BundestagswahlkRampf: Eine Ode in Riesling

©Dr. Heike Diefenbach, 2017

Manche Leser werden es aufgrund einer undichten Stelle in Weißenheim am Berg mitbekommen haben: Wir waren in Deutschland. Wir haben uns den Wahlkampf direkt angesehen. Nun ja. Wir waren auf dem Wurstmarkt, haben Riesling getrunken, Gespräche geführt, Gebabbelt, wie man in der Pfalz sagt und unsere ethnologischen Feldschlüsse daraus gezogen und mit Riesling verfeinert.

Nun ist es ja so, dass Politikwissenschaftler bevor Wahlkämpfe zu Kommunikationsstrategien und strategischen Kampagnen der Wählerkommunikation und wie das ganze Brimborium so bezeichnet wird, wurden, der Ansicht waren, Wahlkämpfe hätten innerhalb von Demokratien nicht nur die Funktion, Wähler zu belabern, sondern derer gleich vier, nämlich:

Wahlkämpfe sollen informieren, möglichst über das, was man nach der Wahl zu tun gedenkt. Daraus folgt, dass Wahlkampfinformationen hinlänglich konkret sein müssen, so dass man in etwa weiß, was einem erwartet, wenn man Partei X wählt.

Wahlkämpfe sollen vernetzen, Wähler und diejenigen, die gewählt werden wollen, Wähler untereinander, diejenigen, die Meinungen führen, mit denen, die nach Meinungsführung suchen usw.. Es soll halt über alle weltanschaulichen und sozio-demographischen Unterschiede hinweg ein demokratisches Gemeinschaftsgefühl entstehen, so wie im Schubkarrstand nach dem dritten Schoppen.

©Dr. Heike Diefenbach, 2017; Denkmal für die enge Verbindung von Demokratie und Pfälzer Wein

Wahlkämpfe sollen auch mobilisieren. Diejenigen, die über die letzten knapp vier Jahre vergessen haben, dass es Politiker (oder deren Darsteller) gibt und dass sie in einer Gesellschaft leben, die sich demokratisch nennt, sie sollen nicht nur daran erinnert werden, dass dem so ist, sondern auch dazu bewegt werden, dafür zu sorgen, dass das auch in den nächsten vier Jahren so ist.

Schließlich dienen Wahlkämpfe der Partizipation. Diese Funktion von Wahlkämpfen, sie findet sich unweigerlich in der Literatur, schon weil Partizipation etwas Positives ist. Was sich nicht findet, ist die Antwort auf die Frage: Partizipation woran oder wobei? Partizipation am Wahlkampf? Partizipation an der Wahlkampstrategie der LINKE? Partizipation in F-Dur? Partizipation in Wort oder in Dabeistehen? Oder etwa Partizipation an realen gesellschaftspolitischen Entscheidungen? Was auch immer, Partizipation halt.

Wir, also ScienceFiles, wir haben insofern partizipiert als wir das geführt haben, was bei Martin Schulz „Gespräche mit Bürgern“ heißt, wobei wir, obwohl wir nun einmal Feldforscher sind, nicht dieselben Berührungsängste haben, wie sie Schulz mit seiner Formulierung nahelegt. Im Gegenteil. Wir haben uns sehr schnell in die lokalen Gepflogenheiten, Sitten und Gewohnheiten eingepasst und an der Art und Weise, in der gegorener und geklärter Traubensaft verköstigt wird, beteiligt, eine Tätigkeit, die ganz eigene Einsichten und Erkenntnisse über den Wahlkampf in Deutschland, dessen Bedeutung und vor allem den Stellenwert vermittelt, der von Parteistrategen denen zugemessen wird, um deren Stimme geworben werden soll. Fast, dass wir bei Rüdiger Andel und Peter Haungs angekommen wären, die bereits 1974 ein Buch mit dem Titel „Wahlkampf als Ritual“ geschrieben haben. Fast. Denn im Gegensatz zu Andel und Haungs sind unsere Erkenntnisse tieferer Natur, dem Riesling geschuldet [Einschub für Hermeneutiker: In vino veritas]. Und so haben wir unsere Wahlkampferkenntnisse, entnommen von mehr als 40 Plakaten politischer Parteien oder solcher, die es sein wollen, zu einer Ode an Riesling verarbeitet, die sich (fast) nur aus dem speist, was die Parteien den Betrachtern ihrer Plakate zumuten.

