Fanatische Lieferwagenfahrer: Das I-Wort und die deutsche Debiligentia

Alle Kommentare aus der ScienceFiles-Redaktion zum Text, den Vanessa Vu in der ZEIT veröffentlicht hat, mussten an dieser Stelle zensiert werden.

Die Antwort ist Europa“, so der Titel des Textes von Vanessa Vu.
Was war noch einmal die Frage?
Die europäische Antwort steht in der ZEIT-Kategorie: „Terrorismus in Europa“.
Für uns steht der Text von Vu unter den Kategorien „Deutsche Debiligentia“ und „I-Wort“.

Zunächst zur deutschen Debiligentia:

„Nizza, London, Berlin – und jetzt auch Barcelona: die Zahl der europäischen Länder, die zum Angriffsziel fanatischer Lieferwagenfahrer geworden sind, wird immer größer. Glaubt man der Propaganda, die die ideologischen Hintermänner der Attentäter verbreiten, dann galt der Angriff Europa – und zwar nicht dem Europa der Banken- und Währungsunion, dem Europa der vielen Nationalstaaten oder dem Brexit-Europa. Sie griffen das Europa an, das demokratisch, pluralistisch, offen und tolerant sein will. Das Europa, das gerade in seinen großen Städten diese Werte offensiv lebt. Das Fundament Europas.”

1)
Fanatische Lieferwagenfahrer sind Fahrer von Lieferwagen, die nichts lieber tun als Lieferwagen zu fahren. Zeitweise fahren sie dann, vor lauter Begeisterung, in Menschenmengen. So Vu.

2)
Wenn das Angriffsziel, wie es Vu von den „ideologischen Hintermännern der fanatischen Lieferwagenfahrer“ erfahren haben will, NICHT das Europa „der Banken- und Währungsunion … der vielen Nationalstaaten oder das „Brexit-Europa“ ist, sondern …, dann folgt daraus:
2a) Richtete es sich gegen das Europa der Bankenunion, das Brexit-Europa usw., dann wäre das für Vu in Ordnung.
2b) Die Hintermänner wären keine Hintermänner, denn Vu kennt sie angeblich.
2c) Wir müssen ein Europa der Bankenunion bilden, denn bislang gibt es noch kein Europa der Bankenunion, nur eine Bankenunion in der EU.
2d) Wir müssen ein Europa der Währungsunion gründen, denn bislang gibt es nur die kleine Eurozone.

Die DDR hatte Deutschland etwas voraus: Dort gab es angeblich eine „Intelligentia“. In Deutschland gibt es scheinbar nur noch eine Debiligentia.

Diese Debiligentia hat ein Problem mit dem I-Wort, nein, nicht mit Idiot, mit Islamismus.

Weil man in der Debiligentia nicht schreiben darf, dass es Muslime gibt, die sich in Lieferwagen oder Lkws setzen und Menschen, die sie nicht kennen, niedermähen, deshalb kommen so idiotische Aussagen zustande wie: „fanatische Lieferwagenfahrer“. Deshalb werden „ideologische Hintermänner“ ins Spiel gebracht, ohne deren „Ideologie“ beim Namen zu nennen. Deshalb kommen Islamisten nur ein einziges Mal, und zwar als „nicht gewaltbereite Islamisten“ in einem Text vor, in dem es um einen islamistischen Terroranschlag geht.

Die deutsche Debiligentia hat ein Problem mit der Wirklichkeit. In der Wirklichkeit gibt es Muslime, die den Islam dafür missbrauchen, eine Legitimation für ihre eigene Mordlust zu schaffen. Ja tatsächlich: Es gibt schlechte Muslime. Schlimmer noch: Etliche dieser mordlustigen Muslime sind als Flüchtlinge in Europa verteilt worden. Es gibt nicht nur schlechte Muslime, gefährliche Muslime, es gibt sie auch unter Flüchtlingen. 

Ganze linke Lebenslügen stürzen zusammen, wenn sie gezwungen sind, diese Realität anzuerkennen. Dabei waren sie gerade so sehr im Geiste des Orientalismus und der Verherrlichung des edlen Wilden unterwegs. Nun, edle Wilde setzen sich nicht in Lieferwagen und fahren ihnen unbekannte Menschen über den Haufen. Das machen nur Kriminelle, das machen Mörder. Es gibt auch, selbst unter Muslimen Mörder – und unter Flüchtlingen.

