Untersuchung: Neid und Eigeninteresse als Motive hinter Umverteilungs-Befürwortung

Seit Mittwoch, den 19. Juli 3.27 Uhr arbeiten Erwerbstätige in Deutschland wieder für das eigene Portemonnaie. Bis zum 19. Juli haben sie für ihren Staat gearbeitet. 55,6 Cent von jedem Euro nimmt sich der Staat, um sie umzuverteilen. Die Begründung dafür, dass ein Erwerbstätiger in Deutschland mehr für andere als für sich selbst arbeiten muss, wird gewöhnlich mit Gerechtigkeit oder sozialer Gerechtigkeit oder Kampf gegen Armut oder ähnlich vagen, aber positiv konnotierten Abstrakta angegeben.

Wenn einem rationalen Akteur vom Lohn seiner Arbeit mehr abgezogen wird als ihm bleibt, dann sollte man eigentlich annehmen, dass seine Begeisterung für und die Unterstützung von Umverteilung schwindet. Wahlweise kann auch die Arbeitsbegeisterung schwinden und es für Akteure rational sein, teilzeit oder gar nicht zu arbeiten und sich als Nettogewinner nicht Nettoverlierer staatlicher Umverteilungsmaßnahmen zu etablieren. Die Entscheidung dafür, sich zum Empfänger staatlicher Umverteilung und nicht zum Geber zu machen, hängt natürlich von einer Vielzahl von Faktoren ab. Für manche ist es eine moralische Pflicht, den eigenen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Andere haben sich im Verlauf ihres Erwerbslebens etwas aufgebaut und sind nun perfekt erpressbar. Sie haben keine Alternative zur Erwerbstätigkeit und können von ihrem Staat nach Herzenslust ausgenommen werden.

Und ausgenommen werden Sie. Von einem Euro, den Sie verdienen, bleiben ihnen nach den Berechnungen des Bundes der Steuerzahler 45,4 Cent. Und dennoch ist in Deutschland die Zustimmung zu staatlicher Umverteilung vorhanden, dennoch können Parteien allen Ernstes mit der Losung „sozialer Gerechtigkeit“, in Deutsch: Umverteilung und Ausbeutung der Arbeitenden, in den Wahlkampf ziehen und tatsächlich hoffen, gewählt zu werden.

Warum ist das so?
Warum unterstützen Menschen die Umverteilung von Einkommen?
Diese Frage haben sich Daniel Sznycker und 8 Ko-Autoren nicht nur gestellt, sie haben sie auch beantwortet: 13 einzelne Studien mit insgesamt 6.024 Befragten waren dazu notwendig, Studien, in denen die Autoren Konzepte wie Neid, Gerechtigkeit, Eigennutzen und Mitgefühl operationalisiert und zur Erklärung der Unterstützung von Umverteilung genutzt haben. Besonders spannend ist dabei die Operationalisierung von Neid, die über ein Szenario erfolgt, in dem die Befragten zwischen im Vergleich zur Normalbesteuerung hohen Steuern für Reiche, die Armen einen relativ geringen Nutzen bringen und etwas höheren Steuern für Reiche, die Armen einen relativ hohen Nutzen aus Umverteilung bringen, wählen mussten. Die Mehrzahl hat die hohen Steuern bevorzugt, was, da es den Armen wenig bringt, nur mit Neid erklärt werden kann, destruktivem Neid, der darauf aus ist, andere, die man beneidet, zu schädigen. Staatliche Umverteilungspolitiken bieten sich insofern als Neid-Waffe des kleinen Bürgers gegen die eingebildeten Reichen an.

Um Zweifel daran auszuräumen, dass mit diesem Szenario auch tatsächlich Neid gemessen wurde, haben die Autoren zusätzlich eine Neidskala, die sich aus acht Items zusammensetzt, genutzt. Die Angaben, die die Befragten zu den acht Items gemacht haben, wurden mit den Ergebnissen aus obigem Szenario verglichen und siehe da: beide Male wird dasselbe, wird Neid gemessen.

Insgesamt kommen die neun Autoren zu dem Ergebnis, dass die Befürwortung von Umverteilung durch die folgenden Motive erklärt wird:

Neid auf Reiche;
Mitleid mit Armen;
Eigennutz, also die Hoffnung, Nutznießer der Umverteilung zu sein;

Überhaupt keine Rolle spielen Fragen der Fairness. Dazu haben die Autoren Verteilungs- und Prozessgerechtigkeit in ihre Analysen aufgenommen und sind beide Male ohne signifikante Korrelation geblieben. Gerechtigkeit hat mit der Befürwortung von Umverteilung überhaupt nichts zu tun.

Also muss man feststellen, dass z.B. der deutsche Staat auf eine Legitimation dafür, dass er seine Bürger ausnimmt, in Form einer Unterstützung für Maßnahmen angeblicher sozialer Gerechtigkeit oder der Einkommensumverteilung verweisen kann, deren Ursache darin liegt, dass sich Wähler aus Neid, der Hoffnung auf Eigennutz aus Umverteilung und zuweilen auch aus Mitleid dazu entschließen, die entsprechende Politik zu unterstützen. Das Verlangen, zu nutznießen oder andere zu schädigen, die Möglichkeit, sich durch die Gabe von Mitleid anderen als überlegen zu inszenieren, da man selbst Mitleidgeber ist, nicht -nehmer, alles Motive, die eher niedrig als ehrenwert sind, sie führen also dazu, dass selbstverletzendes Verhalten in Deutschland die Regel ist und Bürger eine Umverteilungspolitik unterstützen, der sie selbst zum Opfer fallen.