©Dr. Heike Diefenbach, 2017

Es wird Zeit
Warten wir nicht länger, denn: Es ist Zeit für Lust auf Linke. Deutschland stärken heißt Europa stärken. Für Renten mit Niveau. Bunte Vielfalt haben wir nämlich schon, weil von weniger Europa keiner mehr hat. Aber, wie wir immer sagen: Nur wer Chancen bekommt, kann Chancen nutzen. Chancen kommen von Bildung und Bildung darf nichts kosten, fast nichts, ein bisschen Anstrengung vielleicht, aber nicht viel. Weil schon die Zukunft braucht neue Ideen und gute Arbeit und gute Löhne und Sicherheit und Ordnung und überhaupt, ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben, also ihr, nicht wir. Europa stärken heißt deshalb Deutschland stärken, schon weil ansonsten Schluss mit dem Klima ist und wie könnte man in einer Welt ohne Klima leben oder in einer Welt, in der manche 21% weniger verdienen.
Es ist eben Zeit. Warten wir nicht länger. Machen wir Schluss mit Kohle. Investieren wir sie in noch mehr Riesling. Das macht alles erträglicher. Glaubwürdigkeit für Gerechtigkeit. Sicherer Job, planbares Leben. Schluss mit Risiko und Veränderung und Vielfalt. Planwirtschaft, die die Probleme nicht löst, sondern aussitzt. Denn: Europa stärken heißt Deutschland stärken, weil von weniger Europa hat keiner mehr. Deshalb: Grenzen schützen und Riesling selber trinken. Warten wir nicht länger. Es ist Zeit. Bestellen wir den nächsten Schoppen, machen wir einen Aufruf: „Abrüsten!“ Rieslingexporte stoppen! Sichere Ernte für sicheres Betrinken! Die Zukunft braucht keine neuen Ideen. Vielfalt haben wir schon selbst. Für ein Deutschland, in dem wir gut und sicher trinken können. Darauf einen Negerkuss!
Prost.
Und geht wählen. Nur wer wählen geht, hat gewählt.
Warten wir nicht länger.

Zurück zur Wissenschaft:
Wahlkämpfe sollen informieren, mobilisieren, vernetzen und natürlich Partizipation ermöglichen.

Information

©Dr. Heike Diefenbach, 2017;  Wähler, wie ihn sich Parteistrategen vorstellen

Wir haben der Art und Weise des Wahlkampfes entnommen, dass es sich beim deutschen Wahlkampf um einen Wettstreit in Belanglosigkeit oder Vagheit handelt, dessen Ziel darin besteht, keine Inhalte und vor allem nichts Konkretes von sich zu geben und in jedem Fall alle Themen zu meiden, die etwas mit Flüchtlingen, Kriminalität oder Geld (Kosten) zu tun haben.

Mobilisierung

Wer keine Leerformeln mehr zugemutet bekommen will, der muss Alternativen zu den Leerformel-Verbreitern wählen.

Vernetzung

Wenn durch diese Art von Wahlkampf eine Vernetzung erfolgen kann, dann kann sie nur diejenigen betreffen, denen es ausreicht, affektiv angesprochen und an der Seele massiert zu werden, so dass sie sich zu den Guten zählen können, wenn sie auch nicht wissen, warum.

Partizipation.
Lassen wir das.

Mit der Partizipation ist es wie mit Treppen:

©Dr. Heike Diefenbach, 2017

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Lügen sind im ZDF wie weit verbreitet? ZDF-Politbarometer: Schade um die Forschungsgruppe Wahlen

Manfred Berger ist tot.

Dieter Roth und Wolfgang Gibowski sind ausgeschieden.