Islamismus ist die Ideologie, unter deren Dach diese Mörder ihre Legitimation finden. Da hilft es nichts, wenn man wie Vu versucht, das I-Wort zu vermeiden und so zu tun als würden urplötzlich Menschen radikalisiert, von irgendeiner Ideologie und in Lieferwägen steigen, um von „ideologischen Hintermännern“ gesteuert, Menschen nieder zu mähen.

Der Kollateralschaden dieser linken Lebenslüge, die tatsächlich glaubt, man könne mit Integration und „Anti-Radikalisierungsprogrammen“ „fanatische Lieferwagenfahrer“ verhindern, ist beträchtlich.

Weil die Debiligentia sich dagegen sperrt, die Diskussion über die relevanten Dinge zu führen, nämlich darüber, dass man „fanatische islamistische Lieferwagenfahrer“ als Flüchtlinge nach Europa gekommen sind und nun darauf warten, einen Lieferwagen mieten zu können, ausfindig machen und daran hindern muss, fanatisch Lieferwagen zu fahren, deshalb fahren weiterhin “fanatische Lieferwagenfahrer” Lieferwagen und berufen sich dabei auf den Islam.

Weil die deutsche Debiligentia diese Diskussion verweigert, ist es Muslimen, die nichts mit „fanatischen Lieferwagenfahrern“ gemeinsam haben, unmöglich sich voN Gewalt und Mord angeblich im Namen von Allah zu distanzieren, eine Grenze zwischen sich und denen zu ziehen, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen.

Weil die deutsche Debiligentia diese Diskussion verweigert, bleiben die Opfer der fanatischen Lieferwagenfahrer anonym, wird ihnen jede Empathie verweigert, werden sie zu den Objekten die im Kampf “fanatischer Lieferwagenfahrer” gegen das freie Europa auf der Strecke, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Strecke geblieben sind.

Von Leuten wie Vu haben diese Kollateralschäden am Rande der Fahrstrecke “fanatischer Lieferwagenfahrer” sicher kein Mitgefühl zu erwarten. Leute wie Vu sorgen vielmehr dafür, dass man ein Deja Vu hat, denn Zeiten, in denen die Realität nicht als solche benannt werden durfte, in denen man sich öffentlich gescheut hat, Dinge beim Namen zu nennen und es eine Debiligentia gab, die sich darin gefallen hat, alles Mögliche ideologisch auszuschlachten, um nur nicht über die Realität sprechen zu müssen, sind in Deutschland nicht neu.

Dass Vu glaubt, ausgerechnet Hannah Arendt in ihrem Artikel missbrauchen zu können, ist dann wohl auch nur eine Wiederkehr der Banalität des Bösen.

Zensur aus dem Hinterhalt: Wie Deutsche bevormundet und manipuliert werden

Die beste Zensur ist die Zensur, die niemand bemerkt. Warum wundert es uns nicht, dass diese Form, die man wohl als hinterhältige oder als feige Form der Zensur bezeichnen muss, in Deutschland die Zensur der Wahl ist.

Diese Zensur funktioniert so, dass bestimmte missliebige Internetseiten von sogenannten Providern, die keine Provider sind, weil sie Service nicht bereitstellen (to provide), sondern verhindern, gesperrt werden, weil sie sich zu Handlangern derer machen, deren Lebenssinn darin besteht, anderen vorzuschreiben, was sie zu lesen haben und was nicht, wo sie sich zu informieren haben und wo nicht, welche Informationen sie dazu benutzen dürfen und welche nicht.

Wenn man die Fähigkeit von Einzelnen, (a) die Informationen nachzufragen, die sie nachfragen wollen, (b) die Quellen zu benutzen, die sie benutzen wollen und c) ungehinderten und freien Zugang zu allen möglichen Quellen für Informationen zu haben, als Kriterien für eine freie Gesellschaft, für eine offene Gesellschaft definiert, dann folgt daraus, dass Deutschland keine freie Gesellschaft und schon gar keine offene Gesellschaft ist. Deutschland ist eine Gesellschaft der kleinen oder großen Zensierenden, derer, die sich gemein machen mit dem großen Ziel, die Bevölkerung zu manipulieren, zu indoktrinieren und nur mit den Informationen zu versorgen, die der politischen Klasse genehm sind.

Dass diese Zensur nicht offen, sondern im Geheimen, dass sie hinterhältig und ohne Wissen der Betroffenen erfolgt, dass diejenigen, die sie durchführen, keinerlei öffentlicher Kontrolle unterliegen und es deshalb möglich ist, Deutsche von Informationen abzuschneiden, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, dass der Jugendschutz als Vorwand benutzt wird, um diese hinterhältige Form der Zensur zu betreiben, das sind alles offene Geheimnisse. Dass die meisten Deutschen sich nicht dagegen wehren, es sich nicht verbieten, von Unbekannten am freien Zugang zu Informationen gehindert zu werden, ist ebenso bekannt.

Ausgerechnet Hadmut Danisch, dessen Seite man nun wirklich nicht vorwerfen kann, etwas anderes als Informationen, die zwar nicht politisch korrekt sind, aber in der Regel prüfbar, bereitzustellen ist zunehmend von der beschriebenen hinterhältigen Art der Zensur betroffen. Wie Herr K. im Prozess von Franz Kafka, gibt es das gesichtslose Böse, das in Verwaltungsstuben wirkt. Ohne Angabe von Gründen, ohne Angabe von Belegen, niemandem verantwortlich, wird zensiert, wird sich gemein gemacht, angedient, wird die offene Gesellschaft jeden Tag aufs Neue beschädigt und der totale Staat, der vollständige Kontrolle über seine Bürger und ihre Informationsquellen ausübt, durchzusetzen versucht.

Das Erschreckende daran ist, dass die Menge derer, die sich am Zensurwerk beteiligen, längst nicht nur den Staat und seine Diener umfasst. Auch Unternehmen wie Vodafone beteiligen sich daran, die Bevölkerung von Informationen abzuschneiden: Sie betreiben Zensur, eine Zensur, der man nur dadurch entgehen kann, dass man die entsprechenden Nicht-Anbieter, die entsprechenden Zugangsverhinderer boykottiert.

Hadmut Danisch hat die folgende eMail von einem seiner Leser erhalten:

„Vielleicht ist es Ihnen ja bereits bekannt, aber Ihre Webseite wird von Vodafone als jugendgefährdent eingestuft. Aus welchem Grund ist mir auch nicht klar, aber es ist so, dass beispielsweise an allen Universitäten in Bayern, an denen ein öffentlich zugängliches WLAN-Netz existiert (BayernWLAN), Ihre Seite gesperrt ist.“

Das ist die hinterhältige, verschlagene Zensur, die an Franz Kafka erinnert. Irgendwer entscheidet irgendwo darüber, dass Hadmut Danischs Seite gesperrt wird. Wegen Jugendschutz. Warum auch nicht? Niemand fragt. Niemand fragt nach den Belegen dafür, dass Danisch gegen den Jugendschutz verstößt. Niemand zieht die geheimen Zensierer zur Rechenschaft, niemand macht ihnen den Prozess. Die meisten Leser von Hadmut Danisch sind nicht empört. Andere, denen an einem unzensierten Zugang zu Informationen gelegen ist, sind auch nicht empört. Nein, eine eMail an Hadmut Danisch ist die Reaktion der Wahl, verbunden mit der unausgesprochenen Aufforderung, sich doch darum zu kümmern, dass der anonyme Zensierer von Vodafone, ja was eigentlich?

Hadmut schreibt zu der Information, die ihn erreicht hat:

„Ich sehe das zwar schon irgendwo, aber nicht primär als mein Problem an. Man sollte sich bei seinem Provider beschweren. Das ist nämlich eigentlich ein strafbarer Eingriff in das Post- und Fernmeldegeheimnis, wenn der Provider kontrolliert, welche Webseiten man anschaut. Die haben oberhalb von Schicht 3 (IP) eigentlich darin überhaupt nichts herumzusuchen, schon gar keine Deep Packet Inspection oder sowas zu treiben.“

Recht hat er. Wenn es für diejenigen, die auf eine derartige Zensur stoßen, nicht selbstverständlich ist, sich bei demjenigen, der ihre Freiheit durch Zensur einschränkt, beim Täter, zu beschweren, was soll man dann als Betreiber eines kostenlosen Angebots im Internet tun? Sich selbst darum kümmern? Letzteres müsste ein Betreiber dann tun, wenn das Angebot, das ihm wegzensiert wird, seinen Lebensunterhalt begründen würde. Das ist aber nicht der Fall, denn das Angebot ist nicht nur umsonst, es wird auch als Hobby bereit gestellt. Folglich sind diejenigen, die ein Interesse daran haben, auch Informationen zu lesen, die nicht dem Mainstream entspechen und die Parteien und Politiker und Zensierer aller Couleur gerne verstecken oder beseitigen würden, aufgerufen, für ihre Freiheit, ihre Informations- und Redefreiheit zu kämpfen. Solange Vodafone nicht mit Beschwerden dazu bombardiert wird, dass sich der „Provider“ anmaßt, darüber zu entscheiden, was seine Nutzer sehen können und was nicht, wird sich nichts ändern. Erst wenn Vodafone und all die anderen Zugangsverhinderer mit erheblichem Verlust an Reputation, weil sie sich zum willfährigen Zensurdiener machen, rechnen müssen und mit erheblichen Einbußen im Umsatz, weil Kunden lieber zu Providern gehen, die auch unzensierten Zugang bereitstellen, so lange wird sich nichts ändern und so lange haben die Zensierer im Hintergrund leichtes Spiel.

Bleibt abschließend noch der Treppenwitz: In Deutschland gibt es Personen, die niemand kennt, die aufgrund von Kriterien, die sie geheimhalten und aufgrund von vermeintlichen Belegen, die sie nicht vorweisen wollen, Internetseiten sperren bzw. als jugendgefährdend einordnen. Das ist noch nicht der Witz. Das ist der Witz: Es gibt Deutsche, die denken, Deutschland sei eine Demokratie.

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Politiker! Arschlöcher! Untermenschen! Die Gei(s)sel des Berliner Senats

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was einen Politiker auszeichnet? Welche Qualitäten und Qualifikationen er aufweisen muss, um als Politiker gelten zu können? Sicher, heute kann fast jeder Politiker werden. Irgendeine Quote bringt noch den zuletzt Geeigneten auf ein Pöstchen. Aber das heißt nicht, dass man den Anspruch, den man an Politiker eigentlich haben muss, angesichts des Politikermaterials, mit dem man täglich konfrontiert ist, aufgeben muss.

Was also sind die Qualitäten, die einen Politiker auszeichnen sollen? Max Weber hat sich diese Frage gestellt: 1919 zu Beginn der Weimarer Republik hat er sich diese Frage gestellt und wie folgt beantwortet:

„Man kann sagen, dass drei Qualifikationen vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft, Verantwortungsgefühl, Augenmaß. Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit: leidenschaftliche Hingabe an eine ‚Sache‘, an den Gott oder Dämon, der ihr Gebieter ist. Nicht im Sinne jenes inneren Gebaren, welches mein verstorbener Freund Georg Simmel als ‚sterile Aufgeregtheit‘ zu bezeichnen pflegte, wie sie einen bestimmten Typus vor allem russischer Intellektueller (nicht etwa: allen von ihnen!) eignete, und welches jetzt in diesem Karneval, den man mit dem stolzen Namen einer ‚Revolution‘ schmückt, eine so große Rolle auch bei unseren Intellektuellen spielt: eine ins Leere verlaufende ‚Romantik des intellektuell Interessanten‘ ohne alles sachliche Verantwortungsgefühl. Denn mit der bloßen, als noch so echt empfundenen, Leidenschaft ist es freilich nicht getan. Sie macht nicht zum Politiker, wenn sie nicht, als Dienst an einer ‚Sache‘ auch die Verantwortlichkeit gegenüber ebendieser Sache zum entscheidenden Leitstern des Handelns macht. Und dazu bedarf es – und das ist die entscheidende psychologische Qualität des Politikers – des Augenmaßes, der Fähigkeit, die Realität in innerer Sammlung und Ruhe auf sich wirken zu lassen, also: der Distanz zu den Dingen und Menschen. ‚Distanzlosigkeit‘, rein als solche, ist eine der Todsünden jedes Politikers und eine jener Qualitäten, deren Züchtung bei dem Nachwuchs unserer Intellektuellen sie zu politischer Unfähigkeit verurteilen wird. Denn das Problem ist eben, wie heiße Leidenschaft und kühles Augenmaß miteinander in derselben Seele zusammengezwungen werden können? Politik wird mit dem Kopfe gemacht, nicht mit anderen Teilen des Körpers oder der Seele. Und doch kann die Hingabe an sie, wenn sie nicht ein frivoles intellektuelles Spiel, sondern menschlich echtes Handeln sein soll, nur aus Leidenschaft geboren und gespeist werden. Jene starke Bändigung der Seele aber, die den leidenschaftlichen Politiker auszeichnet und ihn von dem bloßen ‚steril aufgeregten‘ politischen Dilettanten unterscheidet, ist nur durch die Gewöhnung an Distanz – in jedem Sinne des Wortes – möglich. Die ‚Stärke‘ einer politischen Persönlichkeit bedeutet in allererster Linie den Besitz dieser Qualitäten.

Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich in sich zu überwinden, die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz sich selbst gegenüber.

Eitelkeit ist eine sehr verbreitete Eigenschaft, und vielleicht ist niemand ganz frei davon. Und in akademischen und Gelehrtenkreisen ist sie eine Art Berufskrankheit. Aber gerade beim Gelehrten ist sie, so antipathetisch sie sich äußern mag, relativ harmlos in dem Sinn: dass sie in aller Regel den wissenschaftlichen Betrieb nicht stört. Ganz anders beim Politiker: Er arbeitet mit dem Streben nach Macht als unvermeidlichem Mittel. ‚Machtinstinkt‘ – wie man sich auszudrücken pflegt – gehört daher in der Tat zu seinen normalen Qualitäten. – Die Sünde gegen den heiligen Geist seines Berufs aber beginnt da, wo dieses Machstreben unsachlich und ein Gegenstand rein persönlicher Selbstberauschung wird, anstatt ausschließlich in den Dienst der ‚Sache‘ zu treten. Denn es gibt letztlich nur zwei Todsünden auf dem Gebiet der Politik: Unsachlichkeit und – oft, aber nicht immer, damit identisch – Verantwortungslosigkeit. Die Eitelkeit, das Bedürfnis, selbst möglich sichtbar in den Vordergrund zu treten, führt den Politiker am stärksten in Versuchung, eine von beiden oder beide zu begehen. Um so mehr, als der Demagoge auf ‚Wirkung‘ zu rechnen gezwungen ist, – er ist eben deshalb stets in Gefahr, sowohl zum Schauspieler zu werden wie die Verantwortung für die Folgen seines Tuns leicht zu nehmen und nur nach dem ‚Eindruck‘ zu fragen, den er macht. Seine Unsachlichkeit legt ihm nahe, den glänzenden Schein der Macht statt der wirklichen Macht zu erstreben, seine Verantwortungslosigkeit aber: die Macht lediglich um ihrer selbst willen ohne inhaltlichen Zweck zu genießen. Denn obwohl oder vielmehr gerade weil Macht das unvermeidliche Mittel, und Machstreben daher eine der treibenden Kräfte aller Politik ist, gibt es keine verderblichere Verzerrung der politischen Kraft, als das parvenumäßige Bramarbasieren mit Macht und die eitle Selbstbespiegelung in dem Gefühl der Macht, überhaupt jede Anbetung der Macht rein als solcher. Der bloße ‚Machtpolitiker‘, wie ihn ein auch bei uns eifrig betriebener Kult zu verklären sucht, mag stark wirken, aber er wirkt in der Tat ins Leere und Sinnlose. Darin haben die Kritiker der ‚Machtpolitik‘ vollkommen recht. An dem plötzlichen inneren Zusammenbruche typischer Träger dieser Gesinnung haben wir erleben können, welche innere Schwäche und Ohnmacht sich hinter dieser protzigen, aber gänzlich leeren Geste verbirgt. Sie ist Politik einer höchst dürftigen und oberflächlichen Blasiertheit gegenüber dem Sinn menschlichen Handelns, welche keinerlei Verwandtschaft hat mit dem Wissen um die Tragik, in die alles Tun, zumal aber das politische Tun, in Wahrheit verflochten ist“.

Vor dem Hintergrund dessen, was Max Weber über leidenschaftliche Hingabe an die Sache, die mit Verantwortungsbewusstsein einhergehen muss und mit Augenmaß, also mit Distanz zum Gegenstand des Politischen betrieben werden muss, vor dem Hintergrund der „sterilen Aufgeregtheit“ politischer Kader, und deren parvenumäßigem Bramarbasieren (Parvenue = Emporkömmling; bramarbasieren – prahlen, angeben), wollen wir die Leser mit einem hervorragenden Exemplar der Gattung „deutscher Politiker“, von der noch geprüft werden muss, ob sie eine Schnittmenge mit „ernstzunehmende Politiker“ hat, bekannt machen.

Der Name dieses Exemplars, ist Andreas Geisel. Geisel ist Innensenator des Landes Berlin und ein Exemplar bei dessen Anblick man sofort weiß, was Georg Simmel mit „steriler Aufgeregtheit“ gemeint hat und welchen Typus eines russischen Apparatschik er dabei vor Augen hatten. Und Geisel hat Folgendes ausgestoßen:

„Ein Verbot wäre mir sehr sympathisch gewesen, wir haben das sehr sorgfältig geprüft und festgestellt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung leider auch für Arschlöcher gilt“, sagte er dem RBB-Inforadio.

Weder Leidenschaft für eine Sache, noch Verantwortungsbewusstsein für die Folgen seines Handelns noch Distanzlosigkeit zeichnet Geisel aus. Er ist ein Gemeiner unter denen, die seine Ideologie teilen und deshalb aus unserer und aus Sicht von Max Weber vollkommen ungeeignet, um Politiker zu spielen.

Davon abgesehen bedient Geisel mit seiner Wortwahl und seiner Trennung der Welt in Gute und Böse ein altes Klischee, das in Deutschland im Zyklus wiederzukehren scheint. Es muss für Deutsche offensichtlich immer eine Gruppe von Menschen geben, von der sie sich einbilden können, dass sie auf sie herunterschauen, dass sie unter ihnen angesiedelt seien, eben Untermenschen also Arschlöcher. Dabei: zumindest sprachlich gibt es vermutlich keine großen Unterschiede zwischen Geisel und der Sprache, der er sich bedient, und denen, die er damit ausgrenzt, wenngleich der einzige, von dem wir wissen, dass er andere menschliche Wesen als Arschlöcher degradiert, derzeit Geisel ist.

Dass ein paar Verwirrte der Ansicht sind, der mindestens ebenso verwirrte Rudolf Hess sei eine geschichtliche Figur, der man nachtrauern muss, ist zunächst einmal nichts, was man besonders zur Kenntnis nehmen muss. Wenn man sich über jeden Totenkult aufregen wollte, dann hätten wir viel zu tun.

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Endlich: MLPD macht Ressourcen der Erde unendlich

Das folgende Wahlplakat ist keine Fälschung und kein Fake. Wir haben es geprüft. Es findet sich unter den Vorlagen, die die MLPD/Internationalistische Liste zu 45.000 Stück allein in Nordrhein-Westfalen verteilen will. Es zeigt, wie Dummheit und Marxismus-Leninismus eine symbiotische Beziehung zueinander unterhalten:

Wenn Sie bislang nicht gewusst haben, warum sozialistische und kommunistische Systeme (der Unterschied zwischen beiden ist, trotz aller Anstrengungen derer, die ihn gerne herbeireden wollen, minimal bis nicht vorhanden und letztlich ist die Unterscheidung nur einer Laune von Stalin geschuldet) bislang immer gescheitert sind, warum am Ende jeden Versuches, die proletarische Herrschaft zu etablieren, also die Herrschaft einer kleinen Clique, die von sich behauptet, sie würde für die Proletarier sprechen, ein verarmtes und heruntergewirtschaftetes Land stand, dann wissen Sie es jetzt:

Erzeugerpreise rauf,
Verbraucherpreise runter

Weil es so schön dumm ist …

So einfach ist die sozialistische bzw. kommunistische Welt. Nun ist beides ja nicht unabhängig voneinander. Wenn der Erzeugerpreis für Kartoffeln angehoben wird, sagen wir um einen Euro, dann muss irgendwer diesen einen Euro aufbringen. In der sozialistisch-kommunistischen Traumwelt, in der sich die MLPD und die Internationalistische Liste befinden, sind es aber nicht die Verbraucher, die den Preisanstieg angeblich zu schultern haben. Im Gegenteil: Die Verbraucher sollen weniger bezahlen, obwohl die Kartoffeln teurer werden. Sagen wir Erzeuger erhalten einen Euro pro Zentner mehr, Verbraucher müssen einen Euro pro Zentner weniger berappen. Fehlen 2 Euro in der Rechnung, die von irgendwo herkommen.

Wer ist der sozialistisch-kommunistische Gönner, der Verbrauer um einen Euro entlastet, Erzeugern einen Euro mehr bezahlt (jedesmal pro Zentner), der also 2 Euro pro Zentner Kartoffeln aufbringt?

Schwierig?
Nein!
Natürlich der Staat, jenes heilige Gebilde, das von Sozialisten und Kommunisten in gleich hingebungsvoller Weise angebetet wird. Er schultert die zwei Euro.

Nur, wo hat der Staat in sozialistischen und kommunistischen Staaten sein Geld her?
Aus der Besteuerung von Bürgern.

Um die 2 Euro Mehrausgaben pro Zentner Kartoffeln zu finanzieren, wird man also die Steuer auf die Nutzung von Grund und Boden durch Bauern erhöhen, sagen wir um einen Euro plus Verwaltungsgebühren von 20 Cent. Und um die Preisentlastung für Verbraucher gegen zu finanzieren, erhöhen wir die Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt, das hat den Vorteil, dass nicht nur Kartoffeln höher besteuert werden, sondern alle Güter, die Verbraucher kaufen.

Die Verteilung von sozialistisch-kommunistischen Wohltaten kennt immer nur einen Gewinner: Den Staat und diejenigen, die direkt von ihm leben, die Parteimitglieder, die Funktionäre, die Helfer und Helfershelfer, alle diejenigen, die keinerlei produktiven Beitrag zu einer Gesellschaft leisten. Ihr Anteil am Sozialprodukt einer Wirtschaft steigt unaufhörlich, während der Anteil derer, die das Sozialprodukt erarbeiten, immer geringer wird. Und während die Funktionäre in Saus und Braus leben, verarmt die Bevölkerung.

Aber auch hier weiß die MLPD Rat:

Revolution ist kein Verbrechen!
Richtig: Weg mit den sozialistisch-kommunistisch, marxistisch-leninistischen Funktionären, die an der Produktivkraft der Proletarier schmarotzen!

Auch schön:
Für das Recht auf Flucht.

Wäre dieses Recht schon in der DDR durchgesetzt worden, dann könnten wir heute sehen, was passiert, wenn Parteifunktionäre von ihrer Bevölkerung alleine gelassen werden. Leider ist uns dieses sicher sehr amüsante Erlebnis erspart geblieben.

MLPD:

Main Levelheadedness Perishing Device – Insanity Unites

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310.800 Euro: Merkel ist doppelt so teuer wie Putin!

Eine nette Spielerei ist uns heute in die Mailbox geflattert. Sie stammt von VexCash und hat das Einkommen der Politiker zum Gegenstand, die man gemeinhin als Staatschef ansehen muss (obwohl sie zuweilen kein Staatsoberhaupt sind). Die Liste umfasst die Top-30 Staatschefs und wird, geht man nach dem Jahresverdienst von Lee Hsien Loong, Staatschef in Singapur, angeführt. Üppige 1.445.893 Euro umfasst sein Jahresverdienst. Deutlich abgeschlagen rangiert bereits Donald Trump, dessen nominelles Gehalt 341.908 Euro beträgt. Es folgen Malcolm Turnbull (Australien) mit 338.764 Euro, Alexander van der Bellen (Österreich) mit 328.188 Euro Jahresverdienst und Angela Merkel mit einem Jahresverdienst von 310.800 Euro. Weit hinter diesem Verdienst bleiben Theresa May (Vereinigtes Königreich) mit 164.257 Euro, Wladimir Putin (Russland) mit 126.246 Euro, Recep Tayep Erdogan (Türkei) mit 92.232 Euro oder Xi Jingping (China) mit 17.458 Euro zurück.

Ob die Unterschiede im Verdienst Unterschiede in der Leistung der jeweiligen Politiker wiederspiegeln, ist eine empirische und offene Frage, dass sich Politiker gerne mit üppigen Gehältern für ihren Dienst am Volke belohnen, wird auf Basis der genannten Zahlen sehr deutlich.

Stellt man die Amtszeit in Rechnung, dann wird Angela Merkel zum für ihre Steuerzahler zweitteuersten Staatschef weltweit: 3.649.558 Euro hat sie bislang die deutschen Steuerzahler gekostet, mehr als doppelt so viel wie Wladimir Putin (1.713,833 Euro) der 669 Tage länger im Amt ist als Angela Merkel. Einsame Spitze auch bei diesem Ranking ist Lee Hsien Loong mit 18.828.300 Euro.

Singapur spielt offensichtlich in einer eigenen Liga.

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