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Wiedereinstieg in Kernenergie: Wieviel Mann ist in Merz?

Quelle. Amazon.com

Die folgende Abbildung ist das, was man im englischen als „damning indictment“ bezeichnet, am besten übersetzt mit: Armutszeugnis.

Die Stromerzeugung in Europa ist ohne Kernenergie überhaupt nicht denkbar, und sie übersteigt die Stromerzeugung durch Photovoltaik oder Windenergie in erheblichem Ausmaß. Kernenergie liefert sauberen Strom, Entsorgungsprobleme gibt es durch die Möglichkeit, abgebrannte Brennstäbe wieder aufzubereiten bzw. alte Brennstäbe in modernen AKWs wieder zu verwenden – sind die Grünen nicht große Freunde des Recycling? – nicht in relevantem Ausmaß. Die Stromversorgung ist zuverlässig und problemlos auch in Zeiten möglich, zu denen es dunkel ist oder kein Wind weht oder eine Hitzewelle oder eine Kältewelle über Europa schwappt.

Kurz: Wer nicht in Kernenergie investiert hat den Anschluss verpasst, und die Bürger, die mit Polit-Darstellern konfrontiert sind, die es verweigern, in Kernenergie zu investieren, sollten sich fragen, wie sie mit diesen Leuten enden konnten.

2002 haben Gerhard Schröder und Joschka Fischer den Coup begonnen, der dann im April 2023, leider war das kein Aprilscherz, von Robert Habeck und Olaf Scholz mit der Stilllegung der letzten drei verbliebenen Reaktoren abgeschlossen wurde. Seither hat sich die Stromversorgung in Deutschland sukzessive verschlechtert und Deutschland ist von einem Land, in dem 1957 in der Nähe von München der erste Versuchsreaktor angelaufen und ab 1960 bis zu 30% des Strombedarfs per Kernenergie gedeckt wurde, was es ermöglicht hat, Strom für gutes Geld zu exportieren, zu einem Netto-Importeur von Strom geworden, einem Land, das bei Nachbarn betteln muss: „Ey, haste mal ’n Kilowatt?“.

Hilly & Rettberg (2026).

Den beklagenswerten Zustand derzeitiger deutscher Stromversorgung, die am besten dadurch charakterisiert wird, dass zu Spitzenzeiten der Stromerzeugung Nachbarländern Geld bezahlt werden muss, damit sie deutschen Überschussstrom abnehmen, während in Zeiten der Hell- oder Dunkelflaute, stromerzeugende Nachbarstaaten große Kasse mit den Deutschen machen, die gezwungen sind, Strom zu jedem Preis abzunehmen, ist im Wesentlichen der Hysterie geschuldet, die Merkel genutzt hat, um in Zuge von Fukushima den deutschen Kernkraftwerken, denen kurz zuvor noch eine Laufzeitverlängerung gewährt worden war, dieselbe wieder zu entziehen und den Ausstieg endgültig zu machen. Merkel ist für vieles verantwortlich, das den Lebensstandard der Deutschen reduziert hat. Historiker in 100 Jahren werden ihr vermutlich den Titel „größter Wohlstandsvernichter aller Zeiten“ überreichen.

Die Frage, die plötzlich wieder im Bewusstsein der seit 2023 kernenergielosen Deutschen aufgetaucht ist, eine Frage, die durch Dauerbetrieb in Gas- und Kohlekraftwerken, weil Wind und Sonne versagen, Wind tagsüber, Sonne nachts, dringlich in manchen Hirnen geworden ist, ist die nach einem Wiedereinstieg in die Kernkraft. Ist er überhaupt machbar?

In einer Umfrage, die YouGov und das Sinus-Institut durchgeführt haben, Anlass war der 40. Jahrestag von Tschernobyl, gaben 53% der zwischen dem 13. und 16. März 2026 Befragten an, der Ausstieg aus der Kernenergie sei ein Fehler gewesen. Lediglich 40% der Befragten waren der Ansicht, der Schritt sei richtig gewesen: „62 Prozent der Wähler, die bei der Bundestagswahl 2025 die SPD gewählt haben, finden den Atomausstieg richtig, 32 Prozent finden ihn falsch. Dagegen lehnen Wähler von CDU/CSU den Atomausstieg im Rückblick mehrheitlich ab: Nur 32 Prozent finden den Ausstieg richtig, 63 Prozent finden ihn falsch“.

