Caerphilly ist derzeit politisches Schlachtfeld, denn es steht eine Nachwahl zum Welsh Senedd, dem Parlament von Wales an. Caerphilly, bislang ein sicherer Wahlkreis für Labour wird dieses Mal KEINEN Vertreter von Labour ins Parlament schicken, das steht bereits fest.
Doch der Reihe nach.
Caerphilly liegt am südlichen Ende des Rhymney Valley, durch Caerphilly Mountain von Cardiff getrennt, der Berg ist zudem die Außengrenze des südwalisischen Kohlefelds, denn, wie so viele Orte in den Welsh Valleys (Tälern), so hat auch Caerphilly eine Geschichte im Bergbau.
Und wie jede Bergbau-Gemeinde so hat auch Caerphilly den dazugehörigen Männerchor, wenngleich der von Caerphilly seine Wurzeln im dortigen Cricket-Club sieht:
Pub und Male Choir. Es kommt zusammen, was zusammen gehört.
Indes, die relativ häufig in Wales zu beobachtende Verklärung der Zeit des Bergbaus, als die Valleys nicht nur Orte der Arbeit, sondern vor allem des Reichtums waren, lässt gemeinhin aus, was ebenfalls mit Bergbau verbunden ist: Unglücke.
Bedwas Colliery unweit von Caerphilly, eröffnet 1909, hatte bereits 1912 ein heftiges Unglück zu verzeichnen, eine Methan-Explosion, die 3 Tote und 9 Verletzte unter den Bergarbeitern forderte. Indes, alle Unglücke, die sich in Bedwas ereigneten, verblassen angesichts des Disasters, das sich 1913 in der ebenfalls unweit von Caerphilly gelegenen Senghenydd Mine ereignet hat:
„At 8:00am on Tuesday 14 October 1913 a huge explosion rocked the tiny town of Senghenydd, to the north of Caerphilly. It came from the coal mine belonging to the Universal Colliery, the most significant employer in the area, and before the hour was out it was clear to everyone, miners and their families alike, that what had happened was a disaster of major proportions.
The explosion, and subsequent release of poisonous gas, killed 439 miners, making the Senghenydd pit disaster the most lethal and tragic mining disaster in British history. On that morning nearly 950 men had been working below ground, and many of them were killed or injured before they even knew what was happening.“
Quelle: Aber Valley Heritage
439 Tote und zahllose Verletzte forderte diese Katastrophe.
Indes, die meisten, die den Namen Caerphilly schon einmal gehört haben, werden ihn mit Caerphilly Castle oder Caerphilly Cheese in Verbindung bringen.
Gilbert de Clare begann 1268 mit dem Bau von Caerphilly Castle, d.h. nicht er, sondern seine Arbeiter. Die Burg sollte Schutz vor dem damaligen Prince of Wales, Llywelyn ap Gruffudd, bieten, der zweimal vergeblich versucht hat, den Bau der größten Burg in Wales zu verhindern.
Das ist eine Art, den Ort zu beschreiben, der im Zentrum des Wahlkreises liegt, dessen Wähler am 23. Oktober 2025 darüber entscheiden, wer sie im Welsh Senedd vertreten soll. Der bisherige Abgeordnete für Caerphilly, David Hefin, ist am 12. August plötzlich verstorben. Sein Tod macht die Nachwahl, die innerhalb von drei Monaten stattfinden muss, notwendig.
Bisland ist Caerphilly eine Bank für Labour gewesen.
Seit der Devolution von Wales und der ersten Wahl zum Welsh Senedd wurde der Wahlkreis von einem Labour Abgeordneten vertreten. 49% der abgegebenen Stimmen (2011), 35,3% (2016) und 46% (2021) haben dafür gesorgt. Indes: In Wales geht eine Ära zuende, die Wales-weiten Wahlen zum Senedd im Mai 2026 werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Labour nicht mehr die Regierung in Wales stellt.
Die Wahl in Caerphilly ist insofern ein Stimmungsbarometer, das den Umfang der Wahlkatastrophe, der Welsh Labour entgegen sieht, deutlich macht.
Caerphilly ist ein Wahlkreis, in dem, wenn man so will, die Welt (selbst für Waliser Verhältnisse) noch in Ordnung ist. Mit einem Altersdurchschnitt von 42 Jahren (entspricht dem Durchschnitt für Wales), einem unterdurschnittlichen Anteil von Bewohnern, die in der Lage sind „Cymraeg“ zu sprechen, einer unterdurchschnittlichen Arbeitslosenquote gehört der Wahlkreis unweit von Cardiff zu den Valley-Wahlkreisen, die das Ende des Bergbaus besser als andere wettgemacht haben. 56,7% der Einwohner von Caerphilly geben an, keiner Religion anzugehören, 36,4% sehen sich als Christen, Muslime, Buddhisten oder Hindu kommen in gleich geringen Anteilen von um die 0,3% vor. 97,7% der Einwohner sind weiß, 69,3% identifizieren sich als vornehmlich als „Welsh“, 13.3% als „British“ und 9.5% als „British-Welsh“. Zuwanderung spielt eine sehr geringe Rolle: 87,3% der Einwohner sind in Wales, 9,1% in England geboren, Schotten steuern 0,5% der Einwohner bei, gefolgt von den beiden größten Migranten-Communities mit jeweils 0,3%: Deutsche und Polen. [Alle Daten vom Office for National Statistics]
Und dennoch ist Immigration DAS Thema im derzeit stattfindenden Wahlkampf in Caerphilly.
Weniger, weil man von Migranten überrannt wird, wie das z.B. im Norden Englands der Fall ist, sondern um den Anfängen zu wehren, um zu verhindern, dass man von Migranten überrannt wird, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Labour und Plaid Cymru, eine Art waliser Imitat von Labour, Wales zum Sanctuary Country für Migranten ernannt haben, was in erster Linie bedeutet, dass sie 55 Millionen GBP in dunkeln Kanälen ihrer Cronies verschwinden lassen.
Wenn man sich ein Bild über Plaid Cymru machen will, dann gibt es wenig, was die folgende Sequenz an Fragen offenlässt, in der der Parteiführer von Plaid Cymru Rhun ap Iorwerth behauptet, es gebe keine „illegale Migration“ und dieses Hirngespinnst allen Ernstes verteidigt:
Die Bedeutung dieser Nachwahl zum Welsh Senedd wird auch am Personal deutlich, mit dem Reform UK vor Ort um Stimmen für den eigenen Kandidaten, Llyr Powell, wirbt.
Look who I found in the Valleys
— Lee Anderson MP (@LeeAndersonMP_) October 12, 2025
Llyr Powell, geboren in Caerphilly und einer von 10,5%, die noch Cymraeg sprechen können, hat im Kandidaten von Plaid Cymru, Lindsay Whittle, der 2016 schon einmal erfolglos versucht hat, über Caerphilly in den Senedd zu gelangen, seinen Hauptkonkurrenten, denn wie Anfangs geschrieben, Labour spielt bei dieser Nebenwahl in der einstigen Hochburg keine Rolle. Eine am heutigen Tag veröffentlichte Umfrage aus Caerphilly macht das mehr als deutlich:
Wir bleiben am Ball.
