Pilgern gegen Straftaten (Unsinn der Woche)

Man muss es Sozialpädagogen lassen: Wenn es darum geht, an das Geld von Steuerzahlern zu kommen, dann sind sie findig, wie sonst kaum jemand. Was Sozialpädagogen alles an Therapien und Maßnahmen in öffentlich finanzierte Programme eingeschleust haben, vom betreuten Wohnen auf dem Bauernhof bis zum Antigewaltkurs, bei dem aus dem notorischen Schläger der liebende Nächste werden soll … Respekt.

Findig wie sie sind, haben sie sich eine neue Masche einfallen lassen, um denjenigen ein Auskommen zu verschaffen, die von Universitäten und Fachhochschulen in immer größerer Zahl auf den Markt der Sozialpädagogik drängen:

Lamnek_abweichendes VerhaltenPilgern mit Straftätern, nein mit „Menschen … die an sich oder der Gesellschaft verzweifelt sind, denen Arbeitslosigkeit, Armut oder Gefängnis drohen“. Denn siehe, wenn Ede in Dein Haus einsteigt und Deinen Mammon mit nimmt, dann liegt das nicht daran, dass Ede ein Einbrecher ist, nein, es ist ein Akt der Verzweiflung. Überhaupt ist delinquentes Verhalten nicht dem zuzurechnen, der es zeigt, sondern der Gesellschaft. Linke randalieren durch Berlin: Die Gesellschaft ist schuld. Jugendliche schlagen einen noch jugendlicheren krankenhausreif: Die Gesellschaft ist schuld. Ein Angestellter im Finanzdienstleistungsgewerbe überweist das Geld seiner Kunden auf sein eigenes Konto: Er ist an sich verzweifelt oder es drohte ihm die Armut, wer weiß. Ein Nazi schlägt einen Asylbewerber: auch ein Verzweifelter der Gesellschaft, dem nun Gefängnis droht.

Oder schlimmer noch: Es droht ihm und allen, die aus Verzweiflung strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, also Omas Handtasche gestohlen oder Polizisten mit Pflastersteinen beworfen haben, das Pilgern. Das betreute Andächtigsein auf dem Weg nach Santiago de Compostella oder Lourdes oder nach Jerusalem (oder nach Mekka?).

Gottfredson crimeDas macht sicher Spaß. Vor allem denen, die betreuend mitlaufen, wenn die Straftäter sich auf die Pilgerschaft machen.
Einst hat ein Leipziger Landrichter eine Geschichte zum Besten gegeben, die aus einer Zeit stammt, als er fast, aber noch nicht ganz Landrichter war. Er war zum Urlaub in Neuseeland, hat sein Erspartes dafür aufgebraucht, um die atemberaubende Natur von Neuseeland zu sehen und zu bewundern. Er war dort nicht allein. Ein Sozialarbeiter mit einem jugendlichen Straftäter hat seinen Pfad gekreuzt. Steuerzahler hatten beiden die Reise und den vierwöchigen Aufenthalten bezahlt. Und beide waren bemüht, in Zukunft ein straffreies Leben zu führen, Neuseeland soll dabei irgendwie helfen. Das hat auf den angehenden Landrichter abschreckend gewirkt. Anschließend wollte er um keinen Preis mit jugendlichen Straftätern etwas zu tun haben. Er sei nach der Erfahrung einfach nicht mehr neutral, so hat er gerne gesagt.

So wie die vierwöchige Reise nach Neuseeland beim Versuch, nicht an sich zu verzweifeln und in Zukunft keine Straftaten mehr zu begehen, vielleicht helfen kann, so kann vielleicht auch die Pilgerschaft nach Lourdes, Mekka, oder Jerusalem helfen. Vielleicht. Vielleicht wird der Schläger aus Berlin zu einem heiligen Mann, wenn er in Lourdes angekommen ist, geht in ein Kloster und verprügelt fortan nur noch sich selbst: Selbstkasteiung. Vielleicht wird der Serieneinbrecher zu einem ehrbaren Menschen, wenn er die (Pilger-)Reise nach Jerusalem erfolgreich bestanden und mit dem Leben davon gekommen ist. Manche Erfahrungen sollen Menschen ja verändern.

Manche, vielleicht. Und genau hier liegt das Problem der sozialpädagogischen Ansätze: Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass Straftäter, die auf Pilgerschaft gehen oder irgend einer anderen sozialpädagogischen Maßnahme unterzogen werden, deshalb nicht mehr straffällig sind bzw. werden. Es gibt keine Untersuchung, die den Erfolg von sozialpädagogischen Interventionen evaluiert: Es gibt keine Untersuchung, die sich dafür interessiert, wie die Jugendlichen, die man durch den Erlebnispark in Haßloch gescheucht hat, ihre Erfahrung in ihrem täglichen Leben umsetzen. Denn niemand interessiert sich für die Jugendlichen, die verzweifelt an der Gesellschaft oder sich selbst, ihr Heil im blauen Auge des Gegenüber suchen. Die meisten Sozialpädagogen sind eher daran interessiert, Maßnahmen durchzuführen, eher nicht daran, die Maßnahmen dahingehend zu evaluieren, ob sie außer Sozialpädagogen auch anderen etwas bringen.

Es geht um rent seeking, darum, sich ein Auskommen auf Kosten der Allgemeinheit zu verschaffen, mit Programmen, Maßnahmen und Aktionen, die Steuerzahler Geld in einer Höhe kosten, die vermutlich in keinem Verhältnis zum Erfolg steht.

Cornish Clarke crimeAber vielleicht tun wir den Sozialpädagogen, die am 15. September in Dresden über die Nutzung der Pilgerschaft zur Bekämpfung von Delinquenz diskutieren wollen, ja unrecht. Vielleicht sind sie ja gar nicht der Meinung, dass die Pilgerschaft etwas bringt, sondern die Drohung, dass man, wenn man eine Straftat begeht, auf eine Pilgerschaft geschickt werden kann. Das wäre dann im Einklang mit der am besten empirisch bewährten Theorie, die die Kriminologie zu bieten hat: Abschreckung. Je wahrscheinlicher eine Bestrafung für delinquentes Verhalten, je höher bzw. empfindlicher die Strafe und je schneller sie die Straftäter trifft, desto geringer die Gefahr einer Wiederholung delinquenten Verhaltens.

Aber hier sind wir wieder beim vielleicht, vielleicht kennen Sozialpädagogen kriminologische Theorien, vielleicht auch nicht. Wir tendieren dazu Letzteres zu vermuten und empfehlen daher eine Pilgerschaft in die nächste Universitätsbibliothek: Siegfried Lamnek ist ein guter Anfang, Gottfredson und Hirschi eine gute Fortsetzung und Cornish und Clarke ein guter Abschluss.


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Sind alle Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung dumm? Ein Erklärungsversuch

Alle Heteros sind homophob“, so schreibt Fabian Goldmann auf den Internetseiten der von Steuerzahlern finanzierten Heinrich-Böll-Stiftung und produziert damit eine jener Aussagen, bei denen man, werden sie getroffen, schon weiß, dass man es sich bei dem, der sie trifft, um niemanden handeln kann, der übermäßig intelligent ist. Wäre er es, die Problematik von Allaussagen, sie wäre ihm geläufig.

  • Logik f dummiesAlle Mainzer sind Narren.
  • Alle Staaten haben einen Präsidenten
  • Alle Kartoffelkäfer leben im Acker.
  • Alle Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung sind dumm.

Bereits eine Beobachtung des Gegenteils des Behaupteten, sie reicht, um die Falschheit des Behaupteten darzulegen. Ein nicht-dummer Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, ein Kartoffelkäfer im Supermarkt, ein König und ein nicht närrischer Mainzer, sie reichen aus, um die entsprechende Allaussage als Unsinn zu entlarven.

Warum macht man sie trotzdem?

Man will ein Gesetz aufstellen: Alle Körper fallen zu Boden, ein Gesetz, das man testen kann, indem man z-B. auf der ISS einen Körper, z.B. eine Zahnpastatube fallen lässt und beobachtet, wie die Tube nicht zu Boden fällt. Das will Fabian Goldmann aber nicht.

Man ist eine autoritäre Persönlichkeit, die keinerlei Ausnahme von ihrer dogmatischen Regel zulässt, und entsprechend ist man entweder nicht an der Realität, sondern an deren Travestie interessiert, oder dumm.

