Thunderstruck: AC/DC hilft gegen Krebserkrankung

Australische Wissenschaftler haben den gewissen „knack“. Wir erinnern uns noch – als wäre es gestern gewesen – an den ISA-Kongress [International Sociological Association] in Montréal und die denkwürdige Veranstaltung in der Sektion Theorie und Methoden, die einen australischen Wissenschaftler eine neue Sichtweise auf die Philosophie von Thomas Hobbes hat entwickeln sehen, … eines von einigen Highlights der Veranstaltung … Aber lassen wir das.

Kommen wir lieber zu anderen australischen Wissenschaftlern, zu Steven J. P. McInnes und seinen sieben Mitautoren, die gerade den Beitrag „‘Tunderstruck‘: Plasma-Polymer-Coated Porous Silicon Microparticles As a Controlled Drug Delivery System“ veröffentlicht haben.

In dem Beitrag geht es um Pillen. Pillen bestehen aus einem Trägerstoff, einer Wirkkomponente und einem Überzug. Die Frage, die die Autoren beschäftigt, hat den Überzeug, das Coating, zum Gegenstand und untersucht, wie man einen optimalen Überzug auf biologisch abbaubaren porösen Silikonmikropartikeln (pSi) herstellen kann.

Die Frage ist nicht trivial, denn die Wirkung einer Arznei hängt davon ab, dass die optimale Menge vom Organismus aufgenommen wird, nicht zuviel auf einmal, denn viele Arzneimittel sind in zu großer Konzentration giftig, nicht zu wenig, denn dann bleibt die erhoffte Wirkung aus.

Also geht es darum, den Trägerstoff optimal mit einem Überzeug, der den Wirkstoff enthält oder abschimrt, zu überziehen. Die Autoren gehören auf diesem Feld zu denen, die den Einsatz von pSi propagieren. Um deren Effizienz zu zeigen, haben sich in einem Experiment die Mikropartikel in Schwingung versetzt und überzogen, wobei sie einen Teflon-artigen Überzug erreicht haben, der in einer zwei bis hundertfach langsameren Abgabe des Wirkstoffes resultiert ist als dies bei herkömmlicher Verfahrensweise der Fall ist.

Um diesen optimalen Überzug zu erreichen, müssen die pSi in Schwingung versetzt werden. Das erreichen die Autoren durch Schallwellen. Mehrere Versuche mit monotonen Schallwellen haben nach dem Bericht der Autoren keine befriedigenden Ergebnisse erbracht. Die besten Ergebnisse erreichen sie, so schreiben sie, mit Schallwellen, die das menschliche Ohr in Form des Liedes „Thunderstruck“ von AC/DC erreichen:

„While monotonic frequencies can be used to accomplish agitation [der pSi], our experience with this technique has shown better agitation (and coatings) are obtained from chaotic motion when applied motion is produced by non-monotonic frequencies. For this, music can be used. A song that produces chaotic motion and excellent ‘Teflon-like’ over-coatings on the particles was ‘Thunderstruck’ by AC/DC” (4468).

Womit bewiesen wäre, dass AC/DC therapeutischen Wert haben.

Aber das wussten wir schon lange.

McInnes, Steven J.P., Michl, Thomas D., Delalat, Bahman, Al-Betaineh, Sameer A., Coad, Bryan R., Vasilev, Krasimir, Griesser, Hans J. & Voelcker, Nicolas H. (2016). ‚Thunderstruck‘: Plasma-Polymer-Coated Porous Silicon Microparticles As a Controlled Drug Delivery System. Applied Materials and Interfaces. 8(7): 4467-4476.

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Warum Regierungen nicht nur die Organ-Spendebereitschaft beseitigen

Je mehr Studenten Hochschulen entlassen, umso mehr hat man das Gefühl, dass Erkenntnis, die einst Fachbereiche stolz in Sammelbänden und Zeitschriften publiziert haben, verloren gehen.

Die Verschulung der Hochschulen durch Bologna hat hier ganze Arbeit geleistet und sichergestellt, dass bestenfalls Fachidioten, schlimmstenfalls umfänglich Ahnungslose an Hochschulen in Menge hergestellt werden, ganz abgesehen von den Ideologen, den Kämpfern für das, was sie gerade für richtig halten, den auf Gender Beschränkten und – ja, zuweilen dem ein oder anderen, dem sein Studium nicht geschadet hat.

