Al-Müll-Chemie: Bundesbeauftragte versucht Teile von Junk-Science zu retten

Man kann sich ungefähr vorstellen, unter welchem Druck die Bundesbeauftragte für die neuen Bundesländer, die das Parteibuch der SPD inne hat, steht, seit ihr das Institut für Demokratieforschung Junk-Science als wissenschaftliche Studie für 129.391,86 Euro angedreht hat.

Der Druck muss immens sein, schon weil die Bundesbeauftragte in der Pressekonferenz, auf der die Ergebnisse der Junk Science vorgestellt wurden, den Mund sehr voll genommen hat:

Wir führen die Tatsache, dass Frau Gleicke sich zu einer Stellungnahme genötigt sieht, übrigens kausal auf unsere Beiträge auf ScienceFiles zurück, da wir die Wirkungskette von uns über die Welt bis zur CDU/CSU Fraktion verfolgen können. Da sich die dritte Seite der Stellungnahme auf Fragen bezieht, die wir an das Amt der Bundesbeauftragten gestellt haben und an Volker Kauder und Arnold Vaatz von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion geschickt haben, ist dies wohl einer der seltenen Fälle, in dem eine Kausalkette in der sozialen Welt belegt werden kann. Warum sich Politiker nicht direkt an uns wenden (als Personen, die nachweislich Urteilsvermögen z.B. im Hinblick auf die Qualität von Studien haben, schon weil wir das entsprechende Rüstzeug nicht nur gelernt, sondern auch gelehrt haben und davon leben, es täglich zu verkaufen), um ein Gutachten über den Wert von Studien in Auftrag zu geben, eine Berührungsangst, die viele Fachzeitschriften und die DFG nicht haben, ist uns übrigens nicht nachvollziehbar.

Wir zitieren:

  • Goettingen Junk Science„Rechtsextremismus ist nicht ausschließlich ein Ost-West-Problem, sondern auch ein Zentrum-Peripherie-Problem, das befördert werden kann durch spezifische regionale Faktoren, die in Ostdeutschland stärker ausgeprägt sind als im Westen.
  • Es gibt, nicht in ganz Ostdeutschland, aber in gewissen Regionen und politisch-kulturellen Umfeldern, eine historisch gewachsene Neigung zu Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremen Denken. Dies kann in der politischen Debatte nicht einfach beiseite gewischt werden, nur weil die Diagnose einer ostdeutschen Besonderheit eine politisch unangenehme Schwere in die öffentliche Debatte bringt.
  • Das Problem von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und fremdenfeindlich motivierten Übergriffen mag ein stärker ostdeutsches sein, die Lösung aber liegt vor Ort.“

Keine der gemachten Aussagen ist auf Grundlage der Daten, die in die Göttinger Studie eingeflossen sind, möglich. Weder ist es möglich, einen Ost-West-Vergleich anzustellen, noch ist es möglich, einen Vergleich zwischen Regionen in Ostdeutschland vorzunehmen. Wir haben als erste auf diese Tatsachen, die sich daraus ergeben, dass die Göttinger ausschließlich qualitativ forschen, hingewiesen. Man kann, wenn man John Doe in Heidenau befragt, nicht auf ganz Heidenau oder eine ganze Region oder ein ganzes Bundesland schließen, gar alle neuen Bundesländer über einen Kamm scheren und mit Westdeutschland vergleichen. Wer dies tut, hat keine Ahnung von empirischer Sozialforschung und auch keinen normalen Menschenverstand.

Die Göttinger haben es getan und offensichtlich das Problem gesehen, dass sie, der Ehrlichkeit halber in ihrem Endbericht immer eingeschränkt davon schreiben müssten, dass bei der Fokusgruppe in z.B. Freital ein Antwortmuster bei den Teilnehmern identifiziert wurde, von dem jedoch niemand sagen kann, ob es sich auch außerhalb dieser Fokusgruppe finden lässt. Die Eigenart qualitativer Forschung besteht darin, dass man etwas über diejenigen aussagen kann, die man qualitativ erforscht hat. Über niemand sonst. Die einzige Möglichkeit, aus qualitativen Interviews etwas mehr Honig zu saugen als gewöhnlich, bietet die Grounded Theory, sofern ihr ein entsprechender quantitativer Theorietest folgt. Aber die Grounded Theory kommt als Begriff im Endbericht der Junk Studie aus Göttingen nicht vor. Überhaupt gibt es keinerlei Hinweis darauf, mit welcher Methoden (!sic) das Material aus Einzelinterviews und Fokusgruppen ausgewertet wurde. Offensichtlich haben die Göttinger einfach ausgewertet, wie es ihnen so in den Sinn kam und keinerlei Methode benutzt.

Entsprechend kann man mit Blick auf die methodische Qualität dieser Junk-Studie feststellen:

  1. Flick quali soz

    Zum Nachlesen für Göttinger und sonstige Ahnungslose

    Es gibt keinerlei Kriterien, nach denen die Interviewpartner oder die Teilnehmer der Fokusgruppen ausgewählt wurden.

  2. Es gibt keinerlei Angaben darüber, wie die Interviews und Fokusgruppen durchgeführt wurden, anhand von Leitfäden, offen oder teil-offen?
  3. Es gibt keinerlei Angabe zur Methode, mit der die Daten ausgewertet wurden, ob mit qualitativer Inhaltsanalyse, mit dem Instrumentarium der Grounded Theory oder womit auch immer.
  4. Von Fragen der Reliabilität und Validität der Auswertung des Materials, wie man sie z.B. durch Blindauswertungen oder Mehrfachauswertungen herzustellen versucht, wollen wir gar nicht erst anfangen.

Damit fehlt jeglicher methodischer Grundstock in der Junk-Studie, so dass es nicht möglich ist, überhaupt ein Ergebnis als Ergebnis zu präsentieren, da man nicht weiß, wie die Ergebnisse gewonnen wurden, von wem die Informationen, die in die Ergebnisse eingeflossen sind, gewonnen wurden uvm.

Wenn sich die Bundesbeauftragte dennoch nicht entblödet zu sagen:
„Ich sehe keinen Grund für Zweifel an Inhalt und Methodik der Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung“, dann mag dies daran liegen, dass sie von Methodologie empirischer Sozialforschung keinerlei Ahnung hat und auch vom Inhalt der Junk-Studie nicht allzu viel weiß.

Dass sie keinerlei Ahnung von empirischer Sozialforschung hat, zeigt sich daran, dass in der gerade veröffentlichten Stellungnahme eine wilde Assoziationsreihe zu finden ist: Rechtsmotivierte Gewalttaten würden 2015 zur Hälfte in Ostdeutschland verübt. Die Ursachen dafür müssten schonungslos offengelegt werden. Und: „Diese Ursachenforschung war Inhalt und Zielsetzung der Studie. Ursachenforschung kann selbstverständlich nur dort erfolgen, wo die Probleme von rechtsextremen Vorfällen vor Ort bestehen“.

Das ist absoluter Blödsinn, denn:

Es ist es nicht nachvollziehbar, dass man die Ursachen von rechtsmotivierten Gewalttaten in Ostdeutschland nur in Heidenau, Freital oder Erfurt sucht. Das wäre vielleicht dann nachvollziehbar, wenn alle rechtsmotivierten Gewalttaten in Heidenau, Freital und Erfurt begangen würden. Damit würde man aber behaupten, die drei Orte hätten einen autonomen Sozialraum, der nicht von Politiken in Berlin oder Dresden beeinflusst wird, was offenkundiger Unsinn ist.

Es ist methodischer Ahnungslosigkeit geschuldet, die Ursachen von Problemen da suchen zu wollen, wo sie auftauchen. Das mag für das naive Gemüt einsichtig sein. Ist aber dennoch methodischer Unsinn. Denn: Wie würde man die Ursachen erkennen? Angenommen, in Ort X sterben viel mehr Menschen an Lungenentzündung als in Ort Y. Wollte man nun wissen, warum dem so ist, dann würde es nach Ansicht von Frau Gleicke ausreichen, im Ort X Experteninterviews abzuhalten und Fokusgruppen zu bilden, um die Ursachen zu entdecken.

Jahn Vergleichende PowiNun gibt es, wenn man z.B. in Bibliotheken von Universitäten geht, ganze Regale voller Bücher, die sich mit Vergleichen befassen. Ein ganzer Teilbereich der Politikwissenschaft nennt sich vergleichend. Die Ethologie ist weitgehend eine Wissenschaft, die auf dem Vergleich aufbaut. Die komplette quantitative Sozialforschung ist ohne Vergleichsgruppen nicht möglich. Irgendwie scheinen Wissenschaftler der Ansicht zu sein, dass man Ursachen für ein Problem nur durch einen Vergleich identifizieren kann. Mediziner und Psychologen nutzen gar Forschungsdesigns die Vergleiche in experimentellen Settings künstlich schaffen, um so der Ursache von Dingen auf den Grund zu gehen. Nur Frau Gleicke ist der Ansicht, es reiche, wenn man ohne Vergleich in einer Weise unbedarft und willkürlich forscht, wie dies die Göttinger getan haben.

Es ist vermutlich von einer Person, die seit 1989 in politischen Pöstchen sitzt, nicht zu erwarten, dass sie irgendwelche Kenntnisse in empirischer Sozialforschung hat. Aber es wäre genau deshalb angebracht, dass sie den Mund zu Fragen der empirischen Sozialforschung hält, die sie nicht beurteilen kann. 

Davon abgesehen stellt sich die Frage, wie Frau Gleicke, deren Biographie keinerlei Anlass gibt zu vermuten, sie habe auch nur rudimentäre Kenntnisse empirischer Sozialforschung, Kenntnisse die es erlauben, die Validität und Reliabilität, die methodische Richtigkeit von Studien einzuschätzen, glaubt eben dies tun zu können. Der Posten einer Bundesbeauftragten ist ein politischer Posten, der letztlich einfach nur der Versorgung von Parteisoldaten dient. Er hat keinerlei Zweck und die Position verleiht auch keinerlei Fähigkeiten. D.h. wer Kenntnisse empirischer Sozialforschung nicht auf die Position mitbringt, der hat sie auch nach Besetzung der Position nicht. Wie Frau Gleicke denken kann, nur weil sie eine Position inne habe, werde sie quasi von einem himmlischen Strahl der Erkenntnis verklugt, ist eine Frage, die man vermutlich nur auf Grundlage der Persönlichkeitspsychologie und ihrer Theorien beantworten kann.

Ebenso wäre es wünschenswert, wenn Frau Gleicke nicht versuchen würde, Bürger für dumm zu verkaufen.

Es gibt begründete Zweifel daran, dass die Göttinger alle Interviews, die sie geführt zu haben, behaupten, auch geführt haben. Die methodischen Mängel, die völlig ungewöhnlich selbst für qualitativ arbeitende Forscher sind, sind ein Grund für diese Zweifel. Die Uneinheitlichkeit der Anonymisierung, die die Göttinger vorgenommen haben, ist ein weiter Punkt, der Zweifel nährt. Die Behauptung, dass Anonymisierung in der qualitativen Sozialforschung „völlig normal“ oder „üblich“ sei, ist ein weiterer Grund für Zweifel.

Denn: Die Göttinger haben Experteninterviews geführt. Es ist bei Experteninterviews vollkommen unüblich, zu anonymisieren. Um den Gehalt der Interviews einschätzen zu können, ist es notwendig, die Qualifikationen der angeblichen Experten beurteilen zu können. Wer die angeblichen Experten anonymisiert und keinerlei Informationen zu ihren Qualifikationen gibt, erweckt somit den Eindruck, er wolle etwas verheimlichen. Was wohl?

Wäre die Anonymisierung so normal, wie sie Gleicke und die Göttinger behaupten, wäre sie also quasi ein Automatismus, dann muss erklärt werden, wieso dieser Automatismus bei Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Landes Thüringen, Jürgen Opitz, Bürgermeister der Stadt Heidenau, Sebastian Reißig, Geschäftsführer von Aktion Zivilcourage e.V., Pirna und Dr. Enrico Schwarz, Geschäftsführer von Biotec e.V. Freital nicht greift. Was hat die Forscher daran gehindert, ihrem Instinkt der Anonymisierung Folge zu leisten? Das Wissen darum, dass Anonymisierung doch die Ausnahme und nicht die Regel ist, wenn Experteninterviews geführt wurden?

Es wird eben kein Schuh daraus. Man kann Junk Science nicht gut reden, wie Gleicke das versucht, die dafür 130.000 Euro aus dem Fenster geworfen hat, die auf einer Pressekonferenz weitreichende Ergebnisse vorgetragen hat und nun, auf Druck des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie kleinlaut zugeben muss, dass es sich bei der Studie „nicht um eine repräsentative Studie[,] sondern um ‚Qualitative Sozialforschung‘“ handelt. Damit ist die Studie endgültig beerdigt, denn qualitative Studien lassen keinerlei Verallgemeinerung der Ergebnisse zu. Qualitative Studien werden durchgeführt, um sich einem unbekannten Forschungsgegenstand anzunähern. Dies ist in Gleicks Junk nicht der Fall.

junk_scienceUnd wenn Gleick weiter schreibt, dass die Vorgehensweise der Göttinger eine „übliche Vorgehensweise in der Sozialforschung“ sei, dann ist dies abermals nicht korrekt. Für die Nichtwissenden: Sozialforschung umfasst einen qualitativen und einen quantitativen Teil. Die Vertreter des quantitativen Teils wollen erklären, suchen nach Ursachen und tun dies auf Grundlage meist standardisierter Befragungen oder entsprechender Experimente und auf Grundlage von großen Datensätzen. Vertreter qualitativer Sozialforschung wollen verstehen, nicht erklären. Sie suchen entsprechend auch nicht nach allgemeingültigen Erklärungen, sondern nach Einzelfallbeschreibungen: Warum hat sich Fritz F. strafbar gemacht? Warum hat Iris G. 130.000 Steuereuro für Junk Science aus dem Fenster geworfen. Das sind Fragestellungen, die qualitative Studien zu beantworten in der Lage sein könnten. Sie geben keinerlei Hinweis auf Ursachen, die über die Personen, die interviewt wurden, hinausweisen.

Um Ursachenforschung zu betreiben, benötigt man einen quantitativen Ansatz der von einer theoretischen Fundierung ausgeht, also von Theorien, aus denen Hypothesen darüber abgeleitet werden können, warum sich Menschen gewalttätig verhalten. Das Forschungsdesign der Göttinger ist für die Beantwortung von Fragen nach Ursachen schlicht nicht geeignet. Hätte Gleicke auch nur eine Spur von Ahnung, sie wüsste das.

