Entwarnung. Ebola mag tödlich sein, aber nicht in Deutschland. Äußerst unwahrscheinlich sei ein Ausbruch von Ebola in Deutschland, so das Ärzteblatt. Und im O-Ton geht es weiter:
„Auch mit den weiter steigenden Ebola-Zahlen besteht in Deutschland kein Grund zur Sorge. Dass eine infizierte Person einreise, sei zwar möglich, aber extrem ununwahrscheinlich, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) am Montag in Hamburg. Andere lebensbedrohliche Krankheiten wie Malaria seien deutlich häufiger.“
Ob Herr Schmidt-Chanasit stottert oder das „ununwahrscheinlich“ ein Anflug von Pessimismus bei den ansonsten so überzeugten Ärzten ist, muss derzeit offen bleiben.
Dennoch: kein Grund zur Sorge, wie nicht nur das Ärzteblatt verkündet. Die Meinung im Medienwald scheint dahingehend einmütig zu sein, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Ebola befällt keine Europäer und wenn doch, so die allgemeine Meinung, dann ist der Ausbruch schnell eingedämmt und das effiziente Gesundheitsystem wird dem Virus schnell den Garaus machen.
Das muss auch schnell geschehen, weil sonst der Virus den Infizierten den Garaus macht: 2 bis 21 Tage dauert die Phase der Inkubation. Der Virus findet sich in allen Formen körperlicher Flüssigkeiten und Sekrete, entsprechend leicht kann er zwischen Menschen übertragen werden. Er äußert sich zunächst in Fieber, Schwäche, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, einem rauhen Hals, geht schnell zu Erbrechen, Durchfall und Aussschlag, Nieren- und Leberschädigung über und von dort fast nahtlos in innere oder äußere Blutungen.
Ebola ist in vielerlei Hinsicht besonders: Es gibt keine zugelassenen Medikamente zur Bekämpfung von Ebola. Es gibt keine Form der Behandlung, die Erfolg verspricht. Es gibt keinen Impfstoff. Es gibt Vermutungen darüber, dass das Ebola-Virus vor allem Flughunde als Wirt nutzt. Aber: Genaues weiß man derzeit nicht, nur eines weiß man, nämlich, dass man sich in Deutschland keine Sorgen über Ebola machen muss, auch nicht als spezifische Form von Empathie angesichts der vielen Toten, die der neueste Ausbruch des Virus bislang hinterlassen hat.
Derartige Luxus-Probleme aus angeblich ethischen Erwägungen kann man sich in der trauten Sicherheit leisten, dann, wenn man sich in seinem Ebola-freien Idyll eingerichtet hat. Und schließlich muss man sich ja keine Sorgen machen, wie das Ärzteblatt weiß. Aber weiß es das wirklich?
Ebola ist eine Form des hämorrhagischen Fiebers, also eines zu Blutungen führenden Fiebers, das nicht ganz unbekannt ist, in Deutschland. Im Jahre 1967 kam es in Marburg, Frankfurt am Main und Belgrad zu einem Ausbruch des Marburg Virus, einem Ableger von Ebola, der ebenfalls zur Gruppe der hämorrhagischen Fieber gehört. 31 Arbeiter bei Hoechts, in den Behring Werken wurden infiziert, sieben davon sind gestorben. Damit hatte der Ausbruch die Größenordnung des Ebola-Ausbruchs von 2008 in der Demokratischen Republik Kongo, was zeigt, dass es mitnichten so ist, dass Ebola ein Schauspiel ist, das sich im fernen Afrika ereignet.
Überhaupt, wir leben in einer globalisierten Welt, in der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen den Virus ebenso nach Hause bringen können, wie Touristen. Ob die 11.9 Millionen Euro, die die EU derzeit eingesetzt hat, um vor Ort in Afrika Hilfe gegen Ebola zu leisten, adäquat oder ein Feigenblatt sind, ist entsprechend eine offene Frage. Fraglich ist zudem, ob man sich die Luxus-ethischen Probleme, die derzeit gewälzt werden, auch in Zukunft wird leisten können. Klar ist lediglich, dass es sinnvollere Weisen gibt, Steuergelder anzulegen als sie in Frauenförderung zu stecken: Wie wäre es statt dessen mit einer Finanzierung von Unternehmen, die tödliche Krankheit wie Ebola erforschen? Wir können das Professorinnenprogramm streichen und statt dessen entsprechende Stellen in Unternehmen schaffen, auf die sich dann natürlich auch Frauen bewerben können, die bei entsprechender Eignung auch eingestellt werden.
Aber das wird natürlich nicht geschehen, denn: wir müssen uns keine Sorgen machen, wie das Ärzteblatt weiß und der für Gesundheit zuständige EU-Kommissar Tonio Borg erklärt:
As European Commissioner for Health I want to reassure citizens that the risk from Ebola to EU territories is extremely low. This is both because relatively few people travelling to the EU are likely to be infected with the virus, and because of the way in which it spreads, i.e. only through direct contact with the symptomatic patient’s body fluids.
Ebola verbreitet sich wie eine Schnupfenvirus, sagt Borg, und es gibt keinen Grund zur Sorge.
Na dann.
