Volksverräter und Kartoffelkäfer: Von der Relevanz des Irrelevanten

Es ist wissenschaftlich wirklich interessant. Jährlich seit 1991 trifft sich ein Häuflein von angeblichen Sprachwissenschaftlern, nennt sich Jury und kürt das Unwort des Jahres. Und jährlich wiederholt sich der Auftrieb in den Medien. Kein Medium, das sich nicht mit den in Darmstadt ansässigen Unwort-Umtriebigen gemein macht und deren Mahnung über der Deutschen Wortgebrauch an die versammelte Lesegemeinde und zumeist ohne redaktionelle Mehrarbeit weitergibt.

Welche Theorie man bemühen muss, um zu erklären, wie ein kleines Häuflein von Sprachwissenschaftlern, das sich Jury nennt, es jedes Jahr aufs Neue in die Medien schafft, ist eine Frage, die man nicht einfach beantworten kann. Zunächst fällt uns dazu die alte Theorie des Gatekeepings ein, deren Vertreter der Ansicht sind, Medien hätten eine Auswahlfunktion, d.h. sie würden aus dem Meer der Meldungen, das ihnen täglich auf den Tisch kommt, diejenigen auswählen, von denen sie annehmen, sie würden die Mehrheit der Leser/Seher interessieren.

Das ist eine sehr naive Theorie nimmt sie doch an, Medienvertreter hätten keine eigenen Interessen, die sie bevorzugt Meldungen verbreiten lässt, die diesen eigenen Interessen dienlich sind.

Der Agenda Setting Ansatz, der auf McCombs und Shaw zurückgeht und letztlich je nach Vertreter mehr oder weniger deutlich besagt, dass Medien aus Informationen auswählen und den ausgewählten Informationen durch die Auswahl Aufmerksamkeit und Bedeutung, also Salience zuweisen, scheint hier etwas passender, jedenfalls dann, wenn man annimmt, dass die Auswahl der Informationen durch Medienvertreter auf Basis des Interesses der entsprechenden Medienvertreter getroffen wird.

potthoff-medienwirkungsforschungNehmen wir daher an, dass Interesse und Motivation, die die Unwort-Jury treiben, mit denen der Medienschaffenden übereinstimmen, dass also beide: „sprachkritisch“ sein wollen, allerdings nur gegenüber „Pegida, AfD oder ähnlichen Initiativen“, wie es dieses Jahr in der Unwort-Wahlbegründung der Jury heißt. Ein Blick auf die Unworte der Jahre seit 1991 zeigt, dass die Feinde der Sprachkritik auf drei Begriffe gebracht werden können: Kapitalismus, Rechte und Eigentümer.

Kurz: Die Agenda, die die Jury mit ihrer Unwortwahl setzen will, ist eine sozialistische Agenda. Hier treffen sich die Unwort-Setzer wohl mit den Medienvertretern, deren Agenda eine ähnlich sozialistische zu sein scheint. Zudem wollen die Unwort-Juroren die „Grenzen des öffentlich Sagbaren“ anmahnen. Sie wollen nicht zensieren, nein, nur mahnen und dafür sorgen, dass bestimmte Begriffe nicht mehr verwendet werden oder ein öffentliches Klima schaffen, das die Nutzung der entsprechenden Begriffe nicht mehr erlaubt. Das ist natürlich keine Zensur, eher Sprachdiktatur. Auch hier treffen sich die Unwort-Geber mit den Unwort-Nehmern in den Mainstream Medien, die mit dem Advent des Internets ihre Deutungshoheit haben dahinschwinden sehen und sich mittlerweile mit so garstigen Dingen wie Kritik an ihrer Berichterstattung und Richtigstellung von öffentlich-rechtlichen Falschmeldungen, ganz zu schweigen von Begriffen wie Lügenpresse konfrontiert sehen. Wie gut, dass man mit Hilfe der Unwort-Geber einen Moment der moralischen Hoheit wiedererlangen und sich zum Opfer rechter Gesinnung stilisieren kann. Auch hier treffen die Unwort-Juroren mit ihrer Motivation den Kern dessen, was Medienschaffende zu motivieren scheint.

Und natürlich stehen Medienvertreter immer in der ersten Reihe, wenn es darum geht, „faschistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund“, wie er sich z.B. in der Geschichte der deutschen Autobahnen, die Aufmarschrouten für den Zweiten Weltkrieg waren, darstellt, aufzuzeigen. Und so bekommen wir dieses Jahr das Wort „Volksverräter“ aufgetischt, ein wahrhaft faschistisches und fremdenfeindliches Wort, wenn man der essentialistischen Ansicht ist, der sich die Unwort-Jury angeschlossen hat, dass das Wort Volk nur Blutsverwandte und seit der Schlacht im Teutoburger Wald auch keinerlei Neuankömmlinge mehr umfasst und umfassen kann, dass Volk einmal und immer dasselbe Volk bezeichnet und deshalb alle, die nicht in 10ter Generation einen reindeutschen Vorfahren haben, ausschließt.

Es ist schon erstaunlich, welche Nachwirkungen die Nürnberger Rassengesetze in den Köpfen mancher auch noch im Jahre 2017 haben.

Volksverräter ist also das Unwort des Jahres 2016.

Wir haben es in der Redaktion vernommen und uns zunächst einmal betroffen angeblickt. Denn: In welchen Teilen der Unterwelt sind die Unwort-Geber nur unterwegs, um ausgerechnet auf den Begriff des Volksverräters zu kommen? Um die Irrelevanz des zum Unwort aufgebauschten Begriffs, der im Darmstädter Unwort-Echozimmer wohl hallt und hallt und hallt, aber außerhalb halt nicht, einmal deutlich zu machen, haben wir auf Google Trends nach der Häufigkeit von Suchen nach „Volksverräter“ (blau) gesucht und die entsprechende Häufigkeit mit der Häufigkeit von Suchen nach „Kartoffelkäfer“ (rot) verglichen.

kartoffelkafer

Das Ergebnis ist eindeutig und zeigt: Die Unwort-Geber zeichnen sich durch eine ungesunde Fixierung auf Begriffe aus, die außer ihnen kaum jemand zu benutzen scheint. Insofern sich die Medienschaffenden der öffentlich-rechtlichen und privaten Mainstream-Medien brav in den Dienst der unguten Unwort-Sache gestellt haben, haben sie dazu beigetragen, dass ein Begriff aus den verstaubten Archiven des tausendjährigen Reiches, der ansonsten nur im Echozimmer der Unwort-Geber hallt, eine bundesweite Verbreitung und entsprechende Normalisierung gefunden hat. Wenn es das Ziel war, den Begriff „Volksverräter“ wieder salonfähig zu machen, dann haben die Unwort-Juroren dieses Ziel mit Bravour erreicht.

Deutschland dreht durch: Was, wenn die Irren zur Normalität werden?

Wir haben schon lange keinen Test mehr mit unseren Lesern gemacht. Machen wir doch einmal einen Selbst-Rohrschachtest. Betrachten Sie bitte das folgende Bild und notieren Sie sich alles, was Ihnen dazu eingefallen ist.

nazi-rohrschachtest

Wenn Ihnen zu diesem fast original Rohrschach-Motiv nicht Heil Hitler und auch nicht Heil Hitler und vor allem nicht Heil Hitler eingefallen ist, dann können wir Ihnen für den Moment attestieren, dass sie noch normal sind. Sie gehen noch durch die Welt und sehen, was in der Welt ist, nicht, was ihnen ideologische Spinner zu sehen vorgeben.

Wer das Testbild genau ansieht, sieht ein HH 88. HH 88 bedeutet: HH 88.

Wir hätten auch BB 33 schreiben können oder DD 77, haben uns aber für HH 88 entschieden, weil wir ja testen wollten, wie viele Irre wir unter unseren Lesern haben. Irre, nein sagen wir gepflegt: Manische sehen hier nämlich nicht HH und 88 sondern Heil Hitler und Heil Hitler, denn HH steht in der Welt der Nazi-Manischen nur und ausschließlich für Heil Hitler und 8 steht in der Welt der Nazi-Manischen nur und ausschließlich für den achten Buchstaben im Alphabet also für H, und damit haben wir noch ein HH, das bekanntlich nur Heil Hitler bedeuten kann, für Nazi-Manische jedenfalls.

Nun sind H’s und Achten Zeichen. Das H bezeichnet sich quasi selbst und bedeutet an sich: H … sonst nichts. Ein H kann mit anderen Buchstaben zu Zeichenketten, die Bedeutung tragen, verbunden werden, z.B. zu Heilanstalt. Die 8 symbolisiert eine acht, also acht, acht Mal etwas, acht volle Stunden oder acht Kasten Bier, je nach Präferenz.

Nuts in BedlamWenn man nun HH 88 sieht, dann bedeutet dies zunächst einmal: HH 88, denn die Zeichen transportieren keine Bedeutung. Denn: Es gibt einen Unterschied zwischen Zeichen und Bezeichnetem.

Und weil es diesen Unterschie gibt, deshalb transportieren Zeichen nur sich also H-H-8-8.

