Die Finanzkrise und die anhaltende Eurokrise sind dadurch geprägt, dass Regierungschefs mit dem Scheckheft unterwegs sind und immer größere Summen ausgeben, um vermeintlich Gutes damit zu bewirken. Ob als quantitative easing (also Gelddrucken) oder als über den Kreditmarkt finanzierter EU-Rettungsschirm, die staatlichen Ausgaben wachsen in Schwindel erregendem Tempo, und sie ziehen einen ganzen Rattenschwanz negativer Konsequenzen nach sich.
Dabei sind staatliche Ausgaben bei der politischen Linken und bei Ökonomen, die in den Fußspuren von John Maynard Keynes laufen, gut angesehen. Liegt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage am Boden fängt die Konjunktur an zu stottern, es ist immer die gleiche Arznei, die aus dem nämlichen Lager verschrieben wird: Erhöhte Ausgaben des Staates sollen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöhen, die Wirtschaft ankurbeln und das zukünftig so dringend zur Deckung der Schulden benötigte Wirtschaftswachstum hervorbringen. Der Staat als „big spender“ ist in dieser Situation gefragt, weil die private Investitionen sich in der Vertrauenskrise befinden: Weil Investoren Gewinne erwarten und Gewinne in wirtschaftlich unruhigen Zeiten nicht garantiert sind, halten sich Investoren zurück und warten auf bessere Zeiten. Um die besseren Zeiten schneller kommen zu lassen, soll nach Keynes der Staat auf den Plan treten und den Investoren zurückgeben, was sie verloren haben: Vertrauen in das wirtschaftliche Wachstum.
Der Preis für Keynesianische Vertrauensbeschaffung ist hoch: So hat die Bundesregierung in den Jahren 2008/2009 insgesamt drei Konjunkturpakete geschnürt und insgesamt 82,3 Mrd. Euro in die gesamtwirtschaftliche Nachfrage investiert. Dabei wurde das Kindergeld und der Kinderfreibetrag erhöht, es wurden neue Sonderabschreibungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen geschaffen, die Abwrackprämie eingeführt, Lohnnebenkosten wurden etwas reduziert und vieles mehr, um wirtschaftliches Wachstum zu erreichen und vor allem die privaten konsumtiven Ausgaben und die privaten Investitionen zu befördern. Das ist der Weg, auf dem J. M. Keynes das Wachstum verspricht, und da sich die Binnennachfrage in Deutschland nach dem Jahre 2007 so gut wie gar nicht erholt hat und schon traditionell als schwach bezeichnet werden muss, scheint es der falsche Weg zu sein.
Es scheint nicht nur, es ist auch der falsche Weg, wie eine neue Studie zeigt, die Davide Furceri und Ricardo M. Sousa (2011) durchgeführt haben. Für 145 Länder und den Zeitraum von 1960 bis 2007 haben die Autoren untersucht, wie sich die Höhe staatlicher Ausgaben auf die Höhe des privaten Konsums und die Höhe privater Investitionen auswirkt. Das Ergebnis ist für alle Keynesianer ernüchternd: Je höhe staatliche Ausgaben, desto geringer nicht nur der private Konsum, desto geringer auch die privaten Investitionen. Staatliche Konjunkturprogramme sind somit eher ein Mittel dafür , langfristig das Wirtschaftswachstum zu verringern als es zu erhöhen: „The results of our paper suggest that govenment spending produces important crowding-out effects, by negatively affecting both private consumption and investment“ (Furceri & Sousa, 2011, S.530). Und in Zahlen: „An increase in governmant consumption by 1% of real GDP immidiately reduces consumption (investment) by approximately 1.2% (0.6%), with the decline continuing for about four years when the cumulative decrease in consumption has reached approximately 1.9% (1.8)“. In Deutschland reduziert eine 1%tige Steigerung staatlicher Ausgaben den privaten Konsum kurzfristig um 0.7% und die privaten Investitionen um 1.4%. Langfristig kumulieren sich die Rückgänge auf rund 2%. Nicht nur reduzieren staatliche Ausgaben privaten Konsum und private Investitionen, sie reduzieren beide auch dauerhaft. Dieses Ergebnis sollte Keynesianern und alle, die in staatlichen Ausgaben den Weg zum wirtschaftlichen Heil sehen, zumindest zum Nachdenken, wenn nicht gar zum Überdenken ihrer Position anregen.
