Schüler mit Migrationshintergrund: Problem oder kein Problem in deutschen Schulen? [Unbrauchbare Studien]

Man wirft Wissenschaftlern häufig vor, sie säßen in einem Elfenbeinturm und kennten die Welt nur vom Hörensagen. Deshalb wären ihre Texte, nun ja, in der Welt unbrauchbar, ihre Ideen abgehoben und ihre Aussagen so abstrakt, dass man weder wüsste, was sie wollen noch, was sie von einem wollen, sofern sie etwas wollen.

Mit dem Einzug der Fächer an Hochschulen, die keinerlei Gegenstand als das Getue um die eigene Betroffenheit haben, z.B. darüber, dass es einst Kolonien gab, darüber, dass es weiße Menschen gibt, darüber dass die meisten Erfindungen und technischen Entwicklungen von Männern stammen, hat dieses Vorurteil erstmals eine Berechtigung, denn seither sind vor allem in den Sozialwissenschaften Personen unterwegs, die in Zungen sprechen und sich durch Ratschläge hervortun, die niemand bestellt hat und die zudem niemand versteht, die entsprechend unbrauchbar sind. Gerade diese Unbrauchbarkeit dessen, was als Ergebnis einer Studie dann verbreitet wird, scheint auf Institutionen einen ungeheuerlichen Reiz auszuüben. Scheinbar herrscht dort die Vorstellung, dass verquaste Sprache, die mit dem Modewort „reflexiv“ durchsetzt ist, etwas ist, mit dem man viel Eindruck schinden und viel Blendwerk verbreiten kann, das zwar vollkommen nutzlos aber auf einfache und naive Gemüter schlichtweg: Wow wirkt.

Die Stiftung Mercator GmbH, die also keine Stiftung, sondern eine Gesellschaft ist, die unter anderem im Hinblick auf die von ihr veröffentlichten vermeintlichen Studienergebnisse nur beschränkte Haftung übernimmt, ist eine GmbH, deren Geschäftsführer gerne wortreiche Leerformeln in Studienform veröffentlichen, um sich als informiert, kümmernd und engagiert darstellen zu können.

Zu diesem Zweck haben sie Yasemin Karakaşoğlu (Universität Bremen) und Paul Mecheril (Universität Oldenburg) als Gallionsfiguren sowie Anna Aleksandra Wojciechowicz und Saphire Shure als diejnigen, die die Arbeit machen, eingekauft, um eine Studie über das „Pädagogische Können in der Schule der Migrationsgesellschaft“ ausführen zu lassen. Eine Handreichung von acht Seiten ist bislang alles, was der Öffentlichkeit als Arbeitsnachweis zur Verfügung steht, aber acht Seiten qualitative Ergebnisse sind ja, immerhin, eben acht Seiten und außerdem sind es acht Seiten voller Leerformeln und unnützer Empfehlungen.

Belegen wir unsere gerade gemachte Behauptung.

Wir fangen wie immer mit der Methode an. Die qualitative Studie, von der nicht verraten wird, welche qualitative Methode genutzt wurde, um das Material zu analysieren, basiert auf Modulbeschreibungen von 11 Universitäten, von denen nicht gesagt wird, warum gerade diese Modulbeschreibungen und genau diese 11 Universitäten ausgesucht wurden. Hinzu kommen nicht näher spezifizierte Curricula und „ausgewählte Texte der Kultusministerkonferenz“, von denen nicht gesagt wird, warum bzw. nach welchen Kriterien sie ausgewählt wurden.

Wäre es eine studentische Arbeit, die vier Verantwortlichen wären nun durchgefallen. Aber es ist keine studentische Arbeit. Deshalb sind die Standards unterirdisch, Erwartungen an Methoden nicht vorhanden und Ansprüche nur insofern gegeben, als man bei der Mercator GmbH eine schöne Pressemeldung schreiben will.

Wir wissen zwar nicht, wie die Ergebnisse, die die vier Autoren, also die beiden symbolischen und die beiden wirklichen, präsentieren, zustande gekommen sind, welchen Aussagegehalt, wenn überhaupt, sie haben und falls sie überhaupt einen Gehalt haben, in welchem Kontext er zu sehen ist. All diese Standards wissenschaftlicher Forschung sind offenkundig nicht bekannt oder schlicht ignoriert worden. Das soll uns aber nicht daran hindern, die Ergebnisse der Handreichung einer genaueren Analyse zu unterziehen.

Formulieren wir dazu ein konkretes Problem mit dem Lehrer in der Schule konfrontiert sind. Schüler mit Migrationshintergrund sind in der Regel der deutschen Sprache weniger oder kaum mächtig. Was lässt sich den Ergebnissen und Empfehlungen der vier Autoren entnehmen, um dieses Problem zu lösen?

Das Problem ist gar kein Problem, schon gar kein technisches Problem. Denn Migration ist kein Problem, selbst wenn sich in Folge von Migration Probleme einstellen sollten, sind diese Probleme doch kein Problem der Migration als solcher und schon gar keines der Schüler mit Migrationshintergrund. Zu dieser Erkenntnis müssen Lehrer gelangen. Sie müssen lernen mit ihren „Einstellungen und Haltungen zu Migration“ umzugehen.

