Es ist nie eine gute Idee, sich das, was andere behaupten, ungeprüft zueigen zu machen.
Es ist insbesondere keine gute Idee, wenn der, dessen Behauptung man sich zueigen macht, Eric Topol heißt, einer der größten Spreader von Junk Science, die es auf X gibt.
Aber Lauterbach ist unbeindruckt und behauptet, unter Bezug auf Topol, der Impfstoff gegen Gürtelrose schütze vor Demenz. Eine Studie mit mehr als 500.000 Probanden habe das gezeigt.
Diese Studie:
Hayes, Kaleen N., Daniel A. Harris, Kevin McConeghy, Lexie R. Grove, Richa Joshi, Lisa Han, H. Edward Davidson et al. (2025). Association between recombinant herpes zoster vaccination and dementia risk in older adults newly admitted to post-acute and long-term care.“ medRxiv: 2025-09.
Ein Blick in die Studie reicht, um zunächst Zweifel und dann Ärger zu entwickeln.
Bei Studien, in denen Impfstoffen eine positive Wirkung attestiert wird, ist es immer sinnvoll die Anbindung der Autoren zu betrachten, zu schauen, wer die Studie finanziert hat. Und siehe da:
„Funding for this investigator-initiated study was provided by GSK [18600/222911]. GSK was provided with the opportunity to review a preliminary version of this manuscript for factual accuracy, but the authors are solely responsible for the final content and interpretation.“
GlaxoSmithKline hat also die Studie finanziert.
Wie es der Zufall so will, wird Shingrix, der Impfstoff, der gegen Gürtelrose zum Einsatz kommt, von GlaxoSmithKline, also dem Konzern hergestellt, der auch die Studie finanziert hat, die Lauterbach auf X lobhudelt:
Shingrix ist nicht irgend ein Impfstoff gegen Gürtelrose. Shingrix, ein Totimpfstoff, ist DER Impfstoff gegen Gürtelrose. Rund 94% Marktanteil summierten sich schon 2022 zu einem Umsatz von rund 3 Milliarden USD für GlaxoSmithKline (GSK). Staatliche Impfprogramme, die in westlichen Staaten propagiert werden, sollen den Markt bis 2030 auf mindestens 11 und bis zu 23 Milliarden USD wachsen lassen. Wie schön wäre es, wenn man den eigenen Impfstoff gegen Gürtelrose noch mit dem Zusatznutzen „Schutz vor Demenz“ an den über 50jährigen bringen könnte.
In der EU ist Shingrix seit 2018 zugelassen, zunächst nur für mindestens 50jährige, seit 2020 auch für ab 18jährige mit Immunsuppression (AIDS-Erkrankte, Organempfänger usw.). Im Januar diesen Jahres hat die EU die neue Fertigspritze von GSK zugelassen, mit der Shingrix noch einfacher in den Mann zu bringen ist.
SciFi-Supt
Das bringt uns zurück zur Studie, die den Zusatznutzen von Shingrix: Schutz vor Demenz, festgestellt haben soll. Ein Pushfaktor der darüber hinweghelfen könnte, dass das Risiko für einen über 50jährigen, an Gürtelrose zu erkranken, 6 aus 1000 als 0,6% beträgt und somit so gering ist, dass die Notwendigkeit, sich einer Impfung zu unterziehen, bei denen, über die nicht institutionell bestimmt wird, weil sie in einem Pflegeheim den Launen der Betreiber ausgeliefert sind, eher gering ist.
Hayes et al. (2025) liefern eine dieser Studien, die durch die schiere Menge der Probanden beeindrucken soll: 509.926 Personen, die im Zeitraum von Januar 2017 bis Dezember 2022 in ein Pflegeheim eingewiesen wurden, stellen die Grundgesamtheit dar, so die Autoren. Allerdings schrumpft die Grundgesamtheit schnell zusammen, wenn diejenigen ausgeschlossen werden, die keine 12 Monate im Pflegeheim verblieben sind, die verstorben sind, entlassen wurden oder innerhalb von 12 Monaten nach Einweisung mit Demenz diagnostiziert wurden.
Es bleiben 268.361 Probanden übrig, 8.843 davon wurden mit Shingrix gespritzt, 259.518 nicht. Eine mehr als schiefe Verteilung, für die man prüfen müsste, ob die verwendeten statistischen Verfahren der schiefen Verteilung Rechnung tragen. Indes: Das ist nicht notwendig, denn bereits die erste Tabelle, nach der wir gesucht haben, zeigt, dass die angeblich berichteten Ergebnisse Junk sind, in den Daten nicht zu finden sind, dass Rauschen gemessen wurde. Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer und entsprechend hat man in Pflegeheimen eine höhere Wahrscheinlichkeit, Frauen anzutreffen als Männer. Ergo wird man seine Ergebnisse nach Geschlecht stratifizieren müssen. Und das haben die Autoren in der Tat getan, mit dem folgenden Ergebnis:
Sowohl die Ergebnisse für Männer als auch – witzigerweise – die Ergebnisse für die gegen Gürtelrose Geimpften sind Schrott. Ein Blick auf die gestrichelte rote Linie und die schwarzen Linien, die das Quadrat nach links und rechts verlassen, reicht, um zu sehen, dass hier Luft gemessen wurde, denn das Ergebnis für gegen Gürtelrose Geimpfte bricht die Parität, d.h. gegen Gürtelrose Geimpfte haben sowohl ein geringeres als auch ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken (für Männer ergibt sich dasselbe Ergebnis).
Das ist offenkundiger Unsinn. Ob es den Autoren nicht bekannt ist, dass Vertrauensbereiche, die über die Parität hinausreichen, ein insignifikantes Ergebnis ausweisen oder es die Autoren mit Blick auf ihren finanziellen Mentor also GSK, der das Manuskript auf faktische Korrektheit geprüft hat, vorgezogen haben, dieses Ergebnis zu unterschlagen, ist letztlich deren Problem. Fakt ist: Die Studie ist wissenschaftlich betrachtet das Geld nicht wert, das GSK dafür hingeblättert hat.
Ob Lauterbach dieses Mal etwas lernt, und seine Gewohnheit, sich die Behauptungen anderer zu eigen zu machen, in Zukunft aufgibt?