Furceri, Davide & Sousa, Ricardo M. (2011). The Impact of Government Spending on the Private Sector: Crowding-out Versus Crowding-in Effects. Kyklos 64(4): 516-533.
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ich glaube zugegebener maßen nicht, das mehr Staatsausgaben in der Krise immer schlecht sind, allerdings glaube ich auch nicht das Gegenteil. Es kommt wohl auf die genaue Situation an. Bei der Letzten bzw. der Momentanen Krise war es politisch nicht Klug wie die Banken „gerettet“ wurden, falls es überhaupt Klug war, dass sie gerettet wurden.
Folgende Schlussfolgerung halte ich nicht für Plausibel:
„Nicht nur reduzieren staatliche Ausgaben privaten Konsum und private Investitionen, sie reduzieren beide auch dauerhaft.“
Wo geht das Geld hin das der Staat ausgibt? Sollte die Aussage wahr sein, muss der Staat das Geld irgendwie so vernichten, dass es nicht wieder bei Privaten Institutionen oder bei den Bürgern ankommt? Wie soll das gehen, verbrennen tut der Staat es ja nun nicht.
Ich bin zwar kein Keynesianer, aber wäre ich einer würde mich dein Argument erst mal nicht überzeugen. Zugegebenermaßen neige ich zu der Ansicht, dass auch in den Wirtschaftswissenschaften häufig nicht ordentlich genug gearbeitet wird.
(Ich lese jetzt erst mal die Studie)
„Nicht nur reduzieren staatliche Ausgaben privaten Konsum und private Investitionen, sie reduzieren beide auch dauerhaft.“
ist keine Schlussfolgerung, sondern das Ergebnis der Studie. Insofern stellt sich keine Frage der Plausibilität.
Eine Schwäche der Studie ist, dass die Autoren nicht versuchen, eine Erklärung für Ihr Ergebnis zu geben – aber vielleicht kommt da noch was (über das crowding-out Hinausgehendes). Wenn staatliche Konjunkturpakete, also hohe staatliche Ausgaben, eine substituierende Wirkung haben, die z.B. darin besteht, dass private Investitionen aufgeschoben werden, dann wäre dies eine Erklärung dafür, dass staatliche Investitionen verpuffen. Da zudem ein Mehrwert eher von investiven Investitionen zu erwarten sind, Konjunkturpakete aber in der Regel überwiegen aus konsumptiven Geldgeschenken bestehen, ist eine weitere Erklärung für den Rückgang privater Investition und Konsumption die inflationäre Aufzehrung der staatlichen Geldgeschenke.
leider kann ich die Studie Nicht nachvollziehen. Das mag an mangelnden VWL Kenntnissen liegen, so dass ich nicht rekonstruieren kann welche für einen Wirtschaftswissenschaftler offensichtlichen Informationen nicht gegeben sind.
Für einen Mathematiker gibt es da folgende Probleme:
1. Aus den Gleichungen (1) und (2) welche die Berechnung der private investment und private
consumption festlegen, folgt, dass diese Werte immer gleich sind. Da haben die Autoren hoffentlich irgenwelche Labels vergessen.
2. Es handelt sich um ein rein statistisches Modell, die Autoren bestimmen Korrelationen,
reden aber von Effekten das sind wirklich zwei ganz unterschiedliche Dinge.
Dinge können sehr gut statistisch äußerst signifikant korreliert ein, ohne das auch nur irgendein Zusammenhang besteht.
