“Arschloch” auch/selbst für Grüne strafbar

Er sei ein „Arschloch, [das] keiner kennt“, so das Verdikt des Mannheimer Stadtrats der Grünen, Gerhard Fontagnier, über den Landtagsabgeordneten der AfD, Rüdiger Klos.

Am 12. August haben wir unter Bezugnahme auf das Rhein-Neckar-Blog über diese Begebenheit aus der Kurpfalz berichtet.

Katja Schremb, Staatsanwältin in Mannheim, hatte am „Arschloch“ als Bezeichnung für den Landtagsabgeordneten der AfD, Rüdiger Klos, so wenig auszusetzen, dass sie zu dem Schluss gekommen ist, ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung liege nicht vor. Mit anderen Worten: Fontagniers Äußerung hat für diesen keine strafrechtlichen Konsequenzen.

Wäre Klos schwul, die Sache stünde anders, dann wäre das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung schon wegen seiner Homosexualität gegeben. Aber Klos ist nicht schwul. Pech für ihn.

Ob Staatsanwältin Schremb zu ihrer Schlussfolgerung gelangt ist, weil sie der Ansicht ist, dass die Bezeichnung „Arschloch“ für Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg generell strafrechtlich nicht zu beanstanden sei oder weil sie der Ansicht ist, dass die Bezeichung „Arschloch“, zwar für Landtagsabgeordnete, nicht aber für Landtagsabgeordnete der AfD zu beanstanden sei, ob – mit anderen Worten – hier die Ideologie die Rechtspflege überstimmt hat, ist eine (dienstrechtliche) Frage, die in Mannheim zu klären ist.

Tatsächlich gibt es dort wohl eine Vorgesetzen von Schremb, der der Ansicht ist, eine Sondergerichtsbarkeit, die Beleidigungen nach dem Adressaten und dessen zugewiesener Wertigkeit unterscheide, sei mit dem Auftrag der Rechtspflege nicht vereinbar und außerdem habe die Staatsanwaltschaft Mannheim durch der Verfolgung des unschuldigen Jörg Kachelmann schon so großen Schaden erlitten, dass es nicht weiterer Beschädigung bedürfe. Kurz: Die Strafverfolgung wegen Beleidigung gegen Gerhard Fontagnier wurde wieder aufgenommen (und wird ihren Abschluss aller Erfahrung nach in einem Strafbefehl (25 Tagessätze á 100 Euro) finden, der gegen Fontagnier erlassen wird).

Der Rhein-Neckar-Blog berichtet aktuell und will upates liefern. Wer also Lust hat, bei diesem Krimi oder Trauerspiel deutscher Rechtspflege live dabei zu sein, der hat hier die Möglichkeit dazu.

Ob die Staatsanwaltschaft Mannheim auch zu dem Schluss gekommen wäre, Rechtspflege vor ideologische Überzeugungen zu stellen, wenn wir nicht im Zeitalter des Internets leben würden, in dem z.B. Blogs das berichten, was nicht den Eingang in lokale oder überregionale Berichterstattung findet (aus welchen Gründen auch immer) und so dazu beitragen, dass so manches Gemauschel, das früher unbemerkt stattgefunden hat, nun ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird, ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten kann.

In jedem Fall wissen sie jetzt, warum Grüne das Internet nicht mögen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Elterngeld erhöht soziale Ungleichheit! Ein Erfolg für Genderisten

Wie man empirische Ergebnisse in aller ideologischen Verklärung zu etwas völlig anderem stilisieren kann als sie nun einmal sind, das kann man derzeit beim DIW sehen. Ulrike Unterhofer, Clara Welteke und Katharina Wrohlich sind derart von Genderismus verzückt, dass sie offensichtlich nicht mehr sehen, was sich in ihren Daten befindet, so sehr, dass Sie mit interpretativen Kanonen auf Ergebnisspatzen schießen.