Quelle: YOUGOV

Die Frage nach der Machbarkeit, der Tragfähigkeit und den Kosten eines Wiedereinstiegs in die Kernenergie ist Gegenstand eines gerade veröffentlichten Berichts der „Radiant Energy Group“, eine etwas mysteriöse Veranstaltung mit Sitz in Chicago:

Hilly, Madison & Rettberg, Jakob unter Mitarbeit von Sascha Brechtel, Daniel Brand, David Gramatzki und Niels Harksen (2026). Wiederinbetriebnahme deutscher Kernkraftwerke. Wirtschaftliche Tragfähigkeit und Ausblick. Chicago: Radiant Energy Group.

Wir haben diesen Bericht, wie in solchen Fällen wichtig, mit dem Methodenteil begonnen und etliche Hinweise gefunden, denen man die Schwierigkeiten entnehmen kann, auf die Autoren und Mitarbeiter beim Versuch gestoßen sind, das STADIUM des Rückbaus, in dem sich die deutschen Reaktoren befinden, genau zu bestimmen. Wenn man berechnen will, ob ein Wiedereinstieg unter Verwendung der Reste deutscher Reaktoren möglich ist, wieviel der ursprünglichen Infrastruktur noch in Takt ist, wie viel repariert bzw. vollständig ersetzt werden muss, dann ist es natürlich wichtig, den konkreten Stand der Zerstörung bestimmen zu können. Dass die Autoren hier Probleme hatten, macht etwas skeptisch im Hinblick auf die Ergebnisse, dass sie versucht haben, alle Berechnungen sehr konservativ zu halten und ihre Ergebnisse mit einem Zuschlag von 35% versehen haben, um falsche Schätzungen und Kostenüberschreitungen damit abzudecken, und diesen Zuschlag um eine Fehlerspanne von weiteren 20% ergänzen, bringt Vertrauen zurück. Eine Maßnahme, die Vertrauen dahingehend schafft, dass die Kosten nicht erheblich unterschätzt wurden.

Die Baukosten, in diesem Fall die Wiedererstellungskosten sind der wesentliche Kostenfaktor bei Kernkraftwerken. Dagegen sind die Betriebskosten eher gering. Das gesagt, ist die Ausgangssituation, sieht der derzeitige Zustand deutscher Kernkraftwerke in etwa so aus.

Hilly & Rettberg (2026).

In gewisser Weise ist die Tatsache, dass Kernkraftwerke eine lange Rückbauphase nach Ende ihrer Lebensdauer haben, ein Faktor, der die Kosten, wenn ein Wiedereinstieg ins Auge gefasst wird, erheblich zu reduzieren vermag und die Suche nach Fachpersonal abzukürzen im Stande ist, weil die meisten stillgelegten Kernkraftwerke in Deutschland nach wie vor rund 50% ihrer Angestellten beschäftigen. Dessen ungeachtet ist die Zerstörung der Kraftweke in einem unterschiedlichen Stadium angekommen, das die Autoren veranlasst hat, drei Gruppen von Kernkraftwerken zu bilden, von A nach C mit zunehmenden Kosten und zunehmender Dauer, um den Zerstörungszustand zu überkommen.

Hilly & Rettberg (2026).

5 der stillgelegten Reaktoren, die zuletzt stillgelegten Reaktoren, sind innerhalb von 50 Monaten wieder herstellbar, wobei ein fiktiver Zustand zum 1. Januar 2027 unterstellt wird, der sich schlechter darstellt als der derzeitige Zustand, wie er aus Berichten von Mitarbeitern, ehemaligen Werkleitern usw. rekonstruiert werden konnte. Ein weiteres konservatives Moment, das das Vertrauen in die Ergebnisse erhöht. Die Kosten für die Re-Aktivierung der fünf 2023 stillgelegten Reaktoren belaufen sich auf rund 8,5 Milliarden Euro, Peanuts, wie Franz Müntefering wohl sagen würde, Peanuts, die die Stromversorgung sichern, die Strompreise sinken lassen und zu Gestehungskosten möglich sind, die erheblich unter denen liegen, die für die hochsubventionierten Vogelschredder anfallen. Am teuersten wird die Reaktivierung der Reaktoren von Biblis, einst der Ort, an dem verlässlich die größte Menge Atomstrom in Deutschland produziert wurde. Zwangsläufig würde die Re-Aktivierung von Biblis und Philippsburg mehr Zeit in Anspruch nehmen. Dessen ungeachtet wäre auch Kernenergie aus Biblis oder Philippsburg zu Stromgestehungskosten realisierbar, die noch unter dem Großhandelspreis von 2025 liegen:

Hilly & Rettberg (2026).