3. Die Tabellen mit den Ergenissen sind schwer zu lesen. Eigentlich sollten da einige beta_i bestimmt werden, nur sehe ich nirgends welche an den Tabllenbeschriftungen.
Insgesamt scheint mir das doch etwas sehr schlampig gearbeitet zu sein – Ich kann aber nur den Umgang mit den Mathematischen Werkzeugen beurteilen. Das sieht nicht sehr ordentlich aus. Zugegeben habe ich das nicht zu ende gelesen, ich habe keine Zeit dazu zu rekonstruieren was die Autoren nun tatsächlich gemeint haben.
ich glaube, wenn es um die mathematischen Standards geht, werden sich Mathematiker und Ökonomen nur schwierig einig werden – aber ich mach‘ Dir einen Vorschlag. Formuliere doch Deine Kritik in ein paar (englischen) Sätzen, ich schicke Sie den Autoren und dann sehen wir, was sie dazu sagen.
dass ich hier poste ist eh schon eine Vermeidungsstragegie. Ich versuche erst mal Meine eigentliche Arbeit zu machen, bevor ich mit den Autoren über ihre Paper diskutiere. Die Gefahr ist zu groß, dass ich das nutze um mich noch ausgiebiger Abzulenken, sicher würde das keine ganz kurze Diskussion werden. Erst mal bleibe ich skeptisch und schiebe meine Beurteilung der Frage auf.
Hallo Eike,
es muss ja nichts Großes sein, es reichen Stichpunkte – kann auch in Deutsch sein, ich übersetze das dann und leite es weiter. Das wäre dem wissenschaftlichen Austausch sicher förderlich.
Das immer auf dem armen Keynes rumgehackt werden muss. Fast wie das neoliberale Gesindel dass zuerst das Erbe eines Erhard oder eines Müller-Armack schändet und dann moniert dass man es abschaffen müsste.
Keyes hätte das unverantwortliche Handeln der Finanzmärkte und der Politiker gegeiselt. Es sind die Wirtschaftsweisen vergangener Epochen die jetzt in ihren Gräbern rotieren. Dass Private Investmentbanken so mit den Geldern ihrer Anleger pokern und gleichzeitig als systemrelevant eingestuft werden, hätte der Mann ebenfalls nicht unkommentiert stehen lassen. Aber was soll man machen. Sein Genie ist uns verloren gegangen. Statt dessen sitzen in Deutschland z.B. Leute wie Hans Werner Sinn in unserem wichtigsten Think-Tank der Wirtschaftsweisen.
Es ist schon komisch, Keynes kann leider nicht all das wieder richten kann, was freie Marktwirtschaft, Raubtierkapitalismus und ungezügelte Ausgaben auf Pump von Staatsseite zerstört haben. Versagt jetzt die gesamte Theorie?
Man bedenke, 2 Jahre nach der Finanzkrise sind immer noch die selben Banker am traden mit den selben finanziellen Werkzeugen und Produkten, die die Kriese verursacht haben…. Glaubt jemand ernsthaft eine wirklich nach Keynes agierende Volkswirtschaft hätte daraus nicht gelernt und gehandelt?
Aber es wird sich nichts ändern, unsere Politiker haben nicht den Mut die Hand die sie füttert und leitet zu beisen. Der Bürger hat ausserhalb der Wahlen keine Chance etwas zu ändern und schon Tucholsky hat gesagt dass Wahlen nichts bringen, sonst wären sie doch verboten.
die flammende Rede gegen den Neoliberalismus (ich wäre mit globalen Verdammungen Marke „Gesindel“ vorsichtig, denn man weiß nie, wen man mit dieser undifferenzierten Verbalinjurie alles trifft – oder wer sich alles angesprochen fühlen könnte …), geht leider am Punkt vorbei.
