Stunde vor dem Bildschirm sitzt, schläft weniger …

Monika Wimmer von der Pressestelle des Sozioökonomischen Panels ist für diese herausragende Leistung der tautologischen Sprachbenutzung verantwortlich. Wir ziehen unseren Hut.

Wir wären nicht auf die Idee gekommen, dass die Leute, die früh ins Bett gehen, mehr Schlaf abbekommen als die, die spät ins Bett gehen. Und was wir auch nie gedacht hätten ist: „Der Schlaf von Menschen, die morgens nicht früh aufstehen müssen, wird durch die Mediennutzung zu später Stunde nicht beeinträchtigt“.

Wer lange schläft, schläft eben länger.

Ohne diese Erkenntnis hätten wir heute Nacht nicht schlafen können.

Wir verdanken sie nicht nur Monika Wimmer, sondern auch Francesco Billari, Osea Giuntella und Luca Stella, die die Daten des SOEP benutzt haben.

Billari, Giuntella und Stella haben nicht nur das SOEP benutzt, sie haben auch TUS benutzt, den „German Time Use Survey“. Mauschelt man TUS und SOEP zusammen, dann kommen 24.680 Befragte und 43.162 Beobachtungen dabei heraus. Davon stammen 5.587 Befragte und 10.869 Beobachtungen aus dem TUS. Die Beobachtungen, aus dem TUS sind z.B.:

  • Ob ein Befragter den PC oder ein Smartphone zwischen 23.00 Uhr und 23.10 Uhr benutzt hat;
  • Ob ein Befragter ein Computerspiel zwischen 23.00 Uhr und 23.10 Uhr benutzt hat;
  • Ob ein Befragter zwischen 23.00 Uhr und 23.10 Uhr Fernsehen geschaut hat.
  • Wie viele Stunden ein Befragter pro Nacht schläft.

Wichtige Informationen!

Das glauben Sie nicht.

Warten Sie nur ab.

Aus dem SOEP kommen natürlich auch wichtige Informationen, nämlich:

  • Ob ein Befragter einen DSL-Anschluss zur Verfügung hat;
  • Wie viele Stunden er pro Nacht schläft.

Und dann gibt es noch weitere wichtige Informationen, damit die Regressionsgleichung schön lang wird und nicht nur aus Popel y = ax + b besteht:

  • Ob Glasfaser verlegt wurde;
  • Wie weit die DSL-Leitung vom nächsten Verteiler entfernt ist (das beeinflusse den Preis und die Geschwindigkeit, sagen die Autoren);

Und dann rechnen sie.

Hier die spärlichen Ergebnisse in unserer Sprache:

  • Aus dem TUS:
    • Wer um 23.10 Uhr noch Computerspiele spielt, Fernsehen schaut oder einen PC oder ein Smartphone benutzt, schläft tendenziell weniger als jemand, der das nicht tut.
  • Aus dem SOEP:
    • Wer eine DSL-Leitung hat, schläft tendenziell weniger;

Wir schreiben „tendenziell“ weil die ausgewiesenen Koeffizienten doch sehr popelig sind, so zwischen 0.01 und 0.042. Eher das, was man als nicht der Rede wert bezeichnen würde. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Autoren keine Angaben über die erklärte Varianz, also die Güte ihrer Modelle machen.

Nun fragt man sich, was hat das Ganze mit der DSL-Leitung zu tun. Die Antwort drängt sich auf. Wie, Ihnen nicht?

Wir zitieren:

“Taken together, our findings suggest that there may be substantial detrimental effects of broadband Internet on sleep duration and quality through its effects on technology use near bedtime.”

Oder noch etwas dramatisierter aus der Pressemeldung:

“Besonders der Schlaf junger Menschen unter 30 Jahren, die einen DSL-Anschluss nutzen, ist gefährdet”, sagt der Ökonom Luca Stella. Schuld sind natürlich PC, Smartphone und Computerspiele – wie könnte es anders sein. Fernsehen ist nicht der Rede wert, sorgt ja auch eher für Schlaf, als dass es Schlaflosigkeit zur Folge hätte.

Wenn also Personen aus einem Datensatz zwischen 23.00 Uhr und 23.10 Uhr einen Computer, Smartphone etc. benutzt haben, weniger Zeit angeben, die sie verschlafen als Personen, die zwischen 23.00 Uhr und 23.10 Uhr keinen Computer, kein Smartphone etc. benutzt haben und wenn in einem ganz anderen Datensatz, in dem ganz andere Befragte die Länge ihres durchschnittlichen Schlafes geschätzt haben und auf die Frage, ob sie denn einen DSL-Anschluss ins Internet haben, geantwortet haben und beides in der Weise zusammenhängt, dass die, die DSL haben, weniger schlafen als die, die kein DSL haben, dann folgt für die Autoren daraus, dass die Nutzung von Computer, Smartphone etc. zum einen schlafraubend ist und zum anderen auf den DSL-Anschluss zurückgeht.

Leute, baut eure DSL-Anschlüsse ab, verklagt die Telekom, denn der Schlafmangel wird von DSL-Anschlüssen verursacht.

