Politiker-Resozialisierung: Volker Beck predigt jetzt an der Ruhr-Universität

Da sagt man jungen Menschen sie sollen sich in die Spur setzen, an ihrer Karriere arbeiten, ein Abitur machen, Studieren, MINT, weil man mit anderen Fächern heutzutage nichts werden kann. Während des Studiums sollen sie Praktika leisten, um Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln und natürlich einen Teil des Studiums im Ausland absolvieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss sind sie dann vermeintlich fit für den Arbeitsmarkt. Das sagt man jungen Menschen.

Denn: Wenn sie ein Studium ohne Abschluss beenden, wenn sie die Schule mit einem schlechten Zeugnis verlassen, dann können sie nichts werden in der Welt. Naja, fast nichts. Politiker geht immer. Politiker ist kein Ausbildungsberuf. Niemand muss eine besondere Fähigkeit nachweisen, um Politiker sein zu können. Politiker ist kein geschützter Begriff. Jeder kann von sich sagen, er sei Politiker. Politiker ist eine Position, in der kein Mehrwert geschaffen, nichts Produktives verrichtet wird. Vielmehr ist Politiker eine Position, die in ihrem Sadismus-Gehalt dem Zahnarztes, der freilich erst nach einem abgeschlossenen Studium auf die Zähne von Kassenpatienten losgelassen wird, vergleichbar ist. So wie Zahnärzte ungestraft Schmerzen zufügen und die körperliche Integrität zerstören können, so können Politiker mit nur wenigen Gesetzen ganze Existenzen vernichten, Produktivität durch Eingriffe in den Markt nach Herzenslust zerstören und vor allem können sie andere an ihrem Geldbeutel schädigen. Diese Mischung aus der Möglichkeit, Anderen zu schaden und dem völligen Fehlen von jeder Art von Qualifikation ist es wohl, die die Position des Politikers für manche attraktiv macht und dazu führt, dass alles, was man jungen Menschen über die Notwendigkeit von Bildung sagt, falsch ist.

Man kann Politiker werden, auch wenn man nichts kann und nichts weiß.

Nun sind Politiker nicht unbedingt angesehen. In der regelmäßigen Befragung von Allensbach, deren Ziel darin besteht, das Prestige zu messen, das Bürger bestimmten Berufen zuweisen, kommen Politiker regelmäßig am Ende der Skala an. 6% waren zuletzt noch der Ansicht, Politiker sei ein Beruf mit irgendeinem Prestige. Damit sind Politiker zwar noch vor Fernsehmoderatoren angesiedelt, denen 3% der Befragten ein Prestige zubilligen, bleiben aber weit hinter Rechtsanwälten zurück, denen 24% ein Prestige zuerkennen können, vermutlich weil sie denken, wofür man viel Geld bezahlen muss, das muss auch einen Zweck haben und was einen Zweck hat, das hat auch entsprechendes Prestige. Wie dem auch sei, unangefochten an der Spitze der Prestigeskala rangieren seit Jahren die Ärzte, denen keinerlei Skandal die Pole Position streitig machen kann.

Doch zurück zu den Politikern. Keine Ausbildung, keine Fähigkeiten, kein Ausbildungsberuf, keine Voraussetzungen, kein Eignungsnachweis, kein Intelligenztest, kein Leistungsnachweis, kein Ansehen in der Bevölkerung, selbst Einbrecher müssen zumindest die Fähigkeit haben, z.B. ein Auto aufzubrechen. Man kann also durchaus der Ansicht sein, Politiker seien die Paria der Gesellschaft, Personen, die aus Mangel an Verwendungszweck im Bereich der Politik geparkt werden, um dort unter öffentlicher Aufsicht den Schaden anzurichten, der oben beschrieben wurde. Die Kalkulation dahinter wäre die, dass die entsprechenden Personen als Politiker und unter öffentlicher Aufsicht einen geringeren Schaden anrichten als sie es in einer anderen Verwendungsform tun würden.

Somit stellt sich die Frage, was tut man, mit einem Politiker, der aus einem Parlament gewählt wurde oder es gar nicht mehr in ein Parlament geschafft hat? Was tut man mit einem Politiker, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten und Verwendungszweck nicht mehr gegeben ist.

