Wie man Diskriminierung auf Twitter erfindet: Gender Junk Science

Immer wenn man denkt, man hätte den Gender-Blödsinn hinter sich, kommt ein Nachzügler und erfindet eine neue Diskriminierung von Frauen, und die Frauen-Netzwerke, die von Steuerzahlern ausgehalten werden, sie verbreiten den Unfug. Letzte und diese Woche wurde über eine vermeintliche Studie von Nikki Usher, Jesse Holcomb und Justin Littman diskutiert, heftig diskutiert, vor allem auf Twitter und in diversen Blogs.

Wir haben den Blog von Christian Schmitt verlinkt, weil dort die Diskussion mit dem meisten Gehalt zu finden ist.

Usher, Holcomb und Littman, die man zu den institutionalisierten Wissenschafts-Darstellern zählen muss, die mangels eigener Ideen versuchen, auf dem Genderzug mitzufahren und eine Benachteiligung von Frauen zu erfinden, haben just das getan: eine Benachteiligung von Frauen erfunden.

Und zwar auf Twitter.

Daten für Journalisten aus den USA haben sie gesammelt, Follower, verifizierte Accounts, Retweets und dergleichen, für 1.299 männliche und 993 weibliche Journalisten. Und dann haben die Autoren auf Grundlage von rund 200.000 Tweets  und einer (wie sie wohl glauben) geheimgehaltenen Zahl von Re-Tweets und Replies untersucht, ob Tweets von weiblichen Journalisten seltener zu Replies und Re-Tweets führen als Tweets von männlichen Journalisten.

Für die, die Twitter unkundig sind: Ein Tweet ist eine 280 Zeichen lange Zeichenfolge, mit mehr oder weniger Sinn. Jeder Nutzer von Twitter kann anderen Nutzern folgen und hat Nutzer, die ihm folgen (follower). Ein Re-Tweet erfolgt, wenn ein Nutzer einen Tweet von einem anderen Nutzer an seine Follower verbreitet. Eine Reply ist eine Antwort auf den Tweet eines anderen Nutzers.

Usher, Holcomb und Littman, die sich nicht entblöden, am Ende ihres Beitrags zu schreiben, dass sie schon bevor sie die Forschung unternommen haben, wussten, was dabei herauskommen würde („we knew from the outset, that there was, indeed, a statistically significant gender imbalance …“ 14), stürzen sich auf Tweets, Replies und Re-Tweets von US-amerikanischen Journalisten und finden genau das, was sie vorab schon wussten, dass sie es finden würden: ein feindliches und giftiges (hostile und toxic) Umfeld, in dem Frauen diskriminiert werden. Eigentlich ist Junk, wie der, den Usher, Holcomb und Littman unter die Leser bringen, keiner weiteren Betrachtung wert. Eigentlich müsste sich jeder Leser mit noch vorhandenem gesundem Menschenverstand an den Kopf fassen und sich darüber wundern, wer heutzutage alles frei herumlaufen darf.

Aber, es hat sich eine heftige Auseinandersetzung um diesen Junk entsponnen, so dass wir uns fast genötigt sehen, auch ob der vielen Hinweise, die uns erreicht haben, dazu etwas zu schreiben.

Der Beitrag mit dem Titel „Twitter Makes It Worse: Political Journalists, Gendered Echo Chambers and the Amplification of Gender Bias” besteht aus viel Text, der um etwas, was man nur als Erstklässer-Statistik bezeichnen kann, angeordnet ist. Die Erstklässer-Statistik ist rein deskriptiv, kommt überhaupt nicht im Bereich bivariater Statistik an und erlaubt somit auch nicht die Schlüsse, die die Autoren ziehen wollen. Aber das macht nichts, denn die Tabellen sind sowieso nur vorhanden, um den Eindruck zu vermitteln, man habe etwas gerechnet.

Auf Seite 10 von 17 Textseiten und nach viel Geschwall findet sich die erste Tabelle, ohne jeden Hinweis darauf, was die lustigen Zahlen in der Tabelle eigentlich darstellen. Das haben auch die Autoren zwischenzeitlich vergessen. Entsprechend ist ihnen Tabelle 1 nur der Erwährung aber nicht mehr wert.

Es folgen drei Tabellen, in denen ausschließlich Zeilenprozente (für Männer und Frauen) berichtet und die Ergebnisse vollkommen sinnloser Chi-Quadrat-Tests dargestellt werden, die wiederum zeigen sollen, dass es einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Journalisten im Hinblick auf diverse Twitter-Aktivitäten gibt. Das hätte man, wenn rund 60% der Twitter-Nutzer, von denen die Autoren Daten bezogen haben, männlich sind, auch ohne Chiquadrat-Test phi-mal-Daumen feststellen können, aber dazu muss man natürlich rudimentäre Vorstellungen von Statistik haben. Die haben Usher, Holcomb und Littman mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Ihre Unbeholfenheit ist dafür der beste Beleg. Sie berichten in Tabelle 2, dass 64,4% der „original Tweets“ in ihrem Datensatz, was auch immer das sein mag, von männlichen Nutzern / Journalisten stammen. 35,6% stammen von weiblichen Nutzern / Journalisten. Wenig überraschend ist der Chiquadrat-Wert sehr hoch und bei .995 signifikant. Bei den verifizierten Nutzern von Twitter, also den Nutzern, denen Twitter auf Basis unbekannter Kriterien eine „öffentliche Position“ zubilligt, ergibt sich ein anderes Bild: 56% der männlichen und 51,4% der weiblichen Nutzer haben von Twitter einen verifizierten Account erhalten. Überproportional viele weibliche und unterproportional viele männliche Nutzer relativ zur Anzahl der originalen Tweets und relativ zum Anteil von 56,7% männlichen Nutzern im Datensatz der Autoren und 43,3% weiblichen Nutzern haben einen von Twitter verifizierten Account, also einen Account, dem Twitter mehr Wichtigkeit als anderen Accounts zuweist, was dazu führt, dass Tweets von den entsprechenden Accounts eher angezeigt werden. .

