Sehr geehrter Mann Schulz, so soll es, geht es nach der Initiative für sprachliche Gleichstellung von Frauen und Männern, demnächst in Anschreiben heißen. Und damit auch jeder sich an den Mann anstelle des Herrn hält, beruft sich die Initiative, deren Domain mit: "www.frauenheilweise.de" benannt ist, was man wohl als "Heil für Frauen" verdeutschen muss, auf das "im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigungsgesetz".
Diese sprachliche Symmetrie sei durch die gebräuchlichen Anreden „Herr“ für Männer und „Frau“ für Frauen nicht gegeben. Vielmehr sei Herr vor 1977 die Benennung des Familienoberhaupts, zeichnete im 18. Jahrhundert höher oder besser gestelllte Männer aus, wurde danach ins Bürgertum übernommen und werde seither nicht nur als Anrede für Männer, sondern auch als Anrede für Gott benutzt. Entsprechend sei keine „Gleichwertigkeit und Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ausgedrückt“, wenn erstere im Gott gleichen Status des Herrn angesprochen, Letztere nur als „Frau“ adressiert würden.
Der Vorstoß, der bislang auf wenig bis gar kein öffentliches Interesse gestoßen ist, wurde nunmehr von der „Initiative für alle Existenzformen“ aufgenommen, kritisiert und zur Grundlage eines eigenen Vorschlags gemacht, mit dem alle Asymmetrien aus Anreden in der deutschen Sprache beseitigt werden sollen. Wir haben Alfred Rosenberg und Clementine zu Castell-Rüdenhausen, die beiden Initiatoren der Reformbewegung nach ihren Beweggründen gefragt und die folgende Begründung erhalten.
Mann und Frau, so Rosenberg, seien historisch belastete Begriffe, die zudem nicht modern seien und der kommenden Kontaktaufnahme mit Aliens im Wege stehen könnten. Man könne schließlich nicht davon ausgehen, dass Aliens ein biologisches Geschlecht hätten und müsse von daher eventuelle Ungleichheiten bereits im Vorfeld auschließen. Deshalb habe die Initiative „für alle Existenzformen“ sich in eine dreitägige Klausur begeben und die Mitglieder der Initiative seien zu dem Schluss gekommen, dass die neue Anrede „Sehr geehrtes Existensform“ lauten müsse.
Damit sei auch die Initiative von van Schie, Pusch und anderen obsolet, so Rosenberg. Überdies würden solche Initiativen, wie die von van Schie und Pusch und anderen immer die Frage der Profiteure aufwerfen. „Ich sage es ganz klar“, so Rosenberg, „die Nutzenfunktion ist ungleich verteilt“. An der sprachlichen Gleichstellung von Männern und Frauen verdienten Personen, die vorgäben, wie Pusch dies tut, etwas von Sprache zu verstehen und diese Mimikry mit einer Professur zu untermauern in der Lage seien. Damit seien alle anderen, die nicht das Glück hatten, eine wenig wählerische Berufungskommission vorzufinden, vom Nutznießen ausgeschlossen. Das sei asymmetrisch und nicht hinnehmbar.
Mit „Sehr geehrtes Existenzform“ sei Nutznießen in jeder Form ausgeschlossen, weder Frauen noch Männer könnten mit dem Verweis auf ihr Geschlecht punkten. Geschlecht, das in seiner weiblichen Form wahre Feste des Nutznießens ermögliche, sei ein für alle Mal beseitigt. Die Einsparungen für die Gesellschaft immens. Ich weiß, wovon ich spreche, so Clementine zu Castell-Rüdenhausen, ich war selbst einmal Teil eines Frauennetzwerks.
Auch Rosenberg blickt auf eine bewegte Geschichte und kann aus reichhaltiger Erfahrung schöpfen, Erfahrung, die ihn in die Zukunft und von zukünftigen Gesellschaften schwärmen lässt, Existenzform würdigen Gesellschaften, wie er sagt, Gesellschaften, in denen wahre Gleichheit herrsche, Gleichheit unter gleichen Existenzformen. Natürlich, so Rosenberg, brauche man dennoch eine kleine Elite von höherer Qualität, eine Existenzform über der Existenzform, so zusagen. Die höhere Existenzform müsse entscheiden, was für die niedere Existenzform adäquat sei, nicht nur sprachlich adäquat, da greife die Initiative für sprachliche Gleichstellung viel zu kurz, was kein Wunder sei, denn die Initiatoren hätten eben noch nicht die höhere Bewustseinsebene erreicht, auf der er, Rosenberg, sich bewege.
Bislang, so Rosenberg abschließend, seien jedoch noch alle Versuche, andere Existenzformen zu regulieren und anderen Existenzformen Vorschriften zu machen, nicht nur sprachlich im Heil geendet. Er habe entsprechend keine Bedenken, dass die Initiative für sprachliche Gleichstellung auch diese höhere Ebene der Erleuchtung erreichen werde und sich seiner „Initiative für alle Existenzformen“ anschließen werde.