Dumme Frage!
Man recycled und resozialisiert ihn natürlich.

Wo?
Na an Universitäten.
Nachdem Universitäten zu den Orten geworden sind, an denen intellektuelle Leichtgewichte geparkt werden, um Studenten ein Lamento von Diskriminierung und Ungerechtigkeit vorzuklagen, ist es nicht verwunderlich, dass Universitäten auch als Resozialisierungsanstalten für gescheiterte Politiker bzw. für Politiker jenseits des Haltbarkeitsdatums werden.

Noch weniger ist es verwunderlich, dass die Ruhr-Universität in Bochum den Vorreiter mit einem gleich doppelten Resozialisierungsversuch macht, ist die Ruhr-Universität doch bereits zum Endlager für fünf Professuren der Gender Studies geworden. Da von derartigen Agglomerationen, wie die Forschung wieder und wieder gezeigt hat, Nachzugseffekte ausgehen (gleich und gleich gesellt sich gern), ist es nur folgerichtig, wenn die Ruhr-Universität auch den ersten Schritt in Richtung Resozialisierung von Politikern macht, und dies, wie gesagt, gleich doppelt:

Volker Beck wird Dozent an der Ruhr-Universität:

“Der Grünen-Politiker Volker Beck wechselt … in den Hörsaal. Nach 23 Jahren im Deutschen Bundestag wird er einen Lehrauftrag an der Ruhr-Universität in Bochum am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien annehmen. In seinem Seminar geht es um Religionspolitik in der Praxis”

Der Versuch der Resozialisierung erfolgt gleich in mehrfacher Hinsicht:

Volker Beck hat zwar Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik studiert, aber dennoch keinen Abschluss erreicht.
Volker Beck hat sein Haltbarkeitsdatum als Politiker überschritten, auch Crystal Meth hat wohl den notwendigen Kick nicht mehr verschaffen können.

So wie keine Fähigkeit zum Politiker qualifiziert, so qualifiziert in Bochum kein Hochschulabschluss dazu, als Dozent Studenten über Religionspolitik zu lehren. Verwundert das jemanden an einer Universität mit fünf Professuren für Gender Studies?

Warum gibt es eigentlich keine Putzfrau, die an der Ruhr-Universität über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung durch Universitätsangestellte im Alltag ein Seminar abhält? Auch Putzfrauen haben in der Regel kein abgeschlossenes Studium und erfüllen somit die Voraussetzungen.

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Keine Gnade: Was in den Gender Studies als Lehrveranstaltung gilt

Gestern haben wir die 53 Professuren, deren Inhaberinnen (Stefan Hirschauer und Michael Meusser mögen uns nachsehen, dass wir sie hier grammatisch-geschlechtlich übersehen) sich den Gender Studies widmen (sollen), zusammengestellt und den jeweiligen Besetzerinnen zugeordnet. Heute wollen wir unseren Lesern einmal einen weitgehend unkommentierten Einblick in das geben, was an deutschen Universitäten unter dem Stichwort „Gender Studies“ an Studenten vermittelt wird. Wenn ihnen die Haare zu Berge stehen, dann ist das leider nicht zu verhindern.

Wir beginnen mit der Albert-Ludwig Universität in Freiburg. Dort können Studenten im laufenden Semester lernen, was es mit Politischer Korrektheit auf sich hat, und warum die AfD Schuld daran ist, dass es zwischenzeitlich Menschen gibt, die daran zweifeln, dass politische Korrektheit das Heil der Welt bedeutet, Armut beseitigt, Hunger stillt und unnötiges Denken beseitigt.