Mit der Herstellung solcher Relationen, wie wir es gerade getan haben, mit dem Vergleich von mehr als zwei Variablen sind die Autoren aber offensichtlich und hoffnungslos überfordert, vermutlich deshalb, weil sie nur Gender denken können, und Gender zu denken, macht bekanntlich dumm. Nur so kann man erklären, dass die Autoren das soeben berichtete Ergebnis, das klar zeigt, dass die Verifikation von Nutzern durch Twitter offensichtlich einen Bias zu Gunsten von weiblichen Nutzern hat, gerade umgekehrt interpretieren und lamentieren, dass es Frauen ja nicht in der Hand hätten, ihren Status bei Twitter zu verifizieren, ganz so als hätten Männer das in der Hand. Aber dazu kommen wir noch.

Tabelle 3 soll angeblich zeigen, dass männliche Nutzer eher auf männliche Nutzern antworten und weibliche ignorieren. Abermals berichten die Autoren Zeilenprozente und berechnen vollkommen unnötige Chi-Quadrat-Werte um zu suggerieren, dass weibliche Nutzer / Journalisten ja so benachteiligt seien, auf Twitter. Dieses Mal haben sie aber die Rechnung ohne die Statistik gemacht, denn ihr Manipulationsversuch scheitert an ihrer eigenen Unkundigkeit.

Nehmen wir die Ergebnisse, die die Autoren „erschreckend“ finden. Männliche Journalisten im Datensatz haben in den zwei Wochen, für die Daten vorhanden sind, in 91,5% der Fälle auf Tweets von männlichen Nutzern / Journalisten geantwortet (in 8,5% auf Tweets von weiblichen Nutzern / Journalisten), während weibliche Journalisten in 27,9% der Fälle auf Tweets von männlichen Nutzern / Journalisten geantwortet haben (in 72,1% auf die Tweets von weiblichen Nutzern / Journalisten).

Shocking oder Unsinn?

Schockierender Unsinn.

Zwar haben die Autoren es peinlich vermieden, Ns (also die Grundgesamtheit ihrer Tabelle) anzugeben und verstecken sich, wie alle, die manipulieren oder lügen wollen, hinter Prozentwerten, aber, wie gesagt, sie haben unvorsichtigerweise den Wert für Chiquadrat und das Signifikanzniveau angegeben. Beides genügt, um die Anzahl der Fälle, auf die sich die Prozentzahlen beziehen, ziemlich genau zu berechnen:

Ergebnis: Auf 33.810 Tweets männlicher Nutzer / Journalisten gab es eine Antwort und auf 2.990 Tweets weiblicher Nutzer. Die Grundgesamtheit sieht also wie folgt aus:

Von 36.800 Tweets, auf die eine Antwort erfolgte, stammten 91,9% von männlichen Nutzern / Journalisten und 8,1% von weiblichen. 91,5% der männlichen Nutzer haben auf einen Tweet von einem männlichen Nutzer geantwortet, 8,5% auf einen Tweet von einem weiblichen Nutzer. Mit anderen Worten, der Anteil der Antworten männlicher Nutzer auf Tweets von weiblichen Nutzern entspricht fast genau dem Anteil entsprechender Tweets. Im Gegensatz zu männlichen Nutzern tendieren weibliche Nutzer dazu, sich im Weibchen-Ghetto einzuschließen und überproportional auf Tweets von weiblichen Nutzern zu antworten. Vielleicht haben sie ja Angst, sich gegenüber männlichen Kollegen mit einer dummen Antwort zu outen?

Wie dem auch sei, davon, dass männliche Nutzer / Journalisten, weibliche Nutzer / Journalisten links liegen lassen würden, kann keine Rede sein. Diese Aussage wird zudem durch die Daten gestützt, die die Autoren in Tabelle 4 veröffentlicht haben und ebenfalls fehlinterpretieren, ob aus Boshaftigkeit, Opportunismus oder Unfähigkeit, sei einmal dahingestellt.

Die Tabelle basiert auf 28.254 Re-Tweets. Abermals verschweigen die Autoren die Grundgesamtheit der Tabelle. Abermals haben wir das Datum über den Chi-Quadratwert und das Signifikanzniveau errechnet. 8,3% der Tweets, die weiterverbreitet werden, stammen von weiblichen Journalisten / Nutzern, 25,8% davon werden von männlichen Nutzern / Journalisten weiterverbreitet.

Kurz: Wenn man die Datengrundlage, auf der Usher, Holcomb und Littman ihre Ergebnisse gewonnen haben wollen, rekonstruiert, dann ergibt sich das Gegenteil der Ergebnisse, die die Autoren ihren Lesern aufbinden wollen. Männliche Journalisten / Nutzer verbreiten Tweets von weiblichen Journalisten / Nutzern überproportional häufiger und antworten auch überproportional häufiger auf deren Tweets als weibliche Journalisten / Nutzer.

Wir haben dieses quantitative Ergebnis errechnet, um zu zeigen, dass die Autoren bewusst oder aus Unfähigkeit heraus, lügen. Neben diesem quantitativen Ergebnis gibt es natürlich noch gewichtige qualitative Einwände, denn:

Nicht jeder Tweet hat auf Twitter zu jeder Zeit dieselbe Wahrscheinlichkeit Re-tweeted zu werden. Manche verschwinden einfach in der Versenkung und niemand weiß warum. Schon diese Einsicht reicht, um die Ergebnisse von Usher, Holcomb und Littman unabhängig von der Tatsache, dass sie ihre Behauptungen auf eine Fehlinterpretation ihrer eigenen Daten stützen, in die Mülltonne zu stopfen.

Aber es gibt noch einen ganz anderen Grund.

Die Idee von Twitter ist, dass man sich zwar kurz, aber dennoch mit Gehalt mitteilt. Ob die wenigen Zeichen dazu reichen, darüber kann man sich streiten, aber man muss konstatieren, dass ein Tweet, der für viele interessant ist, den viele amüsant finden, der einen Inhalt hat, der von vielen für wichtig angesehen wird, der provokativ ist, eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, eine Antwort herauszufordern und verbreitet zu werden als ein Hausfrauentweet, der die Gesundheit der Enkelkinder zum Gegenstand hat.

Ergo muss man aus den Ergebnissen von Usher, Holcomb und Littman den Schluss ziehen, dass die meisten interessanten, provokanten, witzigen oder einfach gehaltvollen Tweets von männlichen Nutzern / Journalisten stammen.