Andererseits könnte es natürlich so sein, dass diejenigen, die zwischen 23.00 Uhr und 23.10 Uhr die Teufelswerkzeuge moderner Technologie benutzen, die über DSL noch teuflischer werden, das tun, weil sie nicht schlafen können. Ah, das ist nicht ideologiekonform und überhaupt: Experten, nein „ExpertInnen“ haben „eine Schlafdauer von 7 bis 9 Stunden“ als „gesund“ deklariert. Wer würde es da wagen, von dieser von Experten verordneten Schlafdauer abzuweichen?

Offensichtlich gibt es viele, die das tun, die weniger schlafen, dahingestellt, ob sie das tun, weil sie nicht schlafen können oder nicht schlafen wollen. Bislang ist es noch nicht strafbar, weniger als 6 Stunden zu schlafen, bislang gibt es noch keine Verordnung, die die allgemeine Schlafdauer auf mindestens 7 Stunden festlegt, und es gibt noch keine flankierenden Maßnahmen, also ab 23. Uhr keinen Strom mehr für Privathaushalte, um die minimale Schlafdauer von 7 Stunden auch durchzusetzen. Aber wir arbeiten dran.

Junk Science, produziert von besorgten „Ökonomen“, die ihre Freude daran, das von Expertenvorgaben abweichende Verhalten anderer zu maßregeln, entdeckt haben, bereiten gerade den Weg. Und wer partout nicht schlafen will, der bekommt eben eine Schlaftablette verordnet. Denn: 7 Stunden müssen es mindestens sein. 7 Stunden sind gesund. Experten haben es gesagt. Abweichungen vom Plansoll an Schlaf werden nicht toleriert.
gez. Der Staatsratsvorsitzende.

Der ScienceFiles-Medizinmann empfiehlt:

Wer Schlafmangel hat, der kann auch den Text von Billari, Giuntella und Stella lesen.

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Studium als Ressourcenverschwendung: von Nutzlosem, Stupidität und Trägheit

Was, wenn man den Unfug, der an deutschen Hochschulen zuweilen vermittelt wird, offensichtlich in Vergessenheit geraten ist: Tertiäre Bildung kostet Geld. Viel Geld. Die Ressourcen, die an Hochschulen notwendig sind, um Studienort, Studienangebot, Studiengebäude, Verwaltung, Dozenten, Bibliotheken, Infrastruktur usw. zu finanzieren, sie müssen aufgebracht werden, von Steuerzahlern.

Tatsächlich finanzieren alle Steuerzahler die Kinder von Akademikern und Beamten. So beginnen von 100 Kindern aus einem Akademiker-Haushalt 74 ein Studium, 63 beenden es mit einem Bachelor, 45 davon mit einem Master und 10 davon mit einer Promotion. Für Kinder aus nicht-Akademiker-Haushalten ergeben sich gänzlich andere Zahlen. Von 100 Kindern aus einem nicht-Akademiker-Haushalt beginnen 21 ein Studium, 15 davon schließen es mit einem Bachelor, 8 mit einem Master und eines mit einer Promotion ab.

Hochschulen sind somit Transmissionsriemen für Akademiker-Haushalte, die sich auf Kosten der Allgemeinheit reproduzieren. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn die Ressourcen, die in Hochschulen gesteckt werden einen Mehrwert für die Gesellschaft erbringen, wenn, ökonomisch gesprochen, die an Hochschulen vermittelte Bildung die Produktivität von Studenten erhöht und sich dadurch positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Im deutschen Hochschulalltag finden sich jedoch immer häufiger Studenten, die ihr Studium als Konsumgut ansehen, das dem privaten Verbrauch dient, das also nicht als Verpflichtung denen gegenüber angesehen wird, die es finanzieren. Im Gegenteil, diese Studenten sehen ein Studium als etwas an, auf das sie ein Recht haben und haben auch kein Problem damit, Fächer zu studieren, Fächer wie Gender Studies, Whiteness-Studies, Anti-Rassismus, an manchen Standorten Soziologie und Politikwissenschaft, die reine politischen Agitationsfächer sind, von denen man annehmen muss, dass sie einen gesellschaftlichen Schaden nach sich ziehen, in jedem Fall keinen gesellschaftlichen Nutzen.

Deshalb muss einmal mehr darauf hingewiesen werden, dass es weder ein Recht auf ein Studium gibt noch ein Studium mit KEINER Verpflichtung gegenüber denen verbunden ist, die die Ressourcen aufbringen, die von Studenten und Dozenten, die von Hochschulen als solchen verbraucht werden. Wenn Eigentum verpflichtet, dann geht damit, von anderen für ein Studium finanziert zu werden, noch eine viel größere Verpflichtung einher, die eigentlich dazu führen müsste, dass Ressourcen an Hochschulen sorgsam eingesetzt und in jedem Fall nicht vergeudet werden. Sie müsste auch dazu führen, dass sich Studenten der Tatsache bewusst sind, dass sie Steuerzahlern auf der Tasche liegen, und daher die Verpflichtung haben Steuerzahlern etwas zurück zu geben.