Albert-Ludwig-Universität Freiburg

Political Correctness (Seminar)
Termin: Mittwoch, 16-18 Uhr
Raum: KG IV, Übungsraum 1

Kommentar:
Seit einigen Jahren ist eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung zu beobachten. Auf der einen Seite ist die Offenheit gegenüber Minderheiten wie Schwulen, Lesben und transidenten Menschen gewachsen, gleichgeschlechtliche Paare haben in Hinblick auf bürgerliche Rechten wie etwas Ehe und Erbrecht weitgehend gleichgezogen. Auf der anderen Seite verschiebt sich das öffentliche Klima derzeit in eine andere Richtung: Rechte Bewegungen befördern Rassismus und Xenophobie, in den USA wurde ein Präsident gewählt, der zum Hass gegen Frauen und Minderheiten anstachelt, in Deutschland haben rechte Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) und Bewegungen wie Pegida Enthemmungen in öffentlichen Auseinandersetzungen salonfähig gemacht und sorgen für eine zunehmende Akzeptanz von Gewalt. In diesem Spannungsfeld sind Auseinandersetzungen zu mehr vs. weniger Großzügigkeit gegenüber Stimmungen in der Öffentlichkeit zu beobachten. political correctness gilt dabei – je nachdem – als eine noch immer zu wenig umgesetzte Forderung oder aber eine totalitäre Bevormundung von Redefreiheit.
In diesem Seminar werden wir uns zum einen mit theoretischen Konzepten von political correctness, Stimmungen und (öffentlichen) Gefühlen auseinandersetzen, um in einem zweiten Schritt aktuelle Phänomene rund um Populismus, Meinungsklima, (Un)Sicherheitsempfinden empirisch zu analysieren.

Weiter geht die Reise durch das Genderoptikum. Wir machen Station in München und lernen dort, dass es tatsächlich noch verwirrte Menschen gibt, die denken, es gäbe ein Gender Pay Gap. Wie wir weiter lernen, liegt dies daran, dass die Arbeit „vergeschlechtlicht und heteronormativ“ geprägt ist. Wenn Sie wissen wollen, wie man eine Phobie gegen, sagen wir, rote Läuse entwickelt und dann immer und überall rote Läuse sieht, studieren Sie in München, die self-fulfilling prophecy ist hier perfektioniert und Programm.

Ludwig-Maximillians-Universität München

Vergeschlechtlichte Arbeit – Arbeit an Geschlecht. Gender- und queertheoretische Perspektiven auf Arbeit

Equal Pay Day, Female Future Force, Female Founders – solche Stichworte verweisen auf aktuelle Debatten und Initiativen rund um das Thema Arbeit und Geschlecht: Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer, verrichten mehr unbezahlte (Familien-)Arbeit und sind sehr viel seltener in Führungspositionen anzutreffen. Wichtige Themen, wenn es um Geschlechterungleichheiten geht. Mit einem gendertheoretisch geschulten Blick lässt sich jedoch erkennen: Meist wird in solchen Debatten der Rahmen der Zweigeschlechtlichkeit nicht verlassen und Fragen nach sozialer und nationaler Herkunft, nach Klasse, Gesundheit und Sexualität werden gar nicht erst gestellt.
In diesem Seminar geht es um Arbeit als Forschungsfeld der Geschlechterforschung. Auf Basis grundlegender gender- und queertheoretischer Perspektiven werden zentrale Aspekte dieses Forschungsfelds erkundet. Dabei wird zum einen ein geschlechterkritischer Blick auf Arbeitsverhältnisse eingenommen. Es wird deutlich werden, dass Arbeit nicht nur meist vergeschlechtlicht und heteronormativ geprägt ist, sondern auch ein Feld darstellt, in dem an Geschlecht und Geschlechtervorstellungen, -praktiken und -verkörperungen gearbeitet wird. Zum anderen soll diskutiert werden, welche Geschlechtertheorien unterschiedlichen Forschungsansätzen zugrunde liegen, was die jeweiligen Ansätze für die Analyse von Arbeit als Feld interdependenter Ungleichheiten leisten können, aber auch, welche Leerstellen dabei jeweils erkennbar werden.

Die nächste Station unseres Gender-Zuges, der von einem Genderoptikum zum nächsten fährt, ist Bochum. Dort lehrt man in englischer Sprache, so dass die Studenten immerhin ihre englischen Sprachkenntnisse verbessern oder erweitern könnten … Ansonsten lernen wir, dass der Begriff „weiße Männer“ aus zwei deskriptiven Begriffen besteht, nämlich „weiß“ und „Mann“, die aber gar nicht deskriptiv sind, die vielmehr als unsichtbare Norm gegen das vergeschlechtliche und verrasste Andere eingesetzt werden. Von wem? Na von den Spinnern, die solche Seminare anbieten. Spinner ist hier natürlich kein deskriptiver Begriff, sondern eine unsichtbare Norm, mit der sich normale Neuronen gegen Genderismus zur Wehr setzen.