Es ist die übliche Armseligkeit, die wir regelmäßig bei Legitimationsforschung finden, dann, wenn angebliche Wissenschaftler Politikern zu Diensten sein wollen, in diesem Fall – wie David Berger eruiert hat – das SPD-Mitglied und der Stipendiat der SPD-eigenen Fritz-Ebert-Stiftung, der es zwischenzeitlich zum Leiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung gebracht hat, Franz Walter, und das SPD-Mitglied Iris Gleicke, die als Bundesbeauftrage 130.000 Euro nach Göttingen in Walters Institut überwiesen hat. Gerade wenn der Verdacht nahe liegt, dass hier ein Versorgungsnetzwerk für Genossen aus dem Amt der Bundesbeauftragten betrieben wird, hätte man erwartet, dass zumindest die Arbeit, die aus Göttingen geliefert wird, sauber und handwerklich nicht angreifbar ist. Wie die Dinge nun einmal liegen, ist die Arbeit Junk und das handwerkliche ist unterirdisch, aber immer ausreichend, um der ahnungslosen Gleicke als Studie untergeschoben zu werden.

Noch ein letztes Wort zur Anonymisierung. Das Lamento darüber, Anonymisierung seit notwendig, um die Interviewpartner nicht „rechter Gewalt“ auszusetzen, das in den Gewaltphantasien, in denen Gleicke und die Göttinger offensichtlich gerne schwelgen, immer präsent ist, viel präsenter als rechte Gewalt in der Wirklichkeit, ist Heuchelei, denn würden die Göttinger und Gleicke auch nur eine Sekunde daran glauben, dass demjenigen, der Schlechtes über die vermeintlich rechte Szene zu sagen weiß, Böses geschieht, sie würden die Studie aus Angst nicht in Auftrag geben oder, falls ein mutiger Mensch als Auftraggeber auftritt, die Studie anonym verfassen. Aus Angst. Dies ist jedoch nicht der Fall, was zeigt, dass die angebliche Angst der Interviewpartner und Fokusgruppenteilnehmer vorgeschoben wird, um etwas zu verheimlichen. Was könnte das nur sein? Die Erfindung von Gesprächspartnern? Die Zuschreibung von Aussagen, die die Gesprächspartner nie gemacht haben? Die Nachprüfbarkeit der Ergebnisse?

Oh je: Göttinger Rechts-Forscher sind Opfer (einer Verschwörung), nicht Täter!

Vor einigen Tagen hat Franz Walter, der Chef des Göttinger Instituts für Demokratieforschung Folgendes geschrieben:

„„Doch ist „die Wirklichkeit“ natürlich eine höchst ambivalente Sache. Die Realität der einen entspricht keineswegs der Realität der anderen. Natürlich leben wir nicht in einer sozial und normativ unstrittigen „Realität“.“

Goettingen Stellungnahme 1Seltsamerweise beharrt er, der in diesem Zitat der Ambivalenz und Uneindeutigkeit der Realität das Wort geredet hat, nun, da in der WELT Vorwürfe gegen die von ihm (mit) zu verantwortende Studie „Rechtextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland“ erhoben werden, Vorwürfe, die auf Merkwürdigkeiten zurückgehen, die wir berichtet haben, nun darauf, dass es genau eine Realität gibt, nämlich die seine und die der Autoren der genannten Studie, die keine Studie, sondern Junk ist, wie wir bereits ausgeführt haben. Wenn Leute, die die Eindeutigkeit der Realität in Frage stellen, die keinerlei Wahrheitstheorie dem zugrunde legen, was sie tun, nun plötzlich der Ansicht sind, die Realität sei doch ganz eindeutig und gar nicht mehr konstruiert, dann hat dies ein, wie soll man sagen, ein bigottes Bouquet. 

„Natürlich ist nichts von diesen Unterstellungen richtig“, so lautet die Verteidigung gegen Ungereimtheiten wie diejenigen, dass die – wie in der Stellungnahme des Göttinger Instituts für Demokratieforschung geschrieben – „gängige Praxis qualitativer Forschung die Klarnamen unserer Interviewpartner mehrheitlich verfremdet bzw. anonymisiert“ zu haben, in einer Weise praktiziert ist, die man entweder einem Täuschungsversuch oder methodischer Ahnungslosigkeit zuschreiben muss.

Zunächst ist es in Experteninterviews gerade NICHT üblich, die Klarnamen zu anonymisieren, denn das Gewicht dessen, was im Interview geäußert wird, lebt vom Status des Experten, so dass es für andere Forscher wichtig ist, den Expertenstatus nachvollziehen zu können. Aber mit dem Nachvollziehen haben es die vermeintlichen Forscher in Göttingen nicht so. Deshalb haben sie keinerlei Kriterien offengelegt und den Lesern schlicht verheimlicht, wer warum und auf Grundlage welcher Auswahl interviewt wurde. Und nun wundern sich die Autoren der Junk-Studie, sind gar entrüstet darüber, dass die Frage auftaucht, warum die Göttinger so methodisch unbedarft an eine Studie herangehen, aus der sie so weitreichende Schlüsse ziehen wollen wie den folgenden:

„Dies nicht zuletzt deshalb, weil insbesondere in Sachsen eine spezifische, von der CDU dominierte politische Kultur wirkt, die das Eigene überhöht und Abwehrreflexe gegen das Fremde, Andere, Äußere kultiviert.“ (192)

„Dies“ bezieht sich übrigens auf Antipathien, die es bei den in Heidenau und Freital vermeintlich Befragten gegenüber der Antifa gibt.

Goettingen Stellungnahme 2Sie wollen also auf der eine Seite weitreichende Aussagen über Ursachen und Konsequenzen von Rechtsextremismus aus ihren Ergebnissen ableiten, sind auf der anderen Seite aber weder bereit, die Auswahlkriterien zu benennen, die zur Auswahl z.B. der Experten für die entsprechenden Interviews oder der Teilnehmer in den Fokusgruppen geführt haben. Statt die für wissenschaftliche Studien normale Transparenz, die eine Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse zur Folge hätte, an den Tag zu legen, vernebeln die Göttinger noch mehr und anonymisieren alles, was ihnen in den Weg kommt. Das ist, wenn es um Experteninterviews geht, eben nicht üblich.

Wenn es so sein sollte, wie die Göttinger behaupten, dass Interviewpartner nur bereit waren, unter dem Deckmantel der Anonymität ihr vermeintliches Expertenwissen preiszugeben, dann sind die entsprechenden Interviews sowieso wertlos, denn Experten, die im Dunkeln wirken, sind per se keine Experten. Sie sind durch eine Mischung aus Feigheit und Angst gekennzeichnet, die wohl kaum Garant dafür sein wird, dass von solchen Experten eine rationale und normale Einschätzung der Umstände erfolgen kann, die sie umgibt.

Ein weiteres Problem verbindet sich mit dem prätentiösen Bombast, den die Göttinger Unkundigen der empirischen Sozialforschung ausgerechnet aus rund 35 Interviews und 3 Fokusgruppen in drei ostdeutschen Städten ableiten: Konsequenzen und Ursachen für ganz Ostdeutschland, ja selbst Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschlang meinen die Göttinger auf Grundlage ihrer – wie sie nun schreiben in „sehr kleinräumlichen Orten durchgeführten Forschung“ ziehen zu können.

Das passt nicht, nicht hinten und nicht vorne.

Wer seine Forschung derart vernebelt, wie die Göttinger dies getan haben und sich anmaßt, weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen, die man auf Grundlage der Daten nur ziehen kann, wenn man einen gehörigen Schuss Ideologie und Phantasie hinzugibt, der muss damit rechnen, dass ganz genau hingesehen wird und z.B. die Frage gestellt wird, was eine Anonymisierung von Herrn Menke als „Mitglied der Fraktion SPD/Grüne im Stadtrat Freital und Mitglied der Fraktion der SPD/Grüne im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“ soll, wenn man mit wenig Aufwand herausfinden kann, dass es sich bei Herrn Menke entweder um Harry Retz oder um Klaus Wolframm handeln muss. Keiner von beiden war gegenüber ScienceFiles bereit, eine Teilnahme an der Befragung der Göttinger zu bestätigen.

Das ist schlicht Humbug, und wie gesagt: Es ist unüblich. Es ist gerade die Grundlage von Experteninterviews, die Namen der Experten zu nennen. Wer es nicht tut, hat entweder keine Ahnung von den Gepflogenheiten empirischer Sozialforschung, ein Schluss, der Anbetracht der entsprechenden Ahnungslosigkeit der Göttinger, die wir in einem früheren Beitrag gezeigt haben, naheliegt, oder er hat etwas zu verbergen, ein Schluss, der sich fast noch mehr aufdrängt, wenn man die Tatsache in Rechnung stellt, dass es keinerlei Angaben dazu gibt, welche Experten aus welchen Gründen und nach welchen Kriterien wie ausgewählt wurden, um an dieser Pseudo-Studie teilzunehmen.

Derart konspirativ arbeitet nur jemand, der nicht will, dass seine Ergebnisse nachvollzogen werden können. Jemand, der etwas zu verheimlichen hat. Jemand, der Wissenschaft als Feigenblatt zur Verbreitung seiner politischen Ideologie missbraucht.

Logik der ForschungAber die Wissenschaft hat ja Regulative entwickelt, um Fälschungen und Täuschungsversuche aufzudecken. Diese scheinen den Göttingern nicht bekannt zu sein, denn sie sind der Ansicht: pikierte Hysterie und der Versuch, Kritik zur Gotteslästerung zu erklären, sei genug, um sich der Kritik zu entledigen, vor allem wenn man den entsprechenden Versuch, wie die Göttinger, noch mit ein wenig mitleidheischender Heuchelei verbindet und sich gleichzeitig zum Opfer einer „Kampagne“ (aus einem Zeitungsartikel) und zum Schutzpatron der ängstlichen Interviewpartner der eigenen Pseudo-Studie erklärt, die „nun aufgrund dieser Kampagne verunsichert sein könnten“, warum, weil sie wegen ihres Interviews einer „potenziellen Gefährdung … und künftigen Belastung in der politischen Auseinandersetzung“ ausgesetzt sein könnten.

Noch einmal: Wenn Experten zu feige sind, zu ihrem Expertenwissen zu stehen, dann sind sie als Experten nichts wert. Insofern ist die völlig unübliche Anonymisierung der Namen von Experten Grund genug, ihre Interviews zu vernichten. Und die Gefährdung, von der hier phantasiert wird, es gibt sie nur in der Phantasie der Göttinger. Sie sind von der Annahme, dass in Freital und Heidenau ein rechter Mob die rechtschaffenden Bürger, die sich vornehmlich in den Fraktionen von SPD, Grünen und LINKE finden, „natürlich“ nicht von der Antifa, ausgegangen, sie haben diese Phantasie in keiner Weise geprüft, sie statt dessen an ihre eigene Forschung herangetragen und selbst Interviewpartner anonymisiert, die das gar nicht wollten, wie Marcel Leubecher in der WELT schreibt. Wer derart voreingenommen, ja hysterisch an seine Forschung herangeht und im Verlauf dieser Forschung zeigt, dass er von Methoden der empirischen Sozialforschung so wenig weiß wie von den Gepflogenheiten derselben, der darf sich nicht wundern, wenn ihm genau auf die Finger geschaut wird.

Und damit sind wir wieder beim Thema Nachprüfbarkeit angelangt. Wissenschaft lebt davon, dass andere Forscher nachvollziehen können, was Primärforscher, die die Göttinger ja sein wollen, geforscht und als Ergebnisse gewonnen haben wollen. Deshalb ist es üblich, die Daten, auf deren Basis Ergebnisse gewonnen wurden, zu veröffentlichen. Beim Zentralarchiv in Köln kann man das z.B. tun, damit andere Forscher mit diesen Daten prüfen können, ob die Ergebnisse der Göttinger valide und reliabel sind.

  • Daher lautet die erste Forderung an die Göttinger das Daten-Material, auf dessen Grundlage sie ihre weitreichenden und himmelschreiend falschen Interpretationen „sehr kleinräumlicher“ Ereignisse und Erfahrungen getroffen haben, zu veröffentlichen und anderen Wissenschaftler zur Prüfung zugänglich zu machen.
  • Da die Zweifel daran, dass die Göttinger die Interviews, die sie behaupten, geführt zu haben, auch wirklich geführt haben, nicht dadurch ausgeräumt werden können, dass man sich aufplustert und die entsprechende Frage nach Ungereimtheiten als Gotteslästerung abtut, lautet die zweite Forderung an die Adresse der Göttinger die Aufzeichnungen aus den Interviews und aus den Fokus-Gruppen, nicht nur freizugeben, sondern mit den methodischen Erwägungen zu versehen, die in der Wissenschaft üblich sind: Wer wurde warum interviewt? Handelt es sich um den Teilnehmer an einer Fokusgruppe: Wie wurde der Teilnehmer ausgewählt – schließlich leben in Heidenau, Freital oder Erfurt jeweils mehr als 8 Personen. Handelt es sich um vermeintliche Experten, die interviewt wurden, dann sind zudem die Kriterien zu nennen, aus denen hervorgeht, welche Überlegungen dazu geführt haben, den entsprechenden Interviewpartner als Experten einzustufen und auszuwählen und welche Qualifikationen (politische Ideologie ist keine Qualifikation) der vermeintliche Experte mitbringt, um seinen Expertenstatus zu rechtfertigen.

Wenn die Göttinger diese Voraussetzungen dafür, dass ein normaler Wissenschaftsprozess begonnen werden kann, erfüllt haben, dann kann auf prüfbarer Basis darüber entschieden werden, ob die Vorwürfe, dass Interviews nicht geführt worden sind, zurückgenommen werden müssen.

Ach ja, zuvor müssen die Göttinger natürlich noch erklären, was ein Vertreter der Landeszentrale für Politische Bildung gegenüber Marcel Leubecher von der WELT gesagt hat:

„Unser angeblicher leitender Angestellter Reese wird an fünf Stellen zitiert, mit Positionen, die Sie niemals aus unserem Haus hören würden.“ Der erfundene Demokratievermittler stellt etwa die schützende Wirkung der Mauer heraus. Auch lobt er: „Die Monarchiezeiten waren nicht die schlechtesten.“ Die Landeszentrale habe erfolglos versucht zu rekonstruieren, wer „Herr Reese“ sein könnte, und nun bei den Göttinger Forschern um Transparenz gebeten. Bisher ohne Antwort.”

Wenn Herr Leubecher von der WELT, diesen Text als Argumentationshilfe nutzen will, dann dieses Mal bitte nur mit Quellenangabe!

Studie: Universitätsangehörige – linksextrem, prekär-neidisch und Deutsche hassend

Um die Überzeugung zu bestätigen, dass die Angehörigen deutscher Universitäten, also diejenigen, die ihr Brot in öffentlichen Anstalten verdienen müssen, linksextrem sind, aufgrund der schlechten Bezahlung in prekären Verhältnissen leben und deshalb neidisch auf neoliberal Erfolgreiche blicken und ansonsten Deutsche, vor allem weiße Deutsche hassen, haben wir eine Studie konzipiert, die im Design exakt der Studie „Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland“ folgt.