Ein Ergebnis, das man noch in den 1990er Jahren in vielen Publikationen vorfinden konnte, war unter dem Begriff „motivation crowding out“ bekannt. Die Erzählung ist einfach: Man kann die Motivation von Menschen, etwas zu tun, zerstören, wenn man sie bezahlt, so lautet sie. Die Erzählung ist zu einfach, wie die Forschung gezeigt hat, die vor allem von Urs Gneezy und Aldo Rusticchini zusammengetragen wurde: Geld zerstört die Motivation nur dann, wenn es zu gering ausfällt. “Pay enough or don’t pay at all”, war die Konsequenz, die Gneezy und Rusticchini auf ein Motto gebracht haben.

Nun kann man diese Ergebnisse sozialpsychologisch fassen und formulieren, dass Menschen, denen man zu sehr auf die Pelle rückt, im Bemühen sie zu einer bestimmten Handlung zu bewegen, misstrauisch werden, ein Effekt, den z.B. Frey und Oberholzer-Gee berichtet haben und der dazu führt, dass Menschen, die etwas befürwortet haben, dieses etwas plötzlich nicht mehr befürworten, weil ihnen Geld geboten wird oder allgemeiner, weil ihre Befürwortung plötzlich zum Gegenstand öffentlicher Einflussnahme gemacht wird.

Ergänzt man diese Ergebnisse nun noch um die Erkenntnis, dass z.B. zwischenmenschliche Hilfe eher erfolgt, wenn Helfer und Hilfesuchender in direktem Kontakt zueinander stehen, wenn der Helfer mit dem Bedarf des Hilfesuchenden konfrontiert ist, dann ergibt sich daraus die Erklärung dafür, dass Staaten Spendenbereitschaft ruinieren und dafür, dass Nudging nicht funktionieren kann.

Sozialisten aller Länder haben sich auf Nudging gestürzt, weil sie damit die Hoffnung verbunden haben, sie könnten ihre Bevölkerung endlich zu den Handlungen bringen, die sie, also die Sozialisten, für die richtigen halten.

Organspende ist eine solche Handlung.

Aus nicht näher erläuterten Gründen mischen sich Regierungen in die Organspende ein und haben in der Konsequenz die Organspende von einem inter-individuellen Akt zu einem anonymen Geschäft gemacht, das vollkommen intransparent und unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Rechenschaft verläuft (Daten zur Erfolgs- und Überlebensquote bei Transplantationen muss man suchen, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen) und einzig durch dem Hinweis auf die Nächstenliebe funktionieren soll.

Nächstenliebe zu einem anonymen Organempfänger, den der Spender in der Regel nicht kennt / kennen kann.

Nächstenliebe eines Spenders, der umsonst ein, zwei, mehrere Organe spendet, damit sie in Empfänger transplantiert werden und die Transplantationsindustrie sich daran gesund stoßen kann.

Nächstenliebe ist aber ein individuelles Konzept.

Man kann keinen Nächsten lieben, den man nicht kennt.

Man kann sich einbilden, einen Nächsten zu lieben, den man nicht kennt, so wie die Demonstranten, die derzeit durch deutsche Straßen ziehen, sich einbilden, sie würden irgendeine Form der Nächstenliebe für Flüchtlinge empfinden. Dass sie das nicht tun, zeigt sich schon daran, dass ihr Engagement für die Flüchtlinge zum einen ausschließlich verbaler und aktivistischer Natur ist, zum anderen alle Kosten und weiteren Notwendigkeiten, die sich mit der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland verbinden an den Staat und die von ihm bezahlten Helfer delegiert werden. Das ist keine Nächstenliebe, das ist Heuchelei.

Heuchelei, die schnell als solche offenbar wird, wenn die entsprechenden Demonstranten mit den Kosten ihres Tuns, die z.B. darin bestehen, dass Ämter von ihnen Geld fordern, weil sie für Flüchtlinge gebürgt haben, konfrontiert werden. Dann ist das Jammern groß.

Mit Organspende ist es so ähnlich.

