Nun, da die Gender-Pay-Gap Lüge aufgeflogen ist, ist die nächste Lüge in Vorbereitung. An die Stelle des Gender Pay Gaps soll das „Gender Unpaid Gap“ treten. Die Lüge, die dieses Mal verbreitet werden soll, sie lautet nicht mehr: Frauen werden für gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer, sie lautet: Frauen arbeiten mehr unentgeltlich als Männer, deshalb: Gender Unpaid Gap.
Wie so oft, wenn es darum geht, Lügen in den öffentlichen Diskurs zu tragen, stehen die politischen Vereine der Parteien in der ersten Reihe. Und – ebenfalls wie so oft, wenn es darum geht, Lügen in den öffentlichen Diskurs zu tragen, fällt die Aufgabe, die Lüge zu übermitteln, Leuten zu, die gänzlich unbekannt sind und mit der Stiftung, in deren Auftrag sie unterwegs sind, nur von Insidern in Verbindung gebracht werden.
Barbara König, Jonathan Menge und Christina Schildmann kommt dieses Mal die Rolle zu, die ideologische Schmutzarbeit zu verrichten, und sie tun das in einer Weise, die den Eindruck vermittelt, es habe nicht viel Überzeugungsarbeit seitens der Verantwortlichen der Friedrich-Ebert-Stiftung gebraucht, um die drei instrumentalisieren zu können und sie – im schlimmsten Fall, wenn die Lüge auffliegt – der Lächerlichkeit preiszugeben.
Und die Lüge ist aufgeflogen.
Wir haben den Text der Friedrich Ebert Stiftung, der mit „Inside the Gap 1/3: Der Gender Pay Gap – Die große Lücke ist unbezahlt“ überschrieben ist, gelesen.
Anglizismen sind neuerdings sehr beliebt, vor allem bei Leuten, die sie nicht bedienen können. Man kann zwar auch im Englischen in einer Spalte oder einer Lücke stehen (Gap), aber wer von sich behauptet, er stünde in einem verbalen, in der Realität nicht vorhandenen Gender Pay Gap, der macht sich lächerlich, so lächerlich wie derjenige, der sich aus dem Inneren einer Angebotslücke meldet (Gap in Supply).
Wie dem auch sei: „Die große Lücke ist unbezahlt“. Und die große Lücke, sie hat nichts mehr mit dem eigentlichen Gender Pay Gap zu tun, nein, die große Lücke führt weg vom Gender Pay Gap, der aufgeflogenen Lüge, und hin zur neuen – in einem Anglizismus – Cover Story: Also der Geschichte für die Dummen und Leichtgläubigen, mit der versucht wird, von der Wahrheit abzulenken.
Und sie liest sich wie folgt, die neue Cover Story, die neue Lüge des Gender Unpaid Gap:
„Dass Frauen weniger Lohnarbeit verrichten, heißt keineswegs, dass Frauen weniger arbeiten als Männer – auch wenn in den Köpfen vieler Menschen der Begriff „Arbeit“, etwas arglos und einem allzu engen Begriffsverständnis folgend, mit bezahlter Arbeit gleichgesetzt wird. Denn Frauen verrichten wesentlich mehr unbezahlte Arbeit und Sorgearbeit als Männer. Die letzte große Zeitverwendungsstudie aus den Jahren 2001/2002 kam zu dem Ergebnis, dass sich die Geschlechterdifferenzen im Bereich der bezahlten und unbezahlten Arbeit zusammengenommen im Wesentlichen ausgleichen. Während Frauen im Durchschnitt 31 Stunden in der Woche unbezahlte und 12 Stunden bezahlte Arbeit leisten, verbringen Männer 19 ½ Stunden mit unbezahlten und 22 ½ Stunden mit bezahlten Tätigkeiten. Frauen arbeiten also 11 ½ Stunden mehr unbezahlt, Männer 10 ½ Stunden bezahlt“.
Die letzte „große Zeitverwendungsstudie“, die dieses skandalöse Ergebnis erbracht hat, haben Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes im Auftrag des Bundesministeriums für … na?, richtig: FSFJ durchgeführt. Und aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen haben sie alle Ergebnisse, so auch die hier dargestellten, für Personen ab 10 Jahren (zuweilen auch ab 12 Jahren) berichtet. Es handelt sich bei dem Gender Unpaid Gap, das die drei Wegwerf-Autoren [Wegwerf Autoren deshalb, weil die entsprechenden Autoren, sind sie erst einmal ihre Schuldigkeit getan haben, wie z.B. die Herren Rosenbrock oder Rieske, von ihren Auftraggebern discarded werden, um einen weiteren Anglizismus zu verwenden] aus dem FES berechnet haben, um ein Gender Unpaid Gap, das bereits bei Jungen und Mädchen herrscht.
Vor allem bei Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren und bei denen, die noch in der Ausbildung sind, stellt sich das Gap zwischen unbezahlter Arbeit und Erwerbsarbeit in einem Ausmaß dar, das man nicht anders als bedenklich bezeichnen kann, kommen die wöchentlichen Aufwendungen für Erwerbsarbeit von z.B. 11jährigen doch nahe 0, so dass man fast einen Ausschluss vom Arbeitsmarkt annehmen muss.
Entsprechend sind die 11jährigen auf Mithilfe im Haushalt angewiesen, auf unbezahlte Familienarbeit, die sich in minderen Tätigkeiten wie „Kochen, Spülen, Reinigen von Haus und Wohnung, Wäsche-, Tier- und Gartenarbeit“ niederschlägt. So steht zu vermuten, dass sich 11 und 12jährige auf die Pflege von Haustieren spezialisiert haben und hier deutlich mehr unbezahlte Arbeit verrichten als ihre Väter, die dem Privileg einer Erwerbsarbeit nachgehen.
Man weiß nicht, ob man lachen oder schreien soll, wenn man einen derartig abgrundtiefen Unsinn vor sich sieht, wie den von Barbara König, Jonathan Menge und Christina Schildmann, denen der Auftrag erteilt wurde, ein Gender Unpaid Gap zu erfinden, ein Auftrag, an dem sie kläglich gescheitert sind, nicht nur, weil es mehr oder minder zur Arbeitsteilung gehört, dass diejenigen, die zuhause sitzen, sich mehr um den Haushalt kümmern als diejenigen, die acht Stunden pro Tag am Arbeitsplatz verbringen, zu dem sie häufig mehr als eine Stunde Anreise haben, was bei der Berechnung des Gender Unpaid Gap leider unberücksichtigt geblieben ist.
Es ist ein so dicker Hund, dass man Barbara König, Jonathan Menge und Christina Schildmann nur raten kann, sich tief in den ideologischen Hallen der FES zu verkriechen und nicht ans Tageslicht derer zu kommen, die sich ernsthaft mit Daten und wissenschaftlicher Analyse befassen.