Das Elterngeld habe soziale Normen verändert, so behaupten sie im Titel. Die Veränderung der sozialen Normen besteht darin, dass Väter zwei Wochen Elternzeit nehmen, dass Mütter mit mittleren und höheren Einkommen nach Einführung des Elterngeldes länger ihrem Arbeitsplatz fernbleiben als vorher und länger als Mütter geringeren Einkommens und dass soziale Nachzugseffekte zu beobachten sind.

Dass derartige Miniaturen der Veränderung menschlichen Verhaltens keine veränderten Normen darstellen, ist das eine, dass der überschwängliche Modus, in den Unterhofer, Welteke und Wrohlich von ihren Ergebnissen versetzt wurden, wird doch aus ihrer Sicht ihre Genderreligion im täglichen Leben relevant, ist das andere, dass die Ergebnisse von Unterhofer, Welteke und Wrohlich etwas ganz anderes zeigen, dass die drei vom DIW vor lauter Genderverzückung die Produktion sozialer Ungleichheit feiern, ist ein letztes, das Letzte, das belegt, dass es möglich ist, sich das Gehirn ideologisch zu vernebeln.

Der Reihe nach.
Wenn man finanzielle Anreize dafür setzt, dass Frauen ihrem Beruf für längere Zeit fernbleiben, dann wird dies bei denen, die es sich leisten können, dazu führen, dass sie ihrem Beruf längere Zeit fernbleiben.

Das Elterngeld setzt solche Anreize.

Entsprechend führt es dazu, dass diejenigen, die es sich leisten können, nämlich Mütter mit mittlerem und höherem Gehalt, ihrem Arbeitsplatz länger fernbleiben als Mütter mit geringerem Gehalt, die es sich eben nicht so lange leisten können, ihrem Arbeitsplatz fernzubleiben.

Mütter mit mittlerem oder höherem Gehalt werden somit durch das Elterngeld besser gestellt als Mütter mit geringerem Gehalt, es wird soziale Ungleichheit geschaffen, ganz im Sinne der Gender-Ideologie, die ja eine Ideologie von und für Mittelschichtsfrauen ist.

Da das Elterngeld, wie Unterhofer, Welteke und Wrohlich zeigen, vor allem bei Müttern mit mittlerem und höherem Gehalt dazu führt, dass sie ihrer Arbeit länger fernbleiben, produziert das also Elterngeld soziale Ungleichheit. Dass die Autorinnen dies feiern, kann man wohl nur mit der über Leichen gehenden Mentalität der meisten Genderisten erklären. Wenn es darum geht, ihre Genderphantasien durchzusetzen, nehmen sie schon einmal mehr soziale Ungleichheit in Kauf.

Dass Menschen auf finanzielle Anreize reagieren hat indes überhaupt nichts mit veränderten Normen zu tun, es ist vielmehr die Norm, mittlerweile tausendfach in entsprechenden Experimenten der Sozialpsychologie oder der Soziologie belegt. Offensichtlich haben Unterhofer, Welteke und Wrohlich davon keinen blassen Schimmer.

Dass sich die Möglichkeit, dem Arbeitsplatz mit Hilfe von Elterngeld länger fern zu bleiben, in sozialen Netzwerken (nicht Twitter oder Facebook, sondern im Bekanntenkreis bzw. unter Arbeitskollegen) herumspricht und ein Race to the Bottom auszulösen im Stande ist, ist ebenfalls keine neue Norm, sondern ein alter Hut. Dass Mütter, die unter ihren Arbeitskollegen Mütter haben, die die Gelegenheit, die das Elterngeld bietet, nämlich länger als bisher die Arbeit zu schwänzen, eher ergreifen, ebenfalls länger dem Arbeitsplatz fernbleiben als Mütter, die in ihrem Arbeitsumfeld mit Müttern konfrontiert sind, die nach kurzer Zeit wieder am Arbeitsplatz vorzufinden sind, ist so wenig überraschend wie es überraschend ist, dass bei Genderisten Doktortitel für Arbeiten vergeben werden, in denen Aussagen über den englischen Zensus auf Grundlage von Interviews mit Schotten und Iren getroffen werden.