Wenn also die Schüler, die weniger gut Deutsch können als andere Schüler einen Migrationshintergrund haben, dann verlangt es die Selbstreflexion, diesen Hintergrund zu leugnen oder in einen größeren Kontext einzuordnen, denn: „Die durch die Schüler in den Klassenraum eingebrachten Unterschiede“ [also ihr Migrationshintergrund] müssten als Ergebnis „globaler Ungleichheiten“ verstanden werden und vor dem Hintergrund von „Fragen zu Differenz- und Diskriminierungsverhältnissen (border studies, postcolonial studies, race studies)“ diskutiert werden. Kurz: Die Tatsache, dass zum Beispiel Schüler, die aus Afrika stammen, also schwarz sind, nein, Migrationshintergrund haben, nein verflixt, die also eben vielfältig sind, so vielfältig, dass sie nicht richtig Deutsch können, diese Tatsache hat ihre Ursache darin, dass Ende des 19. Jahrhunderts Bismarck und andere Deutsche einen Platz an der Sonne gesucht haben, nicht etwa auf Mallorca wie heute, sondern in Deutsch Südwestafrika oder in Deutsch Südostafrika oder so. Und deshalb, das haben postcolonial Studies herausgefunden, deshalb können vielfältige Schüler, die zwar keinen Migrationshintergrund haben, aber eben weil sie vielfältig sind, eine räumliche Verbindung zu z.B. Namibia einst hatten, bevor sie nach Deutschland gekommen (nicht etwa migriert) sind, kein Deutsch.

Einfach – oder?

Aber, so die mahnenden Worte der vier Autoren: Vielfalt oder Pluralität dürfen auch nicht einer Gruppe zugeschrieben werden. Werden sie das, dann werden die Schüler, die vielfältig oder plural sind, wieder stigmatisiert, wieder zum Objekt und das ist schlecht, und am Ende kommt dabei heraus, dass Schüler mit …, mit …, mit Vorfahren in ehemaligen Kolonien eines staatlichen Vorgängers von Deutschland, für den Deutschland nach wie vor völkerrechtlich verantwortlich gemacht wird, zu „Mängelexemplaren“ erklärt werden, die „Unterstützung“ und Hilfe benötigen. Dem ist natürlich nicht so. Denn, dass sie schlechter Deutsch können, das wissen wir nur, weil wir sie zu einer Gruppe zusammengefasst haben, ihnen einen Migrationshintergrund zugeschrieben haben, sie am Ende aufgrund von primären Merkmalen stereotypisiert haben und so zu dem Schluss gekommen sind, dass Schüler mit Migrationshintergrund schlechter Deutsch können. Sie sehen, wenn wir uns der Tatsache bewusst werden, dass Schüler mit Migrationshintergrund nur deshalb schlechter Deutsch können als Schüler ohne Migrationshintergrund, weil wir dem Migrationshintergrund Relevanz zuweisen und wir deshalb aufhören, dem Migrationshintergrund Relevanz zuzuweisen, dann werden diese Schüler zwar nicht besser in Deutsch, aber die Autoren der Handreichung, die die Mercator GmbH durch Presseverteiler schleust, sind glücklich und fühlen sich gut.

Sie haben die Welt besser gemacht, dafür gesorgt, dass sich Lehrer nicht mehr um die Defizite ihrer Schüler sorgen, sondern um die eigenen Defizite. Entsprechend lauten die Empfehlungen, die die vier Autoren den Lehrern, an deren Adresse die Handreichung u.a. geht, geben, sich Wissen über den Ort, von dem aus Schüler oder deren Eltern nach Deutschland gekommen sind, anzueignen – den Migrationshintergrund also doch relevant zu machen. Das hat zwar keinen Einfluss auf die Deutschleistung der entsprechenden Schüler, aber es „kontextualisiert historisch“. Wozu das gut ist, wissen die Autoren zwar auch nicht, aber es muss ja auch nicht gut sein, nicht Lehrer bei ihrer täglichen Arbeit mit Migranten helfen oder anleiten, es soll nur gut klingen.
Gut klingen tut auch die durch die Autoren von Lehrern geforderte Auseinandersetzung „mit Migrationsphänomenen und Zugehörigkeitsverständnissen“. Es ist zwar zweifelhaft ob die Deutschkenntnisse von Syrern oder von Äthiopiern von deren Zugehörigkeitsverständnis beeinflusst werden, aber, abermals, es klingt gut. Abermals: Es geht nicht darum, die Deutschleistungen von Schülern zu verbessern. Mit derart konkretem Schnickschnack kann man den institutionalisierten Autoren, also an einer Universität institutionalisierten Autoren nicht kommen. Ihnen geht es darum, dass Lehrer die im Vergleich zu anderen Schülern schlechteren Leistungen nicht dem Migrationsstatus der Schüler zuschreiben, dass sie für die „Vielfalt an unterschiedlichen Sichtweisen und Bildungsbiografien sensibel“ sind.

Darum allein geht es: Die Nomenklatur für pseudo-wissenschaftliche Heuchelei zu erlernen. Das hilft zwar weder Lehrern noch Schülern, aber den leider gar nicht selbst-reflexiven Selbstdarstellern von Universitäten, deren Ziel auch gar nicht darin besteht, Schülern und Lehrern nützlich zu sein. Sie sind Vertreter der Betroffenheits-Fächer. Sie tun betroffen, heucheln Betroffenheit über Kolonialismus, Whiteness, Ableismus, Sexismus, was auch immer. Das muss reichen: Wenn man betroffen tut, kann man nicht auch noch nützlich sein, gar denen, an deren Stelle man betroffen tut, behilflich sein.

Wissenschaft ist in Teilen zur Purifikation vor Phantasien geworden, die außer denjenigen, die die Welt vor ihnen retten wollen, niemand hatte. Und wie immer fällt das Individuum, um das es eigentlich geht, dann, wenn die universitären Purifizierer am Werk sind, durch. Möglicherweise wäre eine individuelle Betreuung und Hilfe, die Lösung für die Probleme, die viele Schüler, nicht nur die mit Migrationshintergrund im Fach Deutsch haben. Um vorhandene Probleme zu lösen und individuelle Hilfe zu leisten, ist es aber notwendig, die Probleme zu benennen und wenn sich die Probleme dadurch auszeichnen sollten, dass sie in einer bestimmten Schülergruppe (z.B. mit Migrationshintergrund) besonders häufig vorhanden sind, dann ist es zur Lösung der Probleme elementar, die Ursache dieser gleichen Problemlage zu erforschen, nicht, den Blick auf die spezifische Problemlage zu verweigern und sich ansonsten in sprachlichen Variationen von Heuchelei zu verlieren.

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Sexuality-Pay-Gap: Arglistige Täuschung, Junk Science, DIW – kommt zusammen, was zusammen gehört?

Unglaublich.

Es ist wirklich unglaublich.

Zweierlei ist unglaublich.

Es ist unglaublich, wie es der Lobby von Schwulen und Lesben gelungen ist, ernsthafte und relevante Themen, wie z.B. die Auswirkung der Position in der Sozialstruktur auf die Lebenschancen und die Lebenserwartung fast vollkommen von der Agenda angeblich wissenschaftlicher Forschung zu verdrängen. Wen juckt es, dass Männer, die aus Arbeiterfamilien stammen und als Arbeiter jahrzehntelang ihr Auskommen erwirtschaften, eine deutlich geringer Lebenserwartung haben, als Angehörige der Mittelschicht? Wer interessiert sich dafür, dass der Anteil der Arbeiterkinder an Hochschulen auf niedrigem Niveau (rund 8%) rückläufig ist?

Kaum jemand.

Politiker sind mehr damit beschäftigt, Schwule- und Lesbenverbände zu hofieren als sich um soziale Probleme zu kümmern.

Und es ist unglaublich, was für einen Junk das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das inzwischen von Steuerzahlern finanziert wird, verbreitet, und am unglaublichsten ist es, dass man beim DIW nicht einmal mehr vor Täuschung zurückschreckt, wenn es darum geht, auf dem Bandwaggon derer mitzufahren, die auf Kosten der Allgemeinheit sich und LGB (Lesbian, Gay and Bi-Sexuals) noch besser stellen wollen.

Es beginnt heute, wie so oft, mit dem Hinweis eines Lesers auf einen Text in der Frankfurter Allgemeine, die sich immer mehr zum Trash-Blatt entwickelt. „Schwule haben geringeren Stundenlohn“ wird dort verkündet. Diese Weisheit hat der zuständige Redakteur wohl der Pressemeldung zu einer DIW-Studie entnommen, in der gezeigt worden sein soll, dass der Brutto-Stundenlohn, den Schwule erhalten, um 2,14 Euro geringer ausfällt, als der von heterosexuellen Männern. Ein neuer Pay-Gap, ein Sexuality Pay Gap, wie Martin Kroh, Simon Kühne, Christian Kipp und David Richter in ihrem Text „Einkommen, soziale Netzwerke, Lebenszufriedenheit: Lesen, Schwule und Bisexuelle in Deutschland“ schreiben, der im DIW-Wochenbericht Nr. 35 gerade erschienen ist. Das ist die Studie, auf die sich der Bericht in der FAZ bezieht.

Es ist eine Junk-Studie. Nein, Junk-Studie ist ein Begriff, der es nicht ganz trifft, denn die Autoren addieren noch die Täuschung der Leser zum üblichen Junk derartiger Studien.

Wenn wir Schlagzeilen lesen, die angebliche Erkenntnisse über Schwule oder Lesben thematisieren, dann hat dies immer dieselbe Frage zum Ergebnis: Wie ist es den Autoren gelungen, die notwendige Fallzahl zusammenzutragen, die man benötigt, um einigermaßen gesicherte Aussagen über Schwule und Lesben machen zu können? Denn: Wie Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Analyse über den angeblichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und erhöhter Wahrscheinlichkeit eines Suizids ausführlich dargelegt hat: Schwule und Lesben sind in den normalen Bevölkerungsstichproben das, was man eine seltene Population nennt. In der Regel sind sie im Datensatz zu selten, um überhaupt Aussagen zu ermöglichen. Deshalb behelfen sich die meisten, die in diesem Gebiet forschen, durch einen Trick, um die Fallzahl zu erhöhen: Sie rechnen Bisexuelle zu Homosexuellen obwohl man sie mit demselben Recht auch Heterosexuellen zurechnen könnte. Aber Heterosexuelle gibt es in Bevölkerungsstichproben in ausreichender Zahl. Manipuliert werden muss die Zahl der Homosexuellen.

Diese gängige Täuschung benutzen auch Kroh et al. Ihre Ergebnisse beziehen sich zunächst auf das, was sie LGB nennen, Lesbian, Gay and Bi-sexuals. Auf diese Weise schaffen es die Autoren 459 homo- und bisexuelle Befragte im SOEP zu identifizieren. Den 459 homosexuellen und bisexuellen Befragten stehen 39.100 heterosexuelle Befragte gegenüber, was eine dermaßen schiefe Verteilung produziert, dass man schon mit den Grundzahlen Mühe haben wird, sinnvolle Ergebnisse zu errechnen.

Hier beginnen die Täuschungen, derer sich Kroh et al. bedienen, um ihren Ergebnissen eine Relevanz zuzuweisen, die sie nicht haben.

Denn: die 459 Befragten sind nur der Idealfall. In den einzelnen Analysen sind regelmäßig weniger als 459 Befragte enthalten, weil nicht alle Befragten zu allen Fragen Angaben machen. Wie viele es tatsächlich sind, das verschweigen die Autoren so lautstark, dass es einem wehtun muss, wenn man ihren Beitrag liest. So offen wird selten gegen wissenschaftliche Lauterkeit verstoßen wie in diesem DIW-Machwerk – insofern ist es wirklich besonderer Junk.

Die Autoren verheimlichen den Lesern auch die Aufschlüsselung der 459 Schwulen, Lesben und Bisexuellen auf die jeweilige Orientierung. Nach aller Erfahrung ist die Gruppe der Bisexuellen am stärksten besetzt, so dass kaum Befragte übrigbleiben dürften, wenn man Bisexuelle, eben weil sie sowohl homo- als auch heterosexuell sind, aus den Berechnungen ausschließen würde, wie es der wissenschaftlichen Lauterkeit entspräche. Da ist es schon wieder, dieses Wort, Lauterkeit…

Vergessen wir die Lauterkeit: Weiter im Text.
Wir haben gesagt, dass Kroh et al. die Leser über ihre geringe Fallzahl hinwegtäuschen. Das erfolgt so unbeholfen und so ungeschickt, dass man es kaum übersehen kann, dass man getäuscht werden soll, jedenfalls dann, wenn man Erfahrung im Umgang mit Daten hat.