Regierungen und Ärzteverbände versuchen, anonyme Nächstenliebe mit denen, die vermeintlich durch eine Organspende gerettet werden können, zu wecken, um auf diese Weise eine hohe Spendebereitschaft zu schaffen. Ärzteverbände sind als Lobby für ihre Mitglieder unterwegs, die einen direkten (finanziellen) Nutzen aus jeder Transplantation ziehen. Die Motivation der Regierung ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass man sich durch die Beförderung der Organspende als vermeintlich guter Mensch, der an anderen Menschen interessiert ist, inszenieren kann. (Aber vielleicht werden Politiker für ihr Engagement auch bezahlt.)

Nun gibt es sicher Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, eine Nächstenliebe zu Unbekannten entwickeln zu können glauben und auf dieser Grundlage bereit sind, Organe zu spenden, wenn sie erst einmal hirntot sind
Aber das sind nur wenige.

Zu wenige.

Also versuchen Regierungen, aus welcher Motivation heraus auch immer, die Organspende zu einer Art moralischer Verpflichtung zu erklären, die einzelne ihren Mitmenschen gegenüber hätten. Eine Variante anonymer Nächstenliebe und deshalb wenig erfolgreich, denn wie immer in solchen Fällen, sinkt die Bereitschaft, sich einer Handlung, die andere erwarten, auszuführen, je direkter man mit dieser Handlung konfrontiert wird.

Also immer noch zu wenige.

Nudging soll hier Abhilfe schaffen. Ärzteverbände und all diejenigen, die erzählen, sie wären aus Nächstenliebe an Organspendern interessiert, sind Feuer und Flamme für Nudging. Man solle alle Bürger zu Organspendern machen. Wer nicht wolle, müsse dies explizit erklären, so die Variante, mit der mehr Hirntote auf nutzenbringende Organe ausgeweidet werden sollen.

Die sozialistische Regierung in Wales hat es versucht.

Der Versuch ist, wie leicht vohersehbar war, gescheitert.

Die Anzahl der Spender hat sich durch Nudging von 101 auf 104 in ganz Wales erhöht. Das entspricht den jährlichen Schwankungen, die vor Einführung des Nudging normal waren.

Kein Effekt. Zahl immer noch zu gering.

Und über Zeit betrachtet scheint die Zahl der Spender eher zu sinken als zu steigen.

Die Erklärung dafür ist einfach. Viele Studien aus den 1990er Jahren haben die Dynamik dargestellt, die dazu führt, dass dann, wenn sich Regierungen ganz besonders um gesellschaftliche Bereiche kümmern, sich die entsprechenden Bereiche zum Schlechteren entwickeln.

Je mehr Geld die deutsche Regierung in Fertilität investiert, desto geringer ist die Fertilität. Je mehr Geld für Kinder bezahlt wird, desto weniger Kinder gibt es, weil die Zahl derer, die sich vom Staat dafür bezahlen lassen wollen, dass sie Kinder in die Welt setzen, zurückgeht, aufgrund offensichtlicher Übereinstimmungen mit dem Rotlichtgewerbe.

Je mehr die Werbetrommel für Organspende gerührt wird, je mehr Politiker und Regierungen sich die Organspende zur Aufgabe machen, desto weniger Spender gibt es. Der Grund dafür ist leicht zu benennen: Misstrauen.

Es ist eine der grundlegendsten menschlichen Eigenschaften dann, wenn man von anderen zu sehr in Richtung eines bestimmten Verhaltens gelenkt oder gelobt wird, misstrauisch zu werden und damit haben diejenigen, die ein bestimmtes Verhalten erwirken wollen, verloren.

Wer misstrauisch wird, der kümmert sich plötzlich um ein Thema, das ihn zuvor kaum interessiert hat.

Wer misstrauisch wird, der sucht Informationen zur Organspende und stellt fest: Ess gibt kaum welche, oder die, die es gibt, die muss man suchen, wie die

Nadel im Heuhaufen.

Viele Fragen, die sich nun einstellen, bleiben offen:

  • Wer verdient wie viel durch Organspende?
  • Wie hoch ist die Akzeptanzrate bei Transplantation von bestimmten Organen?
  • Wie sieht ein typisches Leben mit Spenderorgan aus?
  • Welche Überlebenswahrscheinlichkeit haben die Empfänger von Organen?
  • Welche Unterschiede in der Überlebenswahrscheinlichkeit gibt es mit Bezug auf unterschiedliche Organe?
  • Wie sicher ist die Diagnose „Hirntod“?
  • Welchen Einfluss haben Lobbyverbände von Ärzten auf die Entscheidung von Regierungen, sich für Organspende ins Zeug zu legen?