Die Studien, in denen die Effekte sozialer Ansteckung, Nachzugseffekte oder Crowding-Effekte untersucht werden, sind Legion. Unterhofer, Welteke und Wrohlich scheinen noch nie davon gehört zu haben.

Was Unterhofer, Welteke und Wrohlich zeigen, sind keine Veränderungen von Normen, sondern die Empfänglichkeit individueller Akteure für finanzielle Anreize. Anders formuliert: Wie sich zeigt ist es mit Elterngeld möglich, Müttern eine Legitimation zu verschaffen, um ihrem Arbeitsplatz länger als ohne Elterngeldbezug fern zu bleiben. Wobei diese Legitimation vornehmlich für Mütter mit mittlerem oder höherem Gehalt geschaffen wird. Wenn man so will, zeigt die Studie, dass Mütter mit mittlerem und höherem Gehalt eher durch staatliche Subventionen käuflich sind als Mütter mit geringerem Gehalt, und sie zeigt, dass staatliche Subventionen die Ursache sozialer Ungleichheit sind.

Ob man darüber jubeln muss, ob man Normalitäten, die die Forschung seit Jahrhunderten beschreibt, zur neuen Erkenntnis aufbauschen muss und im Sinne der Genderideologie falsch, aber euphorisch interpretieren muss, sind Fragen, die man vor dem Hintergrund der Tatsache beantworten muss, dass die längere Abwesenheit vom Arbeitsplatz bei den Müttern mit mittlerem und höherem Gehalt unweigerlich dazu führt, dass ihr Humankapital verfällt, sie also nach Rückkehr in den Beruf geringere Aufstiegschancen haben als z.B. Männer, für die nach wie vor die Norm des Most Income Earners, des Haupternährers gilt und die offensichtlich für ihr Unternehmen weniger verzichtbar sind als Mütter.

Aber das sind gesellschaftliche Schäden, die bei den Adepten der Genderideologie nicht vorkommen. Ihnen ist die kollektiv-ideologische Gleichschaltung wichtiger als das gute, individuelle Leben.

Unterhofer, Ulrike, Weltekem, Clara & Wrohlich, Katharina (2017). Eltergelnd hat soziale Normen verändert. DIW-Wochenbericht 34/2017.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Hochschule: Flüchtlinge sind “gut in die Ausbildung integriert” – wirklich?

„Ich habe mich für das Thema der Ausbildung von Flüchlingen entschieden, weil es gesellschaftlich sehr relevant und aktuell ist“. Das sagt Lea Marit Nattefort über die Themenwahl ihrer Masterarbeit.

„Diese sehr gute Masterarbeit hat viele positive Beispiele für eine gelungene Integration in die Ausbildung gezeigt. Die Unternehmen sind engagiert und leisten einen erheblichen Teil zum Gelingen der Integration. Eine gelungene Integration stellt eine Win-Win-Situation für die Flüchtlinge und die Ausbildungsunternehmen und letztlich für die Gesellschaft dar“. Das sagt Dr. Lijun Tang, Beteuer der Masterarbeit von Nattefort.

Es ist natürlich vollkommener Blödsinn, im Hinblick auf die Ausbildung von Flüchtlingen von einer Win-Win-Situation zu sprechen, denn eine Win-Win-Situation ist so definiert, dass niemand verlieren kann. Ob eine Ausbildung mit einem Erfolg abgeschlossen wird, ist jedoch eine offene Frage, weshalb hier keine Win-Win-Situation vorliegt. Deshalb spricht Tang auch von einer „gelungen Integration“, was seine Aussage zur Tautologie verkümmert. Aber egal, die vielen Sätzen sind – wie in der Betriebswirtschaft so häufig -, nur dazu gedacht, in diesem Fall Lesern vorzugaukeln, man hätte etwas ganz Gewichtiges gesagt. Wer näher hinsieht, bemerkt sehr schnell, dass zwar ganz viele Worte gemacht, aber nichts gesagt wurde.