Fabian Goldmann ist … entscheiden Sie selbst:

“Heterosexuelle sind homophob. Nein, nicht nur jene 25 Prozent, die laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage Homosexualität für „unmoralisch“ halten. Auch nicht nur die 40 Prozent, die es „ekelhaft“ finden, wenn sich Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit küssen. Nein, alle Heteros sind homophob. Alle! Und das nicht nur, weil sie in einer homophoben Gesellschaft aufwachsen. Heteros sind homophob, weil sie Heteros sind. Oder besser: Weil sie zu Heteros gemacht wurden.“

Fabian Goldmann hat seine eigene Idee des falschen Bewusstseins. Alle Heterosexuellen haben ein falsches Bewusstsein. Ihnen wurde eingeredet, dass Heterosexuellsein prima ist und alles andere un-prima. Dabei ist Heterosexualität, wie Goldmann ganz sicher weiß, „ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gleichgeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist“.

Denn merke: Am Anfang war die Gleichgeschlechtlichkeit. Homosexualität ist aller Anfang und Heterosexualität ist der Einfall des Bösen, der Kultur, die so des Weges kommt und den homosexuellen Frieden stört. Diese Kultur, sie kommt als Kirche im 13. Jahrhundert daher oder als Psychiater 600 Jahre später, so weiß Goldmann, und sie stigmatisieren gleichgeschlechtliche Sexualpraktiken und erklären die Heterosexualität zur Normalität, zur normalen Zweiteilung obwohl diese Zweiteilung doch eine „kulturelle und soziale, keine biologische ist“.

scully facepalmDie Zweiteilung, von der Goldmann hier fabuliert, es ist die Zweiteilung in Mann und Frau. Diese Zweiteilung ist nach seiner Ansicht, ein kultureller Machtakt, denn es gibt diese Zweiteilung nicht. Es gibt nur Männer und Männer und … hm, Nicht-Männer und Nicht-Männer, diese anderen eben, die das homosexuelle Paradies der Männer durch ihre Anwesenheit zerstören. Alles machen sie kaputt, diese anderen, diese Nicht-Männer, denn sie ermöglichen es der katholischen Kirche im 13. Jahrhundert eine Zweiteilung, Heterosexualität genannt, einzuführen. Gäbe es diese anderen nicht, die katholische Kirche wäre nie auf die Idee gekommen, die Zweiteilung der Geschlechter einzuführen und die Gott gegebene und ursprüngliche homosexuelle Eintracht der Männer zu zerstören. Aber dummerweise gibt es diese anderen, diese Nicht-Männer, diese Frauen und das Patriarchat der katholischen Kirche des 13. Jahrhunderts, vom homosexuellen Ideal entfremdete Männer also, sie haben die Existenz der Nicht-Männer genutzt und die Heterosexualität erfunden, kulturell konstruiert.

Ob Goldmanns Text als Sexismus durchgeht? Wir wissen es nicht. Ob er ob seines immanenten Frauenhasses als HateSpeech gewertet wird? Wir wissen es nicht.

Was wir wissen ist, dass Intelligenz zugegebener Maßen ein kulturelles Konstrukt ist, denn Intelligenz gibt es nicht wirklich. Intelligenz ist eine latente Variable, die man in Bezug auf bestimmte Ereignisse und Begebenheiten in der Wirklichkeit zu fassen versucht. Wenn jemand mehrfach hintereinander mit dem Kopf gegen eine Wand läuft, weil er denkt, die Wand gibt nach, dann hat er offensichtlich etwas am Kopf und kann nicht als intelligent bezeichnet werden. Wenn jemand meint, bei jeder unpassenden Gelegenheit könne er eine Verbindung zwischen Computerspielen und Gewalt herstellen, dann kann er nicht intelligent sein, schon weil er seine Zuhörer oder Leser unterschätzt. Und wenn jemand nicht merkt, dass eine kulturelle Konstruktion eine empirische Grundlage benötigt, dass man also für die kulturelle Konstruktion von Heterosexualität die entsprechende Beobachtung von Heterosexualität benötigt, dann kann dieser jemand nicht intelligent sein. Wenn dieser jemand, in unserem Fall Fabian Goldmann, dann noch weiter geht und behauptet, die kulturelle Konstruktion von Heterosexualität basiere auf keiner empirischen Entsprechung, die kulturelle Konstruktion von Homosexualität dagegen auf der einen, reinen Wahrheit des homosexuellen Ursprungs des Menschengeschlechts, dann kann man nicht anders als festzustellen, dass dieser Fabian Goldmann nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Aber das sind natürlich kulturelle Konstruktionen, Tassen, Schränke …

P.S.

Wenn jemand denkt, Unsinn, wie der von Fabian Goldmann, sei für ihn irrelevant, dann können wir dies einerseits verstehen, andererseits aber nicht umhin festzustellen, dass dem nicht so ist, denn Sie, Herr Jemand, Sie finanzieren mit ihren Steuern die Heinrich-Böll-Stiftung, die den entsprechenden Unsinn veröffentlicht.


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Vorsicht: Deutschlandfahnen machen nationalistisch – es geht immer noch dümmer

In der Neuen Osnabrücker Zeitung warnt eine Osnabrücker Psychologin vor Jubel in Schwarz-Rot-Gold. Vor allem beim Public Viewing, „bei dem sehr viel schwarz-rot-goldene Fahnen im Spiel seien, könne die Vaterlandsliebe bei manchen Menschen in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit umschlagen“. Das hat Julia Becker, die Sozialpsychologin sein soll, dem evangelischen Pressedienst erzählt. Dort fand man es opportun, das Gerücht weiter zu verbreiten, und so ist es auch einem Mitarbeiter der Neuen Osnabrücker Zeitung zu Ohren gekommen.

Von Gerüchten ist bekannt, dass sie sich in Windeseile verbreiten. Sie verbreiten sich umso schneller, wenn es mit den Gerüchten möglich ist, anderen zu schaden. Jeder kennt die innerörtliche Gerüchteküche, in der die neusten Halbwahrheiten mit Lügen verrührt werden. Das Kommunikationsmodell der Klatschweiber, es hat sich zwischenzeitlich und offensichtlich auch regional und überregional etabliert.

Deshalb wissen Leser der NOZ nun, dass Julia Weber davor warnt, Fahnen zu schwenken, schwarz-rot-goldene Fahnen, keine anderen. Fahnen der Antifa gelten ihr vermutlich als im Hinblick auf Nationalismus unbedenklich. Doch der Reihe nach.

German flag

Deutsche Fahne mit Gegenwind

Becker will nach eigener Aussage, niemandem das Public Viewing vermiesen, es sei denn, die Niemande bringen Fahnen mit zum Public Viewing (schwarz-rot-goldene), denn erstens kann man auch „ohne schwarz-rot-goldene Fahnen feiern“ und zweites können schwarz-rot-goldene Fahnen bei sehr „nationalstolzen Personen Ressentiments gegenüber Migranten erhöhen“ (nicht etwa schaffen, was zeigt, dass für Becker Nationalstolz und Ressentiments gegen Migranten ein und dasselbe sind. Nicht unbedingt eine wissenschaftliche Ansicht, aber bei den Grünen wird sie damit sicher offene Türen einrennen, vor allem bei den Kindern der Grünen in Rheinland-Pfalz.).

Woher weiß Becker, was sie so ohne Zweifel und im Ton inbrünstiger Überzeugung, ja fast könnte man von einem Überzeugungssstolz gepaart mit einem tiefen Ressentiment gegen schwarz-rot-goldene Fahnen sprechen, verkündet? Aus der eigenen Forschung, die Becker „gemeinsam mit Studierenden bereits seit der Fußball-WM 2006“ ausführen will. 2006, so Becker, „wurde erstmals Flagge gezeigt“ und 2006 habe sich gezeigt, dass „Menschen mit einem ausgeprägten Nationalstolz eher Vorurteile gegen Ausländer hätten“. Die Forschung von Becker, sie folgt dem Muster, Kaffeekanne, Latzhose, grüne Wahlentscheidung: Irgend etwas wird willkürlich in Zusammenhang gebracht. Es gibt keinerlei theoretische Fundierung dafür, was denn Kaffeekanne, Latzhose und grüne Wahlentscheidung mit einander zu tun haben sollen, aber dennoch warnen Forscher wie Becker vor dem Genuss von Kaffee, denn er ist dem Tragen von Latzhosen und der grünen Wahlentscheidung nicht förderlich, jedenfalls dann, wenn er in Tassen genossen wird, die mehr als 250 ml Inhalt zulassen.