Stromgestehungskosten, das sind die Gesamtkosten pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) Strom über die gesamte Lebensdauer einer Anlage gerechnet, auch als Levelized Cost of Electricity (LCOE) bekannt. Und damit wir alle wissen, in welcher Größenordnung wir uns bewegen:

„Die zusätzliche Stromerzeugung, die ein vollständiges Wiederinbetriebnahmeprogramm ins deutsche Netz bringen würde, wäre erheblich. Die Reaktoren der Prioritätsgruppe A, die im Jahr 2031 wieder ans Netz gehen könnten, würden 54 Terawattstunden zusätzliche Jahresproduktion bereitstellen. Prioritätsgruppe B, deren Rückkehr in den Betrieb 2032 möglich ist, würde weitere 31 Terawattstunden pro Jahr hinzufügen. Prioritätsgruppe C als Abschluss des Programms würde 62 Terawattstunden pro Jahr ergänzen. Zusammen würden die drei Gruppen nahezu 150 Terawattstunden gesicherte, steuerbare Stromerzeugung pro Jahr liefern – das entspricht fast einem Drittel der heutigen deutschen Jahres -Netzlast von etwa 470 Terawattstunden.“

Hilly & Rettberg (2026).

Einst hatte Deutschland die größte AKW-Flotte in Europa. Die noch vorhandenen Reste könnten zu relativ günstigen Preise, wenn Hilly und Rettberg Recht haben, re-animiert werden. Das Verhältnis von Kosten und Leistung ist nach wie vor sehr gut. Indes: Die Zeit drängt. Jeder Tag, der verstreicht, erhöht die Kosten einer Wiederinbetriebnahme der Reaktoren, denn jeder Tag ist ein Tag, an dem sie weiter zerstört werden und aus Tagen werden oft Jahre:

„Jedes Jahr politischer Untätigkeit erhöht die Kosten, verlängert den Zeitbedarf und verengt die verfügbaren Optionen. An dieser Stelle sei betont, dass die Bewertung in diesem Bericht konservativ einen Rückbauzustand zum 1. Januar 2027 unterstellt; jedes Handeln vor diesem Zeitpunkt würde die Anlagen in einem günstigeren Zustand erhalten, als der Analyse zugrunde liegt, und so das Argument für eine Wiederinbetriebnahme weiter stärken.“

Den Russland-Phobischen sei gesagt, dass Natururan aus Australien oder Kanada bezogen werden kann, selbst in Deutschland finden sich entsprechende Vorkommen, die man abbauen kann. Abgebrannte Brennstäbe können wieder aufbereitet werden, die Anreicherung von Uran in Eigenverantwortung betrieben, die Wiederverwendung abgebrannter Brennstäbe durch moderne Verfahren optimiert und die Stromversorgung aus Nuklearenergie nahezu zu einem autarken Unterfangen gemacht werden.

Das alles ist möglich, wenn es den politischen Willen dazu gibt, wenn die Leute, die keinerlei Probleme damit hatten, Bürger einzusperren, um sie vor einer nicht existenten Gefahr zu schützen, die seit Jahren den Wirtschaftsstandort Deutschland zerstören und in eben diesen Jahren stets betont haben, sie führten nur das Beste für Deutschland im Schilde, den Entschluss fassen, wieder in billigen Strom und Versorgungssicherheit zu investieren, um damit die Grundlage für industrielles Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand zu schaffen. Aber natürlich wird ein solcher Entschluss auf den erbitterten Widerstand derjenigen stoßen, die gegen alles sind, ohne zu wissen, warum sie gegen alles sind. Deshalb benötigt die Entscheidung zun Wiedereinstieg jemanden, der einen Arsch in der Hose, in der Verlängerung Rückgrat und ganz oben einen festen Willen hat, das zu tun, was er und die meisten Deutschen für richtig halten.

Deshalb unsere Frage: Wieviel Mann ist in Merz?
Ist überhaupt noch Mann in Merz?


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