Fachtagung: Intolerante Zupfmusik [Wahnsinns-Crescendo]

Immer wenn man denkt, man hätte schon jeden Irrsinn gelesen…

An der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz findet eine Fachtagung statt. Johannes Gutenberg, das ist der Typ, der den Buchdruck erfunden hat. Also etwas Nützliches, etwas, das gesellschaftliche Produktivität befördert hat.

Wer nun erwartet, dass an Universitäten, die den Namen „Johannes Gutenberg“ tragen, Sinnvolles, Nützliches, ja etwas erforscht wird, was den Wohlstand der Bevölkerung positiv und nicht etwa negativ beeinflusst, der hat seine Rechnung ohne Stefanie Acquavella-Rauch gemacht. Acquavella-Rauch erwartet „Wissenschaftler aus dem In- und Ausland“ um vom 7. bis zum 9- Juni 2018 über „Toleranz und Intoleranz in der Musik – dargestellt am Beispiel der Zupfmusik“ zu schwadronieren.

„Musik mit Mandoline, verschiedenen Gitarrenarten, Zither und Harfe, findet häufig in Nischen statt und ist an kulturellen Schnittstellen angesiedelt“, so verlautbart die Pressestelle der Universität Mainz. „Diese Ansiedlung an und auf Grenzen bringt es mit sich, dass Unterschiede wahrgenommen, ausgehalten oder abgewehrt werden müssen. Dadurch werden Toleranz und Intoleranz zu zentralen musiksoziologischen Kategorien, die Einblick in musikkulturelle Entwicklungen geben, wie sie auch in anderen Bereichen anzutreffen [sind], aber nicht immer untersucht werden“.

Das ist typisches Dummdeutsch. In dem gesamten Absatz, der gespickt ist, mit Worten, die ins Leere, Pardon: „in andere Bereiche“ verweisen, die dadurch (wodurch auch immer) „zu zentralen musiksoziologischen Kategorien“ werden, steht letztlich nur: Menschen sind unterschiedlich und manche spielen zudem noch auf Zupfinstrumenten herum.

Eine Fachtagung, die sich damit beschäftigt, dass unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Kontexten auf Saiteninstrumenten herumzupfen? Das kann nicht der Ernst der Universität Mainz sein – oder? Ist es aber. Denn natürlich zeichnen sich auch die Veranstalter aus Mainz durch das aus, was derzeit die institutionelle Wissenschaft mehr als alles andere auszeichnet: Vollständigen Stumpfsinn und absolute Phantasielosigkeit.

Intermezzo: Ein gezupfter Beitrag auf einer kulturellen Schnittstelle oder Grenze oder so:

Welche Themen werden derzeit ständig, obwohl bereits im Verwesungszustand, per Mund zu Mundbeatmung wiederzubeleben versucht?

Richtig: Rassismus und Genderismus.
Beide Themen haben sich so abgenutzt, dass sich nur noch unbekannter akademischer Nachwuchs findet, um sich vor den Karren der Ewiggestrigen spannen zu lassen.

Was also ist Intoleranz mit Zupfinstrumenten?

Die Frage ist nun leicht zu beantworten.

Allegro: Nothing Else Matters: Einblick in musikkulturelle Entwicklungen

Vortrag 1: Hetzen mit Gitarre. Behandelt werden Liedermacher der extremen Rechten, nicht etwa Liedermacher der extremen Linken.

Vortrag 2: Gender-Strategien im viktorianischen England.

Vortrag 3: Intoleranz und Sexismus im Berufsalltag von Harfistinnen.

Diese brennenden Themen, die so interessant sind, dass selbst ein in Meditation Geübter Selbstmord begehen würde, können Abgestumpfte in Mainz anhören. Die Finanzierung tragen wie immer die Steuerzahler.

Wäre es nicht so vorhersagbar dämmlich und so teuer für Steuerzahler , man könnte darüber lachen. Die Frage nach dem Erkenntnisgewinn, die ist uns im Halse stecken geblieben.