Über all dem Spaß den man aus der Tatsache ableiten kann, dass hier wieder ein vermeintlicher Wissenschaftler durch öffentliche Medien wandert, der keinerlei Idee vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation hat, darf man nicht vergessen, dass Becker mit Konzepten hantiert, die man nicht direkt messen kann. Nationalismus kann man nicht abwiegen: „Wie viel Kilo Nationalismus dürfen es den sein?“ und für Fremdenfeindlichkeit gilt dasselbe. Beide Konzepte muss man operationalisieren.

Wie operationalisiert Becker „Nationalismus“? So; „Politiker sollen aufhören, immer wieder die negative deutsche Geschichte auszupacken“ und „Deutschland ist das beste Land der Welt“. Wer beiden Aussagen zustimmt, der ist Nationalist. Und unter Fahnenträgern (schwarz-rot-goldenen) finden sich etwas mehr, die diesen Aussagen zustimmen. Und weil dem so ist, deshalb besteht die Gefahr, dass beim Public Viewing der Virus des Nationalismus überspringt. Denn einen Virus des Nationalismus muss man annehmen, wenn man das, was Becker von sich gibt, nicht gleich als Monster-Unsinn bezeichnen will.

Aber das wollen wir (noch) nicht.

Deshalb stellen wir uns vor, Karl, Frank und Peter gehen zum Public Viewing. Peter hat eine Fahne dabei (vermutlich weil er seine Zugehörigkeit ausdrücken will, denn Fahnen sind in erster Linie ein Mittel, Zugehörigkeit auszudrücken). Die deutsche Nationalmannschaft, sie schießt ein Tor. Peter schwenkt die Fahne. Peter ist sowieso schon ein Nationalist, sonst hätte er keine Fahne dabei. Karl und Frank sind mit Peter unterwegs und somit in unmittelbarer Gefahr vom Nationalismus inkubiert zu werden. Peter schwenkt und Karl und Frank fallen dem Nationalismus anheim. Die Fahne ist der Träger des Virus. Mehr noch, Peter schwenkt sich in einen Schwenkrausch, einen Fahnenschwenkrausch in Schwarz-Rot-Gold und wird zum Fremdenfeind, vor allem nach dem Ausgleichstor der Polen wird er zu einem Fremdenfeind, der auf Polen schimpft.

Monster-Unsinn eben.

facepalm-GodzillaJetzt kommt wieder der Es-ist-Satz: Es ist erschreckend, was derzeit in Deutschland als Wissenschaft verkauft werden soll. Hanebüchene Operationalisierungen, theorielose Forschung (Warum führen Fahnen zu Nationalismus?), keinerlei Idee vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation usw. So wäre es naheliegend, wenn man schon Fahnen als Untersuchungsgegenstand wählt, anzunehmen, dass diejenigen, die Fahnen mitnehmen, dies auf Basis von Nationalstolz tun. Die Fahnen wären entsprechend Ausdruck, nicht Verbreiter von Nationalstolz. Aber auf derart komplexe Ideen kommt eine Psychologin, die offensichtlich in einem geistigen Tunnel unterwegs ist, nicht. Dass sie in einem Tunnel unterwegs sein muss, zeigt sich schon daran, dass ihr die zweite naheliegende Idee, dass nämlich Fahnen nichts mit Nationalismus, sondern mit Gruppenzugehörigkeit zu tun haben, nicht einmal einfällt. Dabei will sie Sozialpsychologin sein. Nun, Sozialpsychologie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Gruppenprozessen. Die Gruppenidentität und die Bildung von „temporären Gruppen“, der Ausdruck von Zugehörigkeit zu temporären Gruppen, sie sind Forschungsgegenstände, die schon Legionen sozialpsychologischer Bücher zum Ergebnis hatten. Entsprechend hätte ein Sozialpsychologe, der sein Fach kennt, auf die Idee kommen können, dass Fahnen eine Zugehörigkeit ausdrücken sollen, ein gemeinsames Happening und nicht mehr, etwa in der Weise, wie die Fahnen, die bei Gewerkschaftsstreiks mitgenommen werden oder die Fahnen, die die LGBTI-Bewegung durch die Lande hisst (Ob Becker als nächstes untersucht, wie die LGBTI-Fahnen sich auf die Diskriminierung Herterosexueller auswirken? Wir haben dahingehend eine (netzwerk-)theoretisch begründbare und eindeutige Erwartung.), ein Zugehörigkeitsgefühl und darüber hinaus einen Marker darstellen: Hier bin ich: Seht Ihr mich!. Mit Nationalstolz oder Fremdenfeindlichkeit hat das überhaupt nichts zu tun. Und dass es etwas mit dem einen oder dem anderen zu tun hat, das wäre erst noch zu belegen. Julia Becker belegt es mit Sicherheit nicht, schon deshalb nicht, weil sie keinerlei Theorie anzubieten hat, die die Verbreitung des Virus „Nationalismus“, der sich in schwarz-rot-goldenen Fahnen eingenistet hat, erklären könnte. Somit muss man wohl feststellen, dass Becker ein Miespeter, sorry, eine Mieseliesel ist, die nicht mit ansehen kann, dass sich Menschen beim Public Viewing verhalten, als wäre es der Kölner Karneval und einfach nur Spaß haben.

Womit wir zur letzten Frage kommen, die sich stellt: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, den Zusammenhang zwischen bestimmten Fahnen und Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit zu untersuchen. Die Fragestellung ist nicht unbedingt naheliegend, denn eine schwarz-rot-goldene Fahne ist ein Hoheitszeichen von Deutschland, nicht mehr. Sie hängt in manchen Gerichten, vor Ministerien, vor diplomatischen Vertretungen im Ausland, ja selbst im Bundestag. Hängt sie dort, um den Virus des deutschen Nationalismus zu verbreiten? Sicher nicht.

social psychology for dummiesWie also kommt man auf diese abwegige Forschungsidee. Man muss, so die erste Annahme, in einem Netzwerk unterwegs sein, in dem schwarz-rot-goldene Fahnen negativ konnotiert sind, in dem ihnen vielleicht sogar Verachtung entgegengebracht wird. Die grüne Jugend in Rheinland-Pfalz scheint auch in diesem Netzwerk zu sein. Darüber hinaus muss die Vorstellung herrschen, dass Forschung eine ideologische, keine wissenschaftliche Tätigkeit ist. Schließlich muss man sich zum Wasserträger von denen machen, denen plötzlich eingefallen ist, man könne die deutsche Fahne als nationalistisches Ungetüm lancieren, das den Virus des Nationalismus verbreitet, von dem im übrigen auch noch zu zeigen wäre, dass er sich negativ auswirkt, worauf auch immer. Einstellungen und Überzeugungen sind übrigens bislang gesetzlich noch nicht verboten. Und ob nationalistische Einstellungen zu Handlungen führen und zu welchen Handlungen sie führen, wenn sie zu Handlungen führen, ist eine weitere Frage, die man noch stellen und beantworten müsste – jedenfalls dann, wenn man Wissenschaftler sein und nicht nur markieren will.


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Haarsträubend: Polit-ökonomischer Bullshit aus der WELT

Replik auf den Beitrag „In der Wahlkabine wird die Unvernunft gewinnen“, von Thomas Straubhaar in der Welt.

Die Briten stimmen für den BREXIT. Das weiß Thomas Straubhaar, Kolumnist der Welt, bereits jetzt. Drei Gründe hat er dafür:

  1. Die Tragik der Allmende,
  2. Die Liebe zum Status Quo,
  3. Die unbewusste Unvernunft,

Die Tragik der Allmende führe dazu, dass die eigensüchtigen Briten das größere Europäische Glück, das sich langfristig, sagen wir ab 2075 einstellt, der kurzfristigen britisch-egoistischen Prosperität opfern.

Die Liebe zum Status Quo führt dazu, dass die konservativen Briten sich lieber am Glanz des alten Empire, denn am Glanz der großartigen EU und all der vielen Regulationen, die die EU-Kommission verspricht, festhalten.

Und die unbewusste Unvernunft, die führt dazu, dass Briten mit dem Bauch wählen und nicht mit der kühlen Rationalität, für die sie eigentlich bekannt sind.

Und deshalb kommt es nach Straubhaar zum BREXIT.