Soviel vorab, nun zur „sehr guten Masterarbeit“, die für Betreuer und Student kein Ruhmensblatt ist.

1.450 Unternehmen habe Nattefort für die Masterarbeit befragt, so die Behauptung in der Pressemeldung der Hochschule Ruhr West, die falsch ist, wie sich für diejenigen, die mit postalischen oder Online-Befragungen vertraut sind, schnell ersichtlich ist, denn: Obwohl 1.450 Unternehmen “befragt” worden sein sollen, haben nur „82 Unternehmen an der Umfrage“ teilgenommen, eine Rücklaufquote, die nicht ungewöhnlich ist“, so heißt es.

Der Begriff „Rücklaufquote“ deutet darauf hin, dass 1.450 Unternehmen angeschrieben und um die Teilnahme an der Umfrage gebeten wurden. 82 Unternehmen haben dieser Bitte entsprochen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 5,7% und ist unterirdisch schlecht und in jedem Fall ungewöhnlich. Das Minimum an Rücklaufquote, das man noch erträglich ist, beträgt 20%, nicht 5,7%. Don Dillman der Sozialwissenschaftler auf dem Papststuhl schriftlicher Befragung hat mit seiner „Tailored Method“ eine umfangreiche Methodologie vorgelegt, die dazu gedacht ist, miserable Rücklaufquoten, die dazu führen, dass man seine Umfrage in den Mülleimer werfen kann, zu vermeiden. Es scheint, Dillmans Methode ist in Mülheim an der Ruhr oder in Bottrop an der Ruhr West Hochschule nicht angekommen. Rücklaufquoten werden dort offensichtlich als schicksalhaftes Ereignis angesehen, an dem man nichts ändern kann.

Als Konsequenz aus der unterirdisch schlechten Rücklaufquote von 82 aus 1.450 muss man formulieren, dass die vielen positiven Beispiele von Unternehmen, die Lijun Tang aus der Masterarbeit herausgelesen hat, positive Beispiele sein mögen, aber keinerlei wissenschaftlichen Wert haben.

Warum?
Darum:

Wenn 1.450 Unternehmen zum Thema „Besonderheiten in der Ausbildung von Flüchtlingen“ angeschrieben werden, und 5,7% davon, also 82 überhaupt nur die Motivation aufbringen, das Anschreiben zu beantworten und an einer Umfrage teilzunehmen, dann muss man daraus Folgendes schließen:

1) Der Gegenstand der Befragung ist für 1.368 Unternehmen entweder gar nicht relevant oder nicht hinreichend relevant, um Mitarbeiterressourcen einzusetzen und an der Umfrage teilzunehmen, was ebenfalls dafür spricht, dass das Thema von höchstens geringer Bedeutung ist.

2) Geringe Bedeutung hat der Befragungsgegenstand dann, wenn die angeschriebenen Unternehmen keine Flüchtlinge ausbilden, keine Flüchtlinge ausbilden wollen oder keine guten Erfahrungen mit der Ausbildung von Flüchtlingen gemacht haben und ihre schlechten Erfahrungen in der Umfrage nicht berücksichtigt finden. Letzteres wäre ein gravierender methodischer Fehler, der dann vorkommt, wenn man unbedingt positive Ergebnisse ermitteln will.

3) Die 82 Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, stellen eine selegierte Population dar, von der man annehmen muss, dass sie sich aus besonders motivierten Teilnehmer zusammensetzt, d.h. NUR Unternehmen, bei denen es etwas Positives über die Ausbildung von Flüchtlingen zu berichten gibt, hätten überhaupt an der Befragung teilgenommen.