Scherzo: Wahrnehmen und Aushalten von Unterschieden


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Parteivize der SPD: Nationaler-Sozialdemokrat, Patriot, Nationalist, Freund des „dreimal herrlichen Deutschland“

Das Schicksal mancher Kulturgüter ist, wie schon Theodor W. Adorno angemerkt hat, dann besiegelt, wenn sie zum Massengut werden. Dann sinkt das Kulturgut, bei Adorno z.B. die klassische Musik, es wird zur Massenware, zum Gegenstand von Massenkonsum, wird, um einen Ausdruck von Ralf Stegner zu benutzen, zu dem wir gleich kommen, befleckt. Denn die Massen haben nicht das Verständnis, das notwendig ist, um z.B. klassische Musik als das Kulturgut zu würdigen, das sie für Adorno und andere darstellt – so die Idee.

Was für klassische Musik gilt, kann auf die unterschiedlichsten kulturellen Güter ausgeweitet werden, mit denen der Versuch einhergeht, sich von anderen zu unterscheiden. Kleckse von Miro an der Wand, Devotionalien aus ägyptischen Gräbern, Vasen aus chinesischen Dynastien, Tennis auf dem eigenen Platz, Golf mit Seinesgleichen, einst waren es Zeichen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse, heute hat jeder, der sich für Mittelschicht hält, einen Klecks von Mirokoschka oder anderen an der Wand, spielt Tennis mit Rückhand, Golf mit Handycap und sammelt chinesische Replika-Vasen. Kulturgüter fallen und wenn sie fallen, verlieren sie ihren Wert als Mittel der Distinktion.

Was Adorno letztlich an der Kulturvermassung gestört hat, war, dass damit der Gehalt, der Sinn, die Bedeutung von Kulturgütern verloren geht. Sie werden von der sinnlichen Erfahrung zum Titel, der einen Sendeplatz im Radio einnimmt. Sie werden zur Hülse, steril und leer.

Das gleiche Schicksal ereilt zuweilen das Kulturgut des Wissens. Liegen Ereignisse weit genug zurück, dann werden sie zur Hülse, die unter einem bestimmten Begriff abgelegt wurde und mit einer bestimmten affektiven Konnotation versehen in den Mythenbestand einer Gesellschaft eingebaut wird. Als solcher Teil eines Mythos steht der Begriff dann zum Missbrauch durch politische Aktivisten bereit, die den Mund in einem Ausmaß voll nehmen, das im umgekehrten Verhältnis zu ihrem Wissen steht.

Ein solcher Mythos umrankt das Fest auf dem Hambacher Schloss, zu dem 1832 der Verleger Philipp Jakob Siebenpfeiffer aufgerufen hat (ohne das seine Autoren dagegen protestiert haben, übrigens) und auf dem er gemeinsam mit Johann Georg August Wirth und Friedrich Schüler Hauptredner war. Das Fest wird in der Zwischenzeit zu einem Meilenstein der Demokratie und Freiheit verklärt und von all denen reklamiert, die sich für Demokraten halten, z.B. von Ralf Stegner:

Mit zunehmender Dauer, die wir ScienceFiles betreiben, verschwindet die Bereitschaft, Wortmeldungen von politische Aktivisten in der Öffentlichkeit zu akzeptieren oder gar zu tolerieren, die an Unkenntnis und Ahnungslosigkeit kaum zu überbieten sind. Denn obwohl das Hambacher Fest ein Fest war, das sich gegen die Kleinfürsterei nach dem Wiener Kongress gerichtet hat, war es mitnichten ein Freiheitsfest in dem Sinne, wie Ralf Stegner mit seinem Tweet nahelegen will.

Jedenfalls dann nicht, wenn der Vizevorsitzende der SPD nicht über Nacht zu einem Patrioten, Nationalisten, Anbeter des „dreimal herrlichen Deutschlands“, zu einem nationalen Sozialdemokraten geworden ist. Aber wer weiß, vielleicht ist er das ja?

