Impfung ist nicht Allheilmittel, Nicht-Impfung auch nicht
Die meisten Probleme im sozialen Bereich, mit denen wir konfrontiert sind oder werden, gehen von Leuten aus, die in das Leben anderer intervenieren wollen. Eines der eklatantesten Beispiele für deratige Übergriffe, hat der Bundestags am 14. November 2019 geliefert, als mit der Mehrheit von CDU/CSU und SPD und mit Stimmen von Abgeordneten der FDP (fast alle) und LINKE (die Hälfte der Fraktion) das Masernschutzgesetz verabschiedet wurde. Technisch handelt es sich dabei um eine Erweiterung des Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG), das nunmehr in seinem 8 Absatz die folgende Passage führt:
(8) Folgende Personen, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind, müssen entweder einen nach den Maßgaben von Satz 2 ausreichenden Impfschutz gegen Masern oder ab der Vollendung des ersten Lebensjahres eine Immunität gegen Masern aufweisen:
- Personen, die in einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut werden,
- Personen, die bereits vier Wochen a) in einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 Nummer 4 betreut werden oder b) in einer Einrichtung nach § 36 Absatz 1 Nummer 4 untergebracht sind, und
- Personen, die in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 tätig sind.
Ein ausreichender Impfschutz gegen Masern besteht, wenn ab der Vollendung des ersten Lebensjahres mindestens eine Schutzimpfung und ab der Vollendung des zweiten Lebensjahres mindestens zwei Schutzimpfungen gegen Masern bei der betroffenen Person durchgeführt wurden. […]
Ein Gesetz, das eine medizinische Intervention vorschreibt, in diesem Fall Eltern ihrer Agency, über die Impfungen, die sie ihrem Kind zufügen wollen, selbst zu bestimmen, beraubt, mag für manche Leute ein probates Mittel sein, ihren Willen durchzusetzen und sich anschließend wichtig zu fühlen. In einer Welt von Erwachsenen ist es das nicht.
Denn eine gesetzliche Verpflichtung zur Masern-Impfung basiert implizit auf der Behauptung, dass mit dieser Impfung ein deutlich größerer Nutzen als Schaden verbunden ist. Sowohl Nutzen als auch Schaden können sich in einer normalen Welt NUR auf denjenigen beziehen, der zwangsgeimpft wird, nicht auf andere. Dessen ungeachtet findet sich im Gesetzentwurf der damaligen Bundesregierung die folgende Formulierung:
“Ziel des Gesetzes ist es, einen besseren individuellen Schutz insbesondere von vulnerablen Personengruppen sowie einen ausreichenden Gemeinschaftsschutz vor Maserninfektionen zu erreichen.”
Ziel ist nicht nur “individueller Schutz”, Ziel ist auch ein “ausreichender Gemeinschaftsschutz”. Indes: Man kann Individuen nicht verpflichten, andere zu schützen, und im Rahmen von Impfschutz ist dies auch nicht notwendig, wenn der angebliche Impfschutz vor Ansteckung und Erkrankung schützt. Tut er das nicht, dann hilft auch keine Impfpflicht über diesen Mangel hinweg.
Eingriffe in die Agency von Bürgern durch Polit-Darsteller, die sich dazu berufen fühlen, aus welchen (niederen) Motiven auch immer, sind längst zur Normalität geworden, ein Markenzeichen einer infantilen Gesellschaft, die von Leuten geführt wird, die nicht nur der Ansicht sind, man könne sich Geld und den Körper anderer kaufen, um den Kinderwunsch, den man sich eingeredet hat, zu befriedigen, sondern nicht zu dem Gedanken in der Lage sind, dass Dinge gemeinhin VOR- und NACHTEILE haben, dass ein Zwang zu einer Handlung somit zwangsläufig mit Vor- und Nachteilen einhergeht und derjenige, der ihn aufstellt, ab sofort jede Verantwortung für Individuen übernimmt, die aufgrund des Zwangs, dem sie unterzogen werden, Schaden nehmen.
Das war, in wenigen Worten das, was ich unter einer Diskussion unter Erwachsenen verstehe, die Bereitschaft, Vor- und Nachteile zu gewichten, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, dass es Nachteile gibt, die mit Zwang verbunden sind.