Von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen ist nicht viel geblieben. Einst war die Forschungsgruppe das Aushängeschild der Wahlforschung in Deutschland, die Hochrechnungen nach den Landtags- und Bundestagswahlen waren regelmäßig besser als die der Konkurrenz von Infas oder Infratest. Die Befragungen waren in Methodik und Umsetzung mit das Beste, was man an Wahlforschung in Deutschland bekommen konnte. So gut, dass selbst Redaktionsangehörige von ScienceFiles ihre Magisterarbeit mit den Daten der Forschungsgruppe Wahlen bestritten haben

Das ist lange her.

Heute ist die Forschungsgruppe Wahlen zum Lieferanten gewünschter Ergebnisse geworden. Das ZDF bestellt, die Forschungsgruppe liefert. Das ZDF bestellt die Einschätzung, dass die AfD rechtsextrem ist, die Forschungsgruppe liefert. Anders als über einen solchen Ablauf lässt sich die folgende abgrundtief dumme Frage, die gegen jeden Grundsatz der empirischen Sozialforschung verstößt, nicht mehr erklären:

“Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der AfD sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?”

Es genügt bereits zwei eherne Grundsätze der empirischen Sozialforschung anzuführen, um zu zeigen, dass diese Frage einzig und allein der Stimmungsmache (oder Hetze?) gegen die AfD dient.

Grundsatz 1:

Fragen müssen einen klar benennbaren und eindeutigen Gegenstand haben, vom dem sicher ist, dass ihn die meisten Befragten kennen.

Grundsatz 2:

Fragen müssen vollständig sein.

Fangen wir hinten an.

Vollständigkeit

Die Forderung nach Vollständigkeit soll u.a. ausschließen, dass Ergebnisse von Befragungen manipuliert werden können. Aber das ist nur sekundär. Primär soll Vollständigkeit gewährleisten, dass man auf Grundlage der eigenen Ergebnisse auch etwas aussagen kann.

Das ist im vorliegenden Fall nicht möglich.
Die Frage ist vergleichbar mit dem Versuch, die Position eines Schiffes mitten im Ozean dadurch zu bestimmen, dass man ein Lineal ins Wasser wirft. Auf Grundlage der Antworten kann man KEINE relevante Aussage machen. Damit man eine relevante Aussage machen kann, benötigt man eine Vergleichsgruppe. Die Vergleichsgruppe kann man z.B. dadurch schaffen, dass man fragt:

Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der CDU sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Oder:

Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der SPD sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Zu Vergleichszwecken muss man mit funktionaler Äquivalenz zu arbeiten:

Was meinen Sie: Linksextremistische Ansichten sind in der LINKE sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Oder

Was meinen Sie: Linksextremistische Ansichten sind bei Bündnis90/Grüne sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Wer eine Frage wie die stellt, die die Forschungsgruppe Wahlen gestellt hat, hat einzig und allein die Diskreditierung des Frageobjekts zum Ziel.

Oder ein anderes Beispiel: Was meinen Sie: Gewaltbereitschaft ist in der LINKE sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Als Ergebnis der Antworten auf diese Frage können wir dann die LINKE als gewaltbereite Nachfolgepartei der SED, die ja auch schon gewaltbereit war, darstellen. Dass wir das können, ist jetzt schon sicher. Es ist Ergebnis der Art und Weise der Frageformulierung und der Unvollständigkeit der Frage.

Punkt 2:

Eindeutigkeit

Was nutzen Fragen oder Items in Befragungen, bei denen man nicht weiß, was damit gemessen wird? Sie nutzen natürlich dem, der die Vagheit seiner Fragen ausnutzen will, um allen Befragten seine Interpretation dessen, was gefragt wurde, unterzuschieben. Sie nutzen dem, der manipulieren will.

Rechtsextremismus.
Was ist Rechtsextremismus?

  • Ist Rechtsextremismus die NSDAP?
  • Ist Rechtsextremismus die NPD?
  • Ist Rechtsextremismus, wenn man Ausländer nicht mag?
  • Ist Rechtsextremismus, dass man Linke nicht mag?
  • Ist Rechtsextremismus, dass man denkt, manche Menschen seien, weil sie mehr leisten, mehr wert als andere, die weniger leisten?
  • Ist Rechtsextremismus dasselbe wie “Neoliberalismus”?
  • Ist Rechtsextremismus die extreme Variante von Rechtsradikalismus, die Gewaltbereitschaft voraussetzt?
  • Ist Rechtsextremismus eine andere Bezeichnung für Patriotismus?
  • Ist Rechtsextremismus alles, was nicht Linksextremismus ist?