Bedeutung ist etwas, das nur aus den Gehirnen von Betrachtern kommen kann. Wenn nun jemand HH 88 sieht, dann muss er dem Gesehenen Bedeutung zuweisen, das Zeichen bezeichnen, also z.B.: Hans Hubert wird 88 Jahre alt oder Hansestadt Hamburg (19)88 denken, an das 1:2 gegen Holland verlorene Halbfinale der Fußball-Europameisterschaften 1988.

Man kann auch schlicht denken, hey: „HH 88!“.

Egal, was man denkt, die Bedeutung kommt immer aus dem Kopf dessen, der sie formuliert. Sie ist nie in den Zeichen vorhanden. Sie muss immer an die Zeichen herangetragen werden.

Deshalb ist es so erschreckend, dass Nazizeichenneurotikern in Deutschland zur Normalität geworden sind; Personen, die nicht HH 88 sondern ein doppeltes Heil Hitler sehen, z.B. wenn sie auf einem Weihnachtsmarkt unterwegs sind.

Waren Sie schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt?

Sicher, waren Sie schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt. Haben Sie dort das Kinderkarussell betrachtet? Ja? Die Kennzeichen auf den Fahrzeugen, die auf dem Kinderkarussell angebracht sind – sind ihnen die Kennzeichen schon einmal aufgefallen?

Einem Eimsbütteler Bürger, der auf dem Weihnachtsmarkt auf dem „Fanny-Mendelsohn-Platz“ war, fallen Kennzeichen auf. HH 88 ist ihm aufgefallen. Montiert auf einem nostalgischen Feuerwehrauto auf einem rund 60 Jahre alten Kinderkarussell, einem Kinderkarussell aus einer Zeit (1957) als Deutsche noch weitgehend normal waren und harmlose Zeichen nicht mit ihren Nazi-Phantasien vollgepackt haben. 60 Jahre später ist das anders. 60 Jahre später wird in unschuldige Zeichen Nazijargon geheimnist. 60 Jahre später bedeutet HH 88 nicht HH 88, sondern ein doppeltes Heil Hitler.

Das ist erschreckend, vor allem erschreckend, weil sich die Symptomatik dieser Nazi-Manie mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches erst voll zu entfalten scheint.

Holen wir einmal etwas aus.
Nehmen wir einmal an, HH 88 sei tatsächlich und nur ein Geheimcode von Nazis. Was soll mit diesem Geheimcode auf dem nostalgischen Feuerwehrauto des Kinderkarussells auf dem Weihnachtsmarkt in Eimsbüttel eigentlich erreicht werden? Haben Sie eine Antwort? Wir haben keine.

Aber offensichtlich ist der besorgte Eimsbütteler Bürger, der den Geheimcode enttarnt hat, davon überzeugt, dass vom Code eine ganz furchtbar gefährliche Wirkung ausgeht, auf Kinder, auf einem Weihnachtsmarkt. Vielleicht denkt er, der Code würde die Kinder zu Heil-Hitler-Kindern und anschließend zu Heil-Hitler-Nazis machen oder dazu führen, dass die Besucher des Weihnachtsmarkts in Eimsbüttel das Horst Wessel Lied anstimmen.

Sowas kann nur ein Irrer denken, denn natürlich hat der Code keinerlei magische Wirkung, und natürlich hat er nicht dazu geführt, dass in Eimsbüttel das Horst-Wessel-Lied gesungen wird, auf dem Weihnachtsmarkt. Nicht einmal vom Kinderchor. Nein, der Geheimcode ist so geheim, dass es von 1957 bis 2016 gedauert hat, bis er entdeckt und entschärft wurde, denn der Karussellbetreiber hat das HH 88 nun entfernt. 

Was ist also die Motivation dahinter, dass ein besorgter Eimsbütteler die Bedeutung, die er in harmlose Symbole interpretiert, als die einzig wahre Bedeutung ausgibt und weil er diese von ihm phantasierte einzig wahre Bedeutung für schrecklich hält, den Betreiber des Kinderkarussells bei den Behörden anschwärzt?

Arendt_totalitarismusDie Antwort hat Hannah Arendt bereits vor etlichen Jahrzehnten mit dem Begriff „Banalität des Bösen“ gegen. Die Banalität des Bösen kann man auch als alltägliche Lust, anderen zu schaden, begreifen, eine Lust, deren Konsequenzen und Ausmaß man in den Würzburger Gestapo Akten nachlesen kann, in denen Robert Gellately eine weitverbreitete Lust zur Denunziation gefunden hat, deren Motiv einfach nur darin bestand, anderen zu schaden und sich selbst bei der Staatsmacht in ein gutes Licht zu stellen. Der besorgte Bürger aus Eimsbüttel dürfte die Motive, die in den Gestapo Akten allgegenwärtig sind, teilen. Warum sonst sollte er einem Karussellbetreiber schaden wollen, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen?

Offensichtlich ist der gute Bürger aus Eimsbüttel der Meinung, er könne sich mit seiner vermeintlichen Wachsamkeit bei Stellen und Personen anbiedern, auf die er großen Wert legt, und sozialen Status dadurch gewinnen, dass er seine Phantasien anderen unterschiebt und dafür sorgt, dass harmlose Buchstaben und Zahlenfolgen nur noch als Nazi-Geheimcode angesehen werden können.

Dazu ist schon ein gerüttelt Maß an Boshaftigkeit notwendig, so wie auch ein gerütteltes Maß an Boshaftigkeit notwendig ist, um zu fordern, dass dem Betreiber eines Karussells, das seit 1957 in Deutschland unterwegs ist und erst im Jahre 2016 den Nazi-Manischen aufgefallen ist, weil die Manie offensichtlich gerade einen Höhepunkt hat, die Konzession gekündigt wird, wie dies Peter Gutzeit von der Linken-Fraktion in Eimsbüttel getan hat.

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, wie ein Lynchmob möglich ist.
In Eimsbüttel können Sie derzeit die kognitiven Voraussetzungen dafür beobachten. Wenn noch Mut dazu kommen würde oder Alkohol oder beides, müsste man den Betreiber des Karussells vor dem Mob der Nazi-Zeichen-Imaginierer beschützen.

Das passiert, wenn man Manische frei herumlaufen lässt.


Hinweise für ScienceFiles?
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Donald Trump: Ich bin ein Pfälzer!

Die USA hatten schon eine ganze Reihe von Präsidenten oder Präsidentschaftskandidaten, die das sind, was man im Englischen „Outspoken“ nennt: Sie sagen ihre Meinung bzw. das, was sie für richtig halten, und nehmen dabei wenig Rücksicht auf psychologische Befindlichkeiten ihrer Zuhörer oder politische Korrektheit: Ronald Reagan war einer dieser Präsidenten, John F. Kennedy ein anderer.

Ein Politiker, der seinem Publikum seine Meinung einfach zumutet und nicht versucht, seinen Zuhörern nach dem Mund zu reden, wird entweder geliebt, oder er wird gehasst. Vor allem in Deutschland hat die entsprechend Urteilsbildung bei vielen nichts mit Rationalität, Gründen und der Anwendung von Überzeugungen zu tun, sondern mit Gefallen, mit Emotionen und sehr oft mit Anpassung an das, was in öffentlich-rechtlichen Medien als korrekte Beurteilung vorgegeben wird [In Zeiten des Widerstands gegen die öffentlich-rechtliche Indoktrination tritt Renitenz an die Stelle von Anpassung].

NYT Donald TrumpWir können das derzeit am Beispiel von Donald Trump gut beobachten. Sofern es zu Donald Trump in öffentlich-rechtlichen Medien jemals eine Beitrag gegeben hat, in dem keine negative Bewertung der Person des Präsidentschaftskandidaten und wahrscheinlich nächsten Präsidenten der USA enthalten war, mögen diejenigen, die den Beitrag kennen, uns bitte darauf hinweisen. Wir kennen nur Beiträge, die zwischen Diffamierung und dem Versuch, Trump lächerlich zu machen, schwanken und denen man die Meinung des Schreibers, seine Abneigung gegenüber Trump, nur zu leicht entnehmen kann.

Worauf derartige emotionale Reaktionen zurückzuführen sind, ist eine Frage, die man in der Regel vor dem Hintergrund der herrschenden Themen in einer Gesellschaft beantworten muss. Deutschland wird derzeit von einer Welle des Irrationalismus durchspült, deren Ziel darin besteht, Kritik generell als Hassrede zu stilisieren und bestimmte Themen jeder kontroversen Diskussion zu entziehen. Wir bezeichnen diese Welle des Irrationalismus auch als Infantilismus, denn nur Kinder sind z.B. der Meinung, Ressourcen seien unbegrenzt, so dass man Flüchtlinge aufnehmen könne, so viel man wolle (für die man in der Regel nicht selbst zahlt, sondern andere die Rechnung schultern lässt), nur Kinder sind der Meinung, dass man Meinungen dadurch beseitigen kann, dass man sie verbietet und nur Kinder versuchen andere, deren Meinung ihnen nicht gefällt, mit physischen oder sonstigen Drohgebärden ins Bockshorn zu jagen.

Politiker die keine Rücksicht auf diesen Infantilismus nehmen und Probleme pointiert und zuweilen auch polarisierend ansprechen, sind folglich in der Gemeinde der Kinder nicht gerne gesehen. Donald Trump ist ein solcher Politiker.

