Wahlkampfzeit. Die Zeit der einfachen Antworten auf die angeblich so komplexen Probleme der Welt, die den etablierten Parteien regelmäßig dann in ihrer Komplexität aus dem Blick geraten, wenn sie ihrer eigenen Variante von Populismus, dieses Mal gemeint als Versuch, Wähler zu gewinnen, frönen (dieses Mal also nicht als Versuch, den Gegner zu delegitimieren).
Die SPD setzt bekanntlich auf soziale Gerechtigkeit, jene sprachliche Missgeburt, die schon Hayek als völlig unbrauchbar und inhaltsleer identifiziert hat. Das angeblich vorhandene Gender Pay Gap wird von den Sozialdemokraten als Problem sozialer Gerechtigkeit angesehen, und deshalb haben sie es in eine konditionale Wahlaussage verpackt:
„Wer 100% leistet, darf nicht 21% weniger verdienen.“
Die logische Struktur dieser Aussage, ist wie folgt: Wenn A (100% Leistung), dann B (nicht 21% weniger Gehalt).
Die konditionale Aussage oder Implikation kennt zwei logische Schlussformen: 1. Die Verneinung des Konsequens:
(I) Wenn A, dann B (II) Nicht B (III) Daraus folgt: Nicht A
Oder: B erhält 21% weniger Gehalt, B bringt nicht 100% Leistung.
2. Die Bejahung des Antecedens
(I) Wenn A, dann B (II) A (III) Daraus folgt: B
Oder: A bringt 100% Leistung und erhält entsprechend nicht 21% weniger Gehalt.
Neben den beiden gültigen Schlussformen, gibt es zwei ungültige Schlussformen:
Die Bejahung des Konsequens
(I) Wenn A, dann B (II) B (III) Daraus folgt nicht: A
Die Verneinung des Antecedens
(I) Wenn A, dann B (II) Nicht A (III) Daraus folgt nicht: nicht B
Oder: Wenn jemand nicht 21% weniger verdient, dann bedeutet das nicht, dass er 100% Leistung erbracht hat. Bzw.: Wenn jemand keine 100% Leistung erbringt, dann folgt daraus nicht, dass er nicht 21% oder z-B. 30% weniger verdienen darf.
Mit anderen Worten, die SPD hat gerade den Gender Pay Gap abgeschafft, da das Verdienst von nicht weniger als 21% Gehalt an eine 100% Leistung gekoppelt ist. Da die Formulierung normativ erfolgt ist „darf nicht“, muss man nunmehr schließen, dass jeder, der weniger als 100% Leistung erbringt, ein um 21% oder mehr geringeres Gehalt beziehen darf bzw. dass jemand, der 21% weniger verdient, keine 100% Leistung erbracht hat.
Fügen wir die Vergleichsbasis ein, dann folgt daraus, dass Männern und Frauen dann das gleiche Gehalt zusteht, wenn sie die gleiche Leistung erbringen. Wenn Männer 100% Leistung erbringen und Frauen weniger als 100%, dann darf nach Ansicht der SPD das Gehalt auch um 21% geringer ausfallen. So will es die Logik.
Diese Entwicklung bei den Genossen ist erfreulich, macht sie doch Schluss mit dem Unsinn der Ergebnisgleichheit, bei dem davon ausgegangen wird, dass Lohnunterschiede, die zwischen der Gruppe aller erwerbstätigen Männer und der Gruppe der erwerbstätigen Frauen gefunden werden, beseitigt werden müssen, weil sie, so die dümmste aller möglichen Annahmen, aus einer Diskriminierung von Frauen resultierten. Statt dessen haben die Genossen sich wieder in den Reigen derer, die Gerechtigkeit auch beim Lohn fordern, eingefunden: Wer mehr leistet, muss besser bezahlt werden, so will es die Gerechtigkeit und da – wie man leicht auf Grundlage des so genannten „bereinigten Gender Pay Gaps“ oder mit Blick auf die Anzahl von Arbeitsstunden, die Dauer der Arbeitszeit, die Anzahl von Überstunden, die Produktivität und viele andere Indikatoren zeigen kann, Männer im Aggregat mehr leisten als Frauen, ist der Lohnunterschied gerecht, auch der von 21%, sofern es ihn gibt.
Es wurde auch Zeit, dass die Genossen die Vernunft ereilt.
Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee:
Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege
Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher!
DENN: ScienceFiles lebt von Spenden.
Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:
Da es sich um eine normative Aussage handelt, sollte man das allerdings nicht einfach aussagenlogisch formalisieren, sondern mit deontischen Modaloperatoren arbeiten. Ansonsten ist es Sophisterey, was Sie hier tun. Kann man machen, ist lustig, kann aber selbst wiederum kritisch destruiert werden.