Sznycer, Daniel, Lopez Seal, Maria Florencia, Sell, Aaron, Lim, Julian, Porat, Roni, Shalvi, Shaul, Halperin, Eran, Cosmides, Leda & Tooby, John (2017). Support for Redistribution is Shaped by Compassion, Envy, and Self-Interest, but not a Taste for Fairness. Proceedings of the National Academy of Science of the United States (PNAS) Early Edition: doi: 10.1073/pnas.1703801114

 

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G20-Krawalle und Attac! Attac? Nein: Flucht vor Verantwortung

Die autoritäre Persönlichkeit, die Adorno et al. mit Blick auf Rechtsextremisten beschrieben haben und die – wie die derzeitige wissenschaftliche Analyse von Dr. habil. Heike Diefenbach auf ScienceFiles zeigt – sich auch bei Linken findet, sie muss im Fall von Linken um einen Faktor ergänzt werden: Die Angst vor Verantwortung.

Wenn Linke und ihre Extremisten etwas auszeichnet, dann ist es die Angst, ja die panische Flucht vor Verantwortung. St. Ralf Stegner, der gute linke Mensch aus Schleswig-Holstein, er dokumentiert diese Unfähigkeit zur Übernahme von Verantwortung derzeit wohl am besten, wenn er dauerhaft versucht, die Linke trotz aller Linken, die in der Vergangenheit und Gegenwart Gewalt als Mittel im politischen Kampf ausdrücklich begrüßt haben (Die SPD übrigens bis 1959. Erst mit dem Godesberger Programm hat die SPD Abstand von einem revolutionären Umsturz in Deutschland genommen), als Vereinigung von Friedensengeln und Linke-Backen-Hinhaltern darzustellen.

Generell sieht man derzeit im linken politischen Lager und in den zugehörigen Medien ein heftiges Flügelschlagen und zugehörige Fluchtbewegungen, mit denen versucht werden soll, den Schmutz der Ausschreitungen in Hamburg von der linken weißen Weste zu wischen. Wer in Hamburg friedlich demonstriert hat, so das, was wenn es gelänge ein Meisterwerk linker Propaganda wäre, der war ein Linker. Wer nicht friedlich demonstriert hat, der war kein Linker.

Auch Attac! ist auf der Flucht.
Auf der Flucht vor der Verantwortung.
Seit wir den Protest-Reader von Attac! veröffentlicht haben, scheint die Luft für Attac! dünner zu werden.
Die dünne Luft hat nun dazu geführt, dass in der EpochTimes von Rosemarie Frühauf und Nancy McDonnell „Fake News zu G20 enttarnt“ wurde. „Pläne und Verhaltenstipps“, so heißt es weiter, „kamen nicht von Attac“.

Nun, Rosemarie und Nancy, man denkt unwillkürlich an Grillparties mit Kinderprogramm und Clowns, behaupten, wir hätten Fake News verbreitet und einen gefälschten Protestreader ins Internet gestellt.

„Der Blog [das Blog – bitte] ‚sciencefiles.org‘ veröffentlichte einen Artikel, der Attac beschuldigte, die Krawallmacher von Hamburg finanziert, koordiniert und mit Kartenmaterial versorgt zu haben. Dazu wurde ein gefälschter ‚Protestreader‘ als PDF veröffentlicht, indem [in dem] Flugblätter verschiedener Gruppierungen zu einem Dokument zusammengebastelt waren.“

Hartmut Esser hat in seinen Veranstaltungen die Figur von Lieschen Müller immer dann bemüht, wenn es um Statistik und Mathematik ging, um Felder, die Lieschen Müller nicht versteht, nie verstehen wird. Bei Rosemarie und Nancy kommt die deutsche Sprache, mit der sie erfolglos kämpfen, dazu.

Es beginnt mit der Unfähigkeit, die deutsche Sprache zu verstehen, denn: Wir haben Attac nicht beschuldigt, die Randalierer finanziert zu haben, wir haben geschrieben:

„Gestern haben wir in einem Post noch gefragt, wer die Berufsdemonstranten in Hamburg finanziert, wer sie koordiniert, wer sie mit Kartenmaterial und sonstigen Informationen versorgt.
Heute hat uns ein Leser aus Hamburg auf die Sprünge geholfen und uns den Attac-Protestreader zugeschickt, der eine Reihe der Fragen danach beantwortet, wer hinter den Demonstrationen, den gewalttätigen Demonstrationen und den Ausschreitungen von Kriminellen zumindest insoweit steckt, dass er sie billigend in Kauf genommen (und unterstützt) hat, um seine ideologischen Ziele zu erreichen.“

Zwischen der Behauptung, Attac habe die Randalierer finanziert, die Rosemarie und Nancy bei uns gelesen haben wollen und unserer Aussage, Attac habe die Krawalle billigend in Kauf genommen, vermittelt nur die schmutzige Phantasie von Rosemarie und Nancy.

