Vor einigen Tagen haben wir über die bevorstehende Nachwahl zum Welsh Parliament, dem Senedd in Caerphilly, berichtet. Wer den Vorbericht nachlesen will, kann das hier tun: Caerphilly, wo das Ende von Labour beginnt.
Am Ende des Berichts findet sich das Ergebnis der einzigen Umfrage, die kurz vor der Wahl in Caerphilly durchgeführt wurde. Sie sieht Reform UK mit 42% vor Plaid Cymru, einer walisisch nationalistisch angemalten Variante aus Libdims und Labour, mit 38%. Die Reihenfolge hat sich gestern bei der Wahl umgekehrt, Plaid Cymrus Lindsay Whittle hat den Sitz für seine Partei gewonnen, dazu gleich.
Vorab zur Bedeutung dieser Wahl.
Caerphilly ist die Hochburg von Labour in Wales. Selbst wenn Labour bei Nationalen Wahlen krachend abgewählt wurde, wie das im Verlauf der letzten 125 Jahre häufiger der Fall war, hat die Partei Caerphilly gehalten. 1918 ging der Wahlkreis erstmals an den Kandidaten der Labour Party, und zwar den methodistischen Prediger Alfred Onions, und seit 1918 hat Labour, egal, welche Wahl anstand, den Wahlkreis gewonnen. Seit 1999 ist Caerphilly eine Bank auch für die Wahl zum Senedd gewesen.
Schon vor diesem Hintergrund ist die Wahl in Caerphilly von erheblicher Bedeutung, denn am 7. Mai 2026 finden Wahlen zum Senedd statt, in dem Labour derzeit eine Minderheitsregierung stellt, die von Plaid Cymru unterstützt wird. Gestern sind die 107 Jahre, die Labour Caerphilly beherrscht hat, zuende gegangen und zwar mit einer Katastrophe für Labour, die man kaum überbewerten kann, schon vor dem Hintergrund, dass die Wahlbeteiligung bei einer Nebenwahl höher lag als bei der letzten Wahl zum Senedd, bei 50%, 6% mehr als beim letzten Mal.
Der „Takeaway“ von dieser Wahl ist leicht ersichtlich: Die Conservatives werden im nächsten Welsh Senedd kaum eine Rolle spielen. Die Green Party, Gwlad (eine Partei, die die Unabhängigkeit der rund 3,14 Millionen Waliser erreichen will, Irr(geleitet)e mit anderen Worten) und UKIP werden im Senedd nicht oder nur einzeln vertreten sein und Labour wird krachend aus dem Senedd vertrieben werden.
Wenn bereits eine Hochburg wie Caerphilly dermaßen von Reform UK geschliffen wird, wie das gestern der Fall war, dann kann man sich vorstellen, wie Reform UK in eigenen Hochburgen, z.B. in Llanelli abschneiden wird. Ein Zugewinn von 34,2% in einer Labour Hochburg lässt hoffen. Plaid Cymru hat offenkundig von Wählern profitiert, die nicht mehr Labour wählen wollten, aber noch nicht bereit sind, den Schritt zu Reform UK zu gehen. Wenn diese Wähler merken, dass sie Labour im Grünen Plaid-Anstrich gewählt haben, dann wird sich auch hier weitere Bewegung einstellen.
Es wird spannend am 7. Mai 2026.
Und falls Sie sich fragen, warum Labour in Wales kein Bein mehr auf den Boden bekommt. Das hat mit Herr Starmer und seinem Mob in London zu tun, aber nicht nur, es hat auch damit zu tun, dass Welsh Labour Wales in 26 Jahren zugrunde gerichtet hat.
Ein paar Beispiele:
Schüler an Waliser Schulen erreichen im Durchschnitt das Bildungsniveau, das Schüler aus benachteiligten Wohngebieten in England erreichen, bleiben also weit hinter englischen Schülern insgesamt zurück.
Seit 1999 hat sich in Wales überhaupt nichts im Hinblick auf die Ökonomie zum Positiven verändert. Im Gegenteil: in Port Talbot wurde das größte Stahlwerk des UK heruntergefahren, Tausende haben ihren Arbeitsplatz verloren. Dokumentiert ist die ökonomische Malaise in Bruttosozialprodukt per capita, das in Wales mit rund 20.000 GBP deutlich hinter dem UK-Durchschnitt von gut 23.000 GBP zurückbleibt. Auch die Gehälter sind in Wales „bottom“: das durchschnittliche Einkommen beträgt 31.000 GBP, deutlich weniger als der Durchschnitt im Vereinigten Königreich mit 37.400 GBP.
Besonders drastisch ist das Versagen von Labour im Bereich der Gesundheit. Die Warteliste des NHS zählt rund 793.000 Namen, mehr als 8.700 davon warten schon seit mehr als zwei Jahren auf einen Behandlungstermin (in England sind es 168). Mit anderen Worten Gut ein Drittel der Waliser wartet darauf, einen Behandlungstermin zu erhalten. Besser kann man das Scheitern eines Gesundheitssystems und die Inkompetenz der dafür Verantwortlichen von Labour nicht dokumentieren.
Welsh Labour erntet gerade die Früchte dieser jahrzehntelangen Inkompetenz.
Und dabei ist Wales die schönste Home Nation des Königreichs.
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In England munkelt es derzeit Starmer werde die Wahlen im Mai 26 verhindern / aussetzen.
Dabei geht es um Kommunalwahlen, die verschoben werden könnten/sollen. Auf den Wahltermin in Wales hat Herr Starmer keinen Einfluss.