Es ist keine Studie, die in einem dieser im Rahmen der Plandemie von Polit-Darstellern so häufig bemühten „PEER-REVIEWED“ Zeitschriften veröffentlicht wurde. Es ist eine Studie, die als „Diskussionsbeitrag“ am Ibero-Amerika Institut für Wirtschaftsforschung der Universität Göttingen veröffentlicht wurde:
Der Diskussionsbeitrag hat es, im Gegensatz zu so vielen anderen Diskussionsbeiträgen, die im Sand verlaufen, in die Medien und in die Pressemitteilungen von Ministerien geschafft. Eine reife Leistung für eine ökonometrische Studie, bei der die meisten, die ihr angebliches Ergebnis nun im Munde führen, keinerlei Idee haben, was die Autoren eigentlich getan haben und vor allem: Wie sie zu ihren Ergebnissen gekommen sind. Aber das macht nichts. Polit-Darsteller zeichnen sich heutzutage durch den Mut zur Wissenslücke, getragen von einer mangelhaften Ausstattung in Kompetenz und häufig auch Intelligenz aus, und das führt dann zu solchen Behauptungen:
Die Aussage ist umfassender Blödsinn, der darauf basiert, dass vermutlich ein Referent, der offenkundig mit der Universität Göttingen in welcher Form von Beziehung auch immer steht, die Zahl 2.5, die sich in der folgenden Passage in dem oben zitierten Machwerk findet, irgendwie entdeckt hat:
Was er nicht gelesen hat, vermutlich schon deshalb nicht, weil er ohnehin nicht verstanden hat, was hier eigentilch getan wird, findet sich in Fussnote 6:
Wir können den lustigen Abkürzungszirkus bereits an dieser Stelle auflösen.
Ein Exportgewinn für Entwicklungshilfe findet sich bei den Ländern, an die man in erster Linie denkt, wenn man Entwicklungshilfe hört, LDCs, Least Developed Countries überhaupt nicht. Für jeden US-Dollar an Entwicklungshilfe, den Deutschland ausgibt, fließen nach Rechnung der Autoren aus Göttingen 50 Cent zurück. Das ist in meiner Rechnung ein Verlust, kein Gewinn.
Dass die Autoren die 2,5 US-Dollar, die es angeblich für einen US-Dollar Einsatz in Entwicklungshilfe gibt, überhaupt errechnen können, das liegt daran, dass sie UMICS (Länder wie China, Türkei, Mexiko, Brasilien, Indonesien …): Upper Middle Income Countries und MADCTs, More Advanced Developed Countries and Territories, wie Israel, Südkorea, Singapur, Taiwan, Hongkong, Kuwait, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Brunei, Zypern, Bahamas, Bermuda, Kaimaninsel, niemand würde bei diesen Ländern an Entwicklungshilfe denken, in ihre Rechnung einfließen lassen, also Länder, in die Deutschland OHNEHIN viele Waren exportiert, ganz unabhängig von Entwicklungshilfe und damit sind wir genau an dem Punkt angekommen, ab dem es nach meiner Ansicht unlauter wird:
Denn die Rechnung der Autoren basiert auf Aggregaten, auf Aggregaten von Entwicklungshilfe, die keinem Empfängerland direkt zugeordnet werden können und auf Aggregaten von Exporten, in denen Exporte nach China, Brasilien und andere Länder, die hoch in der Rangliste deutscher Handelspartner rangieren, enthalten sind. In diesem großen Gemansche gehen Länder wie Afghanistan, Äthiopien, Niger, Mali, Burkina Faso, Tschad, Südsudan, Somalia, Jemen, Demokratische Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik, also die Länder, an die man denken würde, wenn man nach einem ENTWICKLUNGSLAND gefragt wird, ebenso unter wie die LMICs (Lower Middle Income Countries), Pakistan, Nigeria, Ägypten, Marokko usw.
Indes: Statistisch gehen sie nicht unter, statistisch werden sie hochgespült, auf den Wert von 2.5 US-Dollar pro eingesetztem einen Dollar Entwicklungshilfe [In der Studie ist US-Dollar die Berechnungseinheit. Vielleicht hat jemand genug Mitleid, um es dem Nitwit, der sich mit den Zahlen brüsten will, mitzuteilen…]
Eine klassische Täuschung.
