Rishi Sunak hat sich eigens in den Regen gestellt, um eine General Election zu verkünden.
Sie erinnern sich vielleicht:
Seither fühlen sich viele seiner Parteikollegen im Regen stehen gelassen, vor allem die Leute, die das Hauptquartier der Partei bestücken, denn sie suchen nach wie vor fieberhaft nach Kandidaten, die bereits sind, für die Konservativen in noch rund 40 bislang unbesetzt verbleibenden Wahlkreisen zu kandidieren.
Und natürlich sorgt die Hektik, mit der den lokalen Gliederungen vom Hauptquartier der Partei Kandidaten aufgezwungen werden, für erhebliche Verstimmung an der Basis, und das Ganze wird auch nicht dadurch besser, dass sich seit Tagen das Gerücht hartnäckig hält, es gebe eine Reihe von Kandidaten der Konservativen, die am Freitag zu Reform UK überlaufen, was zur Folge hätte, da bis Freitag, 7. Juni 2024, 16. Uhr BST, alle Kandidaten benannt sein müssen, dass die Konservativen in einigen Wahlkreisen OHNE Kandidat dastehen.
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Es läuft alles nicht sonderlich gut, für Rishi Sunak und die Seinen, die seit Nigel Farage seinen Hut in den Ring geworfen hat, eher einem aufgeregten Hühnerhaufen, denn einer Partei gleichen. Bislang haben andere Konservative die Folgen der übereilt anberaumten Wahl zum House of Commons ausbaden müssen, indes: am Wahlabend könnte es Rishi Sunak selbst treffen. Denn: Obschon sein Wahlkreis, Richmond and Northallerton in North Yorkshire seit 1910 in der Hand der Konservativen ist, könnte es dieses Mal nicht reichen.
Richmond und Northallerton ist seit jeher für die Konservativen ein sicherer Sitz gewesen. Leon Brittan, manchen vielleicht noch als EU-Kommissar zu einer Zeit, als die EU noch nicht totalitäre Krake war, bekannt und Innenminister unter Margaret Thatcher von 1983 bis 1985 hat den Sitz von 1983 bis 1989 behauptet, ihn dann an William Hague zur sicheren Verwahrung übergeben. Hague, Oppositionsführer zu Zeiten von Tony Blair und Gordon Brown, dann u.a. Außenminister im Kabinett von David Cameron und heute „Lord Hague“, hatte den Sitz bis 2015 sicher im Griff und seit 2015 ist ein gewisser Rishi Sunak Vertreter im House of Commons für die Constituency von bislang „Richmond“ und ab 2024 Richmond und Northallerton [Die Grenzen mancher Wahlkreise wurden 2023 neu gezogen].
Richmond und Northallerton liegt im Norden des Vereinigten Königreichs, in North Yorkshire, hat sich bis heute eine Basis im Produzierenden Gewerbe erhalten, was im UK nicht mehr so häufig der Fall ist. Der Wahlkreis ist durch eine überdurchschnittliche Quote Selbständiger ausgezeichnet, und kombiniert dies mit einer der geringsten Arbeitslosenquoten im Vereinigten Königreich. Mit rund 45.000 GBP liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen über dem nationalen Durchschnitt, 96% der Bewohner sind Weiße und 65% bis 70% der rund 83.000 Wahlberechtigten nahmen in der Vergangenheit an Wahlen teil.
Dass es in Richmond [& Northallerton] bislang nichts für andere Parteien als die Tories zu holen gab, das zeigt die folgende Abbildung:
Lediglich UKIP bei der Wahl 2015 ist es gelungen, der Vorherrschaft der Tories eine Delle zu verpassen. Labour und die LibDims laufen gemeinhin unter ferner liefen. Richmond und Northallerton: ein sicherer Sitz für Rishi Sunak?
Nicht, wenn es nach dem MRP-Modell von YouGov geht. MRP steht für „Multilevel Regression with Poststratification“, das kann man mit „gehobener Humbug“ übersetzen, ein Vorgehen, bei dem Meinungsforschungsinstitute Wahlkreise nach sozialstrukturellen Variablen ordnen, auf Grundlage ihrer Wahlumfragen errechnen, welche sozialstrukturelle Verteilung die Wähler der einzelnen Parteien auszeichnen, um auf Basis der entsprechenden sozialstrukturellen Verteilung in Wahlkreisen die Anteile der Parteien zu schätzen.
Wie gesagt, das ist gehobener Humbug, wie jeder weiß, der einmal versucht hat, über Regressionen, in die eine Vielzahl von sozialstrukturellen Variablen eingehen, nicht erhobene Merkmale vorherzusagen, nachträglich stratifiziert oder nicht – ohnehin nur eine Bezeichnung für Nachbessern, was zu weit vom Alltagsverstand abweicht.
Wie dem auch sei, YouGov hat den Wahlkreis von Rishi Sunak, in dem die Konservativen über all die Jahre einen Vorsprung vor der zweitplatzierten Partei hatten, der jenseits oder knapp unter 20.000 Stimmen lag, als „tendiert zu den Konservativen“ klassifiziert, d.h. die Pollster halten es für möglich, dass der Wahlkreis nach 114 Jahren den Besitzer wechselt.
Das wäre ein weiterer heftiger Schlag für Rishi Sunak und die Seinen, zumal die Konkurrenz, gegen die sich der weithin bekannte Rishi Sunak zur Wehr setzen muss, eher den Status der Unbekannten untereinander teilt:
- Daniel Callaghan, LibDims
- Lou Dickins, Workers Party
- Kevin Foster, Green
- Archibald Stanton, Monster Raving Loony Party
- Lee Taylor, Reform UK
- Tom Wilson, Labour
Aber natürlich ist Rishi Sunak besonders stark exponiert als derjenige, der die ganzen Wahlversprechen der Konservativen gebrochen hat. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn er in einem Wahlkreis, in dem 55% der Wähler für Brexit gestimmt haben, also 3% über dem Landesdurchschnitt, bestraft wird.
Ob sich der Amtsbonus, der normalerweise bei Wahlen wirkt in einem Amtsmalus verwandelt?
Wir werden es sehen.
Unsere Prognose: Es wird knapp, für Rishi, aber es sollte dennoch reichen.
Weitere Informationen zur Wahl im Vereinigten Königreich finden Sie in unserem Wahlkanal auf Telegram.
Featured Image: David Martin

