Glyphosatanisten: Stimmungsmache in den Diskurswelten der Ahnungslosen

Wer heute etwas gelten will, der ist gegen Glyphosat.
Gegen Glyphosat oder Roundup, wie es früher hieß, zu sein, ist in, trendy und cool.

Der Linke von Welt ist gegen Glyphosat.
Der Gutmensch von Welt ist gegen Glyphosat.

Denn Glyphosat ist schlecht.

Es vernichtet nicht nur Unkraut, es ist auch karzinogen.
Es macht krank:
Menschen sterben …
erliegen dem Krebs …,
wegen Glyphosat…, 
wegen des Krebes durch Glyphosat, …
wegen Monsanto.

Monsanto, ist die Reinkarnation des Satans, den es zu zerstören gilt.

So der Diskurs in der Welt der Ahnungslosen.

Monsanto ist übrigens nur einer von gut 80 Herstellern von Glyphosat. Nachdem das Patent auf Glyphosat im Jahr 2000 ausgelaufen ist, wird das Unkrautvernichtungsmittel vornehmlich in China hergestellt.

Glyphosat ist übrigens auch kein Unkrautvernichtungsmittel, das ins Grundwasser gelangt, jedenfalls nicht leicht. Das ist mit für den Erfolg von Glyphosat verantwortlich. Glyphosat blockiert ein pflanzliches Enzym und wird fest an Bodenpartikel gebunden. Ein Eintrag ins Grundwasser ist nur schwer möglich. Obendrein ist Glyphosat für Bienen und andere Fluginsekten ungefährlich, denn es attackiert gezielt ein bestimmtes Enzym. Pflanzen haben dieses Enzym. Tiere und Menschen haben es nicht.

Kein Wunder also, dass Helmut Greim, David Saltmiras, Volker Mostert und Christian Strupp, die 14 Studien analysiert haben, in denen getestet wurde, ob Glyühosat kreberregend ist, zu einem eindeutigen Ergebnis kommen: Glyphosat ist für Menschen so harmlos wie Trinkwasser: Es gibt keinerlei Hinweise auf einen karzinogenen Effekt von Glyphosat.

“Glyphosate, an herbicidal derivative of the amino acid glycine, was introduced to agriculture in the 1970s. Glyphosate targets and blocks a plant metabolic pathway not found in animals, the shikimate pathway, required for the synthesis of aromatic amino acids in plants. After almost forty years of commercial use, and multiple regulatory approvals including toxicology evaluations, literature reviews, and numerous human health risk assessments, the clear and consistent conclusions are that glyphosate is of low toxicological concern, and no concerns exist with respect to glyphosate use and cancer in humans. This manuscript discusses the basis for these conclusions. Most toxicological studies informing regulatory evaluations are of commercial interest and are proprietary in nature. Given the widespread attention to this molecule, the authors gained access to carcinogenicity data submitted to regulatory agencies and present overviews of each study, followed by a weight of evidence evaluation of tumor incidence data. Fourteen carcinogenicity studies (nine rat and five mouse) are evaluated for their individual reliability, and select neoplasms are identified for further evaluation across the data base. The original tumor incidence data from study reports are presented in the online data supplement. There was no evidence of a carcinogenic effect related to glyphosate treatment. The lack of a plausible mechanism, along with published epidemiology studies, which fail to demonstrate clear, statistically significant, unbiased and non-confounded associations between glyphosate and cancer of any single etiology, and a compelling weight of evidence, support the conclusion that glyphosate does not present concern with respect to carcinogenic potential in humans.”

Wie gewöhnlich, lassen sich Panik-Aktivisten von Fakten und wissenschaftlicher Forschung nicht beeindrucken und versuchen, wie dies in der Vergangenheit der ARD-Monitor getan hat, diejenigen, deren wissenschaftliche Ergebnisse sie nicht widerlegen können, persönlich zu diskreditieren. Entsprechend hat es Helmut Greim getroffen.

Und wie gewöhnlich sind die Panik-Aktivisten nicht mit wissenschaftlicher Evidenz zu beeindrucken. Auf Kreuzzügen für das Gute stören Fakten in der Regel, weshalb die Grünen darüber schwadronieren, dass Glyphosat die Menschheit vergiftet, während Greenpeace und all die anderen, die pseudo-moralische Entrüstung als Ersatz für ihre nicht vorhandenen Kenntnisse benutzen, zum Sturm auf die Industrie-Bastille aufrufen: Die Guillotine steht auch schon bereit und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist der Erste, der aufs Schafott steigen soll, um einen Kopf kürzer gemacht zu werden, hat er doch „im Alleingang“ wie es heißt, entschieden, dass Glyphosat fünf weitere Jahre in der EU zugelassen wird, nicht nur das, Schmidt hat mit seiner Zustimmung den Ausschlag im EU-Rat der Landwirtschaftsminister gegeben.

Seitdem herrscht das Pandemonium. Die Retter der Menschheit vor Krebs, die diese Rettung zu ihrem Lebenssinn erkoren haben, sind in geballter Wut über Schmidt hergefallen. Und wenn es darum geht, Stimmung zu machen, dann dürfen natürlich die sogenannten Meinungsforschungsinstitute der politischen und journalistischen Linken, allen voran Civey nicht fehlen. Dieses Institut, das es schaffen, selbst der nach-Forsa-Meinungsforschung noch einen schlechteren Namen zu geben, verschickt in seinen Befragtenpanels derzeit Emails mit dem folgenden Text

“Das gestrige Votum zu einer weiteren Verwendung des Unkrautgifts Glyphosat für fünf Jahre hat in der deutschen Politik für Empörung gesorgt. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte im EU-Parlament der Verlängerung zu, gegen den ausdrücklichen Willen der SPD. Renate Künast von den Grünen nannte dies einen “ungeheuren Vorgang”, Marco Buschmann von der FDP sieht eine „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung” und Andrea Nahles (SPD) spricht von einem „schweren Vertrauensbruch”.

Civey möchte von Ihnen wissen:

Wie bewerten Sie, dass Agrarminister Schmidt gegen den Willen der SPD der weiteren Zulassung von “Glyphosat” zugestimmt hat?”

Manipulation erfolgreich, Meinungsforschung tot.

Warum Civey das noch wissen will, ist eine spannende Frage, denn dass nach einer Einleitung, in der man denen, die man angeblich befragen will, gesagt hat, dass sie dann, wenn sie der Zustimmung von Schmidt positiv gegenüberstehen, sich zum einen nicht in die Reihe der Empörten stellen und zum anderen ziemlich alleine dastehen, weil sie den „ungeheuren Vorgang“, die „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung“ oder den „schweren Vertrauensbruch“ nicht verurteilen, ist sichergestellt, dass nicht viele die Aktion von Schmidt positiv bewerten werden.

Wenn es Civey also offensichtlich nicht darum geht, die Meinung der Befragten zu erfragen, dann kann es nur darum gehen, die Befragten dazu zu missbrauchen, Stimmung zu machen, sie zur Abgabe einer bestimmten Bewertung zu manipulieren. Wie das geht, haben Amos Tversky und Daniel Kahneman schon vor Jahren dargelegt. Wenn man Zustimmung will, muss man einen Rahmentext formulieren der Positives hervorhebt, wenn man Ablehnung will, dann muss man einen Rahmentext formulieren, der Befragten Negatives einhämmert. Civey hämmert seinen Befragten Negatives ein und bekommt zwar nicht deren Meinung, dafür aber, was gewollt war: Ablehnung des ungeheuren Vorgangs, der vorsätzlichen Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung, des schweren Vertrauensbruchs durch Schmidt.

Das hat mit Meinungsforschung nichts mehr zu tun, ist aber nützlich, um politische Stimmung zu machen, Menschen in die Pfanne zu hauen und der eigenen Peer-Group Hilfestellung dabei zu liefern, die Feinde der Befreiung von Glyphosat auf die Guillotine zu bringen.

Einen guten Text zum Thema Glyphosat gibt es beim European.

Informationen zum EU-Prozess der Glyphosat-Zulassung und weitere Analysen und Gutachten zu Glyphosat gibt es bei der EU-Commission.

Nachtrag:

Scheint ein heißes Thema zu sein.
Zu den Anfragen, die uns erreichen:

Die WHO teilt die Ansicht der European Food Safety Authority (EFSA) und des Bundesamts für Risikobewertung, dass Glyphosate NICHT krebserregend sind (und auch das Erbgut nicht schädigen).

Die Behauptung, Glyphosate hätten Erbdefekte zur Folge, geht auf diese Studie zurück, die u.a. vom BfR hier zerpflückt bzw. kritisiert wird.

Glyphosate als Rückstände in Bier (besteht aus Gerste, Gerste wird mit Glyphosaten behandelt) sind unschädlich und die Konzentration geht zurück.

Eine sehr lesenswerte Zusammenstellung der Irrtümer, falschen Behauptungen, Fake News und Lügen, die im Zusammenhang mit Glyphosaten im Umlauf sind, findet sich hier.

Viel Spass beim Lesen!

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Christlich soziales Würstchen

Auch Wissenschaftler erzählen Geschichten.

Es war einmal ein kleines bayerisches Würstchen. Das kleine bayerische Würstchen, es wäre gerne eine große Wurst gewesen, eine dicke fette Mettwurst, öffentlich bekannt und beliebt und geachtet und gefürchtet … von den Teewürsten und anderen wurstigen Varianten. Aber das kleine bayerische Würstchen, es war ein kleines bayerisches Würstchen, von dem niemand Notiz genommen hat. Da wurde er zur beleidigten Leberwurst. Und damit hatte er eine erkennbare Identität.

Wie, so hat sich das Würstchen gedacht, werde ich berühmt? Welches Marketing muss ich betreiben, um ein bekannter Hans Wurst zu werden? Und da kam ihm die Idee, für die reine Wurst zu streiten.

IMG_2686.JPGAggressoren, Hersteller von Wurst, die keine Leichteile enthält, ausgerechnet sie hat sich unser bayerisches Würstchen als Feind auserkoren. Nicht, dass die heimischen Weißwürste viel mehr Leichenbestandteile enthalten würden als die leichenteilfreien veganen oder vegetarischen Würstchen, aber das weiß der angehende Hans Wurst nicht. Darum geht es auch nicht.

Es geht um fünf Minuten Berühmtheit. Einmal auf Twitter trenden. Einmal mehr sein, als eine bayerische Landwurst, deren Versuche, Aufmerksamkeit zu erreichen, einfach nur wurstig und jedem wurst sind sind. Also hat das bayerisches Würstchen den veganen und vegetarischen Aggressoren den Krieg erklärt und verfügt, dass nur Wurst Leichteile enthält und dass es eben nicht wurst ist, dass Wurst keine Leichteile enthält.

Und siehe da, das bayerische Würstchen war mit einem Schlag ein Trend, auf Twitter und auf Facebook und die Medien, selbst ScienceFiles haben über ihn berichtet und die Redakteure sie haben ihn zur Kenntnis genommen und die Bürger, sie haben .. sie haben den Kopf geschüttelt, wegen dem Hans Wurst aus Bayern, der sie für dumm hält und meint, sie wüssten nicht, dass Teewurst keinen Tee enthält.

Und als wäre der Misserfolg nicht schon groß genug, haben wir von ScienceFiles herausgefunden, dass die wurstige Idee ein Plagiat ist. Es ist nicht der erste Versuch, mit und als Würstchen berühmt zu werden. Allerdings war das Original erfolgreich.

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