Wir könnten die Reihe der Frage fast endlos fortsetzen, aber der Punkt ist gemacht: Jeder von uns hat eine Vorstellung davon, was Rechtsextremismus ist. Die wenigsten von uns werden übereinstimmen. Tatsächlich ist es so, dass nicht einmal Politikwissenschaftler in der Frage, was unter Rechtsextremismus verstanden werden soll, übereinstimmen.

Rechtsextremismus ist als Begriff demnach vollkommen unbestimmt. Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was Rechtsextremismus ist. Die wenigsten wären in der Lage, diese Vorstellung in konkrete Begriffe zu fassen.

Und nun werden 1000 Befragte gefragt, ob etwas, von dem sie keine genaue Vorstellung haben in der AfD weit verbreitet, verbreitet usw. ist. Sie werden also, um den manipulativen Unsinn auf die Spitze zu treiben, aufgefordert, eine Einschätzung auf Basis einer Vollerhebung zu machen, einer Vollerhebung über die Mitglieder der AfD, Funktionsträger der AfD, die kleinen und großen Anfragen der AfD im Sächsischen Landtag, die Rede von von Meuthen in Regensburg usw. Wer Befragte vor eine solche Aufgabe stellt, hat offensichtlich kein Interesse daran, eine sinnvolle und brauchbare Frage zu stellen. Sein Interesse besteht darin, eine Frage zu formulieren, deren Ergebnisse sich gegen das Befragungsobjekt verwenden lassen.

Das hat nichts mit empirischer Sozialforschung, ja nicht einmal mit Umfrageforschung zu tun. Es ist Manipulation auf Grundlage einer Ideologie, Manipulation mit dem Ziel, eine politische Partei zu diskreditieren.

Und was misst die Frage letztlich? Ob es gelungen ist, Rechtsextremismus zu einer Art Catch-All-Begriff zu machen, mit dem man Objekte, Parteien, Personen, die ideologisch nicht passen, etikettieren und negativ bewerten kann.  Letztlich wird gemessen, ob wir fähig sind, an einem Sprachspiel teilzunehmen: Wir reden über etwas, von dem wir keine Ahnung haben, und behaupten, es sei in einer Partei, von der wir nur wissen, was uns die Medien präsentieren, vorhanden. Was man also misst ist, ob die Indoktrination durch öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland erfolgreich war.

Es ist schade und eine Schande, was aus der Forschungsgruppe Wahlen geworden ist.

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Nürnberger Rassegesetze: Neuauflage 2017 – Die Entsorgung des Gauland

Die Rassengesetze, die 1935 Nürnberg als Stadt, in der die deutsche Ehre und das deutsche Blut geschützt wurde, berühmt gemacht haben, erleben derzeit eine Neuauflage. Nun wird nicht mehr die deutsche Ehre und das deutsche Blut geschützt, sondern das Ansehen der Stadt Nürnberg. Das Ansehen der Stadt Nürnberg wird auch nicht durch jüdische Bürger und deren Verbindung zu deutschen Bürgern geschädigt, wie dies noch 1935 wohl in entsprechenden Äußerungen der Stadt mitgeteilt worden wäre, sondern durch Alexander Gauland und dessen Meinung. Bekanntlich hat Gauland über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, die der Ansicht ist, es gebe keine deutsche Kultur, Folgendes zum Besten gegeben:

„Das sagt eine Deutschtürkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt die nie wieder hierher. Und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“

[Das ist natürlich ungeschickt. Gauland hätte sagen sollen: Das sagt eine Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Ladet Sie einmal zur Weiterbildung nach Eichsfeld ein, um ihr deutsche Kulturgüter nahe zu bringen. Die Erfahrung dürfte sich persönlichkeitsbildend auf sie auswirken und könnte, Gott sei Dank, einen längeren Erholungsaufenthalt in Anatolien nach sich ziehen.]