John F. Kennedy war auch ein solcher Politiker. Er hat sich in einer Zeit, zu der in Deutschland und in anderen Ländern die Entscheidung darüber, ob Kapitalismus oder Kommunismus das bessere Gesellschaftssystem ist, eindeutig für die Freiheit, die es nur im Kapitalismus gibt, positioniert. Und siehe da, die Berliner, die zum einen vor Augen hatten, was Kommunismus bedeutet und zum anderen die Errungenschaften des Kommunismus aus eigener Anschauung kannten, sie haben Kennedy zugejubelt. Damals war der Zeitgeist auf Freiheit ausgerichtet:

ich-bin-ein-berliner1“There are many people in the world who really don’t understand, or say they don’t, what is the great issue between the free world and the Communist world. Let them come to Berlin.

There are some who say that Communism is the wave of the future. Let them come to Berlin.

And there are some who say in Europe and elsewhere we can work with the Communists. Let them come to Berlin.

And there are even a few who say that it is true that Communism is an evil system, but it permits us to make economic progress. Lass‘ sie nach Berlin kommen. Let them come to Berlin.

All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words „Ich bin ein Berliner“.

Freedom has many difficulties and democracy is not perfect, but we have never had to put a wall up to keep our people in, to prevent them from leaving us.”

Ob man Kennedy heute noch zujubeln würde? Vermutlich nicht, denn im Gegensatz zum Beginn der 1960er ist der Zeitgeist im heutigen Deutschland, jedenfalls soweit ihn die öffentlichen Medien tragen, ein sozialistischer, einer, der Gleichstellung höher bewertet als Leistung, einer, der Minderheiten vor die Mehrheit stellt und einer, der Übergriffe auf Bürger befürwortet, sofern die Bürger von dem abweichen, was von denen, die den entsprechenden Zeitgeist reiten, für richtig befunden wird.

Der neue Zeitgeist ist ein neuer Totalitarismus, ein Geist, der Mauern baut, keiner, der sich über die Freiheit freut, die Demokratie und Kapitalismus bieten, schlimmer: Ein Zeitgeist der diejenigen bekämpft, die Freiheit lieben und sich für die Freiheit einsetzen und die ihre Freiheit nutzen, um ihre Meinung zu sagen, unmissverständlich zu sagen, wie Donald Trump, der von seinen Gegnern zu einem stilisiert werden soll, der nicht ernst zu nehmen ist, in dem, was er sagt, um auf diese Weise die freie Äußerung von abweichenden Meinungen mit Debilität zu verbinden und zu diskreditieren.

Entsprechend könnte man Trump aus formaler Sicht zu einem Fanal für die Freiheit aufbauen, da er auch bei starkem medialen Gegenwind seine Meinung in der ihm eigenen deutlichen Weise sagt.

kallstadtWir haben uns schon seit einiger Zeit gewundert, wie es im 21. Jahrhundert sein kann, dass ein Politiker unverblümt seine Meinung sagt. Ein solcher Politiker kann nur ein Quereinsteiger sein, das ist klar. Die Zwänge, die in Parteien herrschen, sorgen dafür, dass nur diejenigen erfolgreich sind, die ihre Meinung in alle Richtungen biegen und an alle Gegebenheiten anpassen können. Aber der Quereinstieg ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend als Bedingung, es bedarf noch einer bestimmten Persönlichkeit, die den Quereinsteiger befähigt, er selbst zu sein, in Wort und Tat.

Wo findet man derartige Persönlichkeiten in Deutschland. In der Pfalz. Trump ist ein ideeller Pfälzer, aber nicht nur das: er ist ein Pfälzer qua Abstammung:

Wir schreiben das Jahr 1885: Friedrich Trump und Elizabeth Trump geborene Christ machen sich von Hamburg aus auf den Weg in die neue Welt, um dort ihr Glück zu suchen. Beide stammen aus Kallstadt in der Nähe von Bad Dürkheim und beide sind dafür verantwortlich, dass Donald Trump am 14. Juni 1946 in New York geboren wird, denn Friedrich und Elizabeth Trump sind seine Großeltern. Die Südliche Weinstraße, sie reicht bis in die USA des Jahres 2016, und wer weiß, vielleicht wird Trump ja demnächst feststellen: „Ich bin ein Pfälzer“, und zwar mit Recht, denn die meisten Pfälzer machen aus ihrer Meinung ebenso wenig ein Geheimnis wie Trump, und wäm’s nid bassd, der kann sisch aen Staegge dezu stegge.


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Die Gutmenschen des Jahres 2015

Kennen Sie:

Prof. Dr. Nina Janich (Sprecherin); Stephan Hebel, Dr. Kersten Sven Roth, Prof. Dr. Jürgen Schiewe und Prof. Dr. Martin Wengeler?

Nein?

Dann wird es Zeit, denn die fünf Mitglieder der Unwort-Jury wurden von den Jurymitgliedern der eigens ins Leben gerufenen ScienceFiles „Gutmensch-des-Jahres-Jury“ zu Gutmenschen des Jahres 2015 gewählt.

Die fünf Mitglieder der Jury „Unwort des Jahres“, so lautet es in der Begründung der ScienceFiles-Jury, setzen sich seit Jahren und vollkommen wirkungslos dafür ein, Sprachhygiene zu betreiben und Worte, die der Jury nicht gefallen, zu ächten und aus dem Wortschatz des guten, braven und politisch-korrekten Deutschen zu streichen.

So hat sich die Unwort-Jury bereits im Jahre 2011 bemüht, das Wort „Gutmensch“ aus dem deutschen Sprachschatz zu tilgen, damals mit der folgenden Begründung:

darwin-great„Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationale Diskussionen gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.“

Die gerügte Weise der deskriptiven Beschreibung einer bestimmten Gattung Mensch, nämlich solcher, die andere mit ihrem guten Tunwollen verfolgen und zum richtigen politisch-korrekten Dasein reformieren oder missionieren wollen, hat natürlich nichts mit einer Abqualifizierung zu tun, denn der deskriptive Gebrauch des Begriffs „Gutmensch“ zur Bezeichnung derer, die sich im warm glow ihrer eigenen Gutheit sonnen wollen, hat mit Bewertung nichts zu tun.

Vielmehr werden Bewertungen wie „in hämischer Weise“, „abzuqualifizieren“ oder „in diffamierender Absicht“ von der Unwort-Juri in hämischer Weise an die Benutzer des Begriffs „Gutmensch“ herangetragen, um diese in diffamierender Absicht abzuqualifizieren. Hätte die Unwort-Jury nicht diese Absicht, sie hätte die Definitionen, die dem Begriff „Gutmensch“ und damit auch seinem Gebrauch zu Grunde liegen, sicher gewürdigt und nicht in Bausch und Bogen alle, die den Begriff benutzen, über den ihr genehmen Kamm geschoren.

Entsprechend ist sich die ScienceFiles-Jury darin einig, dass dem Gutmenschentum der Unwort-Jury in all seiner Selbstprofilierung und Selbstbeweihräucherung Rechnung getragen werden muss, wenngleich wir erst durch die neuerliche Unwort-Wahl der Unwort-Jury zu dem Schluss gekommen sind, dass die Unwort-Jury nun den Titel Gutmenschen des Jahres 2015 redlich verdient hat, denn: Die Unwort-Jury hat sich nicht vom vollkommenen Misserfolg des Jahres 2011 entmutigen lassen und ist weiter den Weg der Sprachmissionierung sprachlicher Unwort-Verwender geschritten.

Gutmensch des JahresNun im Jahr 2015 hat die Jury die einmalige Möglichkeit, den Begriff „Gutmensch“ abermals zum Unwort zu erklären und ihn nunmehr mit Flüchtlingen in Verbindung zu bringen und ihn auf die Unterstellung, er sei nur dazu da, „Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd“ zu „beschimpfen“, reduziert, und zwar ohne sich mit den Argumenten derer, die von Gutmenschen sprechen, auseinanderzusetzen. Diese Form der Pauschalisierung einer Begriffsverwendung, die einerseits im Widerspruch zur Pauschalisierung des Wortes durch die Unwort-Jury aus dem Jahre 2011 steht, anderseits zeigt, dass die Unwort-Jury es wirklich mit ihrem Missionarstum ernst meint und, wenn der Begriff „Gutmenschen“ nun nach dem neuerlichen Unwort-Angriff weiterhin Verwendung findet, vermutlich im Jahre 2019 abermals auf das Wort „Gutmensch“ zugreifen wird, um abermals mit neuer und widersprüchlicher Begründung ihr immerselbes Anliegen durchzusetzen.

Warum ist die Unwort-Jury so akribisch damit beschäftigt, eine Diskussion über den Begriff „Gutmensch“, seine Definition und Verwendung zu verhindern und will ihn statt dessen aus dem Sprachgebrauch tilgen?

Wir wissen es nicht. Es sind halt Gutmenschen, die gutes tun wollen, wenn sie auch nicht wissen, warum und wozu. Und deshalb gebührt ihnen der Titel:

Gutmenschen des Jahres 2015!

Denn nur an solchen Gutmenschen wie der Unwort-Jury kann eine Demokratie wirkungsvoll (und natürlich nachhaltig) zu Grunde gehen.

