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Moralischer Imperialismus: Wohlfühlpolitik mit wirtschaftszerstörender Wirkung

Als uns vor mehreren Jahren der von John W. Meyer herausgegebene Sammelband „Weltkultur – Wie westliche Prinzipien die Welt durchdringen“ in die Hände gefallen ist, da haben wir nach dem Lesen geschmunzelt, ob der Vorstellung, westliche Rationalität würde zur Leitkultur der Welt – wo bitte gibt es die westliche Rationalität noch?

Der Exportschlager des Westens ist nicht Rationalität, sondern Emotionalität in Form von Wohlfühlpolitik, deren Gegenstand jedoch nicht das Wohlfühlen der Adressaten der Politik ist, sondern das Wohlfühlen der Absender. Die Absender von Wohlfühlpolitik, sie fühlen sich wohl. Sie fühlen sich wohl, weil sie von ihrer Gutheit, ihrer moralischen Überlegenheit, ihrer Gewissheit, dass es das Heil ist, das sie über andere bringen, so überzeugt sind, dass sie sich wohlfühlen.

Gewöhnlich verweisen wir an Stellen wie dieser auf Dietrich Dörner und sein Buch „Die Logik des Misslingens“, in dem er von den vielen wohlmeinenden Menschen berichtet, die mit ihren guten Intensionen Tanaland in Windeseile ruinieren, die Armut und die Mortalität der dort lebenden Bevölkerung maximieren, die rudimentär vor ihren Anstrengungen vorhandene Wirtschaft ruinieren und alles eben zum Schlechteren entwickeln. Zum Glück ist Tanaland eine Computersimulation. Echt sind nur die Gutmenschen, die bar jeder Zweifel an der Überlegenheit des eigenen Glaubens, dem Tanaland ihr Heil aufzwingen, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Gnade, ohne dass sie einen Millimeter Abweichung von ihren Vorgaben erlauben würden.

Das nennen wir moralischen Imperialismus.

Moralischer Imperialismus unterscheidet sich vom Imperialismus des 19. Jahrhunderts darin, dass er jede Menschlichkeit beseitigt hat und stur an Prinzipien entlang funktioniert, Prinzipien, die als Menschenrechte bezeichnet werden.

Diese Menschenrechte wurden von der UN formuliert und kodifiziert, zum Besten, was Menschen passieren kann, erklärt, und nun werden sie durchgesetzt, gnadenlos, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Pluralität, Diversität und individuelle Unterschiede, ohne Bedenken, man könne unbeabsichtigte Folgen produzieren, die für die Begünstigten der Menschenrechte katastrophal wären oder für Andere, die man zu Respekteuren der Menschenrechte erklärt hat und denen man entsprechende teure Auflagen, macht, nicht mehr beherrschbar sind.

Tanaland ist überall, nur nicht in den Köpfen der Gutmenschen, denn dort haben Konzepte wie Irrtum, Zweifel, negative Folgen keinen Platz, dort können sie, kraft geistiger Behinderung nicht gedacht werden.

Die resultierende Denkbehinderung schlägt sich direkt in Plänen, nationalen Plänen nieder, in denen Gutsein verordnet, reguliert und anderen oktroyiert wird. Wenn es um Gutes, um Klimaschutz, Luftverbesserung oder Menschenrechte geht, dann kennt der Gutmensch kein Abwägen, dann wird durchgesetzt, wenn es sein muss mit eiserner Hand und unter Zerstörung der Menschenrechte derer, deren Menschenrechte man gerade nicht schützen will.

Die deutsche Bundesregierung, die nun auch schon seit Jahren Identitätspolitik betreibt, d.h. Gutmenschen-Politik ohne Rücksicht auf die Folgen, hat die Sorge um die Menschenrechte in einen nationalen Aktionsplan gegossen, in dem es u.a. heißt:

„Die Bundesregierung erwartet, dass Unternehmen dennoch ihrer Verantwortung zur menschenrechtlichen Sorgfalt nachkommen und entsprechende Managementinstrumente schaffen und anwenden, die das Risiko, an negativen Auswirkungen beteiligt zu sein, minimieren (vgl. Kapitel III). Denn jedes Unternehmen hat durch seine Geschäftstätigkeit Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf Kunden, Zulieferer, die Umwelt und das wirtschaftliche Umfeld. Auch die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, zu denen sich Deutschland bekennt, fordern Unternehmen auf, im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit im In- und Ausland (einschließlich ihrer Tochterunternehmen) die Menschenrechte zu achten und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten um Mittel und Wege zu bemühen, negative Auswirkungen auf die Menschenrechte zu verhüten oder zu mindern.“

