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Der Trick, mit dem Zentralbanken Bürger schröpfen: Nach 200 Jahren immer noch wirksam

Vom Mississippi zum Cantillon Effekt

Wir sind es gewohnt, wann immer die Preise und mit ihnen die Inflation steigen, von Mainstream-Medien an der Nase herumgeführt zu werden und “die Krise im Mittleren Osten”, den “Ukraine Krieg”, die “Schließung der Straße von Hormus” oder sonstigen Unfug als Ursache präsentiert zu bekommen.

Die Frage, warum etwas, was sich in großer Entfernung abspielt, die Preise im Supermarkt um die Ecke beeinflussen soll, ist eine Frage, die niemand stellt, denn die Verbindung scheint zu offensichtlicht: Öl oder eine andere Ressorcen werden teurer und mit ihnen beginnt eine Teuerungskaskade, die schließlich im Nudelregal ankommt.

Absurd, aber es wird geglaubt.

Indes: Wenn Preise für Öl steigen, dann steigen zwar Preise aber die Geldmenge steigt nicht mit, weil die Preise steigen. Die normale Reaktion eines Marktes besteht bei steigenden Preisen in einer Reduktion der Nachfrage. Seltsamerweise tritt diese Reduktion der Nachfrage neuerdings nicht mehr ein, und das Ganze hat eine Ursache, die sich Zentralbank nennt. Zentralbanken drucken Geld, erhöhen die Geldmenge, finanzieren die höheren Preise damit ohne Einbuße bei der Nachfrage, ermöglichen Spekulanten eine Hausse nach der nächsten und sorgen dafür, dass Konsumenten die Kosten für diese Manöver in Form getiegener Produktpreise tragen. Inflation nennt man das.

Die Ringfinanzierung bestimmter Akteure, die von der Geldpresse ausgeht, funktioniert seit Jahrhunderten, hat immer denselben Effekt, Geld von vielen zu wenigen umzuverteilen und wurde, wenn man so will, Anfang des 18. Jahrhunderts von John Law erfunden. Law war Schotte, Finanzier, hilt sich für einen Theoretiker, obschon sein Hang zum Glücksspiel ihn wohl eher charakterisiert und ist während eines Aufenthalts in den Niederlanden zu der Erkenntnis gelangt, dass die begrenzte Münzenmenge den Handelt stranguliert. Je mehr Geld, so seine einfach Regel, vorhanden ist, desto mehr Handel ist möglich, desto mehr Produktion ist möglich, desto reicher ist eine Gesellschaft.

Das Mehr an Geld, das Law im Sinne hatte, war kein Mehr an geprägten Münzen, sondern ein Mehr an GELDNOTEN, Papiergeld. 1705 schlägt er erstmals die flächendeckende Einführung von Papiergeld in seinem Buch “Money and Trade considererd” vor. Seine Absicht, Papiergeld als Zahlungsmittel flächendeckend in Schottland einzuführen, ist den Schotten nicht geheuer.

Im Frankreich des Jahres 1716 ist er erfolgreich.

Dort regiert Philippe d’Orleans auf den Trümmern der von Ludwig XIV ruinierten Staatsfinanzen und ist auf der Suche nach neuen Geldquellen. Law verspricht, ihm die Geldquellen zu liefern. Die Grundlagen für eines der größten finanziellen Fiasken ist damit gelegt. Law und Philippe und der Mississippi-Bubble bauen an ihrer Geschichte.

Der Kuhhandel, mit dem Law die Finanzen eines ruinierten Staates “Frankreich” restaurieren will, weist in vielen Teilen entnervende Gemeinsamkeiten zum heutigen System der “Zentralbanken” auf, die in großer Nähe zu Regierungen vegetieren und nicht nur mit Programmen wie dem “Quantitative Easing” zu Agenturen der Verarmung weiter Bevölkerungsschichten zugunsten einiger weniger geworden sind.

All das beginnt im 18. Jahrhundert, um 1716 mit der Gründung der Banque Générale, aus der schon wenig später 1718 die Banque Royale wird und der Companie d’Occident (Mississippi-Kompanie). Die beiden Banken werden genutzt, um Geldnoten auszugeben, zunächst recht zurückhaltend und im Tausch gegen Münzen oder alte Schuldverschreibungen des französischen Königshauses / Staates. Dann immer exzessiver, vor allem im Tausch gegen Aktien bzw. zum Kauf von Aktien, die von der Companie d’Occident ausgegeben werden.