Die Probleme mit der Benutzung der deutschen Sprache setzen sich mit dem Vorwurf fort, wir hätten einen „gefälschten Protestreader“ veröffentlicht.

Der Witz an Fälschungen besteht darin, dass sie versuchen, ein Original zu imitieren, und zwar so, dass es niemand merkt, ein Original wie einen Rembrandt oder Nike-Schuhe. Wenn uns Rosemarie und Nancy also vorwerfen, wir hätten einen Reader gefälscht, dann werfen sie uns vor, wir hätten ein Original imitiert, dann bestätigen sie damit implizit, dass es den Protestreader von Attac! gegeben hat, denn hätte es ihn nicht gegeben, dann hätten wir ihn nicht fälschen können.

Rosemarie und Nancy sind aber angetreten (oder werden von Attac! dafür finanziert, was bedeuten würde, dass man bei Attac! finanziell sehr klamm sein muss, sich keine Journalisten mehr leisten kann), um zu belegen, dass der ProtestReader NICHT von Attac! stammt, dass unsere dahingehende Meldung FakeNews war.

You can’t have it both ways.
Entweder der Protestreader ist von Attac! und wir haben ihn gefälscht, versucht, ihn originalgetreu nachzumachen oder es gibt keinen Protestreader von Attac! dann können wir auch keinen Protestreader gefälscht haben.

Der Vorwurf der Fälschung erfüllt somit entweder den Tatbestand einer üblen Nachrede (von dem wir uns noch überlegen, ob wir ihn strafrechtlich prüfen lassen) oder er ist auf geistige Verwirrung zurückzuführen, was dazu führen sollte, dass sich die Verantwortlichen der Epoch Times fragen, ob sie die Verantwortung für geistig verwirrte Schreiber übernehmen wollen [Im übrigen erwarten wir eine Entschuldigung].

Damit sind wir wieder bei der Flucht, der von Attac! und vor der Verantwortung. Denn was nun im Text von Rosemarie und Nancy folgt, ist eine ellenlange Darstellung darüber, dass im Attac! Protestreader Material von der „Interventionistischen Linken“ enthalten ist. Das Material der interventionistischen Linken ist natürlich das, das die Aufforderung zur Gewalt enthält. Attac!, also die richtigen, nicht die interventionistischen Linken, Attac!, die gewaltfreien Linken, die nie Gewalt unterstützen oder selbst begehen würden, und sich nur aus welchen Gründen auch immer Attac! nennen und nicht etwa Defense oder Reflection oder Reason, sie haben damit natürlich gar nicht zu tun. So der Bär, den Rosemarie und Nancy ihren Lesern aufbinden wollen.

Abermals soll der Bär mit einem sprachlichen Unvermögen gebunden werden, das ernsthafte Zweifel an der Befähigung des Chefredakteurs der Epoch Times weckt:

„Das Flugblatt war außerdem der Ansicht, dass man „bunt und friedlich“ die kapitalistischen Systeme nicht überwinden könne, es brauche den zivilen Widerstand“, das schreiben Rosemarie und Nancy mit Blick auf das böse Flugblatt, das von der interventionistischen Linken kommt, nicht von Attac! und das wir Attac! angeblich unterschieben wollen.

Eine Zeile weiter schreiben dieselbe Rosemarie und dieselbe Nancy:

„Attac hatte am 7. Juli zusammen mit dem Bündnis BlockG20 unter dem Motto „colour the red zone – die rote Zone bunt machen“ zu Aktionen ‚des kreativen Zivilen Ungehorsams und des bunten Widerstands“ gegen den G20-Gipfel aufgerufen.“

Aus der Logik der Darstellung lässt sich kein anderer Schluss ziehen als der, dass Attac! sowohl friedliche Formen des Demonstrierens unterstützt hat als auch gewaltsame Formen, denn der zivile Widerstand, der oben explizit als Alternative zu friedlichem und buntem Widerstand dargestellt wird, also als gewaltsamer Widerstand, findet sich im Textteil, das Attac! entlasten soll, nunmehr als kreativer ziviler Ungehorsam. Das sicherste, was man aus beiden Aussagen elaborieren kann ist, dass Attac! Gewalt in Hamburg billigend in Kauf genommen hat. Genau das haben wir Attac! vorgeworfen.

Wir sehen heute einmal darüber hinweg, dass Rosemarie und Nancy die Dreistigkeit besitzen, bei uns Daten über Attac! abzuschreiben, ohne Quellenangabe. Dass sie abgeschrieben haben, das wissen wir wegen Lieschen Müller und den Zahlen, so wie wir wissen, dass Rosemarie und Nancy keine Bilanz lesen können und entsprechend den Jahresetat von Attac! nicht kennen würden, hätten sie ihn nicht bei uns erfahren.

