Christlich soziales Würstchen

Auch Wissenschaftler erzählen Geschichten.

Es war einmal ein kleines bayerisches Würstchen. Das kleine bayerische Würstchen, es wäre gerne eine große Wurst gewesen, eine dicke fette Mettwurst, öffentlich bekannt und beliebt und geachtet und gefürchtet … von den Teewürsten und anderen wurstigen Varianten. Aber das kleine bayerische Würstchen, es war ein kleines bayerisches Würstchen, von dem niemand Notiz genommen hat. Da wurde er zur beleidigten Leberwurst. Und damit hatte er eine erkennbare Identität.

Wie, so hat sich das Würstchen gedacht, werde ich berühmt? Welches Marketing muss ich betreiben, um ein bekannter Hans Wurst zu werden? Und da kam ihm die Idee, für die reine Wurst zu streiten.

IMG_2686.JPGAggressoren, Hersteller von Wurst, die keine Leichteile enthält, ausgerechnet sie hat sich unser bayerisches Würstchen als Feind auserkoren. Nicht, dass die heimischen Weißwürste viel mehr Leichenbestandteile enthalten würden als die leichenteilfreien veganen oder vegetarischen Würstchen, aber das weiß der angehende Hans Wurst nicht. Darum geht es auch nicht.

Es geht um fünf Minuten Berühmtheit. Einmal auf Twitter trenden. Einmal mehr sein, als eine bayerische Landwurst, deren Versuche, Aufmerksamkeit zu erreichen, einfach nur wurstig und jedem wurst sind sind. Also hat das bayerisches Würstchen den veganen und vegetarischen Aggressoren den Krieg erklärt und verfügt, dass nur Wurst Leichteile enthält und dass es eben nicht wurst ist, dass Wurst keine Leichteile enthält.

Und siehe da, das bayerische Würstchen war mit einem Schlag ein Trend, auf Twitter und auf Facebook und die Medien, selbst ScienceFiles haben über ihn berichtet und die Redakteure sie haben ihn zur Kenntnis genommen und die Bürger, sie haben .. sie haben den Kopf geschüttelt, wegen dem Hans Wurst aus Bayern, der sie für dumm hält und meint, sie wüssten nicht, dass Teewurst keinen Tee enthält.

Und als wäre der Misserfolg nicht schon groß genug, haben wir von ScienceFiles herausgefunden, dass die wurstige Idee ein Plagiat ist. Es ist nicht der erste Versuch, mit und als Würstchen berühmt zu werden. Allerdings war das Original erfolgreich.

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... concerned with and about science

10 Responses to Christlich soziales Würstchen

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  3. Roland says:

    Achtung liebe Verbraucher auch bei Mandelmilch, Sojamilch, Ziegenmilch und Fischmilch etc. herrscht große Verwirrung! Nicht jede Milch stammt aus dem Euter eines Säugetieres.

    Eigentlich ein interessantes Phänomen. Augenscheinlich scheint unsere Sprachgemeinschaft Dinge eher nach dem oberflächlichen Aussehen zu benennen und nicht nach irgendwelchen Wesenszügen.

    • Autor says:

      Es gab mal eine Zeit, da war absolut klar, dass Sprache die Eigenschaft besitzt “meaningfeindlich” zu sein und damit nicht immer das Wort das Objekt welches es bezeichnet optimal wiedergibt. Wie gesagt, dass war zu Zeiten, als noch Sprachkunde im Deutschunterricht gelehrt und jeder über Binnen-I und Unterstriche gelacht und sie als Einfälle eines Neurotikers abgetan hätte….ich würde linguistisches Grundwissen jedem vorraussetzen, der sich über Wörter und Schrift echauffieren will…auch und vorallem unserem Würstchen.

  4. corvusalbusberlin says:

    @ Autor
    Es ist schon einige Jahre her, als ein Germanistik – Professor von seinen angehenden Germanistik-Studenten in Köln eine grammatische Arbeit hat schreiben lassen.
    Ich habe darüber später zufällig im Radio gehört.
    Über 90 % war die “Durchfall”- Quote.
    Die meisten konnten nicht einmal einen einfachen Satz vom Imperfekt ins Plusquamperfekt setzen, geschweige einen Satz, wo beides angewendet wird.

    Zu meiner Zeit verfügten die meisten bereits am Ende der “Volksschulzeit” über gute bis sehr gute grammatische Kenntnisse.
    Am Ende der Stunde lies uns der Lehrer mit schöner Regelmäßigkeit zu einem Satz
    eine Satzanalyse machen.

    • Autor says:

      Ich halte es für sehr kritisch, dass in Gymnasien heute nur noch schöne Literatur “analysiert” oder besser “interpretiert” wird, anstatt Ausdruck und Redegefühl zu lehren/entwickeln helfen, Fähigkeiten, die ein ganz erheblicher Teil meiines Jahrgangs(zur Wiederholung: 12 Klasse, also kurz vor Ende) nur rudimentär zu haben scheint. Ich bin ein sprachlicher Pedant, dass gebe ich gerne zu, aber hier geht es nicht um Dativ statt Genitiv, sondern um mangelndes Gefühl für die eigene Muttersprache. Da versagt das Schulsystem wirklich katastrophal. Von Wortschatz und vorallem Textverständnis (“Generation Textmarker”, wie ich es nenne) will ich gar nicht erst anfangen. Man kann nur hoffen, dass sich das noch legt.

      Keinen Goethe, Schiller oder Shakespeare interpretiert zu haben, halte ich für keine große Bildungslücke, zumal diese Literatursorten einem sowieso nur dann weiterhelfen, wenn man sich bereits vor dem Unterricht damit beschäftigt hat. Ich zumindest sehe den Sinn nicht.

      • corvusalbusberlin says:

        @Autor
        “….nur noch schöne Literatur „analysiert“ oder besser „interpretiert“ wird,…..”

        Wenn’s dann wenigstens noch schöne Literatur wäre…..
        Goethe und Schiller sind doch längst out, zugunsten der Bestseller.

        Aber das sprachliche Gefühl versagt nicht erst im “Großen”, sondern in der einfachsten Alltagssprache.

        Da fragt sie keiner mehr: Wie geht es ihnen?(obwohl das auch meistens nur Heuchelei ist) sondern man fragt: Geht’s gut?
        Und das von ehemaligen Erziehern” und Lehrern.

        ich fühle mich jedes Mal von solchen Typen in meinem Gefühl für Sprache beleidigt und gebe Ihnen daraufhin eine Antwort, die sie mit offenem Munde zurück lässt.

        Aber was kann man anderes erwarten?
        Der größte Teil der Bevölkerung denkt so oder so mit dem AQ anstatt dem IQ.

  5. PackEsel says:

    Was ist eigentlich mit Fruchtfleisch und Fleischtomaten??

  6. Heiner says:

    Die beste Definition zur Wurst lieferte Fredl Fesl:

    An der Verwesung verhinderte Leichenteile ermordeter Tiere und dann auch noch teilweise in deren eigene Kotkanäle gefüllt – so was wird uns dann unter der irreführenden Bezeichnung “Wurst” kredenzt!

    Das ist von einer Platte, die 1997 erschien. Das Definitionsproblem “Wurst” scheint in Bayern schon länger zu gären. 🙂

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