Dieses Bewusstsein scheint nicht sonderlich weit verbreitet zu sein. Die Irrlehre der OECD, nach der mindestens 40% eines Schülerjahrgangs studieren müssen, um das ökonomische Maximum zu erreichen, hat viel zu dieser Nonchalance beigetragen, mit der Studenten die Ressourcen verbraten, die andere mühsam erarbeiten.

Das Problem, dass die falschen Personen an Hochschulen vorzufinden sind, dass ungeeignete Studenten durch ein Studium von einer „nützlichen Tätigkeit“ ferngehalten werden, dass „Stupidität, Trägheit oder Mangel der Lust und des Triebes“ zum Trotze studiert wird, hatte bereits Friedrich I von Preußen. Er hat es 1708 zum Anlass genommen, einen Aufruf gegen die Vergeudung von Ressourcen an Universitäten und die übermäßig hohe Zahl von Studenten in seinem Königreich zu erlassen.

Unter Friedrich dem Ersten hätte es keine Gender Studies und auch den anderen Unfug, der sich heute an Hochschulen breitmacht, nicht gegeben.

Manchmal wünscht man sich einen König zurück.

Wir danken einem langjährigen Leser von ScienceFiles für den Hinweis und den Aufruf.

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Gender-Kreationismus in Mainstream-Medien

Ein Kommentar von Ulrich Kutschera

Für meine Aussagen, die Gender-Irrlehre des US-Psychologen John Money (1921–2006) sei mit dem wörtlich verstandenen, auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben (Kreationismus) geistesverwandt, wurde ich heftig kritisiert.

Daher nahm ich es mit Genugtuung zur Kenntnis, dass am 13. November 2017 auf TagesspiegelCausa, ein „Debatten-Portal“, in welchem ich selbst bereits vorstellig wurde, eine Frau Judith S. Basard, Mitbegründerin der „Initiative Liberaler Feminismus“, ihren unausgegorenen Sermon preisgeben durfte.

Unter der Überschrift „Beim Thema Geschlecht lässt sich die Wissenschaft von gesellschaftlichen Vorurteilen leiten“ lesen wir mit Erstaunen den folgenden Satz: „Immer noch vertreten viele die These, das männliche oder weibliche Verhalten sei angeboren. Dafür gibt es aber bisher keine wissenschaftlichen Beweise. Vielmehr wird der Diskurs durch Vorurteile und verdrehte Fakten dominiert.“ Unter Verweis auf einen FDP-Politiker und eine Journalistin, beide ohne biowissenschaftliche Expertise, bezeichnet diese unkundige Dame die biologische Forschung als Sammlung von Mythen und Vorurteilen – objektive Fakten würden dort nicht im Vordergrund stehen, lesen wir.

Ohne auf diesen laienhaften, sprachlich wie inhaltlich defizienten Unsinn einzugehen, möchte ich in diesem Kommentar auf den Kernpunkt der „liberalen Feministin“ zu sprechen kommen. Sie behauptet, Evolutionsbiologen würden sich besonders „obskur“ verhalten. Die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen, eine der sichersten Erkenntnisse der Biologie überhaupt, wird als „Glaube“ bezeichnet – und die naive Dame wird bei diesem Naturgesetz eher an einen „christlichen Heilsplan“, und nicht an Wissenschaft, erinnert. Sie behauptet allen Ernstes, die Evolution würde als „natürliche und daher unanfechtbare Wahrheit“ gelten, und daher seien die Schlussfolgerungen bezüglich des menschlichen Verhaltens „absoluter als ein totalitäres Regime“. Am Ende ihrer Ausführungen werden die Naturwissenschaftler indirekt als Vertreter einer Sekte bezeichnet – diese „Ideologen“ würden u. a. „Biologismen“ verbreiten, wie auch an „archaische Ursprungsphantasien“ und „verstaubte Ordnungssysteme“ glauben.

Mit diesem widersinnigen Pamphlet hat unsere „liberale Feministin“ meine These bestätigt, die ich in den Fachbüchern „Evolutionsbiologie“ (2015) und „Das Gender-Paradoxon“ (2016) ausführlich begründet habe: Anhänger der (widerlegten) Moneyistischen Gender-Irrlehre sind nichts anderes als bio-naive Kreationisten, die mit den Erkenntnissen der auf Physik und Chemie basierenden Evolutionswissenschaften geistig überfordert sind. Es ist bedauerlich, dass ein Mainstream-Journal wie der „Tagesspiegel“, seinen Lesern derartig unsinnige Pamphlete zumutet. Offensichtlich ist man in der dortigen Redaktion inzwischen auch vom Gender-Kreationismus infiziert, der wie ein Krebsgeschwür immer weitere Kreise zieht, vitale Ressourcen an sich reißt und verstoffwechselt, dem Wirtskörper „Universität“ bzw. „Deutsche Wissenschaft“ weiterhin massiven Schaden zuzuführen.

Die Aktion von „ScienceFiles“, diesem sozialkonstruktivistischen Geschlechter-Spuk ein Ende zu bereiten, wird daher mit Nachdruck begrüßt.

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