Der Gegenwert der Aktien ist ein Anteil am Unternehmen, das Unternehmen wiederum ist eines, das auf Rechten basiert, die ihm vom König übertragen wurden. Das sind zu Beginn im Wesentlichen ein Monopol an Besiedelung und Ausbeutung von Louisiana, im weiteren Verlauf kommen Rechte in Afrika, China, Ostindien, das Recht, Steuern zu erheben und Münzen zu prägen uvm. hinzu. Gleichzeitig mit der Ausweitung der Rechte steigen Ausgabe und Verkauf von Aktien, die wiederum über Geldnoten finanziert werden, die von der Banque de Royale ausgegeben werden. Ein Ringtausch, wie er sich in so vielen sozialistischen Staaten und Hirngespinnsten seither gefunden hat, der früher oder später mit dem Blatzen der Blase enden muss.

Die “Mississippi-Blase” ist relativ schnell innerhalb von fünf Jahren geplatzt. Die Politiken von Law, der immer mehr Befungnisse an einer Stelle vereint hat und durch seine Fusion von Bank und Kolonialgesellschaft letztlich jedes Vertrauen in die Aktien beseitigt hat, hat ihren Teil dazu beigetragen.

Im Kern der Blase steht ein Geschäftsmodel, wie es bis heute in Kreisen von “Bankern” zu finden ist, eines, das dem, was heute als “asset backed securities” an sekundären Märkten gehandelt wird, sehr ähnlich ist. Banken schaffen Geld um damit Assets zu erwerben, die auf einem Fundament basieren sollen. Die Assets / Wertpapiere und das geschaffene Geld stützen sich gegenseitig, bis sie sich nicht mehr gegenseitig stützen, was zwangsläufig dann der Fall ist, wenn das Missverhältnis zwischen Geldwert und Fundament zu groß wird. Der Mississippi Bubble ist deshalb geplatzt, weil immer mehr Geldnoten ausgegeben wurden, um immer mehr Aktien zu kaufen, der Wert, der über die Aktien gehandelt wurde, aber nicht mitgestiegen, sondern gleich geblieben ist. Immer mehr hatten (Aktien)Anrechte auf denselben Wertgegenstand.

Ein Geschäftsmodell das platzen muss und eines, das sich seither wieder und wieder wiederholt hat: Zentralbanken schaffen billiges Geld, mit dem billigen Geld werden Aktien gekauft, als Folge steigen die Aktienwerte, die steigenden Aktienwerte ziehen immer neue Spekulanten an, die Aktien steigen weiter, im Falle des Mississippi-Bubble sorgen immer mehr Geldnoten, die in Aktien investiert werden, für immer mehr nominelle Nachfrage nach immer denselben Ansprüchen, und so wie man einen Kuchen nur in eine begrenzte Anzahl von Stücken teilen kann, so kann man auch einen zugrundeliegenden Wert nur in einer begrenzten Stückzahl von Aktien feilbieten.

Man sollte denken, das ist nicht wirklich kompliziert und sollte selbst in Gehirnen, die noch nie von ökonomischer Theorie gestreift wurden, als Gedanke Platz finden. Indes: Das ist nicht der Fall, wie man schon an der Eingangs beschriebenen Finte sehen kann, die Inflation nicht Zentralbanken, sondern steigenden Preisen von Rohstoffen und dergleichen anlastet.

Richard Cantillon war zu Lebzeiten von John Law eine schillernde Figur, nichtzuletzt als Gegenspieler von Law, der zu Beginn des Mississippi-Hypes billig Aktien kaufte und teuer verkaufte und zum Ende des Hypes eine Unmenge von Profit durch das Verleihen von Geld an Spekulanten zu hohen Zinsen erwirtschaftete. Cantillon gehört zu denen, die im Rahmen des Mississippi-Bubble zu “millionaires” geworden sind, ein Begriff, der zu dieser Zeit geprägt wurde.

Cantillon hat nicht nur ein Vermögen verdient, er hat auch aus seinen Beobachtungen eine ökonomische Theorie abgeleitet, vielleicht die erste moderne ökonomische Theorie, in der der Banker aus Kerry in Ireland, der sein Geld in Paris gemacht hat, nicht nur den Wirtschaftskreislauf, die Entstehung von Marktpreisen, die Rolle von Unternehmern als Risikoträger, eine Werttheorie basierend auf Land und Arbeit und eine Theorie des internationalen Handels entwickelt hat, sondern vor allem den Cantillon-Effekt beschrieben hat, der bis heute im Handeln von Zentralbanken bestätigt werden kann und letztlich eine staatlich alimentierte Form des Rent Seekings darstellt, denn von der Geldpolitik der Zentralbanken profitieren gemeinhin sehr wenige und interessanterweise immer dieselben Banken, Finanzmärkte, Staaten, Kreditnehmer, während viele, sehr viele die Kosten dafür tragen müssen.