Die folgenden Ergebnisse wollen Student und Betreuer aus der Befragung von 82 der 1.450 Unternehmen gewonnen haben:

  • Flüchtlinge seien gut integriert;
  • Die Unternehmen bewerteten ihre kulturellen Kompetenzen, also die des Unternehmens, als gut;
  • Den Flüchtlingen werde eine hohe Anpassungsfähigkeit attestiert;
  • Den Flüchtlingen werde eine hohe Leistungsbereitschaft attestiert;
  • Als Einstellungsgrund für die Flüchtlinge gäben die Unternehmen „gesellschaftliche Verantwortung“ und das Fehlen „qualifizierter (deutscher Bewerber)” an.

Wie man diese Ergebnisse positiv bewerten kann, ist uns ein Rätsel.
Zunächst einmal gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die 82 Unternehmen, die eine positive Selektion darstellen, also keine negativen Erfahrungen mit Flüchtlingen berichten wollen, schon weil sie deren Einstellung als „gesellschaftliche Verantwortung“ sehen, nicht mit einer positiven Selektion von Flüchtlingen gesegnet sind, also mit Flüchtlingen, die leistungsbereit und anpassungsfähig sind. Dass derart positive Attribute nicht auf alle Flüchtlinge zutreffen, sagt einem der gesunde Menschenverstand und die Tatsache, dass es 94,3% der angeschriebenen Unternehmen vorgezogen haben, ihre Erfahrungen mit der Einstellung von Flüchtlingen nicht mitzuteilen. Wenn zudem angegeben wird, dass Flüchtlinge deshalb eingestellt wurden, weil kein „qualifizierter (deutscher) Bewerber“ vorhanden war, dann steht das in gewissem Widerspruch zur angeblichen Übernahme “gesellschaftlicher Verantwortung” und man fragt sich, ob die Einstellung auch erfolgt wäre, wenn ein deutscher Bewerber, mag er auch noch so schlecht sein, verfügbar gewesen wäre.

Kurz: Die Ergebnisse der Masterarbeit sind nicht dazu geeignet, verallgemeinert zu werden oder gar als „gute Beispiele“ anderen Unternehmen vorgesetzt zu werden. Im wahrscheinlichsten Fall wurden hier 82 Unternehmen befragt, deren Erfahrungen mit Flüchtlingen eine Ausnahme darstellt und die zudem eine positive Auswahl von Flüchtlingen, hochmotivierte und anpassungsfähige Flüchtlinge, ausbilden.

In jedem Fall geht Sozialforschung anders und in jedem Fall ist es unlauter nur deshalb, weil das Thema „Flüchtlinge“ gerade in der Öffentlichkeit en vogue ist, zu versuchen, die eigene Hochschule und die eigenen Fachbereiche auf dem Rücken von Flüchtlingen zu bewerben. Derartige Versuche sind nicht nur unlauter, sie sind dann peinlich, wenn ein Blick genügt, um methodische Katastrophen zu entdecken, die einmal mehr die Notwendigkeit einer grundlegenden Ausbildung in Methoden empirischer Sozialforschung deutlich macht.

Es ist eben nicht so, dass jeder, der denkt, ein Thema sei „relevant“, „aktuell“ und „interessant“ auch die Qualifikation mitbringt, dieses Thema empirisch zu untersuchen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Nationaler Sozialismus: Wie aus Marxisten Nationalisten werden [ScienceFiles-Rätsel]

Der folgende Text ist uns heute wieder begegnet, nach rund 20 Jahren zum ersten Mal wieder. An Aktualität hat er nichts eingebüßt, obwohl er eher ein alter Text ist, geschrieben in einer Zeit, in der in Deutschland diejenigen Konjunktur hatten, die keinerlei Zweifel daran haben, im Recht zu sein. Der Text steht am Ende einer kleinen Abhandlung, in der der Autor sich mit dem Parlamentarismus befasst. Notwendig kommt er dabei bei den kommunistischen und sozialistischen Feinden jeglichen Parlamentarismus‘ an.