Diese vom Institut für Demokratieforschung durchgeführte Studie war überaus erfolgreich im Versuch, die Überzeugungen der Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben, anderen unterzuschieben und als deren Überzeugungen zu verkaufen, und zwar an die Bundesbeauftrage für die neuen Bundesländern, deren nicht vorhandene Kenntnisse in empirischer Sozialforschung sie zu einem lohnenden Ziel macht, wenn es um die Finanzierung von Überzeugungsfinder Studien geht.

Da wir einen Betrag in mehrstelliger Höhe vorgestreckt haben, um unsere Studie zu konzipieren, hoffen wir, von der Bundesbeauftragten refinanziert zu werden, denn unsere Studie produziert mit Sicherheit genauso wertvolle und weitreichende Ergebnisse wie die der Göttinger.

greenberg414Um die oben genannte Überzeugung zu bestätigen gehen wir wie die Göttinger von Überlegungen aus, die Quent (2015) einst angestellt hat. Die Überlegungen sind in die Unterscheidung von drei Analyseebenen gemündet, die so allgemein und nichtssagend sind, dass sie sich hervorragend für Studien eignen, deren Ziel darin besteht, die Überzeugung der Forscher zu bestätigen. Entsprechend unterscheiden wir mit Quent zwischen A) Kontextfaktoren, das ist alles, was um uns und alle anderen herum ist, B) Angebotsstrukturen des organisierten Linksextremismus, das ist alles, was es gibt, um Linksextremismus (be)lohnend zu machen, also z.B. Hartz IV, Bafög, Fördergelder vom BMFSFJ usw. und C) linksextreme Geländegewinne, worunter Manifestationen des Linksextremismus an Universitäten zu verstehen sind, also Manifestationen wie die Asten der Hochschulen, die Juso-Hochschulgruppen, Gender Studies Lehrstühle und dergleichen.

Als Kontextfaktoren erheben wir die Einstellung der Bevölkerung zu linksextremen Forschungsergebnissen, wie sie regelmäßig von Mitarbeitern der Hochschulen im Rahmen der Legitimationsforschung für Ministerien veröffentlicht werden. Als Angebotsstrukturen des Linksextremismus untersuchen wir die vielfältigen Möglichkeiten, den politisch-linksextremen Kampf an Universitäten auf Kosten von Steuerzahlern zu führen sowie die Verbreitung organisierter linksextremer Strukturen in AStA und politischen Hochschulgruppen, sowie deren Vernetzung ins linksextreme Unterstützerfeld der Parteien von Grünen und LINKE sowie in die Hausbesetzer und Molotowbauerszene. Schließlich analysieren wir die Geländegewinne als Provokationsgewinne und als Räumungsgewinne. Erstere sind gegeben, wenn Studenten (noch) nicht linksextreme Professoren überwachen, deren Veranstaltungen stören, die Professoren denunzieren und ihre Autos anzünden. Letztere sind gegeben, wenn die Angebote von wissenschaftlichen Veranstaltungen an Hochschulen verschwinden und von Ideologien wie Genderismus und Sozialismus ersetzt werden.

Um unsere Überzeugung zu bestätigen, wenden wir exakt dasselbe Forschungsdesign an, das auch die Forscher der Universität Göttingen angewendet haben. Da sie mit diesem Design eine öffentliche Finanzierung erreicht haben, rechnen wir uns auch gute Chancen aus, finanziert zu werden.

Demnach führen wir Experteninterviews mit Personen, die sich im Hinblick auf die Linksextreme Szene auskennen, wir führen Fokus-Gruppen Diskussionen durch, analysieren Material und nutzen das Mittel der teilnehmenden Beobachtung, um linksextreme Strukturen an Hochschulen aufzudecken.

Die Experteninterviews, also die, mit Personen, die sich in der Linksextremen Szene auskennen und sie gemäß unserer Überzeugungen, die wir – wie dies in der Göttinger Studie auch der Fall war – bestätigt haben wollen, bewerten, führen wir mit:

  • Abgeordneten der AfD im Abgeordnetenhaus von Berlin;
  • Mitgliedern der Identitären Bewegung;
  • Aussteigern aus der Linksextremen Szene;
  • Arbeitsberatern der Jobcenter;
  • Mitgliedern der NPD;
  • Polizeibeamten, die anonym bleiben wollen, weil sie befürchten, dass ihre Wohnungen von der Antifa zerstört werden;
  • Den Zeugen Jehovas;
  • Dem Verein für die Erhaltung der deutschen Sprache;
  • Experten, die beim Landeskriminalamt in führender Stellung sind;
  • Dem Kollegen im Zimmer nebenan, der schon einmal über Linksextremismus gearbeitet hat;
  • und Horst Mahler, der kein Problem hat, namentlich genannt zu werden

durch.

Für die Fokusgruppen rekrutieren wir Dozenten der Alice-Solomon Hochschule und der Humboldt-Universität zu Berlin, sowie Dozenten von einem Lehrstuhl an der Hochschule Merseburg, der vom BMBF finanziert wird, aber ebenso wie alle anderen Teilnehmer anonym bleiben will. Insgesamt rekrutieren wir bis zu 8 Mitglieder pro Fokusgruppe. Die Kriterien, nach denen wir die Teilnehmer ausgewählt haben, bleiben ebenso anonym, wie sie das in der Göttinger Studie geblieben sind.

Teilnehmende Beobachtungen finden statt

  • in Szenekneipen in Berlin;
  • in Berlin Kreuzberg;
  • bei Veranstaltung der HU-Berlin;
  • bei Veranstaltungen an der Alice Solomon Hochschule;
  • bei Sitzungen der Fakultätsräte an beiden Hochschulen;
  • bei Studentenparlamenten beider Hochschulen;
  • auf Berliner Arbeitsämtern;
  • in der ewigen Studierberatung;
  • in Vorstandssitzungen der Unterbezirke der SPD;
  • in der Hausbesetzerszene;

Linksextremismus, prekariat, Neid und DeutschenhassWas wir von der teilnehmenden Beobachtung lernen, wissen wir ebenso wenig wie die Göttinger Forscher. Ob wir überhaupt etwas lernen, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können und wollen. But, Hey, It’s fun.

Schließlich analysieren wir Material, irgendwelches Material, das wir u.a. auf Blogs wie Pi-News, Tichy’s Einblicke und in den Akten des Nationalsozialistischen Untergrunds finden werden, um unsere Überzeugung, nach der die Angehörigen deutscher Universitäten, also diejenigen, die ihr Brot in öffentlichen Anstalten verdienen müssen, linksextrem sind, aufgrund der schlechten Bezahlung in prekären Verhältnissen leben und deshalb neidisch auf neoliberal Erfolgreiche blicken und ansonsten Deutsche, vor allem weiße Deutsche hassen, zu bestätigen.

Die auf diese Weise gesammelten Daten werten wir mit dem Programm „Conviction-Finder“ nach der No-Methods Methode aus, um auf diese Weise sicherzustellen, dass am Ende auch die Überzeugung herauskommt, von der wir wissen, dass sie am Ende herauskommen wird. Die Ergebnisse, die durch die Interviews und Fokus-Gruppen-Diskussionen an den beiden Berliner Hochschulen und dem Lehrstuhl in Merseburg gewonnen werden, verbinden wir mit den Ergebnissen der teilnehmenden Beobachtung, und zwar irgendwie, da, wo es halt passt, und ergänzen das, was noch fehlt, mit dem, was wir aus der Materialanalyse entnommen haben. Dann verallgemeinern wir Ergebnisse unser Interviews mit 20 Personen und unserer Fokusgruppen mit 24 Personen von insgesamt drei Hochschulen und kommen zu dem Ergebnis, dass alle deutschen Universitätsangehörigen linksextrem sind, in prekären Umständen leben, weshalb sie neidisch auf erfolgreiche Neoliberale sind, was sich wiederum in einem latenten Deutschenhass entlädt.

Quod erat demonstrandum!
Eine solche Forschung muss die Bundesbeauftrage für die neuen Länder einfach fördern – oder?

Um diesen Text einordnen zu können, ist es sinnvoll, den Beitrag „Der rechtsextrem fremdenfeindliche Ossi: Junk Science trifft journalistische Ahnungslosigkeit“ zu kennen.

Der rechtsextrem fremdenfeindliche Ossi: Junk Science trifft journalistische Ahnungslosigkeit

Wenn es um Sozialwissenschaften geht, dann scheint jeder Fuzzi zu denken, er könne mitreden.

Das ist ein Problem.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass unter Journalisten Sachverstand und Urteilsvermögen so rar sind. Vor allem dann, wenn es um sozialwissenschaftliche Themen geht, fehlen beide in schöner Regelmäßigkeit, tritt die eigene ideologische Überzeugung an die Stelle von Ratio und Vernunft.

Und deshalb berichten heute die staatstragenden Medien unisono von einer Studie, die die auch im Jahre 27 nach der Vereinigung noch vorhandene Bundesbeauftrage für die neuen Bundesländer in Auftrag gegeben und teuer bezahlt hat. Dass es richtig teuer wird, dafür wollen wir nun sorgen.

Weil Journalisten so wenig Sachverstand und Urteilsvermögen haben, deshalb werden sie zum Durchlauferhitzer dessen, was angebliche Wissenschaftler von sich geben, die sich verstärkt an Instituten zu finden scheinen, die am Tropf von Ministerien oder ihren Ablegern hängen, die sie mit Auftragsforschung mästen. Das dem so ist, das hat noch keinen Journalisten auch nur verwundert. Journalisten zeichnen sich weitgehend durch eine treudoofe Berichterstattung aus, die verbreitet, was in der Pressemeldung steht, die weder in Frage stellt noch hinterfragt.

Und deshalb lesen deutsche Leser in jedem Medium denselben Unsinn:

  • junk_scienceZEIT: Rechtsextremismus: Wo sich Fremdenfeindlichkeit breit macht;
  • ZEIT: Studie der Bundesregierung: Ostdeutschland ist anfälliger für Rechtsextremismus
  • Frankfurter Rundschau: Diagnose einer ostdeutschen Spezifität;
  • Tagesschau.de: Studie: Warum häuft sich rechte Gewalt im Osten;
  • Göttinger Tageblatt: Osten hat Problem mit Rechtsextremismus;
  • Tagesspiegel: Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Und immer wieder Sachsen;
  • RP Online: Studie – Was den Osten so anfällig für Rechtsextremismus macht;
  • Derwesten.de: Rechtsextremismus ist ein ostdeutsches Problem;
  • Heute.de: DDR-Wurzeln machen Osten rechtsextremer;
  • RBB24: Studie: Ostdeutsche anfälliger für Rechtsextremismus;
  • N-TV.de: Studie – Osten anfälliger für Rechtsextremismus;

Ausgangspunkt für diesen gesammelten Unsinn ist eine angebliche Studie, die das Göttinger Institut für Demokratieforschung erstellt hat; im Auftrag der Bundesbeauftragten für die Ossis und für viel Geld. Wir schätzen, dass die Bundesbeauftragte für diese Junk-Studie mindestens 500.000 Steuereuro aus dem Fenster geworfen hat und fragen uns, ob man politische Darsteller, deren Darstellung vornehmlich darin besteht, Steuergelder zu verprassen, nicht wegen Veruntreuung anzeigen sollte.

Denn um Veruntreuung handelt es sich bei dieser Studie, dieser prätentiösen Studie, die viel vorgibt und methodisch in einer Weise von der Ahnungslosigkeit der angeblichen Forscher kündet, die uns sprachlos macht (Und wir haben schon einiges an Unsinn gelesen im Laufe unserer Gutachter-Karriere…).

Fangen wir zunächst mit dem an, was man aufgrund des methodischen Designs der Junk-Studie nicht machen kann:

Man kann keine Aussagen darüber machen, wie die Ostdeutschen sind. Die Datengrundlage lässt derartige Aussagen nicht zu.

Man kann keine Aussagen darüber machen, was die Ostdeutschen im Vergleich zu den Westdeutschen mehr oder eher oder besonders sind. In der Studie werden keinerlei Westdeutsche befragt oder untersucht. Entsprechend können auch keine Vergleiche zwischen Ost- und Westdeutschen auf Grundlage dessen vorgenommen werden, was die Göttinger da zusammengebastelt haben.

Man kann auf Grundlage der Daten der Göttinger keine Aussagen über Besonderheiten von Sachsen oder Thüringer machen. Die wenigen Daten, die noch dazu keinerlei regionale Variation aufweisen, lassen das nicht zu.

Ja man kann auf der Datenbasis, die die Göttinger sich teuer haben bezahlen lassen, nicht einmal Aussagen darüber machen, was Freital, Heidenau oder Erfurt, die drei Orte, in denen die Göttinger gewirkt haben, auszeichnet.

Damit sind alle Überschriften und Aussagen, die mit einem umfassenden Anspruch für alle Ostdeutschen oder für Ostdeutsche im Vergleich zu Westdeutschen oder für Sachsen oder Thüringer oder Heidenauer oder Freitaler oder Erfurter gemacht werden, wilde Spekulation und können keinerlei Anspruch darauf erheben, etwas zu verdeutlichen oder gar zu erklären.

Alle Titel und Beiträge in den oben zitierten Medien sind FakeNews, denn sie behaupten etwas, was schlicht nicht behauptet werden kann. Warum nicht?

Deshalb:

Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland“, so lautet der Titel der Göttinger Studie. Tatsächlich haben die Göttinger nicht Ostdeutschland, sondern nur Erfurt, Heidenau und Freital untersucht. Selbst Journalisten sollten verstehen, dass drei Orte nicht Ostdeutschland sind.

Der Titel geht noch weiter: „Ursachen und Hintergründe für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und fremdenfeindlich motivierte Übergriffe in Ostdeutschland sowie die Ballung in einzelnen ostdeutschen Regionen“.

Wenn angebliche Wissenschaftler von Ursachen sprechen und behaupten, sie hätten Kausalitäten entdeckt, dann ist Vorsicht angezeigt; Wenn die entsprechenden Wissenschaftler ihre Kausalitäten auf Basis von qualitativen Methoden gefunden haben wollen, dann ist neben Heiterkeit noch mehr Vorsicht angezeigt, dann liegt der Verdacht nahe, dass hier ein Versuch unternommen werden soll, Sozialwissenschaften zum Zwecke ideologischer Manipulation derer, die sich so gerne und einfach manipulieren lassen, also der Journalisten, zu missbrauchen.

Goettingen Junk ScienceUm diesen Verdacht zu untersuchen, benötigt man Kenntnisse der Methoden der empirischen Sozialforschung und man muss in der Lage sein, das Methodenkapitel der Göttinger Ideologen zu lesen. Dasselbe nimmt gerade einmal drei dreiviertel Seiten ein und rapportiert im Wesentlichen nur, was gemacht wurde:

Es wurden qualitative Interviews mit Experten geführt, also mit Personen, die die Göttinger für Experten halten. Warum sie die entsprechenden Personen für Experten halten, warum und wie sie die entsprechenden Personen ausgewählt haben, grundlegende Fragen, an denen der Wert einer Studie und ihre Reichweite bewertet wird, sie werden nicht beantwortet. Das ist ein Verstoß gegen wissenschaftliche Lauterkeit und ein eindrücklicher Beleg für methodische Unkenntnis.