Haarsträubend und grottenfalsch, in jeder Hinsicht:

Prof FacepalmDie Tragik der Allmende, sie besteht für öffentliche Güter, die umsonst sind und von deren Nutzung niemand ausgeschlossen werden kann. Dass die EU umsonst wäre (und nicht ihre Klientel bedienen würde), kann nur jemand behaupten, der sich die letzten Jahrzehnte auf dem Mond aufgehalten hat. Und dass die EU der Hort der gemeinsüchtigen und altruistischen Mitgliedsstaaten ist, deren Vertreter nicht nebeneinander durch die Tür gehen, weil sie sich nicht einigen können, wer wem den Vortritt lassen darf, das ist eine Erzählung, die Straubhaar wohl eingefallen ist, als er das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut verlassen hat, um sich in Zukunft der Erkenntnis der Objektivität und Wahrheit im Kolumnenstil voll widmen zu können.

Der Status Quo ist gerade das, was die Briten loswerden wollen: Die Regulationen und Direktiven aus Brüssel, die Eingriffe in ihr tägliches Leben, die tägliche Gängelung und das tägliche Paternalisieren, viele Briten haben die Nase davon gestrichen voll, vom Status Quo gestrichen voll.

Die unbewusste Unvernunft ist nun etwas, das man eher aus esoterischen Zirkeln kennt. Und vermutlich ist der Hang von Straubhaar zu solchen Konzepten ein Grund dafür, dass er die krude Empirie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts mit der brachialen Spekulation der Welt-Kolumne eingetauscht hat. Die unbewusste Unvernunft, sie zeichnet sich durch das Kreuz an der falschen Stelle aus. Das Kreuz an der falschen Stelle, es zeichnet sich dadurch aus, dass Straubhaar das Kreuz an einer Stelle, zum Kreuz an der falschen Stelle erklärt hat. Die Erklärung, ein Kreuz an einer Stelle, sei ein Kreuz an einer falschen Stelle, ist wiederum das Ergebnis eines Sendungsbewusstseins, das Straubhaar verinnerlicht hat und das man wohl so beschreiben kann:

Alles Gute kommt von der EU. Alles Gute, das von der EU kommt, kommt erst langfristig. Alles Gute, das von der EU erst langfristig kommt, schlägt sich als Neues nieder. Wer nicht auf das neue langfristig Gute der EU warten will, weil er vielleicht denkt, es kommt nicht oder er ist tot, bis es kommt, falls es kommt, der ist ein unbewusster Falschkreuzer und ein veritabler Depp, denn er hat nicht die tiefen und haarsträubenden Erkenntnisse zur Hand, die Thomas Straubhaar zum Kolumnisten in der Welt und zum Auguren des britischen Weltuntergangs machen.

Wir wünschten Straubhaar hätte die Erkenntnis aus dem ersten Satz seiner Kolumne auch umgesetzt.

 


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Antikoloniale Aktion enlarvt Columbus als Ursache des Übels

Wenn die Eltern der Mitglieder der Antikolonialen Aktion etwas mehr Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen gezeigt und verhütet hätten, dann blieben diese Mitmenschen von den Aktionen der Antikolonialen Aktion verschont und müssten sich nicht fragen, wie weit unten man intellektuell noch aufschlagen kann.

Klingt krass? Ist aber nichts weiter als die Anwendung der Logik, die uns die Antikoloniale Aktion Dresden gerade zugemutet hat, wie im Folgenden deutlich wird.

Der neue Tiefpunkt der intellektuellen Errungenschaft wird von Petra Frisch eingenommen, Sprecher der Antikolonialen Aktion:

„Die Seefahrten von Columbus und die Ankunft der Europäer auf dem amerikanischen Kontinent hatte die Ermordung und Versklavung der indigenen Bevölkerung durch die Europäer zur Folge.“ [Wie versklavt man Ermordete?]

Christopher Columbus, ein Italiener im Dienste der spanischen Krone, ist also die Ursache für alles, was der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent zugestoßen ist. Deshalb hat sich die Antikoloniale Aktion entschieden, in Dresden die Columbus Straße in Berta Cáceres Straße umzubenennen.

Hätte es nämlich Christoph Columbus nicht gegeben, die indigene Bevölkerung des amerikanischen Kontinents, sie lebte immer noch im Azteken oder Maya-Paradies, in jedem Fall wäre alles besser. Aber es hat Christoph Columbus gegeben. Er ist schuld an der Eroberung Südamerikas durch die Spanier, obwohl er nur den Strand von Venezuela gesehen hat und sich ansonsten mehr auf den Inseln der Karibik, Haiti, Jamaika, Domenikanische Republik aufgehalten hat (wer kann es ihm verübeln). Indes, hätte Christopher Columbus kein Schiff gehabt, er wäre nie auf die Idee gekommen, einen Seeweg nach Japan zu suchen und auf Haiti anzukommen.

 Reisen von ColumbusSchuld an der Misere der indigenen Bevölkerung ist also nicht Columbus, sondern der Erfinder des Schiffes. Funde aus Indonesien (Flores), Kreta oder Australien, die einen Zeitraum von mehreren 100.000 Jahren abdecken, legen den Schluss nahe, dass das Boat, das Schiff, ein recht altes Kulturgut ist. Insofern wären die Menschen im Neolithikums dafür verantwortlich zu machen, dass Columbus im Jahre 1492 den Frieden der indigenen Bevölkerung des amerikanischen Kontinents gestört hat. Aber soweit wollen wir nicht zurückgehen, schon weil dann die Schulfrage nicht eindeutig geklärt werden kann.

Nehmen wir die Osterinseln. Sie stehen nicht im Verdacht, per Landweg erreichbar zu sein. Sie müssen also vom Schiff aus besiedelt worden sein und von Polynesien aus, wie es der Stand der Wissenschaft derzeit nahelegt. Tonga, Samoa und Neuseeland, die Maori im Wesentlichen, sie zeichnen für die Besiedlung der Osterinseln verantwortlich und müssen entsprechend bereits über Technologien, die die Reise per Meer erlauben, verfügt haben: über Schiffe. Somit wären die Maori und ihre Schiffsentwicklung für die Fahrt des Christoph Columbus verantwortlich. Also, Antikoloniale Aktion, bitte alle Straßenschilder, die einen Bezug zu Maori oder Neuseeland oder Samoa aufweisen, mit Berta-Cáceres Straße übermalen.

Jeoch ohne das Geld von Ferdinand dem II von Aragon und Isabella von Kastilien hätte Columbus seine Fahrt nach Japan, die ihn nach Haiti geführt hat, nie antreten können und auch die nachfolgenden Reisen wären wohl ins Wasser gefallen. Die wahren Schuldigen sind also wieder die Monarchen, die autokratischen Herrscher, die Reichen, die Blutsauger, die den kleinen Mann aussaugen, die Bonzen, die Banker, der Kapitalismus. Also: Antikoloniale Aktion: Bitte alle Straßennahmen übermalen, die einen Bezug zu Spanien, Kastilien, Aragon, Banken, Bonzen, Kapitalismus und Monarchen aufweisen.

Antikoloniale aAber ohne Domenico Colombo und Susanna Fontanarossa, die im Verdacht stehen, die Eltern von Columbus zu sein, hätte es Columbus nie gegeben und somit auch keine Fahrten nach Jamaika und in die Domenikanische Republik mit all ihren verheerenden Folgen für die indigene Bevölkerung. Beide Eltern von Columbus haben in Genua gelebt. Genua ist also kausal für Columbus und somit für das Schicksal der indigenen Völker des amerikanischen Kontinents (So wie die Eltern der Antikolonialen Aktivisten die volle Verantwortung für die Aktivisten tragen). Genua liegt in Italien. Ohne Italien, kein Genua. Und Italien, hat das nicht etwas mit Römern zu tun? Waren nicht bereits die Römer Kolonisatoren? Da haben wir es. Die Römer sind schuld. Und vor allem sind die Römer seit Übernahme des Christentums als Staatsreligion schuld. Alle Straßennamen, die einen Bezug zu Rom, Römern oder zum Christentum haben, sie müssen mit dem Namen von Berta Isabel Cáceres überpinselt werden, denn sie alle sind Schuld am Schicksal der indigenen Völker in Nordamerika.

Die Kausalkette ist damit noch lange nicht am Ende, weshalb wir vorschlagen, die Antikoloniale Aktion überpinselt vorsichtshalber und quasi als pre-emptive strike alle Straßenschilder in Dresden, um auf das Schicksal der indigenen Völker in Amerika aufmerksam zu machen. Die Welt wird es den Antikolonialen Aktivisten sicher irgendwann einmal, wenn das allgemeine Intelligenzniveau sich dem Niveau der Antikolonialen Aktivisten angenähert hat, was beim derzeitigen Verdummungstempo nicht mehr allzu lange dauern wird, vielleicht danken – vielleicht auch nicht.