Was viele heute nicht mehr wissen oder nicht mehr wissen sollen: Alle Sozialistischen Parteien sind als Feinde der Demokratie und vor allem des ihnen verhassten britischen Parlamentarismus gestartet. Manche haben sich von diesem Ausgangspunkt etwas entfern, andere gar nicht. Ihre Rhetorik verrät sie, zeigt sich doch die Aktualität von fixen Ideen eines Klassenkampfes in ihren Köpfen, jenes Klassenkampfes, von dem sich einige Ewiggestrige immer noch erhoffen, dass er in die Diktatur des Proletariats führt.

Auch das war einst das Ziel sozialistischer Parteien: Die Diktatur des Proletariats, an deren Spitze die Avantgarde der Arbeiterklasse, die natürlich nicht aus Proletariern, sondern aus Vertretern der mittellosen Mittelschicht bestückt zu sein hat, steht. Das Mittel, um die Diktatur des Proletariats zu erreichen, war dabei immer Gewalt. Und die Rechtfertigung für die Gewalt erfolgte über eine Mythenbildung, die man heute als Hate Speech bezeichnen würde. Unser Autor hat diese Mythenbildung zum Gegenstand:

“Die große psychologische und geschichtliche Bedeutung der Mythentheorie kann gar nicht geleugnet werden. Auch die mit den Mitteln Hegelischer Dialektik unternommene Konstruktion des Bourgeois hat dazu gedient, ein Bild von einem Gegner zu schaffen, auf das alle Affekte von Hass und Verachtung sich häufen konnten. Ich glaube, die Geschichte dieses Bildes vom Bourgeois ist ebenso wichtig wie die Geschichte des Bourgeois selbst. Eine zuerst von Aristokraten geschaffene Spottfigur wird im 19. Jahrhundert von romantischen Künstlern und Dichtern weitergeführt. Seitdem die Wirkung von Stendhal sich verbreitet, verachten alle Literaten den Bourgeois, auch wenn sie von ihm leben oder wenn sie zur Lieblingslektüre eines bürgerlichen Publikums werden, wie Murger mit seiner Bohème. Wichtiger als solche Karikaturen ist der Hass sozial deklassierter Genies, wie Baudelaire, der dem Bild neues Leben gibt. Diese in Frankreich von französischen Autoren angesichts des französischen Bourgeois geschaffene Figur stellen Marx und Engels in die Dimensionen einer weltgeschichtlichen Konstruktion. Sie geben ihr die Bedeutung des letzten Repräsentanten der vorgeschichtlichen, in Klassen zerteilten Menschheit, des letzten Feindes der Menschheit überhaupt, des letzten odium generis humani. So wurde das Bild unendlich erweitert und mit einem großartigen, nicht nur weltgeschichtlichen, sondern auch metaphysischen Hintergrund nach dem Osten weitergetragen. Hier konnte es dem russischen Hass gegen die Kompliziertheit, Künstlichkeit und den Intellektualismus westeuropäischer Zivilisation neues Leben geben und von ihm selber neues Leben empfangen. Auf russischem Boden vereinigten sich alle Energien, die dieses Bild geschaffen hatten. Beide, der Russe wie der Proletarier, sahen jetzt im Bourgeois die Inkarnation alles dessen, was wie ein tödlicher Mechanismus ihre Art Leben zu knechten suchte.

Das Bild war von Westen nach Osten gewandert. Hier aber bemächtigte sich seiner ein Mythos, der nicht mehr rein aus Klassenkampfinstinkten wächst, sondern starke nationale Elemente enthält. Sorel hat, als eine Art Testament, der letzten Auflage seiner Reflexionen über die Gewalt 1919 eine Apologie für Lenin beigefügt. Er nennt ihn den größten Theoretiker, den der Sozialismus seit Marx gehabt hat und vergleicht ihn als Staatsmann mit Peter dem Großen, nur dass heute umgekehrt nicht mehr ein westeuropäischer Intellektualismus Russland sich assimiliert, vielmehr umgekehrt die proletarische Gewaltanwendung hier mindestens eines erreicht hat, nämlich dass Russland wieder russisch geworden ist, Moskau wieder die Hauptstadt, und dass die europäisierte, ihre eigenes Land verachtende russische Oberschicht vernichtet wurde. Die proletarische Gewaltanwendung hat Russland wieder moskowitisch gemacht. Im Munde eines internationalen Marxisten ist das ein merkwürdiges Lob, denn es zeigt, dass die Energie des Nationalen größer ist als die des Klassenkampfes“.