 

Ruhr-Universität Bochum

050670 Angry White Men? Masculinity and Whiteness (BA)
Dozierende: Kindinger
Modul(e): B, Teil 2 Disziplin: Amerikanistik
Zeit/Ort: Di, 10:00 – 12:00, GABF 04/413

Kommentar:
Masculinity and whiteness – both categories are descriptive of a specific social and cultural identity (whether individual or group). Yet they are “more” than descriptive, they are imagined as an invisible norm against which the gendered and racialized Other was/is measured and “handled.” This course intends to make these categories visible and look at mediations of white American masculinity across class, age, politics, and region. The course will start with an introduction to theories on masculinity and whiteness before it turns to specific cultural texts, such as Ernest Hemingway’s “Nick Adams” short stories, F. Scott Fitzgerald’s The Diamond as Big as the Ritz, Joel Schumacher’s movie Falling Down or Tom Ford’s Nocturnal Animals.
Literatur: Texts will be made available in a Reader.

Wenn wir schon unterwegs sind, warum nicht in Göttingen Station machen. An der Universität, die Georg August gewidmet ist. Die Universität wurde übrigens unter der Ägide des britischen König George II gegründet, der als Georg August auch Hannover und Umgebung unter seinen Fittichen hatte. Insofern ist die Gründung der Universität Göttingen im Jahre 1734 ein Akt britischen Kolonialismus, und es entbehrt nicht der Ironie, wenn Gender Studierte, die von Geschichte nur wissen, dass man sie erzählen kann, im Jahre 2017 den Kolonialismus und seine Folgen dekonstruieren und postkoloniales Denken lehren, bei dem es darum geht, sich „zentrismuskritisch mit Geschlecht auseinanderzusetzen“. Wenn Dummheit Flügel verleihen würde, sähe man in Göttingen einige fliegen.

Georg-August-Universität Göttingen

Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Klapeer, Christine-Maria, Dr.

Zuordnung zu Einrichtungen
Dekanat Sozialwissenschaftliche Fakultät

Inhalt
Organisatorisches Das Seminar dient als Einführung, daher sind keine Vorkenntnisse erforderlich!
Kommentar Dieses Seminar bietet eine erste Einführung in postkoloniales Denken und Analysieren innerhalb der Gender Studies. Wir werden uns zum einen mit zentralen Konzepten und Denkweisen aus dem Bereich der postkolonialen Theorie beschäftigen (u.a. Repräsentation, “othering”, Subalternität), als auch einige jener Schlüsselautor*innen kennenlernen, die eine besondere Relevanz für feministische und queere Wissensproduktion entfalten (u.a. Gayatri Spivak, Chandra Mohanty, Anne McClintock). In einem zweiten Teil werden wir darüber hinaus zeitgenössische Alltagsphänomene mithilfe postkolonialer Instrumente und Konzepte konfrontieren und dekonstruieren (versuchen).
Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf einer zentrismuskritischen Auseinandersetzung mit “Geschlecht” in seinen Verstrickungen mit “Sexualität”, “Rasse”, “Klasse”, “Dis*ability”. Im Zentrum steht die Reflexion der Bedeutung von Kolonialismus, Rassismus und globalen Ungleichheiten für das Verstehen moderner Geschlechterverhältnisse, Geschlechterordnungen und Geschlechterverständnisse. Ziel ist dabei auch, einen kritisch-analytischen Blick auf eigene (wissenschaftliche) Denkweisen und -praktiken zu entwickeln.

Wenn es um die Dekolonialisierung geht, dann darf natürlich auch die TU-Berlin nicht fehlen. Dort erhalten Studenten einen wichtigen Einblick in „die Verschränkungen von patriarchal-androzentrischen und kolonial-eurozentrischen Ausschlüssen und Normen“. Wenn Gender Studierte etwas können, dann einen sprachlichen Popanz aufzubauen und sich daran abzuarbeiten, ganz so, als gäbe es den entsprechenden Popanz außerhalb ihrer eigenen sehr determinierten, fast schon maternal-androphil und berlinal-egozentrischen Miniatur von Welt.