Dann wurden Fokusgruppen-Interviews in Freital und Heidenau und Erfurt geführt, mit jeweils 6 bis 8 Personen. Wer aus welchem Grund als Teilnehmer in die Fokusgruppen gelangt ist, darüber schweigen sich die Göttinger ebenfalls aus. Abermals ein Verstoß gegen wissenschaftliche Lauterkeit, den man einem Studenten im ersten Semester nicht durchgehen lässt.

Weil niemand weiß, wer warum in die Fokusgruppen oder als Experte zum Experteninterviews geladen wurde, deshalb ist das Material das aus den Interviews resultiert schlicht wertlos. Möglicherweise haben die Göttinger Forscher ja ausschließlich Mitglieder der LINKE zu ihrer Meinung über Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit befragt. Ein Verdacht, der nicht so fern liegt, wie man denken würde. Aber dazu kommen wir noch.

Dann haben die Göttinger noch „teilnehmende Beobachtungen“ durchgeführt, sie haben an Stadratsitzungen teilgenommen, sind zu einem oder mehreren Fussballspielen gegangen und waren bei Stadt- oder Grillfesten zugegen. Grundsätzlich ist die teilnehmende Beobachtung eine wissenschaftliche Methode, aber nur dann, wenn die Beobachtungssituationen und die, die beobachtet werden, nach festen Kriterien bestimmt und kontrolliert werden. Die Göttinger haben nichts davon getan. Entsprechend sind ihre Ergebnisse auch hier wertlos.

Schließlich haben sie Wahlergebnisse ausgewertet. Ein löbliches Unterfangen, das man normalerweise von Studenten im Grundstudium vornehmen lässt.

Das, was der ahnungslosen Bundesbeauftragten hier mit Sicherheit als „Methoden-Mix“ verkauft wurde, sehr teuer verkauft wurde, wir gehen von Kosten in Höhe von mindesten einer halben Million Euro für ein solches Design aus, ist eine Sammlung methodischer Kunstfehler, die letztlich keinerlei Aussagen darüber zulassen, welche lokale Strukturen oder gar Ursachen von Rechtsextremismus in Freital, Heidenau oder Erfurt für zu finden sind, geschweige denn, dass sich Aussagen für Sachsen, Thüringen oder Ostdeutschland als Ganzes machen ließen.

Dass dem so ist, das müssen auch die Göttinger irgendwie gedacht haben. Nur so ist es zu erklären, dass sie einen der dümmsten Sätze, die je aus einem angeblichen Wissenschaftlerkopf gefallen sind, zu Papier gebracht haben, um zu suggerieren, ihre Ergebnisse wären irgendwie repräsentativ, würden irgendwie Schlüsse über die Personen, von denen die Ergebnisse generiert wurden, hinaus zulassen:

Prof Facepalm„Die jeweiligen Fokusgruppen hatten eine Größe von sechs bis acht TeilnehmerInnen, wobei versucht wurde – und auch weitgehend gelang -, sowohl nach Alters- als auch nach den Geschlechterdurchschnitt sowie die Verteilung nach Berufstätigkeit/Ausbildung/Arbeitslosigkeit/Rente der jeweiligen Untersuchungsorte einigermaßen repräsentativ abzubilden.“ (12)

Damit ist es den Göttingern gelungen, die Vielfalt von Heidenau, Erfurt und Freital in sechs bis acht Personen repräsentativ zu erfassen, und zwar mit Blick auf das Alter, das Geschlecht, den Beruf, und den Erwerbsstatus. Daraus muss man schließen, dass es in Erfurt und Freital und Heidenau jeweils maximal 6 bis 8 Personen unterschiedlichen Alters gibt, die nicht mehr als 6 bis 8 unterschiedliche Berufe ausüben und noch in der Lage sind, die Verschiedenheit von Erwerbsstatussen (Vollzeit, Teilzeit, stundenweise Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, in Lehrausbildung, bei der Bundeswehr, im Studium, in Elternzeit, beurlaubt, krankgeschrieben usw.) abzubilden.

Das ist mit Verlaub der größte Schwachsinn, den wir je gelesen haben. Wer behauptet, er können auf Basis von 6 bis 8 Personen die „jeweiligen Untersuchungsorte einigermaßen repräsentativ“ abbilden, wie dies die Göttinger tun, der hat entweder (1) nicht mehr alle Tassen im Schrank, (2) keine Ahnung von Methoden, (3) will bewusst seinen Auftraggeber täuschen oder macht (4) sich einen Spaß mit seinem Auftraggeber, dem er entsprechende Attribute von Dummheit und Naivität zuweisen muss.

methoden_der_empirischen_sozialforschungWas zutrifft, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass die Behauptung, die Ergebnisse seien in irgendeiner Weise aussagekräftig, nicht nur methodisch unhaltbar ist, sie sind eine schlichte Lüge. Das ganze Brimborium, das die Göttinger veranstalten, dient einzig dazu, die Kosten für diese Studie in die Höhe zu treiben, ohne auch nur einen Deut Erkenntnis als Gegenleistung zu liefern und dazu, am Ende die eigenen Vorurteile, die man zu Anfang in die Studie gepackt hat, damit rechtfertigen zu können, dass man sie nun als Ergebnisse präsentiert.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Auf Grundlage dessen, was die Göttinger geforscht haben wollen, kann man KEINERLEI Aussage über Erfurter, Heidenauer, Freitaler, Sachsen, Thüringer oder Ostdeutsche machen.

Fehlt noch der Beleg dafür, dass die Göttinger gefunden haben, wonach sie manisch auf der Suche waren.

Wenn man belegen will, dass X ein Rechtsextremist ist, was macht man dann? Man befragt Y, der schon mehrfach öffentlich seine Meinung bekundet hat, dass X ein Rechtsextremist ist. Das beschreibt die Anlage der Studie, deren Ergebnisse, die Journalisten so treudoof herbeten und die auf den Angaben der folgenden Personen beruhen:

  1. Sebastian Reißig, Geschäftsführer von Aktion Zivilcourage e.V., Pirna
  2. Herr Dreier, Mitglied der Fraktion SPD/Grüne im Stadtrat Freital und
  3. Mitglied der Fraktion SPD/Grüne im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
  4. Herr Menke, Mitglied der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Freital und im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
  5. Frau Laski, Mitglied des Freitaler Stadtrates
  6. Jürgen Opitz, Bürgermeister der Stadt Heidenau
  7. Frau Ackermann, Mitglied des sächsischen Landtages (Fraktion DIE LINKE)
  8. Herr Reese, führender Mitarbeiter der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung
  9. Frau Decker, Lokalredakteurin der Sächsischen Zeitung in Freital
  10. MitarbeiterInnen des Kinder- und Jugendhilfeverbundes Freital
  11. Herr Thiele, Mitglied der Fraktion „Bürger für Freital“ im Freitaler Stadtrat
  12. Herr Tharandt, Lehrer am Weißeritzgymnasium Freital
  13. Frau Fröhlich, Mitglied der Fraktion DIE LINKE/Grüne im Stadtrat Heidenau
  14. Dr. Enrico Schwarz, Geschäftsführer von Biotec e.V., Freital
  15. Herr Lehmann, Fußballtrainer in Freital mit Migrationshintergrund
  16. MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung Heidenau
  17. KommunalpolitikerInnen aus Heidenau
  18. Mitarbeiterinnen von Zusammenleben e.V., Freital
  19. Zwei Beamte des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen (Leiter der
  20. Stabsstelle und Leiter des Fachreferates Rechtsextremismus)
  21. Frau Preuss, Bewohnerin des Stadtteils Heidenau-Süd
  22. BewohnerInnen des Herrenbergs, die anonym bleiben wollen, 27.10.2016
  23. Mitarbeiter der Partei DIE LINKE mit Schwerpunkt auf Rechtsextremismus, 01.08.2016
  24. Lokaler politischer Akteur, 27.10.2016
  25. Fanprojekt Erfurt e.V., 30.07.2016
  26. Fokusgruppe Erfurt, 16.11.2016
  27. Mitglied des Stadtrates für die SPD, 07.06.2016
  28. Journalist des MDR, 22.08.2016
  29. Politischer Akteur aus dem grünen Spektrum A, 17.05.2016
  30. Vertreter des Gemeindevorstands Ahmadiyya, 28.11.2017
  31. Mitglied des Stadtrates für die CDU, 07.06.2016
  32. Mobit e.V., 18.05.2016
  33. Bodo Ramelow, Ministerpräsident Thüringens, 07.09.2016
  34. Person aus der Bildungspolitik, 25.05.2016
  35. Politischer Akteur aus dem grünen Spektrum B, 22.08.2016
  36. Lokale zivilgesellschaftliche AkteurInnen, 15.11.2016
  37. Zwei Personen aus der Zivilgesellschaft, die anonym bleiben wollen, 27.09.2016

Alle Aussagen über Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit der Sachsen, Thüringer oder Ostdeutschen basieren auf den Angaben der hier zusammengestellten Interviewpartner. Man muss nicht in empirischer Sozialforschung ausgebildet sein, um zu erkennen, dass auf Basis der Interviews mit den genannten Personen keinerlei verallgemeinernde Aussagen möglich sind, die auf alle Sachsen oder Ostdeutschen übertragen werden. Alltagsverstand reicht. Alltagsverstand, den wohl die meisten Journalisten nicht haben. Man muss, am Rande bemerkt, selten dämlich sein, wenn man für einen derartigen Junk, mehrere 100.000 Euro Steuergelder aus dem Fenster wirft.

Aber: Nichts ist so schlecht, dass es nicht für etwas gut ist. Wenn man aus der Liste der Interviewten etwas entnehmen kann, dann die Angst der angeblichen Sozialforscher vor ihrem Studienobjekt. Es findet sich kein Rechter, kein bekennender Rechstextremist, nicht einmal ein Rechtsextremist-light in Form eines NPD-Funktionärs. Die Göttinger haben offensichtlich die Hosen voll und eine Heidenangst davor, mit denen konfrontiert zu werden, über die sie angeblich forschen. Das ist noch armseliger als diese Junk-Studie.


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Wie wirklich ist Verstand? Am Göttinger Institut für Demokratieforschung blüht die Esoterik

Franz Walter, Leiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, hat einen skurrilen Text veröffentlicht, den man nicht unkommentiert stehen lassen kann, wirft er die Sozialwissenschaft doch weit hinter die Scholastik zurück in die Zeit als noch der religiöse Glaube an das, was sein soll, das, was wirklich ist, überlagert hat.

Der Text stellt in weiten Teilen eine Verschwörungstheorie vor, die so simpel ist, dass man sie in zwei Sätzen zusammenfassen kann: Finstere globale Finanzmächte haben die Interpretation der Wirklichkeit gekapert, um den harmlos dummen anderen Mitglieder der Gesellschaft eine falsche Wirklichkeit vorzugaukeln. Denn: Wirklichkeit gibt es nicht an sich, es gibt nur Interpretationen der Wirklichkeit.

Ob Franz Walter sein Gehalt für eine Interpretation von Wirklichkeit hält oder es ausgibt, ganz so als wäre es Wirklichkeit, ist eine Frage, die sein Vermieter beantworten muss.

Der Kern des Walterschen Unsinns ist in der folgenden Passage zu finden:

Franz Walter Goettingen Demokratieforschung„Doch ist „die Wirklichkeit“ natürlich eine höchst ambivalente Sache. Die Realität der einen entspricht keineswegs der Realität der anderen. Natürlich leben wir nicht in einer sozial und normativ unstrittigen „Realität“. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Lebensgeschichten nehmen Wirklichkeit anders wahr. Wirklichkeit, auch Fakten werden durch Kommunikation und Normen konstruiert, dann subjektiv interpretiert und durch die Filter handfester Interessen zu einem Machtfaktor gerade in demokratischen Gesellschaften. Wer die Hegemonie über die Interpretation von „Wirklichkeit“ und der „Faktenlage“ innehat, besitzt einen Vorsprung in der geistig-politischen Auseinandersetzung.“

Die Erkenntnistheorie, die sich über nunmehr 200 Jahre entwickelt hat, hat Menschen wie Walter einfach nicht verdient; Jene Erkenntnistheorie, die z.B. in die Korrespondenztheorie der Wahrheit gemündet ist, die wiederum den Test an der Wirklichkeit als Kriterium ansieht, an dem die Korrektheit von Sätzen abgelesen werden kann. Ob der Satz: „Es regnet in Göttingen“ ein wahrer Satz ist, einer, der mit der Wirklichkeit übereinstimmt, ist insofern keine Frage normativer Interpretation oder von „hegemonialer Interpretation“. Er ist entscheidbar, der Satz. So wie die Wirklichkeit entscheidbar ist.

Weil sie das ist, haben sich Wissenschaftler vor langer Zeit darauf geeinigt, die Wirklichkeit als Maßstab dafür zu Rate zu ziehen, ob ihre Theorien über die Wirklichkeit zutreffen. Wohlgemerkt ihre Theorien, nicht ihre Interpretationen. Denn im Gegensatz zu Interpretationen enthält der Begriff „Theorie“ kein Element der Willkür. Theorie ist Ordnung und Methode und nur dann etwas wert, wenn feststellbar ist, ob eine Theorie zutrifft, sich bewähren kann oder nicht. Interpretationen haben es da leichter. Sie wollen nur subjektiv sein und reklamieren keinerlei Bedeutung im täglichen Leben. Interpretationen sind u.a. der Zeitvertreib dessen, der es auf wissenschaftliche Positionen geschafft hat ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, was Wissenschaft bedeutet, was Wissenschaft „wirklich“ ist.

Und weil sie es nicht wissen, deshalb interpretieren sie Wirklichkeit, nein, deshalb interpretieren sie eine der vielen Wirklichkeiten, die sie behaupten zu sehen. Globale, neoliberale und andere Wirklichkeiten. Es gibt sie zuhauf für Menschen wie Walter, der nie auf die Idee gekommen ist, das naheliegende zu tun: Wirklichkeit als Regulativ einzuführen, an dem man die eigenen Aussagen überprüfen kann. Er ist schon deshalb nicht auf die Idee gekommen, weil es das Ende seiner Interpretationen wäre. Derzeit kann er noch wild fabulieren, interpretieren, behaupten, insinuieren und verkünden. Missbrauchte er Wirklichkeit nicht als Interpretationsobjekt sondern benutze Wirklichkeit als Regulativ, er könnte nur noch behaupten, was er auch belegen kann. Herzlich wenig wäre das. Entsprechend interpretiert er lieber, der Herr Walter, und behauptet, es gäbe mehr als eine Wirklichkeit und vor allem sei die Wirklichkeit ambivalent.

Sie ist es nicht, Herr Walter. Die Wirklichkeit ist erschreckend eindeutig. Interpretieren Sie Kartoffeln als Zahlungsmittel und gehen Sie in den nächsten Supermarkt. Die Wirklichkeit wird sie belehren. Interpretieren sie das Eigentum anderer als das ihre und bedienen sie sich. Auch hier wird Sie die Wirklichkeit schnell davon überzeugen, dass ihre Interpretation falsch ist.

farsideislandAber das weiß auch Herr Walter. Deshalb geht er nicht mit Kartoffeln in den Supermarkt und klaut nicht wie ein Rabe. Deshalb kassiert er sein Gehalt auf Euro und Cent genau und lässt keinerlei Zweifel an der Höhe der Wirklichkeit seines Gehaltes zu. Dass er dennoch die Wirklichkeit bezweifel und behauptet, es gebe derer viele, je nach Erfahrung oder normativer Bewertung durch den Interpretatoren, hat einen einfachen Grund: Gelderwerb. Die Apologeten der subjektiv konstruierten Wirklichkeiten haben keinerlei Nutzen, den sie für sich ins Feld führen könnten, keinerlei Beitrag zu leisten, der gesellschaftlicher Mehrwert wäre. Aber bevor jemand feststellt, dass Interpretationen Marke Walter, dass seine Verschwörungstheorien nichts sind, was einen wissenschaftlichen oder praktischen Wert hätte, einen Wert, der über die subjektive Deutung eines Herrn Walter hinausweist, bevor ihm solches entgegengehalten wird, behauptet er lieber, die Wirklichkeit und mit ihr jede Kritik sei subjektiv und normativ und an Erfahrung gebunden und könne der Komplexität seiner Gedanken entsprechend nicht gerecht werden.

Hans Albert spricht hier von Kritikimmunisierung und wundert sich vermutlich bis heute, dass es funktioniert. Es ist in Deutschland möglich, zu behaupten, die Wirklichkeit sei nichts, was fassbar sei, ihre Beschaffenheit sei vielmehr von subjektiver Interpretation, normativer Vorliebe und individueller Erfahrung abhängig. Und es ist möglich, mit solchen Behauptungen, die zur Konsequenz haben, dass alles, was der Behauptende von sich gibt, subjektiv, von seinen normativen Vorlieben und seiner Erfahrung geprägt ist und so einzigartig, dass es Dritten nicht mitteilbar und verständlich ist, Geld zu verdienen und bei besonders einfachen Gemütern als gelehrt zu erscheinen.

Uns scheint, Herr Walter hat es geschafft, seine subjektiven Interpretationen und Deutungen der Wirklichkeit in hegemonialer und egoistischer Weise zu kapitalisieren und am Markt für Subjektives und gesellschaftlich Nutzloses zu verkaufen.

Die Frage, ob Wirklichkeit wirklich ist, ist natürlich eine metaphysische Frage, über die es sich nur bedingt diskutieren lässt, etwa so bedingt, wie es sinnvoll ist, dauerhaft mit einer Mauer darüber zu diskutieren, ob die Mauer oder der eigene Kopf den längeren Atem hat.

Karl Raimund Popper, der zeitlebens an der Dummheit jener Zeitgenossen gelitten hat, die die Wirklichkeit der Wirklichkeit in Zweifel ziehen und Deutung an die Stelle von Messung, Interpretation an die Stelle von Methode setzen wollen, gleichzeitig ihre Deutungen aber für so relevant halten, dass sie sie anderen mitteilen zu müssen glauben, hat in seinem Plädoyer für den Realismus des Alltagsverstandes und gegen die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes ein Beispiel zitiert, das Winston Churchills Antwort auf diejenigen darstellt, die die Eindeutigkeit von Wirklichkeit anzweifeln, sie deuten und interpretieren wollen:

Popper objektive Erkenntnis„Winston Churchills Ansichten sind sehr ausgeprägt und ich halte sie für einen sehr gerechten Kommentar zu einer Philosophie, die sich seitdem vielleicht vom Idealismus zum Realismus gewandelt hat, aber immer noch gleich nichtssagend ist: ‚Einige meiner Vettern, die den großen Vorzug einer Universitätsausbildung genossen‘, schreibt Churchill, ‚zogen mich gern mit Argumenten auf, die beweisen sollten, dass nichts existiert außer in Form unserer Gedanken …‘. Er fährt fort: ‚Ich berief mich immer auf folgendes Argument, das ich mir selbst viele Jahre früher einmal klargemacht hatte … [Da] ist die riesige Sonne, die augenscheinlich auf keiner festeren Grundlage steht als unseren Sinneswahrnehmungen. Doch glücklicherweise gibt es eine Methode zur Nachprüfung der Wirklichkeit der Sonne, die überhaupt nichts mit unseren Sinnen zu tun hat. … Die Astronomen sagen mittels [der Mathematik und] des reinen Verstandes voraus, dass an einem bestimmten Tag ein dunkler Fleck vor der Sonne vorüberziehen wird. Man … schaut nach, und der Gesichtssinn sagt dir unmittelbar, dass die Berechnung richtig war. … Wir haben etwas gemacht, was in der militärischen Kartographie Kontrollpeilung heißt. Wir haben uns ein unabhängiges Zeugnis für die Wirklichkeit der Sonne erschaffen. Wenn mir meine metaphysischen Freunde sagen, die Daten, die in die Berechnungen der Astronomie eingingen, beruhten notwendigerweise ursprünglich auf Sinneswahrnehmungen, so sage ich ‚nein‘. Sie könnten, jedenfalls theoretisch, aus automatischen Rechenmaschinen stammen, die vom drauffallenden Licht in Gang gesetzt werden, ohne dass die menschliche Sinneswahrnehmung irgendwo eingeschaltet wäre. … Ich … sage noch einmal mit allem Nachdruck … die Sonne ist wirklich, auch heiß, heiß wie die Hölle, und wenn die Metaphysiker das anzweifeln, sollten sie hingehen und sich überzeugen“ (Popper 1973: 58-59).

Ausgerechnet bei der Messung des IQ – Gesellschaft für Gehirntraining dilettiert

Die Überschrift:

Gemüse und Obst steigern den IQ / Aktuelle Studie zeigt positive Wirkung auf geistige Leistungsfähigkeit“.

Die „aktuelle“ Studie

Dr. WolzDurchgeführt von der Gesellschaft für Gehirntraining (GfG) im Auftrag des Herstellers von Gesundheitspräparaten, Dr. Wolz GmbH.
47 Versuchsteilnehmer nahmen sechs Wochen lang 20 ml Vitalkomplex Dr. Wolz ein.
Zu Beginn und zum Ende der Einnahmephase wurde die kognitive Leistungsfähigkeit der Teilnehmer gemessen.

Das Ergebnis

Die Teilnehmer hatten zu Beginn einen durchschnittlichen IQ von 110, zum Ende einen durchschnittlichen IQ von 115.

Die Euphorie:

„Die Studie zeigt, dass sich die geistige Fitness durch eine bessere Ernährung mit mehr Gemüse und Obst steigern lässt, sagt Studienleiter Dr. Siegfried Lehrl von der Gesellschaft für Gehirntraining e.V.“

Noch mehr Euphorie:

„Eine enge Korrelation zwischen Gemüse- und Obstkonsum und der Verbesserung der fluiden Intelligenz, die die individuelle Denk- und Problemlösungsfähigkeit beschreibt, konnte eindrucksvoll nachgewiesen werden. Es kommt zu einer signifikanten Verbesserung der Arbeitsspeicherkapazität.“

Es folgt auf dem Fuss:
Der ScienceFiles-Anticlimax

Eine Verbesserung des IQ von 110 auf 115 ist nicht signifikant. Die entsprechende Verbesserung um 4,5% ist nicht signifikant, denn um festzustellen, ob die Verbesserung signifikant ist, bedarf es einer Kontrollgruppe.

Das Fehlen einer Kontrollgruppe, ein Anfängerfehler, der nicht zu entschuldigen ist, also einer Gruppe aus Teilnehmern, denen sechs Wochen ein Placebo (oder nichts) anstelle von Dr. Wolz Vitalkomplex verabreicht wurde, macht die Studienergebnisse wertlos. Sie sind ein Fall für den Mülleimer, denn die Verbesserung im IQ, sie kann:

  • zufällig zustande gekommen sein,
  • einen Lerneffekt darstellen, immerhin folgen IQ-Tests weitgehend demselben
  • Strickmuster,
    ein Artefakt der IQ-Messung sein,

jedenfalls kann kein Zusammenhang zwischen Dr. Wolz Vitalkomplex und der Steigerung im IQ um 5 Punkte belegt werden.


GfGehirntraining.jpgDazu hätte es, wie gesagt, einer Kontrollgruppe bedurft. Dass sie vergessen wurde oder es vielleicht schlicht keine gab, um den positiven Ergebnissen etwas nachzuhelfen, ist eine Unterlassung, die die Dr. Wolz GmbH dazu veranlassen sollte, die Gesellschaft für Gehirntraining (GfG), in Regress zu nehmen, es handelt sich dabei nämlich um einen handwerklichen Fehler, den man im Bereich der Medizin als Kunstfehler bezeichnen würde. In Anlehnung an § 630 BGB könnte man den Kunstfehler der Gehirntrainer als den zum Zeitpunkt der Studie bestehenden, allgemein anerkannten Standards nicht entsprechend, bezeichnen.

Dass ausgerechnet die Gesellschaft für Gehirntraining einen derart dilettantischen Anfängerfehler begeht, ist einerseits pikant, andererseits ein Beleg dafür, dass bei der Gesellschaft noch viel Potential für den Verzehr von Gemüse und Obst besteht.


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Für Geld tun sie alles: Vermeintliche Wissenschaftler verunglimpfen lokale Tageszeitung

Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, das „suggerieren“ will, es sei ein wissenschaftliches Institut, sollte sich in Duisburger Institut für Scharlatanerie und Schmutzbewerfung umbenennen.


DISS Rundblick UNNA2Zu diesem Ergebnis sind wir gekommen, nachdem wir den „Sagbarkeitsraum“, wie ihn Regina Wamper und Christine Habermann auf den rund 20 Seiten einer „diskursanalytisch geleiteten Analyse ausgewählter Artikel“ aus dem Rundblick Unna konstituieren, unsererseits diskursanalytisch geleitet analysiert haben. Dabei sind wir wie Wamper und Habermann von „durch Zeit und Raum“ fließenden Diskursen ausgegangen, die „sich in unterschiedliche Diskursstränge aufschlüsseln“, die wiederum „Diskursfragmente“ zu einem „bestimmten einheitlichen Thema“ umfassen, wobei sich Diskursstränge auch verschränken können, und zwar mit dem Ziel, die „Atome des Diskurses“ zu identifizieren und zu einem umfassenden und abschließenden Urteil zu kommen. Das Urteil lautet: Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung sollte sich in Duisburger Institut für Scharlatanerie und Schmutzbewerfung umbenennen. Denn mit Sprachforschung, Sozialforschung geschweige denn mit Wissenschaft hat das, was als „diskursanalytisch geleitete Analyse“ aus dem DISS (Duisburger Schmutz von Scharlatanen) kommt, nichts zu tun.

Der Rundblick Unna, ein monatliches E-Paper, das auch in Haushalten verteilt wird, auf Facebook und Twitter präsent ist, dieser Rundblick, der täglich 10 bis 20 Beiträge veröffentlicht, die (fast) alle einen lokalen Bezug aufweisen und von denen viele „auf Grundlage von Polizeimeldungen verfasst“ sind, er ist Stein des Anstoßes in Unna und Umgebung. Angestoßen, am Rundblick, haben sich wohl Besorgte der Evangelischen Gewaltakademie in Schwert, die wiederum von anderen Besorgten ergänzt wurden, so dass die Kosten der nicht einmal 20 Seiten umfassenden „diskursanalytisch geleiteten Analyse“ gedeckt waren (nach normaler Rechnung um die 20.000 Euro). Die Sorgen der Besorgten richteten sich auf die Art und Weise der Berichterstattung im Unnaer Rundblick. Besonders 10 Artikel aus dem Unnaer Rundblick, also wohlwollend ein Tageswerk, haben die Sorge der Besorgten erregt, weshalb sie just diese 10 Beiträge an das DISS weitergeleitet haben, um dort eine „diskursanalytisch geleitete Analyse“ mit gewissem Ergebnis zu bestellen.

DISS Rundblick UNNADas Erstaunliche an der Geschichte: Die Besorgten haben tatsächlich mit Regina Wampe und Christina Habermann zwei Mitarbeiter des DISS gefunden, die bereit waren, allen Schein von Wissenschaftlichkeit, den das DISS sonst mit großer Sorgfalt inszeniert, fallen zu lassen und sich zum Handlanger einer Kampagne, einer Ver-Leumdungs-Kampagne gegen den Unnaer Rundblick zu machen.

Und damit ist die wissenschaftliche Betrachtung der „diskursanalytisch geleiteten Analyse“ aus dem DISS bereits am Ende, denn die „diskursanalytisch geleitete Analyse“ mag diskursanalytisch geleitet sein aber sie ist eines mit Sicherheit nicht: Wissenschaft.


Wer hätte je von einem Wissenschaftler gehört, der genau das erforscht, was ihm von einem Auftraggeber vorgegeben wird und dabei zu dem just dem Ergebnis kommt, das gewünscht war? Von einem solchen Wissenschaftler kann schon deshalb niemand gehört haben, weil Wissenschaft sich durch eine Methode auszeichnet, die die Auswahl der Daten, auf deren Grundlage Wissenschaft betrieben wird, umfasst. Seit sich die Wissenschaft von der Kirche losgesagt hat, umfasst der Erkenntnisgegenstand von Wissenschaft mehr als die bibelgetreue Analyse dessen, was von Kirchenoberen als statthafter Gegenstand der Betätigung angesehen wird. Wampe und Habermann vom DISS in Duisburg wollen offensichtlich zurück, in diese Vor-Aufklärung als noch genau festgelegt war, was richtig, gut und was vor allem falsch ist.

Das vollständige Fehlen einer wissenschaftlichen Methode in ihrer „diskursanalystisch geleiteten Analyse ausgewählter Artikel“ spricht ebenso für diesen Wunsch wie die Tatsache, dass Wampe und Habermann’s Analyse ausschließlich darin besteht, Abweichungen der Berichterstattung des Unnaer Rundblicks von einem als richtig und gut vorgegebenen Wertkanon zu identifizieren.

Die Liste der Abweichungen von dem, was Wampe und Habermann für richtig und gut halten, die Anklageschrift, sie umfasst u.a. die folgenden Punkte: die „Zusammenarbeit mit Behörden wird [im Unnaer Rundblick] positiv hervorgehoben“, von „einer AfD-Veranstaltung“ wird berichtet, von einem „mutigen Traditionsunternehmer“ geschrieben, Gruppenbezeichnungen werden aus „dem Polizeijargon übernommen“, die AfD wird nicht als extremistisch bezeichnet, sondern als „‘normale Partei‘, ‚normaler Bürger‘, die „Boulevardzeitung BILD als Quelle“ benutzt, die etablierte Presse als „tendenziös“ bezeichnet, die Nennung der „Herkunft von Verdächtigen“ befürwortet, unterstellt, dass es sich bei „Rentnern … nicht um Nazis handeln“ könne und last but not least werden „Proteste von Antifaschist_innen gegen eine AfD-Veranstaltung …als laut und respektlos“ bewertet und „Antifaschist_innen“ als Quelle einer „Orgie von Fäkalausdrücken“ benannt.