Unser Autor hat nicht nur die Synergie von Sozialismus und Gewalt klar gesehen, er hat auch bereits die Funktionsweise von Linken, die ohne ein Feindbild, jemanden, den sie hassen können, den Bourgeois damals, den Rechtspopulisten oder den Kapitalisten heute, nicht auskommen, nichts sind, prägnant beschrieben, und er hat bereits darauf hingewiesen, dass Nationalismus und Sozialismus nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern notwendig eine Symbiose eingehen, zum nationalen Sozialismus russischer, französischer oder deutscher Prägung.

Wer ist der klarsichtige Autor, dessen Beschreibung wir hier entliehen haben?

Der gesuchte Autor ist:

View Results

Loading ... Loading ...

„Haftanstalten sind Fachhochschulen für [islamistische] Terroristen“ – Uninformiertes Gutmenschen Geschwätz

Zwei Bedingungen vorweg: Sie dürfen keine Ahnung und keine Scheu davor haben, ihre Ahnungslosigkeit in die Welt zu posaunen.
Dann steht ihrer Karriere als Journalist scheinbar nichts mehr im Weg.

Die derzeit drängendste Frage, die u.a. beim Tagesspiegel und beim Deutschlandfunk diskutiert wird, lautet: Meinen islamistische Terroristen es ernst mit ihrer Ideologie oder bringen sie andere Menschen „nur“ deshalb um, weil sie gestörte Persönlichkeiten sind, die in eine Therapie gehören, nicht so sehr ins Gefängnis?

Beim Deutschlandfunk hat gerade Caroline Fetscher, von der wir nicht wissen, was, wenn es etwas gibt, sie dazu befähigt, Aussagen darüber zu machen, was man mit Straftätern (Terroristen zählen als solche) tun soll, ihre entsprechende Meinung kund getan und damit gezeigt, dass Sie nicht weiß, wovon sie spricht.

O-Ton Deutschlandfunk:

“Wenn man jetzt alle inhaftiert, hat man gemerkt, die Haftanstalten sind Fachhochschulen für Terroristen. Die kommen dann irgendwann raus und haben sich noch mehr radikalisiert.” Fetscher zufolge kann man zum Beispiel über Therapien in der Haft gegensteuern, indem man “anders arbeitet, anders nachfragt und die nach der Haftentlassung entstehende Phase dadurch deradikalisieren kann”.

Seit mehreren Jahrzehnten gibt es die Kriminologie als wissenschaftliches Fach. Warum eigentlich, wenn jeder Redakteur des Tagesspiegels meint, er könne einfach seinen uninformierten Senf zu Dingen verbreiten, von denen er keine Ahnung hat.

Zunächst einmal: Die Inhaftierung von Straftätern dient nicht in erster Linie dazu, ein Heer von sozialen Aktivisten auf die entsprechenden Straftäter loszulassen, um ihre Haftbedingungen erträglicher zu machen, sondern dazu, diejenigen, die nicht in Haftanstalten sind, vor denen, die drinnen sind, zu schützen. Bei Terroristen macht das einigen Sinn, da deren Bemühen darauf ausgerichtet ist, so viele Menschen wie nur möglich über den Jordan zu befördern. Sitzen Sie im Knast, können sie ihrer Mordlust nicht frönen. Man nennt das Spezialprävention.