Cantillons Einsicht bestand nicht nur darin, Geld als Tauschmittel, nicht als Ausdruck von Reichtum zu begreifen, sondern vor allem darin, den Mythos einer neutralen Geldschöpfung grundlegend zu beseitigen. Dessen ungeachtet leben Sozialisten und Kommunisten in einer Art “blissful ignorance” und glauben weiterhin an diesen Mythos, bis ihnen das Geld der anderen ausgeht.

Eine Veränderung der Geldmenge, so Cantillon, verändert zuerst bestimmte Ausgabenströme und erst danach das allgemeine Preisgefüge. Das bedeutet, dass immer dann, wenn Zentralbanken Geld erschaffen, diejenigen profitieren, die Zentralbanken am nächsten stehen. Sie kommen in den Genuss, das “neue” Geld ausgeben zu können, um Vermögenswerte zu beschaffen, BEVOR die Preise steigen. Wer in der Kette zuletzt kommt, die Arbeiter, die Gewerbetreibenden, all die Bürger, die von ihrer eigenen, nicht der Arbeit anderer leben, die zahlen die Zeche. Bis bei Arbeitern Lohnsteigerungen ankommen, sind sie längst von Preissteigerungen betroffen, allen anderen am Ende der Profitkette geht es genauso, sie zahlen drauf, zahlen erhöhte Güterpreise noch bevor sie überhaupt in den Genuss des “neuen Geldes” kommen.

Die Zeiten mögen sich seit Cantillon geändert haben, die Methode des Rent seekings, der Umverteilung per Erhöhung der Geldmenge und Schaffung von Inflation, die immer in dieselbe Richtung weist, von der Bevölkerung wird Geld abgezogen und an Banken oder “Staaten” verteilt, sie hat sich in all den Jahrhunderten nicht verändert, nur die Größenordnung des Diebstahls hat sich verändert und die Bewertung des Diebes: Zentralbanken gelten vielen heute als eine Art sakrosankter Wächter über des Geldsystem.

So kann man sich täuschen, während man die Zeche für den Irrtum zahlt.

Nachtrag:

Die Aktien der Companie d’Occidentale wuchsen schnell im Wert. 500 Livres war ihr durchschnittlicher Ausgabewert. Zwischenzeitlich erreichten sie Höhen von mehreren 10.000 Livre, ehe sie sich dem Ausgangsniveau wieder annäherten und es schließlich unterschritten.

Die Finanzprobleme des französischen Regierungshauses wurden durch Law nicht gelöst…:))

Richard Cantillon zog nach London, um vor Gerichtsprozessen zu fliehen (Man nahm es ihm übel, dass er gegen Law und sein Papiergeld gewettet hatte und versuchte, das Scheitern des Mississippi-Geldpapiers seinem Wirken zuzuschreiben). Sein Haus in der Albemarle Street in London brannte 1734 ab. In der rauchenden Ruine wurde eine Leiche gefunden. Cantillon selbst soll wenige Jahre später auf Surinam gesehen worden sein.

Charles MacKay hat die Money-Mania als erstes Kapitel in sein Buch “Extraordinary Delusions and the Madness of Crowds” aufgenommen.

Die Europäischen und US-amerikanischen Zentralbanken haben die Folgen der Suprime-Mortgage-Crisis durch das Drucken von Geld zu beheben versucht. Milliarden Euro und US-Dollar sind in Programme des “Quantitative Easing” gesteckt worden. Geld wurde in großem Stil gedruckt und die Preise damit gesteigert, Inflation befeuert und umverteilt: Kaufkraft von privaten Bürgern zu institutionellen Anlegern und Banken und Staaten, all diejenigen, die für die nachfolgende Finanzkrise verantwortlich waren, haben sich an denen gütlich getan, die nichts damit zu tun hatten, aber gezwungen wurden, die Folgen zu tragen.

Und das ist nur eine Episode, in der das Vehikel der “Zentralbanken” genutzt wurde, um Bürger zu schröpfen.

Milton Friedman hat diese Methode, Bürger auszunehmen, wie folgt auf den Punkt gebracht:

„Consumers do not create inflation. Producers do not create inflation. Inflation is produced solely by excessive public spending and by excessive money creation by the government, and by nothing else.“

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