Scheinheiligkeit: An die Lehrer der Selbstlosigkeit

Dass Friedrich Nietzsche von Linken und von denen, die ihn nie gelesen haben, als „Rechter“, als Vorbereiter der Nazis, Menschenfeind und was sonst noch alles denunziert wird, hat seinen Grund: Nietzsche war Individualist und ein Gegner von Sozialismen und Ismen aller Art. Nicht nur das, er hat die Scheinheiligkeit derer, die sich als Altruisten gerieren, die anderen in selbstloser Weise die sozialistische Freiheit im Dienst an der Gemeinschaft anerziehen wollen, enttarnt:


„A n d i e L e h r e r d e r S e l b s t l o s i g k e i t – Man nennt die Tugenden eines Menschen g u t, nicht in Hinsicht auf die Wirkungen, welche sie für ihn selber haben, sondern in Hinsicht auf die Wirkungen, welche wir von ihnen für uns und die Gesellschaft voraussetzen: – man ist von jeher im Lobe der Tugenden sehr wenig ‚selbstlos‘, sehr wenig ‚unegoistisch‘ gewesen! Sonst nämlich hätte man sehen müssen, dass die Tugenden (wie Fleiß, Gehorsam, Keuschheit, Pietät, Gerechtigkeit) ihren Inhabern meistens s c h ä d l i c h sind, als Triebe, welche allzu heftig und begehrlich in ihnen walten und von der Vernunft sich durchaus nicht im Gleichgewicht zu den anderen Trieben halten lassen wollen. Wenn du eine Tugend hast, eine wirkliche ganze Tugend (und nicht nur ein Triebchen nach einer Tugend!) – so bist du ihr O p f e r! Aber der Nachbar lobt eben deshalb deine Tugend! Man lobt den Fleißigen, ob er gleich die Sehkraft seiner Augen oder die Ursprünglichkeit und Frische seines Geistes mit diesem Fleiße schädigt; man ehrt und bedauert den Jüngling, welcher sich ‚zu Schanden gearbeitet hat‘, weil man urtheilt: ‚Für das ganze Große der Gesellschaft ist auch der Verlust des besten Einzelnen nur ein kleines Opfer! Schlimm, dass das Opfer Noth thut! Viel schlimmer freilich, wenn der Einzelne anders denken und seine Erhaltung und Entwicklung wichtiger nehmen sollte, als seine Arbeit im Dienste der Gesellschaft!“ Und so bedauert man den Jüngling, nicht um seiner selbst willen, sondern weil ein ergebenes und gegen sich rücksichtloses W e r k z e u g – ein sogenannter ‚braver Mensch‘ – durch diesen Tod der Gesellschaft verloren gegangen ist. Vielleicht erwägt man noch, ob es im Interesse der Gesellschaft nützlicher gewesen sein würde, wenn er minder rücksichtslos gegen sich gearbeitet und sich länger erhalten hätte – ja man gesteht sich wohl einen Vortheil davon zu, schlägt aber jenen anderen Vortheil, dass ein O p f e r gebracht und die Gesinnung des Opferthiers sich wieder einmal a u g e n s c h e i n l i c h bestätigt hat, für höher und nachhaltiger an. Es ist also einmal die Werkzeug-Natur in den Tugenden, die eigentlich gelobt wird, wenn die Tugenden gelobt werden, und sodann der blinde in jeder Tugend waltende Trieb, welcher durch den Gesammt-Vortheil des Individuums sich nicht in Schranken halten lässt, kurz: die Unvernunft der Tugend, vermöge deren das Einzelwesen sich zur Function des Ganzen umwandeln lässt. Das Lob der Tugenden ist das Lob von etwas Privat-Schädlichem, – das Lob von Trieben, welche dem Menschen seine edelste Selbstsucht und die Kraft zur höchsten Obhut über sich selber nehmen. – Freilich: zur Erziehung und zur Einverleibung tugendhafter Gewohnheiten kehrt man eine Reihe von Wirkungen der Tugend heraus, welche Tugend und Privat-Vortheil verschwistert erscheinen lassen, – und es giebt in der That eine solche Geschwisterschaft! Der blindwüthende Fleiß zum Beispiel, diese typische Tugend eines Werkzeuges, wird dargestellt als der Weg zu Reichthum und Ehre und als das heilsamste Gift gegen die Langeweile und die Leidenschaften: aber man verschweigt seine Gefahr, seine höchste Gefährlichkeit. Die Erziehung verfährt durchweg so: sie sucht den Einzelnen durch eine Reihe von Reizen und Vortheilen zu einer Denk- und Handlungsweise zu bestimmen, welche, wenn sie Gewohnheit, Trieb und Leidenschaft geworden ist, w i d e r s e i n e n l e t z t e n V o r t h e i l, aber „zum allgemeinen Besten‘ in ihm und über ihn herrscht. Wie oft sehe ich es, dass der blindwüthige Fleiß zwar Reichthümer und Ehre schafft, aber zugleich den Organen die Freiheit nimmt, vermögen deren es einen Genuss an Reichthum und Ehre geben könnte, ebenso, dass jenes Hauptmittel gegen die Langeweile und die Leidenschaften zugleich die Sinne stumpf und den Geist widerspänstig gegen neue Reize macht. (…) Gelingt die Erziehung, so ist jede Tugend des Einzelnen eine öffentliche Nützlichkeit und ein privater Nachtheil im Sinne des höchsten privaten Zieles, – wahrscheinlich irgend eine geistig-sinnliche Verkümmerung oder gar der frühzeitige Untergang: man erwäge der Reihe nach von diesem Gesichtspuncte aus die Tugend des Gehorsams, der Keuschheit, der Pietät, der Gerechtigkeit: Das Lob des Selbstlosen, Aufopfernden, Tugendhaften – also Desjenigen, der nicht seine ganze Kraft und Vernunft auf s e i n e Erhaltung, Entwicklung, Erhebung, Förderung, Macht-Erweiterung verwendet, sondern in Bezug auf sich bescheiden und gedankenlos, vielleicht sogar gleichgültig oder ironisch lebt – dieses Lob ist jedenfalls nicht aus dem Geiste der Selbstlosigkeit entsprungen! Der ‚Nächste‘ lobt die Selbstlosigkeit, weil e r d u r c h s i e V o r t h e i l e h a t! Dächte der Nächste selber ‚selbstlos‘, so würde er jenen Abbruch an Kraft, jene Schädigung zu s e i n e n Gunsten abzuweisen, der Entstehung solcher Neigungen entgegenarbeiten und vor Allem seine Selbstlosigkeit eben dadurch bekunden, dass er dieselbe n i c h t g u t nennte! – Hiermit ist der Grundwiderspruch jener Moral angedeutet, welche gerade jetzt sehr in Ehren steht: die M o t i v e zu dieser Moral stehen im Gegensatz zu ihrem P r i n c i p e! Das, womit sich diese Moral beweisen will, widerlegt sie aus ihrem Kriterium des Moralischen! Der Satz ‚du sollst dir selber entsagen und dich zum Opfer bringen‘ dürfte, um seiner eigenen Moral nicht zuwiderzugehen, nur von einem Wesen decretiert werden, welches damit selber seinem Vortheil entsagte und vielleicht in der verlangten Aufopferung der Einzelnen seinen eigenen Untergang herbeiführte. Sobald aber der Nächste (oder die Gesellschaft) den Altruismus u m d e s N u t z e n s w i l l e n anempfiehlt, wird der gerade entgegengesetzte Satz ‚du sollst den Vortheil auch auf Unkosten alles Anderen suchen‘ zur Anwendung gebracht, also ein Einem Athem ein ‚Du sollst‘ und ‚Du sollst nicht‘ gepredigt!” (Die Fröhliche Wissenschaft, Erstes Buch, 21.)

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Hausfrauenwissenschaft von Hausfrauenwissenschaftlern

Faktenfinder, die von sich denken, sie könnten verstehen und in einem Beitrag zusammenstellen, wofür andere Jahre studiert haben.

Angebliche Wissenschaftler, die in einem Satz darauf hinweisen, dass Männer als Gruppe zu heterogen sind, als dass man von „den Männern“ sprechen könne, um im nächsten Satz davon zu schwadronieren, dass etwas „die Frauen“ benachteiligen würde.

Angebliche Forscher, die noch nie etwas davon gehört haben, dass es eine „Methodologie der empirischen Sozialforschung“ gibt, dass sich Generationen von Wissenschaftlern mit der Frage, wie man Befragungen durchführt, welche Form der Befragung für welche Themen geeignet ist, wie man Fragen formuliert, wie man Interviewereffekte mimimiert, beschäftigt haben.

Professoren, die denken, ihre Position mache jeden Unsinn, den sie von sich geben, zur Wissenschaft, erlaube es ihnen, sich in Assoziationsketten zu verlieren und Unfug auf Blödsinn folgen zu lassen und dennoch zu reklamieren, das sei Wissenschaft, eben, weil sie eine Position in der institutionellen Wissenschaft besetzen.

Professoren, die noch nie davon gehört haben, dass Wissenschaft eine Methode ist. Dass Wissenschaft dem Ziel dient, Erkenntnis zu gewinnen. Dass man deshalb Aussagen aufstellen muss, die von anderen nachvollzogen, kritisiert und falsifiziert werden können, weil Wissenschaft ein kumulativer Prozess ist, an dem viele beteiligt sind und keine Form der Selbstverwirklichung für schräge Vögel mit schrägen Ideen.

Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem wir uns nicht über den Verfall der institutionellen Wissenschaft oder des Niveaus des öffentlichen Diskurses, soweit er in Mainstream-Medien stattfindet, unterhalten. Und gestern, beim Abendessen, da war einer der Momente, die in Erinnerung bleiben, einer dieser Aha-Momente, wenn man plötzlich einen Begriff findet, der all das, was man aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet hat, all die unterschiedlichen Aspekte der Entprofessionalisierung und des intellektuellen Verfalls, die oben beschrieben wurden, umfasst.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat ihn geprägt, und er trifft den Nagel auf den Kopf:

Hausfrauenwissenschaft!

Um nicht falsch verstanden zu werden: Der Begriff richtet sich nicht gegen eine Hausfrau, die ihren Haushalt im Griff, das Kochen perfektioniert, das Putzen systematisiert hat. Der Begriff „Hausfrauenwissenschaft“ oder „Hausfrauen-Wissenschaftler“ richtet sich auf diejenigen, die ihre Hausfrauenmentalität auf Bereiche übertragen, in denen sie fehl am Platze ist.

Vor Jahren haben wir 30 Fragen aufgestellt und an Gender Studierte geschickt. Gender Studies wollen ein wissenschaftliches Fach sein, und auch wenn hier Liliputaner in Übergrößen schlüpfen wollen, soll man fair sein und ihnen eine Chance geben. Also haben wir den Gender Studierten 30 Fragen geschickt, die ein Wissenschaftler im Schlaf beantworten kann, weil er weiß, was er warum und wie erforscht. Gender Studierte können es nicht. Sie wurden von den 30 Fragen vollkommen kalt erwischt, denn sie sind keine Wissenschaftler, sie sind Hausfrauen, die ihrem Haushalt entflohen sind und nun versuchen, Sozialwissenschaft als Form von Kaffeegespräch zu praktizieren.

Nicht nur, sind sie mit ihrer Hausfrauenmentalität fehl am Platze, sie sind auch nicht in der Lage rudimentäre Hausfrauentätigkeiten auszuführen. Deshalb tischen sie kalten Kaffee auf. Entdecken Konzepte und bestaunen sie als ihre vermeintlich neue Erfindung, wie die Intersektionalität, obwohl Wissenschaftler schon vor Jahrhunderten entdeckt haben, dass schon zwei dichotome Variablen eine Vierfelder-Matrix beschreiben.

Sie bringen nicht nur nicht die Mentalität mit, die außerhalb ihres Haushalts nachgefragt wird, sie verhalten sich auch wie Mutationen von Kaspar Hauser, die Bestaunen, was für andere keiner Erwähnung mehr wert ist. Wissenschaft sei gar nicht objektiv, verkünden Queere oder andere, die eine Position an einer Hochschule zugestanden bekommen haben und meinen, sie hätten das, was die wissenschaftliche Welt im Innersten zusammenhält, erschüttert. Und Erschütterung lösen sie tatsächlich mit ihren Aussagen aus, Erschütterung darüber, dass man tatsächlich so dumm sein kann, anderen zu unterstellen, sie seien der Meinung, Wissenschaft sei ein objektives Unterfangen, in dem die Wahrheit gefunden werde. Erst die Queeren und anderen, die Foucault ständig im Munde führen, aber nie gelesen haben, hätten entdeckt, dass jeder Forscher und jeder Beforschte ein eigenes Subjekt sei und als solches seine Sicht an den Forschungsgegenstand herantrage. So ist das eben, wenn man keine Ahnung von Wissenschaft hat; noch nie etwas von Methoden und Verfahren gehört hat, die es erlauben, Subjektivität in intersubjektiven Grenzen zu halten. So ist das, wenn man Zahlen fürchtet und die Wissenschaft der weißen Männer ablehnt, weil man sie nicht versteht. So ist es, wenn man das eigene dumme Geschwätz zu Wissenschaft erklären will, obwohl man keine Idee davon hat, warum gerade das eigene dumme Geschwätz Wissenschaft sein soll.

Hausfrauenwissenschaftler eben, die versuchen, in einer Kapelle mitzuspielen, obwohl sie kein Instrument beherrschen.

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Faktenverdreher Gensing stochert im Dunkelfeld

Welche Qualifikation haben eigentlich die ARD-Faktenfinder? Nein, ganz ehrlich, was qualifiziert zum Beispiel einen Patrick Gensing dazu, über das Dunkelfeld von Kriminalität zu fabulieren, in einem Beitrag, der mit „Welche Zahlen stimmen?“ überschrieben und an Naivität und Unvermögen kaum zu überbieten ist.

Der Autor dieses Posts hat sich jahrelang mit der Erklärung von Kriminalität bzw. den Versuchen, die es gibt, Kriminalität zu erklären und mit der Frage, was überhaupt Kriminalität sein soll, befasst. Bücher, Artikel, Beiträge füllen Regale.

Und jetzt kommt Gensing, der von Kriminalitätsforschung offenkundig wenig bis gar keine Ahnung hat und dilettiert über das Dunkelfeld.

Das ist zuviel.

Gensing hat seinen Text, wie man unschwer erkennen kann, geschrieben, um zu behaupten, dass die Kriminalität von Rechts, die rechte Gewalt, die rechten Straftaten viel häufiger sind als in der Polizeilichen Kriminalstatistik abgebildet. Leute wie Gensing gewinnen eine morbide Lust aus der Vorstellung, dass alles viel schlimmer sei, als es offizielle Statistiken abbilden (nur von rechts versteht sich!). Vermutlich hat es orgiastische Effekte, wenn sie schreiben können, dass nicht 1054, sondern 1200 Taten rechter Gewalt das „wahre Ausmaß“ an Kriminalität sind. Für diejenigen unter uns, die sich nicht trauen, zu Haschisch oder Bier zu greifen, bekömmlichem Bier versteht sich, ist es offensichtlich eine Surrogat-Befriedigung sich vorstellen zu können, dass es viel mehr rechte Gewalt gibt als die Polizeistatistik dokumentiert. Aber vielleicht sitzen Schreiber wie Gensing auch auf den Gehaltslisten der sozialen Unternehmer, die an vermeintlicher rechter Gewalt verdienen, für die jede rechte Gewalttat, die man mehr dokumentieren kann, eine Quelle sprudelnder Steuergelder ist, weil hysterische Politiker Steuergelder nur zu gerne zur Bekämpfung von „rechter Gewalt“ aus dem Fenster werfen.

Zurück zu Gensing.

Gensing hat das Dunkelfeld entdeckt.

In der Kriminologie wird zwischen dem Dunkelfeld und dem Hellfeld unterschieden.
Letzteres wird von der Polizei dokumentiert, in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Ersteres zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht dokumentiert ist. Das Dunkelfeld umfasst all die Straftaten, von denen die Polizei nichts weiß, von denen auch sonst niemand etwas weiß, von denen man aber annimmt, dass es sie gibt. Dass man annimmt, dass es sie gibt, liegt daran, dass in den 1990er und 2000er Jahren vermehrt so genannte Viktimisierungsstudien durchgeführt wurden (der Autor dieser Zeilen hat selbst an einer solchen Studien mitgearbeitet). Viktimisierungsstudien sind Befragungen von 1000 maximal 2000 Personen, in denen u.a. gefragt wird, ob die Befragten schon einmal Opfer einer Straftat wurden und wenn ja, ob sie die Straftat bei der Polizei zur Anzeige gebracht haben. Auf Basis solcher Angaben wird dann hochgerechnet, wie groß das Dunkelfeld in Deutschland sein könnte.

Diese Art der Hochrechnung ist einerseits Humbug, andererseits gefahrlos: Weil niemand weiß, wie groß das Dunkelfeld ist, deshalb kann man alles behaupten, was einem so einfällt, denn niemand kann zeigen, dass die Behauptung falsch ist, weil niemand das Dunkelfeld kennt. Deshalb ist es ja das Dunkelfeld. Diesen Umstand versucht sich auch Gensing zunutze zu machen, in seinem Bemühen, die höheren Zahlen von Vereinen, die ein Interesse an der Dokumentation von so viel wie möglich rechten Straftaten haben, weil ihre öffentliche Finanzierung davon abhängt, als die Zahlen zu verkünden, die näher an der „wahren Kriminalität“ sind als die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik.

Denn Gensing gehört zu denen, die an die wahre Kriminalität an die eine Zahl, 81927391, die das Gesamt aller in einem Jahr in Deutschland – Hell- wie Dunkelfeld – begangenen Straftaten abbildet.

Kann man so dumm sein?

Man kann es. Gensing kann es. Er behauptet, dass bei Beratungsstellen für die Opfer rechter Gewalt auch Opfer vorstellig werden, die nicht zur Polizei gegangen sind, weil sie sich bei der Polizei nicht „ernstgenommen fühlen“. Und deshalb, so der verwegene und falsche Schluss von Gensing, bildeten Beratungsstellen mit ihren höheren Zahlen die rechte Kriminalität besser ab, könnten sie das Dunkelfeld besser ausleuchten, als die Polizeiliche Kriminalstatistik.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) dokumentiert das Hellfeld. Das zur Erinnerung. Das Dunkelfeld ist das, was nicht in der PKS dokumentiert ist. Um also zeigen zu können, dass Beratungsstellen tatsächlich Kriminalität abbilden, die der Polizei nicht bekannt geworden ist, müsste man einen Vergleich anstellen. Und damit sind wir bei der Frage:

Was ist Kriminalität?

Was als Kriminalität gilt, als Körperverletzung zum Beispiel, das ist eine Frage, mit der sich Kriminologen seit Jahrzehnten befassen. Die Legaldefinition sieht vor, dass Kriminalität das ist, was von Strafgesetzen unter Strafe gestellt, der Polizei bekannt wird und eine Sanktion nach sich zieht. Nun ist die Polizeiliche Kriminalstatistik wie jede Statistik das Ergebnis von Interessen. Für die Polizei ist die PKS ein Tätigkeitsnachweis. Mit der Aufklärungsquote kann die Wirksamkeit der polizeilichen Arbeit dokumentiert werden, mit der Anzahl der Straftaten ein Einblick in die Erfassungskapazität der Polizei gegeben werden. Das Interesse der Polizei besteht darin, die Menge von und das Verhältnis zwischen erfassten und aufgeklärten Straftaten in einem gewissen Maße zu halten, um auf diese Weise ihre Effizienz zu dokumentieren.

Auch die Statistiken von Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt basieren auf einem Interesse. Je mehr Opfer rechter Gewalt dokumentiert werden, desto eher kann die öffentliche Finanzierung der eigenen Einrichtung aufgestockt oder erhöht werden. Um überhaupt auf die Idee zu kommen, dass Beratungsstellen, die faktisch an Opfern verdienen, einen Anreiz hätten, Kriminalität in normalen Proportionen und nicht in übertriebenem Ausmaß darzustellen, muss man schon mit einer Naivität geschlagen sein oder einer Dreistigkeit, die Ihresgleichen suchen.

Kein Problem für Gensing. Er hat nicht einmal ein Problem damit, Absatzweise zu beschreiben, dass die Definition von Kriminalität, die die Polizei vornimmt, offensichtlich eine andere ist als die, die die Beratungsstellen zugrunde legen, und dann dennoch die Ansicht zu verkünden, dass es die wahre Kriminalität gebe, und zwar in den Statistiken der Beratungsstellen (Wenn Gensing seine Faktenfinder-Serviceleistungen für diese sozialen Unternehmer, die sich an Steuergeldern laben und Beratungsstellen nennen, tatsächlich umsonst erbringt, dann ist er der König der Naiven…).

Was aber ist die wahre Kriminalität?
Machen wir den Selbstversuch.
Vater gibt seinem Sohn eine Ohrfeige. Sohn sieht von einer Anzeige ab, heult sich aber beim Jugendamt aus. Der Sozialarbeiter führt eine eigene Statistik elterlicher Gewalt und zählt die Ohrfeige als Körperverletzung. In der Polizeilichen Kriminalstatistik taucht die Ohrfeige nicht auf. Wer bildet die „wahre Kriminalität“ ab?

Mann in Thor Steinar Shirt stößt sich das Knie an einem Fahrrad, das auf einem Gehweg an einem Straßenschild abgestellt ist. Aus Wut tritt er gegen das Fahrrad und zerstört das empfindliche Gefährt im hinteren Bereich. Der erzürnte Fahrradhalter erstattet eine Anzeige bei der Polizei. Sachverhalt: Sachbeschädigung. Gleichzeitig läuft der Fahrradfahrer (weil fahren kann er ja nicht mehr) zur Beratungsstelle für die Opfer rechter Gewalt und erzählt vom Thor Steinar Hemdträger. Die Beratungsstelle erfasst rechte Sachbeschädigung.

Wer hat die wahre Kriminalität gemessen? Die Polizei oder die Beratungsstelle?

Und was sagt das alles über das Dunkelfeld aus, von dem wir nur wissen, dass es nicht hell ist?
Nichts.
Wir haben uns in Deutschland darauf verständigt, dass Kriminalität, offizielle Hellfeldkriminalität, die Kriminalität ist, die Handlungen umfasst, die vom Strafgesetzbuch erfasst werden, der Polizei bekannt werden und eine Sanktion nach sich ziehen. Damit ist die Definitionshoheit von Kriminalität bei staatlichen Organen angesiedelt und nicht bei Beratungsstellen.

Dass es neben der Kriminalität, die der Polizei bekannt wird, noch weitere Kriminalität gibt, die der Polizei nicht bekannt wird, bestreitet niemand, aber kann man Kriminalität, die weder bekannt wird, noch geahndet wird, überhaupt als Kriminalität bezeichnen?

Ein Ehemann, der von seiner Frau mit Digitalis vergiftet wird. Ein Landarzt, der den Tod als Herzinfarkt diagnostiziert und den Totenschein entsprechend beschriftet. Kriminalität oder nicht?

Es gab einmal einen kriminologischen Ansatz, der sich Labeling Approach genannt hat. Fritz Sack hat sein Missverständnis davon, was der Labeling Approach meint, nach Deutschland gebracht und behauptet, dass Gesetze und Gesellschaft Kriminalität erst schaffen würden, und zwar dadurch, dass sie bestimmte Verhaltensweisen verbieten und die dennoch-Begehung unter Strafe stellen. Im Original geht es natürlich nicht darum zu bestreiten, dass es nicht schön ist, wenn ein Mensch einen anderen Menschen umbringt. Es geht darum aufzuzeigen, dass die Konstruktion dessen, was Kriminalität sein soll, ein sozialer Akt ist und weil es ein sozialer Akt ist, deshalb finden sich manche soziale Gruppen intensiverer Überwachung ausgesetzt als andere. Wenn ein Arbeiter auf dem Bau einen Sack Zement mitnimmt, dann ist dies ein Diebstahl. Wenn ein Politiker seinen Dienstwagen missbraucht, um ein paar Einkaufstrips nach Dänemark zu unternehmen, dann ist dies ein Lapsus. Wenn ein kleiner Handwerker Bargeschäfte abwickelt und dem Finanzamt nicht mitteilt, dann ist das Steuerhinterziehung, wenn Parteien Spenden stückeln, um unter die Nachweispflicht zu fallen und die Barspenden im Koffer in die Schweiz bringen, dann ist dies ein Kavaliersdelikt.

Wo ist nur die wahre Kriminalität von Gensing geblieben, wo er doch der Ansicht ist, man könne genau sagen, was rechte Gewalt, rechte Kriminalität sei und was nicht, unabhängig von Interessen und unter Ausleuchtung des Dunkelfeldes?

In der Pfalz gibt es den Begriff der Großgosch, jemand, der den Mund so weit aufreißt, dass der Gehalt dessen, was er von sich gibt, nicht mithalten kann, jemand, der zu allem seinen Senf gibt, obwohl er von nichts eine Ahnung hat. Manchmal hat man den Eindruck, Faktenfinder sind Großgosche (das war eine typisch britische Untertreibung).

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Unbekömmlicher Irrsinn

Das Bier ist tief gesunken. Vom einstigen Nahrungsmittel, Grundnahrungsmittel, ist es zum Gefährder der Gesundheit geworden, zum unbekömmlichen Getränk.

Sie sind der Ansicht, Ihnen bekomme Bier gut. Sie meinen, Bier sei ihnen bekömmlich, sei verträglich für sie, habe keine negativen Auswirkungen auf ihren allgemeinen Zustand?

Sie täuschen sich.
Die EU und der Bundesgerichtshof wissen es besser als sie.

Die EU weiß, dass Alkohol ab 1.2 Promille generell nicht gesundheitsfördernd ist. Das steht in einem der Tausend Gebote, die die EU regelmäßig als Lebensnachweis der eigenen Bürokratie auswirft.

Artikel 4 Absatz (3) der VERORDNUNG (EG) NR. 1924/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, „besagt, dass Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent … a) keine gesundheitsbezogenen Angaben … tragen“ dürfen.

Warum nicht?
Na weil z.B. Bier mit mehr als 1.2 Promille Alkohol der Gesundheit nicht zuträglich ist. Die EU hat es so verordnet. Wenn ihr subjektives Befinden davon abweicht, dann sind sie nicht EU-verordnungskonform und sollten sich schnellstens um eine Compliance-Abteilung bemühen, um ihr Leben in einer EU-konformen Weise ausrichten zu können.

Dass Deutschland EU-konform wird, dazu hat der BGH heute mit einem grundsätzlichen Urteil beigetragen, in dem er festgestellt hat, dass die Werbung für Bier mit „bekömmlich“, die eine Brauerei im Allgäu betreibt, unzulässig sei.

Bekömmlich, so die Karlsruher Bundesrichter, verweise auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands durch hier den Genuss von Bier oder zumindest darauf, dass vom Genuss des Bieres keine schädlichen Wirkungen auf die Gesundheit ausgingen, dass das Bier „leicht verdaulich“, „zuträglich“ sei. Die EU hat jedoch verordnet, dass Alkohol ab 1.2 Promille weder leicht verdaulich noch zuträglich und schon gar nicht bekömmlich für die Gesundheit sein kann.

Also ist Bier nicht bekömmlich, leicht verdaulich, zuträglich, egal, was Sie denken. Dass Sie der Meinung sind, dass ihnen Bier bekommt, für sie bekömmlich sei, liegt an ihrer erhöhten Alkoholtoleranz, die mit Sicherheit gegen eine andere EU-Norm verstößt, die wir derzeit aber nicht parat haben (aber wir finden sie!) und zeigt, dass sie in Gefahr oder jenseits der Gefahr sind, alkoholabhängig zu werden, denn nur Alkoholabhängige finden Bier bekömmlich.

Falls Ihr Leben und Ihr subjektives Befinden nach dem Trinken (NICHT: Genuss, das verstößt gegen EU-Richtlinien) von Bier immer noch nicht mit der VERORDNUNG (EG) NR. 1924/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel vereinbar ist, raten wir ihnen, ihren Lebenswandel dringend und gemeinsam mit einem Lebenswandelberater, der von der EU zertifiziert und vom BGH gesegnet wurde, zu überdenken. Das lohnt sich, denn nichts ist wichtiger, als mit den zig-tausend EU-Regulationen im Einklang zu leben.

VSW – Mitgliedschaft: Teuer und ein Mittel, Konkurrenten abzumahnen.

Dass Bier nicht mehr „bekömmlich“ sein darf, verdanken Sie übrigens den Gutmenschen vom Verband Sozialer Wettbewerb. Der Verband, der – wie könnte es anders sein – ein eingetragener Verein ist, und dessen Finanzen mit keiner Transparenzrichtlinie in Einklang zu bringen sind, ganz einfach, weil sie in keiner Weise veröffentlicht werden, scheint einer der Vertreter einer neuen Unternehmensform, nämlich der sozialen Unternehmer zu sein, deren Ziel darin besteht, anderen zu helfen, und zwar dadurch, dass sie vermeintlich in deren Namen gegen dies und jenes klagen, von dem sie denken, es würde Verbraucher schädigen und natürlich schädigt uns die Werbung aus dem Allgäu, in der Bier als bekömmlich bezeichnet wird, in hohem Maße – oder etwa nicht!

Die Unternehmensidee entspricht der Idee großer Abmahnvereine, die das Netz mit dem Ziel durchsuchen, kleinere abmahnfähige Unterlassungen oder Versäumnisse zu finden, mit denen man dann Reibach machen kann. Reibach wollen wohl auch die Berliner von Verband Sozialer Wettbewerb machen, wie ein Blick auf ihre Jahresbeiträge zeigt. Dazu benötigt man Presse und Publicity. Das Verklagen kleiner Gegner, kleiner Brauereien scheint hier ein erfolgversprechender Weg zu sein, um diese neue Form des Unternehmertums, von der wir alle profitieren, weil Bier jetzt nicht mehr als bekömmlich bezeichnet werden darf, zu einem profitablen Geschäft zu entwickeln.

Es soll jedoch immer mehr Bürger geben, die sich die Einmischung derartiger Busybodies in ihr Leben verbieten, die bekömmliches Bier trinken wollen, egal, ob die EU verordnet hat, dass Bier nicht bekömmlich zu sein hat. Wir haben den Selbstversuch gemacht:

Clemens ohne Filter – das Bier zum Bügeln

Das Original von Clemens Härle: prachtvoll in der Farbe, einzigartig im Geschmack. Gebraut aus einer besonderen Mischung oberschwäbischer Gerstenmalze.
Unfiltriert wird dieses Bier direkt vom Lagertank auf Flaschen gezogen, deshalb auch sein Name: ohne Filter.

Und was dieses außergewöhnliche Bier zu einem echten Erlebnis werden lässt: die urige Bügelflasche und der originelle, handwerklich gefertigte Holzkasten.

Sein Alkoholgehalt liegt bei 5,4%.”

Sehr bekömmlich.
Prüfen Sie es.
Trinken Sie es.
Und wenn Sie es bekömmlich finden, dann schreiben sie es quer durch das Internet.

Härle Clemens ohne Filter ist:

B E K Ö M M L I C H.

Fakt!

Der ganze Irrsinn gehört einmal mehr in den Bereich der Einschränkung von Bürgerrechten unter dem Mantel der angeblichen Harmonisierung des Rechts der Mitgliedsstaaten der EU. Die Harmonisierung, die allein bei Verordnung (EG) NR.. 1924/2006 17 engbedruckt Seiten füllt, dient nicht der Harmonisierung, sondern der Beschaffung von Profitmöglichkeiten für Sozialunternehmer, die die vielen Verordnungen, die kein Mensch kennen kann, ausnutzen, um gegen all diejenigen vorzugehen, die noch nichts von Artikel 4 Absatz 3 in Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 gehört haben. Das Geschäft dieser sozialen Unternehmer ist ein lohnendes, sonst würden die verbraucherschützenden Wohltäter nicht wie Fliegenpilze aus dem Boden schießen. Es schafft Stellen für die vielen mittelmäßigen bis schlechten Absolventen der Juristerei, die sonst nirgends unterkommen und sorgt dafür, dass Verbrauchern unter dem Vorwand, man wolle ihre Interessen schützen, einmal mehr die Mündigkeit abgesprochen wird, selbst und für sich zu entscheiden, ob sie ein bestimmtes Bier bekömmlich finden oder nicht.

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Öffentliche Schulen schaden der Gesellschaft

  • Mehr Kriminalität.
  • Mehr soziale Ungleichheit.
  • Weniger Toleranz.
  • Höhere Kosten.
  • Ungebildetere Bürger

Trotz aller Versuche, Forschung zu den heiligen Kühen der politischen Korrektheit zu verhindern, mehren sich die Studien, in denen genau das getan wird: Heilige Kühe werden hinterfragt, wie z.B. die in manchen Ländern zum Ende des 19. Jahrhunderts und in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfundene öffentliche Schulbildung nebst Schulpflicht.

Gewerkschaftsfunktionäre und Politiker halten die öffentliche Schulbildung für ein öffentliches Gut, einen Meilenstein in der Bildung der Bevölkerung, was kein Wunder ist, ermöglicht es ihnen die Bereitstellung öffentlicher Bildung doch, über das schulische Curriculum und die Randbedingungen, unter denen sich Schüler Bildung erkaufen müssen, deren Sozialisation in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Nun mehren sich nicht nur die Studien, die sich mit der Frage nach dem Wert von öffentlicher Schulbildung beschäftigen, es mehren sich auch die Ergebnisse, die zeigen, dass öffentliche Schulen verglichen mit privaten Schulen deutlich schlechter abschneiden, und zwar in allen Belangen.

Um nun all diejenigen, die mit rotem Kopf dasitzen und Bildung, nicht nur für Reiche, Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, in kurzem Stakkato hervorstoßen, zu beruhigen: Die moderne Variante von Schulbildung sieht so aus, dass

Gesellschaften Kindern im schulfähigen Alter ein Bildungsvoucher/einen Bildungsgutschein zur Verfügung stellen, das/der die Kosten der Bildung abdeckt.
Dieses Voucher/diesen Gutschein können die Eltern (und Schüler) an einer Schule ihrer Wahl einlösen.
Richtig: Schulen konkurrieren um Schüler. Private konkurrieren mit öffentlichen Schulen (solange es öffentliche Schulen noch gibt).

Wir haben auf ScienceFiles bereits eine Reihe von Studien besprochen, die zeigen, dass private Schulen im Vergleich zu öffentlichen Schulen besser abschneiden. Gabriel H. Sahlgren (2010) hat für Schweden eine die entsprechende Bestandsaufnahme gemacht. Schweden hat die oben beschriebene moderne Variante von Schulsystem, in dem die Eltern mit einem Voucher ausgestattet auf die Suche nach der besten Schule für ihre Kinder gehen können. Sahlgren hat die folgenden Ergebnissen berichtet:

  • Eltern von Kindern an privaten Schulen (profit und non-profit), sind mit den Schulen und der Leistung der Schulen zufriedener als Eltern von Kindern an öffentlichen Schulen.
  • Lehrer an privaten Schulen werden besser bezahlt als Lehrer an öffentlichen Schulen und sind mit ihrer Arbeit zufriedener als Lehrer an öffentlichen Schulen.
  • Schüler an privaten Schulen und vornehmlich an profitablen Schulen zeigen bessere Leistungen als Schüler an öffentlichen Schulen.
  • Schulen, die darauf ausgelegt sind, Profit zu erwirtschaften, haben eine deutlich geringere sozial ungleiche Zusammensetzung ihrer Schülerschaft als öffentliche Schulen oder private Schulen, die auf keinen Profit abzielen.
  • Schulen, die einen Profit anstreben, sind besonders erfolgreich, wenn es darum geht, Schüler aus der Arbeiterschicht oder Migranten zu einer guten Schulausbildung zu verhelfen, sie sind viel erfolgreicher als öffentliche Schulen oder private Schulen, die keinen Profit anstreben.
  • Schließlich finden sich in Schulen, die einen Profit anstreben, im Vergleich zu anderen Schulen, keine Geschlechtseffekte, d.h. keine Nachteile für Jungen.

Demgegenüber steht z.B. die Mängelliste des öffentlichen deutschen Bildungssystems:

Das deutsche Bildungssystem selegiert wie kaum ein anderes nach der sozialen Herkunft: PISA, TIMSS und IGLU, sie alle zeigen, Kinder aus der Arbeiterschicht oder der angeblich “bildungsfernen Schicht”, haben erhebliche Nachteile:

  • Sie müssen bessere Leistungen erbringen, um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten, wie z.B. Akademikerkinder.
  • Sie landen viel häufiger auf Sonderschulen und Hauptschulen und häufiger auf Realschulen als z.B. Akademikerkinder.
  • Sie erzielen viel seltener ein Abitur oder einen Fachhochschulabschluss als z.B. Akademikerkinder.
  • Sie finden sich sehr viel seltener auf Universitäten ein als Akademikerkinder und diejenigen, die sich einfinden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, das begonnene Studium abzubrechen als Akademikerkinder.