Pläne von Regierungen enthalten heute keine Maßnahmen mehr, um das Leben der eigenen Bürger zu verbessern, ihren Wohlstand zu mehren oder ihre Zufriedenheit zu steigern. Ganz im Gegenteil. Pläne von Regierungen enthalten heute fast ausschließlich Maßnahmen, die das Leben der eigenen Bürger verschlechtern, ihnen höhere Steuern und Abgaben auferlegen, um fiktive Effekte in der Zukunft erzielen zu können oder sich mit dem Zertifikat „In Menschenrechten tätige Regierung“ schmücken zu können, die die eigenen Bürger hintenan stellt, um unbekannten Menschen in Ländern des produzierenden Südens oder in Asien das emotionale Heil zu bringen, das die westliche Politaktivisten-Kultur ihnen auf Kosten der eigenen Bürger verspricht.

Und so hat sich Hubertus Heil auf den Weg gemacht, das Menschenrechts-Heil zu bringen. Und wie immer, wenn unbekannten Menschen in fernen Ländern das Heil gebracht wird, geht es zu Lasten der eigenen und oftmals bekannten Bürger, die die Rechnung zu schultern haben und sich mit regulativem Irrsinn konfrontiert sehen, den man kaum mehr steigern kann.

„Deutsche Unternehmen müssten sicherstellen, dass die Produkte, die sie verkaufen, unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt würden, sagte er der “Rheinischen Post”. So müsse zum Beispiel Kinderarbeit und Zwangsarbeit ausgeschlossen werden.

“Wenn wir nach der Untersuchung im nächsten Jahr feststellen, dass sich weniger als 50 Prozent der größeren deutschen Unternehmen an die sozialen Standards der nachhaltigen Lieferketten halten, wollen wir das gesetzlich vorschreiben”, kündigte Heil an.

Ein deutscher Supermarkt hat im Durchschnitt 10.540 Waren im Angebot, technische Geräte sind dabei unberücksichtigt. Welche Kosten auf die Kunden eines Supermarkts zukommen, wenn ALDI oder EDEKA in Zukunft das Heil von Heil in Form von Menschenrechten bei den Erdbeerpflückern in Ägypten oder bei den Schnittlauch-Schnittern in Kenia kontrollieren müssen, das ist eine Frage, die Herr Heil im Überschwang des Heils, das er der Welt zu bringen bereit ist, noch nicht einmal gedacht hat. So wenig wie er sich gefragt hat, wie ein Smartphone-Verkäufer sicherstellt, dass die 33 Metalle und seltenen Erden, die sein Smartphone enthält, vom Kobalt, Silber und Gold, bis zum Kupfer und Nickel alle unter menschenrechtsfreundlichen Bedingungen abgebaut, verschifft, verarbeitet und eingebaut wurden.

Solche Fragen stellt sich der Heil(and) nicht. Ihm geht es, wie denen, die Tanaland ruinieren, nicht darum, Gutes zu tun, sondern darum, sich als Guter zu inszenieren. Deshalb gehen ihm Stichworte wie Zwangsarbeit und Kinderarbeit so leicht von den Lippen.

Er hat sich noch nie gefragt, ob es Länder, ganze Regionen geben mag, in denen Kindheit als Konzept nicht vorhanden ist, in denen ein 25jähriger nicht mehr als Jungerwachsener gilt, ein 20jähriger nicht mehr als Heranwachsender, in dem ein 13jähriger, der nicht in der Lage ist, sein Auskommen zu erwirtschaften, das Gespött der Gesellschaft ist. Für Heil ist klar: Alle Gesellschaften teilen sein Konzept von Kindheit und Jugend. Es kann keine andere als die deutsche Kindheit und Jugend geben. Wer es anders macht, macht es falsch. Der moralische Imperialismus duldet keinen Widerspruch der moralisch minderwertigen Völker. Sie haben das Verdikt zu akzeptieren. Basta.

Wäre ja noch schöner, wenn Völker, nein „Menschen“, denen man die Menschenrechte schenken will, die westlichen Menschenrechte, aufmucken und bekunden wollten, dass sie andere Vorstellungen von den Rechten der Menschen oder von Beginn, Dauer und Nutzlosigkeit von Kindheit haben.