1. Ich berichte hier von einer Studie, in der für einen Zeitraum von 47 Jahren untersucht wird, in welcher Weise sich Staatsausgaben auf privaten Konsum und Investitionen auswirken. Die Ergebnisse der Studie falsifizieren Hypothesen, die man aus Keynes ableiten kann, was heißt, Keynes‘ Theorie (ich will sein Werk einmal als Theorie bezeichnen) ist zumindest in diesem Punkt falsch, und man kann feststellen, dass staatliche Ausgaben eben NICHT zu einer erhöhten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage führen. Da diese Annahme der Kern der Keynesischen „Theorie“ ist, dürften die Konsequenzen dieses Ergebnisses weiter reichen – aber das ist ein anderer Punkt.
2. Sich darüber zu unterhalten, was Keynes hätte und was er nicht hätte, ist müssig, denn der Konjunktiv zeigt schon, dass keiner von uns es wissen kann… Aber selbst wenn er was auch immer gegeiselt hätte, sehe ich nicht, warum diese persönliche Einschätzung für irgendjemand interessant sein sollte.
3. Das Erbe von Erhard und Müller-Armack ist seit Schiller erledigt, denn Schiller hat die Prämisse der „sozialen“ Marktwirtschaft, den freien Markt, beseitigt und Marktwirtschaft zu einem planbaren Unterfangen machen wollen – damit ist alles, was danach kommt, besser als „the road to serfdom“ beschrieben. Erhard und Müller-Armack haben das „soziale“ ihrer freien Marktwirtschaft darin gesehen, dass man vom erwirtschaftteten Überschuss etwas verteilen kann, bei Erhard in den Bau von Wohnungen für Flüchlinge und bei Müller-Armack in Bildungseinrichtungen. Von einer Umverteilung und sozialistischer Planung sind beide so weit entfernt wie Josef Stalin vom Humanismus.
4. Welche private Investmentbank ist denn als systemrelevant eingestuft worden? Die letzte private Investmentbank ist mit den Lehman Brothers insolvent geworden…
5. Ob Keynes ein Genie war, kann ich nicht beurteilen, aber ich denke, angesichts der vielen Fehler in seiner „General Theory“ wäre er zumindest als verwirrtes Genie einzustufen.
So ist z.B. seine Rezeption von Klassikern nachweislich falsch, was Baumol wie folgt zusammengefasst hat:
„A charitable interpretation of the Keynesian critique might take him to be asserting that the classical premises implied that there could be ‚no obstacle to full employment’ (at least during periods of intermediate length) – even though the classical economists were mistaken in failing to recognize this. But a more plausible conclusion, it seems to me, is that Keynes simply never really studied what Say (and James Mill) had written“ (Baumol, 1999, S.201),
und seine Vorbereitung des Sozialismus lässt auch erhebliche Zweifel an seinem Genius aufkommen:
„I should say that what we want is not no planning, or even less planning, indeed I should say that we almost certainly want more. But the planning should take place in a community in which as many people as possible, both leaders and followers, wholly share your own moral position. Moderate planning will be safe if those carrying it out are rightly oriented in their own minds and hearts to the moral issue” (Keynes, 1980, S.387).
Baumol, William J. (1999). Retrospectives. Say’s Law. Journal of Economic Perspectives 13(1): 195-204.
Keynes, John Maynard (1980). Collected Writings of John Maynard Keynes. Volume 27. Cambridge: Cambridge University Press.
Asche auf mein Haupt. Ich bin selbst nicht besonders begeistet was da im Moment abläuft. Ich seh es sogar äußerst ungern wenn der Staat meint immer mehr Geld dass er nicht hat auszugeben und damit alles sogar nur noch schlimmer macht. Sei es Abwrachprämie die für die Binnennachfrage nach Autos garantiert nicht positiv war (ausser man braucht jetzt ein neues Auto, im Moment sind die Preise wieder gut). Ich meine für die die nach dem Zeitraum der Abwrachprämie kam, ein kurzer Burst und dann ist der Markt erst mal satt.
Ich würde aber dennoch mal gern eine Modell sehen, dass funktioniert. Und ich würde gern mal sehen dass die Banker auch Verantwortung übernehmen für ihr Handeln.
