Ein Windpark, der nach aller Wahrscheinlichkeit NIE Rentabilität erreichen wird
Die Perle des Leiningerlandes.
So die Selbstbeschreibung der Gemeinde Dirmstein:
”Dirmstein ist der Mittelpunkt des Dreiecks Worms/Frankenthal/Grünstadt an der pfälzischen Grenze zu Rheinhessen. Hier beginnt das Leiningerland, und der Gemüsegarten Deutschlands geht in das Rebenmeer der Deutschen Weinstraße über.”
Die im Kreis Bad Dürkheim liegende Gemeinde lebt vom “guten „Tröpfchen““ und der vielfältigen Gastronomie” präsentiert sich als “anerkannte Fremdenverkehrsgemeinde”. Indes, die malerische Gemeinde leidet schon seit längerem unter einem Makel, den ein Leser von ScienceFiles im Bild festgehalten hat:
Sie thronen über dem kleinen Ort, geben ihm eine drohende Kulisse, eine Art apokalyptischer Reiter, die auf Opfer warten:
Grauslig, und wenn es nach BayWa geht, dann reicht diese Verunstaltung der Landschaft nicht, dann sollen weitere 17 Nordex-N175 Ungetüme die Aussicht verbauen, 16 davon auf dem Gelände der Gemeinde Dirmstein, eine auf dem Gelände von Obersülz. 179 Meter Nabenhöhe, ein Rotor von 175 Metern, eine Gesamthöhe von 266,5 Metern. Die Aussicht wird dadurch nicht besser.
Das Bild oben zeigt den derzeitigen Bestand von Windturbinen, Vestas V80 im Wesentlichen mit einer Gesamthöhe von 100 bis 140 Metern. Wir haben mit Hilfe von Grok in dasselbe Bild die neuen N175 eingepasst, um die neue Bedrohungslage zu zeigen. Sie sieht so aus:
Wie die Martians in H G. Wells “War of the World“, so kommen auch die Windungetüme immer näher an den Ort heran…
Einfach grauslig.
Aber natürlich, wenn man den Angaben von Baywa, Bauherr und Betreiber, Glauben schenkt, ein rentabler Graus, jedenfalls für die, die sich davon Profit versprechen oder – wie die Gemeinde Dirmstein – für 200.000 Silberlinge, die sie als Zahlung pro Jahr erwarten, haben kaufen lassen. Der neue Windpark ist somit genehmigt, bei Baywa wartet man nach eigenen Angaben auf die nächste EEG-Auktion, um 2027 mit dem Bau beginnen zu können.
Die Frage, die uns beschäftigt: Wie wahrscheinlich ist es, dass in Dirmstein unter den Bedingungen des neuen EEG überhaupt ein Gewinn erzielt werden kann? Wie berechtigt sind die Hoffnungen der Gemeinderäte auf das große Geld?
Beginnen wir damit, die Suppe zu versalzen.
Ausgangspunkt sind die notwendigen Investitionen, das, was an Kosten anfällt, um 17 N175 Ungetüme zu errichten. Die Angaben basieren im Wesentlichen auf den Angaben, die Baywa in der eigenen Hochglanzbroschüre macht und sind um die Kosten für den laufenden Betrieb ergänzt:
Vergangene Rechnungen haben gezeigt, dass Windparks, insbesondere solche, die wie der Dirmsteiner Windpark in einer windarmen Gegend liegen und selbst nach den Angaben des Betreibers bestenfalls 1985 Volllaststunden erreichen (13,5 MWh pro Anlage, laut Prospekt von Baywa), nicht rentabel betrieben werden können. Aber natürlich ist das eine Rechnung, die man so nicht in den Unterlagen des Betreibers findet.
Wir zeigen in diesem Post, wie zukünftige Einnahmen gutgerechnet werden, um einen Windpark, der nicht rentabel ist, rentabel zu rechnen, um lokale Gemeinderäte mit GEEELD ködern zu können, das ihrer Gemeindekasse zufließen soll. Dazu ermitteln wir den bei Banken üblichen P90-Wert, der eine Investitionsgrenze beschreibt, die einen Unterwert angibt, der in 9 von 10 Betriebsjahren nicht unterschritten wird. Für den neuen Windpark in Dirmstein gehen wir von 1.700 Volllasstunden als sichere untere Betriebsgrenze aus, die in 9 von 10 Jahren erreicht werden kann.