Die Autoren benutzen auch Ergebnisse, die auf Basis des Mikrozensus errechnet wurden, z.B. Abbildung 2. Die Darstellung umfasst Anteile und absolute Zahlen.
Die Autoren verweisen auf Ergebnisse von Wissenschaftlern z.B. in Fußnote 19. Der Verweis umfasst die Angabe der Fallzahlen.
Aber immer dann, wenn die Autoren ihre eigenen Daten, die auf 459 vermutlich vornehmlich bisexuellen Befragten basieren, darstellen, fehlen die Angaben zur Fallzahl. Sie fehlen bei der Abbildung 1, bei Abbildung 3, bei Tabelle 1, bei Tabelle 2, bei Abbildung 4, bei Tabelle 3, bei Tabelle 4 und bei Tabelle 5.

Die Angabe der Grundgesamtheit der LGB zu unterlassen, die in die Anteile, die in eine Tabelle eingeflossen sind, münden, ist mit wissenschaftlicher Lauterkeit nicht zu vereinbaren. Es entspricht schon eher dem Versuch einer arglistigen Täuschung, um nicht zugestehen zu müssen, dass die eigenen Ergebnisse keinen Pfifferling wert sind, weil sie auf so wenigen Befragten basieren, dass einem die Tränen kommen. Thematisierte man die geringe Fallzahl, dann wäre dies natürlich der Verbreitung der eigenen Ergebnisse in den Zeitungen Deutschlands hinderlich. Redakteure springen auf Behauptungen wie: „Schwule haben geringeren Stundenlohn“, sie sprängen sicher nicht auf Aussagen wie: Die auf Grundlage von 25 schwulen Männern berechnete Stundenlöhne sind geringer als die Stundenlöhne heterosexueller Männer. Wir nehmen nicht an, dass die Berechnungen von Kroh et al. auf viel mehr als 25 schwulen Männern beruhen. Wer schon einmal – wie wir das mehrfach getan haben – mit dem SOEP gerechnet hat, weiß, wie schnell die Befragten zwischen den Wellen verschwinden… Dass Kroh et al. Schwierigkeiten hatten, genügend LGB-Befragte zusammen zu klauben, kann man auch einem kleinen technischen Satz entnehmen, über den der gemeine, statistisch ungebildete Redakteur hinwegliest, sofern er überhaupt liest:

„Da vermutet werden kann, dass sich insbesondere LGB-Befragte aufgrund befürchteter Ablehnung durch die Interviewer oder als Kritik an der Fragestellung dazu entscheiden, keine Angaben zu machen, wird für die Berechnung des Anteils von LGBs an der erwachsenen Bevölkerung ein Korrekturfaktor verwendet. Dieser versieht diejenigen mit einem höheren Gewicht, die über typische Eigenschaften der AntwortverweigererInnen verfügen. Dies gilt beispielsweise für ältere Personen, für Personen ohne PartnerIn im Haushalt oder für bestimmte Befragungsmethoden.“

Weil Kroh et al. etwas annehmen, was sie für plausibel halten, wir aber nicht, von dem sie aber in jedem Fall nicht wissen, ob es zutrifft, gewichten sie vorsichtshalber LGB höher als heterosexuelle Befragte. Von letzteren haben sie ja auch genug. Gewichtung ist ein prätentiöses Wort, hinter dem sich eine einfache Multiplikation verbirgt. In Deutsch: Im Datensatz von Kroh et al. werden Befragte, die von sich weder gesagt haben, dass sie schwul noch dass sie lesbisch oder bisexuell sind, dennoch als schwul, lesbisch oder bisexuell gezählt, und zwar dann, wenn sie sozialstrukturell den wenigen im Datensatz vorhandenen Schwulen, Lesben und Bisexuellen ähnlich sind. Dann werden sie mit einem Faktor, der größer als 1 ist, multipliziert. Auf diese Weise macht man aus wenigen LGB etwas mehr LGB-Befragte. Zu diesem Mittel nimmt man nur dann Zuflucht, wenn man mit den vorhandenen Daten ohne diese Form der Täuschung, vielleicht auch des Betrugs überhaupt nichts anfangen kann, weil die Fallzahl, die Kroh et al. ihren Lesern vorenthalten (siehe oben) zu gering ist.

Auf Grundlage einer nicht genannten Anzahl von homosexuellen Männern, die sie sich zusammengewichtet haben, wollen Kroh et al. dann Stundenlöhne berechnet haben und diese mit den Angaben heterosexueller Männer verglichen haben, wobei sich ein „Sexuality Pay Gap“ ergeben haben soll. Nun muss man wissen, dass die Anzahl der Antwortverweigerer bei Fragen, die sich auf das Verdienst beziehen, sehr hoch ist. Wir haben 459 Schwule, Lesen und Bisexuelle im Datensatz. Selbst bei der vollkommen unrealistischen Annahme einer Gleichverteilung, denn Bisexuelle sind immer deutlich häufiger als Schwule oder Lesben, ergeben sich nur 153 Schwule. Von diesen 153 Schwulen werden nochmals rund ein Drittel ausfallen, weil sie keine Angaben zu ihrem Gehalt gemacht haben, so dass die Ergebnisse auf maximal 100 befragten Schwulen basieren. Wie gesagt, das ist eine wohlwollende Rechnung. Die tatsächliche Befragtenzahl, auf die Kroh et al. ihre Ergebnisse stützen und die sie verheimlichen, dürfte deutlich darunter liegen. Auf dieses armselige Häuflein von Befragten gründen die Autoren ihre Behauptung, dass es in Deutschland ein Pay Gap gäbe, das zuungunsten von Homosexuellen besteht.