Ich sehe bei den Keynesianern im Moment dass das Problem. Das mit den falschen Werkzeugen gearbeit wird. Als ob man für eine Strahlenerkrankung eine Fiebertherapie anwendet. Gut gemeint, aber sinnlos.
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Also,
ich glaube zugegebener maßen nicht, das mehr Staatsausgaben in der Krise immer schlecht sind, allerdings glaube ich auch nicht das Gegenteil. Es kommt wohl auf die genaue Situation an. Bei der Letzten bzw. der Momentanen Krise war es politisch nicht Klug wie die Banken „gerettet“ wurden, falls es überhaupt Klug war, dass sie gerettet wurden.
Folgende Schlussfolgerung halte ich nicht für Plausibel:
„Nicht nur reduzieren staatliche Ausgaben privaten Konsum und private Investitionen, sie reduzieren beide auch dauerhaft.“
Wo geht das Geld hin das der Staat ausgibt? Sollte die Aussage wahr sein, muss der Staat das Geld irgendwie so vernichten, dass es nicht wieder bei Privaten Institutionen oder bei den Bürgern ankommt? Wie soll das gehen, verbrennen tut der Staat es ja nun nicht.
Ich bin zwar kein Keynesianer, aber wäre ich einer würde mich dein Argument erst mal nicht überzeugen. Zugegebenermaßen neige ich zu der Ansicht, dass auch in den Wirtschaftswissenschaften häufig nicht ordentlich genug gearbeitet wird.
(Ich lese jetzt erst mal die Studie)
Hallo Eike
das:
„Nicht nur reduzieren staatliche Ausgaben privaten Konsum und private Investitionen, sie reduzieren beide auch dauerhaft.“
ist keine Schlussfolgerung, sondern das Ergebnis der Studie. Insofern stellt sich keine Frage der Plausibilität.
Eine Schwäche der Studie ist, dass die Autoren nicht versuchen, eine Erklärung für Ihr Ergebnis zu geben – aber vielleicht kommt da noch was (über das crowding-out Hinausgehendes). Wenn staatliche Konjunkturpakete, also hohe staatliche Ausgaben, eine substituierende Wirkung haben, die z.B. darin besteht, dass private Investitionen aufgeschoben werden, dann wäre dies eine Erklärung dafür, dass staatliche Investitionen verpuffen. Da zudem ein Mehrwert eher von investiven Investitionen zu erwarten sind, Konjunkturpakete aber in der Regel überwiegen aus konsumptiven Geldgeschenken bestehen, ist eine weitere Erklärung für den Rückgang privater Investition und Konsumption die inflationäre Aufzehrung der staatlichen Geldgeschenke.
Hi,
leider kann ich die Studie Nicht nachvollziehen. Das mag an mangelnden VWL Kenntnissen liegen, so dass ich nicht rekonstruieren kann welche für einen Wirtschaftswissenschaftler offensichtlichen Informationen nicht gegeben sind.
Für einen Mathematiker gibt es da folgende Probleme:
1. Aus den Gleichungen (1) und (2) welche die Berechnung der private investment und private
consumption festlegen, folgt, dass diese Werte immer gleich sind. Da haben die Autoren hoffentlich irgenwelche Labels vergessen.
2. Es handelt sich um ein rein statistisches Modell, die Autoren bestimmen Korrelationen,
reden aber von Effekten das sind wirklich zwei ganz unterschiedliche Dinge.
Dinge können sehr gut statistisch äußerst signifikant korreliert ein, ohne das auch nur irgendein Zusammenhang besteht.
3. Die Tabellen mit den Ergenissen sind schwer zu lesen. Eigentlich sollten da einige beta_i bestimmt werden, nur sehe ich nirgends welche an den Tabllenbeschriftungen.
Insgesamt scheint mir das doch etwas sehr schlampig gearbeitet zu sein – Ich kann aber nur den Umgang mit den Mathematischen Werkzeugen beurteilen. Das sieht nicht sehr ordentlich aus. Zugegeben habe ich das nicht zu ende gelesen, ich habe keine Zeit dazu zu rekonstruieren was die Autoren nun tatsächlich gemeint haben.