Wer als wissenschaftlicher Gutachter gewillt gewesen wäre, über die totale Abwesenheit einer erkennbaren Methode und die Verballhornung bzw. den Missbrauch von Michel Foucault hinwegzusehen, der wird spätestens dann, wenn er nach wenigen Zeilen einsehen muss, dass die komplette „diskursanalytisch geleitete Analyse“ aus nichts anderem besteht als daraus, die eigene Bewertung sozialer Tatbestände als richtig zu setzen und die Bewertung, die andere, in diesem Fall der Unnaer Rundblick vornehmen, als falsch hinzustellen, zu dem Schluss kommen, dass er es mit Scharlatanen zu tun hat, die Wissenschaft gaukeln und methodisches Vorgehen vortäuschen, um ihre eigene Ideologie, im vorliegenden Fall die Ideologie von „Antifaschist_innen“ an den Mann zu bringen und ein Unternehmen, das es seit 2013 gibt und das wohl erfolgreich ist, zu schädigen.

DISS-header-sansEs ist eine der Besonderheiten guter Menschen, die sich dem linken politischen Spektrum zuordnen, dass sie sich dafür bezahlen lassen, Dritte zu verunglimpfen, sich dazu das Feigenblatt einer angeblichen wissenschaftlichen Expertise anheften und keinerlei Problem damit haben, sich als verbaler Attentäter zu verdingen. Wer im Besitz der Wahrheit ist, der fürchtet eben kein jüngstes Gericht.

Nur. Wer sich im Besitz der Wahrheit wähnt, wie dies Wampe und Habermann in einer Form selbstgerechter Ignoranz tun, die durch das vollständige Fehlen jeglichen Anzeichens an eine wissenschaftliche Ausbildung bzw. Vorgehensweise ausgezeichnet ist, der ist kein Wissenschaftler, sondern ein Ideologe und Gotteskrieger. Ein Gotteskrieger, der die schädigen und bestrafen will, die seine Heilsbotschaft nicht glauben, jene Heilsbotschaft der durchgängig gesetzesgläubigen Flüchtlinge, bei denen es sich eigentlich um die besseren Menschen handelt (eine Wiederkehr des Motivs des edlen Wilden aus dem Orientalismus), jene, der akkurat und rechtschaffenden und frei von jedem Versuch der Manipulation berichtenden etablierten Medien, jene, der Meinungsfreiheit unter Ausschluss der Meinungen, die von AfD oder NPD geäußert werden und jene, der klaren Bestimmung, nach der rechts im politischen Spektrum die Bösen und links die Guten sitzen.

Die „diskursanalytisch geleitete Analyse ausgewählter Artikel“, die Wamper und Habermann auf Basis von 10 ihnen vorgegebenen Beiträgen vorgenommen haben, hat so viel mit Wissenschaft zu tun, wie Hitlers Buch „Mein Kampf“. Die nicht einmal 20 Seiten dienen ausschließlich dazu, Dritte zu schädigen und zwar unter Vortäuschen eines wissenschaftlichen Vorgehens, das es erlauben soll, generelle Aussagen aus dem zu Grunde liegenden Material zu extrahieren, generelle Aussagen, die es erlauben, den Rundblick Unna als rechtspopulistisches Blatt und Scharnier zwischen bürgerlicher Mitte und rechtem Rand zu stigmatisieren.

junk_scienceDieses schäbige Vergehen an einem wie die Antifaschist_innen aus dem DISS feststellen, „Blättchen“, das „keineswegs marginal ist“ unter Missbrauch des Etiketts der Wissenschaft dient dazu, den Auftraggebern dieser „diskursanalytisch geleiteten Analyse“ Munition an die Hand zu geben, um den Rundblick Unna zu torpedieren und den Autoren dazu, ihre Heils-Ideologie zu verbreiten. Deshalb unsere Eingangs gegebene Empfehlung zur Umbennung des DISS, denn, um die „diskursanalytisch geleitete Analyse“ zu zitieren: Mit der Analyse von rund 20 Seiten aus dem DISS „kann nicht das gesamte Sagbarkeitsfeld“ des DISS „festgestellt werden … Allerdings können Tendenzen festgestellt werden“. Und im vorliegenden Fall sind die Tendenzen eindeutig: Das DISS bildet eine Scharnierfunktion zwischen dilettierenden Wissenschaftsdarstellern und Ideologen.

Noch einmal zur Erinnerung: Wissenschaft beginnt mit einer Forschungsfrage (Warum wird im DISS solcher Junk erstellt?). Auf Grundlage der Forschungsfrage wird im nächsten Schritt versucht, eine theoretischen Einordnung vorzunehmen, die Frage also theoretisch zu fassen (Das DISS finanziert sich über Drittmittel, Spenden und Förderbeiträge und ist entsprechend auf jeden Groschen angewiesen (Rational-Choice-Modellierung)). Sodann werden Hypothesen formuliert, die empirisch getestet werden sollen (Im DISS gilt die Maxime, für Geld produzieren wir Junk.). Dann werden Daten gesammelt, die dabei nützlich sein können, die Hypothese entweder zu bestätigen oder zu widerlegen. Auf Basis des Ergebnisses der empirischen Analyse der gesammelten Daten wird dann die Forschungsfrage beantwortet, im vorliegenden Fall: Im DISS wird Junk erstellt, weil dort Ideologen beschäftigt sind, die ihre Ideologie feilbieten.

Mehr zum Thema bei Un-Politisch:

http://www.un-politisch.de/2017/03/17/unna-kein-platz-fuer-presse-und-meinungsfreiheit-leser-und-journalisten-ausgespaeht/

und beim Rundblick Unna

http://rundblick-unna.de/buntes-tolerantes-unna-presse-und-leser-fuer-diffamierende-studie-ausgespaeht/

Wissenschaftlicher Unsinn gefährdet Ihre Gesundheit

Grundsätzlich ist es das Ziel von wissenschaftlicher Forschung, allgemeine Zusammenhänge, verallgemeinerbare Aussagen, Theorien aufzustellen, die es erlauben, auf Basis einiger Kriterien Aussagen über die Zukunft, also Prognosen aufzustellen.

Tatsächlich verkommt wissenschaftliche Forschung immer mehr zu ideologischem Geschwätz oder sie wird dazu genutzt, die letzten Trivialitäten zu verkünden oder dazu, den allgemeinen Wald vor lauter speziellen Bäumen nicht mehr zu sehen. Häufig sind angebliche Wissenschaftler nur noch damit beschäftigt, ihren geistigen Tellerrand abzulaufen und kommen nicht einmal auf die Idee, es könnte eine Erkenntnis jenseits der eigenen Engstirnigkeit geben.

Opp MethodologieDie „Bonner Ökonomen Armin Falk und Fabian Kosse“ gehören zu Letzteren. Sie produzieren Ergebnisse, die (1) trivial, (2) engstirnig und (3) idiosynkratisch sind, und zwar unter der Überschrift: „Unfaire Löhne gefährden die Gesundheit“.

Falk und Kosse haben 80 Studenten in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe enthielt Chefs, eine Arbeiter. Die Arbeiter mussten 25 Minuten lang langweilige Rechenaufgaben lösen, während die Chefs entspannten. Für jede gelöste Rechenaufgabe gab es Geld. Je mehr Rechenaufgaben gelöst wurden, desto höher das gemeinsame Verdienst, das am Ende der 25 Minuten von den 25 Chefs mit den 25 Arbeitern geteilt wurden. Dabei haben sich die Chefs regelmäßig mehr Geld zugewiesen als sie ihren Arbeitern zugebilligt haben, was bei den Arbeitern dazu geführt hat, dass sich die Herzfrequenzvariabilität abgesenkt hat.

Sie waren gestresst, wie Falk und Kosse meinen, verärgert wäre das Wort, das wir gewählt hätten. Nun bringt eine niedrigere Herzfrequenzvariabilität, wie Falk und Kosse meinen, das erhöhte Risiko einer Herzerkrankungen mit sich. Entsprechend folgern sie, dass die unfaire Teilung des von den Arbeitern erwirtschafteten Gelds durch die Chefs letztlich die Arbeiter krank machen kann.

Von hieraus machen Falk und Kosse einen Sprung zu Ergebnissen, die auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels erzielt wurden. Demnach haben Befragte, die ihren Lohn als unfair empfunden haben, auch ihren Gesundheitszustand schlechter eingeschätzt als Befragte, die ihren Lohn als fair empfanden. Der Sprung soll die eigenen, mageren Ergebnisse, die auf dem Rücken von 80 studentischen Opfern gewonnen wurden, aufpeppen und allgemein machen. Tut er aber nicht. Vielmehr vergleichen Falk und Kosse Äpfel mit Birnen.

Im SOEP wurde real erhaltener Lohn und subjektive Einschätzung von Gesundheit untersucht, während Falk und Kosse erspielten Gewinn, willkürliche Entscheidung und gemessene Herzfrequenzvariabilität in Zusammenhang gebracht haben. Sie behaupten also einen Syllogismus ohne Mittelglied, und so lange sie nicht belegt haben, dass unfairer Lohn mit erspieltem Gewinn und mit Herzfrequenzvariabilität und subjektiv schlecht eingeschätzter Gesundheit zusammenhängt, ist ihre wilde Assoziation eben das: eine wilde Assoziation.

Wenn der Schluss, den Falk und Kosse gerne im Hinblick auf Lohngerechtigkeit ziehen würden, wohl weil Lohngerechtigkeit derzeit ein trendy Thema ist, mit dem man viel Browniepoints verdienen kann, nicht gezogen werden kann, was bleibt dann von ihrer Forschung?

Trivialitäten.
Diese zum Beispiel: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der menschliche Körper auf soziale und kontextbezogene Informationen reagiert und sie systematisch verarbeitet“.

Unglaublich. Menschen sind Teil einer Umwelt und reagieren auf diese Umwelt. Es soll Menschen geben, die bei Hitze schwitzen, andere sollen bei Kälte frieren und wieder andere sollen mit Ärger reagieren, wenn sie öffentlich-rechtliche Sender anschalten, Behördenbriefe erhalten oder derart dünngeistigen Unsinn zugemutet bekommen, wie ihn Fabian Kosse hier formuliert hat.

Nicht genug mit Trivialitäten, Engstirnigkeit kommt noch hinzu.

Völlig fixiert auf ihr Ansinnen, auf dem Trittbrett der Lohngerechtigkeit mitzufahren (um vielleicht vom BMFSFJ gefördert zu werden), sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht, obwohl Gerechtigkeit eine Universalie ist, die den Schluss nahelegt, dass eine Verletzung des Gerechtigkeitsempfinden im generellen und nicht nur im Speziellen für die niedrigere Herzfrequenzvariabilität verantwortlich ist. Der Spiellohn bei Falk und Kosse wäre somit ein Anwendungsfall eines größeren Themas, eines Themas, das eigentlich in der Wissenschaft bearbeitet wird, nur nicht von Falk und Kosse.

Vielleicht scheuen Sie davor zurück, weil der Schluss, dass eine niedrige Herzfrequenzvariabilität ein Maß für ein erhöhtes Risiko einer Herzerkrankung ist, vor allem dann, wenn es um gesunde und junge Menschen geht, unter Ärzten umstritten ist bzw. nicht gezogen wird. Ärzte begnügen sich damit festzustellen, dass die Herzfrequenzvariabilität bei Patienten, die bereits unter einer Erkrankung des Herzens leiden, ein hilfreicher Indikator sein kann und dass es wohl einen, bislang ungeklärten Zusammenhang zwischen Herzfrequenzvariabilität und Alter gibt:

“ Die Mechanismen der altersassoziierten HRVAbnahme sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Sicher spielen bei einem Teil der Menschen gerade auch mit zunehmendem Alter Lifestyle – Faktoren, vor allem die Abnahme der körperlichen Aktivität und daraus resultierend der körperlichen Fitness eine Rolle. Darüber hinaus scheint jedoch auch der Alterungsprozess per se zu einer Beeinträchtigung der autonomen Funktion zu führen, wobei nach derzeitiger Datenlage vor allem vagusvermittelte Prozesse und Regelkreise betroffen sind.“

Vom Forschungsergebnis, das Falk und Kosse mit umfangreichen und weitreichenden Behauptungen vertreiben, bleibt nichts übrig, so dass man wohl feststellen muss: handwerklich schlecht, theoretisch unfundiert, assoziativ und falsch. Forschung 2017.

Sozial Extra: Jungen fördern, kein „ganzer Junge“ zu sein

Sozial Extra: Eine ganze Zeitschrift voller Junk.

Wir konnten uns heute nicht für einen Titel entscheiden, und wir haben heute kein Erbarmen mit unseren Lesern!

sozial-extraEs gibt jetzt die volle Ladung „Sozial Extra“. Sozial Extra ist eine Zeitschrift aus dem Springer-Verlag, in der alles gedruck wird: jeder Junk.

Fünf Kostproben:

Harry Friebel schreibt in Heft 2 aus dem Jahre 2016 über „„Wir“ und „die“: Alltäglicher Rassismus in Schulbüchern“.

Hier das, was er für die wesentlichen Erkenntnis hält:

Rassismen werden immer gleichzeitig individuell und gesellschaftlich erzeugt (Komplexität der Frage) [,] und sie werden im historischen Prozess immer wieder neu bedingt und gestaltet (Kontext der Frage).

Was will der Mann uns sagen? Any ideas? Es kommt wohl auf die Gleichzeitigkeit an, mit der ein Rassismus individuell und gesellschaftlich erzeugt wird. Also wenn wir jetzt eine rassistische Äußerung tätigen, dann wird das zeitgleich zu einem gesellschaftlichen Rassismus und wenn in einer Gesellschaft ein Rassismus vom kollektiven Himmel fällt, dann haben ihn alle Individuen der Gesellschaft. Kein Wunder, dass Friebel meint, hier eine Komplexität der Frage beschrieben zu haben, angesichts dieses Unsinns kann man kaum anders als Komplexität reklamieren, wenn man nicht als gestört angesehen werden will. Besonders schön auch die Erkenntnis im letzten Satz: Die Welt verändert sich. Wer hätte das gedacht.