Das ist nicht nur lächerlich, es ist unlauter und grenzt an Betrug und der Verdacht einer arglistigen Täuschung scheint begründet, da die Autoren es penibel unterlassen, die Anzahl der Befragten, die sie in ihren jeweiligen Berechnungen berücksichtigen, anzugeben.

Derartigen Junk hätte man früher nicht für möglich gehalten. Wäre diese Junk-Studie in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen, dann würde sich der Herausgeber vermutlich beeilen, den entsprechenden Artikel zurückzuziehen. Aber der Junk ist beim DIW erschienen, und vom DIW ist man in letzter Zeit viel Junk gewöhnt, viel zu viel Junk, als dass man die Berliner noch als Wissenschaftler ernstnehmen könnte. Deshalb erwarten wir nicht, dass man sich beim DIW von dieser Junk Studie distanziert.

Vielmehr steht zu erwarten, dass sich die Meute der ahnungslosen Journalisten, die es ja beileibe nicht nur bei der FAZ gibt, auf das Ergebnis stürzen wird, ist es doch geeignet, virtue signalling zu betreiben, sich als Guter auszugeben und Browny-Punkte dafür zu sammeln, dass man sich bei Lobbygruppen anbiedert, dass man sich mit Junk anbiedert ist nebensächlich.

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Soziologie hat nichts mit Gender Studies, Whiteness Studies oder sonstigem Unsinn zu tun

Hadmut Danisch, den wir sehr schätzen, hat leider die Angewohnheit, den Begriff “Soziologie” für alles zu benutzen, was an Unsinn aus den sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen an die Öffentlichkeit dringt.

Weder Gender Studies, Whiteness-Studies oder Feminism haben auch nur entfernt etwas mit Soziologie zu tun. Deshalb ärgert es uns, dass Hadmut willig den Etikettenschwindel mitmacht, der von Gender Studierten und anderen Nichtwissenschaftlern betrieben wird, um dem eigenen Unsinn unter Missbrauch der Bezeichung “Soziologie” wissenschaftliche Anerkennung zu verleihen. Einen Soziologen aus den USA hat der Etikettenschwindel so sehr geärgert, dass er den Twitter-Account “RealPeerReview” ins Leben gerufen hat. RealPeerReview hat es sich zur Aufgabe gemacht, die größter Schwätzer, die es in wissenschaftliche Zeitschriften geschafft haben, also den größten publizierten Unsinn zusammenzustellen.

Wie nicht anders zu erwarten hat die Sammlung von Unsinn, der nichtsahnenden und naiven Konsumenten als Soziologie und als Wissenschaft verkauft werden soll, einen Schwerpunkt im Bereich des Feminismus, des Anti-Rassismus, der Gender und der Whiteness Studies. Und wie ebenfalls nicht anders zu erwarten, kamen aus diesen Lagern handfeste Drohungen an und Angriffe auf die Seite des RealPeerReviewers, so dass er sich entschieden hat, seinen Account auf Twitter zu löschen.

Es ist nicht überraschend, dass sich diejenigen, deren Unsinn durch RealPeerReview öffentlich identifiziert wurde, Drohungen und andere Formen von verbaler Gewalt als Mittel der Wahl auserkoren haben, wären sie mit normaler Intelligenz begabte, zu wissenschaftlicher Argumentation fähige Wesen, sie wären nicht in Gender Studies, Whiteness Studies oder bei anderem Blödsinn, der vorgeben will, Wissenschaft zu sein, gelandet.

Hadmut kommentiert diese Episode aus dem Jahre 2016 wie folgt:

“In den USA gab es einen anonymen Twitter-Account, unter dem jemand – offenbar selbst Soziologe – reihenweise auf soziologische akademische Arbeiten lächerlichsten Niveaus hinwies. Ist wohl international so, dass Soziologie den Täuschern und Schwätzern anheim gefallen ist und eigentlich nur noch so eine marxistische Titelmühle ist. Der Account wurde nun entfernt, nachdem aufgebrachte Soziologen drohten, ihn zu enttarnen und seine Karriere damit zu beenden.”

Wie deutlich wird, ist Hadmut mindestens ein Soziologe bekannt, der den Unsinn unter dem Dach von Gender Studies, Feminism usw. kritisiert. Der nächste Schritt bestünde nun darin, uns in der Argumentation zu folgen, dass Soziologie nichts mit diesem Unsinn zu tun hat. Es handelt sich dabei um Gender Studies, um Feminism, um Geder oder Whiteness Studies und ähnlichen intellektuellen Müll, den der Konstruktivismus an Hochschulen ausgeschüttet hat, nicht um Soziologie!

Der Gegenstand der Soziologie ist ein anderer. Soziologen sind keine Weltverbesserer, keine Missionare, sie sind nicht damit beschäftigt, Personen zu bekämpfen, die ihrem Weltbild nicht entsprechen, sie sind keine politischen Aktivisten und keine Schwätzer, sondern Wissenschaftler, die an der ERKLÄRUNG sozialer Fakten und sozialer Prozesse interessiert sind. Dazu wurde ein Kanon wissenschaftlicher Methoden entwickelt und eine Vielzahl soziologischer Theorien von der Konflikttheorie über die Austauschtheorie bis zur Rational-Choice-Theorie geschaffen und mehrfach geprüft. Bis heute gibt es viele Soziologen, die dem alten Ziel von Max Weber, soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären“ zu wollen, verpflichtet sind. Jeder, der im Zusammenhang mit Idiotien, die aus dem Feminismus entsprungen sind, von Soziologie spricht, zertrampelt damit das Feld, das Soziologen bestellt haben.

Dass es immer mehr Soziologen, Politikwissenschaftler, Sozialwissenschaftler gibt, denen das Gender-Treiben und das Ausmaß an konstruktivistischem Wahnsinn, das an Hochschulen herrscht, zu groß geworden ist, darüber berichten wir in letzter Zeit recht häufig auf ScienceFiles. Man könnte fast schon von einem TakeBackScience-Movement sprechen.