Aber noch lange nicht das Ende der Täuschung, denn der eine USD-Dollar, Entwicklungshilfe, genauer: ODA-Zahlung [ODA = Official Development Assistance], den die Autoren in ihrer Rechung berücksichtigen, entspricht zwischen 12% und 44% der tatsächlichen Entwicklungshilfe:
„This is important to keep in mind when setting results into context, as our aid variable corresponds to only between 12 percent and 44 percent of headline disbursements of aid (see Figure 4). Furthermore, the ODA data used for the analysis does not include domestic expenditures (e.g., spending on refugees within a donor country), even though such expenses can, under some conditions, be counted toward a donor’s aid position under OECD rules.“
Man muss also korrigieren. Nicht 2,5 USD, sondern zwischen 0,3 Cent und 1,1 USD gezahlter Entwicklungshilfe kommen angeblich über Exporte zurück. Kämen zurück, wenn man diese Rechnung machen könnte. Aber das kann man nicht, denn die Autoren berechnen nach eigener Aussage ELASTIZITÄTEN. Die errechnte Elastizität für Deutschland hat den Wert 0,108 (zu finden in Tabelle 1 und 2).
Eine Elastizität von 0,108 heißt nicht:
- „von jedem ODA-Euro fließen 2,50 Euro als Zahlung für deutsche Waren zurück“,
- und auch nicht „die Empfänger geben die Hilfe für deutsche Produkte aus“.
Sie heißt nur: Wenn die bilaterale ODA an Land (j) um 1 Prozent höher ist (nach den Kontrollen und Fixeffekten), sind die beobachteten Geber-Exporte nach (j) im Schnitt um etwa 0,108 Prozent höher. Und während sich die ODA nicht genau auf ein Land zuordnen lassen, werden in den Exportgewinnen reale Entwicklungsländer mit großen Handelspartnern wie China, Brasilien oder Indien vermanscht.
Der Vollständigkeit halber:
- Ein Exportwert wird als Gewinn ausgegeben. 2,50 USD mehr Exporte, selbst wenn es sie gäbe, entsprechen nicht 2,50 USD Gewinn und schon gar nicht 2,50 USD für den Bundeshaushalt.
- Direkte Lieferbindung und „zusätzliche“ Exporte sind miteinander vermanscht. Wenn ein Teil der ODA deutsche Lieferungen finanziert, ist ein Teil des Exports die Ausgabe selbst, nicht eine Zugabe.
- Der Durchschnitt 2,50 wird von Schwellenländern getragen, nicht von typischer Armutsbekämpfung in LDCs.
- Beschäftigung und Wertschöpfung sind Multiplikatorrechnung, keine Kassenwirkung.
Und wenn Sie sich für die „Rechnung“ interessieren, die sieht so aus:
Sowas ist immer ein gutes Mittel, um diejenigen, die von Mathematik so viel Ahnung haben, wie von den meisten sonstigen Dingen, also keine, in Ehrfurcht erstarren zu lassen. Wenn man solche Gleichungen auflöst, dann wird sehr deutlich, welcher Humbug hier als Ökonometrie ausgegeben wird.
Bedeutung der Teile:
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ln(Exportejt): natürlicher Logarithmus der Exporte des Gebers (z. B. Deutschland) nach Empfängerland (j) im Jahr (t). Logarithmieren heißt: die Koeffizienten bilden näherungsweise prozentuale Zusammenhänge ab;
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αj: fixer Effekt für jedes Empfängerland. Soll für das jeweilige Land (j) alles abbilden, das sich NICHT verändert, Dinge wie Größe, Distanz, Sprache, Kolonialgeschichte, grundsätzliche Marktöffnung usw.;
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χt+δ1 : Jahres-Effekt. Soll weltweite Schocks eines Jahres abbilden (Krise, Pandemie, Rohstoffpreise).
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ln(ODAjt): Log der bilateralen Netto-ODA dieses Gebers an Land (j). Das ist die Zielvariable.
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ln(ODAandere DAC,jt): Log der Hilfe anderer Industrienationen (DAC)-Geber an dasselbe Land. Idee dahinter: fremde Hilfe kann deutsche Exporte verdrängen.
KONTROLLEN:
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ln(Einkommenjt): Log des BIP des Empfängers (Nachfrage/Marktgröße).
- Freihandelsabkommen: 0/1-Dummy, ob in einem Jahr ein Freihandelsabkommen vorhanden ist.
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ln(Wechselkursjt): nominaler Wechselkurs Empfängerwährung je Geberwährung.
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εjt: Rest, der nicht erklärt wird.
Ökonometrie ist in der Regel gehobener Unfug. Sie wird zum Betrug, wenn Ergebnisse in einer Weise dargestellt werden, die politische Nitwits dazu veranlassen, sie aufzugreifen und mit ihrer Ahnungslosigkeit zu etwas vollkommen anderen zu transformieren.