Dass sich die Welt verändert, ist eine Erkenntnis, die in Sozial Extra des Öfteren Autoren zu treffen scheint. Michael Cremers und Jens Krabel untersuchen „MEHR Männer in Kitas: Von der Wissenschaft entdeckt“. Die Öffentlichkeit, so die beiden Autoren, habe längst das Interesse an der männlichen Kita-Sau, die per Kampagne durchs Land getrieben wurde, verloren. Deshalb wurde die Kita-Sau nun in dem geparkt, was Cremers und Krabel als Wissenschaft ansehen. Das ist gut so, gibt es doch die Möglichkeit, Erkenntnisse wie die folgende zu gewinnen:

Oh No!“Ein Forschungsergebnis ist, dass männliche Fachkräfte zu einer Diversifizierung und Bereicherung der pädagogischen Arbeit beitragen können“.

Wer hätte das gedacht. Wenn man etwas anderes zu ansonsten Gleichem gesellt, dann erhöht das die „Diversifizierung“: Also ein Pferd unter 100 Eseln, ein Auto unter 100 Lkws, ein Mann unter 100 Frauen, ein roter Hut unter 100 schwarzen Hüten, ein Intelligenter unter 100 Idioten. Kein Wunder, dass von derart überraschender Diversifizierung eine Bereicherung selbst der pädagogischen Arbeit ausgehen „kann“.

Kira Gedik erntet Widerspruch und Widerstand. Oder sind es nicht näher spezifizierte Fachkräfte, die Widerspruch und Widerstand ernten, von Familien?

“Widerspruch und Widerstand stellen für Familien wie für Fachkräfte vor große Herausforderungen dar [Lektoriert wird bei Springer auch nicht]. Sie können aber – sowohl als Ausdruck von Autonomie und Selbstbehauptung als auch als Hinweis auf tieferliegende Konflikte – genutzt werden für eine gelingende Hilfeprozessgestaltung in der Demokratie.“

facepalm-GodzillaOb Sozial Extra ein Rehabilitationsprogramm für ehemalige oder aktuelle Drogensüchtige ist? Wir wissen es nicht. So wenig wie wir wissen, wo der Widerspruch und der Widerstand herkommt, der Familien und Fachkräfte in gleicher Weise zu ereilen scheint und auf Konflikte hinweist. Wer hätte das gedacht: Jemand, der Widerstand leistet, befindet sich im Konflikt mit dem, wogegen er Widerstand leistet. Gut, dass wir dank Kira Gedik und dem großzügigen Forum für Junk aller Art „Sozial Extra“ nun wissen, dass Konflikt die Mutter allen Widerstands ist – oder war es umgekehrt? Widerstand die Grundlage allen Konflikts? Wie dem auch sei, Widerstand ist immer auch Ausdruck von Autonomie (Der traut sich was) und von Selbstbehauptung (Mit mir nicht!). Konflikt eben: Und am Ende will jemand gar nicht Gegenstand von Hilfeprozessgestaltung sein? – Vor allem nicht in der Demokratie

Prof FacepalmJan-Wulf Schnabel verdanken wir die Erkenntnis, dass „Der breiten Männermehrheit … die Verhältnisse in der Sozialen Arbeit nicht attraktiv genug“ sind. Ja. Endlich einmal ein nachvollziehbares Ergebnis. Indes, wenn man bedenkt, dass soziale Arbeit schon seit Jahrzehnten kein Studienfach mit relevantem Männeranteil mehr ist, wäre man fast geneigt, den Schluss, dass soziale Arbeit für Männer nicht attraktiv ist, auch ohne Beihilfe von Sozial Extra zu ziehen. Zumal die einzig neue Erkenntnis, die Schnabel hat, die Wort-Schöpfung „breite Männermehrheit“ ist. Was, so fragen wir uns, unterscheidet die breite, von der schmalen Männermehrheit, die schmale Männermehrheit von der breiten Männerminderheit und die schmale Männerminderheit von der breiten oder schmalen Männermehrheit und von der breiten oder schmalen Frauenmehr- oder minderheit?

Safe the best for last.

Wie können wir Jungen fördern, kein “ganzer Junge” zu sein? Diese Frage stellt sich Fritjof Bönold, der wohl nur ein halber Mann ist, wenn er sich kompetent zur Frage der halben Jungen zu äußern können glaubt. Bönold hinterfragt vor „dem Hintergrund eines Verständnisses der aktuellen Geschlechterverhältnisse als spezifische Herrschaftsverhältnisse“ die „Zielformulierungen der Jungenarbeit“. Entsprechend muss Bönold für sich eine hierarchische Position reklamieren, die ihn zum Hinterfragen befähigt, die ihn höherstellt als diejenigen, die er mit seinem Hinterfragten zu konfrontieren gedenkt. Bönold selbst zeigt sich somit als Vertreter der „spezifischen Herrschaftsverhältnisse“, die er hinterfragen will.

Double facepalmAber eigentlich will er auch nicht hinterfragen, sondern „plädieren“: „für eine geschlechtskritische Bildungsarbeit, die auf einem konstruktivistischem und einem herrschaftskritischen Geschlechterverständnis aufbaut“, was insofern schwierig sein wird, als Bönold einen Satz weiter feststellt, dass sich beides, also das konstruktivistische und das herrschaftskritische Geschlechterverständnis widersprechen.

Kein Problem für einen Bönold. Aus dem Widerspruch macht er ein Dilemma und zeigt eben einmal, dass er auch keine Ahnung davon hat, was der wissenschaftliche Begriff des Dilemma zum Gegenstand hat (dass Bönold einer der Letzten ist, die dem Blödsinn eines Patriarchats aufsitzen, wollen wir einmal nicht annehmen), und wenn er schon einmal dabei ist, Unsinn zu steigern, dann gleich richtig, in dem er das Dilemma des Widerspruchs zwischen konstruktivistischem und herrschaftskritischem Geschlechterverständnis dadurch auflöst, dass sie in der Jungenarbeit nicht gleichzeitig, sondern nacheinander Anwendung finden sollen.

Also erst erzählt man den Jungen sie seien Machos und versorgt sie mit den Insignien von Machotum und dann erzählt man ihnen, nachdem sie sich Muskeln antrainiert und Boxsport erlernt haben, dass sie eigentlich keine Machos, sondern kleine Würmer sind, die auf Grund ihres Geschlechts Herrschaft über andere ausüben. Ein echter Bönold, und einer, bei dem man sich fragt, ob er im Krankenhaus endet.

Unsere Auswahl von Junk, Sozial Extra Junk macht deutlich, dass soziale Arbeit in weiten Teilen nichts mit Wissenschaft gemein hat. Statt Wissenschaftler finden wir Weltverbesserer, die für sie unverständlicherweise auf Widerstand stoßen. Anstelle von Forschungsergebnissen finden wir Versuche, die Welt so zu machen, wie sie die Sozialen Extras gerne hätten. Springer verlegt damit eine Zeitschrift, die man getrost als Junk Journal einordnen kann und jedem Studenten, der wissen will, was keine Wissenschaft ist, nur empfehlen kann.

Fratze der Boshaftigkeit: Das wahre Gesicht der Gutmenschen (besser: Defizitmenschen)

von Michael Klein

Leute, lehnt Euch zurück!
Das wir ein etwas längerer Post. Und ich gedenke, meiner hegemonial männlichen Wissenschaftlichkeit freien Lauf zu lassen.

ideology of madnessEs ist an der Zeit, eine Grenze zu ziehen. Eine Grenze der Zumutbarkeit, der wissenschaftlichen Lauterkeit, eine Grenze des Anstands. Denn es reicht. Mir reicht es, uns reicht es, und all denen, die Wissenschaft noch ernst nehmen, sollte es langsam auch reichen, denn seit die Genderista und andere Spinner an Universitäten zur Normalität in persona geworden sind, ist es nicht mehr möglich, zu unterscheiden, wo Wissenschaft aufhört und das Irrenhaus anfängt.

Betrand Russell hat einst gefürchtet, dass man den Irren, der sich für ein Rührei hält, nur deshalb verurteilen könne, weil er in der Minderheit sei, und damit u.a. die Notwendigkeit einer klaren Trennung zwischen dem, was als Wissenschaft bezeichnet wird und dem, was keine Wissenschaft ist, angemahnt.

Russell ist tot. Ihm bleibt erspart, womit wir heute konfrontiert sind.

Fünf Tussen und ein Schweiger.
Was waren das noch Zeiten, als Tussen nur zusammen zur Toilette gegangen sind, im Rudel. Heute schreiben sie im Rudel Texte, die sie als Wissenschaft ausgeben wollen.

Texte wie „Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassissmuskritischer Arbeitsweisen“.

„Nichts als Ideologie“ ist ein Text, den man als boshaft klassifizieren muss, ein Text, in dem sich ein Rudel aus sechs Autoren jedem, der auch nur ansatzweise etwas von Wissenschaft versteht, in einer Weise ausliefert, die erbärmlich ist, ein Text, dessen einziger Zweck darin besteht, Kritiker der Rassismuskritik zu beleidigen, um auf diese Weise den Anschein, Rassimuskritiker seien eine besonders gute Art Mensch, weiter bestehen lassen zu können. Und ganz so, wie diejenigen, die Rassismus kritisieren, dies letztlich auf rassistischer Basis tun, und somit in der Realität zum Gegenteil des guten Menschen werden, der sie doch vorgeben wollen, zu sein, so zeigen sie auch durch ihre Beschimpfung im Text, dass sie keine guten, keine lauteren und keine anständigen Menschen sind. Es ist, wie schon Erving Goffman geschrieben hat, schwierig eine Fassade in einer sozialen Darstellung aufrecht zu erhalten, die nicht authentisch ist. Und wer andere beleidigt, der ist schlicht kein guter Mensch, der ist … [denkt Euch was].

Das war die Vorrede, nun zur Begründung en detail.

Ist Euch das auch schon aufgefallen, dass Ideologen immer dann, wenn sie kritisiert werden, Zeter und Mordio schreien und behaupten, sie würden abgewertet, diskreditiert oder denunziert? Damit belegen sie eindrücklich, dass sie Ideologen und keine Wissenschaftler sind. Um das zu sehen, muss man sich nur vergegenwärtigen, was ein Wissenschaftler machen würde, der mit Kritik konfrontiert ist.

Nehmen wir einen beliebigen Wissenschaftler, der sich seit Jahren mit einem bestimmten Thema befasst und nun kritisiert wird. Was würde ein solcher Wissenschaftler tun? Würde er Zeter und Mordio schreien, die Kritik als Häresie betrachten, die Kritiker beschimpfen?

Sicher nicht, denn ein Wissenschaftler, der sein Thema kennt, hat sicher bereits über mögliche Kritikpunkte nachgedacht und seine Antworten auf eine entsprechende Kritik im Kopf vorformuliert. Die müsste er nur abrufen, in dem Stil, dass die Kritik von X nicht zutrifft, weil empirisch gezeigt wurde, dass Y der Fall ist: Wäre die Kritik von X richtig, dann müsste aber Z der Fall sein und nicht Y. Oder unser Wissenschaftler würde einen logischen Widerspruch in der Kritik aufzeigen, der die Kritik implodieren oder zumindest in ihrer Tragweite einschränken würde. Oder, letzte Möglichkeit, die Kritik ist fundiert und weist auf einen Aspekt hin, den unser Wissenschaftler nicht bedacht hat. Hochinteressant. Unser Wissenschaftler würde sich auf die Kritik und ihre Implikationen stürzen, er würde die Kritik zu seiner Kritik machen, da sie seine Forschung voranbringt und sein Wissen erweitert. Darum geht es in der Wissenschaft, Wissen zu erweitern. Man nennt das auch Erkenntnisgewinn.

In der Wissenschaft schätzt man also Kritik. Man würdigt sie, freut sich über konstruktive Kritik, Kritik die neue Erkenntnis verspricht, denn Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess, in dessen Verlauf immer wieder geprüft werden muss, ob stimmt, was man für richtig hält.

Dagegen fürchten Ideologen Kritik. Sie fürchten Kritik, weil sie kein Wissen, sondern einen Glauben haben. Ideologen arbeiten nicht an Erkenntnis, suchen keine neuen Zusammenhänge, denn sie wissen schon alles. Ihr Projekt heißt Missionierung oder Erziehung oder Zwangserziehung, nicht Erkenntnisgewinn.

Ideologen sind in der Regel keine Intelligenten, sondern kognitiv Zurückgebliebene, die ihren Kernglauben gegen Kritik schützen und immunisieren müssen. Wenn sie das nicht tun, dann ist er nämlich weg, an der Realität gescheitert, als falsch erwiesen oder als unbrauchbar oder als beides. Er ist eben Glaube und nicht Erkenntnis.

Und damit bin ich zurück bei dem oben zitierten Titel „Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassismuskritischer Arbeitsweisen“.

evil-gnomeWenn bereits im Titel Kritik als Abwertung abgewertet wird, dann weiß man schon nach dem Titel: Hier kommt Ideologie. Hier verteidigen sich welche gegen Kritik, die ihnen den Boden unter den Füssen weggezogen hat. Nun schweben sich im kognitiven Vakuum und tun das, was sie am besten können: Beleidigen und Diffamieren. Nur eines fällt ihnen zu keinem Zeitpunkt ein: Argumentieren. Denn das können sie nicht.

Nichts als Ideologie?, so fragen Inci Dirim, Maria do Mar Castro Varela, Alisha M. B. Heinemann, Natascha Khakpour, Doris Pokitsch und Hannes Schweiger, die fünf Tussen und der Schweiger. Auch das ist eine Mode, die in den letzten Jahren immer häufiger wird: Rudelschreiben. Sechs Hanseln werkeln 12 Seiten Text zusammen, jeder zwei Seiten?

Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Inci Dirim, die in Wien eine Professur am Institut für Germanistik, genau: Deutsch als Fremdsprache besetzt, die von ihr Abhängigen zusammengetrommelt hat, um den Glaubenskatechismus gemeinsam aufzusagen. Heinemann: Assistent am Lehrstuhl von Dirim. Khakpour, Assistent am Lehrstuhl von Dirim, Pokitsch, auch am Lehrstuhl von Dirim, Schweiger, Lehrbeauftragter (der Mann für die Lehrarbeit) am Lehrstuhl von Dirim, eine schöne Machstruktur und in Wien am Institut für Germanistik, am Lehrstuhl Dirim, da hält man es mit Foucault, der Macht als Aushandlungsprozess definiert,. Wie das geht? Einfach: Dirim sagt, was gemacht wird, und die finanziell Abhängigen marschieren mit (um im Bild zu bleiben: Dirim geht zur Toilette, und der Rest geht mit). Bleibt noch Maria do Mar Castro Vareta, Stipendiat der Heinrich Böll Stiftung und Quotenprof unter Missbrauch des Namens von Maria Goeppert also auf Kosten der Niedersächsischen Steuerzahler. Sie haben sich alle zusammengerottet um den zitierten Beitrag zu schreiben, den man im 21. Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten hätte, einen Beitrag, mit dem sie die Rassismuskritik und damit einen Bereich, der weder über empirische Forschung verfügt noch über einen Aussagenkern, aus dem man falsifizierbare Aussagen ableiten könnte, gegen die „Vorwürfe“, Rassismuskritik sei eine Ideologie, zu verteidigen.

