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Durchbruch bei Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs: Hoffnung oder Geschäft mit der Hoffnung?

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Krebsarten, die besonders übel sind. Schon die Lage der Bauchspeicheldrüse macht sowohl die Diagnose als auch die Behandlung problematisch. Bislang war die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ somit eine Diagnose, die einem Todesurteil entspricht, lediglich die zeitliche Entfernung des Todes war unbekannt.

Rund 97% derjenigen, die mit Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert werden, sterben innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose. Eine Behandlung ist meist auf eine Linderung der Schmerzen beschränkt, eine Chemotherapie bringt zuweilen einen kurzen Aufschub in der Regel aber nur mehr Leid, allen voran als Thrombozytopenie, einem Mangel an Blutblättchen, der sich in Nasen-, Zahnfleischbluten, Hämatomen niederschlägt, um bei den „harmlosen“ Formen, die eine Thrombozytopenie annehmen kann, zu verbleiben.

Jährlich rund 20.000 Menschen erhalten in Deutschland die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“, etwas weniger als 20.000 Sterben pro Jahr an Bauchspeicheldrüsenkrebs nachdem sie eine Leidensphase hinter sich gebracht haben, die mit starken Schmerzen im Oberbauch und Rücken, ausgelöst durch ein Infiltration der Nerven durch den Tumor beginnt, Gewichtsverlust, Muskelschwund und Appetitlosigkeit mit sich bringt, alle Formen von Verdauungsbeschwerden in beide Richtungen umfasst, Gelbsucht, Atemnot einschließt und in Organversagen resultiert.

Bislang, wie gesagt, ohne medizinische Gegenwehr.

Das scheint sich gerade geändert zu haben: Daraxonrasib, ein Medikament von Revolution Medicines, ein an der Börse notiertes Biotechnologie Unternehmen, das sich auf „RAS-Blocker“ spezialisiert hat, könnte nicht zum Gamechanger, aber zum Einstieg in eine Behandlungsmöglichkeit werden.

RAS – Rat Sarkoma – bösartige Tumore, die ursprünglich bei Ratten entdeckt wurden, sind in ihrer KRAS-Mutation (Kirsten Rat Sarcoma) für metastasierenden Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich. (K)RAS ist ein genetischer Schalter, der Zellwachstum an- bzw. ausschaltet. In seiner mutierten Form bleibt der Schalter auf Zellwachstum und regelt nicht, sondern zerstört. 

Daraxonrasib, eine Tablette zur oralen Einnahme, nimmt KRAS ins Visier und scheint zumindest eine Verlängerung des Lebens für diejenigen, die die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ erhalten haben, zu bewerkstelligen. Die Ergebnisse eines derzeit laufenden Phase-III-Trials, die gerade veröffentlicht wurden, legen diesen Schluss nahe:

Die Abbildung stammt aus dem folgenden Beitrag, der gerade im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde:

O’Reilly, Eileen M., Zev A. Wainberg, Andrew E. Hendifar, Mitesh J. Borad, Filippo Pietrantonio, Shubham Pant, Pascal Hammel et al (2026). Daraxonrasib or Chemotherapy in Previously Treated Metastatic Pancreatic Cancer.New England Journal of Medicine.

Sie basiert auf Patienten, die mit PDAC – Duktales Adenokarzinom -, Bauchspeicheldrüsenkrebs in seiner häufigsten Form diagnostiziert wurden, darunter 459 (oberes Panel), die die RAS-Mutation aufweisen und 41, die sie nicht aufweisen. Die obere Abbildung zeigt die Ergebnisse für die Erkrankten, die eine RAS-Mutation aufweisen, die untere Abbildung die Ergebnisse für die RAS-Mutations-Träger UND die 41 mit Bauchspeicheldrüsenkrebs Diagnostizierten, die KEINE Mutation aufweisen. Alle Probanden befinden sich seit längerem in Behandlung, alle Probanden weisen Metastasen auf und wurden in der Vergangenheit gegen Metastasen behandelt.

By SciePro GmbH – https://www.sciepro.com/, CC BY-SA 4.0, Link

Nach 12 Monaten sind noch 53.3% derjenigen am Leben, die eine RAS-Mutation aufweisen und mit Daraxonrasib behandelt wurden, während die Überlebenswahrscheinlichkeit unter denen, die mit Chemotherapie gequält wurden, mit 18,7% deutlich geringer ist. Das Ergebnis wird unter Einschluss der 41 an Bauchspeicheldrüsenkrebs Erkrankten, die keine RAS-Mutation aufweisen, mehr oder minder repliziert, kein Wunder, wenn man die Fallzahl betrachtet.

Mit Daranxorasib Behandelte überleben im Median 13,2 Monate (nur für RAS-Mutation), während diejenigen, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, bereits im Median nach 6,6 Monaten versterben [Der Median teilt eine Verteilung in zwei gleichgroße Teile]. Die Follow-up Zeit, auf der die Ergebnisse oben basieren, beträgt 8.5 Monate, d.h. die Ergebnisse, wie sie dargestellt sind, sind für rund 50% der Probanden unvollständig. Anders formuliert, wenn Befragte zwischen 3,2 Monaten und 15,9 Monaten nachverfolgt werden, dann macht eine Abbildung, die einen Cut-off-Point bei 12 Monaten zieht, eine Survival-Analyse, die mehr als 12 Monate umfasst, wenig Sinn.

Dessen ungeachtet ist die Überlebensdauer für diejenigen, denen Daraxonrasib verabreicht wurde, höher als die für Chemotherapierte, wobei erstere im Durchschnitt noch von 5,6 Monaten berichteten, dass sie einen Lebenswert besessen haben, 5,6 Monate von 9 Monaten, die im Durchschnitt bis zum Zeitpunkt, ab dem Bettlägerigkeit eingesetzt hat, vergangen sind.

Die Meldung, die man derzeit in vielen Wissenschafts-Outlets liest: eine um 60% reduzierte Sterbewahrscheinlichkeit ist insofern FALSCH:

Die WAHRSCHEINLICHKEIT INNERHALB EINES JAHRES nach Beginn einer Behandlung mit entweder Daranxonrasib oder Chemotherapie zu versterben, ist für ersteres und im Vergleich zu zweiterm um rund 60% geringer. Man wird von Daranxonrasib nicht geheilt, das Überleben und vermutlich auch das Leiden wird verlängert.

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Und, wie gewöhnlich, kommt die medikamentöse Verländerung nicht ohne Nebenwirkung, ohne sichere Nebenwirkung, denn alle Probanden hatten mindestens eines der folgenden Symptome von Erbrechen über Blutungen der Mundschleimhaut über Durchfall und Übelkeit bis zu Thrombozytopenie:

Besonders erschreckend ist die Häufigkeit von Neutropenie und Thrombozytopenie bei Chemotherapie. Ersteres beschreibt
eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten (Neutrophile) im Blut was letztlich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich einen Infekt, von was auch immer, einzufangen, mit sich bringt, zweiteres den Hang zu Blutungen, Einblutungen, Hämatomen.

Der Durchbruch ist also kein Durchbruch im Sinne einer Heilung, es ist einer, der verspricht, das Leben für ein paar Monate zu verlängern, einige davon mit berichteter Lebensqualität.


 

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