Die Geschichte von RealPeerReview, die Hadmut erzählt und die mit der Löschung des Twitter-Accounts von RealPeerReview geendet ist, ist dafür abermals ein Beleg, denn: Die Geschichte geht weiter. Eine Reihe von Wissenschaftler hat sich zusammengeschlossen und @NewRealPeerReview gegründet, ein Twitter-Account mit mittlerweile 42.300 Followern, der das gute Werk von RealPeerReview, das übrigens hier gesammelt wurde, fortsetzt. Insofern haben diejenigen, die versucht haben, RealPeerReview zum Schweigen zu bringen, das Gegenteil erreicht: Aus einem Betreiber sind fünf geworden und aus ein paar tausend Followern ein regelrechtes Movement.

Soziologen aller Länder vereinigen sich, um die konstruktivistischen Auswüchse zu beseitigen.

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Hochschule: Flüchtlinge sind “gut in die Ausbildung integriert” – wirklich?

„Ich habe mich für das Thema der Ausbildung von Flüchlingen entschieden, weil es gesellschaftlich sehr relevant und aktuell ist“. Das sagt Lea Marit Nattefort über die Themenwahl ihrer Masterarbeit.

„Diese sehr gute Masterarbeit hat viele positive Beispiele für eine gelungene Integration in die Ausbildung gezeigt. Die Unternehmen sind engagiert und leisten einen erheblichen Teil zum Gelingen der Integration. Eine gelungene Integration stellt eine Win-Win-Situation für die Flüchtlinge und die Ausbildungsunternehmen und letztlich für die Gesellschaft dar“. Das sagt Dr. Lijun Tang, Beteuer der Masterarbeit von Nattefort.

Es ist natürlich vollkommener Blödsinn, im Hinblick auf die Ausbildung von Flüchtlingen von einer Win-Win-Situation zu sprechen, denn eine Win-Win-Situation ist so definiert, dass niemand verlieren kann. Ob eine Ausbildung mit einem Erfolg abgeschlossen wird, ist jedoch eine offene Frage, weshalb hier keine Win-Win-Situation vorliegt. Deshalb spricht Tang auch von einer „gelungen Integration“, was seine Aussage zur Tautologie verkümmert. Aber egal, die vielen Sätzen sind – wie in der Betriebswirtschaft so häufig -, nur dazu gedacht, in diesem Fall Lesern vorzugaukeln, man hätte etwas ganz Gewichtiges gesagt. Wer näher hinsieht, bemerkt sehr schnell, dass zwar ganz viele Worte gemacht, aber nichts gesagt wurde.

Soviel vorab, nun zur „sehr guten Masterarbeit“, die für Betreuer und Student kein Ruhmensblatt ist.

1.450 Unternehmen habe Nattefort für die Masterarbeit befragt, so die Behauptung in der Pressemeldung der Hochschule Ruhr West, die falsch ist, wie sich für diejenigen, die mit postalischen oder Online-Befragungen vertraut sind, schnell ersichtlich ist, denn: Obwohl 1.450 Unternehmen “befragt” worden sein sollen, haben nur „82 Unternehmen an der Umfrage“ teilgenommen, eine Rücklaufquote, die nicht ungewöhnlich ist“, so heißt es.

Der Begriff „Rücklaufquote“ deutet darauf hin, dass 1.450 Unternehmen angeschrieben und um die Teilnahme an der Umfrage gebeten wurden. 82 Unternehmen haben dieser Bitte entsprochen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 5,7% und ist unterirdisch schlecht und in jedem Fall ungewöhnlich. Das Minimum an Rücklaufquote, das man noch erträglich ist, beträgt 20%, nicht 5,7%. Don Dillman der Sozialwissenschaftler auf dem Papststuhl schriftlicher Befragung hat mit seiner „Tailored Method“ eine umfangreiche Methodologie vorgelegt, die dazu gedacht ist, miserable Rücklaufquoten, die dazu führen, dass man seine Umfrage in den Mülleimer werfen kann, zu vermeiden. Es scheint, Dillmans Methode ist in Mülheim an der Ruhr oder in Bottrop an der Ruhr West Hochschule nicht angekommen. Rücklaufquoten werden dort offensichtlich als schicksalhaftes Ereignis angesehen, an dem man nichts ändern kann.

Als Konsequenz aus der unterirdisch schlechten Rücklaufquote von 82 aus 1.450 muss man formulieren, dass die vielen positiven Beispiele von Unternehmen, die Lijun Tang aus der Masterarbeit herausgelesen hat, positive Beispiele sein mögen, aber keinerlei wissenschaftlichen Wert haben.

Warum?
Darum:

Wenn 1.450 Unternehmen zum Thema „Besonderheiten in der Ausbildung von Flüchtlingen“ angeschrieben werden, und 5,7% davon, also 82 überhaupt nur die Motivation aufbringen, das Anschreiben zu beantworten und an einer Umfrage teilzunehmen, dann muss man daraus Folgendes schließen:

1) Der Gegenstand der Befragung ist für 1.368 Unternehmen entweder gar nicht relevant oder nicht hinreichend relevant, um Mitarbeiterressourcen einzusetzen und an der Umfrage teilzunehmen, was ebenfalls dafür spricht, dass das Thema von höchstens geringer Bedeutung ist.

2) Geringe Bedeutung hat der Befragungsgegenstand dann, wenn die angeschriebenen Unternehmen keine Flüchtlinge ausbilden, keine Flüchtlinge ausbilden wollen oder keine guten Erfahrungen mit der Ausbildung von Flüchtlingen gemacht haben und ihre schlechten Erfahrungen in der Umfrage nicht berücksichtigt finden. Letzteres wäre ein gravierender methodischer Fehler, der dann vorkommt, wenn man unbedingt positive Ergebnisse ermitteln will.

