“Developing countries will systematically identify areas where there is a need to strengthen the capacity to perform and deliver services at all levels – national, sub-national, sectoral, and thematic – and design strategies to address them. Donors will strengthen their own capacity and skills to be more responsive to developing countries’ needs” (Accra Agenda, 2005, Art.14a). Wenig überraschend sind diese Aufgaben sowohl in der Accra Agenda als auch in der Paris Declaration der DAC-LÄnder in den Kontext der Prinzipien von Good Governance eingebettet, die die OECD (2005a) formuliert hat und als Voraussetzung für die Zuteilung von Mitteln der Entwicklungshilfe sieht. Dabei handelt es sich um:
- Rule of law; gleiche und konsequente Anwendung des Rechts;
- Accountability; Alle Entscheidungen und Handlungen einer Regierung müssen überprüfbar sein;
- Transparency; Regierungen müssen Informationen zur Verfügung stellen, die es erlauben, ihre Entscheidungen und Handlungen zu bewerten;
- Efficiency and effectiveness; Regierungen müssen kosteneffiziente Lösungen für ihre Bürger bereitstellen;
- Responsiveness; Regierungen müssen in der Lage sein, sich schnell auf ein wechselndes Umfeld einzustellen;
- Forward-vision; Regierungen müssen zukünftige Probleme antizipieren;
Vermutlich hätte so manche europäische Regierung Probleme, die hehren Grundsätze der Good Governance, die auf Entwicklungsländer übertragen werden, einzuhalten und wie es um die Europäische Union im Hinblick auf z.B. Transparenz, Effizienz oder Responsivität steht, soll hier besser nicht untersucht werden. Wie dem auch sei: Die Richtung kultureller Diffusion ist eindeutig: Sie geht von Nord nach Süd, von West nach Ost und von entwickelten in weniger entwickelte Länder. Die Ideologie, die dahinter steht, ist auch eindeutig: Wir im Norden und Westen, wir entwickelten Länder haben den anderen etwas zu geben, von uns können sie etwas lernen. Umgekehrt ist das eher nicht der Fall.
Und weil man nicht vorsichtig genug sein kann, mit allem, was an kulturellen Erzeugnissen aus inferioren Ländern kommt, von esoterischen Spinnereien einmal abgesehen, wird jeder Kleinigkeit, die eine kulturelle Fremdheit in deutschen Landen darstellt, mit Argwohn, Misstrauen und mit dem Verdacht begegnet, dass es sich hier um einen Versuch fremder Ursurpation, fremder Infiltration des deutschen Volkskörpers oder, noch schlimmer Schädigung des deutschen Volkskörpers handele. Neuestes Beispiel einer fremdländischen Bedrohung: Bubble Tea.
Die Bubblegefahr, soll laut BfR durch einen Warnhinweis auf dem Bubblebecher gebannt werden, Marke: „Bubble Einatmen in die Lunge verboten, Eltern haften für Ihre Kinder“. Und angesichts dieser neuesten Welle von Nachwuchs-Schädigungs-Vermeidungshysterie kann man sich ungefähr vorstellen, was als nächstes kommt.
- Warnhinweise an Autotüren: Questschungsgefahr für Extremitäten – insbesondere von Kleinkindern
- Warnhinweise auf Schwarzbrot: Erstickungsgefahr durch harte Krusten – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise auf Handys: Strahlung und deshalb Krebsgefahr – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise auf Alkohol: Gefahr des Verlusts von Hirnzellen – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise auf Bällen: Gefahr von Prellungen und Verstauchungen – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise auf Einzelkirschen: Enthält Steine – aktute Erstickungsgefahr – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise auf Lutschern: Adipositas lauert – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise an Grundschul- und Kindergartengebäuden: Hohe Lärmbelastung (Geschrei) und damit einhergehend, Gefahr des Verlustes (eines Teils) der Hörfähigkeit – insbesondere für Kleinkinder
- Warnhinweise auf Kinderbüchern: Quetschgefahr für Finger – insbesondere für Kleinkinder – aber das hatten wir schon
Abschließend sei noch bemerkt, dass Bubble Tea nicht gleich Bubble Tea ist und dass entsprechend die Kalorien, die pro Tea aufgenommen werden, eine erhebliche Bandbreite aufweisen. Das mag für Grüne neu sein, dass Dinge variieren, aber es ist so, entsprechend gibt es Bubble Teas mit 75Kcal pro 0.33l und Bubble Teas mit deutlich mehr Kalorien. Das ist wie beim deutschen Apfelsaft, liebe Grüne, je nach Zuckerzusatz enthält er mehr oder weniger Kalorien. Aber natürlich kann ein Kleinkind an deutschem Apfelsaft nicht ersticken, wie an Bubble Tea, allerdings: Da dem Bundesamt keine Fälle des Erstickungstods durch Bubble Tea bekannt sind, ist die Wahrscheinlichkeit für Kleinkinder an Apfelsaft zu ersticken, ebenso hoch, wie die Wahrscheinlichkeit an Bubble Tea zu ersticken. Ein klarer Fall: Warnhinweis auf Apfelsaft!
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[1] Das DAC [Development Assistance Committee] ist bei der OECD angesiedelt und bestimmt für rund 95% der Entwicklungshilfe, die Modalitäten unter denen die entsprechende Entwicklungshilfe erfolgt. Die Modalitäten sind z.B. der „Paris Declaration on Aid Effectiveness“ und der Accra Agenda for Action niedergelegt und fanden Eingang in die DAC Principles for Evaluation of Development Assistance; Dazu: OECD (2008a, 2008, 2005).
Literatur
Meyer, John W. (2005)(Hrsg). Weltkultur. Wie westliche Prinzipien die Welt durchdringen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
OECD [Organization for Economic Cooperation and Development] (2010). Perspectives on Global Development. Paris: OECD.
OECD [Organization for Economic Cooperation and Development] (2008). Accra Agenda for Action. Paris: OECD.
OECD [Organization for Economic Cooperation and Development] (2008a [1991]). DAC Principles for Evaluation of Development Assistance. Paris: OECD.
OECD [Organization for Economic Cooperation and Development] (2005). The Paris Declaration on Aid Effectiveness. Paris: OECD.
OECD [Organization for Economic Cooperation and Development] (2005a): Governance in China: China in the Global Economy. Paris: OECD.
Bildnachweis:
Bubble Tea
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