Um einen Eindruck davon zu geben, in welchem Klima das Hambacher Fest stattgefunden hat und worüber dort gesprochen wurde, haben wir ein paar Fundstücke zusammengestellt, die der Monographie von Johann Georg August Wirth „Das Nationalfest der Deutschen zu Hambach“ aus dem Jahre 1832 entnommen sind. Bereits der Titel „Nationalfest der Deutschen“ sollte denen, die das Hambacher Fest für ihre politischen Zwecke missbrauchen wollen, dann Einhalt gebieten, wenn sie zur politischen Linke gehören…

„Mit stürmischem Enthusiasmus“, so schreibt Wirth, hätten die auf dem Hambacher Schloss Versammelten ein Lied gesungen, das Siebenpfeiffer für 300 Handwerksburschen gedichtet habe.

Hier ein Auszug aus dem Lied:


Hinauf Patrioten! Zum Schloss!

Hoch flattern die deutschen Farben.
Es keimet die Saat und die Hoffnung ist groß,
Schon binden im Geiste wir Garben
Es reifet die Ähre mit goldenem Rand
Und die goldene Erndt‘ ist das – Vaterland.

[…]

Wenn einer im Kampfe für alle steht,
Und alle für einen, dann blühet
Des Volkes Kraft und Majestät,
Und jeglich’ Herz erglühet,
Für ein einiges Ziel, für ein einziges Gut,
Es brennet der Freiheit, des Vaterlands Glut.

Drum auf, Patrioten! Der Welt sei kund,
dass eng, wie wir stehen gegliedert,
und dauernd wie Fels der ewige Bund,
wozu wir uns heute verbrüdert.
Frisch auf, Patrioten den Berg hinauf!
Wir pflanzen der Freiheit das Vaterland auf.

Die Freiheit, die auf dem Hambacher Fest beschworen wurde, war die Freiheit im Vaterland, im einigen Deutschland, die Freiheit, die es nach Ansicht der Redner nur im geeinten Vaterland der Deutschen (Germanen) geben konnte.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer hat dies in seiner Rede unter anderem in die folgenden Sätze gepackt:

„Ja, er wird kommen der Tag, wo ein gemeinsames deutsches Vaterland sich erhebt, das alle Söhne als Bürger begrüßt, und alle Bürger mit gleicher Liebe, mit gleichem Schutz umfasst, wo die erhabene Germania dasteht, auf dem erzenen Piedestal der Freiheit und des Rechts, in der einen Hand die Fackel der Aufklärung, welche zivilisierend hinaus leuchtet in die fernsten Winkel der Erde, in der anderen die Waage des Schiedsrichteramtes, streitenden Völkern das selbsterbetene Gesetz des Friedens spendend …“

Wer hätte gedacht, dass Ralf Stegner ein solcher Patriot und Nationalist ist, der den Rest der Welt mit dem erfreuen will, was man kurze Zeit später das deutsche Wesen genannt hat. 

Johann Georg August Wirth hat auf dem Hambacher Fest, dessen Andenken Stegner nicht besudelt haben will, so etwas wie die Grundsatzrede gehalten. Wir zitieren aus der programmatischen Rede, die Stegner rein erhalten will und der er sich entsprechend vollumfänglich anschließen muss:

„Wenn dagegen die reinsten, fähigsten und mutigsten Patrioten über die zweckmäßigste Reform unseres Landes sich verständiget und zugleich sich verbunden haben, um durch eigene Journale die öffentliche Meinung des Gesamtvolkes für diese Reform zu gewinnen, wenn auch nur 20 an Geist, Feuereifer und Charakter ausgezeichnete Männer einen solchen Bund geschlossen und nun dem guten Volke die unabweisliche Notwendigkeit seiner politischen Veredelung sowie das dringende Bedürfnis der durchgreifenden Reform des Vaterlandes täglich mit Flammenzungen in das Herz schrieben, wenn solche Männer den Nationalstolz, das Gefühl der Bürgerwürde und die Flamme der Freiheitsliebe durch die Glut begeisternder Rede in allen deutschen Gauen erwecken, wenn nur 20 solcher Männer zu einem geregelten Zusammenwirken verbunden und von einem Manne ihres Vertrauens geleitet, der Nation das schöne Schauspiel eines göttlich begeisternden Kampfes für das Vaterland, für unser angebetetes, dreimal herrliches Deutschland täglich vor Augen stellen, nie erzittern, nie erbleichen, wenn sie alle Verfolgung von Seiten der Vaterlandsverräter mit Freudigkeit ertragen, wenn sie der Gewalt kein haarbreit weichen und lieber 1000mal sich zermalmen lassen, als von ihrem heiligen Kampfe abzustehen, wenn endlich die guten Bürger in den lichteren Gegenden unseres Landes das Wirken solcher Männer durch das Verbreiten deren Schriften öffentlich oder im Stillen unterstützen, ja fürwahr, dann wird, dann muss das große Werk gelingen, die verräterische Gewalt wird von der Weihe der Vaterlandsliebe und vor der Allmacht der öffentlichen Meinung in den Staub sinken, Deutschland wird die Freiheit und den Frieden sehen, es wird zur herrlichen Macht und Größe emporblühen. Niemand kann hieran zweifeln“.

Wir hätten wirklich nicht gedacht, dass Ralf Stegner sich solchen Reden verbunden sieht, dass in ihm ein nationaler Patriot schlummert, der das Andenken an das Fest rein erhalten will, das dem dreimal herrlichen Deutschland gewidmet war und zum Ziel hatte, ein einig Vaterland zu schaffen, das zu Macht und Größe emporblühen und zur Richtschnur der Welt werden kann.

Ralf Stegner ein patriotischer, ein nationaler Sozialdemokrat, wenn nicht Sozialist!?

Wer hätte das gedacht.

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Dummes Geschwätz: Arbeit, die arm macht [Göring-Eckhart]

So langsam überlegen wir uns, eine neue Kategorie einzurichten. Gegenstand: Dummes Geschwätz von Personen, die öffentliche Positionen besetzen. Dummes Geschwätz ist ein schöner Begriff für die sinnlose Aneinanderreihung von Worten. Eine solche Kategorie oder vielleicht eine eigenständige Seite, lebt natürlich davon, dass uns Leser unterstützen, mit dummem Geschwätz von z.B. Politikern oder von Funktionären, das wir auseinandernehmen können und finanziell, denn auch Blogger müssen von etwas leben.

Doch zurück zur sinnlosen Aneinanderreihung von Worten, die es in mehreren Formen gibt:

und in vielen weiteren Ausprägungen, die wir noch nicht kategorisiert haben.

Arbeit, die arm macht.

Ein Leser, dem unser Beitrag zu Anton Hofreiter einen Anstoß verpasst zu haben scheint, hat uns eine Aussage von der grünen Katrin Göring-Eckhart zugeschickt, die da lautet:

• Was wir brauchen: Löhne, die zum Leben reichen statt Arbeit, die arm macht.

Personen, die uns ungefragt sagen, was wir brauchen, mögen wir besonders gerne. Aussagen, in denen ein vollumfängliches wir vorkommt und in denen diesem vollumfänglichen wir eine unumgängliche Notwendigkeit zugeordnet wird, zeugen immer davon, dass diejenigen, die sie treffen, entweder dogmatische Persönlichkeiten sind oder kognitive Beschränkungen vorweisen, die bedenklich sind. Aber lassen wir das.

Die Arbeit, die arm macht, die fasziniert uns.

Armut muss man im Zusammenhang der Wortansammlung oben als etwas definieren, das in der Abwesenheit von Geld seinen Niederschlag findet. Wenn Armut die Abwesenheit von Geld oder die Anwesenheit von sehr wenig Geld ist, dann muss Arbeit, die arm macht, Arbeit sein, für die man bezahlen muss.