Das ist kein Peer Reviewed Paper oder?
Das ist kein Peer Reviewed Paper oder?
Doch!
ich glaube, wenn es um die mathematischen Standards geht, werden sich Mathematiker und Ökonomen nur schwierig einig werden – aber ich mach‘ Dir einen Vorschlag. Formuliere doch Deine Kritik in ein paar (englischen) Sätzen, ich schicke Sie den Autoren und dann sehen wir, was sie dazu sagen.
Also,
dass ich hier poste ist eh schon eine Vermeidungsstragegie. Ich versuche erst mal Meine eigentliche Arbeit zu machen, bevor ich mit den Autoren über ihre Paper diskutiere. Die Gefahr ist zu groß, dass ich das nutze um mich noch ausgiebiger Abzulenken, sicher würde das keine ganz kurze Diskussion werden. Erst mal bleibe ich skeptisch und schiebe meine Beurteilung der Frage auf.
Hallo Eike,
es muss ja nichts Großes sein, es reichen Stichpunkte – kann auch in Deutsch sein, ich übersetze das dann und leite es weiter. Das wäre dem wissenschaftlichen Austausch sicher förderlich.
Das immer auf dem armen Keynes rumgehackt werden muss. Fast wie das neoliberale Gesindel dass zuerst das Erbe eines Erhard oder eines Müller-Armack schändet und dann moniert dass man es abschaffen müsste.
Keyes hätte das unverantwortliche Handeln der Finanzmärkte und der Politiker gegeiselt. Es sind die Wirtschaftsweisen vergangener Epochen die jetzt in ihren Gräbern rotieren. Dass Private Investmentbanken so mit den Geldern ihrer Anleger pokern und gleichzeitig als systemrelevant eingestuft werden, hätte der Mann ebenfalls nicht unkommentiert stehen lassen. Aber was soll man machen. Sein Genie ist uns verloren gegangen. Statt dessen sitzen in Deutschland z.B. Leute wie Hans Werner Sinn in unserem wichtigsten Think-Tank der Wirtschaftsweisen.
Es ist schon komisch, Keynes kann leider nicht all das wieder richten kann, was freie Marktwirtschaft, Raubtierkapitalismus und ungezügelte Ausgaben auf Pump von Staatsseite zerstört haben. Versagt jetzt die gesamte Theorie?
Man bedenke, 2 Jahre nach der Finanzkrise sind immer noch die selben Banker am traden mit den selben finanziellen Werkzeugen und Produkten, die die Kriese verursacht haben…. Glaubt jemand ernsthaft eine wirklich nach Keynes agierende Volkswirtschaft hätte daraus nicht gelernt und gehandelt?
Aber es wird sich nichts ändern, unsere Politiker haben nicht den Mut die Hand die sie füttert und leitet zu beisen. Der Bürger hat ausserhalb der Wahlen keine Chance etwas zu ändern und schon Tucholsky hat gesagt dass Wahlen nichts bringen, sonst wären sie doch verboten.
Michael,
die flammende Rede gegen den Neoliberalismus (ich wäre mit globalen Verdammungen Marke „Gesindel“ vorsichtig, denn man weiß nie, wen man mit dieser undifferenzierten Verbalinjurie alles trifft – oder wer sich alles angesprochen fühlen könnte …), geht leider am Punkt vorbei.
1. Ich berichte hier von einer Studie, in der für einen Zeitraum von 47 Jahren untersucht wird, in welcher Weise sich Staatsausgaben auf privaten Konsum und Investitionen auswirken. Die Ergebnisse der Studie falsifizieren Hypothesen, die man aus Keynes ableiten kann, was heißt, Keynes‘ Theorie (ich will sein Werk einmal als Theorie bezeichnen) ist zumindest in diesem Punkt falsch, und man kann feststellen, dass staatliche Ausgaben eben NICHT zu einer erhöhten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage führen. Da diese Annahme der Kern der Keynesischen „Theorie“ ist, dürften die Konsequenzen dieses Ergebnisses weiter reichen – aber das ist ein anderer Punkt.