Wenn es darum geht, nach der sozialen Herkunft zu filtern, dann erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.
Nicht nur Kinder aus der Arbeiterschicht haben im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile, ja werden im deutschen Bildungssystem benachteiligt, sondern auch Jungen.

  • Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von der Einschulung zurückgestellt zu werden als Mädchen.
  • Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sitzen zu bleiben als Mädchen.
  • Jungen haben eine viel höhere Wahrscheinlichkeit auf eine Sonderschule abgeschoben zu werden als Mädchen.
  • Jungen müssen bessere Leistungen erbringen als Mädchen um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten.
  • Jungen sind viel häufiger auf Sonder- und Hauptschulen zu finden als Mädchen, dafür seltener auf Realschulen und Gymnasien.
  • Entsprechend bleiben Jungen viel häufiger ohne einen Abschluss oder erreichen nur einen Hauptschulabschluss als Mädchen und sie erreichen deutlich seltener eine Hochschulreife als Mädchen.

Wenn es darum geht, Bildungskarrieren nach Geschlecht zu selegieren, dann erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.

Auch Migrantenkinder werden in deutschen Schulen selegiert. Obwohl die meisten Migranten in dritter oder vierter Generation in Deutschland leben, bleiben ihre Schulergebnisse deutlich hinter den Ergebnissen deutscher Schüler zurück. Die Liste der Nachteile liest sich fast identisch:

  • Kinder aus Migrantenfamilien haben eine höhere Wahrscheinlichkeit von einer Einschulung zurückgestellt zu werden als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien bleiben häufiger sitzen als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien finden sich häufiger auf Sonder- und Hauptschulen, dagegen viel seltener auf Gymnasien als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien finden sich nur selten unter Studenten.

Auch im Hinblick auf die Selektion von Migrantenkindern erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.
Alle berichteten Ergebnisse sind wiederholt in den verschiedensten Untersuchungen berichtet worden. Die Berliner Element-Studie, die Hamburger Lau-Studien, die PISA-Studien, die TIMSS-Studien, die IGLU- und PIRLS-Studien, sie alle haben diese Ergebnisse berichtet. Man muss die Ergebnisse daher als empirisch gesichert ansehen.

Dieser Versagensliste stehen Ergebnisse aus einer mittlerweile stattlichen Anzahl von Studien gegenüber, die Corey A. DeAngelis für CATO zusammengestellt hat. Sie zeigen, dass private Schulen öffentlichen Schulen in jeder Hinsicht überlegen sind. Schüler, die an privaten Schulen ausgebildet wurden, sind toleranter, werden seltener straffällig als Schüler, die an öffentlichen Schulen ihr Dasein fristen mussten und, wichtiger noch: Schüler, die an privaten Schulen gelehrt wurden, sind insgesamt besser gebildet als Schüler, die öffentliche Schulen besucht haben. Private Schulen sind sozial durchlässiger als öffentliche Schulen, d.h. sie reduzieren die soziale Ungleichheit und alles zusammengenommen sind private Schulen für eine Gesellschaft die billigere Option. Über das Leben eines Schülerjahrgangs gerechnet, belaufen sich die Mehrkosten, die für eine öffentliche Bildung bei gleichzeitiger schlechterer Ausbildung und Leistung der Schüler erbracht werden müssen, auf knapp 50% des Bruttosozialprodukts eines Jahres der entsprechenden Gesellschaft.

Für Deutschland sind das immerhin 1.7 Billionen Euro.

Aber natürlich werden derartige Ergebnisse die Kaste der Funktionäre, die auf dem öffentlichen Bildungssystem sitzt, nicht beeindrucken, schon weil es Rückmeldungen aus der Realität sind. Die Fragen, ob die beste Bildung für Schüler bereitgestellt wird, ob die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems optimal ist, ob Schüler seltener zu Straftätern werden, sind für Funktionäre von Gewerkschaften und Parteien zweitrangig oder irrelevant. Denn ihnen geht es um Kontrolle. 2

Aber natürlich werden derartige Ergebnisse die Kaste der Funktionäre, die auf dem öffentlichen Bildungssystem sitzt, nicht beeindrucken, schon weil es Rückmeldungen aus der Realität sind. Die Fragen, ob die beste Bildung für Schüler bereitgestellt wird, ob die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems optimal ist, ob Schüler seltener zu Straftätern werden, sind für Funktionäre von Gewerkschaften und Parteien zweitrangig oder irrelevant. Denn ihnen geht es um Kontrolle. Öffentliche Schulen sind ein hervorragendes Kontrollinstrument. Jeder ideologische Blödsinn, von der Nachhaltigkeit bis zum Rassismus kann auf den Lehrplan gesetzt werden, um auf diese Weise den Horizont von Schülern so einzuengen, dass keine abweichenden Ideen entwickelt werden. Nicht zu vergessen, Gewerkschaften leben von öffentlichen Schulen. Müssten sie an privaten Schulen agieren und Lehrern, die nach Leistung bezahlt werden und nicht nach Tarifvertrag, erklären, wozu sie gut sind, Gewerkschaften wären schnell vom Erdboden verschwunden. Also werden die bessere Bildung, die geringere soziale Ungleichheit und die geringeren Kosten der Bildung geopfert, damit Funktionäre auch morgen noch sorgenlos von Bürgern leben können.

Sahlgren, Garbiel H. (2010). Schooling for Money: Swedish Education Reform and the Role of the Profit Motive. London: Institute of Economic Affairs (IEA), IEA Discussion Paper No. 33.

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