Mit diesem letzten Einblick in das Wirken von Gender Studierten an deutschen Universitäten wollen wir es bewenden lassen. Das dargestellte Elend wird nur größer, wenn wir von anderen Universitäten weitere Belege für die mit Gender Studies offensichtlich einhergehende Verwirrung von Begriffen, Konzepten, Wirklichkeit und Phantasie zusammentragen.

TU-Berlin

Dekolonisierung als Herausforderung in den Gender Studies
Hanna Meißner und Inka Greusing / Seminar
LV-Nr.: 3152 L 022 BA KulT IS 6: Geschlecht, Wissen, Gesellschaft
BA KulT IS 5
BA KulT FW 18 / FW 29
MA ZIFG FP 16 / FW 29
Vertiefungsmodule I und II Gender Pro MINT
MINTgrün
Zeit: Di 10-12 Uhr
Beginn: 17.10.2017
Raum: MAR 2.013
Macht- und Herrschaftsverhältnisse, soziale Ungleichheit sowie naturalisierte und/oder stillschweigend vorausgesetzte Kategorien und Normen sind zentrale Erkenntnisgegenstände der Gender Studies. Voraussetzung für die Etablierung von Gender Studies als Feld wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit diesen Fragen waren historische Kämpfe, die Frauen* zunächst überhaupt Zugang zu akademischen Institutionen verschafften. Innerhalb dieser Institution erweist sich das macht- und herrschaftskritische Erkenntnisprojekt der Gender Studies als spannungsreiche ›dissidente Partizipation‹ (Hark 2005): Durch Teilhabe an und in den Strukturen und Normen akademischer Einrichtungen und Praktiken sollten strukturelle Ausschlüsse und Diskriminierungen thematisiert werden. In diesem Seminar greifen wir selbstreflexive Auseinandersetzungen um diese Einbindung in Macht- und Herrschaftsverhältnisse als Voraussetzung einer kritischen Partizipation auf und stellen dabei Diskussionen in den Mittelpunkt, die auf die Verschränkungen von patriarchal-androzentrischen und kolonial-eurozentrischen Ausschlüssen und Normen fokussieren: Wie kann die Forderung, Universitäten zu dekolonisieren in den Gender Studies aufgegriffen und als Herausforderung für deren (selbst-)kritisches Projekt umgesetzt werden?
Teilnehmende sollten über grundlegende Kenntnisse der Gender Studies verfügen und Lust und Bereitschaft haben, englischsprachige Text zu lesen – wir werden uns bei eventuellen Verständnisschwierigkeiten gegenseitig unterstützen.

Übrigens: Es gibt kein Patriarchat im Westen.

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Als kleine Aufbauhilfe nach all den intellektuellen Tiefschlägen:

Freddy Mercury, der wohl über die Folgen der Gender Studies ein Lied gemacht hat.

Unsinn der Woche: Bochumer Stadtverordnete sind inkompetent

“Großen Anklang”, so heißt es in einer Pressemeldung der Ruhruniversität Bochum (RUB), finde “ein soeben abgeschlossenes Forschungsprojekt der RUB mit dem Frauenbeirat der Stadt Bochum”. Wir wollen einmal dahin gestellt lassen, ob der große Anklang ein positives oder ein negatives Zeichen ist, und uns diesem Forschungsprojekt der RUB widmen, für das der Juniorprofessor Dr. Katja Sabisch, an der RUB für Gender Studies angestellt, verantwortlich zeichnet.

RUBDas groß anklingende Forschungsprojekt ist aus zwei Gründen der Erwähnung wert. Zum einen ist es wohl nicht so häufig, dass Mitarbeiter der RUB Stadtverordneten in Bochum Inkompetenz attestieren, zum anderen bietet das Forschungsprojekt einen Einblick in das, was im Rahmen von Genderstudies gelehrt wird und somit einen Einblick in einen Bereich, den Genderisten gewöhnlich vor der Öffentlichkeit verbergen.