Eigentlich ist der Urknall an allem Schuld. Hätte es ihn nicht gegeben, wir müssten heute nicht die Antikoloniale Aktion ertragen. Wer religiös ist, kann die entsprechende Schuld gerne an seinen Gott weiterreichen und eine Erklärung einfordern. Damit wären dann auch die Eltern der antikolonialen Aktivisten aus dem Schneider.

Die Posse aus Dresden zeigt, mit welcher Beliebigkeit Aktivisten diejenigen, auf deren Schicksal sie hinweisen wollen und diejenigen, die sie gerade einmal verantwortlich machen wollen, auswählen, wobei der Beliebigkeit der Aktivisten, die sehr engen Grenzen des eigenen Intellekts und der eigenen Heilslehre gesetzt sind. Daraus kann man schließen, dass die Aktivisten offensichtlich an Langeweile und intellektueller Verödung leiden. Letzteres kann man durch Lernen beheben, ersteres durch Arbeit. Beides macht Mühe, mehr Mühe, als willkürlich zu bezichtigen, Helden zu wählen und Straßenschilder zu beschmieren. Beides erfordert eigenes Tun nicht Konsum und  Bewertung des Tuns anderer.

AfD, Hitlergruß, Lügenpresse – Funkes Kausalkette

Ein Beispiel für Hauruck-Suggestion aus dem Tagesspiegel:

facepalm-Godzilla„Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.“

Zunächst die Haurucksuggestion zur instrumentellen Konditierung der Empörungsbereiten:

  • Logik f dummiesKonditionierter Stimulus: Rechte zeigen Hitlergruß. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Konditionierter Stimulus: Rechte singen die erste Strophe der Nationalhymne. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Instrumenteller Stimulus: Rechte rufen: Lügenpresse.
  • Reaktion, die konditioniert werden soll: Das macht man nicht. Das ist böse.

Nach dem Stück Dachlatten-Behaviorismus dessen Abschluss aus einem satten Fehlschluss der Bejahung des Konsequens besteht, denn nicht jeder, der den Begriff Lügenpresse benutzt, ist ein Nazi, wäre dem so, der Tagesspiegel wäre ein Nazi-Blatt, kommt der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke mit seinem Anschlag auf alles, was Wissenschaftlichkeit darstellt, zu Wort.

Wissenschaft, das zur Erinnerung, hat zum Ziel fundiertes Wissen zu erreichen. Fundiertes Wissen besteht aus Aussagen über die Empirie, die empirisch geprüft wurden und sich dabei bestätigt haben. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Aussagen, die einen Zusammenhang ausdrücken und solchen, die eine Kausalität beschreiben. Eine Zusammenhangsaussage wäre z.B.: Zwischen einem Interview von Hajo Funk im Tagesspiegel und einem Herzinfarkt bei einem Wissenschaftstheoretiker besteht ein Zusammenhang von r = .65. Ob Funke für den Herzinfrakt kausal ist, kann posthum nicht mehr festgestellt werden.

Um die Annahme einer Kausalität zwischen dem Interview von Funke und dem Herzinfarkt des Wissenschaftstheoretikers zu rechtfertigen, benötigt man eine theoretische Grundlage, z.B.: Der Wissenschaftstheoretiker hat sich immer sehr stark über angebliche Wissenschaftler, die in aller Öffentlichkeit ihre Ahnungslosigkeit über wissenschaftliche Methoden blosstellen, aufgeregt. Zuletzt hat er sich über Hajo Funke, der bar jeder methodischen Kenntnisse zu sein scheint, aufgeregt. Das war zuviel. Bestätigt sich die Kausalkette, dann hat Funke den Herzinfarkt zu verantworten, aber nur dann.

Schauen wir uns nun an, was Funke behauptet.

In Berlin haben Personen, die Funke nicht kennt, von denen er nichts weiß und von denen er nichts wissen kann und will, den Hitlergruß gezeigt, die falsche Strophe der Nationalhymne gesungen und Lügenpresse gesagt.

Dass sie das getan haben, hat seine Ursache nach Funke darin, dass es in Deutschland die AfD, Alexander Gauland, Björn Höcke und Pegida gibt. Sie alle haben mit „rechten und islamfeindlichen Parolen“ einen „ethnozentristischen und rassistischen Nährboden geschaffen.“

Die Kausalkette, die Funke da allen Erstes behauptet, sie lautet:

Gauland, Höcke, die AfD und Pegida skandieren rechte und islamfeindliche Parolen. Wenn Gauland, Höcke, die AfD und Pegida rechte und islamfeindliche Parolen skandieren, dann fallen die Parolen zu Boden und schaffen einen ethnozentrischen und rassistischen Nährboden, an dem sich wiederum Dritte gütlich tun, die Funke nicht kennt und nicht kennen will, die aber in Berlin den Hitlergruß zeigen und die falsche Strophe der deutschen Nationalhymne singen. Ach ja, und vor allem: Lügenpresse rufen.

Wer diesen Unsinn glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und unserem Wissenschaftstheoretiker ist auch nicht mehr zu helfen, er ist am Unsinn verendet.

Er hat den Funke hinter sich.

Vielleicht sogar die bessere Option.


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Ist Wolfgang Schäuble das Ergebnis von Inzucht?

Wolfgang Schäuble macht international gerade die Runde mit einer, wie soll man sagen, vielleicht: mit einer interessanten These.

So liest sich die These in Englisch:

“Answering critics like the anti-mass migration Alternative for Germany (AfD) party who believe that migration must be kept more under control, Mr. Schäuble said that he rejected the ideas of closed borders. According to him, Europe must not close its borders to Africans or anyone else because Germans especially might end up as what he termed “inbreds.””

Und so in Deutsch:

“ Schäuble erteilt den Vorstellungen eine Absage, Europa solle sich gegenüber Einwanderung abschotten: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe. …“

Damit stellt die interessante Frage, ab wie vielen Einwohnern einem Land wie z.B. Deutschland Inzucht droht. Vor der Zuwanderung von 1 Million Flüchtlingen war Deutschland ein Land, in dem rund 80 Millionen Einwohner lebten.

facepalm-Godzilla

Auch ein Ergebnis von Inzucht?

Wolfgang Schäuble ist im Jahre 1942 geboren und somit einerseits in einer Zeit, in der sich Deutschland mit allen Mittel gegen den Zuzug von Fremden gewehrt hat, richtig militant gewehrt hat, und zu einer Zeit, zu der Deutschland alle möglichen Methoden angewendet hat, um den eigenen Genpool zu reduzieren. Entsprechend lebten 1942 zum Zeitpunkt von Schäubles Geburt rund 135 Einwohner pro Quadratkilometer der Fläche, die das Deutsche Reich zu diesem Zeitpunkt angenommen hatte (rund 700.000 km2).

Derzeit drängen sich in Deutschland 229 Einwohner auf einem Quadratkilometer und somit 70% mehr als 1942, so dass man feststellen kann, dass heute, im Vergleich zu 1942 eine höhere Bevölkerungsdichte herrscht. Hohe Bevölkerungsdichte ist gut gegen Inzucht, wenn man Wolfgang Schäuble soweit folgt. Deshalb ist Einwanderung notwendig, um zu einem Zeitpunkt, zu dem 229 Einwohner sich auf einem Quadratkilometer klumpen, die negativen Folgen von Inzucht zu vermeiden, die sich dann einstellen, wenn weniger, deutlich weniger (?) Menschen pro Quadratkilometer das Land der Deutschen bevölkern.

Als Wolfgang Schäuble geboren wurde, war Deutschland nicht ansatzweise so dicht besiedelt, wie dies heute der Fall ist: 135 Einwohner teilten sich einen Quadratkilometer. Der Zweite Weltkrieg war dabei, den Genpool der erwachsenen, vor allem der erwachsenen männlichen Bevölkerung zu reduzieren, so dass man sich angesichts der Schäubleschen These fragen muss, welche Konsequenzen sich daraus für ihn selbst ergeben.