Und im Fall einer Masernimpfung gibt es viele Nachteile, die man gewichten muss, bevor man sich zum Herren über die Impfgeschicke der Bürger erklärt, wie dies Jens Spahn und 459 Abgeordnete des damaligen Bundestags, die dem Masernschutzgestz zugestimmt haben, getan haben.
Bereits ein kursorischer Blick auf Masern und ihre Folgen, sollte ausreichen, damit ein halbwegs mit normalem Verstand ausgestatteter Mensch Abstand vom Impfzwang nimmt.
2015 haben Yasuhiko Kubota et al., die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die auf den Angaben von 43.689 Männern und 60.147 Frauen im Alter von 40 bis 79 Jahren basierte, die zu ihrem “Lebensstil” und zu Erkrankungen befragt wurden:
Kubota, Yasuhiko, Hiroyasu Iso, Akiko Tamakoshi, and JACC Study Group (2015). Association of measles and mumps with cardiovascular disease: The Japan Collaborative Cohort (JACC) study. Atherosclerosis 241(2): 682-686.
Basierend auf den Angaben der Befragten zu Herzkreislauferkrankungen und zu Kindheitserkrankungen konnten die Autoren zeigen, dass Befragte, die in ihrer Kindheit Masern und Mumps durchlebt hatten, ein deutlich geringeres Risiko hatten, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder generell eine Herz-Kreislauf-Erkrankung als Erwachsene zu erleiden. Die Reduktion im jeweiligen Risiko variierte zwischen Masern und Mumps, war bei Mumps etwas höher als bei Masern und am höchsten bei Befragten, die in ihrer Kindheit beide Erkrankungen hatten.
Die Autoren schlossen aus ihren Ergebnissen, dass eine Infektion mit Masern oder Mumps, beides Erkrankungen, die heute “weggeimpft” werden sollen, Letztere im Huckepack mit der Masern-Impfpflicht, der gemeinhin mit einem Kombi-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln genüge getan wird, positive Effekte auf das Immunsystem hat, Effekte, die die Wahrscheinlichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung reduzieren.
Bis zum heutigen Tag ist die Studie von Kubota, die mittlerweile im 11. Jahr ihrer Veröffentlichung ist, in 22 Studien zitiert worden. Der Forschungsstrang, den Kubota et al. (2015) eröffnet haben, er ist mehr oder minder abgebrochen.
Weiterverfolgt wurde eine Forschungsrichtung, die unter anderem von Burgner et al. (2015) und Qanita et al. (2016) aufgenommen wurde:
Burgner, David P., Matthew N. Cooper, Hannah C. Moore, Fiona J. Stanley, Peter L. Thompson, Nicholas H. de Klerk, and Kim W. Carter (2015). Childhood hospitalisation with infection and cardiovascular disease in early-mid adulthood: a longitudinal population-based study. PLoS One 10(5): e0125342.
Qanitha, Andriany, Bastianus AJM de Mol, Dara R. Pabittei, Idar Mappangara, Yolanda van der Graaf, Geertje W. Dalmeijer, David P. Burgner, and Cuno SPM Uiterwaal (2016). Infections in early life and premature acute coronary syndrome: A case-control study. European Journal of Preventive Cardiology 23(15): 1640-1648.
Burgner et al. (2015) gehen von 631 mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung nach ihrem 18. Lebensjahr Hospitalisierten aus, ergänzen eine Kontrollgruppe von 6.310 Nicht-Hospitalisierten und können auf dieser Grundlage ein erhöhtes Risiko für eine schwere Herz-Kreislauferkrankung bei denen zeigen, die in ihrer Kindheit heftig an einer Infektionskrankheit erkrankt sind, darunter Masern, Mumps und Keuchhusten.
Einen ähnlichen Weg gehen Qanitha et al. (2016), die 153 Patienten, die mit einem aktuten Herzleiden vor Erreichen ihres 56. Lebensjahres hospitalisiert wurden, mit 153 Probanden, denen beides, Leiden und Krankenhaus, erspart geblieben ist, vergleichen und zeigen können, dass ein schweres Herzleiden durch eine schwere Infektionserkrankung in der Kindheit, darunter Masern und Mumps, wahrscheinlicher geworden zu sein scheint.
Zwei Studienstränge.
