Wo bleibt eigentlich der Qualitätsjournalismus?
Angeblich sind Journalisten doch so etwas wie Teile der vierten Gewalt, Akteure, die mit ihrer Arbeit die Regierenden kontrollieren.
[Direkte Bezahlung deshalb, weil es natürlich vielfältige Möglichkeiten der indirekten Bezahlung der eigenen Wähler gibt, z.B. über die weitverzweigten Netzwerke, die gegen dies und das, was der Mode-Gesinnung widerspricht, agitieren und Tausenden von Gesinnungs-Vasallen ein Auskommen verschaffen, Gesinnungs-Vasallen, die indirekt von den Regierenden dafür bezahlt werden, dass sie ihre Stimme bei der nächsten Wahl auch an die Parteien, die die Landesregierung formen und ihre Existenz alimentieren, vergeben.]
Für Qualitätsjournalisten gibt es also viel zu berichten und noch mehr zu recherchieren. Allein: Es gibt unseres Wissens bislang keinen Beitrag aus den Redaktionen, in denen sich angeblich die Qualitätsjournalisten klumpen, der sich mit den unglaublichen Vorgängen aus Thüringen und z.B. der unglaublichen Aussage des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, vertreten durch „Ohler, Staatsekretärin“ befasst, nach der die Finanzierung von Demonstranten durch die Landesregierung „das Demonstrationsrecht ermöglicht und nicht einschränkt“, eine Aussage, die die Frage nach sich zieht, warum dann, wenn die Wahrnehmung des Demonstrationsrechts eine Finanzierung durch die Landesregierung voraussetzt, nicht auch rechte Demonstranten finanziert werden.
Wie ist dieses Schweigen der Qualitätsjournalisten zu deuten: Können sie nicht berichten oder wollen sie nicht berichten?
Wir haben uns für die erste Alternative entschieden, und zwar vor dem Hintergrund des Aufrufes des “Expertenkreises Stiftungen & Qualitätsjournalismus im Bundesverband Deutscher Stiftungen”, in dem besagter Expertenkreis die Notwendigkeit kundtut, Qualitätsjournalisten erst auszubilden. Daraus muss man schließen, derzeit gibt es viele Journalisten, aber kaum bis keine Qualitätsjournalisten.
Um dieses jammerhafte Bild deutscher Redaktionsräume zu verbessern, haben wir uns also entschlossen Nachhilfe zu geben und Journalisten an die Qualität des Journalismus, den Qualitätsjournalismus heranzuführen.
Wir tun dies anhand von drei Beispielen zu möglichen Beiträgen, die ein Qualitätsjournalist, wenn es denn einen solchen geben würde, recherchieren und schreiben würde (ob er sie veröffentlicht bekommt, hängt wiederum davon ab, ob der Redaktionsleiter einen Qualitätsjournalisten in seiner Redaktion duldet…).
Hier also drei Bereiche, die ein Qualitätsjournalist im Hinblick auf den Thüringer Skandal, im Hinblick auf das Finanzieren von Demonstranten aus Steuermitteln bearbeiten könnte:
(1) Käufliche Demonstranten wurden aus so diversen Verbänden wie JUSOS in der SPD Thüringen, Komme e.V., Jena, JG-Stadtmitte Jena, der Stadtjugendring Suhl e.V., die Naturfreundejugend e.V. oder AUFANTHALT e.V. angeworben. Das wirft die Frage auf, wie diese Anwerbung funktioniert. Treten Demonstrantenfänger der Landesregierung in einschlägigen Etablissements an einschlägige Verbände heran und bieten Geld für Demonstration? Treten die Leiter dieser Verbände an die Landesregierung heran und bieten Demonstrationsteilnahme gegen Bezahlung? Wie verlaufen diese mafiösen Strukturen, wie funktioniert dieser Menschen- bzw. Demonstrantenhandel? Das herauszufinden wäre eine Aufgabe für einen Qualitätsjournalisten.
(2) Demonstranten wurden u.a. im Stadtjugendpfarramt Jena angeworben. Bilden sich hier Strukturen, die mit den Hass-Predigt-Strukturen, die sich in Moscheen finden sollen, vergleichbar sind, Strukturen, in denen angebliche Fürsorger (oder Seelsorger) das Vertrauen, das ihnen von Jugendlichen entgegengebracht wird, missbrauchen, um die entsprechenden Jugendlichen zu indoktrinieren und zu politischen Werkzeugen zu reduzieren? Das herauszufinden wäre eine weitere Aufgabe für einen Qualitätsjournalisten.
(3) Wenn man (2) noch etwas weiterdenkt, dann finden sich bei einer Reihe der staatlich finanzierten Bereitsteller von Demonstrationsprostituierten, das in (2) beschriebene Abhängigkeitsverhältnis, das junge Menschen sich älteren Menschen anvertrauen und deren Führung akzeptieren sieht. Das Stadtjugendpfarramt in Jena, der Stadtjugendring Greiz oder der Stadtjugendring Suhl sind wohl die herausragendsten Beispiel, die für eine weitergehende Recherche genutzt werden sollten, eine Recherche, die sich auf den Einfluss des Leiters z.B. des Stadtjugendpfarramts in Jena und seine Vernetzung konzentriert, um herauszufinden, ob er die Jugendlichen, die seiner Obhut überantwortet sind, für seine politischen Zwecke missbraucht und an die Landesregierung verkauft hat. Angesichts der Geschichte, die gerade religiöse Einrichtungen im Hinblick auf den Missbrauch von Jugendlichen haben, wäre dies vermutlich die drängendste Frage für Qualitätsjournalisten.
Qualitätsjournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er sich vor keine politischen Karren spannen lässt (nicht einmal, wenn die Landesregierung Geld für Presseberichte anbietet, eine Annahme, die man nach den Erfahrungen aus Thüringen machen muss). Qualitätsjournalismus setzt voraus, dass man seine Informationen aus allen verfügbaren Quellen bezieht.