Die Aussage fällt wohl unter das, was das Bundesverfassungsgericht als Meinungsfreiheit in Wahlkampfzeiten auslegt. In ihr wird eine Auffassung in pointierter Form zum Ausdruck gebracht, ob man sie juristisch ahnden kann, klärt gerade der ehemalige Verfassungsrichter Thomas Fischer, um den und dessen Kolumne es bis zur Anzeige gegen Gauland wegen Volksverhetzung ziemlich ruhig geworden war.

Die Stadt Nürnberg, wie immer ein Vorreiter wenn es darum geht, den Deutschen den Weg in die richtige Richtung zu weisen, ist noch vor aller juristischen Klärung tätig geworden: eine nicht zu rechtfertigende, beleidigende und die Menschenwürde verletzende Aussage habe Gauland da gemacht. Und deshalb befürchte man in Nürnberg, dass das Ansehen der Stadt Nürnberg Schaden nehmen werde, wenn Gauland bei der AfD-Wahlkampfveranstaltung in der Meistersingerhalle in Nürnberg spreche [Das ist natürlich ein induktiver Fehlschluss, aber im Wahlkampf gilt keine Logik, sie würde selbst dann nicht gelten, wenn man in der SPD-Fraktion des Stadtparlaments wüsste, was ein induktiver Fehlschluss ist]. Deshalb mache man von einer Klausel im Mietvertrag Gebrauch und kündige an, denselben zu kündigen, wenn die AfD keine Erklärung abgebe, das Gauland in Nürnberg nicht sprechen werde.

Nicht jede Meinung, nicht jede Aussage ist in Nürnberg erlaubt. In der SPD-geführten Stadt gelten neue Sauberkeitsgesetze, die dieses Mal nicht Individuen daran hindern sollen, ihre Präferenzen in Lebensgemeinschaften mit Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften auszuleben, sondern daran, ihre Meinung in politischen Glaubensgemeinschaften ungeschminkt und in aller roher Verbalgewalt zum Ausdruck zu bringen. Kurz: Die Rassengesetze werden als Ausdrucksgesetze neuformuliert. Der formale Eingriff in individuelle Freiheit ist derselbe. 1935 wurden individuelle Handlungen verboten, 2017 sind es individuelle Aussage, die unterbunden werden sollen. Beide Male drohen Verwaltungen mit Strafen bei Zuwiderhandlung. Und während 1935 der Startschuss für eine Entfernung jüdischer Wissenschaftler, Beamten, Richter, ja selbst Bürgermeister aus ihren Ämtern gegeben wurde, wird 2017 zunächst nur in Nürnberg der stellvertretende Vorsitzende der AfD aus der Rednerliste entfernt, nein entsorgt.

Wir empfehlen allen Nürnbergern, die sich nicht von ihrer Stadtverwaltung und ihrem Oberbürgermeister bevormunden lassen wollen und sich im Wahlkampf eine eigene Meinung bilden wollten, aufgrund der ihnen verwehrten Möglichkeit, dieses z.B. dadurch zu tun, dass sie Gauland live erleben, was ja positive oder negative Auswirkungen auf deren Meinungsbildung haben kann, gegen die Stadt Nürnberg vor Gericht zu ziehen, denn die freie Meinungsbildung, die den freien Zugang zu Informationen voraussetzt, ist im Grundgesetz, das bis auf weiteres auch in Nürnberg gilt, auch wenn der Oberbürgermeister der SPD angehört, festgeschrieben.

In jedem Fall hat diese Aktion dem Ansehen von Nürnberg geschadet. 