2. Sich darüber zu unterhalten, was Keynes hätte und was er nicht hätte, ist müssig, denn der Konjunktiv zeigt schon, dass keiner von uns es wissen kann… Aber selbst wenn er was auch immer gegeiselt hätte, sehe ich nicht, warum diese persönliche Einschätzung für irgendjemand interessant sein sollte.
3. Das Erbe von Erhard und Müller-Armack ist seit Schiller erledigt, denn Schiller hat die Prämisse der „sozialen“ Marktwirtschaft, den freien Markt, beseitigt und Marktwirtschaft zu einem planbaren Unterfangen machen wollen – damit ist alles, was danach kommt, besser als „the road to serfdom“ beschrieben. Erhard und Müller-Armack haben das „soziale“ ihrer freien Marktwirtschaft darin gesehen, dass man vom erwirtschaftteten Überschuss etwas verteilen kann, bei Erhard in den Bau von Wohnungen für Flüchlinge und bei Müller-Armack in Bildungseinrichtungen. Von einer Umverteilung und sozialistischer Planung sind beide so weit entfernt wie Josef Stalin vom Humanismus.
4. Welche private Investmentbank ist denn als systemrelevant eingestuft worden? Die letzte private Investmentbank ist mit den Lehman Brothers insolvent geworden…
5. Ob Keynes ein Genie war, kann ich nicht beurteilen, aber ich denke, angesichts der vielen Fehler in seiner „General Theory“ wäre er zumindest als verwirrtes Genie einzustufen.
So ist z.B. seine Rezeption von Klassikern nachweislich falsch, was Baumol wie folgt zusammengefasst hat:
„A charitable interpretation of the Keynesian critique might take him to be asserting that the classical premises implied that there could be ‚no obstacle to full employment’ (at least during periods of intermediate length) – even though the classical economists were mistaken in failing to recognize this. But a more plausible conclusion, it seems to me, is that Keynes simply never really studied what Say (and James Mill) had written“ (Baumol, 1999, S.201),
und seine Vorbereitung des Sozialismus lässt auch erhebliche Zweifel an seinem Genius aufkommen:
„I should say that what we want is not no planning, or even less planning, indeed I should say that we almost certainly want more. But the planning should take place in a community in which as many people as possible, both leaders and followers, wholly share your own moral position. Moderate planning will be safe if those carrying it out are rightly oriented in their own minds and hearts to the moral issue” (Keynes, 1980, S.387).
Baumol, William J. (1999). Retrospectives. Say’s Law. Journal of Economic Perspectives 13(1): 195-204.
Keynes, John Maynard (1980). Collected Writings of John Maynard Keynes. Volume 27. Cambridge: Cambridge University Press.
Asche auf mein Haupt. Ich bin selbst nicht besonders begeistet was da im Moment abläuft. Ich seh es sogar äußerst ungern wenn der Staat meint immer mehr Geld dass er nicht hat auszugeben und damit alles sogar nur noch schlimmer macht. Sei es Abwrachprämie die für die Binnennachfrage nach Autos garantiert nicht positiv war (ausser man braucht jetzt ein neues Auto, im Moment sind die Preise wieder gut). Ich meine für die die nach dem Zeitraum der Abwrachprämie kam, ein kurzer Burst und dann ist der Markt erst mal satt.
Ich würde aber dennoch mal gern eine Modell sehen, dass funktioniert. Und ich würde gern mal sehen dass die Banker auch Verantwortung übernehmen für ihr Handeln.
Ich sehe bei den Keynesianern im Moment dass das Problem. Das mit den falschen Werkzeugen gearbeit wird. Als ob man für eine Strahlenerkrankung eine Fiebertherapie anwendet. Gut gemeint, aber sinnlos.