Neue Wege des Irrsinns: GEW–Gutachten prüft grundsätzliche Möglichkeit, Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen

In den letzten Jahrzehnten hat an Grundschulen eine Umschichtung stattgefunden. Waren 2002 noch 16,2% der Lehrer männlich, so waren es 2015 nur noch 12,5%. Wenig verändert hat sich im Hinblick auf die Arbeitszeit männlicher Lehrer, 64,0% der männlichen Grundschullehrer sind 2015 vollzeitbeschäftigt, 66,7% waren es 2002. Männliche Grundschullehrer sind somit die Ausnahme. 83,8% der Grundschullehrer waren 2002 weiblich, 87,5% sind es 2015. 54,8% der weiblichen Grundschullehrer waren 2002 teilzeitbeschäftigt, 2015 waren es 42,7%, denn die Verweiblichung der Grundschulen, sie hat dazu geführt, dass nunmehr 44,4% der weiblichen Lehrer Vollzeit arbeiten im Gegensatz zu 35,7% im Jahr 2002.

Männliche Lehrer werden langsam zur „endangered species“ an Grundschulen, was erhebliche Effekte auf den Bildungserfolg von z.B. Jungen hat, die ja, wie Diefenbach und Klein im Jahre 2002 gezeigt haben, umso besser in der Schule abschneiden, je mehr männliche Grundschullehrer es gibt.

Nun drängt es sich einem Betrachter der soeben präsentierten Zahlen nicht unbedingt auf, dass Grundschulen eine Spielwiese von Geschlechter-Fetischisten sein könnten, dass es tatsächlich Genderista geben könnte, die in Grundschulen eine Benachteiligung (!sic) von Frauen sehen, eine absichtliche Schlechterstellung von Frauen also.

Nun, wem die Tatsache, dass weibliche Lehrer an Grundschulen benachteiligt, ja diskriminiert werden, entgangen ist, dem kann geholfen werden: „Lehrerinnen an Grundschulen diskriminiert“, so die besorgte Aufschrei-Überschrift der GEW, die die Gelder ihrer Mitglieder, wie die Lektüre des nachfolgenden Textes zeigt, dazu aus dem Fenster geworfen hat, um ein „Rechtsgutachten“ in Auftrag zu geben, das belegen soll, dass Frauen an Grundschulen diskriminiert oder benachteiligt werden.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Und wie nicht anders zu erwarten, wenn die GEW einen ihr bekannten Juristen, der es an eine Universität geschafft hat, mit einem Gutachten beauftragt, kommt am Ende heraus, was vorne erwartet wurde: Frauen werden benachteiligt, denn: Grundschullehrer verdienen weniger als Lehrer an Schulen der Sekundarstufen I und II, und weil Grundschullehrer zu rund 90% weiblich sind, deshalb werden weibliche Grundschullehrer diskriminiert.

Verantwortlich für diesen Unsinn, der sich über schlappe 43 rechtsgutachterliche Textseiten schleppt, sind eine Eva Kocher, die als „Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Europäisches Recht und Deutsches Arbeitsrecht, Zivilverfahrensrecht an der“, na, wo? Richtig, an der Europa-Universität Frankfurt/Oder angepriesen wird. Zwei Voll…jurstistinnen, Stefanie Porsche und Johanna Wenckebach, haben Kocher dabei wohl attestiert.

Und jetzt, jetzt da die Spannung bei denjenigen, die sich für die Irrungen und Wirrungen des menschlichen Geistes interessieren, kaum mehr zu steigern ist, nun enthüllen wir die Begründung dafür, dass Frauen an Grundschulen diskriminiert werden:

Zuerst aus dem Rechtsgutachten:

Prof Facepalm“Die Voraussetzung einer mittelbaren Diskriminierung des Geschlechts sind dabei erfüllt, weil Frauen durch die fraglichen Besoldungsregelungen in besonderer Weise nachteilig betroffen sind: Der Frauenanteil unter den Grundschullehrkräften ist wesentlich größer als der Frauenanteil unter den Gymnasiallehrkräften – und die beiden Tätigkeiten sind insofern hinreichend vergleichbar. Die sich daraus ergebende Vermutung einer Geschlechtsbezogenheit der niedrigeren Besoldung wird noch dadurch gestützt, dass sowohl die unterschiedlichen Frauenanteile als auch die unterschiedlichen Besoldungen mit Geschlechterstereotypen erklärt werden können“ (48).

Weibliche Grundschullehrer werden also diskriminiert, weil sie weniger Lohn erhalten als Gymnasiallehrer und weil es mehr männliche Gymnasiallehrer gibt. Auf so eine Rabulistik muss man erst einmal kommen!

Warnung: Bitte nicht versuchen, eine entsprechende Rabulistik zu entwickeln. Ihr Verstand könnte darunter leiden.

Und weil es noch nicht reicht, reichen wir noch eine etwas ausführlichere Begründung nach. Der originale Kocher im Interview:

Eva Kocher: Sowohl die unterschiedlichen Frauenanteile als auch die unterschiedliche Besoldung können mit Geschlechterstereotypen erklärt werden. Zum Beispiel die Vorstellung, dass die Beschäftigung mit kleineren Kindern eine „weibliche“ Aufgabe sei und die Grundschultätigkeit familiennah gestaltet sei, eine Aufgabe, die „natürlicherweise“ der Frau zufalle und nicht erlernt zu werden braucht. Dies bedient genauso stereotype Geschlechterkonstruktionen wie die Vorstellung, bei der Grundschullehrtätigkeit seien „einfache“ Inhalte zu lehren, und der Fokus der Tätigkeit liege auf erzieherischen Aufgaben, auf Hingabe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen. Es lässt sich also nur mit Geschlechterstereotypen erklären, dass trotz gleicher Anforderungen bei der Arbeit der Wissenschaftlichkeit gegenüber dem Pädagogischen ein höherer Wert zugesprochen wird.“

Für alle, die es nicht verstanden haben: Es gibt mehr männliche Gymnasiallehrer als männliche Grundschullehrer und mehr weibliche Grundschullehrer als weibliche Gymnasiallehrer und weil Gymnasiallehrer besser bezahlt werden als Grundschullehrer deshalb werden weibliche Grundschullehrer diskriminiert. Und warum werden sie das, weil man bei Grundschullehrern denkt, das ist einfacher Weiberkram, das ist Hingabe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen und deshalb weiblich und deshalb wird es schlechter bezahlt.

Bevor wir uns der logischen Idiotie hinter dieser Rabulistik widmen: Wie kommt Frau Kocher eigentlich auf die Idee, Hingabe, Fürsorge, Einfühlungsvermögen seien weiblich konnotierte Eigenschaften und nicht männlich konnotierte Eigenschaften. Diskriminiert Eva Kocher hier Männer, und zwar auf Basis eines kruden und empirisch nicht zu belegenden Vorurteils, das sie als Forscher vollkommen diskreditiert (nicht diskriminiert)?

Unabhängig von der Antwort auf diese Frage müssen wir feststellen, dass eine Phantasie darüber, was denn die Begründung für ein empirisches Faktum sein könnte, keine Begründung ist. Wer das denkt, ist in der Wissenschaft fehl am Platze. Zugegeben, es reicht, um Geld von der GEW bzw. deren Mitgliedern abzugreifen, aber es ist zu wenig, um sich als Wissenschaftler zu qualifizieren. Um es auch für Frau Kocher nachvollziehbar zu machen: Die Tatsache, dass Grundschullehrer schlechter bezahlt werden als Gymnasiallehrer ist darauf zurückzuführen, dass Gymnasiallehrer mit mehr Hingabe, größerer Fürsorge und mehr Einfühlungsvermögen an der Bildung ihrer Schüler arbeiten als Grundschullehrer und da Gymnasiallehrer (immer noch) in ihrer Mehrheit männliche Lehrer sind, ist gezeigt, dass Hingabe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen männliche Eigenschaften sind und entsprechend nicht als Begründung dafür missbraucht werden können, eine Diskriminierung von weiblichen Grundschullehrern herbei zu phantasieren – nicht einmal an der Viadrina in Frankfurt Oder und nicht einmal in einem Rechtsgutachten für die GEW, selbst wenn das Rechtsgutachten durch die Phantasie in Irr-Sinn noch so brauchbar für die Gewerkschafts-Funktionäre wäre, um rent seeking zu betreiben.

 

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Gendersensibles Unsinns-Recycling bei Academics.de

„Das Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Verstande; vor der Dummheit sollten sie sich fürchten, wenn sie begriffen was fürchterlich ist; aber jener ist unbequem, und man muss ihn beiseite schaffen, diese ist nur verderblich, und das kann man abwarten.“ – Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre

CEWSFalls Sie es nicht wissen, Sie bezahlen mit ihren Steuergeldern auch das CEWS. Bei CEWS handelt es sich nicht etwa um einen Tippfehler und gemeint ist eigentlich das walisische Wort caws, also Käse, nein CEWS steht, wenn man so will, für einen anderen Käse: CEWS bedeutet: Center of Excellence Women and Science. Diese Benennung hat ungefähr den Sinn von Zentrum für Hörgeschädigte: Blechtrommel und Klang.