Wie dem auch sei. Es ist an der Zeit, die Belege auf den Tisch zu legen, die wir zurückgehalten haben, in Antizipation der linken Angst vor Verantwortung, der linken Verleumdungsbereitschaft , der Feigheit und damit einhergehenden Fluchtinstinkte, die sich nun Bahn brechen. Der Attac-Protestreader, den wir zusammengestellt haben, besteht ausschließlich aus Material, das ein Leser von ScienceFiles von einem INFOSTAND VON Attac! gesammelt hat. Da Attac! die Informationen im Reader bereitgestellt hat, muss man davon ausgehen, dass Attac! die Verantwortung für die Informationen vom eigenen Infostand auch übernimmt.

Hier die Worte, in denen unser Leser sein Sammeln von Informationen für uns beschrieben hat:

“Heute, am Freitag, bin ich ganz normal zur Arbeit gefahren. Dabei muß ich am Hamburger Hauptbahnhof umsteigen und sah am Ausgang einen Stand von Attac. Da ich noch ein paar Minuten Zeit hatte, bin ich da mal hingeschlendert und sprach die drei Leute dort so an, daß ich sie nach Infos über ihre Ziele fragte. Da zeigte sich das erste Mal die Dämlichkeit dieser Leute: Man antwortete mir, daß die Infos, welche hier ausliegen würden, nur für Demonstranten seien. Auf meine Antwort, daß sie ja gar nicht wüßten, ob ich nicht auch ein Demonstrant sei, wußten sie dann erst einmal nichts zu sagen und ich bediente mich daraufhin systematisch an allem, was der Stand zu bieten hatte.”

Alle Materialien im Protestreader stammen demnach von Attac!. Attac! muss sie sich zurechnen lassen. Zu dumm!

Offensichtlich haben wir es hier mit dem zu tun, was Erving Goffman ein Backstage display nennt. Letzteres weicht von dem, was man Zuschauern als Fassade präsentiert, ab. Die Fassade von Attac! ist eine auf friedliche Aktion getrimmte Fassade, von der die Gesichter von Konstantin Wecker und Sven Giegold grinsen. Backstage wird Material verbreitet, das Gewalt billigend in Kauf nimmt, zu Gewalt aufruft. Es ist so ähnlich, wie in manchen Krimis von Agatha Christie, in denen eine kriminelle Organisation sich z.B. hinter einem Meinungsforschungsinstitut verbirgt, um ihren dunklen Geschäften in aller Ruhe nachgehen zu können.

Unser Leser aus Hamburg, von dem die Information stammt, hat zwischenzeitlich eine ausführliche Stellungnahme geschrieben, die wir hier als PDF bereitstellen. Wer danach noch Zweifel daran hat, dass Attac! die Gewalt in Hamburg billigend in Kauf genommen hat bzw. mit zu verantworten hat, dem können wir nur einen Deutschkurs im Goethe-Institut empfehlen. Wer den PDF liest, stellt fest, dass es sich dabei gleichzeitig um einen Kommentar handelt, den unser Leser bei Epoch Times hinterlassen hat.

Der Kommentar wurde vor 11 Stunden veröffentlicht und zwischenzeitlich gelöscht. Das zeigt deutlich, welchen Umgang mit Wahrheit die Epoch Times pflegt (Ein Screenshot, der das belegt, liegt uns vor.)

Und was Nancy und Rosemarie oder umgekehrt angeht, so haben wir beim Presserat eine formelle Beschwerde erhoben. Langsam muss man anfangen, die Redaktionen von denen zu bereinigen, die systematisch Fake News verbreiten – früher hat man von Verleumdung oder schlichten Lügen gesprochen, von Personen, die dort nun gar nichts zu suchen haben: Aus allen Gründen die mit Fähigkeit, Ethik und Verantwortung zu tun haben!

Abschließend verlangen wir noch ein paar Antworten von Rosemarie und Nancy, denn es ist schon interessant, mit welcher Boshaftigkeit gleich Fake News unterstellt wird, wenn es sich offensichtlich auch um ein Versehen handeln könnte. Derartige Boshaftigkeit wendet sich zu einer naiven Vertrauensseligkeit, wenn der einzige Beleg dafür, dass die Materialien nicht von Attac stammen, darin zu finden sein soll, dass Attac! sich von der Gewalt in der Nacht des 7. auf den 8. Juli distanziert hat. Im Einklang mit dieser Logik müsste man vor Gericht jeden Straftäter, der seine Unschuld beteuert, freisprechen. Aber vielleicht haben Rosemarie und Nancy ja recherchiert und sämtliche Materialien von Attac gelesen, um sicherzugehen, dass Attac! und Gewalt zwei paar Schuhe sind. Wenn dem so sein sollte, dann fordern wir Rosemarie und Nancy auf, eine komplette Liste der gelesenen Materialien zur Nachprüfung durch uns vorzulegen. Last but not least spricht die Tatsache, dass sich Materialien, die angeblich von der Interventionistischen Linken stammen, von einem Attac!-Infostand vertrieben werden, zum einen dafür, dass die Linke gut vernetzt ist und die Materialien zentral erstellt und dezentral verteilt werden, was zum anderen den Schluss nahelegt, dass Attac! an der Finanzierung auch der Materialien, die von der Interventionistischen Linken stammen sollen, beteiligt ist. Warum sonst sollten die Materialien von Attac! verbreitet werden?