Das hat mit Diskriminierung und toxischer und feindlicher Umgebung überhaupt nichts zu tun. Twitter wird, so muss man selbst für Journalisten annehmen, von Personen bevölkert, die aufgrund eines eigenen Willens zu einer entsprechenden Entscheidung fähig sind. Die Ergebnisse, die die Autoren so furchtbar finden, stellen das Ergebnis dieser Entscheidungen dar. Das werden selbst die Autoren akzeptieren müssen, so wie sie akzeptieren müssen, dass nicht jeder Beitrag, der es in eine wissenschaftliche Zeitschrift schafft, deshalb zu einem wissenschaftlichen Beitrag wird. Manche sind eben Junk, so wie der Beitrag von Usher, Holcomb und Littman.

Sozialwissenschaftlich ist der Beitrag also Junk. Literaturwissenschaftlich kann man den Beitrag als Ausdruck eines hohen Maßes an Phantasie ansehen, allerdings muss man psychologisch anmerken, dass die Borniertheit des Geistes, die darin zum Ausdruck kommt, dass ein Vorteil von Frauen als Nachteil interpretiert wird, weil die Autoren geistig oder ideologisch nicht flexibel genug sind, ihr Ziel, einen Nachteil zu finden, aufzugeben, wenn sie eben keinen finden, auf eine Persönlichkeitsstörung hinweist, wie man sie bei Genderisten häufig findet, weshalb das letzte Wort in dieser Angelegenheit ein Psychiater sprechen sollte.

Usher, Nikki, Holcomb, Jesse & Littman, Justin (2018). Twitter Makes it Worse: Political Journalists, Gendered Echo Chambers and the Amplification of Gender Bias. International Journal of Press/Politics. DOI: 10.1177/1940161218781254

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Ethnische Diversität reduziert Wahlbeteiligung! Wirklich? Tales of misery and imagination

Je höher die Ausländerquote in unmittelbarer Nachbarschaft, desto geringer die Wahlbeteiligung. Dieses Ergebnis hat André Förster gerade in der Zeitschrift „Electoral Studies“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist auch dann stabil, wenn nach Bildung und Beruf kontrolliert wird.

Angesichts der erhöhten Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland hält Förster dieses Ergebnis für ein bedeutendes Ergebnis.

Produziert hat er es auf Grundlage von Aggregatdaten. Er hat also nicht die Wahlbeteiligung für einzelne Individuen, sondern nur für räumliche Strukturen, in seinem Fall für alle, die innerhalb eines Quadratkilometers wohnen im Aggregat. Diese „Grid-Daten“ des Statistischen Bundesamts teilen Deutschland in Quadrate zu einem Quadratkilometer ein, denen man dann Daten zuspielen kann: Die Arbeitslosenquote, den Ausländeranteil, die Wahlbeteiligung usw.

Entsprechend hat Förster keinen Zusammenhang auf individueller Ebene gemessen, sondern einen auf räumlicher Ebene. Damit aus einem solchen Zusammenhang etwas Sinnvolles wird, muss man ihn theoretisch unterfüttern, eine Theorie finden, die angibt, warum Wahlberechtigte, die mit proportional mehr Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind, seltener wählen gehen sollten als Wahlberechtigte, die mit proportional weniger Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind.

Eine solche Erklärung haben wir bei Förster, der den gerade veröffentlichten Beitrag als Teil seiner kumulativen Dissertation an der Universität Köln eingereicht hat, nicht gefunden. Das macht den Zusammenhang zu einem, der keine sozialwissenschaftliche Relevanz hat, denn man weiß nicht, ob es sich bei dem Zusammenhang um einen willkürlichen oder einen systematischen Zusammenhang handelt. Anders formuliert: Wenn Förster nach dem Rotweinverbrauch pro Kopf kontrolliert hätte, wären vermutlich ganz anderer Ergebnisse herausgekommen.

Dass gerade für Aggregatdaten häufig Korrelationen gefunden werden können, das zeigt Tyler Vigen seit Jahren mit Bravour. Dass diese Korrelationen häufig sinnlos sind, zeigt er ebenso. Deshalb ist eine theoretische Fundierung so wichtig. Leider fehlt sie bei Förster.

Norwegian Crude Oil kills! Tyler Vigen

Statt dessen finden wir in der Pressemeldung der Universität Trier einige Schlüsse, die Förster aus seiner Studie gezogen hat und die wir dann auch wirklich in seiner Dissertation wiederfinden.

„Es sei wichtig, ethnische Diversität als Faktor für politische Beteiligung in zukünftigen Studien zu berücksichtigen und langfristig zu beobachten“, so wird Förster zitiert.

Ein schlichtes „Warum“ macht diese Schlussfolgerung zunichte. Denn dass Förster einen Zusammenhang gefunden hat, das sagt als solches überhaupt nichts aus. Es sagt erst dann etwas aus, wenn Förster einen Grund dafür angegeben kann, dass Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft leben, in der es viele Ausländer gibt, seltener wählen gehen als Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft mit wenigen Ausländern wohnen. Tatsächlich spekulieren z.B. Anderson und Paskeviciute (2006), dass gerade Menschen, die mit viel ethnischer Diversität konfrontiert sind, eine höhere politische Mobilität aufweisen und entsprechend häufiger politisch partizipieren und wählen als Menschen, für die das nicht der Fall ist.

Wer nun recht hat, lässt sich leider im theorielosen Raum nicht entscheiden.

Aber vermutlich haben die Autoren viel Spaß mit ihren Spekulationen.

Was jedoch nicht geht, sind Spekulationen wie die folgende:

„Förster kommt anhand der Ergebnisse unter anderem zu dem Schluss, dass mehr Wahlrechte für Migranten auch die Einheimischen wieder verstärkt zurück an die Wahlurne bringen könnten. Deswegen sieht der Wahlforscher die Politik in der Pflicht, Formen der politischen Partizipation für Migranten zu prüfen“.