Nun stellt sich die Frage, wer ist derjenige, der hier bezahlt?

Ist er ein Arbeitgeber, der es sich nicht leisten kann, horrende Löhne zu bezahlen, das dennoch tut und arm wird? (Alternative 1)
Oder ist es ein Arbeitnehmer, der dafür, dass er arbeitet, auch noch bezahlen muss? (Alternative 2)

Oder sind es beide, die zwar Lohn bezahlen oder arbeiten, aber von einem Staat und seinen Steuern in einer Weise gemolken werden, die beide nach Arbeit schlechter dastehen lässt als vor Arbeit? (Alternative 3)

Wir wissen es nicht.
Aber wir wissen, dass es erstaunlich wäre, wenn sich Grüne für Arbeitgeber ins Zeug legen würden. Damit ist Alternative 1 aus dem Rennen. Zudem sind Grüne staatsgläubig und sehen keinen Grund, Besteuerung zu reduzieren. Im Gegenteil. Damit ist Alternative 3 aus dem Rennen.

Es bleiben die Arbeitnehmer, die dadurch arm werden, dass sie Geld bezahlen, um arbeiten zu dürfen.
Damit sie in diesem Prozess arm werden können, müssen sie zuvor reich gewesen sein oder in jedem Fall nicht arm, nur so können sie durch Arbeit arm werden.
Wenn aber ein Arbeiter, der nicht arm ist, durch Arbeit arm wird, dann fragt man sich, ob er etwas an der Waffel hat bzw. aus welchem sonstigen Grund er arbeiten geht.
Und egal, was man sich fragt, immer kommt man entweder bei der Feststellung an, dass Göring-Eckhart dumm geschwätzt hat oder bei der Feststellung, dass sie Irre zu ihrer Klientel zählt, solche nämlich, die reich sind und sich arm arbeiten.

Die Frage, wie man einen solche Unsinn absondern kann, wie Göring-Eckart, steht im Raum. Am Versuch einer Antwort, die entweder eine sozialpsychologische, eine neurologische, eine psychologische oder eine psychiatrische sein kann, arbeiten wir…

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Kulturkampf: Anton Hofreiter rottet Insekten aus

Was uns an Politikern häufig regelrecht den Atem nimmt, ist die Sicherheit, mit der sie über Dinge schwadronieren, von denen sie keinerlei Ahnung haben. Sie klären ihre Zuhörer über ökonomische Zusammenhänge auf, kennen alle Motive, die menschliches Leben in Handlungen zum Ausdruck bringen kann, wissen immer genau was richtig ist und haben ihre grenzenlosen und zweifelsfreien Wissensbestände häufig ohne jede Form der entsprechenden Ausbildung erworben. Viele Politiker sind eben wahre Monster des Wissens, der Kompetenz und der kognitiven Einsicht. Da fragt man sich nur, warum sie ihre vielen Kompetenzen und Kenntnisse als Politiker verschwenden, wo sie doch in jedem beliebigen Bereich, den sie sich wählen, ein Vermögen nach dem nächsten aufgrund ihrer guten Ideen anhäufen können?

Vielleicht bilden sich viel, die meisten, alle [Unzutreffendes streichen]Politiker ja nur ein, sie wüssten etwas, tatsächlich wissen sie aber gar nichts. Vielleicht sind viele, die meisten, alle [Unzutreffendes streichen] Politiker einfach nur Spruchbeutel, die ihre Zuhörer für dumm halten und denken, sie kämen mit jedem Unsinn, den sie von sich geben, durch.

Szenenwechsel.

Ein Leser, der sich große Verdienste in der Erforschung lokaler Artenvielfalt erworben hat, besonders um Bachläufe herum, hat einem Vortrag von Anton Hofreiter, seines Zeichens grüner Bundestagsabgeordneter, gelauscht, einem Vortrag über Artenvielfalt und Insektensterben, in dessen Verlauf Hofreiter verkündet hat, dass die Insekten zu 75% gestorben sind. 75%, weder mehr noch weniger.