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Ganslmeiers Erzählungen: Wie die ARD lügt und manipuliert

Zur Illustration des symbolischen Interaktionismus hat Herbert Blumer eine Geschichte erzählt, in der ein aufgebrachter Beobachter davon berichtet, wie er einer Schlägerei zwischen zwei Männern beigewohnt hat, die erst dann ihr Ende nahm, als ein Dritter intervenierte, um dem Kampf ein Ende zu setzen, von dem einer der Kontrahenten bereits gezeichnet war.

Die ganze Geschichte fällt etwas in sich zusammen, wenn man weiß, dass das, was hier beschrieben wird, ein Boxkampf ist.

Der Symbolische Interaktionismus betont die soziale Konstruktion von Bedeutungszuschreibung. Das Konzept des Framings, das in der theoretischen Welt der Rational-Choice Theorie eine große Rolle spielt, betont die Abhängigkeit individueller Entscheidungen von (sozialer) Konstruktion der Realität:

Amos Tversky und Daniel Kahneman waren die ersten, die gezeigt haben, dass die Art und Weise, in der eine Entscheidungssituation dargestellt wird, die Entscheidung von Akteuren beeinflusst. So war die Befürwortung der Einführung einer Behandlungsmethode, die einmal mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit und einmal mit einem identischen Sterberisiko qualifiziert wurde, dann höher, wenn eine Überlebenswahrscheinlichkeit angegeben wurde.

Dass die Zuschreibung von Bedeutung zu sozialen Situationen, Handlungen oder Ereignissen das Ergebnis einer Interpretation ist und dass die Art und Weise, in der eine solche Zuschreibung erfolgt, die Entscheidung oder die Einstellung von Akteuren beeinflusst, ist der Stoff, aus dem Manipulationen gewebt werden.Stellen Sie sich vor, Sie wollen über Donald Trumps Reise nach Polen im Vorfeld des G20-Gipfels in deutschen Medien berichten. Sie werden also berichten, dass Trump nach Polen reist, um die Beziehungen zwischen den USA und Polen zu stärken. Gemeinsamkeiten im Hinblick auf die Einwanderungspolitik sowie vergleichbare Werthaltungen zwischen Trump und Andrzej Duda werden sich sicher nicht negativ auf die Verhandlungen über US-amerikanische Erdgaslieferungen an Polen auswirken.

Das wäre ein neutraler Bericht mit einer Einschätzung am Ende, der im Rahmen objektiver Berichterstattung erfolgt.

Nun kommt Martin Ganslmeier. Er will nicht neutral über Trump berichten. Er will werten und diffamieren. Angesichts des eher trockenen Stoffes einer Reise Trumps nach Polen muss man hier ein wenig Phantasie und kriminelle Energie investieren, um zu einem negativen Bericht über Trump zu kommen.

Ganslmeier schafft das.

framingZunächst der Frame:

„London, Paris, Berlin: Normalerweise reist ein neuer US-Präsident zunächst in eine dieser Städte. Trump hingegen ist erst einmal in Warschau gelandet. Dort muss er keine Kritik fürchten. Im Gegenteil: Der Empfang dürfte sehr herzlich werden.”

Donald Trump ist kein „normaler“ Präsident. Er ist ein unbeliebter Präsident, der Kritik fürchtet und deshalb zu Claqueuren reist. Das will Ganslmeier suggerieren.


Die Versuchsanordnung von Tversky und Kahneman:

„Problem 1 (Survival frame)
Surgery: Of 100 people having surgery 90 live through the post-operative period, 68 are alive at the end of the first year and 34 are alive at the end of five years.
 
Radiation Therapy: Of 100 people having radiation therapy all live through the treatment, 77 are alive at the end of one year and 22 are alive at the end of five years.
Problem 1 (Mortality frame)
Surgery: Of 100 people having surgery 10 die during surgery or the post-operative period, 32 die by the end of the first year and 66 die by the end of five years.Radiation Therapy: Of 100 people having radiation therapy, none die during treatment, 23 die by the end of one year and 78 die by the end of five years“. 
Tversky, Amos & Kahneman, Daniel, 1986: Rational Choice and the Framing of Decisions. Journal of Business 59 (4): S251-S.278.

Die Ursachen für den „herzlichen Empfang“ sind für Ganslmeier darin zu finden, dass in Polen eine „konservativ-nationale Regierung“ im Amt ist, die „gegen Einwanderung“ ist, religiös und ländlich, also zurückgeblieben, jedenfalls nicht städtisch ist. Trump wird bei Ganslmeier zum jüdischen Krämer, dessen sich die Nazis und vor allem Julius Streicher in seinem Stürmer so gerne bedient haben, der überall seine finanziellen Interessen verfolgt oder wie Ganslmeier schreibt: „Trump wäre aber nicht Trump, wenn er in Polen nicht auch Geschäftsinteressen verfolgen würde“. Denn er will den „globalen Energie-Markt … dominieren“, so wie das jüdische Finanzkapital in der Phantasie der Nazis einst die Welt dominieren wollte. Und natürlich will er diese Dominanz mit „Fracking“ ausüben (Fracking ist in der mentalen Welt der Linken böse). Last but not least, ist der US-Amerikanische Präsident ein Spalter, dem es „sogar gelingen“ könnte „die Europäische Union zu spalten“ (sofern es noch etwas zu spalten gibt…).

