Das Markenzeichen einer Erkrankung an Alzheimer ist die Anhäufung von Amyloid-ß Plaque und die Bildung TAU-Knäuel im Gehirn. Alzheimer als Neurodegenerative Erkrankung ist fortschreitend und äußert sich in einem zunehmenden Verlust kognitiver Autonomie, u.a. Gedächtnisverlust und Verlust von Handlungsautonomie sind die Folgen dieser Krankheit.
Um Alzheimer zu diagnostizieren, sind aufwendige Verfahren notwendig, die entweder die Entnahme von Gehirnflüssigkeit mit einer Lumbalpunktion in der Regel zwischen dem 3 und 4 Lendenwirbel oder einen PET-Scan, eine Positronen-Emissions-Tomographie erfordern. Beides nicht nur aufwendige, sondern vor allem teure Verfahren.
Insofern ist die Zulassung von Lumipulse G pTau217/ß-Amyloid 1-42 Plasma Ratio, einem Bluttest, der zur Diagnose von Alzheimer eingesetzt werden soll, durch die US-Amerikanische Food and Drug Adminstration ein Schritt zur schnelleren Diagnose von Alzheimer – aber ist es auch ein besserer Schritt?
„The Lumipulse G pTau217/ß-Amyloid 1-42 Plasma Ratio measures two proteins, pTau217 and β-amyloid 1-42, found in human plasma, a component of blood, and calculates the numerical ratio of the levels of the two proteins. This ratio is correlated to the presence or absence of amyloid plaques in the patient’s brain, reducing the need for a PET scan. Similar FDA-authorized/cleared tests, one from the same company as this new test, are used with cerebrospinal fluid (CSF) samples, which are collected through an invasive lumbar puncture, also called a spinal tap. This new Lumipulse test only requires a simple blood draw, making it less invasive and much easier for patients to access. “
Der Lumipulse Test basiert auf dem Verältnmis von pTau127 und ß-Amyloid, die sich beide im Blut nachweisen lassen. Indes, mit der Bestimmung von pTau217 gibt es nun ein Problem, das seinen Ausdruck in dieser Studie gefunden hat:
pTau217 entsteht aus durch Phosphorylierung aus TAU, einem Protein, das sich u.a. im Gehirn findet. Phosphorylierung ist ein Prozess, in dessen Verlauf das Enzym „Kinase“ ein Zielprotein mit Adenosin-Di-Phosphat bindet (an eine freie OH-Gruppe des Proteins), und auf diese Weise das Protein verändert, es aktiviert, de-aktiviert, mit neuen Funktion (Signalgeber oder Transport oder dergleichen) versorgt. TAU wird häufig als Gerüst von Gehirnzellen bezeichnet, denn es ist für Struktur und Stabilität von Mikrotubuli in Zellen verantwortlich. Erfüllt Tau seine Funktion nicht mehr, dann ergeben sich daraus neurologische Probleme, in der Regel Beeinträchtigungen neurologischer Funktionen.
Ein Weg, die Funktion von TAU zu beeinträchtigen ist Hyperphosphorylierung, in deren Verlauf fehlgeformte Proteine gebildet werden, die nicht mehr in der Lage sind, die Funktion von TAU auszuführen, sich vielmehr als neurofibrillare Knäuel im Gehirn ablagern. Dies wiederum kann über das Niveau des dabei entstehende pTAU217 gemessen werden.
So die Idee.
Nun kommt die Studie von Gonzalez-Ortiz et al. (2025) und stellt diese schöne Welt in Frage.