Einer zeigt immunologische Gewinne durch eine Infektion mit Masern und Mumps im Kindesalter. Der andere zeigt erhöhte Risiken auf Herz-Kreislauferkrankungen nach SCHWEREN Infektionserkrankungen in der Kindheit.
Eine erwachsene Diskussion würde nicht nur den abgestorbenen Forschungsstrang von Kubota et al. (2015) fortführen, sondern vor allem zur Kenntnis nehmen, dass eine ZWANGSIMPFUNG nicht nur Vorteile hat, Vorteile nur für Personen zu haben scheint, denen eine schwere Erkrankung durch die Impfung gegen Masern erspart wurde, während all diejenigen, die keine schwere Erkrankung an Masern zu befürchten haben, durch eine Zwangsimpfung geschädigt zu werden scheinen.
So schnell ist Zwangsimpfung vom Tisch.
Natürlich nur dann, wenn die Zwangsimpfung nicht aus psychologischen Motiven betrieben hat, um sich beweisen zu können, dass man die “Macht” hat, andere zu Verhalten zu zwingen, das sie von sich aus nicht gezeigt hätten, einen Beweis, den sich nur kleine Lichter und von Motiven wie Sadismus und Narzissmus getriebene, zumeist Psychopathen erbringen müssen.
In einer Welt voller Erwachsener, verantwortlicher Erwachsener wäre die nächste Frage: Gibt es Forschung, die Merkmale derjenigen identifiziert, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer an Infektionen wie Masern zu erkranken?
Und in der Tat, diese Studien gibt es. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass
- Mangelernährung, Untergewicht;
- Vitamin-A-Mangel;
- Immunsuppression, wegen z.B. HIV, Chemotherapie, angeborenen Defekten;
die Wahrscheinlichkeit auf eine schwere Infektionserkrankung erhöhen. Die genannten Faktoren stehen in einem Zusammenhang mit soziodemographischen Merkmalen wie:
- einem niedrigen Haushaltseinkommen;
- engen Wohnverhältnissen;
- geringer Bildung der Mutter;
- schlechter Ernährung;
- der Prävalenz von HIV;
Nachzulesen z.B. bei:
Leung, Jessica, Naeemah A. Munir, Adria D. Mathis, Thomas D. Filardo, Paul A. Rota, David E. Sugerman, Sun B. Sowers, Sara Mercader, Stephen N. Crooke, and Paul A. Gastañaduy (2025). The effects of vaccination status and age on clinical characteristics and severity of measles cases in the United States in the postelimination era, 2001–2022. Clinical Infectious Diseases 80(3): 663-672.
Sbarra, Alyssa N., Jonathan F. Mosser, Mark Jit, Matthew Ferrari, Rebecca E. Ramshaw, Patrick O’Connor, L. Kendall Krause, Emma LB Rogowski, and Allison Portnoy (2023). Estimating national-level measles case–fatality ratios in low-income and middle-income countries: an updated systematic review and modelling study.“ Lancet Global Health 11(4): e516-e524.
Im Wesentlichen sind hier Variablen beschrieben, die mit Armut verbunden sind und sich in Entwicklungsländern häufiger finden als in entwickelten Industrienationen. Insofern könnte man den Zwang zur Masernimpfung als Eingeständnis werten, es bei Deutschland mittlerweile und damals nach vier Legislaturperioden des Wirkens von Merkel-Kabinetten mit einem Entwicklungsland zu tun zu haben.
Will man diesen Schluss nicht ziehen, dann muss man konstatieren, dass rund 80% derjenigen, die einer Masernimpfung unterzogen werden, mehr Schaden als Nutzen zugefügt wird, weil ihr Immunsystem daran gehindert wird, intensiv die Bekämpfung von Pathogenen zu trainieren, während 20%, die durch die oben beschriebenen Variablen gefasst werden können, durch eine Impfung einen Vorteil gewinnen können, der höher ist als der verursachte Schaden.
Wie gesagt, Erwachsene diskutieren auf der Basis von Fakten und würden ohnehin nie auf die Idee kommen, andere zu Verhalten zu zwingen. Nur Leute, die andere als Verfügungsmasse ansehen, die sich selbst erhöhen wollen, in dem sie andere zu Verhalten zwingen, daraus einen “Kick” entnehmen, sind so kindisch und entsprechend bösartig, andere zu für diese mehrheitlich schädlichem Verhalten zu zwingen.