Endlich: MLPD macht Ressourcen der Erde unendlich

Das folgende Wahlplakat ist keine Fälschung und kein Fake. Wir haben es geprüft. Es findet sich unter den Vorlagen, die die MLPD/Internationalistische Liste zu 45.000 Stück allein in Nordrhein-Westfalen verteilen will. Es zeigt, wie Dummheit und Marxismus-Leninismus eine symbiotische Beziehung zueinander unterhalten:

Wenn Sie bislang nicht gewusst haben, warum sozialistische und kommunistische Systeme (der Unterschied zwischen beiden ist, trotz aller Anstrengungen derer, die ihn gerne herbeireden wollen, minimal bis nicht vorhanden und letztlich ist die Unterscheidung nur einer Laune von Stalin geschuldet) bislang immer gescheitert sind, warum am Ende jeden Versuches, die proletarische Herrschaft zu etablieren, also die Herrschaft einer kleinen Clique, die von sich behauptet, sie würde für die Proletarier sprechen, ein verarmtes und heruntergewirtschaftetes Land stand, dann wissen Sie es jetzt:

Erzeugerpreise rauf,
Verbraucherpreise runter

Weil es so schön dumm ist …

So einfach ist die sozialistische bzw. kommunistische Welt. Nun ist beides ja nicht unabhängig voneinander. Wenn der Erzeugerpreis für Kartoffeln angehoben wird, sagen wir um einen Euro, dann muss irgendwer diesen einen Euro aufbringen. In der sozialistisch-kommunistischen Traumwelt, in der sich die MLPD und die Internationalistische Liste befinden, sind es aber nicht die Verbraucher, die den Preisanstieg angeblich zu schultern haben. Im Gegenteil: Die Verbraucher sollen weniger bezahlen, obwohl die Kartoffeln teurer werden. Sagen wir Erzeuger erhalten einen Euro pro Zentner mehr, Verbraucher müssen einen Euro pro Zentner weniger berappen. Fehlen 2 Euro in der Rechnung, die von irgendwo herkommen.

Wer ist der sozialistisch-kommunistische Gönner, der Verbrauer um einen Euro entlastet, Erzeugern einen Euro mehr bezahlt (jedesmal pro Zentner), der also 2 Euro pro Zentner Kartoffeln aufbringt?

Schwierig?
Nein!
Natürlich der Staat, jenes heilige Gebilde, das von Sozialisten und Kommunisten in gleich hingebungsvoller Weise angebetet wird. Er schultert die zwei Euro.

Nur, wo hat der Staat in sozialistischen und kommunistischen Staaten sein Geld her?
Aus der Besteuerung von Bürgern.

Um die 2 Euro Mehrausgaben pro Zentner Kartoffeln zu finanzieren, wird man also die Steuer auf die Nutzung von Grund und Boden durch Bauern erhöhen, sagen wir um einen Euro plus Verwaltungsgebühren von 20 Cent. Und um die Preisentlastung für Verbraucher gegen zu finanzieren, erhöhen wir die Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt, das hat den Vorteil, dass nicht nur Kartoffeln höher besteuert werden, sondern alle Güter, die Verbraucher kaufen.

Die Verteilung von sozialistisch-kommunistischen Wohltaten kennt immer nur einen Gewinner: Den Staat und diejenigen, die direkt von ihm leben, die Parteimitglieder, die Funktionäre, die Helfer und Helfershelfer, alle diejenigen, die keinerlei produktiven Beitrag zu einer Gesellschaft leisten. Ihr Anteil am Sozialprodukt einer Wirtschaft steigt unaufhörlich, während der Anteil derer, die das Sozialprodukt erarbeiten, immer geringer wird. Und während die Funktionäre in Saus und Braus leben, verarmt die Bevölkerung.

Aber auch hier weiß die MLPD Rat:

Revolution ist kein Verbrechen!
Richtig: Weg mit den sozialistisch-kommunistisch, marxistisch-leninistischen Funktionären, die an der Produktivkraft der Proletarier schmarotzen!

Auch schön:
Für das Recht auf Flucht.

Wäre dieses Recht schon in der DDR durchgesetzt worden, dann könnten wir heute sehen, was passiert, wenn Parteifunktionäre von ihrer Bevölkerung alleine gelassen werden. Leider ist uns dieses sicher sehr amüsante Erlebnis erspart geblieben.

MLPD:

Main Levelheadedness Perishing Device – Insanity Unites

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SPD: Gender Pay Gap ist Unsinn – Gehaltsunterschiede sind legitim

Wahlkampfzeit. Die Zeit der einfachen Antworten auf die angeblich so komplexen Probleme der Welt, die den etablierten Parteien regelmäßig dann in ihrer Komplexität aus dem Blick geraten, wenn sie ihrer eigenen Variante von Populismus, dieses Mal gemeint als Versuch, Wähler zu gewinnen, frönen (dieses Mal also nicht als Versuch, den Gegner zu delegitimieren).