Kurz: Ganslmeier macht keinerlei Anstalten, eine neutrale Berichterstattung über Donald Trump zu liefern. Er will seine Leser in den Glauben manipulieren, hier käme ein Bonze nach Europa, der versucht, mit schmutzigem Fracking-Gas die Hälfte der Europäer zu kaufen und jenes Sinnbild europäischer Regierungskunst, jene politische Ordnung, die nur vom griechischen Olymp überwölbt wird, die EU zu spalten. Und außerdem ist Trump ein Feind der Deutschen, wie Ganslmeier dadurch suggeriert, dass er schreibt, Trump wolle das „Herz der Polen erwärmen“, indem er eine Rede hält, in der er an den Warshauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Es ist schon erstaunlich, zu welchen faschistischen Höhen sich deutsche Journalisten mittlerweile wieder ungestraft aufschwingen können.

Ganslmeiers Beitrag ist ein Schulbeispiel dafür, wie durch die Beimengung von negativen Bewertungen und die Schaffung eines negativen Rahmens versucht werden soll, Leser so zu manipulieren, dass sie die Bewertung von Ganslmeier teilen, ohne darüber nachzudenken, ob sie denn auch gerechtfertigt ist.

Zentral für die Bewertung von Trump ist bereits der eingangs gesetzte Rahmen, der zeigen soll, Trump ist kein normaler Präsident.

„London, Paris, Berlin: Normalerweise reist ein neuer US-Präsident zunächst in eine dieser Städte. Trump hingegen ist erst einmal in Warschau gelandet. Dort muss er keine Kritik fürchten. Im Gegenteil: Der Empfang dürfte sehr herzlich werden.“

Da die Faktenfinder bei der ARD offensichtlich schlafen, müssen wir die Aufgabe übernehmen und zeigen, dass Ganslmeier hier entweder etwas ins Blaue hinein behauptet, in der Hoffnung, niemand prüft es, oder bewusst lügt. Was ist wohl wahrscheinlicher?

Wir haben uns einmal die Mühe gemacht, die Antrittsreisen der fünf US-amerikanischen Präsidenten zu recherchieren. Ergebnis: Keiner ist zuerst nach London, Paris oder Berlin gereist. Die Vorstellung Ganslmeiers entspringt wohl einer Eurozentriertheit, die er aus der Zeit des Kolonialismus herüber gerettet hat.

Die ersten Reisen der US-amerikanischen Präsidenten:

Ronald Regan (1981-1989)

1981:

  1. Mexiko
  2. Kanada

1982:

  1. Jamaika
  2. Barbados
  3. Frankreich
  4. Italien
  5. Vatikan Stadt
  6. Vereinigtes Königreich
  7. Westdeutschland

George H. W. Bush (1989-1993)

1989:

  1. Kanada
  2. Japan
  3. China
  4. Südkorea
  5. Italien
  6. Vatikan-Stadt
  7. Belgien
  8. Westdeutschland
 

Bill Clinton (1993-2001)

1993:

  1. Kanada
  2. Japan
  3. Südkorea

1994:

  1. Belgien
  2. Tschechien
  3. Ukraine
  4. Russland
  5. Weißrussland
  6. Schweiz
  7. Italien
  8. Vatikanstadt
  9. Vereinigtes Königreich
  10. Frankreich
  11. Lithauen
  12. Polen
  13. Italien
  14. Deutschland

Für die nächsten drei US-Präsidenten ergibt sich folgendes Reiseverhalten:

George W. Bush (2001-2009)

2001:

  1. Mexiko
  2. Kanada
  3. Spanien
  4. Belgien
  5. Schweden
  6. Polen
  7. Slowenien
  8. Vereinigtes Königreich
  9. Italien
  10. Kosovo
  11. China

2002:

  1. Japan
  2. Südkorea
  3. China
  4. Mexiko
  5. Peru
  6. El-Salvador
  7. Deutschland

Barack Obama (2009-2017)

2009:

  1. Kanada
  2. Vereinigtes Königreich
  3. Tschechien
  4. Türkei
  5. Irak
  6. Mexiko
  7. Trinidad & Tobago
  8. Saudi Arabien
  9. Ägypten
  10. Deutschland

Donald Trump (2017-)

2017:

  1. Saudi Arabien
  2. Israel
  3. Palästina
  4. Italien
  5. Vatikanstadt
  6. Belgien
  7. Italien
  8. Polen

Keiner der letzten fünf US-Präsidenten ist als neuer US-Präsident zunächst in eine der von Ganslmeier genannten Städte gereist. Alle sind entsprechend für Ganslmeier nicht normal. Es hat bei Ronald Reagan ein Jahr Präsidentschaft und fünf Auslandsbesuche gedauert, bis er nach Paris gekommen ist. George H.W. Bush hat sein erster Auslandsbesuch in Europa nach Italien geführt, erst der achte Auslandsbesuch hatte mit Berlin eine der von Ganslmeier genannten Städte zum Ziel. Bill Clinton, so muss man fast annehmen, hat die drei Städte vermieden, so lange es geht. Erst im Jahr zwei seiner ersten Amtsperiode und mit seinem 12 Auslandsbesuch hat er sich nach London bemüht, weitere 6 Auslandsbesuche später war Berlin an der Reihe. Auch George W. Bush hat es nicht sonderlich eilig gehabt, die drei genannten Reiseziele aufzusuchen: Auslandreise acht hat ihn nach London geführt. Berlin musste bis Auslandsreise 18 warten, um Ziel zu sein. Nicht einmal Barack Obama hat sein Bekenntnis, ein Berliner zu sein, mit Priorität abgelegt. Bis zum 10. Auslandsbesuch haben die Berliner auf seine Worte warten müssen.

Polen war übrigens schon öfter ein Reiseziel, das US-Präsidenten Deutschland vorgezogen haben. Bill Clinton und George W. Bush waren zuerst in Warschau und dann in Berlin, nur hat ihnen damals kein Ganslmeier nachgesagt, sie würden dorthin reisen, weil sie Kritik scheuen, Geschäfte machen wollen und ansonsten religiöse Hinterwäldler seien. Kurz: Die (bewusste) Lüge gleich zu Beginn des Textes von Ganslmeier dient einzig dem Ziel, Trump zu diskreditieren und den nachfolgenden Text zu rahmen, damit die Leser auch wissen, dass Donald Trump kein normaler Präsident ist, so wie wir nach der Analyse des Textes von Ganslmeier wissen, dass man sich über die Bezeichnung “Lügenpresse” für öffentlich-rechtliche Medien nicht wundern muss, wenn man Personen wie Ganslmeier vornehmlich in der Absicht, zu diffamieren, geschriebene Texte durchgehen lässt.

Der Versuch, Leser zu manipulieren, ist nichts, was deutsche Medien auszeichnen würde. Derartige Versuche gibt es in allen Ländern, in denen es Medien gibt. Was (manche) deutsche Journalisten, die die entsprechenden Versuche unternehmen auszeichnet und die Sache so unerträglich macht, ist die Niedertracht, die man wohl als Motiv für den Manipulationsversuch ansehen muss.

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Neger! Revolution postponed

Unter Genderisten und anderen Halbgebildeten herrscht die Ansicht, wenn man die Sprache von Menschen beherrsche, ihnen die Begriffe, die sie sagen dürfen, vorschreibe und die Begriffe, die sie nicht sagen dürfen, verbiete, dann könne man über diese Gängelung das Denken der entsprechenden Menschen verändern.

Nehmen wir z.B. das Wort Neger.

Neger soll ein rassistisches Wort sein, eines, das genutzt werde, so die Anti-Neger, um schwarze Mitmenschen (Menschen, die man gönnerhaft behandeln will, sind immer „Mitmenschen“) zu degradieren.

Neger sei schlicht ein rassistisches Wort, wer es benutze, sei ein Rassist, der auf Neger herabsehe, sie womöglich für Menschen zweiter Klasse halte.

So kann man den Fehlschluss von der Wortverwendung auf das Denken zusammenfassen.

Ausgehend von diesem Fehlschluss sitzen die besagten angeblichen Weltverbesserer dem Irrtum auf, wenn man Menschen Begriffe verbiete, dann verschwänden mit den Begriffen, die schlimmen Einstellungen, denn es handelt sich um Einstellungen, die mit ihnen zum Ausdruck gebracht werden.

Nehmen wir X.

X ist ein Anti-Y.

Er mag keine Ypsilons.

Ypsilons sind für X Z.

Z wiederum darf nach Ansicht von Pro-Ypsilons nicht mehr gesagt werden.

Wird X, weil er zu Y nicht mehr Z sagen darf, nun zum Pro-Y, der Ypsilons mag?

Sicher nicht.

Er wird zum extrem-Anti-Y, weil er nicht mehr sagen darf, dass Ypsilons Z sind.

Und was ist mit A bis D, die bislang noch nicht dadurch aufgefallen sind, dass sie Z zu Y gesagt haben?

Wenn man ihnen verbietet, Z zu Y zu sagen, mögen sie dann alle Ypsilons?

Sicher nicht.

Wenn nun A bis D ihre Abneigung gegenüber Y zum Ausdruck bringen wollen, dann werden sie nicht mehr Z sagen, denn Z ist verboten, sondern Z‘, solange bis Z‘ auch verboten wird, dann sagen sie Z‘‘.

Der Versuch, Menschen über die Sprache, die man ihnen zugesteht, umzuerziehen, ist das sprichwörtliche Rennen zwischen Hase und Igel. Igel sind stachelig, behalten sich vor, Vorlieben und Abneigungen zu haben und nach beidem auch zu handeln.

Wollten die Weltverbesserer also die Welt in ihrem Sinne verändern, dann müssten Sie Menschen verbieten, andere Menschen nicht zu mögen, müssten ihnen verordnen, alle anderen Menschen lieb zu haben, gleich lieb.