Doch zurück zum CEWS, Centrum of Excellence Women and Science. Wie wir auf das CEWS kommen? Nun, es ist uns quasi aufgedrängt worden. Genauer gesagt ist es Dr. habil. Heike Diefenbach aufgedrängt worden, die es sich auch nicht hat nehmen lassen, auf Ihrer Facebook-Seite darüber zu berichten.

Dr. habil. Heike Diefenbach sitzt auf dem Verteiler von Academics.de und hat, wie regelmäßig, auch am 3. Mai, also heute, einen Newsletter erhalten, in dem es unter anderem heißt:

“Weibliche Professoren in der Unterzahl
Die Zahl der Professorinnen steigt seit Jahren im Schneckentempo. Regelungen zur Erhöhung des Frauenanteils sind zum Teil unverbindlich und werden nicht umgesetzt. Eine Studie nimmt Verfahren zur Auswahl wissenschaftlicher Führungskräfte in den Blick.

scully facepalmWer will schon Schnecken an der Hochschulen…. Aber Spaß beiseite, dieser Text, vom 3. Mai 2016 ist mit einem Link versehen, auf einen Beitrag, der bei academics.de im Juni 2014 erschienen ist. Dieser Beitrag ist überschrieben mit: „Es muss gehandelt werden – Weibliche Professoren in der Unterzahl“. In der Tat muss gehandelt werden, wenn weibliche Professoren in der Unterzahl sind, nicht dass sie noch in die Überzahl kommen, zu was auch immer. Als wäre der Versuch, den Lesern von academics.de einen offensichtlichen Ladenhüter unterzuschieben, nicht schon ärgerlich genug, ist dieser Ladenhüter auch ein gesammelter Unsinn, der den Verstand danach rufen lässt, alle weiblichen Professoren, die über Exzellenz-Programme oder sonstige Fördermaßnahmen in eine Position an Hochschulen gekommen sind, schnellstens wieder von dort zu entfernen. Dieses Mal nicht, weil die Überzahl droht, sondern weil der Wahnsinn oder Unsinn oder Irrsinn um die Ecke lugt.

Der Irrsinn, der um die Ecke lugt, seine Fratze freut sich ein erstes Mal, weil der Text, sie erinnern sich, der Ladenhüter, der mit „Es muss gehandelt werden – weibliche Professoren in der Unterzahl“ überschrieben ist, und in dessen Vorabmeldung eine „Studie“ angekündigt oder besser angedroht wird, auf eine „neue Studie“ Bezug nimmt, die schon zum Erscheinen des Artikels „alt“ war, weil aus 2012, während der Ladenhüter ja aus 2014 ist. Diese „neue Studie“ sie hat wiederum nichts mit Professorinnen, die man gewöhnlich an Hochschulen findet, zu tun, sondern mit der Personalrekrutierung in „außeruniversitären Forschungseinrichtungen“.

Aber damit ist der Wahnsinn immer noch nicht durch, im Beitrag von Nina Steinweg, Natalie Pawlak und David Brodesser vom CEWS, sie erinnern sich, CEWS, walisisch für Käse, wenn man es falsch schreibt, in dem es vor geschlechtergerechter Sensibilität so sehr wimmelt, dass die verstandessensible Erstellung des eigenen Textes offensichtlich in den Hintergrund geraten ist, in jenem Beitrag stehen die folgenden beiden klassischen, wie soll man sie nennen? Idiotien? Geistige Katastrophen? CAWS?

“Die Ergebnisse sind aufgrund der hohen Rücklaufquote von 34,5 Prozent für die gemeinsamen Berufungsverfahren repräsentativ“.

Wir lernen, ein Ergebnis ist dann repräsentativ, wenn die Rücklaufquote 34,5% beträgt und von Steinweg und CEWS- Insassen als hoch angesehen wird. Wer der Meinung war, Daten in einer Stichprobe seinen repräsentativ oder eben nicht, der sieht sich getäuscht. Ergebnisse sind’s. Wer dachte, Repräsentativität sei eine Eigenschaft von Datensätzen mit Bezug auf die Verteilung bestimmter Merkmale in einer Grundgesamtheit, der sieht sich getäuscht: 34,5% sind repräsentativ. Die Menge macht’s.

Prof FacepalmWenn das die Exzellenz von Women and Science ist, dann ist uns schon ganz Angst und Bange vor der Inkompetenz von Women and Science. In jedem Fall sieht man, dass der Gebrauch von wissenschaftlichen Konzepten, hier: Repräsentativität, durch Women in Exzellenz auch möglich ist, wenn die Exzellenz unabhängig oder bar jeder Kompetenz ist.
Und damit sind wir noch nicht am Ende, denn es gib noch viel mehr Material im CEWS-Beitrag, das repräsentativ für das Fehlen von Kompetenz auf Seiten der Autoren ist. Der vielleicht beste Heuler findet sich zum Schluss des Werkes, quasi als Ausklang der Predigt an die Gemeinde der gendersesiblen Gläubigen:

“Angesichts des Fokus auf der Unterrepräsentanz von Frauen in der Wissenschaft sollte jedoch nicht vergessen werden, dass Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft sowie gendersensible Forschung und Lehre nicht allein eine Frage der (besten) Köpfe ist, sondern die Wissenschaft vor grundlegenderen Herausforderungen steht im Hinblick auf Geschlecht, Macht und Wissen“.

Wir werden hoffentlich nie erfahren, vor welchen Herausforderungen Steinweg und Konsorten die Wissenschaft noch wähnen. Die Herausforderung, die kognitive Herausforderung „CEWS“, jener Anschlag auf den Verstand, sie ist eigentlich ausreichend. Und wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass die Exzellenz Women and Science der Meinung sind, es käme nicht auf die besten Köpfe an, sondern auf die richtige Verteilung von Geschlechtsteilen in der Wissenschaft, dann kann man nur sagen: Dass die deutsche Wissenschaft, vor allem die Sozialwissenschaften einen rasanten Verfall an Methoden, Standards, Relevanz und Kompetenz erfahren, es muss mit der Exzellenz von Women and Science zusammenhängen. Gendersensible Besetzung von Positionen an Hochschulen, ohne Blick darauf, ob der entsprechende z.B. über das Professorinnenprogramm berufene Kopf auch der beste ist, sie verträgt sich offensichtlich nicht mit vernunftsensibler und rationaler Wissenschaft. Women and Exzellenz gibt es offensichtlich nur außerhalb von CEWS und staatlichen Förderprogrammen.

Wir protestieren auf das Schärfste gegen dieses vernunfts- und verstandesunsensible Recycling von Gender-Unsinn bei academics.de!

 

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„Lola für Lulu“: Ahnungslose finanzieren mit Steuergeldern Ahnungslose

In diesen Tagen mehren sich bei uns wieder einmal die Hinweise auf die Amadeu-Antonio-Stiftung, jene Stiftung, die weitgehend am Tropf des Bundesministeriums für FSFJ hängt, also aus Steuergeldern finanziert wird und die Ihrerseits unterschiedliche „Projekte“ finanziert, mit diesen Steuergeldern, die dem Kampf gegen das Böse in der Welt gewidmet sind.

lola_transProjekte wie „Lola für Lulu„. Sie haben richtig gelesen. Und der bescheuerte Name ist nicht unsere Erfindung, sondern eine Kopfgeburt der AA-Stiftung (Wir werden die Amadeu-Antonio-Stiftung ab sofort nur noch AA-Stiftung nennen, da die dort Beschäftigten eine kognitive Welt mit Kleinkindern zu teilen scheinen.)

Bei „Lola für Lulu“ wird der Kampf gegen den Rechtsextremismus geführt, und zwar von zwei Erziehungswissenschaftlerinnen (Heike Radvan, Esther Lehnert) und einer Kulturwissenschaftlerin (Stella Hindemith), also von nicht ausgewiesenen Größen der Rechtsextremismusforschung, die dennoch in Fortbildungsseminaren Erzieher und Lehrer mit dem Phänomen „Rechtsextremismus“ vertraut machen und sie dagegen wappnen wollen.

