Je nach Quelle zwischen 7% (AOK-Gesundheitsatlas), 11% (DAK-Versorgungsreport) oder 16,5% (RKI Gesundheitsberichtertstattung) der Erwachsenen in Deutschland leiden unter einer Arthrose im Knie, einer fortschreitenden Schädigung des Gelenkknorpels und in seiner Folge unter Schmerzen, die beim Gehen, Treppensteigen, beim Aufstehen aus einem Stuhl auftreten und an Stärke über die Zeit in dem Maße zunehmen, in dem die Degeneration des schützenden Knorpels wächst.
Gehören Sie auch dazu?
Sind Ihnen Diclofenac-Gel oder Ibuprophen oder Metamizol oder Glukokortikoide ständige Begleiter, um die Schmerzen im Knie ein wenig unter Kontrolle halten zu können?
Wenn ja, dann sind die folgenden beiden Studien für Sie interessant, denn beide zeigen, dass man, vorausgesetzt, die Arthrose ist noch nicht so sehr fortgeschritten, dass Ärzte die Stirn in tiefe Falten legen und von „Operation“ erzählen, die Symptome reduzieren und die Degeneration im Knie arretieren zumindest verlangsamen kann, wenn man seinen Gang ändert.
Uhlrich, Scott D., Valentina Mazzoli, Amy Silder, Andrea K. Finlay, Feliks Kogan, Garry E. Gold, Scott L. Delp, Gary S. Beaupre, and Julie A. Kolesar (2025). Personalised gait retraining for medial compartment knee osteoarthritis: a randomised controlled trial. The Lancet Rheumatology 7(10): e708-e718.
Wan, Yi, Polly McGuigan, James Bilzon, and Logan Wade (2026). Six-week biofeedback gait retraining programme for people with knee osteoarthritis: A randomised controlled trial. Clinical Biomechanics: 106776.
„Ein personalisiertes Gangmuster-Feedback reduziert die Kniegelenkbelastung beim Gehen“, das steht am Ende der Forschung von Wan Yi et al. (2026), der neueren von beiden, die bestätigt, was Uhlrich et al. (2025) in ihrem früzeitig wegen der Plandemie beendeten Trial zeigen konnte.
68 Probanden bilden die Grundgesamtheit von Uhlrich et al. (2025). Alle leiden an einer milden bis moderaten Kniearthrose. Für alle lässt sich eine Degeneration des Knorpels im Knie nachweisen (per Magnetresonanztomographie, MRT). Alle Teilnehmer am Trial von Uhlrich et al. (2025), 68 an der Zahl, sind in der Lage, 25 Minuten auf einem Laufband zu verbringen, leiden an Schmerzen im Knie und sind nicht übergewichtig. 68 Teilnehmer, die in zwei Gruppen, Interventions- und Kontrollgruppe unterteilt werden.
Die 34 Probanden, die es zu Beginn des Trials in die Kontrollgruppe verschlagen hat, werden die nächsten 6 Wochen einmal wöchentlich ein Trainingsprogramm von 20 Minuten absolvieren und angehalten werden, das Programm auch zuhause täglich umzusetzen. Die 34 Probanden in der Interventionsgruppe nehmen sich Uhlrich et al. (2025) besonders zur Brust. Ihr Gang wird auf einem Laufband studiert, die Belastung, der Druck, der sich beim Gehen im Knie aufbaut, besonders genau beobachtet. Auf Basis dieser Beobachtung werden die Probanden zu einem neuen Gang angehalten, der sich, je nachdem, in welche Richtung sie ihre Zehen wenden 5°-10° nach innen oder außen auf den Druck auswirkt, dem das Knie augesetzt ist. Wie Uhlrich et al. (2025) zeigen können, sind die Reaktionen auf die Zehenbewegung unterschiedlich. Bei den einen reduziert ein Drehen der Zehen nach außen, den Druck auf das Knie, bei den anderen ist es ein Drehen der Zehen nach innen. Bei Dritten hat nichts eine Wirkung, weshalb sie aus der weitere Analyse ausgeschlossen wurden.
Ausgehend von der besten Zehen-Dreh-Methode und über ein unmittelbares Feedback ihres Gangs, werden die Probanden der Interventionsgruppe auf einen neuen Gang getrimmt, einen, der ihre Knie schont, während die Teilnehmer der Kontrollgruppe Übungen absolvieren, ohne ihren Gang zu verändern. Am Ende von sechs Wochen Training sind die Probanden der Interventionsgruppe in der Lage, „neu“ zu laufen. Es folgen Follow-Up Untersuchungen und eine Bestandsaufnahme nach einem Jahr. Geplant waren weitere Bestandsaufnahmen, aber die Plandemie kam dazwischen.
Nach einem Jahr zeigte sich bei denen, die ihren Gang verändert haben, eine im Vergleich zu den Teilnehmern der Kontrollgruppe signifikant geringere Degeneration des Gelenkknorpels im Knie, und sie berichteten im Vergleich zu den Teilnehmern in der Kontrollgruppe von signifikant geringeren Schmerzen im Knie.
Eine auf die individuellen Bedürfnisse angepasste Veränderung der Art und Weise des Gehens hat die vorhandene Kniearthrose insofern im Zaum gehalten, als die Degeneration des Gelenkknorpels verlangsamt werden konnte.
Das Ergebnis von Uhlrich et al. (2025) findet seine Bestätigung in einer neueren Studie von Wan et al. (2026). Sie haben zwei verschiedene Formen des „Biofeedback“ getestet. Alle Teilnehmer des klinischen Trials von Wan et al. (2026), es waren insgesamt 50, alle mit Kniearthrose und ohne Übergewicht, mussten einem ähnlichen Regime folgen, wie es Uhlrich et al. (2025) ihren Probanden vorgegeben haben. 20 Minuten Training einmal wöchentlich wurde einmal durch ein direktes Feedback des Kniedrucks ergänzt, um den schonendsten Gang zu finden, einmal wurde die Zehenstellung so modifiziert, dass der Kniedruck minimiert wurde. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, deren Mitglieder 20 Minuten Training absolvierten, ohne dabei ein Biofeedback zu erhalten, reduzierte sich in beiden Gruppen der berichtete Schmerz im Knie, aber nur für die Gruppe der Probanden, deren Gang nachhaltig verändert wurde, konnte eine dauerhafte Verbesserung berichtet werden.
Der Gang macht offensichtlich die Knieschmerzen.
Lernen Sie neu zu laufen…