3) Die 82 Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, stellen eine selegierte Population dar, von der man annehmen muss, dass sie sich aus besonders motivierten Teilnehmer zusammensetzt, d.h. NUR Unternehmen, bei denen es etwas Positives über die Ausbildung von Flüchtlingen zu berichten gibt, hätten überhaupt an der Befragung teilgenommen.

Die folgenden Ergebnisse wollen Student und Betreuer aus der Befragung von 82 der 1.450 Unternehmen gewonnen haben:

  • Flüchtlinge seien gut integriert;
  • Die Unternehmen bewerteten ihre kulturellen Kompetenzen, also die des Unternehmens, als gut;
  • Den Flüchtlingen werde eine hohe Anpassungsfähigkeit attestiert;
  • Den Flüchtlingen werde eine hohe Leistungsbereitschaft attestiert;
  • Als Einstellungsgrund für die Flüchtlinge gäben die Unternehmen „gesellschaftliche Verantwortung“ und das Fehlen „qualifizierter (deutscher Bewerber)” an.

Wie man diese Ergebnisse positiv bewerten kann, ist uns ein Rätsel.
Zunächst einmal gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die 82 Unternehmen, die eine positive Selektion darstellen, also keine negativen Erfahrungen mit Flüchtlingen berichten wollen, schon weil sie deren Einstellung als „gesellschaftliche Verantwortung“ sehen, nicht mit einer positiven Selektion von Flüchtlingen gesegnet sind, also mit Flüchtlingen, die leistungsbereit und anpassungsfähig sind. Dass derart positive Attribute nicht auf alle Flüchtlinge zutreffen, sagt einem der gesunde Menschenverstand und die Tatsache, dass es 94,3% der angeschriebenen Unternehmen vorgezogen haben, ihre Erfahrungen mit der Einstellung von Flüchtlingen nicht mitzuteilen. Wenn zudem angegeben wird, dass Flüchtlinge deshalb eingestellt wurden, weil kein „qualifizierter (deutscher) Bewerber“ vorhanden war, dann steht das in gewissem Widerspruch zur angeblichen Übernahme “gesellschaftlicher Verantwortung” und man fragt sich, ob die Einstellung auch erfolgt wäre, wenn ein deutscher Bewerber, mag er auch noch so schlecht sein, verfügbar gewesen wäre.

Kurz: Die Ergebnisse der Masterarbeit sind nicht dazu geeignet, verallgemeinert zu werden oder gar als „gute Beispiele“ anderen Unternehmen vorgesetzt zu werden. Im wahrscheinlichsten Fall wurden hier 82 Unternehmen befragt, deren Erfahrungen mit Flüchtlingen eine Ausnahme darstellt und die zudem eine positive Auswahl von Flüchtlingen, hochmotivierte und anpassungsfähige Flüchtlinge, ausbilden.

In jedem Fall geht Sozialforschung anders und in jedem Fall ist es unlauter nur deshalb, weil das Thema „Flüchtlinge“ gerade in der Öffentlichkeit en vogue ist, zu versuchen, die eigene Hochschule und die eigenen Fachbereiche auf dem Rücken von Flüchtlingen zu bewerben. Derartige Versuche sind nicht nur unlauter, sie sind dann peinlich, wenn ein Blick genügt, um methodische Katastrophen zu entdecken, die einmal mehr die Notwendigkeit einer grundlegenden Ausbildung in Methoden empirischer Sozialforschung deutlich macht.

Es ist eben nicht so, dass jeder, der denkt, ein Thema sei „relevant“, „aktuell“ und „interessant“ auch die Qualifikation mitbringt, dieses Thema empirisch zu untersuchen.

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Schleimen in der Schule lohnt sich – zumindest in Bremen

Reduzieren wir die 20 Seiten des Beitrags mit dem Titel „Sozialverhalten und Schulleistungen“ aus der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft doch auf den wesentlichen Inhalt:

Wenn Mitschüler über einen Schüler sagen, dass er ihnen hilft, nicht aggressiv ist und „unsere Arbeit“ nicht häufig stört, dann schätzen Lehrer die Beliebtheit der entsprechenden Schüler höher ein und die entsprechenden Schüler erhalten bessere Noten als Schüler, auf die das alles nicht zutrifft.

Das teilen uns Julia Becherer, Olaf Köller und Friederike Zimmermann mit. Ein Strukturgleichungsmodell hat diese Kausalitäten entdeckt. Natürlich liest es sich, wenn Becherer, Köller und Zimmermann dieses Ergebnis beschreiben, ganz anders: „… Schüler, die von ihren Peers als prosozial eingeschätzt wurden, wurden von den Lehrkräften auch als beliebter eingeschätzt und erreichten auch später bessere Schulnoten. Als beliebt eingeschätzte … Schüler erreichten ebenfalls bessere Noten und auch der indirekte Zusammenhang des prosozialen Verhaltens mit den Noten, vermittelt über die Beliebtheit in der Klasse, war substanziell“.

Wer heutzutage empirische Texte liest, der braucht ein dickes Fell. Max Kaase hat Studien wie die von Becherer, Köller und Zimmermann als „Data speek to me“ Studien bezeichnet, aber das setzt voraus, dass das, was die Daten sagen, verstanden wird – eine Annahme, die man nicht mehr unbegrenzt aufrechterhalten kann.

So hat sich die Kenntnis darüber, wozu Strukturgleichungsmodelle eigentlich einmal entwickelt wurden und welche Probleme sich mit den entsprechenden Modellen, die früher unter dem Stichwort „LISREL“ behandelt wurden, weitgehend verflüchtigt. Dass man der Software durch die Spezifikation von Pfaden vorgibt, in welche Richtung Zusammenhänge weisen und damit klare Annahmen über Kausalitäten macht, das ist zumindest bei den drei Autoren, die diesen Text verbrochen haben, nicht angekommen. Für sie wurden irgendwelche Assoziationen oder Zusammenhänge gemessen, die mit ihren Annahmen und Spezifikationen natürlich nichts zu tun haben.