Wir haben vor einiger Zeit Informationen zum Thema „Organspende“ zusammengetragen.

Wer misstrauisch geworden ist und keine Antworten auf seine Fragen findet oder keine glaubwürdigen Antworten erhält, der wird das von ihm gewünschte Verhalten nicht zeigen. Deshalb sinken die Zahlen der Organspender.

Auf diese Weise ruinieren Regierungen jede zwischenmenschliche Interaktion. Mit Regierungen, die sich in zwischenmenschliche Interaktionen einmischen, werden die Interkationen anonymisiert und auf eine Gruppenebene übertragen, weg vom individuellen Spender und Empfänger, hin zur Gruppe der guten Spender und der freudigen Empfänger, beides natürlich Travestien auf die Wirklichkeit, denn der Kriminelle findet sich unter den Spendern, der Gewissenlose, der mit seinem Geld nicht nur die benötigten Organe, sondern auch gleich den korrupten Arzt kauft, er findet sich unter den Empfängern.
Anonyme Transaktionen gelebter Menschlichkeit oder Nächstenliebe wie die Floskeln gewöhnlich lauten, die benutzt werden, bedürfen eines besonderen Anreizes, um für die Menschen, die auf individueller Ebene in zwischenmenschlicher Interkation noch eine Handlungsmotivation gehabt hätten, interessant zu werden. Denn während Situationen eines direkten menschlichen Miteinanders eine entsprechende Handlungsaufforderung enthalten (Onkel gibt Niere für Enkel), ist dies in anonymen Situationen, wie sie Regierungen schaffen, nicht der Fall. Sie erfordern deshalb ein Mehr an Anreiz, um die gewünschte Handlung „Organspende“ zu erreichen. Mit jedem zusätzlichen Anreiz, den Regierungen einsetzen müssen, um Bürger zur Handlung „Organspende“ zu bewegen, wird aber die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Motivation, die vielleicht noch vorhanden war, vollständig beseitigt wird, weil die Bürger misstrauisch werden, ob der vielen Aufmerksamkeit, die ihre Regierung einer bestimmten gewünschten Handlung widmet.

Werden Menschen misstrauisch, haben Regierungen verloren. Das haben wir oben bereits ausgeführt.

Deshalb scheitern Regierungen regelmäßig in ihrem Bemühen, zwischenmenschliche Transaktionen an sich zu reißen und in ihrem Sinne und im Sinne der Lobbyisten, die Regierungen beeinflussen, zu gestalten.

Die Organspende ist nur ein Beispiel dafür, wie Regierungen freiwilliges menschliches Engagement vernichten, wenn sie versuchen, es zu fördern.

Die beste Politik wäre keine Politik, keine Eingriffe ins Private. Aber zu dieser Einsicht, die man haben könnte, wenn man die Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Forschung zur Kenntnis nähme, die in den 1980er und 1990er Jahren veröffentlicht wurden, gelangen Politiker natürlich nicht. Zum einen setzt dies Kompetenzen, vor allem intellektuelle Kompetenzen voraus, die die meisten Politiker nicht haben, zum anderen: Was bleibt Polit-Darstellern als Möglichkeit der Inszenierung, wenn sie sich nicht mehr in zwischenmenschliche Beziehungen, die sie nun einmal überhaupt nichts angehen, einmischen können?

Nichts.

Deshalb werden Politiker weiterhin versuchen, sich zu kleinen sozialistischen Planern und Herrschern aufzuschwingen und ihre Bevölkerung zu von ihnen gewünschten Handlungen zu bewegen, und deshalb werden sie auch (tröstlicherweise) weiterhin mit diesem Bemühen scheitern.

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Wie der Organspender-Rückgang gutgerechnet wird. Der Spiegel fällt natürlich darauf herein

Seit Jahren sinkt in Deutschland die Zahl der Organspender. Seit Jahren entgehen der Transplatationsindustrie, entgehen Ärzten und Krankenhäusern Einnahmen in Millionenhöhe. Seit Jahrem trommeln Regierungsstellen für die Organspende.

Es bringt nichts.

Die Spendebereitschaft ist ungebrochen niedrig.

Was also tun?

  • Schritt 1: die Ursache neu erfinden;
  • Schritt 2: Potentiellen Spendern, die unwillig sind, den EINDRUCK vermitteln, sie seien ziemlich alleine mit ihrer Unwilligkeit;
  • Schritt 3: Organspende obligatorisch machen und nur die (nicht) ausnehmen, die explizit erklären: Wir geben nichts!
  • Schritt 4: Zurücklehnen und den steigenden Profit aus Transplantationen genießen.

Wir sind derzeit bei Schritt 1.

Kevin Schulte und 9 Mitverschworene haben eine angebliche Studie ausgeführt, die zu dem Ergebnis kommt, dass nicht die Spendeunwilligkeit der Grund dafür ist, dass in Deutschland so wenige Organe gespendet werden, sondern dass in Krankenhäusern ein „Erkennungs- und Meldedefizit“ vorhanden ist. Würden “potentielle Organspender” besser erkannt und gemeldet, dann wären „statt der tatsächlich durchgeführten 877 Organspenden 2780 Organspenden realisiert“ worden.

Das behaupten die Autoren und beim Spiegel frisst man es natürlich. Eine Nina Weber nimmt es zum Anlass, um deren Schlussfolgerung an den Leser zu bringen: „Der zunehmende Mangel an Organspendern lässt sich nicht dadurch erklären, dass es zu wenige mögliche Spender gibt. Stattdessen ist Kern des Problems, dass die Krankenhäuser diese zu selten erkennen und melden“.

Wir verweisen unsere Leser auf den Begriff „mögliche Spender“.

Sind Ärzte in Krankenhäusern damit überfordert, einen Organspendeausweis zu lesen und erkennen so potentielle Organspender nicht?
Will man behaupten, dass der Rückgang der Anzahl gespendeter Organe nicht durch eine zurückgehende Spendenbereitschaft, sondern durch Krankenhäuser, die potentielle Spender nicht erkennen und melden, verursacht ist, dann muss man zeigen, dass Spender mit Ausweis nicht als solche erkannt werden.

Aber genau das tun die 10 statistischen Quacksalber in ihrem Beitrag nicht.

Wir zitieren:

„Die Krankenhausleistungsdaten gemäß § 21 KHEntgG wurden in einem vierschrittigen Prozess analysiert, um zunächst die möglichen Organspender zu ermitteln:

● Schritt 1: Selektion aller Behandlungsfälle des entsprechenden Jahres mit dem Entlassungsgrund „Tod (079)“
● Schritt 2: Selektion der Verstorbenen mit einer Haupt- oder Nebendiagnose, die mutmaßlich zu einer schweren, irreversiblen Hirnschädigung geführt hat
● Schritt 3: Exklusion jener Fälle, bei denen eine codierte Kontraindikation für eine Organspende vorlag und
● Schritt 4: Exklusion jener Behandlungsfälle, bei denen keine Beatmungsstunden abgerechnet wurden;“

Die „potentiellen Organspender“, die die Autoren aus ihren Daten extrahieren, sind deshalb potentielle Organspender, weil sie Ersatzteile in Organform in sich tragen, die die Transplantationsindustrie gewinnbringen verwenden könnte, nicht etwa WEIL SIE SICH BEREIT ERKLÄRT HÄTTEN, ORGANE ZU SPENDEN:
Sie sind also nur in der Weise „potentielle Spender“, wie Sie und wir potentielle Spender sind, lediglich der Fuß, den sie schon im Jenseits haben, unterscheidet sie von uns.

Das nennt man einen Etikettenschwindel und man würde von einem Journalisten erwarten, dass er es bemerkt. Immerhin reden die Autoren durchweg von potentiellen Organspendern und machen, wie wir oben zitiert haben, offensichtlich, dass ihre potentiellen Organspender einfach nur als Fleischmasse gezählt werden, nicht als willensbewerte Person, die ein Einverständnis erklärt hat.

Natürlich wäre ein solcher Versuch der Täuschung zu offensichtlich. Deshalb bedienen sich die 10 Autoren noch eines weiteren Tricks. Sie nehmen einen Modellversuch, der 2010 bis 2012 durchgeführt wurde, zur Hand und entleihen sich dessen Ergebnisse (d.h. die Ergebnisse, die den ihren nicht widersprechen). In 112 Krankenhäusern, die am Modellversuch teilnahmen, wurde versucht, die Spendequote zu erhöhen. Das Ergebnis des Versuchs widerspricht dem Ergebnis, zu dem die 10 Autoren kommen:

“Die Ergebnisse der Inhousekoordination zeigen, dass die im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Spenderraten in Deutschland im Wesentlichen nicht auf unzureichende Meldungen potentieller Spender durch die Krankenhäuser zurückzuführen sind.” (11)

Im Rahmen dieses Modellversuchs, dessen Ergebnisse den ihren widersprechen, so behaupten die Autoren, sei eine Realisationsquote von 10,2% ereicht worden, also 10,2% der potentiellen Spender wurden ihrer Organe entledigt. Diese 10,2% (die wir nicht finden können) haben die Autoren kurzerhand auf die 27.258 möglichen Organspender des Jahres 2015 übertragen, die sie errechnet haben.

Statistisch betrachtet ist das unlauter.

Ethisch betrachtet grenzt das an Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Grundsätzlich betrachtet grenzt es an den Aufruf zur fahrlässigen Tötung oder wie es im Bericht des Koordinationsprojektes, auf das sich die Autoren beziehen, heißt:

“Diese möglichen Spender sind aber ausdrücklich nicht mit tatsächlichen Spendern gleichzusetzen. Denn bei den möglichen Spendern ist weder gewährleistet, dass der Hirntod ggf. festgestellt worden wäre, noch dass bei festgestelltem Hirntod die medizinischen oder rechtlichen Voraussetzungen zu Organspende vorgelegen hätten. Das tatsächlich realisierbare Spenderpotential würde dementsprechend (ggf. merklich) niedriger ausfallen als das mögliche Spenderpotential” (8)

Journalistisch betrachtet reicht es, damit sich Nina Weber vom Spiegel vor den bereitgestellten Karren spannt und das angebliche Ergebnis, nachdem die Spendenbereitschaft der Bürger gar nicht zurückgegangen ist, in die Welt zu posaunt.

Die Frage, ob Bürger Organspendeunwillig oder Organspendenbereit sind, wurde von Schulte und seinen Konsorten ÜBERHAUPT nicht untersucht. Die Meldung im Spiegel und in anderen Gazetten ist also FAKE NEWS, FAKE NEWS, die der Transplantationsindustrie nutzen soll, deren Profit steigern soll, FAKE NEWS, für die man wie immer in Mainstream-Medien einen Dummen gefunden hat, der sie verbreitet.

Die nützlichen Idioten sterben nicht aus, aber sie sterben und spenden ihre Organe.

Zusammenfassung:

  • Mögliche oder potentielle Spender sind Organbehältnisse in Menschenform, die alle Voraussetzungen erfüllen, um den Profit der Transplantationsindustrie zu sichern.
  • Realisationsquoten sind Entnahmeerfolgsquoten bei möglichen oder potentiellen Organspendern.
  • Mögliche Organspender sind NICHT Spender, die ihr Einverständnis erteilt haben, ausgenommen zu werden. 
  • Realisationsquoten basieren auf Personen mit Organspendeausweis und auf solchen, bei denen es gelungen ist, die Angehörigen der zu irreversibel hirngeschädigt Erklärten so zu beschwatzen, dass sie einer Ausweidung zugestimmt haben.

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Glyphosat und Bier, Grüne und BfR: Ideologie und Unkenntnis treffen Sachverstand und Fakten

Heute einmal ohne viel Kommentar von unserer Seite die Reaktionen auf die wenig überraschenden Berichte der Stiftung Warentest, nach denen in Bier Glyphosat in geringen Mengen nachgewiesen werden kann.

Auf diese Feststellung kann man auf mehrere Arten reagieren:

  • Man kann sie auf Grundlage von Sachverstand kommentieren.
  • Man kann versuchen, ideologischen Gewinn daraus zu schlagen.
  • Man kann sie auf Grundlage von Unkenntnis bewerten.
  • Man kann die Folgen, die sich mit dieser Feststellung verbinden, ableiten.
  • Man kann hysterisch werden.

Wer wie reagiert hat, das zu entscheiden überlassen wir unseren Lesern ebenso wie die Beantwortung der Frage, wo Sachverstand und wo ideologisch überhöhte Unkenntnis zu finden sind.