Wohlgemerkt Vorwürfe, nicht Kritik. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir es mit Ideologen zu tun haben, Ideologen, die sich zu Sätzen versteigen, wie dem folgenden: „Voraussetzung für diese Kritik ist die Annahme einer vermeintlich klaren Unterscheidung und Trennung von Ideologie und Wissenschaft. … Die Polemik gegen Rassismuskritik beruht auf einem Wissenschaftsverständnis, das davon ausgeht, dass Wissenschaft wertungs- und haltungsfrei, also ‚objektiv‘ sein könne“ (Polemik, nicht Kritik!).

Ok. Wir leben im Jahr 55 nach dem Ende des Werturteilstreits. Wir leben im Jahr 82 nach Veröffentlichung der Logik der Forschung und im Jahr 109 nach der Gründung des Wiener Kreises. Die Erkenntnis, dass es eine klare und definierbare Grenze zwischen Wissenschaft und Ideologie gibt, sie sitzt immer noch nicht, nicht in Wien, bei den Germanisten, die Deutsch als Zweitsprache betreiben.

Popper GrundproblemeAber es ist so. Es gibt klare Abgrenzungskriterien, die Wissenschaft von Ideologie trennen. Popper hat sie in seinem Buch „Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie“ beschrieben, im Wiener Kreis wurden sie hinlänglich, nämlich über drei Jahrzehnte diskutiert, im Werturteilsstreit wurden sie auch dem letzten Blockhead eingehämmert und dennoch gibt es Personen, die von sich behaupten, sie seien Wissenschaftler und behaupten, man könne Wissenschaft nicht von Ideologie trennen.

Doch, das kann man, jedenfalls dann, wenn man Russell seinen Frieden gönnt und nicht als Rührei gelten will. Dann nämlich weiß man, dass wissenschaftliche Aussagen nachvollziehbar, prüfbar und falsifizierbar sein müssen. Alles, was das nicht ist, ist eben keine wissenschaftliche Aussage. Nun kann man Aussagen, die nicht prüfbar sind, natürlich entwickeln, so dass sie prüfbar werden oder indirekt prüfen, was man jedoch nicht kann, ist zu behaupten, dass es nicht möglich sei, Wissenschaft und Ideologie zu trennen. Und das genau behaupten die fünf Tussen und der Schweiger.

Und im Jahr 109 nach Gründung des Wiener Kreises muss man sich mit Fragen der Objektivität auseinandersetzen, weil es immer noch Idioten gibt, die denken, es gäbe andere, die seien so dumm wie sie selbst und würden behaupten, Wissenschaft sei objektiv. Wozu hat sich Hans Albert abgemüht, Wahrheit als regulative Idee zu bestimmen. Wozu hat sich Karl Raimund Popper die Finger wund geschrieben, um dazulegen, dass Wissenschaft nicht Wahrheit oder Objektivität erreichen könne, aber beides anstreben müsse. Wozu haben Ernst Topitsch oder Karl Acham Argument um Argument aufgereiht, um die Trennung zwischen Erkenntnis- und Begründungszusammenhang auch noch dem letzten Nixraff verständlich zu machen. Damit auch der langsamste unter den Denkern versteht, dass man seine Interessen und Haltungen und Einstellungen als Wissenschaftler gerne haben kann, so lange man sicherstellt, dass die Ergebnisse, die man produziert, prüfbar und nachvollziehbar sind, damit auf diese Weise und über den Weg der Kritik, andere prüfen und nachvollziehen und eventuell kritisieren können, dass die entsprechenden Ergebnisse die Einstellungen des Forschers, nicht aber die Realität widerspiegeln?

Nein, im Jahre 2016 gibt es fünf Tussen und einen Schweiger, die von alledem nichts wissen und ansonsten die Rassismuskritik gegen Kritik, nein, gegen „Vorwürfe“ verteidigen wollen, also dagegen, dass festgestellt wird, Rassismuskritik basiere auf nicht prüfbaren Annahmen, mache keine Aussagen über die Wirklichkeit, die falsifizierbar seien, und sei in weiten Teilen nicht nachvollziehbar, weil selbstwidersprüchlich, sei eine Ideologie. Und diese Kritik wollen sie dadurch entkräften, dass sie einen Ladenhüter auspacken, der selbst Thomas von Aquin ob seiner Antiquiertheit die Schamesröte ins Gesicht treiben würde: Es gebe keine positionsunabhängige Wissenschaft.

Warum sollte man ein Interesse daran haben, Aussagen zu verteidigen, die nicht prüfbar und nicht nachvollziehbar sind, Aussagen, die nichts Prüfbares über die Realität aussagen und auch nichts über die Realität aussagen wollen? Warum sollte man darauf beharren, dass der Erkenntnisprozess und alle Erkenntnisse von Ideologie durchtränkt sind und diesen Wahnsinn noch dadurch steigern, dass man die Verwendung der Methoden verweigert, die Ideologie identifizieren und beseitigen können?

Einfach: Weil man ein Ideologie ist. Und das sind die sechs Rudelautoren dann auch, Ideologen, Ideologen der besonderen Art: Gutmenschen.

Sie haben sich kein Fach ausgesucht und keine Position an der Universität angestrebt, weil sie Erkenntnis suchen, weil sie ein Projekt verfolgen und einfach wissen wollen, nein, sie haben sich, um eine Position an der Universität bemüht, um sich als Wissenschaftler ausgeben und den entsprechenden Status erheischen zu können, einen Status, den es, wegen Ideologen wie Dirim und den von ihr Abhängigen nicht mehr gibt. Sie haben sich einen Gegenstand gesucht, der nicht harte Arbeit und Kenntnis von Methoden und Verfahren, am Ende noch statistischer Verfahren bedarf, sondern einen Gegenstand mit warm glow, von dem sie erwarten, dass er auf sie übergeht: Rassismuskritik. Eine Selbst-Inszenierung als Rassismuskritiker, so die Idee, mache sie zum guten Menschen, zeige ihre moralische Überlegenheit und täusche über das vollkommene Fehlen jeglicher Kompetenz und Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten hinweg.

Und dann ernten sie Kritik. Dann kommt jemand und kratzt an der Fassade, hinterfragt die wissenschaftlichen Grundlagen von Rassismuskritik, wie das z.B. Dr. habil. Heike Diefenbach getan hat, in einem konstruktiven Text, der nicht nur Rassismuskritik fundiert kritisiert, sondern Vorschläge enthält, wie man Rassismuskritik zu einer Wissenschaft machen könnte, ein vielgelesener Text, der allein von ScienceFiles und noch vor seiner Veröffentlichung im von Karim Fereidooni und Meral El herausgegebenen Sammelband „Rassismuskritik und Widerstandsformen“ von mehr als 4.000 Lesern (ohne die Downloads über Academia.edu oder Researchgate) heruntergeladen wurde.

Wären die sechs Verschwörer gegen die Wissenschaft Wissenschaftler, der Text von Dr. habil. Heike Diefenbach hätte sie erfreut, die Kritik herausgefordert, die Vorschläge, wie man Rassismuskritik weiterentwickeln kann, sie hätten sie zu ihren gemacht und an ihrem Erkenntnisinteresse gearbeitet. Aber die fünf Tussen und der Schweiger, sie sind keine Wissenschaftler, sie sind Ideologen, für die jeder Widerspruch bedrohlich und jede Kritik existenzbedrohend ist. Entsprechend fällt die normale Reaktion eines Wissenschaftlers, wie sie oben beschrieben wurde, aus. Es bleibt die Reaktion des Ideologen, des kognitiven Defizitwesens, das nicht in der Lage ist, konstruktiv mit Kritik umzugehen und nur einen Modus kennt, um auf Kritik zu reagieren: aufgeregtes Hyperventilieren (akademisierte Hatespeech).

Hier eine kurze Beschreibung der grassierenden Paranoia unter diesen Defizitwesen:

SF_Rassismus_coverKritik wird zur Abwertung, zur Diskreditierung, kritische Hinweise werden zu Vorwürfen, zum Rundumschlag, die Anliegen der Rassismuskritik sie werden „bagatellisiert“, die „Dilemmata und Widersprüche“, die zeigen, „wie wichtig die Auseiandersetzung im Sinne einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der eigenen Positionen für eine selbstreflexive Praxis“ sind, so wird gejammert, würden als Immunisierungsstrategie bezeichnet und so lamentieren sie weiter und weiter. Nur eines machen sie nicht: Ein Argument. Wie auch? Argumente machen Wissenschaftler. Ideologen beleidigen, diffamieren und werten Andersdenkende ab, so wie die fünf Tussen und der Schweiger dies tun. Und dabei fällt dann die Inszenierung des Gutmenschen in sich zusammen und die Fratze der Boshaftigkeit tritt hervor, das wahre Gesicht der Ideologen, die durch alles, was anders ist, gefährdet sind, weil alles, was anders ist, droht, ihre kognitiven Defizite zu Tage zu befördern. Defizitär wie sie nun einmal sind, fällt ihnen nur die Beleidigung des Häretikers ein.

Es ist schon seltsam. Sie können seitenweise darüber jammern, dass ihnen, den Rassismuskritikern, etwas unterstellt würde, dass sie am Maßstab der Wissenschaft gemessen würden, dass ihre „reflexive Praxis“, also das: „Ich stell‘ mir etwas vor und behaupte etwas und wenn es nicht passt, dann behaupte ich, dass die reflexive Praxis noch nicht abgeschlossen ist“, nicht ausreichend gewürdigt werde, sie jammern und zetern, Seite um Seite und kommen nicht im Traum auf die Idee, sie könnten die Kritik, die an ihre Adresse gerichtet wird, zu entkräften versuchen. Nein, auf die Idee kommen sie nicht, so wie Islamisten nicht auf die Idee kommen, ihre abstruse Version des Koran kritisieren zu lassen. Wer sie kritisiert, ist eben ein infidel, ein Ungläubiger, der mit bösen Strategien und vom Teufel geschickt, unterwegs ist. Bei den fünf Abhängigen von und Inci Dirim ist das genau so: Wer sie kritisiert, wer die heilige Lehre der Rassismuskritik kritisiert, der ist des Teufels, ein Ungläubiger, einer, der eine Strategie verfolgt, um die Rassismuskritik abzuwerten.

Und weil das noch nicht reicht, kommt die Krönung der Idiotie in den folgenden Worten:

„Heike Diefenbach beispielsweise arbeitet in ihrem Rundumschlag mit Unterstellungen und nicht belegten Behauptungen über die Konzepte, Positionen und Forschungen von Wissenschaftler_innen, die rassismuskritisch arbeiten. Ihre Lektüre rassismuskritischer Texte ist äußerst selektiv, vereinfachend und tendenziell abwertend“ (89)

Ob derartiger Text den Tatbestand der Verunglimpfung erfüllt, das dürfen gerne die vielen Anwälte unter unseren Lesern prüfen. Dass die fünf Tussen und der Schweiger hier projizieren, sind sie doch diejenigen, die keinerlei Beleg für ihre Behauptungen, wie z.B. die hier zitierten, bringen, ist offenkundig und wohl Ergebnis eines geistigen Defekts. Ich habe selten einen konstruktiveren und besser belegten Text als den von Dr. habil. Heike Diefenbach zum Thema „Rassismuskritik“ gelesen. Dass alle Aussagen im Text von Heike Diefenbach auch ausführlich mit entsprechenden Textstellen belegt sind, davon kann sich jeder, der des Lesens kundig ist, selbst versichern. Bleibt noch der Vorwurf der Selektivität, ein Vorwurf, wie er aus Reihen der Genderista häufig zu hören ist, die dann, wenn sie keine Antwort auf Kritik wissen, zuweilen behaupten, der Kritiker habe die Tiefe der Gedanken der Genderista nicht verstanden, habe sich nicht weit genug in den Gendersumpf begeben, sei eben selektiv. [Der Fehlschluss dahinter lautet entsprechend: Wenn man lange genug in Scheisse gewühlt hat, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, keine Scheisse zu finden.]

Natürlich ist Kritik selektiv. Jeder Beitrag, der jemals in der Wissenschaft geschrieben wurde, ist selektiv. Menschen sind keinen allwissenden Geister, wie sie William Poundstone für eines seiner Gedankenexperimente extra erfinden musste, sondern in ihren Ressourcen begrenzt. Entsprechend ist jeder Text eine Auswahl, eine Momentaufnahme der Wirklichkeit und somit notwendigerweise selektiv. Wer dies wie Genderista und die fünf Tussen plus der Schweiger anderen zum Vorwurf machen will, zeigt nur und einmal mehr, dass er ein Gläubiger ist, ein Ideologe, der an einer Hochschule wirklich überhaupt nichts verloren hat. Und wenn er seinen Vorwurf, andere seien selektiv mit der Bemerkung abschließt: „Auf die unterschiedlichen Strategien zur Diskreditierung der Rassismuskritik soll hier nicht im Detail eingegangen werden“, dann macht er sich damit nur noch lächerlich. Wobei ich nicht weiß, ob Lächerlichkeit noch ein Attribut ist, das den Status der fünf Tussen und des Schweigers wesentlich beeinträchtigen kann. Ganz unten geht es in der Regel nicht mehr tiefer.

Warum Gläubige wie die Sekte um Dirim unbedingt an Universitäten sitzen wollen, warum sie unbedingt als Wissenschaftler erscheinen wollen – ich habe keine Ahnung. Vermutlich ist es leichter, an Steuergelder zu kommen, wenn man sich als Wissenschaftler an einer Hochschule ausgibt, als es wäre, wenn man sich als Religionsvertreter an einer Hochschule zu erkennen gäbe.

Bedrückend ist jedoch die Boshaftigkeit, mit der die fünf Tussen und der Schweiger auf die Kritik reagieren, wohlgemerkt es ist Kritik, keine Abwertung, keine Vorwürfe und keine Bagatellisierung (schon weil man Rassismuskritik nicht bagatellisieren kann). Das sie nicht auf die Idee kommen, Kritik konstruktiv zu bearbeiten, in der oben beschriebenen Weise, identifiziert sie als Ideologen, die schlicht und ergreifend keinerlei Ahnung davon haben, was Wissenschaft ausmacht. Dass sie ihre Ideologie auf eine Art und Weise verteidigen wollen, die jeden Anstand, jede wissenschaftliche Lauterkeit und jedes Maß an moralischer Restriktion vermissen lässt, ist eine andere Sache, eine Sache, die beklommen machen muss, lässt sie doch Schlüsse auf den geistigen Zustand und den menschlichen Wert derer zu, die in Wien auf Studenten losgelassen werden. Es ist, als blickte man in einen Abgrund, einen Abgrund der Boshaftigkeit, mit der entsprechenden Fratze, dem wahren Gesicht der Defizitmenschen am Boden.

Dirim, Inci & fünf abhängige Autoren (2016). Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassismuskritischer Arbeitsweisen. In: do Mar Castro Varela, Maria & Mecheril, Paul (Hrsg.). Die Dämonisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart. Bielefeld: transcript, S.85-97.


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