 

Forschung zu Gutmenschen:

 

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Freiheit, Gleichheit, Gleichwertigkeit: Die Neusprech neuer deutscher Medienmacher

Matthias Mala hat uns auf einen Beitrag hingewiesen, der bei Roland Tichy erschienen ist. Dort setzt sich Hugo Müller-Vogg mit den Neuen Deutschen Medienmachern auseinander. Die Neuen Deutschen Medienmacher nennen sich wirklich so und sind angetreten, die Sprache in Medien zu standardisieren, zu vereinheitlichen, in politisch korrektes Deutsch zu übersetzen.

Ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt, es handelt sich vorwiegend um Journalisten mit Migrationshintergrund, die angetreten sind, an der Tatsache, dass die Vielzahl der Personen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland lebt, in keinem Verhältnis zu ihrer öffentlichen Repräsentation steht, etwas zu ändern, zunächst in ihrem Bereich des Journalismus.

Ein löbliches Unterfangen.

Leider haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher beim Versuch, ihr Ansinnen umzusetzen, in schlechte Gesellschaft begeben und sind nun instrumentalisiert worden, instrumentalisiert, um politisch korrektes Neusprech in Medien zu verankern und einem Sprachpluralismus den Garaus zu machen.

Schmuddelkinder

Das ist die wohlwollende Interpretation des Auftauchens der Neuen Deutschen Medienmacher.

Die nicht so wohlwollende Interpretation geht wie folgt: Wenn man eine Gesellschaft sprachlich gleichschalten will und nur noch die Begriffe in einer Neusprech zulassen will, die die Prüfung „politisch korrekt“ bestanden haben und als zertifizierte Worthülsen ohne abweichenden Charakter und ohne den Keim von Veränderung freigegeben worden sind, dann bietet es sich an, eine gesellschaftliche Gruppe vorzuschicken, die – wenn überhaupt – zurückhaltend kritisiert wird. Juden hätten sich hier angeboten, denn jeder, der in Deutschland Personen jüdischen Glaubens kritisiert, begibt sich in die Gefahr zum Antisemitisten erklärt zu werden. Aber eine Gruppe jüdischer Neuer Deutscher Medienmacher wäre im Hinblick auf den Gegenstand der Neuen Deutschen Medienmacher verfehlt, da man z.B. im Hinblick auf Islam und Islamismus, ein Kapitel dessen sprachliche Behandlung den Medienmachern ganz besonders am Herzen liegt, etwas irritiert darauf reagieren würde. Die nächstbeste Gruppe sind Deutsche mit Migrationshintergrund, die man vorschicken kann, um die schmutzige Arbeit der sprachlichen Gleichschaltung für die, die dahinter stehen, zu machen.

Was die Frage aufwirft, wer steht dahinter?

Es sind „the usual suspects“, wie ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt:

NDMedienmacher

Um politisch korrektes Neusprech in den Medien zu verankern, um die sprachliche Gleichschaltung von Medien zu erwirken, haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher nicht nur vor den Karren entsprechender Interessenvertreter spannen lassen (oder es wurden extra Willige rekrutiert, um diesen Karren zu ziehen), sie haben auch ein Glossar entwickelt, in dem die richtige, die politisch korrekte Benutzung von Begriffen, wie sie ein guter einheimischer oder „mehrheimischer“ Journalist, wie die im Text zu findende korrekte Bezeichnung für „Eingewanderte“ lautet, auswendig lernt und verwendet.

Es ist an sich schon eine bemerkenswerte Angelegenheit, dass sich Institutionen, wie z.B. die Amadeu-Antonio-Stiftung, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, aufschwingen, ein Glossar der korrekten Sprache zur Verwendung in Medien zu schreiben (bzw. im Falle der Amadeu-Antonio-Stiftung: zu finanzieren (aus Steuergeldern versteht sich)), es wird unglaublich, wenn man den Inhalt der Neusprech genauer betrachtet.

Neue deutsche MedienmacherWir haben uns auf das Kapitel „Kriminalitätsberichterstattung“ beschränkt und die darin zusammengefassten „Formulierungshilfen“ der Neusprech betrachtet. Neben einem Bias dahingehend, dass Kriminalität bei den Neuen Deutschen Medienmachern vornehmlich aus Blutrache, Ehrenmord, Rechtsextremismus und Hasskriminalität besteht und somit aus Marginalien im 0,001% Bereich der Polizeilichen Kriminalstatistik, die nach wie vor von Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung, ganz zu schweigen von Verkehrsdelikten beherrscht wird, sind uns zwei Dinge besonders negativ ausgestoßen:

Dass das „Glossar der Neuen deutschen Medienmacher“, dass „die Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ einen extremen ideologischen Stallgeruch absondern, dass sie sich entsprechend als ideologischer Versuch der Einflussnahme auf die Art und Weise der Berichterstattung diskreditieren, wird spätestens da deutlich, wo von „subtileren Codes“ die Rede, ist „subtilere Codes“, die man nicht benennen kann und die entsprechend nicht von Einbildung unterscheidbar sind, die aber dennoch „Formen des Rechtsextremismus“ sind, die es „in der Mitte der Gesellschaft gibt“, denn auch in der Mitte der Gesellschaft gibt es „Menschen mit rechtsextremer und/oder neonazistischer Gesinnung“ (24).

Die neuen deutschen Medienmacher sind also angetreten, die politikwissenschaftliche Forschung der letzten 50 Jahre  zum Unsinn zu erklären, die politische Farbenlehre dahingehend umzugestalten, dass braun bereits in der Mitte der Gesellschaft beginnt und entsprechend nur rot, alles, was sich links von der Mitte befindet, den ideologischen Lackmustest besteht und als unbedenklich gelten kann. Es ist schade, dass sich Journalisten mit Migrationshintergrund in ihrem Bemühen, dazu zu gehören, vor einen so schäbigen Karren spannen lassen.

Der seit einiger Zeit zu beobachtende Versuch, die Gesellschaft in gute Linke und in alle anderen, jedenfalls aber nicht gute bzw. nicht als unbedenklich geltende Nicht-Linke zu differenzieren, ein Versuch, zu dem Leipziger Wissenschaftler mit einer unterirdisch schlechten Studie die Munition geliefert haben, die steuerzahlerfinanzierte Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung nun in Richtung Mitte der Gesellschaft verschießen, wobei sie genau die anvisieren, die sie finanzieren, gehört mit zu den bedenklichsten Formen der Brunnenvergiftung, die derzeit zu beobachten ist.

Aber es ist nicht der einzige Versuch. Ein weiterer Versuch besteht darin, unter der Hand den Begriff der Gleichwertigkeit einzuführen und in eine Reihe mit Gleichberechtigung zu stellen. Und damit auch klar ist, dass Gleichwertigkeit sakrosankt ist, wird Rechtsextremismus als „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ bezeichnet (24), und es werden „Ideologien der Ungleichwertigkeit als „Weltanschauungen, in denen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen grundlegend abgelehnt werden“ (23) definiert.

Nun gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Ersteres ist ein objektives Prinzip, Letzteres eine subjektive Behauptung.

Gerechtigkeit beschreibt ein Equitätsprinzip, in dessen Kern Fairness steht. Gerechtigkeit ist dann gegeben, wenn jeder die seiner Leistung angemessene Auszahlung erhält. Wer mehr leistet, der erhält auch eine höhere Auszahlung. Wer mehr leistet, der hat entsprechend im Hinblick auf die Leistung mehr Wert, er ist mehrwertig im Vergleich zu Personen mit geringerer Leistung.

Zu behaupten, dass Menschen gleichwertig seien, kommt entsprechend einer vollständigen Verleugnung von Leistung gleich und negiert somit jede Anstrengung, die ein Mensch im Verlauf seines Lebens unternommen hat. Ein Nobelpreisträger für Physik ist mit einem Professor für Genderforschung gleichwertig, ein Straftäter mit seinem Richter, ein alter Mensch, der sein Leben lang gearbeitet hat, mit den Neugeborenen, ein psychisch Gestörter  mit seinem Irrenarzt, ein Faulenzer mit einem Strebsamen usw.

Menschen sind entsprechend nicht gleichwertig. Sie sind gleich geboren, aber sie entwickeln sich unterschiedlich und je nach Art und Umfang der Investitionen in sich, sind sie in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens schlicht mehr wert als andere. Wer das nicht glaubt, der möge sein Verhalten an seinen Behauptungen ausrichten und z.B. nach einem Unfall keinen Arzt rufen, denn es genügt die Hausfrau von nebenan, mit der Versorgung des gebrochenen Beines zu beauftragen, denn sicherlich ist sie dem Arzt in allem gleichwertig.

Wenn Gleichwertigkeit ein dermaßen offensichtlicher Unsinn ist, wieso findet er sich dann im Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher? Offensichtlich gibt es Gruppen, die sich einen Vorteil davon versprechen, Gleichwertigkeit als Prinzip zu etablieren, wohlwissend, dass man die Gleichwertigkeit bestimmen muss, wie dies bereits im Zusammenhang mit der Bevorzugung von Frauen der Fall ist. Hier wird nicht mehr gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sondern gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Was gleichwertige Arbeit ist, wird natürlich von denselben Interessenvertretern bestimmt, die den Begriff der Gleichwertigkeit eingeführt haben: Hausarbeit, also die normalen Verrichtungen im Haushalt werden entsprechend zu gleichwertiger Arbeit, die mit einer produktiven Tätigkeit in der Industrie gleichgesetzt werden soll.

Gleichwertigkeit öffnet so die Büchse der Pandora, die Büchse der Willkür, denn mit der Behauptung, Menschen wären ungeachtet ihrer Anstrengungen und ihrer Kompetenzen gleichwertig, wird nicht nur jede Leistung von Menschen in Frage gestellt, deren Anerkennung verweigert, es wird auch deutlich, wer sich als Mitglied der Neuen Deutschen Medienmachergesellschaft diskreditiert hat: Alle diejenigen nämlich, die darauf beharren, dass ein Mensch, der etwas leistet, mehr Wert hat als ein Mensch, der nur nimmt. Alle diejenigen, die eine Gesellschaft wünschen, in der Leistung belohnt wird, deren erstes Interesse darin besteht, sich und nicht nutznießende Interessenvertreter durch eigene Leistung zu belohnen. Aber für derartige Menschen hat man im Neusprech-Glossar auch schon eine Kategorie vorgesehen: Sie sind die Rechtsextremen, die Mitte der Gesellschaft, die – wie man früher gesagt hat – Stützen der Gesellschaft.

Obwohl einem, angesichts solcher Machwerke der Humor im Hals stecken bleiben kann, wollen wir diesen Post mit einer humoresken Einlage von Seite 24 des Glossars der Neuen Deutschen Medienmacher abschließen.

Dort steht:

„Opfer _ ist in der Kriminaliätsberichterstattung gängig als Bezeichnung für Betroffene von Diskriminierung oder Gewalt. Mit dem Begriff werden allerdings Eigenschaften wie Hilflosigkeit oder
Versagen assoziiert. Eine sinnvolle Alternative ist: Betroffene.“

Wenn sie demnächst von Unfallbetroffenen und Mordbetroffenen lesen und sich fragen, ob ein Unfallbetroffener nun ein Zuschauer am Wegrand ist, der betroffen ist, ob dessen, was er sieht oder ob der Mordbetroffene der Erbe des Ermordeten ist, dann wissen sie, wem sie diesen neuen deutschen Unsinn zu verdanken haben, dessen vermutlich betroffenes Opfer sie gerade geworden sind.

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ZEIT der Falschbehauptungen: „Neger“ an sich ist eben nicht strafbar!

Joachim Herrmann hat Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger“ genannt, und der Sturm der gutmenschlichen Entrüstung, er ist über den Innenminister der Bajuwaren hereingebrochen: Joachim Herrmann äußert sich rassistisch über Roberto Blanco, so titelt die ZEIT, das Blatt des intellektuellen Niedergangs und schreibt:

Roberto_Blanco_2008„Das Wort „Neger“ ist abwertend und rassistisch. Es gilt als Beleidigung, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. So etwa im vergangenen Jahr, als ein Gericht in Bayern einen Rentner für die Verwendung des Wortes zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro verurteilt hat.“

Es gibt also böse Nomen, Nomen, die lediglich aus einem affektiven Gehalt bestehen. Idiot ist demnach ein normativer Begriff, und es ist ausgeschlossen, dass der so Bezeichnete ein Idiot ist – jedenfalls bei der ZEIT. Für Geisteskranke gilt vermutlich dasselbe und für Neger sowieso. Sie sind als Begriff schlecht, essentiell schlecht, verweisen auf eine Schlechtigkeit, die der Dämon der Schlechtigkeit in sie gepackt hat, derselbe Dämon, der sich nun diebisch freut, wann immer eines seiner Worte verwendet wird.

Bei der ZEIT lebt man offensichtlich gemeinsam mit Jörg Rupp in der Vor-Renaissance.

Zum Beleg der Behauptung, dass schon die Verwendung des Begriffs „Neger“ strafbar sei, weil der Begriff eben essentiell böse und „abwertend“ sei, verweist man bei der ZEIT auf ein Urteil aus Bayern. Der vermeintliche Beleg findet sich auf „Nordbayern.de“ (dem Portal der Nürnberger Nachrichten). Unter der Überschrift „Neger als Schimpfwort kostet 1800 Euro“ findet sich ein wirrer Beitrag, dem man mit etwas Mühe entnehmen kann, dass ein Rentner per Strafbefehl zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er „Scheiß Amerikaner“ und „Neger“ gesagt haben soll.

Welche Rolle „Neger“ dabei gespielt hat, ob „Neger“ wie „Scheiß Amerikaner“ bewertet wurde und vor allem: Welche Rolle der Kontext, in dem Neger gesagt wurde, dabei gespielt hat, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Aber mehr als die Überschrift werden die Mannen bei der ZEIT sowieso nicht gelesen haben.

Wie verhält es sich aber mit der Strafbarkeit der Verwendung des Begriffes „Neger“. Wir haben nachgefragt, bei Jens Kaden, seines Zeichens Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer des Landgerichts Leipzig.

Hier seine Antwort:

landgericht-leipzig„Es soll immer noch Leute geben, die etwa beim Vorlesen von Kinderbüchern (Bsp. „Pippi Langstrumpf“ oder „Struwwelpeter“) die dort verwendeten Begriffe „Negerkönig“ oder „Mohr“ nicht in die politisch korrekten Begriffe „Südseekönig“ oder „Schwarzafrikaner“ umwandeln – und die dürften sich schon deshalb nicht strafbar machen, weil es an subjektiven Tatbestandsmerkmalen fehlt.

Spontan würden mir in strafrechtlich relevantem Zusammenhang mit der Verwendung des Wortes „Neger“ in der Öffentlichkeit die §§ 130 (Volksverhetzung) und 185 (Beleidigung) StGB einfallen – nur müsste subjektiv dann eben der Wille zur Hassaufstachelung bzw. böswilligen Verächtlichmachung oder für die Beleidigung zur ehrverletzenden Kundgabe von Missachtung hinzutreten.

Wenn also jemand Roberto Blanco gut kennt und ihn in der von Ihnen benannten Weise flapsig anspricht, dürfte dies keiner Norm des StGB unterfallen [Wir haben Jens Kaden gefragt ob „Na Roberto, alter Neger“, eine Beleidigung darstellt]. Wenn im Laufe der aktuellen Kampagne gegen Herrn Hermann dann auch noch bekannt würde, dass Roberto Blanco selbst in der Vergangenheit mit diesem Begriff „Neger“ oder seiner Hautfarbe als Wiedererkennungsfaktor hausieren gegangen wäre (vgl. etwa die Wahl seines Künstlernamens), relativiert sich die Aufregung hinsichtlich dieser speziellen Person weiter.

Es kommt mithin auf den Kontext an, in welchem die Äußerung fällt – und das ist nicht nur bei diesem Wort so. [Hervorhebung durch uns]“

Kurz: Der Begriff „Neger“ gilt nicht, wie die ZEIT behauptet, per se als Beleidigung und der Begriff ist auch nicht essentiell abwertend, wie das Blatt weiter behauptet. Es mag dem verantwortlichen Redakteur und seiner Vorstellung von Sprachreinheit nicht passen, aber (1) sind Begriffe nicht mehr als die Bedeutung, die sie tragen, Neger trägt die Bedeutung „schwarzer Mensch“. (2) Sind alle Bewertungen Bewertungen, die im Kopf dessen entstehen, der sie vornimmt. Wer als Neger als abwertend und rassistisch bewertet, der muss denken, dass Neger als solche keine vollwertigen Menschen sind, weshalb man sie nicht mit dem Begriff „Neger“ bezeichnen darf, um sich nicht zu verraten.

Wer also ist hier der Rassist?

Anatol Stefanowitsch und der neue Untermensch

Der Essentialismus lebt!

Der neue Untermensch ist ungebildet, arm, asozial und gesellschaftlich wertlos. Er ist Pack. Wer entsprechend armes, asoziales und gesellschaftlich wertloses Pack ist, der ist das ein und für alle Mal, denn ansonsten wäre er nicht Pack, sondern Mob. Arme, gesellschaftlich wertlose und asoziale Packangehörige sind essentiell Pack, d.h., was auch immer sie tun, sie bleiben Pack, arm, asozial, gesellschaftlich wertlos.

FU BErlinDas schreibt einer, der es wissen muss. Er unterrichtet an der FU-Berlin ein Fach, das kaum jemand braucht (englische Philologie) und bildet darin Studenten aus, die kaum jemand braucht. Das ist der Ausweis an Kompetenz, der notwendig ist, um den folgenden Essentialismus im Originalton abzusondern. Ob es sich dabei um eine Hassrede handelt, das muss letztlich ein Staatsanwalt klären.

Für uns reicht es, dass es offensichtlich wieder möglich ist, einen pompösen und apodiktischen Essentialismus an deutschen Universitäten zu vertreiben, der Schopenhauer zum Wutausbruch, Hegel zur Freude und diejenigen, die sowieso der Meinung sind, andere seinen per Geburt entweder Pack, also naturgegebener Ausschuss oder Mob, also zeitweise weggetrieben, zu Beifall anreizen wird.

Anatol Stefanowitsch, seines Zeichens ein verbeamteter Professor an der FU-Berlin: „Was auch immer „analytisch“ hier für Sie bedeutet — selbstverständlich ist es NICHT egal, ob man das Wort rassistisch vor das Wort Pack oder das Wort Mob stellt (vor das Wort Pack hat es ohnehin niemand gestellt, aber tun wir des Arguments halber so).

Stefanowitsch im OriginalMob bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die nicht durch eine gemeinsame Eigenschaft charakterisiert ist, sondern durch ihr Verhalten. Wenn der Mob nach Hause geht, ist er kein Mob mehr. Ein „rassistischer Mob“ ist eine Menschenmenge, die sich rassistisch verhält — ungefähr so, wie diejenigen, die Flüchtlinge und ihre Unterkünfte verbal und physisch angreifen [Stefanowitsch meint nicht „ungefähr so“, sondern zum Beispiel].

Pack bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die aus Sicht des Sprechers durch gemeinsame Eigenschaften charakterisiert ist — ungebildet, arm, asozial, gesellschaftlich wertlos. Pack bleibt auch dann Pack, wenn es nach Hause geht, oder gleich zu Hause bleibt. Wer Rassisten als „Pack“ bezeichnet, sagt damit erstens, dass es eine inhärent ungebildete, arme und deshalb wertlose Schicht gibt, und zweitens, dass Rassismus für diese Gruppe typisch [hier fehlt ein ist] und deshalb mit dem Rest der Gesellschaft nichts zu tun hat.“

Ob die Menge derer, die sich an Universitäten herumdrücken und diejenigen, die Pack sind, tatsächlich gegenseitig ausschließlich sind, wie Stefanowitsch hier festschreiben will, ist eine empirische Frage.

In jedem Fall ist es gut, dass die Armen, Asozialen, gesellschaftlich Wertlosen, die über ihre Steuern die armen, asozialen, sich aber für gesellschaftlich wertvoll haltenden Pseudo-Intellektuellen finanzieren, nicht auf Worte wie „Pack“ kommen und sich entsprechend nicht fragen können, was für ein Pack (oder war es ein Mob?), sie da finanzieren.

Berliner Professor: Wer nicht links ist, ist rassistisches Pack

Anatol Stefanowitsch, der an der Freien Universität als Universitätsprofessor am Institut für englische Philologie verbeamtet ist, hat eine bemerkenswerte sprachliche Klärung dreier Begrifflichkeiten durchgeführt, in Deutsch, nicht in Englisch.

Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte, das sind die drei Begriffe, die Stefanowitsch, für sich und alle, die seine Weltanschauung teilen, klärt. Das tut er nicht auf Basis von Argumenten, sondern auf der Grundlage seiner Ideologie, der einzig richtigen und anständigen Ideologie, die nicht zum Pack qualifiziert: der linken Ideologie, wie sie Stefanowitsch fasst.

SF_Rassismus_coverSeine bemerkenswerten und ausschließlich auf „wie-ihm-die-Welt-vorkommt“-Behauptungen basierenden Ausführungen, die kaum vermuten lassen, dass Stefanowitsch auch nur entfernt etwas mit Wissenschaft zu tun hat, sie beginnen mit der verunsicherten Mitte, einem Begriff, den er vermutlich aus Unkenntnis Sigmar Gabriel zuschreibt. Gabriel habe die verunsicherte Mitte ins Spiel gebracht, um das Bürgertum vom Vorwurf des Rassismus zu retten, so Stefanowitsch.

Tatsächlich hat der Begriff der „verunsicherten Mitte“ eine gewisse sozialwissenschaftliche Geschichte seit er 2008 von Martin Kronauer in den WSI-Mitteilungen der Hans-Böckler-Stiftung genutzt wurde. Seither geistert der Begriff durch linke Publikationen, und nun hat ihn Gabriel aufgeschnappt. Ins Spiel, wie Stefanowitsch kraft fehlender Kenntnis meint, hat Gabriel den Begriff nicht gebracht. Denn im Spiel befindert er sich seit rund 8 Jahren.

Interessant ist jedoch, was Stefanowitsch im Zusammenhang mit dem von ihm nicht gemochten Begriff der „verunsicherten Mitte“ schreibt, nämlich:

„Passt nicht zu einer Wirklichkeit in der sich Menschen, die eigentlich nur anständig sind, vermehrt die Frage stellen, ob sie das vielleicht nicht doch eher zu Linken macht. Passt auch nicht zu einer Wirklichkeit, in der linke Chaoten oft die ersten, und manchmal leider auch die einzigen sind, die sich der verunsicherten Mitte in den Weg stellen, wenn diese den Flüchtlingen ihre Asylkritik demonstrieren wollen.“

In Deutsch: Wer anständig ist, der ist links, wer nicht links ist, der kann nicht anständig sein. Ob Stefanowitsch auch dann links und Anstand gleichsetzt, wenn es um Brandanschläge geht, die nicht so prominent in der Presse verbreitet werden wie die auf Flüchtlingsunterkünfte. Brandanschläge wie die beiden gerade in Chemnitz von Linken verübten?

Als sei das nicht schon genug, an Stefanowitscher Lebensweisheit, geht es weiter mit der Definition des Begriffs „Pack“. Pack ist für Stefanowitsch abermals ein Begriff, den Sigmar Gabriel „ins Spiel gebracht“ hat, um „den Rassismus als Eigenschaft gesellschaftlich geächteter, ungebildeter und prinzipienloser Randgruppen darzustellen“. Damit solle der deutsche „Rassismus als irgendwie nicht-deutsch“ dargestellt und die gesellschaftliche Mitte entlastet werden. Aber, wie Stefanowitsch weiß: alle Anständigen sind links, deshalb ist die gesellschaftliche Mitte rassistisch und Pack. Das ist die logische Konsequenz seiner Definition.

Und dass die gesellschaftliche Mitte aus rassistischem Pack besteht, das liegt an „Professoren und Ex-Adeligen“ [Da Stefanowitsch Professor ist, fragt man sich, wo diese unerwartete Selbsterkenntnis herkommt], die „rechtes Denken auf breiter Ebene salonfähig“ gemacht haben.

Studien AdornoDie einfache Welt des Anatol Stefanowitsch, des Beamten, der an der Freien Universität Berlin englische Philologie lehrt und von dem rassistischen Pack aus der gesellschaftlichen Mitte finanziert wird, sie ist erschreckend und belustigend zugleich, denn wir hätten es eigentlich nicht für möglich gehalten, im Jahre 65 nach der Veröffentlichung der autoritären Persönlichkeit noch auf derart einfach strukturierte Personen auf akademischen Positionen zu treffen, deren Welt in die anständigen Linken und das rechte Pack zerfällt.

Die Verbal-Helden, die man früher Armchair-Scientists genannt hat, wobei die Letztgenannten sich durch die intime Kenntnis eines Fachgebiets von den heutigen Verbal-Helden unterscheiden, sie lassen sich vom Bürgertum finanzieren, um eben dieses zu beschimpfen und sie spielen sich zu guten Menschen auf, die Vertriebenen, wie sie nunmehr Flüchtlinge nennen wollen, so als würden Flüchtlinge nicht dadurch definiert, dass sie vor etwas flüchten, ganz viel Gutes, ganz viel natürlich nur verbal Gutes zukommen lassen wollen.

Oder haben Sie je davon gehört, dass ein Anatol Stefanowitsch auf die Hälfte oder zwei Drittel seines Gehalts verzichtet, das sowieso von rechtem Pack aufgebracht wird, und das Geld zur Versorgung von Flüchtlingen stiftet, oder dass er Flüchtlinge in seine Wohnung aufgenommen hätte, um ihnen das Zeltlagerdasein zu ersparen oder sie vor Rechten zu retten und in die anständige Spießigkeit derjenigen zu überführen, die die richtigen Häuser in Brand stecken?

Neid und Verachtung: Was den Gutmenschen ausmacht

Gutmenschen haben wir bereits einige Posts gewidmet. Von Studien über Gutmenschen haben wir berichtet und unsere eigene Definition und Typologie des Gutmenschen entwickelt. Dazu später.

Zunächst zum Neger, jenem Begriff, der für Gutmenschen so unerträglich ist, dass sie ihm die Existenz verweigern, in verfolgen, ausmerzen und seine Benutzung verbieten wollen.

Warum?

darwin-greatNeger ist ein deskriptiver Begriff. Er bezeichnet einen schwarzen Menschen. Mit dem Begriff Neger eine Bewertung zu verbinden, z.B. eine positive Bewertung, weil Neger in der Regel athletischer sind als Weiße, wie man bei Olympischen Spielen oder im Basketball regelmäßig sehen kann, ist eine Leistung dessen, der die entsprechende Bewertung vornimmt.

Man kann also festhalten, dass die Bewertung gar nichts mit der Beschreibung zu tun hat, dass sie von demjenigen, der sie mit dem Begriff „Neger“ in Verbindung bringt, gemacht wird.

Wenn nun also ein Gutmensch nicht anders kann als mit dem Begriff „Neger“ eine negative Bewertung zu verbinden, dann ist das seine negative Bewertung, dann kommt darin seine Verachtung für Neger zum Ausdruck, nicht die derjenigen, die den Begriff deskriptiv benutzt haben.

Man kann also festhalten, dass die Behauptung, der Begriff „Neger“ sei negativ, sei diskriminierend, eine Behauptung ist, die sich nicht unbedingt aufdrängt, und es ist eine projektive Behauptung, die derjenige, der die negative Bewertung vornimmt, auf den Begriff und alle seine Benutzer überträgt.

Meyer WeltaltasNun stellt sich die Frage, warum sollte man allen seinen Mitmenschen, die den Begriff „Neger“ benutzen, von Erich Kästner bis Otfried Preußler, von Immanuel Kant bis zu den Autoren von Meyers Weltatlas für Kinder, auf dessen Seite 64 der Begriff „Neger“, als historisch ethnographischer Begriff, der er nuneinmal ist, allein fünfmal geschrieben steht, warum sollte man ihnen allen niedrige Motive unterstellen, ihnen nachsagen wollen, sie wollten Neger diskriminieren?

Die Antwort kann keine rationale Antwort sein, denn wer andere vorab-bezichtigt, sie diskreditiert noch bevor er sie kennt, quasi in einem Rundumschlag, der macht damit Kooperation unmöglich und schadet sich auf lange Sicht selbst. Die Antwort muss entsprechend eine psychologische sein, und die Antwort, die sich hier quasi aufzwingt, ist ein Schuldkomplex, eine pathologische Projektion des eigenen schlechten Gewissens auf andere:

Weil Gutmenschen, die den Begriff „Neger“ verbieten wollen, Neger verachten, deshalb wollen sie anderen den Begriff „Neger“ verbieten, quasi als Form der Selbstbestrafung und Selbstreinigung. Ein solcher Masochismus ist nicht neu, neu ist, dass die Bestrafung über den Umweg der öffentlichen Reinigung vollzogen wird. Sie ist somit eine Form des Exhibitionismus, mit der Gutmenschen sich von jedem Verdacht, die Verachtung zu empfinden, die tatsächlich in ihnen schlummert, reinigen wollen. Zudem wollen sie die eigene Verachtung zum Massenphänomen stilisieren, um nicht mit ihren schlechten Gedanken alleine zu sein.

Dass dem so ist, dafür spricht die Wahl der Zielgruppen, die sich Gutmenschen für ihre Hilfe auserkoren haben. Dabei handelt es sich ausschließlich um Gruppen von Menschen, die man als weißer Gutmensch sozial unter sich verortet, Menschen, die in scheinbar armen Verhältnissen leben und deshalb zu Bildungsfernen degradiert werden können. Menschen, die keinen deutschen Stammbaum, der mindestens drei Generationen zurückreicht, nachweisen können, weshalb sie als dem eigenen deutschen Weißsein unterlegen angesehen werden und zu Personen mit Migrationshintergrund stereotypisiert werden können und besonders: Neger.

Alle Schwarzen eignen sich nach Ansicht von Gutmenschen hervorragend zur Degradierung, denn sie sind in Deutschland farbfremd, kommen nach Ansicht der Gutmenschen zumeist aus Entwicklungsländern, die man unter sich verortet, kurz: Sie erfüllen alle Kriterien, um von Gutmenschen auf der sozialen Leiter noch unterhalb der eigenen Position eigneordnet werden zu können.

Und deshalb können sie missbraucht werden, dazu missbraucht werden die Verachtung, die Gutmenschen für alle empfinden, die sie sozial unter sich wähnen, zu zelebrieren und dafür zu sorgen, dass für alle sichtbar wird, dass die entsprechenden Gruppenangehörigen auch sozial untergeordnet sind. Wie zeigt man das am besten: Indem man die entsprechenden Gruppenangehörigen zum Schutzgut degradiert, indem man erklärt, sie seien zu hiflos, um sich selbst zu helfen. Deshalb bedürften sie der Hilfe durch Gutmenschen, die auf diese Weise ihre soziale Position gesichert haben und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: (1) Sie können sich als Helfer zelebrieren, die denjenigen, die sie kleingeredet haben, helfen wollen, wieder groß zu werden, und (2) sie können die Verachtung kaschieren, wie sie denken, die sie in erster Linie motiviert hat die entsprechenden sozialen Gruppen zu Zielgruppen zu machen.

Und deshalb haben wir für Gutmenschen des beschriebenen Typs nur Verachtung (Das war eine Bewertung, die auf einer Begründung basiert: all das, was vor „Und deshalb“ steht.).

Entsprechend müssen wir unsere Typologie der Gutmenschen um den „bösartigen Gutmenschen“ ergänzen, der seinen Minderwertigkeitskomplex in Verachtung gegenüber denjenigen umwidmet, die er unter sich wähnt. Seine angebliche soziale Überordnung, will er dadurch sicherstellen, dass er sich in der Person des Helfers zelebriert.

Darüber hinaus gibt es noch die folgenden Typen von Gutmenschen:

Weber Wissenschaftslehre

  • Zweckrationale Gutmenschen; Sie missionieren andere, um sich damit einen eigenen Vorteil zu verschaffen.
  • Wertrationale Gutmenschen; Ihnen geht es um die Seele ihrer Opfer. Wertrationale Gutmenschen verfolgen ihre Opfer, wenn es sein muss bis ans Kreuz, werten Menschen mit anderer Meinung ab, wo sie ihnen begegnen.
  • Affektive Gutmenschen; Affektive Gutmenschen halten sich einfach für gut. Es gehört zu ihrem Selbstbild. Sie hinterfragen nichts und verfolgen keine Ziele, sie bilden die unterstützende Masse, die auf die Führung durch Führer (vermutlich Opportunisten, also zweckrationale Gutmenschen) warten.

Gutmenschen haben wir wie folgt definiert:

„Das, was den Gutmenschen ausmacht, ist sein missionarischer Eifer, der sich wiederum aus der eingebildeten Überlegenheit des eigenen unvernünftigen Überzeugungssystems speist. Dieses Überzeugungssystem zeichnet sich dadurch aus, dass es völlig unbegründet ist. Unbegründet ist ein Überzeugungssystem dann, wenn es keinerlei empirische Belege für seine Gültigkeit gibt. Das Überzeugungssystem ist unvernünftig, weil es auf transzendete Werte rekurriert, die das Zusammenleben unter Menschen erschweren oder gar verunmöglichen. Diesen transzendeten Werten opfern Gutmenschen das gute Zusammenleben mit anderen.“

Die Argumentation im vorliegenden Post ergänzt die Forschungsergebnisse von Eric J. Pedersen, Robert Kurzban und Michael E. McCullough, die gezeigt haben, dass Gutmenschen in erster Linie von Neid getrieben werden.

Langsam nähern wir uns dem an, was Clifford Geertz „dichte Beschreibung“ genannt hat, eine dichte Beschreibung von Gutmenschen.

©ScienceFiles, 2015

Hate Speech: Die Gedanken sind nicht mehr frei

Der Berliner Tagesspiegel agiert heute als Marketingpartner für die Amadeu Antonio Stiftung und bewirbt deren Broschüre: „Geh[‚] sterben!„.

Nein, die Broschüre hat nichts mit Sterbehilfe oder der Aufforderung zum Suizid zu tun. Es geht um Hate Speech, d.h. um den „Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet“. Das zeigt bereits, die Amadeu Antonio Stiftung ist eine jener Stiftungen, die angetreten sind, um die deutsche Menschheit zu einer besseren deutschen Menschheit zu bekehren, zu einer gesitteten und verbal anständigen deutschen Menschheit, deren Kommunikationskultur das nicht enthält, was man bei der Amadeu Antonio Stiftung für Hate Speech hält.

Geh sterbenUnd was hält man dort für Hate Speech oder mit dem Anspruch einer umfassenden Deutungshoheit und von Anatol Stefanowitsch formuliert: „Was ist überhaupt Hate Speech?“ Die Überschrift lässt keinen Zweifel: Anatol Stefanowitsch weiß, wovon er spricht, er weiß, was „überhaupt Hate Speech“ ist, und nach dem Lesen von Stefanowitschs dreiseitigen Beitrag gibt es wirklich keine Zweifel mehr, Zweifel, die nach der Einleitung oder Ouvertüre zum Amadeu Antonio Opus in H-Moll noch vorhanden waren, denn: „Hate Speech ist in der Debattenkultur ein Problem dem begegnet werden muss“, so wird verkündet, obwohl: es notwendig und offensichtlich schwierig ist, Hate Speech in „ihren Facetten und Dimensionen überhaupt erst mal [zu] erkennen“.

Wie gut, dass der ungenannt gebliebene Komponist der Overtüre weiß, dass Hate Speech sich immer gegen „Juden, Linke (Queer-)Feministinnen, Schwarze, Muslime, Homosexuelle und Flüchtlinge richtet“, aber nie gegen Männer, Rechte, Alte, politisch Andersdenkene, Heterosexuelle, Christen, Weiße usw. Das macht die Welt etwas einfacher, und wir können die Ouvertüre mit der Feststellung schließen: Die Welt ist voller Engel und Teufel. Erstere sind Ziel, letztere sind Quelle von Hate Speech. Erstere sind reine Wesen linker Gesinnung, Letztere sind fiese Burschenschaftler, Pegida-Demonstranten oder sonstige vermeintlich Rechte (wobei die Linken, die Rechten zwischenzeitlich in der gesellschaflichen Mitte verorten), die die falsche Gesinnung, das falsche Bewusstein, wie Marx es genannt hat, haben, weshalb ihnen der Weg in das linke Paradies verwehrt ist.

Der Ouvertüre folgt gleich das Scherzo von Anatol Stefanowitsch, das Scherzo, das aufräumt mit den falschen Vorstellungen darüber, was Hate Speech „überhaupt“ ist.