Diese Verbeugung vor der politischen Korrektheit, die auf keinerlei empirischer Basis steht, findet sich in der Dissertation von Förster in folgender Variante:

„However, it is also conceivable that ‚policies aimed at promoting the integration of immigrants might also succeed in bringing natives back to polling places” (Förster 2017: 93).

Warum sollte das so sein?

Wir wissen es nicht. Förster weiß es nicht, sonst hätte er es geschrieben. Er hat es nicht geschrieben, also weiß er es vermutlich auch nicht. Aber natürlich bringen derart unfundierte Behauptungen Browniepoints bei denen, die die Drittmittel an Universitäten in Ministerien vergeben. Das mag die Erklärung für eine Aussage sein, die auf einem Zusammenhang basiert (Wahlbeteiligung und Ausländeranteil), von dem wir (1) nicht wissen, welche Bedeutung er hat, weil es (2) keinerlei theoretische Erklärung für diesen Zusammenhang gibt, die zeigt, WARUM Wahlberechtigte mit vielen Ausländern in der Nachbarschaft seltener wählen sollten als Wahlberechtigte mit wenigen Ausländern in der Nachbarschaft. Uns fällt das ein oder andere an Theorie ein, aber das ist hier unerheblich: Förster ist nichts eingefallen. Das ist alleine entscheidend und weil ihm nichts eingefallen ist, kann er (3) daraus nicht den Schluss ziehen, dass deutsche Wahlberechtigte, die nicht wählen, häufiger wählen, wenn Ausländer ein Wahlrecht erhalten. Tatsächlich ist dieser Schluss so abwegig, dass man ihm nicht einmal mit gutem Willen folgen kann.

Die logische Struktur lautet:

  • Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft viele Ausländer leben, gehen seltener zur Wahl als Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft wenige Ausländer leben.
  • Daraus folgt für Förster: Wenn man den Ausländern ein Wahlrecht gibt, dann gehen die deutschen Wahlberechtigten, in deren Nachbarschaft viele Ausländer wohnen, häufiger wählen als bisher.

Das ist so großer logischer Unsinn, dass sich jeder Versuch, daraus Sinn zu machen, von selbst verbietet.

Leider sind Arbeiten wie die von Förster, in denen ein Datenfuzzi versucht, die Welt auf Grundlage von Korrelationen zu verändern, keine Seltenheit. Sie werden immer mehr zur Regel. Man erhält sogar einen Doktortitel dafür.

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Wie der Organspender-Rückgang gutgerechnet wird. Der Spiegel fällt natürlich darauf herein

Seit Jahren sinkt in Deutschland die Zahl der Organspender. Seit Jahren entgehen der Transplatationsindustrie, entgehen Ärzten und Krankenhäusern Einnahmen in Millionenhöhe. Seit Jahrem trommeln Regierungsstellen für die Organspende.

Es bringt nichts.

Die Spendebereitschaft ist ungebrochen niedrig.

Was also tun?

  • Schritt 1: die Ursache neu erfinden;
  • Schritt 2: Potentiellen Spendern, die unwillig sind, den EINDRUCK vermitteln, sie seien ziemlich alleine mit ihrer Unwilligkeit;
  • Schritt 3: Organspende obligatorisch machen und nur die (nicht) ausnehmen, die explizit erklären: Wir geben nichts!
  • Schritt 4: Zurücklehnen und den steigenden Profit aus Transplantationen genießen.

Wir sind derzeit bei Schritt 1.

Kevin Schulte und 9 Mitverschworene haben eine angebliche Studie ausgeführt, die zu dem Ergebnis kommt, dass nicht die Spendeunwilligkeit der Grund dafür ist, dass in Deutschland so wenige Organe gespendet werden, sondern dass in Krankenhäusern ein „Erkennungs- und Meldedefizit“ vorhanden ist. Würden “potentielle Organspender” besser erkannt und gemeldet, dann wären „statt der tatsächlich durchgeführten 877 Organspenden 2780 Organspenden realisiert“ worden.

Das behaupten die Autoren und beim Spiegel frisst man es natürlich. Eine Nina Weber nimmt es zum Anlass, um deren Schlussfolgerung an den Leser zu bringen: „Der zunehmende Mangel an Organspendern lässt sich nicht dadurch erklären, dass es zu wenige mögliche Spender gibt. Stattdessen ist Kern des Problems, dass die Krankenhäuser diese zu selten erkennen und melden“.

Wir verweisen unsere Leser auf den Begriff „mögliche Spender“.

Sind Ärzte in Krankenhäusern damit überfordert, einen Organspendeausweis zu lesen und erkennen so potentielle Organspender nicht?
Will man behaupten, dass der Rückgang der Anzahl gespendeter Organe nicht durch eine zurückgehende Spendenbereitschaft, sondern durch Krankenhäuser, die potentielle Spender nicht erkennen und melden, verursacht ist, dann muss man zeigen, dass Spender mit Ausweis nicht als solche erkannt werden.

Aber genau das tun die 10 statistischen Quacksalber in ihrem Beitrag nicht.

Wir zitieren:

„Die Krankenhausleistungsdaten gemäß § 21 KHEntgG wurden in einem vierschrittigen Prozess analysiert, um zunächst die möglichen Organspender zu ermitteln:

● Schritt 1: Selektion aller Behandlungsfälle des entsprechenden Jahres mit dem Entlassungsgrund „Tod (079)“
● Schritt 2: Selektion der Verstorbenen mit einer Haupt- oder Nebendiagnose, die mutmaßlich zu einer schweren, irreversiblen Hirnschädigung geführt hat
● Schritt 3: Exklusion jener Fälle, bei denen eine codierte Kontraindikation für eine Organspende vorlag und
● Schritt 4: Exklusion jener Behandlungsfälle, bei denen keine Beatmungsstunden abgerechnet wurden;“

Die „potentiellen Organspender“, die die Autoren aus ihren Daten extrahieren, sind deshalb potentielle Organspender, weil sie Ersatzteile in Organform in sich tragen, die die Transplantationsindustrie gewinnbringen verwenden könnte, nicht etwa WEIL SIE SICH BEREIT ERKLÄRT HÄTTEN, ORGANE ZU SPENDEN:
Sie sind also nur in der Weise „potentielle Spender“, wie Sie und wir potentielle Spender sind, lediglich der Fuß, den sie schon im Jenseits haben, unterscheidet sie von uns.