Die eigentliche Schweinerei der SPD hierbei lässt sich ja sowieso nicht formallogisch greifen. Sie liegt darin, für statistische Feststellung (die ja sowieso auch falsch ist bzw. regelmäßig falsch interpretiert wird) ein Individuum abzubilden. Impliziert wird ja auf dem Plakat, dass diese konkrete Frau 21% weniger Geld bekommt, als ihre Arbeitskollegen. Dabei wird auch noch eine Frau in einem Beruf bzw. Arbeitsumfeld abgebildet, in dem sie ja ganz offensichtlich tariflich beschäftigt ist, also mit absoluter Gewissheit genau gleich bezahlt wird, wie ihre Kollegen.
[…] die populistische SPD-Lüge, wonach Frauen bei gleich Arbeit 21% weniger verdienen (siehe z.B. sciencefiles.org, 2.8.2017), eine »Desinformation« im merkelschen Sinne? Wären kleine Ungenauigkeiten in der Hektik des […]
Wird geladen …
Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!Antwort abbrechen
Lust auf einen kleinen Krimi, eine neue konzertierte Aktion, eine Kampagne, mit der die Pharmafia, nachdem sie den Markt medizinischer Produkte durch Produkte, die mehr Nebenwirkungen als Wirkungen haben, von Leuten bereinigt hat, die gesund und nicht krank werden bzw. besser noch: […]
Mit Crisco nimmt die Gesundheitskatastrophe ihren Anfang… Crisco, Crystallized Cottenseed-Oil wurde von Procter und Gamble im Jahre 1911 als erstes gehärtetes Pflanzenfett und als angeblich gesunde Alternative zu tierischen Bratfetten auf den Markt gebracht. Als „Shortening“, im Deutschen ein ungehärtetes Pflanzenfett, war […]
Wer am Thema „Gesundheit“ interessiert ist und immer einmal wieder im Internet diesbezüglich recherchiert, dem dürfte der Hinweis auf Omega-3-Fettsäuren mehr oder weniger regelmäßig begegnet sein. Manchmal genügt ein Hinweis der Art, dass Omega-3-Fettsäuren „essenziell“ sind, d.h. dem Körper zugeführt werden müssen, […]
Wenn man das Tohuwabohu, das die halbwgs-Legalisierung von Cannabis umrankt, auf sich wirken lässt, dann muss man den Schluss ziehen, Grüne und SPD sind der Ansicht, damit nach der Vernichtung der deutschen Wirtschaft durch Kohleausstieg und Ausstieg aus der Kernenergie und nach […]
Ringelblume (Calendula officinalis), Mariendistel (Silybum marianum), Ginseng – asiatischer Ginseng (Panax ginseng oder panax notoginseng), amerikanischer (Panax quinquefollius), Eleuthero (Eleutherococcus senticosus; eine Pflanze, die oft sibirischer Ginseng genannt wird, obwohl es sich nicht um einen Ginseng handelt, sondern die Pflanze lediglich wie […]
Vielleicht hat sich der eine Leser oder die andere Leserin schon gefragt, wie lange es dauern würde, bis wir in unserer Serie über pflanzliche Heilmittel auf Möglichketen der Vorbeugung oder Bekämpfung von Harnwegsinfektionen zu sprechen kommen würden, denn „Unkomplizierte Harnwegsinfektionen (HWI) gehören […]
Privacy & Cookies: This site uses cookies. By continuing to use this website, you agree to their use.
To find out more, including how to control cookies, see here:
Cookie-Richtlinie
Translate »
Entdecke mehr von SciFi
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.
[…] https://sciencefiles.org/2017/08/02/spd-gender-pay-gap-ist-unsinn-gehaltsunterschiede-sind-legitim/ […]
Da es sich um eine normative Aussage handelt, sollte man das allerdings nicht einfach aussagenlogisch formalisieren, sondern mit deontischen Modaloperatoren arbeiten. Ansonsten ist es Sophisterey, was Sie hier tun. Kann man machen, ist lustig, kann aber selbst wiederum kritisch destruiert werden.
Die eigentliche Schweinerei der SPD hierbei lässt sich ja sowieso nicht formallogisch greifen. Sie liegt darin, für statistische Feststellung (die ja sowieso auch falsch ist bzw. regelmäßig falsch interpretiert wird) ein Individuum abzubilden. Impliziert wird ja auf dem Plakat, dass diese konkrete Frau 21% weniger Geld bekommt, als ihre Arbeitskollegen. Dabei wird auch noch eine Frau in einem Beruf bzw. Arbeitsumfeld abgebildet, in dem sie ja ganz offensichtlich tariflich beschäftigt ist, also mit absoluter Gewissheit genau gleich bezahlt wird, wie ihre Kollegen.
[…] die populistische SPD-Lüge, wonach Frauen bei gleich Arbeit 21% weniger verdienen (siehe z.B. sciencefiles.org, 2.8.2017), eine »Desinformation« im merkelschen Sinne? Wären kleine Ungenauigkeiten in der Hektik des […]