Die SPD setzt bekanntlich auf soziale Gerechtigkeit, jene sprachliche Missgeburt, die schon Hayek als völlig unbrauchbar und inhaltsleer identifiziert hat. Das angeblich vorhandene Gender Pay Gap wird von den Sozialdemokraten als Problem sozialer Gerechtigkeit angesehen, und deshalb haben sie es in eine konditionale Wahlaussage verpackt:

„Wer 100% leistet, darf nicht 21% weniger verdienen.“

Die logische Struktur dieser Aussage, ist wie folgt:
Wenn A (100% Leistung), dann B (nicht 21% weniger Gehalt).

Die konditionale Aussage oder Implikation kennt zwei logische Schlussformen:
1. Die Verneinung des Konsequens:

(I) Wenn A, dann B
(II) Nicht B
(III) Daraus folgt: Nicht A

Oder: B erhält 21% weniger Gehalt, B bringt nicht 100% Leistung.

2. Die Bejahung des Antecedens

(I) Wenn A, dann B
(II) A
(III) Daraus folgt: B

Oder: A bringt 100% Leistung und erhält entsprechend nicht 21% weniger Gehalt.

Neben den beiden gültigen Schlussformen, gibt es zwei ungültige Schlussformen:

Die Bejahung des Konsequens

(I) Wenn A, dann B
(II) B
(III) Daraus folgt nicht: A

Die Verneinung des Antecedens

(I) Wenn A, dann B
(II) Nicht A
(III) Daraus folgt nicht: nicht B

Oder: Wenn jemand nicht 21% weniger verdient, dann bedeutet das nicht, dass er 100% Leistung erbracht hat. Bzw.: Wenn jemand keine 100% Leistung erbringt, dann folgt daraus nicht, dass er nicht 21% oder z-B. 30% weniger verdienen darf.

Mit anderen Worten, die SPD hat gerade den Gender Pay Gap abgeschafft, da das Verdienst von nicht weniger als 21% Gehalt an eine 100% Leistung gekoppelt ist. Da die Formulierung normativ erfolgt ist „darf nicht“, muss man nunmehr schließen, dass jeder, der weniger als 100% Leistung erbringt, ein um 21% oder mehr geringeres Gehalt beziehen darf bzw. dass jemand, der 21% weniger verdient, keine 100% Leistung erbracht hat.

Fügen wir die Vergleichsbasis ein, dann folgt daraus, dass Männern und Frauen dann das gleiche Gehalt zusteht, wenn sie die gleiche Leistung erbringen. Wenn Männer 100% Leistung erbringen und Frauen weniger als 100%, dann darf nach Ansicht der SPD das Gehalt auch um 21% geringer ausfallen. So will es die Logik.

Diese Entwicklung bei den Genossen ist erfreulich, macht sie doch Schluss mit dem Unsinn der Ergebnisgleichheit, bei dem davon ausgegangen wird, dass Lohnunterschiede, die zwischen der Gruppe aller erwerbstätigen Männer und der Gruppe der erwerbstätigen Frauen gefunden werden, beseitigt werden müssen, weil sie, so die dümmste aller möglichen Annahmen, aus einer Diskriminierung von Frauen resultierten. Statt dessen haben die Genossen sich wieder in den Reigen derer, die Gerechtigkeit auch beim Lohn fordern, eingefunden: Wer mehr leistet, muss besser bezahlt werden, so will es die Gerechtigkeit und da – wie man leicht auf Grundlage des so genannten „bereinigten Gender Pay Gaps“ oder mit Blick auf die Anzahl von Arbeitsstunden, die Dauer der Arbeitszeit, die Anzahl von Überstunden, die Produktivität und viele andere Indikatoren zeigen kann, Männer im Aggregat mehr leisten als Frauen, ist der Lohnunterschied gerecht, auch der von 21%, sofern es ihn gibt.

Es wurde auch Zeit, dass die Genossen die Vernunft ereilt.

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