Und dann beginnt das Hase-und-Igel-Rennen auf einem ganz anderen Niveau.

Das kleine Beispiel zeigt, wie sinnlos die Versuche der Halbgebildeten, die Welt an ihrem Wesen genesen zu lassen, doch sind. Dass dem so ist, hat eine einfach benennbare Ursache: Es gibt andere Menschen, mit anderen Meinungen, Vorlieben, Abneigungen usw.

Dumm, aber nicht zu ändern.

So wenig zu ändern wie die Tatsache, dass Schwarze nicht darauf gewartet haben, von halbgebildeten Lobsters oder Marshmallows beschützt und paternalisiert zu werden. Schwarze benötigen gar niemanden, um ihre Sache zu vertreten.

Und so enden wir mit einem Lied aus den 1990er Jahren, das ein Black singt und dessen Text, würde er von einem Weißen gesungen, die Schwarzen-Schützer in Orgien der Entrüstungen und Bestürzung versetzen würde.

Soziale Gerechtigkeit: Ein linker Etikettenschwindel von Meinungsforschern entlarvt

Soziale Gerechtigkeit ist ein Plastikwort oder ein Platzhalter. Von „sozialer Gerechtigkeit“ ist bekannt, dass es ein positiv besetzter Begriff ist. Man kann sich als Individuum gut fühlen, wenn man von sich sagt, man sei für „soziale Gerechtigkeit“, schon weil natürlich niemand gegen „soziale Gerechtigkeit“ ist. Manche denken, sie könnten die besonders Naiven unter den Wählern fangen, wenn sie von sich behaupteten, sie stünden für soziale Gerechtigkeit.

Soziale Gerechtigkeit kann man sich am besten als sprachlichen Platzhalter vorstellen, über den viele sprechen, ohne dass sie über das selbe sprechen. Jeder kann den Platzhalterbegriff benutzen und man kann über den affektiven Gehalt, der mit dem Begriff „sozialer Gerechtigkeit“ mitgeliefert wird, eine Brücke zu denen herstellen, die auch gerne gut sind oder „gut“ erscheinen wollen. Man kann Diskussionen in Talkshows mit dem Begriff „soziale Gerechtigkeit“ bestreiten, ihn in Parteiprogrammen an den unterschiedlichsten Stellen verteilen oder sich in Reden besonders ausgiebig seiner bedienen, ohne dass offenkundig wird, dass die, die den Begriff hören oder ihn lesen, (zuweilen völlig) unterschiedliche Bedeutungen an den Begriff herantragen.

YOUGOV kommt das Verdienst zu, untersucht zu haben, mit welchen Inhalten Deutsche den Begriff „soziale Gerechtigkeit“ füllen. Das Ergebnis ist für linke Parteien vernichtend:

22% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit eine Variante des Leistungsprinzips („, [d]ass jeder Bürger bekommt, was seiner Leistung entspricht. Wer mehr leistet, sollte mehr verdienen“).

22% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit Chancengleichheit („[d]ass für alle Bürger gleiche Startbedingungen und Chancen geschaffen werden“).

21% verstehen darunter eine Variante des Bedürfnisprinzips („,[dass jeder Bürger bekommt, was er benötigt. Es sollte für jeden gesorgt sein“).

15% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit Mildtätigkeit gegenüber sozial oder geistig Minderbemittelten („,[d]ass insbesondere den Schwächsten geholfen wird).

Nur 12% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit die Ergebnisgleichheit, die Linke gerne unter das Etikett „soziale Gerechtigkeit“ verpacken („,[d]ass für alle Bürger die gleichen Lebensbedingungen geschaffen werden“).

Die Umverteilung linker Regierungen, die Ergebnisgleichheit, die in staatlichen Programmen der Frauenhilfe und –bevorzugung angestrebt wird, sie wird demnach von 12% als sozial gerechte Politik angesehen. Nach der Verabschiedung der Ehe für alle ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass in Deutschland vornehmlich Politik für Minderheiten und gegen die Mehrheitsmeinung gemacht wird – oder, in den Worten von public choice, dass es in Deutschland bestimmten Interessengruppen gelungen ist, Entscheidungspositionen zu besetzen und hemmungslos für ihre Zwecke auszunutzen.

Der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ ermöglicht es linken Parteien, ihre Politik der Umverteilung auch denen unterzuschieben, die sie gar nicht mittragen. Der Platzhalterbegriff erlaubt es Lobbyisten, die Politik für ihre politischen Ziele zu kapern. Es ist Zeit, den Begriff, von dem schon Friedrich Hayek der Ansicht war, dass er sinnlos ist, aus dem Sprachgebrauch zu streichen.

“Mehr als zehn Jahre lang, habe ich mich intensiv damit befasst, den Sinn des Begriffs ‘soziale Gerechtigkeit’ herauszufinden. Der Versuch ist gescheitert; oder besser gesagt, ich bin zu dem Schluss gelangt, dass für eine Gesellschaft freier Menschen dieses Wort überhaupt keinen Sinn hat” (Hayek, 1977).

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