Die Stadtverordneten in Bochum sind inkompetent,

denn sie hängen zwischen “Wissen und Willen”. Sie sind so etwas wie gutmütige Trottel, die zwar wollen, aber nicht können, denn es herrscht “Mangel an Wissen und Umsetzungsideen”. Genauer: “… die Bereitschaft, Geschlechtergerechtigkeit umzusetzen, ist zwar vorhanden, doch es fehlt das nötige Geschlechterwissen”. Bochumer, es ist an der Zeit, bei Kommunalwahlen andere Maßstäbe anzulegen. Es geht nicht an, dass Stadtverordnete gewählt werden, die Männlein nicht von Weiblein unterscheiden können. Bei der nächsten Wahl also auf das Geschlechterwissen achten, fragen, welche Erfahrungen in Geschlechterfragen die Kandidaten auf den Posten eines Stadtverordneten haben!

Einblicke in die Lee/hrwelt der Genderforschung

Die Inkompetenz der Stadtverordneten ist das Ergebnis des oben angesprochenen Kooperationsprojekts, an dem Studenten von Juniorprofessor Sabisch beteiligt waren. Entsprechend kann man aus den Ergebnissen auf das schließen, was den Studenten von ihrem Juniorprofessor vermittelt wird.

Die erste entsprechende Erkenntnis ist besser als gedacht: Genderisten kennen zumindest qualitative Formen der Sozialforschung, d.h. sie haben davon gehört, denn auf den zweiten Blick zeigt sich, die Methoden zu den qualitativen Formen der Sozialforschung sind unbekannt.

Glaser grounded theorySo haben “[f]ünf Leitfaden gestützte Interviews mit jungen Eltern, die in der Bochumer Kommunalpolitik aktiv sind”, zu der Erkenntnis geführt, dass “Probleme mit der Vereinbarkeit von Familile und Beruf immer im Vordergrund stehen”, schlimmer noch: Die “Herausforderung ‘Ehrenamt'” gerate bei allen Interviewten in den Hintergrund: “Erwerbsarbeit ist damit das Definitivum, von dem aus politisches Engagement … gedacht wird” (Definitivum meint übrigens endgültiger Zustand, aber das nur nebenbei).

Fünf Leitfadeninterviews haben also zu dem Ergebnis geführt, dass es Menschen gibt, die arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, selbst unter kommunalpolitisch Aktiven. Anstatt diese seltene Spezies von politisch Engagierten, also von politisch Engagierten, die arbeiten und selbst Steuern zahlen, statt Steuerzahlern auf der Tasche zu liegen, zu thematisieren, wird lamentiert, dass man als arbeitender Mensch andere Prioritäten setzen muss als als Berufspolitiker, insbesondere wenn man sich zudem zur Fortpflanzung entschieden hat.

Bemerkenswert sind auch drei Interviews zum Gender Mainstreaming, die gezeigt haben, dass vor allem oder nur die “städtische Bauplanung” der Bereich ist, in dem Gender Mainstreaming eine Bedeutung hat. Leider wird hier nicht vertieft, also am Beispiel die Bedeutung von gendergerechter Stadtplanung deutlich gemacht. Das wäre interessant gewesen, denn wir wissen zwar um die Rampen für Rollstuhlfahrer, die in den 1980er Jahren in Mode waren und öffentlich gefördert behindertengerechte Gebäude erschaffen sollten, was allerdings gendergerechtes Bauen darstellt, we hestitate to speculate… Na ja, vielleicht große Küchen anstelle von Küchenzeilen? Ah, das hat jetzt gerade Diskussionen in der Redaktion ausgelöst. Vielleicht besser: Doppeltoiletten falls die Freundin zu Besuch kommt … Ok. Besser wir hören damit auf. Vielleicht haben ja manche unserer Leser eine (bessere) Idee von gendergerechter städtischer Bauplanung.

BlumerDie Erfolgsmeldung aus der “städtischen Bauplanung” ist leider nicht uneingeschränkt gültig. Hier der Wermutstropfen: Die städtischen Bauplaner machen Gender Mainstreaming wegen einer entsprechenden “Anordnung”, sie fügen sich in Vorgaben eines “Top-Down-Prozesses”, “ein wirkliches Umdenken in den Köpfen der Beteiligten” hat nicht stattgefunden. Trotz aller Versuche der Indoktrination, so muss man ergänzen, hat auch das Gender Mainstreaming bislang keinen Weg gefunden, die Gedanken der Menschen unfrei zu machen. Ja, Bochumer, es ist noch Hoffnung, selbst wenn es um “städtische Bauplanung” geht, scheinen manche Stadtverodneten noch selbst zu denken.