Das nennt man einen Etikettenschwindel und man würde von einem Journalisten erwarten, dass er es bemerkt. Immerhin reden die Autoren durchweg von potentiellen Organspendern und machen, wie wir oben zitiert haben, offensichtlich, dass ihre potentiellen Organspender einfach nur als Fleischmasse gezählt werden, nicht als willensbewerte Person, die ein Einverständnis erklärt hat.

Natürlich wäre ein solcher Versuch der Täuschung zu offensichtlich. Deshalb bedienen sich die 10 Autoren noch eines weiteren Tricks. Sie nehmen einen Modellversuch, der 2010 bis 2012 durchgeführt wurde, zur Hand und entleihen sich dessen Ergebnisse (d.h. die Ergebnisse, die den ihren nicht widersprechen). In 112 Krankenhäusern, die am Modellversuch teilnahmen, wurde versucht, die Spendequote zu erhöhen. Das Ergebnis des Versuchs widerspricht dem Ergebnis, zu dem die 10 Autoren kommen:

“Die Ergebnisse der Inhousekoordination zeigen, dass die im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Spenderraten in Deutschland im Wesentlichen nicht auf unzureichende Meldungen potentieller Spender durch die Krankenhäuser zurückzuführen sind.” (11)

Im Rahmen dieses Modellversuchs, dessen Ergebnisse den ihren widersprechen, so behaupten die Autoren, sei eine Realisationsquote von 10,2% ereicht worden, also 10,2% der potentiellen Spender wurden ihrer Organe entledigt. Diese 10,2% (die wir nicht finden können) haben die Autoren kurzerhand auf die 27.258 möglichen Organspender des Jahres 2015 übertragen, die sie errechnet haben.

Statistisch betrachtet ist das unlauter.

Ethisch betrachtet grenzt das an Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Grundsätzlich betrachtet grenzt es an den Aufruf zur fahrlässigen Tötung oder wie es im Bericht des Koordinationsprojektes, auf das sich die Autoren beziehen, heißt:

“Diese möglichen Spender sind aber ausdrücklich nicht mit tatsächlichen Spendern gleichzusetzen. Denn bei den möglichen Spendern ist weder gewährleistet, dass der Hirntod ggf. festgestellt worden wäre, noch dass bei festgestelltem Hirntod die medizinischen oder rechtlichen Voraussetzungen zu Organspende vorgelegen hätten. Das tatsächlich realisierbare Spenderpotential würde dementsprechend (ggf. merklich) niedriger ausfallen als das mögliche Spenderpotential” (8)

Journalistisch betrachtet reicht es, damit sich Nina Weber vom Spiegel vor den bereitgestellten Karren spannt und das angebliche Ergebnis, nachdem die Spendenbereitschaft der Bürger gar nicht zurückgegangen ist, in die Welt zu posaunt.

Die Frage, ob Bürger Organspendeunwillig oder Organspendenbereit sind, wurde von Schulte und seinen Konsorten ÜBERHAUPT nicht untersucht. Die Meldung im Spiegel und in anderen Gazetten ist also FAKE NEWS, FAKE NEWS, die der Transplantationsindustrie nutzen soll, deren Profit steigern soll, FAKE NEWS, für die man wie immer in Mainstream-Medien einen Dummen gefunden hat, der sie verbreitet.

Die nützlichen Idioten sterben nicht aus, aber sie sterben und spenden ihre Organe.

Zusammenfassung:

  • Mögliche oder potentielle Spender sind Organbehältnisse in Menschenform, die alle Voraussetzungen erfüllen, um den Profit der Transplantationsindustrie zu sichern.
  • Realisationsquoten sind Entnahmeerfolgsquoten bei möglichen oder potentiellen Organspendern.
  • Mögliche Organspender sind NICHT Spender, die ihr Einverständnis erteilt haben, ausgenommen zu werden. 
  • Realisationsquoten basieren auf Personen mit Organspendeausweis und auf solchen, bei denen es gelungen ist, die Angehörigen der zu irreversibel hirngeschädigt Erklärten so zu beschwatzen, dass sie einer Ausweidung zugestimmt haben.

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Neuzüchtung der Bürger – Stromstöße und Willfährigkeitswissenschaftler

Gene für Intelligenz gefunden!“ Die ZEIT hat es gerade erst vermeldet. Forscher haben Gene gefunden, von denen sie denken, sie hätten etwas mit Intelligenz zu tun. „Electrical brain stimulation may help reduce violent crime in future”, so vermeldet der Guardian die Ergebnisse einer Untersuchung von Olivia Choy, Adrian Raine und Roy H. Hamilton.

Wir haben ein deja vu.

Wir fühlen uns zunehmend mulmig mit einer Wissenschaft, die so bereitwillig denen, die gerne Herrscher sein wollen, Mittel zur Verfügung stellt, um andere zu beherrschen.

Beispiele gefällig?

Degenerierte Ergebnisse aus sozialwissenschaftlichen Experimenten werden unter der Bezeichnung „Nudging“ an politische Möchtegern-Herrscher geliefert, um deren Bemühen, Menschen, die partout nicht richtig handeln wollen, also so, wie es den Möchtegern-Herrschern gerade geföllt, zum richtigen Verhalten zu leiten.

Ärzte und die unter ihnen, die aus wenig Beobachtungen allgemeine Gesetze abbeiten, über die Gesundheit von Menschen und was ihr besonders zu- bzw. abträglich ist, und zwar ohne Ansehen der Person, sind zu Hilfstruppen derer avanciert, die den Volkskörper gesund erhalten wollen. Denn nur ein gesunder Bürger ist ein produktiver Bürger. Und davon abgesehen ist ein gesunder Bürger ein billiger Bürger, der in Gesundheitssysteme einzahlt ohne die entsprechende Summe je wieder zu entnehmen, so dass man freiwerdende Mittel für politische Geschenke (Homosexuelle haben auch ein Recht auf in vitro Fertilisation, das von anderen finanziert werden muss o.Ä.) verwenden kann.

