Moderne Unternehmen, big player, Multinationale, globale Unternehmen sind wohl neben Nicht-Regierungsorganisationen diejenigen Akteure, die im Hinblick auf die Anzahl ihrer Niederlassungen die weiteste Verbreitung erdenweit finden. Entsprechend wären multinationale Unternehmen eigentlich der Gegenstand der Erforschung der „Weltkultur“, wären die forschenden Wissenschaftler nicht einer ideologischen Agenda verpflichtet, die von Unternehmen nichts wissen will. Also fülle ich hier einmal eine Lücke, und zwar mit den „globalen“, den aus einem „global mindset“ heraus formulierten Managementkonzepten, die es multinationalen Unternehmen ans Herz legen, doch bitte auf die lokalen oder regionalen Unterschiede Rücksicht zu nehmen, aber dennoch allem und jedem ihren „global brand“ Stempel aufzudrücken.
Und entsprechend wäre es rational, wären Unternehmen darauf bedacht, ihre Kunden mit freundlichen Mitarbeitern zu konfrontieren. Es wäre rational, würden Unternehmen den Einkauf für ihre Kunden zu einem positiven Erlebnis machen. Es wäre rational, hätten die Unternehmen ein Interesse daran, sich als transparente Einheit zu präsentieren, deren Dienst am Kunden leicht nachvollziehbar und durchschaubar zu machen. Und gerade im Zeitalter von Internet und 24/7 Shopping wäre es rational, die entsprechenden Leistungen offen und leicht auffindbar auf den eigenen Seiten zu platzieren.
Sind den ersten bereits Zweifel am Durchdringen der Welt mit „westlicher Rationalität“ gekommen? Wie viele von den Lesern haben schon und ohne Erfolg versucht, die Email-Adresse des Kundendienstes auf einer Internet-Seite herauszufinden (Nein, das ist kein Aufruf für die EU-Kommission, zu regeln… Wo ist eigentlich die Customer Hotline der EU-Kommission, und wer ist für das Customer Relationship Management verantwortlich?) Das ist eine wirkliche Herausforderung und selbst wenn man die Herausforderung meistert, ist man am Ende nicht unbedingt klüger:
Heute sind die beiden Netbooks gekommen, die wir vorgestern bestellt haben. Ein prima Beispiel für schnellen Service von Amazon. Das war der positive Teil. Der negative Teil beginnt mit der Vorinstallation von MS-Office und dem „nur“ einen Klick, um die Vorinstallation in eine funktionsfähige Version von MS-Office zu verwandeln, und zwar durch „einfachen“ Kauf der Version im Internet. Der erste Ärger hat mich überkommen, als ich es nicht geschafft habe, diesen @’#@Internetexplorer dazu zu veranlassen, die gesamte Seite in meinem Ausschnitt zu zeigen und nicht nur 54,7% davon. Als Ergebnis habe ich vergessen, meinen Namen bei der Kreditkarte einzutragen, was dazu geführt hat, dass die Bestellung nicht ausgeführt wurde. Also habe ich den Namen nachgetragen, was aber nichts genutzt hat, denn nunmehr hatte ich vergessen, das Passwort, mit dem ich mich bei Microsoft-Live anmelden muss, weil ich sonst kein MS-Office kaufen kann, brave new world, einzutragen. Also habe ich das Passwort eingetragen. Aber: Wieder nichts. Dieses Mal stört ihn der fehlende Zip-Code, ja, und natürlich merkt er sich auch die Nummer der Kreditkarte nicht. So ging das einige Male hin und her, ich immer mit der Maus am Verschieben des Ausschnitts von Links (Passwort eintragen) nach rechts (Kartennummer eintragen), bis die Bestellung dann „akzeptiert“ wurde – was aber nicht bedeutet, dass die Bestellung ausgeführt wird, wie ich daran gemerkt habe, dass weder ein Product-Key zu sehen noch ein Download ermöglicht wurde – statt dessen die lapidare Mitteilung: Der Auftrag werde vom xy-Team geprüft. HA! Bin ich Kunde oder was. Und überhaupt, man hätte schon gerne gewusst, ob die Bezahlung geklappt hat, deshalb: Email schreiben. Das ist gar nicht so einfach, denn „Support“ gibt es zahlreich, „Email-Support“ nur nach langem Suchen. Die letztlich geschriebene Email wird nach „nur“ rund 10 Minuten beantwortet. Ein netter Mensch von Microsoft aus den USA (ein Hort der westlichen Rationalität), schickt mir eine Email Adresse von hoffentlich einem netten Menschen im UK, der dafür zuständig ist. Ob der Mensch wirklich nett ist, kann ich nicht feststellen, denn die Email-Adresse für Microsoft im UK ist falsch. Die Seite von Microsoft UK ist so organisiert, dass man gar keinen Support per Email findet und mein Ärger mittlerweile so groß, dass mich auch die Registratur bei Microsoft Outlook nicht besänftigt, von der ich nicht einmal wusste, dass ich sie vorgenommen habe. Also ein Anruf bei der Bank, um herauszufinden, was passiert ist. Meine Bank, ebenfalls ein multinationales Unternehmen, hat, wie ich erfahre und weil man Microsoft nicht traut, die entsprechende Überweisung einem Fraud Check unterzogen und nicht ausgeführt. Mein Anruf hat dem Auftrag den Todesstoß versetzt, und ich bin wieder back to square one: mit dem neuen Netbook und mit dem Starter Set für Microsoft Office und seither überlege ich, wie ich es anstelle, die Office zu aktivieren… Vielleicht brauche ich „Support“ in dieser rationalisierten Welt … fragt sich nur, von wem?
Literatur
DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter W. (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.
Meyer, John W. (Hrsg.)(2005). Weltkultur. Wie die westlichen Prinzipien die Welt durchdringen
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