Wir stellen einfach das, was diejenigen, die in der Fraktion der Grünen, vermutlich aufgrund einer Art Sachverstands-Deprivation zu „Sprechern“ Ernannten (womit der Anspruch „Sachverstand“ verbunden ist), zu Glyphosat im Bier-Sample der Stiftung Warentest sagen, dem gegenüber, was Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit der Erforschung der Folgen und Wirkungsweise von Glyphosat beschäftigen, beim Bundesinstitut für Risikobewertung zu Glyphosat im Bier sagen.

Pressemeldung der Grünen im Bundestag

“Zur Glyphosatbelastung alkoholfreier Biere bei Untersuchungen von Stiftung Warentest erklären Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik, und Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik

Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik

“Die Bierbrauer müssen jetzt den guten Ruf des Bieres retten und ihren Zulieferern vorschreiben, Glyphosat von den Äckern zu verbannen. Menschen, die sich mit alkoholfreiem Bier erfrischen wollen, wollen Bier und keine Extraportion Pestizide. In Bier gehört nach dem Reinheitsgebot nur Gerste, Hopfen und Wasser, kein Glyphosat.”

Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik

„Glyphosat hat in Bier nichts zu suchen. Wirklich glyphosatfreie Lebensmittel werden wir nur bekommen, wenn die Bundesregierung den versprochenen Glyphosat-Ausstieg endlich angeht. Stattdessen wird der klammheimlich immer mehr verwässert. Agrarministerin Klöckner stand von Anfang an nicht dahinter, zuletzt hat auch noch Umweltministerin Schulze still und leise das konkrete Ausstiegsdatum aufgegeben. Konkrete Einschränkungen bei den laufenden nationalen Glyphosat-Zulassungserneuerungen? Fehlanzeige, ausdrücklich nicht geplant! Der neue Test zeigt einmal mehr, wie allgegenwärtig der Pflanzenvernichter inzwischen ist. Und er zeigt, dass es auch anders geht: nur die Bio-Biere im Test sind glyphosatfrei.“

Pressemeldung des Bundesinstituts für Risikobewertung

Aufgrund einer Veröffentlichung der Stiftung Warentest wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mehrfach zum gesundheitlichen Risiko von Glyphosatrückständen in Bier gefragt. In einer Untersuchung hatte die Stiftung in 18 alkoholfreien Bieren und zwei alkoholfreien Craftbieren Glyphosat nachgewiesen. Die Gehalte lagen im Bereich der Mengen, die auch in den Jahren 2016 und 2017 bei Untersuchungen im Auftrag des Umweltinstituts München e.V. bei den 14 absatzstärksten deutschen Bieren auf Glyphosat auftraten. Der höchste Wert lag in den 2018 getesteten Bieren bei 28 Mikrogramm je Liter Bier. Glyphosatrückstände in Bier sind aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar. Glyphosat ist ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff für Getreide, wobei Rückstände in Bier maximal in Höhe der für Getreide unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors festgesetzten Rückstandshöchstgehalte vorkommen dürfen. In Deutschland darf Glyphosat bei Braugerste nicht zur Reifebeschleunigung vor der Ernte (Sikkation) angewandt werden. Nur bei dieser Art der Anwendung sind messbare Rückstände zu erwarten. Diese Regelung gilt jedoch nicht in allen EU-Staaten, so dass bei importierter Braugerste Rückstände von Glyphosat möglich sind.

Selbst der höchste bisher berichtete Glyphosatgehalt in Bier (30 Mikrogramm pro Liter im Jahr 2016) ist so niedrig, dass die hieraus rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen (60 kg Körpergewicht) mehr als 1000-fach niedriger liegen würde, als die derzeit als unbedenklich geltende lebenslänglich duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) oder die akute Referenzdosis (ARfD, das ist diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne ein erkennbares gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgenommen werden kann). Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken. Glyphosatgehalte von 30 Mikrogramm pro Liter Bier und darunter stellen nach dem derzeitigen Stand des Wissens kein gesundheitliches Risiko dar.

Konsequenz für alle anti-Glyphosat-Aktivisten: 1000 Liter Bier an einem Tag trinken. Wer es überlebt, der hat bewiesen, dass die Grünen Recht haben und Glyphosat im Bier gefährlich ist.

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Untersuchung: Asylbewerber verursachen höhere Kosten im Gesundheitssystem als Versicherte

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind 2016 nach Deutschland gekommen und zunächst in die sozialen Sicherungssysteme eingewandert. Sie erhalten dieselben medizinischen Leistungen, die regulär Versicherte erhalten, verursachen aber um 10% höhere Gesamtkosten als regulär Versicherte.