Unser Leser hat dies zum Anlass genommen, die folgende Frage zu stellen:

“Sie haben hier vom Insektensterben in Höhe von 75 % in den letzten Jahren gesprochen. Ich nehme mal an, dass es sich um die Studie von Hallmann handelt. Diese vergleicht die Werte von 1989 und 2016. Kritiker stellen fest, dass das Sterben im Vergleich zu 2014 nur rund 23% bedeutet hätte. Demnach müsste der größte Teil des Sterbens in den zwei Jahren danach stattgefunden haben. Wo sehen Sie die Ursache?”

Unser Leser berichtet weiter:

„Es folgten drei andere Fragen. Danach übertrug der Moderator ihm das Wort. Herr Hofreiter sagte gleich, dass er meine Frage zuerst beantworten wolle. In einem relativ strengen Tonfall belehrte er mich, dass so ein Sterben in Wellenform stattfinde und man durch solche Kurven einen Mittelwert ziehen müsse. 2014 wäre eben ein besonders gutes Jahr für Insekten gewesen, deshalb fiele das Ergebnis deutlich niedriger aus, der Mittelwert sei dann aber besagte 75 %.“

Es kommt eben nicht zusammen, was nicht zusammengehört.
Hofreiter und der Mittelwert sind inkommensurabel. Nichts vermittelt zwischen der Kenntnis, die ein ordinärer Mittelwert von seinem Nutzer erwartet und den Kenntnissen, die Hofreiter hier Andere belehrend, von sich zu geben können glaubt.

Die Rechnung von Hofreiter basiert auf den folgenden Bekannten:

  • Wir haben die Jahre von 1989 bis 2016.
  • Im Vergleich der Jahre 1989 und 2014 sind 23% weniger Insekten gefunden worden.

Das hat unser Leser vorgegeben, und Hofreiter hat es akzeptiert, wie seine Antwort zeigt.
Hofreiter ergänzt:

  • Insektensterben verläuft wellenförmig.
  • 23% stünden eben für ein gutes Jahr.
  • Der Mittelwert über die Jahre betrachtet sei aber 75%.

Wir haben auf Grundlage dieser Informationen einmal berechnet, wie das vermeintliche Insektensterben von 1989 bis 2016 jährlich ausgefallen sein müsste, um (1) wellenförmig zu verlaufen, (2) 2014 den Wert 23% anzunehmen und (3) insgesamt einen Mittelwert von 75% aufzuweisen.

Die Rechnung findet sich in der folgenden Tabelle.

Im ersten Beispiel nehmen wir eine Welle mit den Amplituden von 23% und 85% an. Problem: Der Mittelwert beträgt nur 53,64% bleibt damit deutlich unter 75%. Also haben wir die Verteilung gestaucht: 33% und 65% sind es nun, zwischen denen das Insektensterben oszilliert. Der Mittelwert ist noch geringer, beträgt nur 49%. Die Wellenbewegung zwischen 90% und 45% erbringt, wie man in Spalte fünf sehen kann, einen Wert, der schon nahe an die 75% herankommt, aber immer noch hinter dem Ziel zurückbleibt. Nicht einmal Werte von 95% und 55% reichen aus, um den Wert, den Hofreiter als Mittelwert verkaufen will, zu erreichen.

Nun verbindet sich, wie die folgende Abbildung zeigt, mit dem Ganzen ein kleines Problem, denn in allen Fällen, in denen wir versucht haben, den Hofreiterschen Mittelwert zu erreichen, haben wir nach nur wenigen Jahren, die komplette Insektenpopulation ausgerottet. In der Regel dauert es nur sechs Jahre, ehe, nach der Hofreiterschen Logik, keine Insekten mehr vorhanden sind. Nachdem wir uns draußen vergewissert haben, dass es noch Insekten gibt, müssen wir somit feststellen, dass Hofreiter offensichtlich Unsinn erzählt.