Der Versuch Inhaftierte zu resozialisieren ist eine Zugabe, die man bei den Straftätern in Angriff nehmen kann, bei denen eine Aussicht auf Erfolg besteht (Das sind in der Regel Jugendliche, die ihren Schulabschluss nachholen und ggf. eine Berufsausbildung absolvieren, je nach Haftdauer). Resozialisierung setzt übrigens voraus, dass vor dem delinquenten Verhalten eine irgend geartete sozialverträgliche Form von Sozialisierung stattgefunden hat. Bei Terroristen muss man eine entsprechende, normale Form von Sozialisierung eher bezweifeln als annehmen.

Nun weiß niemand, ob bei islamistischen Terroristen überhaupt eine Chance besteht, sie zum mordlosen Leben zu bekehren. Und niemand weiß, ob sich Terroristen in Haft weiter radikalisieren, ob sie im Gefängnis zu noch besseren Terroristen werden als sie das außerhalb von Haftanstalten bislang waren. Dazu gibt es einfach keine Daten. Man fragt sich auch, worin die Veredelung terroristischer Kenntnisse besteht, die Fetscher für Terroristen in Haftanstalten vorschwebt, damit Letztere als „Fachhochschulen für Terroristen“ durchgehen können. Worin soll die zusätzliche Radikalisierung von Terroristen bestehen? Nehmen wir Anders Breivig, um nicht immer auf Islamisten herumzuhacken. Worin bestünde seine weitere Radikalisierung? Kann man sich eine Radikalisierung eines Massenmörders vorstellen?

Wir nicht.
Caroline Fetscher schon. Sie kann sich sogar vorstellen, dass man Terroristen therapieren kann. Es gibt nicht eine einzige Studie, die belegen würde, dass das funktioniert, aber Fetscher glaubt, dass das geht. Sie „findet“ es „völlig legitim“ bei islamistischen Terroristen, „nach psychischen Ursachen genauso wie nach ideologischen zu suchen“.

Manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.
Wenn ein Bankräuber einen Bankangestellten erschießt, um schneller an das Geld, wegen dem er in erster Linie die Filiale aufgesucht hat, zu kommen, dann ist dies für ihn eine rationale Handlung, die man auch als Außenstehender rational erklären kann.

Wenn ein Islamist oder ein anderer Überzeugter zum – um einmal die ZEIT zu zitieren – fanatischen Lieferwagenfahrer wird und mehr als ein Dutzend Menschen tötet, dann ist das nichts, was man rational erklären kann. Ein solcher Mensch ist qua definitionem nicht normal und eine Gefahr für andere. Deshalb muss man ihn aus dem öffentlichen Leben entfernen. Die Frage, ob er psychisch oder ideologisch gestört ist, stellt sich entsprechend nicht, denn die Antwort ist offensichtlich. Wäre er es nicht, er hätte nicht mehr als ein Dutzend Menschen getötet. Und noch einmal, ein solcher Mensch ist eine Gefahr für andere Menschen. Entsprechend ist es das wichtigste, andere Menschen vor ihm zu schützen, im Zweifel durch Sicherheitsverwahrung im Anschluss an eine verbüßte Haftstrafe.

Solange kein Therapeut die Garantie dafür übernimmt, dass von ihm therapierte Terroristen zu Gesundheitsaktivisten geworden sind, so lange sollten die entsprechenden und für Steuerzahler sehr teuren Versuche, Islamisten auf die Couch zu legen und über die Erlebnisse ihrer Kindheit erzählen zu lassen, unterbleiben. Selbst Fetscher wird irgendwann einsehen müssen, dass man nicht jeden Menschen zum Guten bekehren kann, oder wie Fox Mulder sagt:

Some killers are products of society. Some act out past abuses. Boggs kills because he likes it.

Ob Caroline Fetscher auch dafür plädiert hätte, die psychischen und ideologischen Ursachen zu erkunden, die Heinrich Himmler oder Reinhard Heydrich zu Massenmördern haben werden lassen. Oder hätten die beiden die falsche Ideologie gehabt?

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar