Ethnische Diversität reduziert Wahlbeteiligung! Wirklich? Tales of misery and imagination

Je höher die Ausländerquote in unmittelbarer Nachbarschaft, desto geringer die Wahlbeteiligung. Dieses Ergebnis hat André Förster gerade in der Zeitschrift „Electoral Studies“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist auch dann stabil, wenn nach Bildung und Beruf kontrolliert wird.

Angesichts der erhöhten Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland hält Förster dieses Ergebnis für ein bedeutendes Ergebnis.

Produziert hat er es auf Grundlage von Aggregatdaten. Er hat also nicht die Wahlbeteiligung für einzelne Individuen, sondern nur für räumliche Strukturen, in seinem Fall für alle, die innerhalb eines Quadratkilometers wohnen im Aggregat. Diese „Grid-Daten“ des Statistischen Bundesamts teilen Deutschland in Quadrate zu einem Quadratkilometer ein, denen man dann Daten zuspielen kann: Die Arbeitslosenquote, den Ausländeranteil, die Wahlbeteiligung usw.

Entsprechend hat Förster keinen Zusammenhang auf individueller Ebene gemessen, sondern einen auf räumlicher Ebene. Damit aus einem solchen Zusammenhang etwas Sinnvolles wird, muss man ihn theoretisch unterfüttern, eine Theorie finden, die angibt, warum Wahlberechtigte, die mit proportional mehr Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind, seltener wählen gehen sollten als Wahlberechtigte, die mit proportional weniger Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind.

Eine solche Erklärung haben wir bei Förster, der den gerade veröffentlichten Beitrag als Teil seiner kumulativen Dissertation an der Universität Köln eingereicht hat, nicht gefunden. Das macht den Zusammenhang zu einem, der keine sozialwissenschaftliche Relevanz hat, denn man weiß nicht, ob es sich bei dem Zusammenhang um einen willkürlichen oder einen systematischen Zusammenhang handelt. Anders formuliert: Wenn Förster nach dem Rotweinverbrauch pro Kopf kontrolliert hätte, wären vermutlich ganz anderer Ergebnisse herausgekommen.

Dass gerade für Aggregatdaten häufig Korrelationen gefunden werden können, das zeigt Tyler Vigen seit Jahren mit Bravour. Dass diese Korrelationen häufig sinnlos sind, zeigt er ebenso. Deshalb ist eine theoretische Fundierung so wichtig. Leider fehlt sie bei Förster.

Norwegian Crude Oil kills! Tyler Vigen

Statt dessen finden wir in der Pressemeldung der Universität Trier einige Schlüsse, die Förster aus seiner Studie gezogen hat und die wir dann auch wirklich in seiner Dissertation wiederfinden.

„Es sei wichtig, ethnische Diversität als Faktor für politische Beteiligung in zukünftigen Studien zu berücksichtigen und langfristig zu beobachten“, so wird Förster zitiert.

Ein schlichtes „Warum“ macht diese Schlussfolgerung zunichte. Denn dass Förster einen Zusammenhang gefunden hat, das sagt als solches überhaupt nichts aus. Es sagt erst dann etwas aus, wenn Förster einen Grund dafür angegeben kann, dass Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft leben, in der es viele Ausländer gibt, seltener wählen gehen als Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft mit wenigen Ausländern wohnen. Tatsächlich spekulieren z.B. Anderson und Paskeviciute (2006), dass gerade Menschen, die mit viel ethnischer Diversität konfrontiert sind, eine höhere politische Mobilität aufweisen und entsprechend häufiger politisch partizipieren und wählen als Menschen, für die das nicht der Fall ist.

Wer nun recht hat, lässt sich leider im theorielosen Raum nicht entscheiden.

Aber vermutlich haben die Autoren viel Spaß mit ihren Spekulationen.

Was jedoch nicht geht, sind Spekulationen wie die folgende:

„Förster kommt anhand der Ergebnisse unter anderem zu dem Schluss, dass mehr Wahlrechte für Migranten auch die Einheimischen wieder verstärkt zurück an die Wahlurne bringen könnten. Deswegen sieht der Wahlforscher die Politik in der Pflicht, Formen der politischen Partizipation für Migranten zu prüfen“.