Davon, was man in den entsprechenden „Fortbildungen“ zu erwarten hat, kann man sich u.a. in einem Flyer mit dem Titel „Rechtsextremismus und Ideologien der Ungleichwertigkeit“ einen Eindruck verschaffen, einen grusligen Eindruck, denn die Kenntnisse zu Rechtsextremismus, einen Forschungsgebiet, das nunmehr seit rund 60 Jahren von Sozialwissenschaftlern, vornehmlich Soziologen und Politikwissenschaftlern, von oben nach unten und von rechts nach links beackert wird, die Kenntnisse zum Gegenstand der Finanzierung von „Lola für Lulu“ bei denen, die diese Finanzierung aufsaugen, um sich ein nettes Auskommen zu verschaffen, sie sind schlicht nicht vorhanden.

Es beginnt damit, dass Neonazismus und Rechtsextremismus und somit zwei vollkommen unterschiedliche Phänomene als Synonym gebraucht und durcheinander geworden werden. Rechtsextremismus und Neonazismus sind irgendwie eines und finden sich auch in der Mitte. Kurz: Rechtsextremisten sind Neonazis der Mitte oder war es:  Neonazis sind die Mitte des Rechtsextremismus? Vielleicht waren es auch mittige Rechtsextremisten, die Neonazis waren. Derlei Unsinn mag in die ideologische Welt der „Lolas für Lulu“ passen, aber nicht in die wissenschaftliche Diskussion, in der seit rund 60 Jahren eine klare Trennlinie zwischen Neonazismus und Rechtsextremismus verläuft.

LolaLulu2.jpgNeonazismus ist ein Phänomen, das vornehmlich in den 1970er und 1980er Jahren beforscht wurde und sich mit z.B. der Wehrsportgruppe Hoffmann befasst hat, während Rechtsextremismus eine ideologische Strömung bezeichnet, die nichts mit Neonazismus gemein hat, umgekehrt können Neonazis durchaus etwas mit Rechtsextremismus gemein haben, weshalb z.B. Armin Pfahl Traughber, einer der langjährigen Forscher im Feld, der NPD schon 1999 eine Scharnierfunktion zwischen Rechtsextremismus und Neonazismus zugewiesen hat (auf Seite 103 seines Aufsatzes). Scharnier kann die NPD nur dann zwischen Rechtsextremismus und Neonazismus sein, wenn beide verschieden sind, damit unterschiedliche Phänomene, einmal eine direkte Provenienz von Teilen der NSDAP-Welt, einmal eine ideologische Richtung, in der bestimmte Inhalte, die es nicht unbedingt in der NSDAP-Welt gegeben hat, bearbeitet werden.

Wer zum Thema Rechtsextremismus arbeitet, dem sollte das geläufig sein. Bei den drei Lolas von Lulu ist das offensichtlich nicht der Fall. Die Sprachverwirrung, die sich mit dem Bau des rechtsextremen Turms zu Babel verbindet, gibt es übrigens nicht erst seit gestern. Seit etlichen Jahrzehnten kämpfen Wissenschaftler damit, dass ideologisierte Tölpel sich ihrer Begriffe bemächtigen und sie bis zur Unkenntlichkeit durcheinander werfen. Uwe Backes, der Großmeister der deutschen Extremismusforschung hat die Ursachen dafür wie folgt zusammengefasst:

„Wo sich politische und wissenschaftliche Motive kreuzen, leidet notgedrungen auch die Begriffsverwendung, deren Klarheit und Einheitlichkeit in wissenschaftlichen Diskussionen wünschenswert ist. Eine babylonische Sprachverwirrung kann jedoch auch eintreten, wenn zahlreiche Begriffsvarianten nebeneinander existieren und mehr oder weniger wahllos gebraucht werden. Auf dem Markt der Rechtsextremismusliteratur beispielsweise behaupten sich hartnäckig Termini wie ‚Rechtsradikalismus‘, ‚Neonazismus‘, ‚Neofaschismus‘, ‚Postfaschismus‘ jeweils mit wechselnden und zum Teil diffusen Inhalten. Willibald I. Hölzer hat den wechselseitigen Abhängigkeiten von Begriffsbildung, methodischen und theoretischen Ansätzen sowie politischen Implikationen nachgespürt. Die ‚leidige Begriffskonfusion‘ sei weniger Resultat unterschiedlicher Konzepte als vielmehr meist unartikulierter politischer Interessen.“ (Backes, 2013[zuerst 1989]: 75-76).

Die Begriffsvermengung, der rechtsextreme Neonazismus-Brei, den die Lolas von Lulu anrühren, sie kann also als Ergebnis der politischen Köche, die bekanntlich jeden Brei verderben, angesehen werden.

LolaLulu1Das die ideologische Einflussnahme gar nicht notwendig gewesen wäre, um den Textausstoß der drei Lolas von Lulu nur dazu geeignet erscheinen zu lassen, um den Reißwolf zu füttern und alles dem geschredderten Vergessen anheim zu stellen, wird deutlich, wenn man folgende Indizien einer mangelnden Beteiligung kognitiver Einflüsse an den Textergüssen der Lolas zusammenstellt.

Die drei Lolas schreiben:

„GMF [Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit] heißt, dass Menschen in Gruppen sortiert werden und dass bestimmte Gruppen abgewertet werden, um die eigene Gruppe aufzuwerten. Das passiert so: Bestimmte negative Merkmale (wie faul, unmoralisch, unehrlich oder unaufgeklärt) werden anderen unterstellt, um dadurch sich selbst davon freizusprechen.“

Sie haben die Definition der Lolas, die von GMF [Genderly Modified Flubdub] noch in Erinnerung?

Das schreiben die drei Lolas von Lulu:

Neonazis, also alle, die von den Lolas in die Gruppe der Neonazis sortiert werden, sind „unangenehm, demokratiefeindlich, gewalttätig … rassistisch, das heißt, sie sind gegen Menschen, die nicht weiß sind. Sie sind antisemitisch; sie haben etwas gegen Juden und Jüdinnen. … Sie greifen Wohnungslose, Menschen mit Behinderungen, Punks oder jene an, die sie als politisch ‚links‘ oder ‚fremd‘ einordnen. … Neonazis provozieren … verhöhnen …“

Mit diesen Aussagen sortieren die drei Lolas „Menschen in Gruppen“, hier die Gruppe der Neonazis. Sie werten diese Gruppe ab, indem sie allen Neonazis „negative Merkmale“(unangenehm, demokratiefeindlich, rassistisch, gewalttätig) unterstellen, „um dadurch sich selbst … freizusprechen“ und „die eigene Gruppe aufzuwerten“.

Nach ihrer eigenen Definition qualifizieren sich die drei Lolas somit als gruppenbezogene Menschenfeinde und Rassisten. Wer hätte das gedacht!

Prof FacepalmDer unbestritten größte Unsinn, den die drei Lolas von sich geben, lautet jedoch: „Neonazis sind rassistisch: Das heißt, sie sind gegen Menschen, die nicht weiß sind“. Rassismus ist, wenn man gegen Menschen ist, die nicht weiß sind, was bedeutet, die armen Afrikaner, so sie denn nicht weiß sind, die Chinesen, die Araber, die Südamerikaner (Ureinwohner), sie können alle nicht rassistisch sein, denn Rassismus ist ausschließlich ein Merkmal der in Punkto Rassismus überlegenen weißen Rasse, was die drei Lolas abermals zu Rassisten macht, oder zu Ahnungslosen, die nicht davor zurückschrecken, ihre Ahnungslosigkeit zu dokumentieren, für jeden, zum Nachlesen.

Derartige diskognitive Schamlosigkeit ist eines, dass derartige Unsinn aus Steuergeldern finanziert wird, vermutlich von ebenso Ahnungslosen, die nicht wissen, was sie sonst mit dem Geld machen sollen, das andere durch ihre Arbeit verdient haben, ist ein anderes und eines, das man langsam beenden muss – oder gibt es in Deutschland zu viel Geld? Angesichts der Zustände in Altenheimen, in denen Menschen in Dreibettzimmer zusammengepfercht werden, hat man nicht den Eindruck.

Also, was wollen Deutsche: Drei Lolas von Lulu, die ihren Unsinn in die Welt emittieren, und zwar in Fortbildungen für Erzieher und Lehrer oder Alte, die ihren Lebensabend in Würde verbringen können, selbst in einem Altenheim?

Wer eine begründete Petition, in der das Ende der Finanzierung der AA-Stiftung aus Steuergeldern gefordert wird, auf die Beine stellt, kann sich unserer Unterstützung gewiss sein.

 

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