What if data will speak, but nobody is listening?

Daten zu 2.387 Schülern aus Bremen haben die drei Autoren verarbeitet. Schüler aus 113 Klassen in 10 Regelschulen, alle in der Gegend von 15 Jahren alt und entsprechend in einer neunten Klasse. Daten aus einem Projekt, das mehrere Erhebungswellen umfasst. Längsschnittdaten: Eine Seltenheit für Deutschland. Daten, anhand derer man relevante Fragestellungen nach Lernfortschritt, Einfluss von Lehrern auf schulische Leistungen, nach der Benachteiligung von Jungen und den Faktoren, die die Motivation von Schülern beeinflussen, beantworten könnte. Fragen, die für die individuelle Schul-Biographie von Schülern von Bedeutung sind und Auskunft über institutionelle Mängel geben könnten. Und was untersuchen die Autoren?

Ob prosoziales Verhalten vermittelt über die Beliebtheit eines Schülers dessen Noten beeinflusst. Und sie untersuchen es mit dem aufgerichteten Zeigefinger: Seht her liebe Kindlein, wer sich nicht einfügt, wer nicht prosozial ist, also seinen Mitschülern nicht hilft, der bekommt auch schlechtere Noten. Besser ihr werdet zu Duckmäusern und …kriechern, die frühzeitig das Geheimnis des Erfolgs, wie es in Deutschland gehütet wird, erkennen.

Wenn dieser Forschung irgend ein Verdienst zukommt, dann das, gezeigt zu haben, dass leistungsirrelevante Fragen sozialer Einordnung in Bremen die Noten zu beeinflussen scheinen. Das ist erschreckend. Scheinbar geben Lehrer in Bremen Schülern, die sie für beliebter halten, bessere Noten. Scheinbar wollen sich Lehrer bei der Mehrheit der Schüler einer Klasse einschleimen.

Wetten, dieses Ergebnis hätte man auch erhalten können. Strukturgleichungsmodelle sind geduldig. Man spezifiziert, die Software rechnet und heraus kommt ein Ergebnis. Dass Linear Structural Relations (LISREL) (fast) immer gefunden werden können, weshalb es unabdingbar ist, dass die Richtung der Beziehung entweder vorgegeben oder offen gehalten wird, ist dabei sicher. Offensichtlich haben Becherer et al. von vornherein angenommen oder die Voreinstellung des statistischen Pakets, das sie verwendet haben, hat ihnen diese Entscheidung abgenommen, dass prosoziales Verhalten auf Beliebtheit und Noten wirkt und nicht etwa, dass die Notengebung von Lehrern durch deren Einschätzung deren Beliebtheit eines Schülers bei seinen Peers beeinflusst wird. Auch die Idee, dass Schüler aggressiv sein könnten, weil sie von Peers aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt werden, Letztere also die Ursache für ersteres ist, ist unseren Autoren der unimaginativen Forschung nicht gekommen. Für sie ist klar, prosozial ist gut, dissozial ist schlecht.

Sie sind Ideologen, keine Wissenschaftler, Ideologen, die am derzeit häufig angestimmten Lied, nachdem Menschen so furchtbar sozial zueinander sind, ein Faktum, das man immer wieder sehen kann, wenn Antifas den Lebensunterhalt von Menschen zerstören, die sie gar nicht kennen oder Terroristen willkürlich in Menschenmengen fahren, mitsingen. Nein, natürlich sind nicht Menschen, sondern nur richtige Menschen prosozial. Deshalb muss prosoziales Verhalten schon in der Schule gelernt und durchgesetzt werden, müssen Schüler erkennen, wenn sie dissozial sind, dann gibt es schlechte Noten, schlechte Noten als Bestrafung für Schüler: Noch ein Pfad, der im Strukturgleichungsmodell nicht spezifiziert wurde.

Statistik leidet eben an der geistigen Beschränkung ihrer Anwender. Prosozial ist, so lernen wir von Becherer et al., wenn ein Schüler von einem anderen Schüler sagt, dass er ihm hilft. Wobei ist egal. Hauptsache er hilft: beim Schummel während der Klassenarbeit, beim Mobben anderer Mitschüler, wobei auch immer. Hauptsache, er hilft. Helfen ist nämlich gut. Dagegen ist Aggression schlecht. Wer aggressiv ist, ist dissozial, nicht etwa mit einem Instinkt ausgerüstet, der der Menschheit ihr Überleben gesichert hat und der auch heute noch wichtig ist, wenn man z.B. seine Haut gegen Übergriffe verteidigen muss. Und dissozial ist, wer „uns bei unserer Arbeit stört“. Bei „unserer Arbeit“ werden wir nur durch Außenseiter gestört, so dass alle, die nicht zu einer Gruppe gehören, potentiell dissozial sein müssen, zwangsläufig. Was hier gefeiert wird, ist nichts anderes als die Stiftung einer sozialen Identität durch Ausgrenzung von anderen. Andere Forscher beforschen das unter dem Stichwort Mobbing und halten die Ausgrenzten für Opfer. Becherer et al. sehen in der Ausgrenzung eine Reaktion auf das dissoziale Verhalten der Ausgegrenzten. Wenn man sich im theoretischen Niemandsland befindet, dann kann man sich nur an der eigenen Ideologie festhalten. Noch ein Grund, warum Artikel wie der von Becherer, Köller und Zimmermann der empirische Ausdruck der latenten Variable „Junk Science“ sind, die wiederum im Strukturgleichungsmodell direkt von methodischer und statistischer Unkenntnis sowie von theoretischer Unbedarftheit beeinflusst wird.

Becherer, Julia, Köller, Olaf & Zimmermann, Friederike (2017). Sozialverhalten und Schulleistungen. Spielt die Beliebtheit in der Klasse eine Rolle? Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (online first).

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