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Terrorismus und Terroristen: Die Fakten

Nach den Anschlägen von Paris stehen die Liveblogs und Livefeeds wieder hoch im Kurs. Wenn man schon bei den Anschlägen nicht live dabei war, dann doch wenigstens jetzt live dabei sein, bei was auch immer. Der erste sein, der weiß, dass in Brüssel Männer festgenommen wurden und mindestens ein Attentäter aus Syrien eingereist ist oder in Syrien war oder irgendwas mit Syrien halt.

Schließlich muss man gerüstet sein, um nicht nur in sozialen Netzwerken mitreden zu können, um seinen Teil zur allumfassenden Erregung beitragen zu können. Scheinbar ist Fern-Aufregung, also Aufregung über Dinge, die woanders passiert sind, aber aus welchen Gründen auch immer, wieder woanders distanzverkürzend wirken neuer Volkssport: So als wären die Anschläge nicht in Paris erfolgt, sondern in Berlin und hätten daher in Berlin dieselbe Gefühlsdimension, die sie in Paris haben, werden sie zum Adrenalinschubs, bringen sie Leben in Organismen, die außer Ärger, Wut und Aufregung keine Emotionen zu empfinden scheinen.

Gefühle wiederum sind kein guter Ratgeber, und in der Regel ist das, was auf Basis von Gefühlen gemutmaßt, gefolgert oder behauptet wird, schlicht falsch. Deshalb ist es so leicht, Gefühlsduselige auszunutzen und zum Träger der Fahnen zu machen, die man ihnen hinstellt.

Entsprechend kursiert im Internet Unsinn wie der folgende, den wir zum Anlaß nehmen, um Fakten über Terrorismus und Terroristen zusammenzutragen. Damit der Diskurs informiert wird.

Diese Behauptung ist schlicht falsch.
Aber der Reihe nach.

Terrorismus, der in Europa meist dann für Aufregung und echte Gefühlswallungen sorgt, ist Terrorismus, der sich in Europa, in Westeuropa oder in den USA ereignet. Der entsprechende Ausschnitt ist jedoch ein sehr kleiner Ausschnitt, ein viel zu kleiner Ausschnitt, denn Terrorismus ist eine globale Erscheinug.

Wir definieren Terrorismus hier als absichtliche Gewalthandlung oder Gewaltdrohung, die nicht von einem Staat ausgeht. D.h. Staatsterrorismus ist in der folgenden Darstellung nicht berücksichtigt. Um als Terrorakt gezählt zu werden, muss eine Handlung also zweckgerichtet sein, Gewalt gegen Menschen oder Sachen beinhalten und darf nicht von einem Staat ausgeführt worden sein. Luftangriffe, bei denen Zivilisten (z.B. die Mitglieder einer Hochzeitsgesellschaft) getötet werden, gelten entsprechend hier per definitionem nicht als Terrorakt.

Die folgenden Daten haben wir u.a. dem Global Terrorism-Index des Institute for Economics and Peace entnommen.

Die folgenden beiden Abbildungen geben einen Überblick über die Entwicklung der Anzahl von Terroranschlägen sowie der Anzahl der Todesopfer durch terroristische Anschläge:

Wie man der oberen Abbildung entnehmen kann, ist der Irak-Krieg, den hauptsächlich die USA, vertreten durch George W. Bush, und das Vereinigte Königreich, vertreten durch Tony Blair, zu verantworten haben, der Startpunkt für einen weltweiten Anstieg an Terroranschlägen. Nach dem Tod Osama bin Ladens und mit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien ist eine zweiter Anstieg von Terroranschlägen zu beobachten.

Unterscheidet man die Anschläge nach der tragenden Ideologie der Terrorgruppe, die sich zu den Anschlägen bekannt hat, dann zeigt sich ein sprunghafter Anstieg von Anschlägen, die von Gruppen begangen werden, die eine religiöse Fundierung für sich behaupten, es folgen politische Gruppe, zumeist marxistische oder anarachistische Gruppen und separatistische Gruppen.

Für die OECD-Staaten gibt es die folgenden Daten:

Um die Toten durch Terrorakte in Relation zu Mordopfern zu bringen: weltweit rund 437.000 Mordopfern im Jahre 2012 stehen 11.000 Todesopfer durch Terroranschläge im selben Jahr gegenüber.

Schließlich noch ein paar Inormationen zu ISIL, dem Islamischen Staat:

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