Angesichts der Windverhältnisse vor Ort scheint diese Annahme gerechtfertigt zu sein. Gleichzeitig rechnen wir mit den Angaben von Baywa (1985 Volllaststunden) um die Differenz zwischen wahrscheinlich und gewünscht deutlich zu machen. Die folgende Abbildung zeigt eine Ertragsbilanz, die auf den Angaben von Baywa basiert, eine Preisteigerung von 2% bei Strompreisen pro Jahr annimmt (als eine Art Inflationsausgleich) und 25 Betriebsjahre abbildet:
Eine reine Finanzierung des Windparks über die im EEG garantierten Preise erreicht zu keinem Zeitpunkt eine Gewinnzone. Indes: Folgt man den Angaben von Baywa einmal mit 1985 Volllaststungen (schwarze Linie), einmal mit 1700 Volllaststungen mit unserer Banken-Rentabilitätsrechnung (P90), dann amortisiert der Windpark im 12. bzw. 15. Betriebsjahr die Investititionen.
Nun muss ein solcher Park betrieben und die Investititionen müssen finanziert werden. Ersteres kostet Geld und zweiteres per Zinsen auch. Ergo haben wir die Berechnung realistischer gestaltet und einen Marktzins von 4% eingerechnet, sowie die in der Tabelle oben dargestellten Instandhaltungs- und Reparaturkosten – immer vorausgesetzt, eine Bank finanziert den Windpark mit einem Kredit. Das Ergebnis sieht so aus:
Über das EEG müssen wir nicht mehr reden. Die Einnahmen aus dem EEG bleiben in den 20 Jahren, in denen es gezahlt wird, weit unter der Amortisierungsgrenze. Nach Rechnung von Baywa und uns, unter Einrechnung der Betriebskosten erreicht der Windpark seine Rentabilität nach 16 bzw. 21 Betriebsjahren.
Indes, diese Rechnung basiert auf der Annahme steigender Preise an der Strombörse, eine Annahme, die Baywa freundlich ist und nicht unbedingt sinnvoll, denn Windturbinen liefern Strom zu Zeiten, zu denen die Preise gemeinhin im Keller sind, so dass davon auszugehen ist, dass in der Regel das EEG und der dort vorgesehene Zuschlag die Preise, die unter 6.2 ct/kwh verbleiben, aufstocken muss.
Aber: Wir sind Statistiker und haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die Preisentwicklung der letzten 20 Jahre gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen wir die Strompreisentwicklung der nächsten 25 Jahre mit 400 Random Walks geschätzt und auf die Rentabilität des Windparks in Dirmstein gerechnet haben. Das Ergebnis ist für die Betreiber verheerend und für die Gemeinderäte, die Geld erwarten, auch:
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Windpark in Dirmstein amortisiert, liegt selbst auf Basis der optimistischen Annahmen von Baywa bei lediglich 5%. In 95% der 400 simulierten Strompreisentwicklungen für die nächsten 25 Jahre erreicht der Windpark keine Rentabilität und entsprechend kann auch niemand am Gewinn beteiligt werden, weil schlicht keiner da ist. In unserem P90-Modell (1700 Volllaststunden als Floor) erreicht der Windpark in 99% der 400 Läufe keine Rentabilität.
Man kann also mit aller statistischen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass in Dirmstein 17 Monster zu je 266 Metern Höhe errichtet werden, die KEINERLEI Gewinn abwerfen, in 25 Jahren keine Rentabilität erreichen.
Aber hässlich sind sie.
Wir haben die Höhe der möglichen Verluste für den Betrieb des Windparks berechnet und in der folgenden Tabelle die jeweils wahrscheinlichste Höhe des Verlusts / Gewinns abgebildet.
Windkraft – Technologie aus deutschen Landen …

