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Stochastischer Terrorismus: der niedersächsische Agitprop gegen AfD-Kandidaten ist viel sinistrer als er erscheint

„Will no one rid me of this turbulent priest?“
„Gibt es niemanden, der mich von diesem auführerischen Priester befreit?“

Der Englische König Heinrich II. hat es gesagt, der „turbulent priest“ Thomas Becket wurde postwendend ermordet. Das war 1170 und einer der ersten überlieferten Fälle von „stochastischem Terrorismus“

Stochastischer Terrorismus beschreibt die Beförderung politischer Gewalt durch die Schaffung einer vergifteten Atmosphäre. Das ist die kürzeste Art, die mir einfällt, um dieses Konzept zu beschreiben. Der Zweck von stochastischem Terrorismus ist es, die Wahrscheinlichkeit für einen Gewaltakt gegen den politischen Gegner oder Mitglieder bestimmter Gruppen zu erhöhen, ohne als Urheber sich ereignender Anschläge dingfest gemacht werden zu können.

Stochastischer Terrorismus (stochastic terrorism) bezeichnet ein Phänomen, bei dem öffentliche, oft wiederholte und medienverstärkte Rhetorik – insbesondere dämonisierende, dehumanisierende oder hasserfüllte Sprache von medial oder sonst wirksamen Personen – die statistische Wahrscheinlichkeit ideologisch motivierter Gewaltakte erhöht bzw. erhöhen soll. Der genaue Täter, Zeitpunkt und Ort bleiben unvorhersehbar (stochastisch = zufällig/probabilistisch), die Gewalt als Gesamterscheinung ist jedoch vorhersehbar. Ursprünglich auf „Lone Wolfe“ Täter begrenzt, ist es an der Zeit, das Konzept, das sich weiter Verwendung erfreut, auf seinen handlungsaktiven Kern der Schaffung einer für Gewaltakte nicht nur förderlichen, sondern diese vor allem legitimierenden Atmosphäre zu komprimieren.

Das Eingangszitat von Heinrich II ist insofern der Blueprint.
Heinrich II macht mit seinem Ausspruch den Mord an Thomas Beckett mehr oder minder zu einem „normalen Akt“. Er reduziert zugleich die Kosten, denn als Souverän ist er auch Herr über die Rechtsprechung und somit Bestrafung von Tätern und erhöht den Nutzen, den sich militante Sykophanten aus ihren Handlungen versprechen.

In diesem Post geht es um die systematische Schaffung einer vergifteten, politische Gegner „vilifizierenden“ (siehe unten) Weise, die den Boden für individuelle oder kollektive (etwa in Form eines Lynchmobs) Gewaltakte bereitet, ohne dass deren Taten dem oft politischen oder medialen Urheber zurechenbar wäre.

By Jean-Baptiste Marie Pierre – Source;, Public Domain, Link

Im Gegensatz zu klassischer Anstiftung (Incitement) gibt es keinen direkten, spezifischen Befehl oder Plan. Der Sprecher behält plausible Deniability (Abstreitbarkeit): „Ich habe nie explizit zu Gewalt aufgerufen“. Die Rhetorik der Dehumanisierung und Dämonisierung anderer schafft ein Klima, in dem radikalisierte Akteure, die ohnehin schon gewaltbereit sind, etwa von dem Schlag, den man in Berlin Kreuzberg findet, die Botschaft als Legitimation oder Aufruf interpretieren.

Der Begriff „stochastischer Terrorismus“ wurde 2002 von Gordon Woo geprägt, um ein Modell zu beschreiben, mit dem er versucht hat, die Wahrscheinlichkeit eines terroristischen Anschlages, der aufgrund der medialen Berichterstattung über einen bereits erfolgten Terroranschlag als Nachahmungstat ausgeführt wird, zu bestimmen. Fahrt hat der Begriff 2011 aufgenommen. Der Blogger G2geek hat „stochastischen Terrorismus“ als die öffentliche Dämonisierung einer Person oder einer Gruppe definiert, um eine Gewalttat vorzubereiten oder zur Folge zu haben, die statistisch wahrscheinlich, aber nicht genau vorhersagbar ist.

