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Senile Kriegstreiber? Omas (gegen Rechts) machen mobil! „Liebe Kids“: Zieht mit Hurra in den Krieg

By Arnold Bennett – The White Feather: A Sketch of English Recruiting, Public Domain, Link

Emmeline Pankhurst wird den meisten Deutschen nichts sagen. Ist nicht weiter schlimm. Pankhurst war eine der führenden Figuren der britischen Suffrageten-Bewegung auf der Jagd nach Wahlpfründen.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 hat sich ihr Tätigkeitsbereich erweitert. Sie wurde zu einem der wichtigsten Sprachrohre der so genannten „Women of Britain Say — GO!“-Campaign, mit der junge Männer, die sich nicht freiwillig zum Kriegsdienst in Frankreichs Gräben gemeldet hatten, als Feiglinge beschämt und in den Graben geschickt werden sollten. Pankhurst ist u.a. dafür berühmt  geworden, dass sie ihre Gefolgschaft gedrängt hat, „ihre Männer“ in die Armee und nach Frankreich zu schicken.

Eine Manifestation dieser Kampagne war die so genannte „White Feather Campaign“ – Frauen machten in der Öffentlichkeit Jagd auf junge Männer im wehrfähigen Alter, um ihnen eine weiße Feder anzuheften, ein Symbol für Feigheit. Die Aktion scheint indes nicht den gewünschten Erfolg erbracht zu haben oder die britischen Soldaten wurden im Ersten Weltkrieg schneller verheizt als sie über den beschriebenen Druck rekrutiert werden konnten, jedenfalls wurde 1916 im Vereinigten Königreich die Pflicht zum Kriegsdienst eingeführt – nur für Männer, versteht sich.

Eine in diesem Kontext überlieferte Episode spielt in Folkestone. Vize-Admiral Charles Penrose Fitzgerald hat dort zum 30. August 1914 den „Order of the White Feather“ gegründet, dem zunächst rund 30 Frauen aus Folkestone und Umgebung angehörten. Ihre Aufgabe: weiße Federn unter jungen Männern in ziviler Kleidung zu verteilen, um sie zum Kriegsdienst drängen.
Indes: Die White Feather Campaign hat 1916 kein Ende genommen, wie eine Episode aus dem Jahre 1917 zeigt, in der eine als Angehörige der oberen Klasse Beschriebene dem 19jährigen Ernest Atkins eine weiße Feder an seine Zivilkleidung anheften wollte und ihn im gleichen Zuge als Coward / Feigling bezeichnete.
Chateau Wood, Ypres, Oktober 1917; – By Frank Hurley – Public Domain, Link

Der Dreh: Atkins war auf Heimaturlaub. Nachdem er die Schlacht an der Somme überlebt hatte, hat ihm ein Schrapnell in Passchendaele ein Bein durchschlagen.  Das bedeutete Heimaturlaub zur damaligen Zeit. Atkins war also ein erfahrener Soldat, der länger überlebt hatte als andere, einer, der durch die Hölle von Passchendaele gegangen ist, um sich nun von einer gelangweilten in ihrer Selbstgerechtigkeit badenden Tante als Feigling bezeichnen zu lassen.

Seine Reaktion war entsprechend. Er schlug die weiße Feder aus der Hand der Überreicherin, manche erzählen, er habe dabei eines ihrer Ohren erwischt, in jedem Fall hat er die Angelegenheit mit der Bemerkung, „die Jungs in Passchendaele, würden ein Augenlid dafür geben, sich eine solche Feder an den Helm stecken zu können“, abgeschlossen. Augenlider spielen in diesem Kontext eine besondere Rolle. Sie symbolisieren den stets vorhandenen Schlafentzug, den Sehverlust nach Gasangriff und nicht zuletzt den starren Gesichtsausdruck eines Toten, dessen Lider sich nicht mehr schließen…

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Die Geschichte ist eine der Geschichten, die sich wiederholt, eine Geschichte, die die Ironie zeigt, wie sie Alltag zwischen den Selbstgerechten, die Krieg in Wort und von Zuhause aus im Überfluss führen und denen, die die Zeche bezahlen, in Schlamm, Dreck und Blut. Und sie wiederholt sich, derzeit mit den Omas gegen Rechts aus Köln, die in die Fussstapfen der Selbstgerechten treten, die im Laufe des Ersten Weltkriegs zahllose Männer in den Tod schicken wollten und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch geschickt haben.

Heute sieht das Ganze so aus:

Die Omas gegen Rechts haben ein massives Interesse daran, Jugendliche an die Front zu schicken, weil man dort, wie sie behaupten, eine höhere Überlebenschance habe als als Zivilist zuhause. Das ist an Boshaftigkeit und an Idiotie wohl kaum mehr zu steigern und wäre nicht ein klarer Zusammenhang zwischen Alter und Demenz vorhanden, wir würden denken, die Omas müssten für diese Fake News zur Rechenschaft gezogen werden.

Klären wir das Rätsel, warum Zivilisten in keinem Krieg an die Front geeilt sind, um sich dort in Sicherheit zu bringen, sondern immer versucht haben, so viel Strecke wie nur möglich, zwischen sich und die „Front“ zu bringen.

Beginnen wir mit der Wahrscheinlichkeit für Zivilisten in einem Krieg getötet zu werden. Eine solche Wahrscheinlichkeit ist in hohem Maße von z.B. der Art der Kriegsführung abhängig, weshalb man, wenn man die Wahrscheinlichkeit für Zivilisten oder Soldaten, in einem Krieg getötet zu werden, berechnen will, keine ALLGEMEINEN AUSSAGEN machen kann. Weder in der Form, wie sie oben links getroffen werden noch in der Form, in der sie oben rechts getroffen werden.

By RIA Novosti archive, image #44732 / Zelma /  CC BY-SA 3.0, Link

Beginnen wir mit Zivilisten und unterschiedlichen Kriegen:

Soldaten haben andere Risiken, anhand derer man zudem das Problem deutlich machen kann, das mit dem Aggregationslevel einhergeht und hinter dem sich unterschiedliche Sterberisiken für unterschiedliche Truppenteile verbinden:

Die Sterbewahrscheinlichkeit von Soldaten hängt davon ab, wo sie zum Einsatz kommen und auf welcher Seite des Krieges sie zum Einsatz kommen. Aber es ist schlichter Bullshit zu behaupten, die Wahrscheinlichkeit, an der Front zu sterben, sei geringer als die Wahrscheinlichkeit, „dahinter“ zu sterben. Wer einen solchen Blödsinn verbreitet, gehört eigentlich weggesperrt, wenn er nicht mildernde Umstände wie fortschreitende Demenz für sich ins Feld führen kann, was man bei Omas gegen Rechts ja nicht ausschließen kann, mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% …

Vielleicht ist die eigene Nähe zum Tod, bei „Omas gegen Rechts“ die Triebkraft hinter dem Bemühen, andere in den Tod zu schicken … Vielleicht ist es auch schlicht ein kognitiver Niedergang, und in diesem Fall sollten sich die Omas gegen Rechts vielleicht umbenennen, in Omas gegen das Vergessen.


 

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