Zu diesem Ergebnis kommen Sebastian Bauhoff und Dirk Göpffarth in einer fundierten Untersuchung, in der sie auf die Daten von 3.689 Asylbewerbern und 18.191 regulär Versicherten zurückgreifen konnten, die im Jahre 2016 im Durchschnitt 169 Tage mit Barmer versichert waren. Die Daten der Versicherten und Asylbewerber stammen zu 97% aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, was ihrer Vergleichbarkeit jedoch keinen Abbruch tut (schließlich ist Nordrhein-Westfalen das größte Bundesland).

Aus der Stichprobe der 3.689 Asylbewerber und der Vergleichsstichprobe der 18.191 regulär Versicherten haben Bauhoff und Göpffarth einen Datensatz erstellt, in dem jedem Asylbewerber auf Grundlage sozioökonomischer Variablen fünf vergleichbare regulär Versicherte zugespielt wurden. Dieser Datensatz erlaubt es, Aussagen über Morbidität und Kosten im Vergleich von Asylbewerbern und regulär Versicherten zu machen, die der Tatsache Rechnung tragen, dass 70% der Asylbewerber unter 30 Jahre alt und 62% männlich sind, d.h. eine im Vergleich zur deutschen Bevölkerung verzerrte Stichprobe vorliegt (23% der Asylbewerber in der Stichprobe stammen aus Syrien, 18% aus Afghanistan, 14% aus dem Irak, je 5% aus Albanien und Armenien usw.).

Die Autoren berichten u.a. die folgenden Ergebnisse:

  • Quelle: Bauhoff & Göpffarth (2018: 7)

    Im Vergleich zu regulär Versicherten finden sich unter Asylbewerbern höhere Prävalenzen für die folgenden Morbiditäten (sortiert nach Häufigkeit):

    • Schwangerschaft (im Verhältnis 2,4 : 1)
    • Psychische und Verhaltensstörungen (im Verhältnis 2,6 : 1);
    • Erkrankungen der Verdauungsorgane / des Verdauungssystems (im Verhältnis 2,4 : 1);
    • Erkrankungen des Bewegungsapparats (4,8 : 1)
    • Tuberkulose (Im Verhältnis 36 : 1)
  • Im Vergleich zu regulär Versicherten wurden Asylbewerber häufiger in ein Krankenhaus eingeliefert (im Verhältnis 2,3 : 1);
  • Dagegen wurden Asylbewerber seltener ambulant behandelt als regulär Versicherte (Im Verhältnis 1 : 1,2), ihnen wurden seltener Medikamente verschrieben (im Verhältnis 1 : 1,8), und sie hatten seltener eine Zahnbehandlung (1 : 1,1);
  • Die Kosten für die gesundheitliche Versorgung von Asylbewerbern liegen um 10% höher als die Kosten für die Versorgung von regulär Versicherten und betragen im Durchschnitt 1.884 Euro pro Person und Jahr (im Vergleich zu 1.719 Euro für regulär Versicherte).
    • Darin enthalten sind Kosten in Höhe von 1.013 Euro pro Jahr und Asylbewerber für Krankenhausbehandlungen. Im Vergleich dazu betragen die Krankenhauskosten pro regulär Versicherten 435 Euro im Jahr.

Die Ergebnisse von Bauhoff und Göpffarth zeigen deutlich, dass die Kosten der gesundheitlichen Versorgung von Asylbewerbern die Kosten, die für regulär Versicherte entstehen, zum Teil deutlich übersteigen. Da Asylbewerber in der Regel keine Beiträge in die Gesetzliche Krankenversicherung abführen, findet sich hier einmal mehr ein Gerechtigkeitsproblem, über das in Deutschland diskutiert werden müsste. Aber vermutlich finden nicht einmal die Ergebnisse der gut gemachten Untersuchung von Bauhoff und Göpffahrt die mediale Verbreitung, die ihnen gebührt.

Bauhoff, Sebastian & Göpffarth, Dirk (2018). Asylum-Seekers in Germany Differ From Regularly Insured in Their Morbidity Utilizations and Costs of Care. PlosOne.

Mehr von Bauhoff und Göpffarth auf ScienceFiles: Forscher belegen Betrug durch gesetzliche Krankenversicherung

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