„Tau hyperphosphorylation not always leads to aggregation but rather seems to play a dual role in the brain. Phosphorylation sites like serine-262 have been widely studied in the context of brain development and more recently recognized as a critical epitope involved in tau pathology and tangle formation in Alzheimer’s disease, suggesting shared mechanisms in brain physiology and pathology. Here, we demonstrate that increased levels of phosphorylated tau can also be detected in the peripheral blood of newborns and that plasma p-tau217 levels are significantly higher in newborns compared to healthy individuals across different age groups.“
Gonzalez-Ortiz et al. (2025) haben analysiert, wie viel pTAU217 sich im Blut von Neugeborenen und Frühgeburten finden lässt und die gefundenen Mengen mit den entsprechenden Mengen im Blut von 18-25jährigen und 70 bis 77jährigen verglichen, für die keine Hinweise auf Alzheimer oder eine andere neurodegenerative Erkrankung vorhanden waren.
Ergebnis: Neugeborene weisen ein gut 5 Mal höheres Niveau an pTAU217 auf, Frügeborene liegen noch darüber, als 18-25jährige oder 70 bis 77jährige. Indes, obschon Neugeborene oder Frühgeborene damit positiv auf Alzheimer getestet wurden, wird ihnen niemand Alzheimer unterstellen. Um ihre Ergebnisse einordnen zu können, haben Gonzalez-Ortiz et al. (2025) im nächsten Schritt die pTAU217-Werte für Neugeborene mit denen, die sie für Personen mit diagnostizierter Alzheimer Erkrankung (bestätigt über kognitive Tests und Lumbalpunktion) vorliegen haben, verglichen.
Ergebnis: An Alzheimer Erkrankte wiesen lediglich die Hälfte der Menge an pTau217 auf, die bei Neugeborenen gefunden wurde. Im Gegensatz zu pTAU217 sind die Werte für Amyloid-ß für Neugeborene geringer als für Personen mit Alzheimer.
Immerhin.
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Indes die Frage, was mit pTAU217 gemessen wird, bleibt bestehen und ihre Beantwortung ist insofern dringlich als pTAU217 als Biomarker für Alzheimer gilt, außer bei Neugebornenen … und bei wem noch?
Es gibt keine Hinweise auf die für Alzheimer charakteristischen TAU-Knäuel im Gehirn von Neugeborenen, was die Frage verschiebt und nunmehr nach dem Mechanismus fragt, der Hyperphosphorylierung im Gehirn von Neugeborenen verhindert, denn rund 20 Wochen nach Geburt sind die pTAU217 Werte auf dem Niveau angekommen, das auch gesunde 18-25jährige aufweisen.
Die Antwort auf diese Frage könnte die Behandlung von Alzheimer revolutionieren, denn offenkundig gibt es in den Gehirnen von Säuglingen einen Prozess, der Hyperphosphorylierung verhindert, ein Prozess, der etwas damit zutun haben könnte, dass Säuglinge im Gegensatz zu Erwachsenen eine siebte ISOForm des Proteins Tau aufweisen. Isoformen sind Varianten eines Proteins, die sich in Länge und Struktur und Funktion unterscheiden.
„The markedly higher p-tau217 levels with no aggregation or tangle formation in newborns compared to Alzheimer’s disease suggest distinct physiological processes governing tau phosphorylation during development versus neurodegenerative disease. It is still unknown if different p-tau markers show different increases and trajectories in newborns like they do in Alzheimer’s disease. Our findings suggest a unique regulatory role for p-tau in neurodevelopment that warrants further investigation“
Das alles ist Zukunftsmusik, denn derzeit gibt es weder entsprechende Forschung noch irgendwelche Ergebnisse. Was es derzeit gibt ist allerdings die Frage, wie reliabel der Nachweis von pTAU217 für die Diagnose „Alzheimer“ ist. Bislang gibt es nur die Ausnahme von Säuglingen, die sich nach rund 20 Wochen normalisiert hat. Aber, wenn es eine Ausnahme gibt, dann kann nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere gibt, was den Lumipulse Test zu einem „Pre-Test“ machen könnte, dessen Ergebnisse man, wenn sie Anlass zur Diagnose Alzheimer geben, weiterhin mit entweder einer Lumbalpunktion oder einem PET-Scan bestätigen muss.
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