Und seitdem werden die entsprechenden Versuche als stochastischer Terrorismus bezeichnet, etwa von Hamm und Spaaij (2017), die darunter verbreitete, aber nicht koordinierte Gewalt verstehen, die von Medien provoziert wurde oder von Braddock (2020), der die rhetorischen Strategien analysiert, die genutzt werden, um Gewalttaten durch Dritte, für die man dann jede Verantwortung ablehnen kann, zu provozieren:

Angove, James (2024). Stochastic terrorism: critical reflections on an emerging concept. Critical Studies on Terrorism 17(1): 21-43.

Braddock, Kurt (2020). Weaponized words: The strategic role of persuasion in violent radicalization and counter-radicalization. Cambridge, MA: Cambridge University Press.

Hamm, Mark S., and Ramón Spaaij (2017). The age of lone wolf terrorism. New York: Columbia University Press.

Woo, Gordon (2002). Quantitative terrorism risk assessment.“ The Journal of Risk Finance 4, no. 1 (2002): 7-14.

By © European Union 2019, European Parliament, Link

Wir hatten im Vereinigten Königreich gerade einen Fall „stochastischen Terrorismus'“: Der Mord an Ann Widdecombe. Linksextreme Hassprediger wie Hope not Hate, das britische Pendant zur Amadeu-Antonio-Stiftung, ein Auswuchs von Searchlight einem kommunistischen Outlet, dessen Ziel darin besteht, „Faschisten“ zu bekämpfen, nicht nur im argumentativen Sinne, hat Ann Widdecombe über Jahre als Figur mit „langer Geschichte homophober und sexistischer Äußerungen“ und als Trägerin „gefährlicher und spaltender Politik“ dargestellt, besonders nach ihrem Wechsel zu Reform UK. Sie führten sie in Berichten wie dem „State of Hate“ und unterhielten eine Seite „Who is Ann Widdecombe?“, die ihre Positionen als intolerant und extrem rahmte. Nach dem Mord wurde diese Seite gelöscht.

Agitprop wie der beschriebene dient dazu, Menschen mit einer eigenen Meinung zu dämonisieren, sie zu dehumanisieren und damit zu einem legitimen Ziel für den Hass derjenigen zu machen, die sich von solchem Dreck angesprochen fühlen, weil sie die psychologische Störung aufweisen, auf die Organisationen wie Hate-not-hope zielen. Hate-not-hope ist eine Form Stasi-Führungsoffizier, der mit dezentralen Mitteln eines „Crowdsourcing“ arbeitet. Man speiht aus, womit man das politische Klima vergiften will und hofft darauf, dass eine der vielen psychologisch gestörten Personen, die auf der linken Seite des politischen Spektrums systematisch gegroomt werden, den Ball aufnimmt und den beabsichtigten „stochastischen Terrorismus“ zu einem vorläufigen Höhepunkt bringt.

Vor dem Hintergrund des stochastischen Terrorismus ist das, was in Deutschland von der etablierten Parteienmafia und ihren bezahlen „Demokratie-Leben“-Helfern aufgestellt wird, längst über das Stadium der Vergiftung des politischen Klimas hinaus. Was sich derzeit in Niedersachsen abspielt, ist aus meiner Sicht ein gezieltes Drehen an der Eskalationsschraube, der Versuch, Aktionen gegen Kandidaten der AfD und die AfD als Ganzes (bis hin zu Gewaltakten) zu legitimieren, sie als Akt im Einklang mit geltenden Gesetzen auszugeben, quasi mit einem prä-Straftat Versprechen auf Nichtverfolgung auszustatten und damit wahrscheinlicher zu machen.

Es ist ein sehr perfides Spiel, das hier gespielt wird, in dem versucht wird, Kandidaten einer legitimen politischen Partei, die NICHT VERBOTEN ist, als Gefahr für „Unsere Demokratie™“ zu brandmarken, ohne Ansehen der Person und über Sippenhaft, als illegale und gefährliche Kandidaten zu inszenieren und damit die Kosten für potentielle Gewalttäter (vermeintlich) zu reduzieren.