Viele Sozialwissenschaftler sind längst zur Propaganda- und Legitimationstruppe der Regierung verkommen, deren Aufgabe darin besteht, Maßnahmen, mit denen die Bürger zu richtig eingestellten Bürgern erzogen werden sollen, zu legitimieren und den Boden zu bereiten, damit staatliche Organisationen die Erziehung des zukünftigen Bürgers bereits im Säuglingsalter und in Kinderkrippen übernehmen können.

All diese Entwicklungen wären ohne die willfährige Beteiligung von Wissenschaftlern nicht möglich. Durch diese Entwicklung ist ein neuer Graben in Gesellschaften entstanden, der zwei Klassen von Menschen trennt: Jene, die sich anmaßen, andere zu erziehen und deren Helfershelfer auf der einen Seite und jene, die zum Objekt der Erziehungsversuche, zum willenlosen Zellhaufen, den man nach Belieben nudgen, erziehen, gesund ernähren und leben lassen kann (oder auch nicht), erklärt werden.

Böse Zungen behaupten, die Herren- und die Untermenschen seien in neuem Gewandt zurückgekehrt, aber das behaupten natürlich nur böse Zungen, die von Regierungsvasallen noch nicht zur richtigen Einstellung bekehrt werden konnten.

Die Freiheit, die Willensfreiheit von Bürgern, sie wird mit dieser Breitseite politisch-korrekter Kanonade zur Farce. Wer von der Wiege bis zur Bahre gemanaged wird, dessen Willensfreiheit besteht nicht einmal mehr auf dem Papier. Er ist zum Spielball der Interessen anderer geworden. Und der Trick, dessen sich diese anderen bedienen, ist der alte Trick, dessen sie sich immer bedient haben: Es sei, so sagen sie dem armen Naiven, doch nur zu seinem Besten.

Und wenn etwas nur zum Besten von armen Menschen, die ohne den Willen leben, sich zum Besten zu verhalten, also zu dem Besten, was andere für sie zum Besten erklärt haben, erfolgt, dann kann man so ziemlich alles unter dieses Rubrum einordnen.

So auch die oben berichtete Forschung von Choy, Raine und Hamilton, die den präfrontalen Cortex von Versuchspersonen stimulieren und der Ansicht sind, diese Stimulation habe dazu geführt, dass die Versuchspersonen weniger aggressiv seien als andere, deren präfrontaler Cortex nicht stimuliert wurde.

Verkauft wird dieses Ergebnis als Mittel gegen Gewaltkriminalität.

Man fühlt sich unwillkürlich an die dunklen Zeiten der frühen Gefängnisse (die wurden erst in viktorianischer Zeit wirklich erfunden) erinnert, in denen Gefangene mit allerlei harten körperlichen Aufgabe in Laufrädern oder mit sonstigen Apparaturen, in Dunkelhaft oder mit sonstigen Methoden, die häufiger als nicht, die Erlösung des kriminellen Sünders im Jenseits nach sich zogen, zum rechten Leben bekehrt werden sollten. Seither haben sich Versuche Menschen, die wie stark auch immer von dem abweichen, was die jeweilige Gesellschaft gerade als normal ansieht, mit medizinischen Methoden zur Normalität zurück zu zwingen, vom Stromschlag bis zur Hormonbehandlung bei Homosexualität, der z.B. Alan Turing zum Opfer gefallen ist, regelmäßig wiederholt.

Tatsächlich haben die drei Forscher, deren Forschung eine elektrische Stimulanz gegen Gewaltkriminalität bringen soll, folgendes getan.

Sie haben ihre 81 Testpersonen in zwei Gruppen geteilt.

Eine Gruppe erhielt eine leichte Stromstimulation des präfrontalen Cortex, die andere nicht.

Anschließend wurden allen Testpersonen Szenarien vorgelegt, in denen sich ein Akteur kriminell verhält.

Dann sollten die Testpersonen die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass sie sich so wie der Akteur, von dem sie gerade gelesen hatten, verhalten.

Und dann durften Sie sich vorstellen ihre negative Energie an eine Voodoo-Puppe übertragen zu können. Eine bis 51 virtuelle Stecknadeln konnten sie in die virtuelle Computerpuppe stecken. Je mehr Stecknadeln, desto mehr negative Energie wird übertragen, so die wirre Idee.

Die Forscher haben also keinerlei Messung von Verhalten.

Sie haben mit Stromstimulation herumgespielt, Testpersonen mit Szenarien konfrontiert, deren Aggression, wie sie behaupten, gemessen und festgestellt: Die Stimulierten sind weniger aggressiv.

Wirklich?

Die Skala der Aggressivität reicht von 1 „gar nicht“ bis 10 „sehr“. Der Mittelwert für 81 Personen liegt bei 2.26. Wurde hier Aggressivität gemessen?

Maximal 51 virtuelle Stecknadeln konnten Testpersonen in eine Computerpuppe stecken. Im Mittel sind es 3,91. Kann man hier von negativer Energie sprechen?

Die angeblichen Forscher tun es.

Sie interpretieren die bei ihren Testpersonen kaum vorhandene negative Energie und die noch seltenere Identifikation mit einem kriminellen Charakter als Aggression und finden doch tatsächlich eine Unterschied bei ihren 81 Testpersonen.

Diese Forschung ist nicht nur ein Beispiel für Junk-Science. Sie ist auch ein Beispiel dafür, wie systematisch no-go-areas von willfährigen Wissenschaftlern besetzt werden.

Wir gehören zu denjenigen, die die Freiheit der Wissenschaft verteidigen. Deshalb sehen wir die derzeitige Entwicklung, die immer mehr vermeintliche Wissenschaftler ihre Erfüllung darin finden sieht, sich bei Regierungen als jemand anzudienen, der Fehler in seinen Mitmenschen zu korrigieren verspricht, mit großer Sorge. Längst sind große Teile der Wissenschaft zu reinen Zuarbeitsmanufakturen für politisch gewünschte Ergebnisse geworden.

Die Aggressivität, mit der manche unter diesen wissenschaftlichen Vasallen und ihre politischen Herren versuchen, das, was sie für Fehler in Einstellung und Handeln bei anderen Menschen, natürlich nicht bei sich selbst, ansehen zu behandeln, zeigt deutlich, wo diejenigen zu finden wären, die Stromstimulation benötigen würden, wäre auch nur ansatzweise der Hinweis erbracht, dass die von Choy, Raine und Hamilton fabrizierte Forschung etwas anderes ist als eine Phantasie in Korrelation.

Aber die Untersuchung von Choy, Raine und Hamilton ist exemplarisch. Sie ist ein gutes Beispiel für die Andienforschung, deren Ziel darin besteht, denen, die politisch herrschen wollen, zu gefallen, um als förderwürdig zu erscheinen., um sich dem Heer derer anzuschließen zu können, die Willfährigkeits-Forschung betreiben und ihren ganzen Wert daraus nehmen, dass sie Fehler bei anderen behandeln zu können glauben.

Die Domestizierung des Bürgers ist in vollem Gange.

Die körperliche Integrität von Menschen wird wieder einmal dem „gesellschaftlichen Guten“ geopfert.

Das letzte Mal führte der Versuch, die gesunde arische Rasse zu züchten, direkt in die Konzentrationslager der Nazis. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Versuche dieses Mal einen anderen Verlauf nehmen werden.

Choy, Olivia, Raine, Adrian & Hamilton, Roy H. (2018). Stimulation of the Prefrontal Cortex Reduces Intentions to Commit Aggression: A Randomized Double-Blind, Placebo-Controlled, Stratified, Parallel-Group Trial.

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Politiker lieben mehr Risiko als Wähler – behauptet eine Studie

RISIKO!


Mit diesen Fragen wird im Sozioökonomischen Panel die Risikobereitschaft von Befragten gemessen. Risikobereitschaft ist hier als Einstellung konzipiert, d.h. ob sich die Befragten tatsächlich so verhalten, wie sie behaupten, also mit Risiko 6 beim Autofahren und Risiko 7 bei der beruflichen Karriere, das ist eine vollkommen andere Frage, wenngleich es die entscheidende Frage ist, denn wenn Einstellungen mit Verhalten nichts zu tun haben, dann sind sie im Leben irrelevant und muss man sie auch nicht messen.

Vier Mitarbeiter aus dem DIW in Berlin und ein Gerontologe aus Dortmund haben die oben dargestellten Fragen, d.h. die Antworten auf die entsprechenden Fragen, wie sie in den Jahren 2009 und 2012 von SOEP-Befragten gegeben wurden, genommen und mit den Antworten von Bundes- und Landtagsabgeordneten (letztere aus Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen) verglichen. Um die Risikobereitschaft von Bundes- und Landtagsabgeordneten zu erfragen, haben die fünf Autoren schriftliche Fragebögen an 1132 Bundes- und Landtagsabgeordnete verschickt. Ein Sample von 298 ausgefüllten Fragebögen (26,3% Rücklaufquote) ist dabei herausgekommen. Die Rücklaufquote, die vergleichsweise gut ist, ist jedoch mit einem Problem behaftet, wie die vier aus Berlin und der Gerontologe aus Dortmund eingestehen, denn sie wissen nicht, wer den schriftlichen Fragebogen tatsächlich ausgefüllt hat, der angeschriebene Abgeordnete in Bundes- oder Landtag oder einer seiner Mitarbeiter.

Eigentlich ist die Forschung hier beendet. Denn wenn man, wie Heß und die anderen eingestehen, nicht sicherstellen kann, dass Abgeordnete die Fragebögen ausgefüllt haben, dann kann man auch keine Angaben über Abgeordnete machen. Die fünf Autoren haben den entsprechenden Mut zur Lücke, eine sehr hohe Risikobereitschaft und machen die Angaben dennoch.

Die ganze Forschung ist natürlich dazu gedacht, die Risikobereitschaft von Abgeordneten und ihren Wählern zu vergleichen. Um dies zu tun, müsste man sicherstellen, dass die 298 Antworten, die eingegangen sind, eine so genannte Quotenstichprobe darstellen, d.h. den Parteiproporz abbilden. Leider haben die fünf vom DIW die Parteizugehörigkeit des Abgeordneten oder seines Mitarbeiters oder wer auch immer den Fragebogen ausgefüllt hat, nicht erfragt. Noch ein Grund, die Befragung in den Mülleimer zu werfen.

Auch das tun Heß und die anderen nicht. Sie beweisen eine unglaubliche Flexibilität, wenn es um Reliabilität von Ergebnissen geht. Wozu sich mit derartigen methodischen Standards belasten, wenn man gerade dabei ist, Geschichte zu schreiben, naja, die ersten Ergebnisse zur Risikobereitschaft von Abgeordneten zu präsentieren. Denn das tun Heß et al., obwohl sie nicht wissen, ob Abgeordnete ihren Fragebogen ausgefüllt haben und obwohl sie keine Idee davon haben, ob ihr Sample von Abgeordneten verzerrt oder sehr verzerrt ist. Heß und seine vier Mitstreiter beweisen das, was man als sozialwissenschaftliche Risikobereitschaft bezeichnen muss, sie sind fast schon quantitative Hazardeure, die das Risiko, Unsinn, weil Ergebnisse zu erzählen, die durch die Daten nicht gedeckt sind, freudig eingehen. „10“ auf der Skala nach der Frage. Wie risikobereit sind Sie im Bezug auf wissenschaftliche Lauterkeit?

Aufwendiges Matching, das sicherstellen soll, dass Abgeordnete mit einem bestimmten sozialen Profil (Einkommen, Alter, Geschlecht etc.) mit vergleichbaren Wahlberechtigten aus dem SOEP gepaart werden, wird sodann eingesetzt, um dem Leser vorzugaukeln, die im folgenden präsentierten Ergebnisse ließen einen Vergleich zwischen Bundes- und Landtagsabgeordneten auf der einen Seite und Wahlberechtigten auf der anderen Seite zu. Sie lassen es nicht zu, wie wir oben bereits ausgeführt haben. Heß et al., hoch risikobereit auch was den Fehlschluss der falschen Verallgemeinerung angeht, vergleichen die Ergebnisse dennoch.