Über weitere bahnbrechende Erkenntnisse wie z.B. die Feststellung, dass “gleichstellungspolitische Themen … in der Arbeit des Ausschusses für Migration und Integreation” keine “übergeordnete Rolle spielen” (am Ende stehen hier die Menschen im Vordergrund?) und der bereits gemachten Feststellung, dass Stadtverordnete inkompetent sind und mehr wollen als sie können, gelangen wir zum Höhepunkt der Forschung zum “Doing Gender”.

Die Erkenntnisse zu “Doing Gender” basieren auf “teilnehmenden Beobachtungen von zwei Ausschusssitzungen”. Aus diesen beiden teilnehmenden Beobachtungen resultiert die Erkenntnis, dass “das Dasein für Frauen in der Politik durchaus kein leichtes ist. Frauen sind nicht nur zahlenmäßig unterpräsentiert, sondern erfahren auch … an anderer Stelle Diskriminierung”. Das ist der bisherige Höhepunkt (aber es wird noch beser): Wo immer Frauen in der Minderheit sind, liegt also Diskriminierung vor, bei der Müllabfuhr werden Frauen vom Mülllehren ausgeschlossen, die große Mehrheit männlicher Müllfahrer zeigt: Frauen werden diskriminiert. Im Zweiten Weltkrieg blieb ihnen das letzte Opfer für ihr Land versagt. Die Mehrheit  männlicher Weltkriegstoter zeigt: Frauen werden diskriminiert. Und durch Frauenhäuser wird Frauen die Möglichkeit genommen, obdachlos zu werden. Ergebnis: Sie sind unter Obdachlosen unterrepräsentiert, werden diskriminiert und nicht in gleicher Zahl zu Obdachlosigkeit zugelassen.

Wir haben versprochen, dass es noch besser wird, und es wird noch besser. Die Diskriminierung an “anderer Stelle”, die die Studenten in teilnehmender Beobachtung dingfest gemacht haben, ist der “Umgang mit dem Mikrofon”, der wohl nicht meint, dass Frauen, die es in Bochum unter Stadtverordnete geschafft haben, zu dumm sind, ein Mikrofon zu bedienen, sondern der impliziten Prämisse huldigt, dass Frauen der Zugang zu Mikrofonen absichtlich von männlichen Patriachen verstellt wird: Ergebnis, den Ohren Gewalt antuendes Gekreische oder in den Worten der Studenten: “Oftmals waren es Frauen, die sich ohne jede teschnische Unterstützung äußerten, was klar zu ihrem Nachteil geschah”.

Einer geht noch!

Hier nun wirklich der Höhepunkt der studentischen Forschung unter Anleitung von Juniorprofessor Sabisch:

“Traditionelle Rollenzuweisungen waren nicht erkennbar. Für die Forschung bedeutet dies, dass weibliche Unterrepräsentanz in der Politik nicht auf der praktischen Ebene der Politikgestaltung stattfindet, sondern im Vorfeld eine Vielzahl von Schließungsmechanismen greifen, die dazu führen, dass Frauen gar nicht erst in politische Führungspositionen gelangen können. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber, dass Frauen, die bereits in der Politik beispielsweise als Ratsfrauen angenommen sind, auch denselben Status genießen, wie ihre männlichen Ratskollegen”.

Ein wirklich bemerkenswertes Dokument geistiger Verwirrung. Man weiss gar nicht, wo man anfangen soll:

  • Logik f dummiesWenn etwas nicht erkennbar ist, aber Frauen dennoch seltener vorkommen als Männer, dann ist das ein Indiz für Schließungsmechanismen, die verhindern, dass Frauen in einer bestimmten Position, z.B. als Maat auf einem Walfänger, ankommen. Die logische Konsequenz aus diesem Unsinn lautet: Wann immer etwas nicht vorhanden ist, muss geschlossen weden, dass eine Vielzahl von Schließungsmechanismen für das Nichtvorhandensein verantwortlich sind.
  • Aufgabe für die Studenten von Juniorprofessor Salisch: Einen Tag lang sammeln, was alles nicht vorhanden ist und dann die Schließungsprozesse benennen.
  • Verlassen wir dieses hervoragende Beispiel des Fehlschlusses der Verneinung des Antecedens, denn die Prämisse ist auch lohnend: Wie uns die Studenten von Juniorprofessor Sabisch unter ihrer fachkundigen Anleitung zeigen, sind Frauen keine Wesen mit Willenskraft, und sie sind in keiner Weise dazu in der Lage von Männern abweichende Entscheidungen zu treffen. Männer sind das non plus ultra, an dem die weiblichen Lemminge gemessen werden müssen, und wenn relativ zu Männern nicht genug weibliche Lemminge in Positionen gekommen sind, dann sind sie auf dem Weg dahin wohl von bösen Mächten ins Meer umgeleitet worden.
  • Obwohl im Satz vorher behauptet wurde, dass “eine Vielzahl an Schließungsmechanismen” dafür sorgt, dass “Frauen gar nicht erst in Führungspositionen gelangen können” gibt es dennoch Frauen, “die bereits in der Politik beispielsweise als Ratsfrauen angenommen sind” – ein klassischer Widerspruch, der zum Umkehrschluss überleitet, der keiner ist. (Das Verb “angenommen” offenbart eine erschreckende Prämisse. Wer hätte das von Genderisten gedacht, dass sie danach streben, in angeblich männlichen Domänen angenommen zu werden?)
  • Umkehrschlüsse werden vornehmlich von Juristen bedient, was bereits einen Hinweis auf ihre Korrektheit gibt. Ein Umkehrschluss läge z.B. vor, wenn ein Gesetz X aussagen würde, dass nur verheiratete Frauen Ratsmitglied sein können und daraus, im Umkehrschluss geschlossen würde, dass unverheiratete Frauen nicht im Rat sitzen können, was letztlich auf dem Satz des ausgeschlossenen Dritten basiert, der hier davon ausgeht, dass es keine Frauen gibt, die zugleich verheiratet und unverheiratet sind.
  • Aufgabe für die Studenten von Juniorprofessor Sabisch: Herausfinden, warum der behauptete Umkehrschluss kein Umkehrschluss ist.

Wenn man den vierseitigen Unsinn aus dem Forschungsprojekt der “RUB mit dem Frauenbeirat der Stadt Bochum” an sich vorbeiziehen lässt, dann kann man nicht anders, als Mitleid mit den Studenten zu haben, die so völlig bar wissenschaftlicher Methoden durch die Welt der qualitativen Sozialforschung wanken. Deshalb abschließend, der konstruktive Teil:

  • Es gibt Methoden der qualitativen Sozialforschung.
  • Qualitative Sozialforschung ist nicht Willkür Marke: Wir gehen ins Feld und lassen uns etwas erzählen , oder wir setzen und in eine Ratssitzung, mal sehen, was uns auffällt.
  • Philip Mayring, Barney G. Glaser und Anselm Strauss oder Uwe Flick, sie alle haben Methoden der qualitativen Sozialforschung begründet und gezeigt, wie man versucht, sinnvoll qualitative Forschung zu betreiben.
  • Bei Mayring finden sich sogar Reliabilitäts- und Validitätskriterien, die es erlauben, die Relevanz der eigenen qualiativen Forschung zu bewerten.
  • Ganze Zweige der Soziologie, die u.a. von Herbert Blumer und Harold Garfinkel begründet wurden, haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, worin sich qualitative Sozialforschung auszeichnet. und z.B. ein monumentales Werk von Aaron V. Cicoural hat die entsprechenden Anstrengungen in eine Methode gegossen.

Die Lektüre der entsprechenden Arbeiten sei den Studenten von Junoiorprofessor Sabisch dringend empfohlen:

Cicoural, Aaron V. (1964). Method and Measurement. New York: Free Press.

Flick, Uwe (2007). Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Reinbek: Rowohlt.

Glaser, Barney G. & Strauss, Anselm L. (2006). The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research. New Brunswick: Aldine Transaction.

Mayring, Philipp (2008). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

Mayring, Philipp (1990). Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. München: Psychologie Verlags Union.

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