Vor diesem Hintergrund sind Szenen wie die folgende aus Gifhorn nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen kann:

Früher hätte ich diejenigen, die gegen die Zulassung eines Kandidaten einer legitimen und legalen Partei schreien und verärgert einen Saal verlassen, weil es nicht nach ihrem Kleinkindwillen gegangen ist, als eben diese retardierten Kleinkinder bezeichnet, die sie darstellen. Aber früher lebten wir in einem anderen politischen Klima. Heute ist es wichtig solche Leute als wandelnde Zeitbomben, als Fundamentalisten auf dem von Douglas Pratt beschriebenen Weg zum Terrorismus zu sehen, von denen niemand weiß, ob und wenn ja, wann sie explodieren. Denn: Der Möglichkeitsraum für Gewalttaten gegen den politischen Gegner, gegen Kandidaten der AfD, er wurde sehr sorgfältig geschaffen, durch mediales Dauerfeuer, in dem denen, die so einen Mist willig aufnehmen, vermittelt wurde, die AfD sei eine verfassungswidrige Partei – ein Urteil, das auf Unfug zurückgeht, den politisch weisungsgebundene Landesämter auf ebensolche Weisung ihres politischen Herren zusammengeschrieben haben, um den politischen Gegner zu bekämpfen.

Damit schaffen sie eine Pseudo-Legitimation für diejenigen, denen normales demokratisches Prozedere missfällt, wenn es nicht nach ihrem Willen geht, Leute, die nur darauf warten, eine Gelegenheit zu finden, um das gerade durch Zulassung eines absichtlich „vilifizierten“ Kandidaten geschaffene Unrecht „zu revidieren“, in welcher Form auch immer, aber in jedem Fall in einer Form, für die die politisch Verantwortlichen keinerlei Verantwortung übernehmen werden, denn der Täter weist keinerlei Verbindung zu ihnen auf. Sie haben ihn nie aufgefordert, die Tat auszuführen, die er ausgeführt hat. Sie haben lediglich den Boden bereitet, wohl wissend, dass es eine große Zahl von psychisch kaputten Leuten in Deutschland gibt, die diesen Boden nutzen werden, um mit Gewalt gegen den politischen Gegner vorzugehen.

Stochastischer Terrorismus ist der Terrorismus der Feiglinge, der hinterhältig Niederträchtigen, die ihre Bösartigkeit delegieren, andere die schmutzige Arbeit machen lassen.

Leute, die systematisch einen Möglichkeitsraum schaffen, der Gewalt gegen den politischen Gegner legitimiert, politische Gegner in Bausch und Bogen dämonisiert und dehumanisiert, schaffen nicht nur eine vergiftete Atmosphäre, sie groomen wie Dr. habil. Heike Diefanbach sagt, diejenigen, um deren Existenz sie sehr genau wissen, deren psychische Schäden und deren Sendungsbewusstsein, in einen Fundamentalismus gemündet ist, der sehr leicht in Terrorismus überführbar ist.

Denn der Glaube, im Recht zu sein und „das Böse“ bekämpfen zu müssen, ist Fundamentalisten und Terroristen gemeinsam. Diese politischen Ferntäter organisieren stochastischen Terrorismus wohlwissend, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis einer der gegroomten Linksextremisten, deren Selbstwert von einer „Identifikation“ abhängt, weil sie sonst nichts vorzuweisen haben, gewalttätig wird. Sie nehmen Gewalt gegen den politischen Gegner nicht nur billigend in Kauf, sie fördern sie, machen sie wahrscheinlicher, statten die potentiellen Täter mit einer Rechtfertigung und Pseudo-Legitimierung aus.

Vilifizierung ist eine Eindeutschung von „to vilify“ ein englischer Begriff, am häufigsten mit diffamieren, verleumden oder verunglimpfen übersetzt. Je nach Kontext wird er auch als schmähen, herabwürdigen oder verteufeln übersetzt. Die Bandbreite der Übersetzung macht deutlich, dass es kein deutsches Pendant zum Konzept „to vilify“ gibt, eine Methode, Leute zur Zielschreibe von anderen, deren Hass, Missgunst und Niedertracht zu machen, motiviert durch die Lust, diesen Leuten zu schaden und getrieben von der eigenen Bösartigkeit. Drei Aspekte, die bei Übersetzung auf der Strecke bleiben, weshalb ich den Begriff der „Vilifizierung“ geschaffen habe.

Das im Text mehrfach angesprochene Konzept des religiösen Fundamentalismus von Douglas Pratt haben wir hier besprochen.


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