Diese Verbeugung vor der politischen Korrektheit, die auf keinerlei empirischer Basis steht, findet sich in der Dissertation von Förster in folgender Variante:

„However, it is also conceivable that ‚policies aimed at promoting the integration of immigrants might also succeed in bringing natives back to polling places” (Förster 2017: 93).

Warum sollte das so sein?

Wir wissen es nicht. Förster weiß es nicht, sonst hätte er es geschrieben. Er hat es nicht geschrieben, also weiß er es vermutlich auch nicht. Aber natürlich bringen derart unfundierte Behauptungen Browniepoints bei denen, die die Drittmittel an Universitäten in Ministerien vergeben. Das mag die Erklärung für eine Aussage sein, die auf einem Zusammenhang basiert (Wahlbeteiligung und Ausländeranteil), von dem wir (1) nicht wissen, welche Bedeutung er hat, weil es (2) keinerlei theoretische Erklärung für diesen Zusammenhang gibt, die zeigt, WARUM Wahlberechtigte mit vielen Ausländern in der Nachbarschaft seltener wählen sollten als Wahlberechtigte mit wenigen Ausländern in der Nachbarschaft. Uns fällt das ein oder andere an Theorie ein, aber das ist hier unerheblich: Förster ist nichts eingefallen. Das ist alleine entscheidend und weil ihm nichts eingefallen ist, kann er (3) daraus nicht den Schluss ziehen, dass deutsche Wahlberechtigte, die nicht wählen, häufiger wählen, wenn Ausländer ein Wahlrecht erhalten. Tatsächlich ist dieser Schluss so abwegig, dass man ihm nicht einmal mit gutem Willen folgen kann.

Die logische Struktur lautet:

  • Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft viele Ausländer leben, gehen seltener zur Wahl als Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft wenige Ausländer leben.
  • Daraus folgt für Förster: Wenn man den Ausländern ein Wahlrecht gibt, dann gehen die deutschen Wahlberechtigten, in deren Nachbarschaft viele Ausländer wohnen, häufiger wählen als bisher.

Das ist so großer logischer Unsinn, dass sich jeder Versuch, daraus Sinn zu machen, von selbst verbietet.

Leider sind Arbeiten wie die von Förster, in denen ein Datenfuzzi versucht, die Welt auf Grundlage von Korrelationen zu verändern, keine Seltenheit. Sie werden immer mehr zur Regel. Man erhält sogar einen Doktortitel dafür.

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Niedergang der SPD: Je mehr weibliche Mitglieder desto weniger Wähler

Aggregatdatenanalysen führen in der empirischen Sozialforschung nach wie vor ein Schattendasein. Zusammenhänge zwischen z.B. dem Anteil an Zweitstimmen einer Partei und der Arbeitslosenquote auf Grundlage von Wahlkreisen abzubilden, ist nicht nach dem Geschmack der meisten Sozialforscher. Derzeit regiert in der Sozialforschung ohnehin die qualitative Sozialforschung, die in weiten Teilen als nettes Kaffeekränzchen praktiziert wird, in dessen Verlauf einer, der Forscher sein will, Fragen stellt, und einer, der Befragter spielt, antwortet. Beide eint eine weitgehende Ahnungslosigkeit: Der Befragte weiß nicht, wozu das, was er als Schwank aus seinem Leben erzählt, nützlich sein soll, der Befrager weiß nicht, was er mit den vielen Sätzen, die später viele Seiten seines qualitativen Interviews füllen werden, anfangen soll. Programme wie MAXQDA, die den Kampf mit der qualitativen Daten(un)menge erleichtern sollen, sind zwar im Handel erhältlich, führen jedoch, ob der Aversion mancher qualitativer Sozialforscherinnen gegen alles, was nach Berechnung und Zahl aussieht, eher ein Schattendasein. Abgesehen davon drohen systematische Verfahren wie die qualitative Inhaltsanalyse oder die Grounded Theory qualitative Vorgehensweisen nachvollziehbar zu machen und das ist eine Drohung, mit der vor allem die Fraktion der Genderstudierten mit ihrer wie-mir-die-Welt-vorkommt-pseudo-Forschung nicht leben kann.

Falter Wahlen WeimarDoch zurück zu Aggregatdatenanalysen. Jürgen Falter hat vor etlichen Jahren den Wert der Aggregatdatenanalyse am Beispiel der Wahlergebnisse der Weimarer Republik dokumentiert. Auf Grundlage von Wahlkreisen in der Weimarer Republik ist es ihm nicht nur gelungen nachzuweisen, dass es in manchen Wahlkreisen starke Wählerwanderungen von der KPD zur NSDAP gab, sondern auch zu zeigen, dass das einzige Wählermilieu, das gegen die Nazis resistent war, das katholische Milieu der Zentrumspartei war. Die sehr guten und ausgefeilten ökologischen Regressionsanalysen, die Jürgen Falter gerechnet hat, seien jedem Studenten, der sich mit Aggregatdatenanalyse befasst, ans Herz gelegt. Man kann anhand der Analysen nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen der Aggregatdatenanalyse sehen.

So ist es nicht möglich, individuelles Verhalten auf der Basis von Aggregatdatenanalysen zu erschließen. Darüber hinaus verbindet sich mit der Aggregatdatenanalyse das Problem, dass man immer mehr oder weniger sinnvolle oder sinnlose Zusammenhänge nachweisen kann, ein Phänomen, das man auf der Webseite von Tyler Vigen, die nicht von ungefähr mit „spurious correlations“ überschrieben ist, entsprechend nachvollziehen kann.

Indes ist das Problem, das sich mit willkürlich postulierten Zusammenhängen, wie z.B. dem zwischen Geschlecht und Verdienst, verbindet, eines, das sich nicht nur für die Aggregatdatenanalyse stellt. Schon 1990 auf der Höhe des Faktorenanalysenhypes, mit dem Datenfuzzies aller Universitäten ihren Individualdaten zu Leibe gerückt sind und mit zum Teil haarsträubenden Ergebnissen aufwarteten, haben Willem Saris und Harm Hartmann darauf hingewiesen, dass die entsprechende Vorgehensweise willkürlich ist.

Als Crux aus all den Diskussionen über die Willkür, die häufig hinter postulierten Zusammenhängen steckt, wurde eine Methodologie entwickelt, die heute in den Sozialwissenschaften anscheinend oder zumindest in bestimmten Kreisen in Vergessenheit geraten ist (sofern sie dort je bekannt war). Es ist dies eine Methodologie, die die rigide Prüfung von Annahmen, die vor der Feldforschung gemacht werden müssen und aus Theorien abgeleitet werden sollen, vorsieht. Erst wenn sich die Annahmen an empirischen Daten bestätigt haben, kann von einem sinnvollen Zusammenhang ausgegangen werden. D.h. eine Korrelation auf Aggregat- oder auf Individualebene kann nur dann als nicht willkürlich zustande gekommen gewertet werden, wenn sie durch einen Korpus theoretischer Aussagen und Hypothesen, die wiederum auf bislang bestätigten Theorien basieren, abgesichert ist.

Etwa so:

In der Politikwissenschaft gibt es eine Reihe von Theorien, die erklären, warum eine Partei ein bestimmtes Wahlergebnis erreicht, eine bestimmte Wählerschaft anspricht. Eine dieser Theorien postuliert einen Zusammenhang zwischen der Responsivität einer Partei und dem Wahlergebnis: Je mehr Wähler den Eindruck haben, eine Partei vertrete ihre Interessen, desto mehr Wähler werden diese Partei wählen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass Wähler nicht die Zeit haben, sich intensiv mit den Inhalten, die eine Partei propagiert, auseinanderzusetzen. Folglich wählen sie die Partei, von der sie den Eindruck haben, dass sie ihnen ideologisch am nächsten ist. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Theorien, die z.B. einen Zusammenhang zwischen der Sozialstruktur und der Wahl einer Partei postulieren,. Diese Theorien wollen wir hier jedoch nicht weiter berücksichtigen.

Die SPD ist einst als eine Arbeiterpartei gestartet, jedenfalls erzählt uns das die Parteienfolklore und tatsächlich wurde die SPD häufig von Arbeitern gewählt, manchmal auch von einer Mehrzahl der Arbeiter, wobei Angestellte als Wähler für die SPD immer wichtiger geworden sind. Die SPD versucht, das Arbeiterimage gemeinsam mit den Gewerkschaften aufrecht zu erhalten und sich als Partei der „kleinen Leute“, wie dies Sigmar Gabriel unlängst wieder formuliert hat, zu profilieren. Gleichzeitig vertritt die SPD ideologische Inhalte, die für Arbeiter und Angestellte von keinerlei Interesse sind. Die Mehrzahl der Arbeiter und Angestellten interessiert sich weder dafür, ob irgendwelche Frauen aus der Mittelschicht in Vorstände quotiert werden noch dafür, ob die SPD sich zum Kämpfer gegen Hasskommentare aufschwingt, noch dafür, ob die SPD für nicht-heterosexuelle Menschen Lobbyist spielt, noch dafür, dass die SPD ihr Herz für Flüchtlinge entdeckt hat. Die meisten Arbeiter und Angestellten sind mit den täglichen Problemen des Lebens konfrontiert: Der immer geringer gedeckten Altersvorsorge, der Höhe der Zinsen bei Banken, der Frage, ob man sicher durch seine Nachbarschaft gehen kann, ob sich die Leistung im Unternehmen lohnt oder ob man, gerade als Arbeiter Angst haben muss, zu verarmen, weil vom Lohn ein großer Batzen vom Stadt vorab gepfändet und als Steuer oder Abgabe deklariert wird. Zu all diese Fragen der praktischen Lebensführung normaler Menschen hat die SPD keinerlei Antworten mehr. Sie ist zur Partei der LSBTG oder war es LSTIB, was auch immer geworden, die für die Gleichstellung zumeist „der Frau“ kämpft und eine eingebildete 22% Lohnlücke beklagt.

Diese Politik hat zwei Konsequenzen: Stammwähler und Menschen mit normalen Problemen drehen der SPD zunehmend den Rücken zu. Bestimmte Frauen und LSBTI treten der SPD, die sie zunehmend als ihre Lobbygruppe begreifen, bei und versuchen über die SPD an die Steuertöpfe der Gesellschaft zu gelangen.

Wenn diese Annahmen stimmen, dann wird man als Konsequenz ein Ansteigen des Anteils weiblicher und LSBTI-Mitglieder in der SPD sehen, denn die SPD ist für sie attraktiv um, dort ihr finanzielles Glück zu machen. Gleichzeitig wird der Anteil derjenigen Wähler, die sich mit den Inhalten, für die die SPD steht, identifizieren können, die der Ansicht sind, die SPD sei responsiv für ihre Probleme und die Sorgen, die ihr tägliches Leben prägen, zurückgehen, denn die SPD ist in ihrer Wahrnehmung immer weniger eine Partei, die sich für normale Dinge interessiert, wie sie in einem normalen Leben vorkommen. Entsprechend wird der Anteil der Wähler der SPD zurückgehen.

SPD BTW Mitglieder

Wir haben diese beiden Hypothesen für den Anteil weiblicher Mitglieder und die Ergebnisse der SPD bei Bundestagswahlen seit 1949 geprüft und siehe da, beide Hypothesen können bestätigt werden. Aufgrund der oben beschriebenen Themenverlagerung wird die SPD für Frauen, die danach streben, ihr Geld mit dem Kämpfen für Frauenrechte und nicht mit Arbeit zu verdienen, immer attraktiver: Der Frauenanteil unter den Mitgliedern der SPD ist von 15,4% im Jahr 1946 auf 31,8% im Jahr 2014 angestiegen. Gleichzeitig ist die SPD in ihrer Attraktivität für Wähler vor allem seit 1998 immer weiter gesunken, wobei der Tiefpunkt noch nicht in Sicht ist. Zwischen beidem, der Zunahme des Anteils weiblicher Mitglieder und dem Sinken der Anteile der SPD bei Bundestagswahlen besteht ein starker Zusammenhang (r = .45). Anders formuliert: Einer jährlichen Zunahme des Anteils weiblicher Mitglieder in der SPD um 0,98% geht mit einem Rückgang des Anteils bei Bundestagswahlen von jährlich 0,41% einher. Der Niedergang der SPD er wäre entsprechend das Ergebnis der Zunahme des Anteils weiblicher Mitglieder mit einer Agenda der Nutznießung.

 

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Neuer Befund: Linke Regierungsparteien erhöhen Arbeitslosigkeit und Schulden

Die politikwissenschaftliche Folklore geht immer noch davon aus, dass linke Parteien Parteien des kleinen Mannes sind und entsprechend etwas für z.B. Arbeiter tun. Der Erzählung nach sind sie linke Robin Hoods: Sie nehmen von den Reichen und geben es den Armen.

Wissenschaftlicher ausgedrückt sind linke Parteien regelmäßig für aktive Arbeitsmarktpolitik, hohe Lohnersatzleistungen und hohe Steuern und Abgaben verantwortlich, die eingesetzt werden sollen, um die Gesellschaft, wie es so schön heißt, sozial gerechter zu machen (wobei Linke gemeinhin Gerechtigkeit mit Gleichheit verwechseln).

Europawahl SPD PlakatIn der Realität sieht man im Fettgürtel linker Regierungen regelmäßig die verschiedensten Hilfeindustrien entstehen, die sich um angeblich Benachteiligte aller Art kümmern und dafür von linken Regierungen auch ebenso regelmäßig finanziert werden. Unter linken Parteien floriert das Geschäft mit dem Geschlecht, das Frauenförderer zu Reichtum verhilft, es florieren Benachteilgten-Coaches aller Art, die weniger den vermeintlich Benachteiligten als sich selbst zu einem üppigen Auskommen verhelfen, indem sie die von ihnen auserkorenen Benachteiligten in unnützen Weiterbildungsvereinen mit Zertifikaten ausstatten, die kein Arbeitgeber kennt und akzeptiert oder indem sie sich um die drogensüchtigen, homosexuellen behinderten Kinder von Alleinerziehenden, die in Mehrgenerationenhäusern nicht glücklich geworden sind, kümmern und dazu natürlich von den jeweiligen linken Regierungen finanziert werden müssen.

Kurz: Die konsumptiven Investitionen, die zur Finanzierung von z.B. sozialen Dienstleistern eingesetzt werden, aber kaum bis keinen Mehrwert erwirtschaften, sie florieren unter linken Regierungen.

Da Ressourcen endlich sind, stellt sich die Frage, zu wessen Lasten die Ausgaben gehen, die für den Aufbau einer linken Sozialindustrie benötigt werden.

Wir haben die Hypothese, dass der Aufbau einer linken Sozialindustrie sich zu Lasten derer auswirkt, die in der linken Floklore immer noch die Adressaten linker Politik sein sollen, also der Arbeiter und derjenigen, die gewöhnlich als Bildungsferne oder freundlicher: Arbeiterschicht bezeichnet werden.

Wir haben diese Hypothese generalisiert und nehmen an, dass sich linke Regierungsparteien negativ auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Finanzen auswirken.

Da die konsumptive Verwendung öffentlicher Finanzierung unter linken Regierungen ausgeprägter ist als unter nicht-linken Regierungen nehmen wir an, dass

  • die öffentlichen Schulden, die von linken Regierungen angehäuft werden, höher sind als die öffentlichen Schulden, die von nicht-linken Regierungen angehäuft werden.

Der Schwerpunkt linker Regierungstätigkeit liegt nach wie vor auf dem Eingriff in u.a. den Arbeitsmarkt. Wie eine Vielzahl von ökonomischen Studien gezeigt hat, funktionieren rigide, also geregelte Arbeitsmärkte schlechter als offene und flexible Arbeitsmärkte (Blanchard, 2008; Scarpetta, 1997; Nickell, 1997; Nickel, Nunziata & Ochel, 2005).

  • Entsprechend nehmen wir an, dass linke Regierungen die Arbeitslosigkeit und die Folgen von Arbeitslosigkeit verstärken.

reichtum fuer alleWir prüfen unsere Hypothesen auf Grundlage des von uns erstellen Linke-Regierungsparteien-Index, der für die zurückliegenden 4 Legislaturperioden in den Bundesländern das Ausmaß der Beteiligung linker Parteien an der Regierung (Wie viele linke Parteien waren an der Regierung beteiligt? Waren nur linke Parteien an der Regierung beteiligt?) und die Dauer der Beteiligung an der Regierung eines Bundeslandes erfasst.

Den entsprechenden Linke-Regierungsparteien-Index haben wir mit der aktuellen Arbeislosenquote, dem Anteil der Arbeitslosengeld-II-Bezieher, der Quote junger Arbeitsloser und der Höhe der öffentlichen pro-Kopf-Verschuldung in den einzelnen Bundesländern korreliert.

Hier die Ergebnisse:

  • Je länger und je intensiver linke Parteien an der Landesregierung beteiligt sind, desto höher ist die Arbeitslosenquote im entsprechenden Land. Der Zusammenhang ist linear (r = .606), erklärt 36,7% der Varianz und ist statistisch signifikant (p = .013);
  • Je länger und je intensiver linke Parteien an der Landesregierung beteiligt sind, desto höher ist die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen (unter 25 Jahre) im entsprechenden Land. Der Zusammenhang ist linear (r = .621), erklärt 38,6% der Varianz und ist statistisch signifikant (p = .010);
  • Je länger und je intensiver linke Parteien an der Landesregierung beteiligt sind, desto höher ist der Anteil der Personen, die Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II beziehen (Hartz-IV). Der Zusammenhang ist linear (r = .599), erklärt 35,8% der Varianz und ist statistisch signifikant (p = .014);
  • Je länger und je intensiver linke Parteien an der Landesregierung beteiligt sind, desto höher ist die öffentliche Verschuldung pro Kopf der Bevölkerung. Auch dieser Zusammenhang ist linear (r = .559), er erklärt 31,2% der Varianz und ist statistisch signifikant (p = .024);

Je länger linke Parteien an der Regierung sind, desto höher die Arbeitslosenquote, desto höher die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen, desto höher der Anteil der  Hartz-IV-Empfänger und desto höher die öffentliche Verschuldung pro-Kopf.

Gruene WahlplakateDie von uns dargestellten Ergebnisse geben einen ersten Hinweis darauf, dass linke Parteien zwischenzeitlich zu Klientelparteien geworden sind, deren Politik zu Lasten von Arbeitern und sozial Schwachen geht. Letztere dienten linken Parteien als Vorwand, um die eigene Klientel von Mittelschichtsfrauen, Sozialdienstleistern und das Heer der beratend Tätigen zu versorgen.

Zumindest kann man feststellen, dass linke Parteien sich nicht zum Vorteil von sozial Schwachen, von Arbeitslosen und von jungen Arbeitslosen auswirken. Letztere sind unter linken Regierungen besonders benachteiligt, was ein Resultat der Tatsache sein könnte, dass linke Regierungen mehr Jungen ohne Hauptschulabschluss produzieren als nicht-linke Regierungen.

Methodisch zeigt unsere kleine Studie abermals, dass der Förderalismus in Deutschland das Feld für quasi-experimentelle Untersuchungsdesigns bietet, mit denen etwas getan werden kann, was es in Deutschland noch nie gar: Eine Evaluation der Politikfolgen (auf die wir hiermit ein Copyright anmelden).

Nun wird es wieder die übliche Fraktion derer geben, die dieses Ergebnis nicht wahrhaben wollen und uns entsprechend einen der folgenden Standardeinwände entgegenhalten werden:

  • Mit Korrelationsanalysen kann man alles belegen. Wenn dem so ist, dann erwarten wir von den entsprechenden Behauptern eine Erklärung dafür, wie die von uns gefundene Korrelation zufällig zu stande kommen kann. Wir haben theoretisch argumentiert. Wer uns kritisieren will, muss entsprechend zeigen, dass man aus einer abweichenden theoretischen Argumentation Hypothesen ableiten kann, die zu Ergebnissen führen, die unsere Erklärung widerlegen.
  • Es gibt einen Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Stimmt. Sozialwissenschaftlern und nicht nur ihnen, ist es nur vergönnt, Korrelationen im täglichen Leben zu finden. Kausalitäten sind, wie David Hume schon im 18. Jahrhundert gezeigt hat, Nektar der Götter. Deshalb ist es so wichtig, Korrelationen theoretisch zu argumentieren, einen prüfbaren Vorschlag zu machen, wie man sie erklären kann. Das haben wir getan.
  • Die Korrelation kann auch umgekehrt sein:  ALG-II-Empfänger und Arbeitslose wählen vornehmlich linke Parteien. Das ist ein legitimer Einwand, der jedoch insofern entschärft ist, als wir unseren Index mit viel Mühe und Bedacht über vier Legislaturperioden gebaut haben, d.h. er fasst die Regierungszusammensetzung eines Bundeslandes über 16 Jahre zusammen und enthält entsprechend ein dynamisches Element, so dass es plausibler ist anzunehmen, die 16 Jahre Regierungsbeteiligung, die im Index erfasst sind, beeinflussen z.B. die Arbeitslosenquote 2015 als umgekehrt. Zudem würde man erwarten, dass dann, wenn eine linke Regierungsbeteiligung die Arbeitslosenquote positiv beeinflusst, sich dieser Effekt feststellen lässt. Deshalb haben wir auch die Arbeitslosenquote dynamisiert und die Veränderung in der Arbeitslosenquote zwischen 2009 und 2015 pro Bundesland berechnet. Für diesen Zeitraum findet sich in allen Bundesländern ein Rückgang der Arbeitslosigkeit, der mehr oder weniger stark ausgeprägt ist, es findet sich überhaupt kein Einfluss für die Regierungsbeteiligung linker Parteien auf diesen Rückgang, was zu dem Schluss führt, dass linke Regierungsparteien sich zwar negativ auf die Höhe der Arbeitslosigkeit auswirken, dass Verbesserungen der Situation am Arbeitsmarkt aber Prozesse sind, die die Arbeitsmarktsituation unabhängig von der entsprechenden Landesregierung beeinflussen. Enstprechend müsste man nun prüfen, ob verschlechterte Bedingungen am Arbeitsmarkt in Ländern mit linker Landesregierung mehr Arbeitslosigkeit nach sich ziehen als in Ländern mit nicht-linker Landesregierung. Derzeit steht unser Ergebnis, nachdem linke Landesregierungen die Arbeitslosigkeit erhöhen.

Opp_MethodologieDiejenigen, die bar jeglichen Arguments und voller emotionaler Realitätsverweigerung auf unsere Ergebnisse reagieren, seien auf die Möglichkeit verwiesen, ihrerseits eine Studie durchzuführen. Die Daten sind öffentlich zugänglich: Wir haben sie von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und von der Bundesagentur für Arbeit bezogen. Es ist immer besser, den eigenen Ärger und die eigene Emotion produktiv zu verarbeiten, als sie in die Welt zu schreien, immer vorausgesetzt, man hat die entsprechenden Kompetenzen. Hat man sie nicht, dann ist es allemal besser, den Mund zu halten.

Noch ein Tipp an die qualitativ-feministisch-sozialistische Fraktion: Tiefeninterviews oder Experteninterviews helfen nicht weiter, wenn man versuchen will unsere Ergebnisse zu falsifizieren.

©ScienceFiles, 2015

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