Los geht’s vom Largo zum Allegro

Hate Speech verletzt keine Individuen, sondern Gruppen und liegt dann vor, wenn „von einem wahrnehmbaren Teil der Sprachgemeinschaft“ eine sprachliche Äußerung „als herabwürdigend und/oder verunglimpfend gegenüber einer Bevölkerungsgruppe verstanden wird“.

Wer nicht länger als Raubtierkapitalist oder gewissensloser Banker oder Börsen-Zocker verunglimpft werden will, sollte entsprechend die Sprachgemeinschaft bestimmen, zu der er gehört, seine Kumpel zusammentrommeln, sich vor die Zentrale des DGB in Berlin stellen, damit er ein wahrnehmbarer Teil der Sprachgemeinschaft wird und gegen diese Art gewerkschaftlicher Hate Speech demonstrieren.

hate_speech1Hate Speech erkennt man am Hate, also am Hass, was misslich ist, denn Hass ist eine Emotion und Sprache ist, ist eben Sprache. Wenn Hans zu Horst sagt: „Du Arschloch“, ist dann Hans ein Hate Speaker oder Horst ein Arschloch? Um das herauszufinden, müssen wir, wie Anatol Stefanowitsch erklärt, nicht etwa die Frage klären, nach welchen Kriterien jemand ein Arschloch ist, um dann zu fragen, ob Horst diesen Kriterien entspricht bzw. ob die subjektive  „Horst-ist-ein-Arschloch-Konstruktion“ von Hans den Kriterien entspricht, was Horst dann unweigerlich zum Arschloch macht, nein, wir müssen entweder die Hass-Intention von Hans im Hanschen Hirn isolieren oder der Einfachheit halber, weil es schwierig ist, Emotionen in Hirnen dingfest zu machen, Horst fragen: „Du Horst, fühlst Du Dich durch die Bezeichnung „Arschloch“ verunglimpft oder herabgesetzt?“ und Horst wird sagen: „Ja, ey“. Und weil wir Mitgefühlt mit Horst haben, denn es ist ja nicht schön, öffentlich als Arschloch bezeichnet zu werden, deshalb sind wir schon zu zweit oder dritt und das reicht zum wahrnehmbaren Teil der Sprachgemeinschaft. Eh voilá: Hate Speech!

Das ist schick: Hate Speech liegt also immer vor, wenn sich ein paar einreden, sie würden, trotz aller Individualität, die sie doch trennt, gemeinsam und gleich empfinden, sich gemeinsam gleich verunglimpft empfinden. Das eröffenet ganz neue Möglichkeiten der therapeutischen Vergemeinschaftung, z.B. in gemeinsamen Gruppen-Verunglimpfungs-Empfindungs-Veranstaltungen, wie sie derzeit Trend sind, bei Friedrich-Eberts steuerzahlerfinanzierten Namensnehmern oder an Hochschulen, die Professuren eigens zur Verunglimpfungs-Empfindung eingerichtet haben.

Hate Speech kann auch indirekt sein, z.B. wenn man Hartz-4-ler oder Unterschichtler sagt, das liegt, wie Stefanowitsch erklärt, an der Endsilbe -ler, den -ler ist pejorativ, will abwerten, wie z.B. in Postler oder Radler oder Burschenschaftler. Gut zu wissen!

Hate Speech liegt auch dann vor, wenn systematisch gesellschaftliche Gruppen ausgeblendet werden, so weiß Stefanowitsch und zitiert Lann-Hornscheidt als Quelle dieser Erkenntnis, nicht dass er noch Konsequenzen wegen Nicht-Erwähnung zu tragen hat, denn Nicht-Erwähnung bedeutet, dass den Nicht-Erwähnten die Existenz abgesprochen wird.

Wenn also im Bundestag konsequent in allen Reden von Kollegen und Kolleginnen gesprochen wird, dann ist dies Hate Speech, schon weil systematisch die schwarzen Kollegen und die rheinland-pfälzischen Kollegen und die Berliner Kollegen und Lann-Hornscheidt und Stefanowitsch und Einfallspinsel aller Couleur unerwähnt bleiben, und dies seit Legislaturperioden, was nur den Schluss zulässt, dass der Bundestag die Hate Speech Bude der Nation ist.

Fassen wir zusammen, was Hate Speech nach der Meinung der Hate Speech Erfinder sein soll:

Hate Speech ist pejorativ, also abwertend, abschätzig.

Hate Speech kann nur über die Intention des Sprechers oder das empfundene Gefühl des Adressaten enttarnt werden.

Absurdity insanityHate Speech richtet sich angeblich nicht gegen Individuen, sondern gegen Gruppen, d.h. es müssen sich Empfindungsgemeinschaften professioneller Hate Speech Fühler zusammenfinden, die wissen, dass sie oder Dritte sich durch bestimmte Begriffe verunglimpft fühlen bzw. fühlen würden.

Hate Speech ist indirekt und lauert in der Ensilbe „-ler“.

Hate Speech wirkt auch durch Schweigen oder nicht-Erwähnen, auch der Hate Speaker, der nicht spricht, spricht Hass.

Diese geballte Erkenntnis verdanken wir dem Experten in Hate Speech, Anatol Stefanowitsch, der von der Amadeus Antonio Stiftung als Professor für Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin eingeführt wird, was er am Institut für Englische Philologie auch tatsächlich ist.

Erkenntnisse, wie die von Stefanowitsch, sind jedoch nichts wert, wenn man sie nicht anwendet. Nein, Erkenntnisse, wie die von Stefanowitsch, dienen einzig der Anwendung, dem Ausschluss von Hate Speech, sie sind praktsiche Sprachreinigung, die wir jetzt anwenden.

Unser Satz:

Genderisten versuchen sich als Wissenschaftler an Hochschulen festzusetzen, um sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen,

ist, Sie ahnen es schon, Hate Speech (Früher war das eine Annahme, die man empirisch prüfen konnte. Heute ist es Hate Speech, damit es niemand prüft).

„Genderisten“ ist wie Wissenschaftler (Endsilbe: „-ler“ !) pejorativ und indirekt abwertend, denn Genderisten sind keine Wissenschaftler oder sind sie Wissenschaftler, trotz abwertendem -ler, aber keine Genderisten, also ist Genderist pejorativ und außerdem suchen Genderisten als Wissenschaftler oder nicht, keinen finanziellen Vorteil, fühlen sich entsprechend, wenn man ihnen eine entsprechende Absicht unterstellt, verunglimpft, denn sie wollen nur das Beste, nicht für sich, nur für andere, und das wollen natürlich alle Genderisten – oder so. Genügend Grund also, um sich verunglimpft zu fühlen, schon weil im Satz der Hinweis auf die Unmengen schwarzer, gelber und brauner Genderisten fehlt, die inter-, trans- und sonstwie sexuell orientiert sind. Systematische Nichterwähnung ist Hate Speech!

Und Hate Speech ist hinterhältig, kommt oft ganz harmlos daher, so hat uns Stefanowitsch erklärt, weil ihm das Wort „Suggestion“ nicht eingefallen ist. Das meint er eigentlich, wenn er als Beispiel gibt: „Er ist Grieche, aber total fleißig“. Die Suggestion dahinter: Griechen sind eigentlich nicht fleisig, „Er“ eine Ausnahme. Warum Stefanowitsch hier ausgerechnet die Griechen und nicht die Preußen einfallen?

Wie auch immer, wir haben uns gefragt, wozu die akribische Identifikation von Hate Speech und die Subsumierung von nahezu allem, was manchen denkbar erscheint, unter Hate Speech sinnvoll ist. Unsere Antwort: So würgt man gesellschaftliche Diskurse ab, bestreitet bestimmten gesellschaftlichen Gruppen das Recht, ihre Meinung zu äußern, radikalisiert den Widerstand, drängt ihn in den Untergrund und macht sich selbst zum Herrscher über den Diskurs, in dem natürlich nur noch zugelassen ist, was von den Hate Speech Experten und professionellen fremd-Empfindern freigegeben ist.

Sätze wie der folgende, sind entsprechend Hate Speech und kommen nicht mehr durch die Zensur:

Obwohl ein Teil der privilegierten, universitären Einbildungselite denkt, er könne die Diskriminierung von Arbeiterkindern z.B. wenn sie auf Sonder- oder Hauptschulen abgeschoben werden, verstehen und sich in die Verzweiflung einfühlen, die Arbeiter fühlen, wenn sie zusehen müssen, wie die Steuergelder, die sie mit ihrer Hände Arbeit erwirtschaften, ein Umstand, den sie mit einer kürzeren Lebenserwartung als z.B. Anatol Stefanowitsch bezahlen, dazu verschwendet werden, universitäteren Hokuspokus zu finanzieren, hat dieser Teil der privilegierten, universitären Einbildungselite nicht aufgehört, die entsprechenden Steuergelder zu verschwenden.

Hate Speech hin oder her: Wir werden auch in Zukunft nicht aufhören, das gesellschafliche und besonders das universitäten Umfeld zu beobachten und unsere Beobachtungen in Aussagen, wie die oben, zu fassen. Im Gegenzug haben wir auch weiterhin nichts dagegen, wenn wir als Wissenschaftler bezeichnet werden.

©ScienceFiles,2015