Ergebnis in ihrer Diktion: Bundes- und Landtagsabgeordnete schätzen sich in allen Bereichen, aber vor allem bei „Karriere“ und „Vertrauen in andere Menschen“ als risikobereiter ein als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Die Formulierung der Ergebnisse, die mit dem Anspruch auf wissenschaftliche Lauterkeit erfolgt, lautet: Diejenigen, die die Fragebögen beantwortet haben, die an Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete in vier Bundesländern verschickt wurden, schätzen ihre Risikobereitschaft in allen erfragten Bereichen höher ein als die SOEP-Befragten, mit denen sie gepaart wurden.

Dieses bescheidene Ergebnis, das die wissenschaftliche Lauterkeit nahelegt, lässt natürlich keine umfangreichen und weitreichenden Schlüsse zu. Deshalb ignorieren Heß et al. die wissenschaftliche Lauterkeit und begeben sich auf den riskanten Pfad des sozialwissenschaftlichen Hazardeurtums, das darin besteht, Ergebnisse mit einer Mischung unterschiedlichster Fehlschlüsse, von falscher Verallgemeinerung bis zu genetischem Fehlschluss aufzubauschen und daraus die folgende, weitgehend erfundene Erzählung zu weben:

Politiker, so die fünf Auguren, seien häufig mit riskanten Entscheidungen konfrontiert, die sie unter Unsicherheit treffen müssen, nicht nur häufig, nein auch häufiger als Normalbürger, denn Normalbürger, die träfen seltener riskante Entscheidungen, so die Autoren. [Einschub: Deshalb gibt es in Deutschland kaum Unfälle auf den Straßen, niemanden, der Pleite macht oder ein Unternehmen begründet und auch ansonsten nur Sicherheitsapostel, die im grellgelben Hemdchen mit Blaulicht auf dem Sturzhelm auch bei gleisender Sonne durch die Straßen laufen, um in jedem Fall erkannt zu werden.] Politiker, wie gesagt, sind hier anders. Sie lieben das Risiko. Heß und die vier anderen sind gar der Meinung, Politiker seien eine eigene Spezies, die sich durch genetische Faktoren und ihre Sozialisation von der normalen Bevölkerung unterscheide (Seite 5). Sie gingen Risiken ein, wo der Normalbürger davor zurückschrecke. Und weil diese Risikobereitschaft im Blut der Politiker liege, deshalb würden die besonders Risikofreudigen vom Fach des Politikers angezogen.

Wir ergänzen hier die Tautologie zur Reihe der Fehlschlüsse.

Warum nun aber ist die Tätigkeit eines „Politikers“ so mit Risikofreude assoziiert? Auch hier sind Heß und die anderen nicht um eine Antwort verlegen, auch hier gehen sie das hohe Risiko, sich lächerlich zu machen, mit Freude ein. Politische Entscheidungen, so ihre Ansicht, seien mit viel mehr Unsicherheit verbunden als andere Entscheidungen. Politiker hätten, im Gegensatz zu anderen Werktätigen, ständig die Gefahr, im Beruf zu scheitern, vor Augen. Das Risiko, nicht gewählt zu werden, abgewählt zu werden, die Notwendigkeit mit Konkurrenten zu wetteifern, das zeichne Politiker aus, übe seine Anziehung auf die genetisch für Risiko Prädisponierten und für Risiko Sozialisierten, die dann, wenn sie erst einmal Politiker sind, auch eine höhere Bereitschaft haben, ein Risiko einzugehen.

Der Bundestag besteht derzeit in seiner Mehrheit aus Personen, die im Vorberuf Lehrer, Rechtsanwalt, Verwaltungsangestellter, Gewerkschaftssekretär, wissenschaftlicher Mitarbeiter usw. waren. Das sind kaum die Berufe, von denen man erwarten würde, dass sie von Menschen, denen Risiko im Blut liegt, wie Heß et al. behaupten, aufgenommen werden. Risiken gehen Selbständige ein, Freiberufler, die sich nicht an den Staat und die Beamtenhoffnung der sicheren Pension verkaufen.

Die ganze Geschichte der Politiker und des für sie angeblich gegebenen höheren Risikos, im Beruf „Politiker“ zu scheitern, trägt nicht weit, wie jeder weiß, der jemals anwesend war, wenn der Landeslistenproporz, der letztlich über den Einzug von Kandidat X in den Bundestag entscheidet, zwischen den Bezirken und Unterbezirken der SPD ausgekungelt wurde. Die Tätigkeit „Politiker“ zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass sie weitgehend ohne Risiko auskommt, denn Risiko, vor allem Risikobereitschaft ist etwas Individuelles. Risiko ist nur dann ein Risiko, wenn der, der es eingeht, auch die Folgen eines eventuellen Scheiterns zu tragen hat. Welcher Politiker ist in letzter Zeit mit den Folgen seiner Entscheidungen konfrontiert worden? Politiker zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie keinerlei Risiko eingehen. Sie gehen Risiken für andere ein, haben keine Kosten, wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellen sollte. Kein Wunder, dass sie oder ihre Mitarbeiter risikobereiter sind. Sie zocken mit dem Geld der Steuerzahler, nicht mit ihrem eigenen Geld.

Und sie treffen keine Entscheidungen. Fraktionen treffen Entscheidungen, wie hinlänglich bekannt sein dürfte. Die Zeiten, in denen Abgeordnete das Risiko einer von der Fraktionsrichtlinie abweichenden Meinung eingegangen sind, die sind lange vorbei. Der heutige Abgeordnete ist risikoavers und angepasst. Er stimmt mit der Meute und hat nicht den Mut, das Risiko einer eigenen Meinung einzugehen, die sich am Ende als nicht im Einklang mit der vorgegebenen Fraktions-Meinung herausstellen könnte.

Nein, die Geschichte von Heß und den vier anderen, die Politiker als risikobereite Entscheider, die über ihre Genetik von der Normalbevölkerung unterschieden werden können, stilisieren wollen, ist eben das: Eine Geschichte. Keine aus 1001 Nacht, aber eine aus Berlin.

Das ist fast so gut. Der Unterschied ist kaum vorhanden.

Heß, Moritz, von Scheve, Christian, Schupp, Jürgen, Wagner, Aiko & Wagner, Gerd G. (2018). Are Political Representatives More Risk-Loving Than the Electorate? Evidence From German Federal and State Parliaments. Palgrave Communications.

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