Auch was Zwangsarbeit ist, das hat sich Hubertus Heil, der Mann mit dem jägerischen Namen, vermutlich noch nie gefragt. Ein deutscher Mensch, der dem Standardnormalmodell gefolgt ist, das das deutsche Leben für ihn vorsieht (inklusive seiner Menschenrechte, sofern er kein Rechter ist), er hat im Alter von 35 Jahren einen Lebenspartner offener sexueller Orientierung (wir sprechen wegen der Menschenrechte und der Diversität nicht mehr vom Ehegatten und meiden aus dem gleichen Grund die Heteronormativität), wenn es nach dem geht, was man im BMFSFJ für richtig hält, hat er sich irgendwie in den Besitz von Kindern gebracht, entweder durch Leihmutterschaft (unter Wahrung der Menschenrechte) oder durch in-vitro Fertilisation (abermals unter strenger Einhaltung der Menschenrechte) oder wie auch immer, hat sein von Steuern befreites Restgehalt in eine Verpflichtung gegenüber einer Bank investiert, die im Gegenzug die Finanzierung eines Hauses gegen Sicherheit einer Hypothek bereitgestellt hat (unter Wahrung der Menschenrechte versteht sich). Er findet sich somit in einer Situation, die ohne seine Arbeit implodiert, denn ohne Arbeit, kein Gehalt, ohne Gehalt keine Zahlung von Zins und Tilgung, ohne Zahlung von Zins und Tilgung kein Eigenheim, ohne Eigenheim Scheidung, bei Scheidung, Kindesentzug und Unterhaltsverpflichtung, bei Zahlungsunfähigkeit, Wohnsitzlosigkeit und Gosse. Ein solcher Mensch findet sich trotz aller Menschenrechte in einer Situation wieder, in der seine Arbeit zum Zwang wird. Doch vom Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Leitlinie für Wirtschaft und Menschenrechte ist er nicht erfasst. Er ist ein heimischer Mensch. Aktionspläne gelten immer für nicht-heimische Menschen, Letzteren wird das Heil gebracht, von Hubertus Heiland und anderen, Erstere müssen dafür bluten und bezahlen, dass Heil und andere Heiland bei Menschen spielen können.

Und wenn ihr nicht willig seid, am Heilsprojekt mitzuarbeiten, dann wird es Gesetz.

Virtue Signalling Source

Gesetze waren früher dazu da, das Zusammenleben in der eigenen Gesellschaft zu regeln, und zwar so, dass die Mehrheit einen Nutzen davon hatte. Heute dienen Gesetze der politischen Kaste der Scheinheiligen dazu, ihre Tugend zu signalisieren, ihre moralische Überlegenheit, virtue signalling heißt das im Englischen, es beschreibt im Kern die Situation, in der schädliche Gesetze erlassen werden, die nicht dazu dienen, das Zusammenleben in einer Gesellschaft zu verbessern, die es – im Gegenteil – erschweren, mit denen sich aber die Gesetzgeber zu moralisch Überlegenen erklären zu können glauben.

Und das glauben sie wirklich, obwohl Tanaland überall ist und Dummheit heutzutage das Auswahlkriterium für politischen Nachwuchs zu sein scheint, ein Schluss, zu dem man kommen muss, angesichts von Politdarstellern, die die deutsche Kernindustrie, die Autoindustrie, an der Exporterfolg und Inlandswachstum gleichermaßen hängen, mutwillig zerstören, die die eigene moralische Eitelkeit über die Prosperität der eigenen Bevölkerung stellen, die jetzt lebende Bürger mit Ablass-Steuern überziehen, durch deren Entrichtung sie sich quasi bei noch nicht Geborenen dafür entschuldigen sollen, dass sie sich erdreistet haben, jetzt gerade zu leben, die sich zu einem moralischen Imperialismus aufschwingen, demgegenüber der Imperialismus des 19. Jahrhunderts ein humanitäres Unterfangen war, denn bei allem Leid, das der traditionelle Imperialismus gebracht hat, er hatte wirtschaftliche Entwicklung, Prosperität und erhöhte Lebensstandards im Ausgangs- und Zielland zum Ergebnisse und häufig ein menschliches Antlitz, eine humane Note.

Heute ist das anders. Heute gelten die Menschenrechte. Heute macht die westliche emotionale Not Pluralität, wie sie zwischen Gesellschaften einst bestanden hat, gnadenlos platt. Wer die Menschenrechte, die in Deutschland gelten, nicht akzeptiert und durchsetzt, wer nicht Hubertus beim Heilbringen hilft, der wird gnadenlos sanktioniert.

Es lebe die Homogenisierung der Welt zu einer moralischen Monokultur, einer moralischen Brache.


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