Aber vielleicht tun wir ihm Unrecht und er denkt, das Insektensterben habe seit den 23%, von denen unser Leser berichtet, also seit 2014 so viel Fahrt aufgenommen, dass mittlerweile im Mittel 75% der Insekten ausgestorben sind. Dummerweise, so zeigt die letzte Spalte der Tabelle, wird auch so kein statistischer Schuh daraus. Damit wir 75% der Insektenpopulation im Durchschnitt der Jahre 1989 bis 2016 verschwinden lassen können, müssen wir die Insektenpopulation im Jahre 2015 statistisch 4,5 Mal ausrotten und im Jahr darauf gleich – for good measure – noch einmal 10 Mal.

Es führt kein Weg daran vorbei.

Hofreiter hat Unsinn erzählt, großen Unsinn. Er hat dies nach dem Bericht unseres Lesers in einem belehrenden Ton getan, was vermuten lässt, dass er geglaubt hat, was er erzählt hat.

Was ist nun schlimmer: Ein Politiker, der den Unsinn glaubt, den er verbreitet oder ein Politiker, der weiß, dass er nichts weiß, aber denkt, dass er nichts weiß, weiß außer ihm niemand, weshalb er versuchen kann, sein Nichtwissen Dritten als Kenntnis zu verkaufen und diese Dritten auch noch zu belehren?

Die Studie, auf die sich Hofreiter bezieht, haben wir hier besprochen.


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Männer, die sich als Frau definieren, sollen sich an der Uni Köln bewerben

Immer wenn man denkt, man können den Unsinn, der als Genderismus daherkommt, nicht mehr steigern, schickt uns ein Leser eine Ausschreibung aus dem Professorinnenprogramm.

Bislang haben wir angenommen, das Professorinnenprogramm sei ein Programm, das Frauen bevorzugt und Männer diskriminiert. Aber das ist gar nicht so. Das Professorinnenprogramm ist ein Programm, das alle diskriminiert, die sich nicht als Frau fühlen.

Diese Erkenntnis verdanken wir der Ausschreibung einer Gastdozentur „Gender & Queer Studies“ an der Universität zu Köln, die nach E13 (klingt wie E605) bezahlt wird, ein ganzes Jahr lang.

Und weil es so schön ist, zitieren wir aus der Ausschreibung:

„Mit dieser Maßnahme wird das Ziel verfolgt den Anteil von Professorinnen zu erhöhen und Frauen*1 auf dem Weg der Weiterqualifizierung und ihrer akademischen Karriere zu unterstützen. Grundlage hierfür ist der Befund, dass der Anteil von Promovendinnen in den Universitäten zwar verhältnismäßig hoch ist, die Zahl der Frauen* auf Post-Doc Stellen demgegenüber aber eine starke Diskrepanz aufweist.“

Wir hoffen, Asterix und 1 sind Ihnen nicht entgangen. Die zugehörige Fußnote (zur 1 nicht zum Asterix), die lautet wie folgt:

1 Das Sternchen* weist darauf hin, dass mit dem Begriff „Frauen“ alle Personen gemeint sind, die sich als solche definieren bzw. sich als Frauen angesprochen fühlen. Somit bezieht sich der Begriff „Frauen“ hier nicht ausschließlich auf das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht.“

Genderismus geht offensichtlich auf die Neuronen.
Nicht Frauen werden gefördert, sondern alle, die sich als Frauen angesprochen fühlen. Das Professorinnenprogramm dient also nicht der Bevorzugung von Frauen, sondern lediglich der Benachteiligung all derer, die sich nicht als Frauen angesprochen fühlen.

Warum auch nicht.

Wenn Sie sich als Frau angesprochen fühlen, insbesondere als Mann, dann bewerben Sie sich in Köln.
Alles weitere finden Sie hier.

Die Ziehung findet unter notarieller Aufsicht statt.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Rationalität sowieso.
Verstand vor allem.

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